Warum versuchten die katholischen und evangelischen Kirchen einen Neuanfang?

Kirchen im Nationalsozialismus: Neuanfang nach dem Versagen

05/02/2025

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Die Periode von 1933 bis 1945 markiert eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. Unter der Herrschaft von Adolf Hitler und den Nationalsozialisten etablierte sich ein beispielloses Terrorregime, das unzählige Menschen, die sich ihrer Ideologie nicht fügten, ihnen im Weg standen oder ihnen aus anderen Gründen einfach missfielen, gnadenlos verfolgte, quälte und ermordete. Besonders grausam traf es das jüdische Volk, als sechs Millionen jüdische Kinder, Frauen und Männer im systematischen Völkermord des Holocaust getötet wurden, einzig und allein wegen ihres Glaubens. Angesichts solch überwältigender Brutalität erforderte es immensen Mut, sich diesen Gewalttätern und Mördern entgegenzustellen. Tragischerweise wagten es nicht viele Christinnen und Christen, Widerstand zu leisten; tatsächlich unterstützten viele die Nazis, entweder aktiv oder durch ihr Schweigen. Dieses tiefgreifende Versagen von Teilen der christlichen Kirchen führte nach dem Krieg zu einer dringenden Notwendigkeit eines radikalen Neuanfangs, der durch das schmerzhafte Eingeständnis eigener Unzulänglichkeiten und mangelnden Mutes motiviert war.

War die evangelische Kirche nach dem Krieg glaubwürdig?
Nach dem Krieg wollte die evangelische Kirche mit dem Stuttgarter Schuldbekenntnis vom Oktober 1945 einen Schnitt machen und bekannte sich zu einer Mitschuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus. War das glaubwürdig? Das ist ein schwieriger Punkt.
Inhaltsverzeichnis

Die Schatten des Schweigens: Kirchen im Nationalsozialismus

Die nationalsozialistische Herrschaft stellte für die Kirchen in Deutschland eine immense Herausforderung dar, mit der sie auf unterschiedliche Weise umgingen. Während einige sich aktiv dem Regime anpassten und es unterstützten, versuchten andere, ihren Glauben und ihre Institutionen zu schützen, oft unter großen Opfern. Doch die Bilanz nach dem Krieg war ernüchternd: Beide großen christlichen Konfessionen, die evangelische und die katholische Kirche, mussten eingestehen, dass sie als Glaubensgemeinschaften in dieser Zeit versagt und zu wenig Mut gezeigt hatten.

Innerhalb der Evangelischen Kirche manifestierte sich die Spaltung besonders deutlich. Auf der einen Seite standen die „Deutschen Christen“, eine Bewegung, die den christlichen Glauben mit den rassistischen und nationalistischen Vorstellungen der Nationalsozialisten verbinden wollte. Sie gingen so weit, sich für den Ausschluss jüdischer Menschen aus der Kirche einzusetzen, selbst wenn diese zum Christentum übergetreten waren. Ihr Ziel war es, eine angeblich „gefährliche Rassenvermischung“ zu verhindern, und sie lehnten sogar das Erste Testament ab, da seine Texte von Jüdinnen und Juden handeln. Diese Gruppe repräsentierte eine alarmierende Anpassung an die Ideologie des Regimes, die im krassen Widerspruch zu grundlegenden christlichen Werten stand.

Gegen diese Vereinnahmung des Glaubens durch die NS-Ideologie formierte sich die „Bekennende Kirche“. Christinnen und Christen, die sich dieser Bewegung anschlossen, wandten sich mutig gegen die „Deutschen Christen“ und die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten. Sie verteidigten die Autonomie der Kirche und die Reinheit der christlichen Lehre. Doch ihr Widerstand hatte seinen Preis: Schon ab 1937 wurden viele ihrer Pfarrerinnen und Pfarrer festgenommen, erhielten Berufs- und Redeverbote oder durften keine Texte mehr veröffentlichen. Einige bezahlten ihren Widerstand sogar mit dem Leben. Ihr Handeln zeugt von einem tiefen Gewissenskonflikt und dem Mut, für ihre Überzeugungen einzustehen, auch wenn sie eine Minderheit blieben.

Die Katholische Kirche verfolgte einen anderen Weg. Sie versuchte lange Zeit, sich mit den Nazis zu einigen, was im Reichskonkordat von 1933 mündete. Dieses Abkommen sollte die Rechte der Kirche sichern, wurde aber vom Regime immer wieder gebrochen. Nur wenige Katholikinnen und Katholiken leisteten offenen Widerstand gegen die Naziherrschaft. Viele Gegner des Nationalsozialismus warfen der Kirche daher vor, primär an ihr eigenes Überleben zu denken und sich zu wenig für die verfolgten und vom Tode bedrohten Jüdinnen und Juden einzusetzen. Dieses Verhalten führte nach dem Krieg zu einer intensiven Debatte über die moralische Verantwortung der Kirche.

Krieg und Gewissen: Die Haltung der Evangelischen Kirche im Zweiten Weltkrieg

Die Frage nach der Haltung der evangelischen Kirchen zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ist von großer Bedeutung. Im Gegensatz zum „Hurra-Patriotismus“ des Ersten Weltkriegs war bei Kriegsbeginn 1939 eine eher reservierte Reaktion zu beobachten. Die Erinnerung an das Leid des Ersten Weltkriegs und das abschreckende Potenzial moderner Waffen dämpften jede anfängliche Begeisterung. Hinzu kam der ernüchternde Zustand der evangelischen Kirchen selbst. Der sogenannte Kirchenkampf, eine innerprotestantische Auseinandersetzung und gleichzeitig ein Konflikt mit den Nationalsozialisten, hatte die Kirche in die Lager der „Deutschen Christen“ und der „Bekennenden Kirche“ gespalten und sie ausgezehrt.

Trotz dieser internen Zerrissenheit und anfänglichen Zurückhaltung trug ein Großteil des Protestantismus den Krieg mit. Seit dem 19. Jahrhundert war im Protestantismus eine starke nationale Bindung vorhanden, die ein opportunes und loyales Verhältnis zum Staat förderte. Als Hitler mit seinem „Blitzkrieg“ im Westen anfängliche Erfolge verzeichnete, führte dies bei vielen zu einer ideellen Unterstützung des deutschen Kriegszuges aus protestantischem Pflichtgefühl heraus. Die militärische Konfrontation schien einen inneren Zusammenschluss der Reihen zu erfordern, dem sich der Protestantismus aus nationaler Verantwortung fügte.

Für die Anhänger der „Bekennenden Kirche“ entstand in dieser Situation eine geradezu schizophrene Lage. Einerseits lehnten sie die kirchenpolitischen Maßnahmen des NS-Regimes klar ab. Das Regime fuhr mit Kriegsbeginn, ungeachtet eines von Hitler ausgerufenen „Burgfriedens“, einen noch restriktiveren Kurs gegen die Kirchen. Die Bekennende Kirche litt unter dieser repressiven Kirchenpolitik. Andererseits identifizierten sich ihre Mitglieder – zumindest nach außen – mit dem Krieg und der Nation. Der Widerstand gegen die Kirchenpolitik des Regimes war nicht gleichbedeutend mit einer Ablehnung des Staates oder des Krieges als solchem.

Im Laufe des Krieges veränderte sich die Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus. Bereits ab 1935 hatte die Regierung einen neuen kirchenpolitischen Kurs eingeschlagen, der eine „Entkonfessionalisierung des öffentlichen Lebens“ anstrebte, um die Kirchen aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen. Dies führte zu einer Ernüchterung bei der „Bekennenden Kirche“ und teilweise auch bei den sogenannten „Neutralen“. Man distanzierte sich zunehmend von der NSDAP, wobei Hitler selbst für viele Evangelische paradoxerweise eine Identifikationsfigur blieb. Unter den zunehmenden Entbehrungen des Krieges und als Nachrichten von Kriegsverbrechen die Runde machten, wurde der Krieg von vielen Evangelischen als reine Qual wahrgenommen. Dies führte jedoch nur bei einzelnen Christen zu einer Auseinandersetzung mit der Frage des Widerstands. Der Mehrheitsprotestantismus verharrte im Modus des leidvollen Erduldens, eine Form passiven Widerstands oder Anpassung, die nicht zu aktivem Handeln führte.

Warum versuchten die katholischen und evangelischen Kirchen einen Neuanfang?
Erst nach dem Krieg gaben die katholische Kirche, aber auch die evangelische Kirche zu, dass sie als Glaubensgemeinschaft in der Zeit des Nationalsozialismus versagt und zu wenig Mut gezeigt hatten. Damit gestanden sie ihre Schuld ein und versuchten einen Neuanfang.

Das Eingeständnis der Schuld und der Weg zum Neuanfang

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, angesichts der Trümmer und der unermesslichen Verbrechen des NS-Regimes, stellten sich die katholische und die evangelische Kirche ihrer Vergangenheit. Beide Glaubensgemeinschaften gaben zu, dass sie in der Zeit des Nationalsozialismus versagt und zu wenig Mut gezeigt hatten. Dieses öffentliche Eingeständnis der Schuld war ein entscheidender Schritt.

Das Stuttgarter Schuldbekenntnis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vom Oktober 1945 ist ein prägnantes Beispiel für diese Aufarbeitung. Darin hieß es unter anderem: „Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ Dieses Bekenntnis war ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit und zur Versöhnung mit den Opfern. Es legte den Grundstein für eine intensive theologische und historische Auseinandersetzung mit der Rolle der Kirche im Nationalsozialismus.

Für die Katholische Kirche war der Weg ähnlich, wenn auch mit anderen Schwerpunkten. Auch sie musste sich der Kritik stellen, nicht ausreichend gegen die Verbrechen des Regimes protestiert zu haben, insbesondere gegen die Ermordung der Juden. Das Eingeständnis, dass die eigene Institution oft über das Leiden anderer gestellt wurde, war schmerzhaft, aber notwendig. Der Neuanfang bedeutete für beide Kirchen, ihre theologische Ausrichtung zu überprüfen, sich klar vom Nationalismus und Rassismus zu distanzieren und eine aktive Rolle bei der Gestaltung einer friedlichen und gerechten Nachkriegsgesellschaft zu übernehmen.

Der Neuanfang war kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortwährender Prozess der Reflexion, der Reue und der Neuausrichtung. Er beinhaltete die Entwicklung einer neuen Sozialethik, die Stärkung des interreligiösen Dialogs, insbesondere mit dem Judentum, und ein stärkeres Engagement für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. Die Kirchen erkannten, dass ihre Glaubwürdigkeit untrennbar mit ihrem Handeln in der Welt verbunden ist und dass sie eine besondere Verantwortung tragen, sich niemals wieder passiv gegenüber Unrecht zu verhalten.

Vergleich: „Deutsche Christen“ vs. „Bekennende Kirche“

Merkmal„Deutsche Christen“„Bekennende Kirche“
Haltung zum NS-RegimeBefürworteten eine Verbindung von christlichem Glauben und NS-Ideologie; unterstützten das Regime aktiv und versuchten, die Kirche nationalsozialistisch auszurichten.Lehnten die NS-Kirchenpolitik ab; widersetzten sich der Gleichschaltung der Kirche und verteidigten die Autonomie des Glaubens gegenüber dem Staat.
Umgang mit jüdischen KonvertitenForderten den Ausschluss jüdischer Konvertiten aus der Kirche zur Verhinderung „Rassenvermischung“ und lehnten das Alte Testament ab.Verteidigten die Gleichberechtigung aller Christen, unabhängig von ihrer Herkunft, und hielten am gesamten biblischen Kanon fest.
Theologische AusrichtungBetonten eine „arteigene“ Form des Christentums, die mit völkischen Ideen und Führerkult vermischt war.Betonten die alleinige Autorität der Heiligen Schrift und das Bekenntnis zu Jesus Christus als dem einzigen Herrn der Kirche (Barmer Theologische Erklärung).
Widerstand gegen NS-TerrorKein Widerstand, sondern Anpassung und Unterstützung des Regimes.Einzelne Mitglieder leisteten mutigen Widerstand gegen die NS-Diktatur, viele wurden verfolgt, inhaftiert und ermordet (z.B. Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller).

Wichtige Fragen und Antworten

War die evangelische Kirche nach dem Krieg glaubwürdig?

Die Frage nach der Glaubwürdigkeit der evangelischen Kirche nach dem Krieg ist komplex und wurde kontrovers diskutiert. Einerseits gestand die Kirche durch das Stuttgarter Schuldbekenntnis ihr Versagen und den Mangel an Mut ein, was ein entscheidender und wichtiger Schritt zur Aufarbeitung der Vergangenheit war. Dieses Eingeständnis war essenziell für einen Neuanfang und die langsame Wiederherstellung des Vertrauens, sowohl innerhalb Deutschlands als auch international. Andererseits blieb die Kritik bestehen, dass dieses Bekenntnis zu spät kam und der Widerstand während der NS-Zeit zu gering war, insbesondere wenn man bedenkt, wie viele Menschen ohne den Schutz der Kirchen leiden mussten. Die „Bekennende Kirche“ hatte zwar Widerstand geleistet und erlitt dafür schwere Repressionen, doch der Großteil des Protestantismus hatte den Krieg mitgetragen oder in einem Modus des „leidvollen Erduldens“ verharrt, anstatt sich aktiv gegen die Verbrechen zu stellen. Die Glaubwürdigkeit musste über Jahrzehnte hinweg durch konkrete Taten, wie die konsequente Aufarbeitung der Vergangenheit, die Förderung der Versöhnung mit den Opfern des NS-Regimes (insbesondere dem Judentum) und ein aktives, unermüdliches Eintreten für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit, mühsam neu aufgebaut werden. Es war ein langer Prozess, der bis heute fortwirkt und die Kirche immer wieder zur Selbstreflexion und zum Handeln auffordert.

Warum schwiegen so viele Christen während der NS-Zeit?

Das Schweigen vieler Christen und Kirchenvertreter während der nationalsozialistischen Herrschaft hatte diverse, oft miteinander verwobene Gründe. Ein wesentlicher Faktor war die überwältigende Angst vor Repressionen durch das brutal vorgehende Regime. Offener Widerstand bedeutete Inhaftierung, Folter oder sogar den Tod, und nur wenige waren bereit, dieses Risiko einzugehen. Hinzu kam eine tief verwurzelte nationale Loyalität, die besonders im Protestantismus seit dem 19. Jahrhundert stark ausgeprägt war. Viele sahen sich zuerst als Deutsche und dann als Christen, was zu einer unkritischen Unterstützung des Staates führte, selbst wenn dieser Unrecht verübte. Der Wunsch, die eigene Institution – die Kirche – zu schützen und ihren Bestand zu sichern, spielte ebenfalls eine Rolle. Man hoffte, durch Anpassung oder Schweigen das Schlimmste zu verhindern. Nicht zu unterschätzen ist auch die Verblendung durch die anfänglichen „Erfolge“ des Regimes, die propagandistisch geschickt inszeniert wurden, sowie die Ideologisierung durch Bewegungen wie die „Deutschen Christen“, die versuchten, NS-Gedankengut mit christlichen Werten zu verbinden und so das Gewissen vieler verwirrten. Viele Gläubige waren zudem unwissend über das volle Ausmaß der Gräueltaten oder sie glaubten der offiziellen Propaganda. Der immense Druck zur Anpassung und Konformität in der Gesellschaft war allgegenwärtig, und Widerstand erforderte eine außergewöhnliche innere Stärke und moralische Klarheit, die leider nur von einer Minderheit aufgebracht wurde.

Was bedeutete der „Neuanfang“ konkret für die Kirchen nach dem Krieg?

Der „Neuanfang“ nach dem Krieg war für beide großen Kirchen in Deutschland weit mehr als nur ein Lippenbekenntnis; er bedeutete eine tiefgreifende und umfassende Selbstreflexion sowie eine fundamentale Neuausrichtung ihrer Rolle in Gesellschaft und Welt. Konkret umfasste dieser Prozess mehrere entscheidende Dimensionen:

  • Öffentliches Eingeständnis der Mitschuld und des Versagens: Dies war der erste und wichtigste Schritt. Die Kirchen mussten anerkennen, dass sie nicht genug getan hatten, um das Unrecht zu verhindern oder die Opfer zu schützen. Dieses Eingeständnis, wie es sich im Stuttgarter Schuldbekenntnis manifestierte, bildete die Basis für jegliche weitere Entwicklung.
  • Distanzierung von nationalsozialistischem Gedankengut: Eine klare und unmissverständliche Abkehr von jeglicher Form von Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus war unabdingbar. Dies bedeutete auch eine theologische Neuorientierung, die die Würde jedes Menschen betonte, unabhängig von Herkunft oder Glauben.
  • Förderung von Friedensarbeit und Versöhnung: Die Kirchen engagierten sich aktiv in der Versöhnungsarbeit, sowohl innerhalb Deutschlands als auch international. Dies umfasste Initiativen zur Verständigung mit den ehemaligen Kriegsgegnern und insbesondere mit dem Judentum, mit dem eine grundlegende Neuaufstellung der Beziehungen angestrebt wurde.
  • Verstärkte Hinwendung zur sozialen Verantwortung: Aus der Erfahrung des Versagens erwuchs die Verpflichtung, sich zukünftig aktiver und unerschrockener für Gerechtigkeit, Menschenrechte und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Die Kirchen wurden zu wichtigen Akteuren in der sozialen und politischen Landschaft der jungen Bundesrepublik.
  • Theologische Neuakzentuierung: Im Protestantismus führte der Neuanfang zu einer Stärkung der Theologie der „Bekennenden Kirche“, die die Unabhängigkeit des Glaubens von staatlichen Ideologien betonte. Für die Katholische Kirche bedeutete es eine verstärkte Betonung der universellen Botschaft des Glaubens und der Ablehnung jeglicher Ideologie, die die Menschenwürde verletzt, was sich später auch im Zweiten Vatikanischen Konzil widerspiegelte.

Dieser Neuanfang war ein langwieriger und oft schmerzhafter Prozess, der bis heute fortwirkt und die Kirchen immer wieder dazu anhält, ihre Rolle in der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen, aus der Geschichte zu lernen und aktiv für ihre Werte einzustehen. Es war der Versuch, aus den tiefen Wunden der Vergangenheit eine Lehre für die Zukunft zu ziehen und eine Kirche zu formen, die dem Evangelium treu bleibt, indem sie sich mutig für die Schwachen und Verfolgten einsetzt.

Die Zeit des Nationalsozialismus bleibt eine schmerzhafte Erinnerung an die Abgründe menschlichen Handelns und die Komplexität moralischer Entscheidungen. Für die katholische und evangelische Kirche in Deutschland war sie eine Epoche des Versagens, aber auch der mühsamen Erkenntnis und des entschlossenen Willens zum Neuanfang. Das Eingeständnis der Schuld war der erste, fundamentale Schritt auf einem langen Weg der Heilung und der Neuausrichtung. Es unterstreicht die ewige Verantwortung von Glaubensgemeinschaften, sich stets kritisch zu hinterfragen und mutig für Gerechtigkeit und Menschenwürde einzutreten, auch wenn der Weg steinig und gefährlich ist. Die Lehren aus dieser Zeit sind bis heute relevant und mahnen uns, wachsam zu bleiben gegenüber jeder Form von Hass, Intoleranz und der Verführung durch totalitäre Ideologien.

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