Wann fand die erste Aufführung des Großen Zapfenstreiches statt?

Der Große Zapfenstreich: Zeremoniell & Bedeutung

05/05/2022

Rating: 4.9 (2731 votes)

Der Große Zapfenstreich ist weit mehr als eine militärische Parade; er ist ein tief verwurzeltes und feierliches Zeremoniell, das seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen festen Platz in der deutschen Kultur und Geschichte einnimmt. Ursprünglich als einfaches Signal zur Beendigung des Tages im Feldlager entstanden, hat sich der Zapfenstreich zu einer komplexen und hochrespektierten Zeremonie entwickelt, die heute höchste Ehrungen ausdrückt. Dieses historische Ritual verbindet alte Traditionen mit musikalischen Darbietungen und Momenten der Besinnung und bietet einen einzigartigen Einblick in das deutsche Militärwesen und seine Werte.

Was ist das Zapfenstreichsignal?
Im Zeremoniell haben sich zwei Überlieferungen bis heute erhalten: der Brauch des Zapfenstreichsignals und die Sitte, Gelegenheit zum Gebet über alle Konfessionen hinweg zu geben. Das Zeremoniell ist seit dem 19. Jahrhundert (in Preußen 1813 eingeführt) bekannt und als ein besonderes und feierliches Zeremoniell geschätzt.

Im Kern des Großen Zapfenstreichs stehen zwei Überlieferungen, die bis heute ihre Bedeutung bewahrt haben: der Brauch des ursprünglichen Zapfenstreichsignals und die Sitte, über alle Konfessionen hinweg Gelegenheit zum Gebet zu geben. Seit 1922 wurde zudem die Nationalhymne als fester Bestandteil in das Zeremoniell integriert, was seine Bedeutung als staatliche Ehrung weiter unterstreicht. Vor dem eigentlichen Großen Zapfenstreich wird oftmals eine Serenade gespielt, eine freie Folge von Musikstücken, die dem Anlass eine individuelle Note verleihen kann.

Inhaltsverzeichnis

Die Historie des Großen Zapfenstreiches

Die Ursprünge des Zapfenstreiches reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der Begriff „Zapfenstreich“ wurde erstmals 1596 erwähnt und bezog sich auf den Befehl, mit einem Stock auf den Zapfen eines Fasses zu schlagen, um den Wirten zu signalisieren, keine Getränke mehr an die Soldaten auszuschenken. Dies war das Zeichen für die Landsknechte, in ihre Lager zurückzukehren. Wer sich widersetzte, wurde hart bestraft. Dieser militärische Brauch wurde 1726 vom sächsischen Obristleutnant Johann Friedrich von Flemming in seinem Buch „Der vollkommene teutsche Soldat“ erstmals ausführlich beschrieben.

Die heutige Form des Großen Zapfenstreichs entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ordnete 1813 während der Befreiungskriege eine Erweiterung des Zapfenstreiches an. Diese umfasste das Präsentieren des Gewehrs, ein stilles Gebet und das Blasen eines Militärliedes. Er folgte damit Vorbildern aus Russland, Österreich und Schweden. Welches Musikstück ursprünglich als Gebet gespielt wurde, ist nicht überliefert, doch setzte sich bald der bis heute verwendete Choral „Ich bete an die Macht der Liebe“ durch.

Die seit der Ausweitung mehrfach veränderte Form des Großen Zapfenstreiches mit musikalischem Gebet und Militärmusik stellte der damalige Musikdirektor des Musikkorps des preußischen Gardekorps, Wilhelm Wieprecht, zusammen. Seine erste Aufführung fand am 12. Mai 1838 in Berlin zu Ehren des russischen Zaren Nikolaus I. statt. Nach der Gründung des deutschen Kaiserreiches 1871 wurde die Kaiserhymne „Heil dir im Siegerkranz“ vor dem Gebet intoniert, wenn der Monarch anwesend war. Seit 1922 ist das Abspielen der deutschen Nationalhymne am Ende der Zeremonie fester Bestandteil. Bei Anwesenheit hoher ausländischer Gäste oder Truppenteile wird heute auch deren Nationalhymne gespielt.

Interessanterweise führten auch das nationalsozialistische Regime und die DDR den Großen Zapfenstreich in abgewandelter Form fort, wobei jeweils ideologische Elemente hinzugefügt wurden. Die Bundeswehr hat das Zeremoniell nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen und bewahrt es als höchste militärische Auszeichnung.

Der Ablauf des Großen Zapfenstreiches: Ein detaillierter Blick

Der Große Zapfenstreich ist ein minutiös choreografiertes Ereignis, das Präzision und Symbolik vereint. Er wird von einem Musikkorps mit angeschlossenem Spielmannszug, zwei Zügen Begleitkommando unter Gewehr und einer Begleitformation aus Fackelträgern durchgeführt. Oftmals ist bereits vor dem Aufmarsch eine „Perlenkette“ aus zusätzlichen Fackelträgern am Ort des Geschehens angetreten, die den Zapfenstreich im Hintergrund rahmt.

Der Ablauf gliedert sich in mehrere Phasen:

  1. Aufmarsch: Die Ehrenformation marschiert zum „YORCK'schen MARSCH“ auf. Der Kommandierende Offizier erteilt die ersten Befehle: „Ehrenformation [Großer Zapfenstreich] – Stillgestanden!“, „Richt euch!“, „Augen gerade – aus!“, „Zur Meldung an Seine Majestät – Augen – rechts!“.
  2. Meldung und Serenade: Der Kommandierende meldet an den Abnehmenden (z.B. König, Bundespräsident): „Majestät ich melde die Serenade und den Großen Zapfenstreich an!“. Nach dem Kommando „Augen gerade – aus!“ und „Ehrenformation – Rührt euch!“ spielen Musikkorps und/oder Spielleute die für die Serenade ausgewählten Musikstücke. Die Serenade gehört nicht zum eigentlichen Zapfenstreich, verleiht aber insbesondere bei Ehrungen einer Einzelperson eine individuelle Prägung.
  3. Der eigentliche Große Zapfenstreich: Mit den Kommandos „Ehrenformation – Stillgestanden!“ und „Großer Zapfenstreich!“ beginnt der Hauptteil:
    • Locken zum Großen Zapfenstreich: Die Spielleute erinnern mit Trommelsignalen an die ursprüngliche Ankündigung des Zapfenstreiches im Feldlager.
    • Langer Wirbel und Trommelschläge: Musikkorps und Spielleute führen einen langen Wirbel mit acht anschließenden Trommelschlägen aus.
    • Zapfenstreichmarsch: Der preußische Zapfenstreichmarsch wird als Traditionselement der Fußtruppen gespielt.
    • Retraite: Das Musikkorps spielt die Retraite mit drei Posten (Fanfarenrufe), ein Traditionselement der berittenen Truppen. Die drei Posten werden mit zunehmender Getragenheit und Melancholie vorgetragen und rufen symbolisch nacheinander die Versprengten und Verwundeten nach der Schlacht zurück. Die dritte und letzte Post ist ein musikalischer Gruß an die Toten, die nicht mehr zurückkehren.
    • Zeichen zum Gebet: Die Spielleute geben das Zeichen zum Gebet.
    • Das Gebet: Der Kommandierende befiehlt: „Helm ab – zum Gebet!“ und grüßt. Das Musikkorps spielt das musikalische Gebet, die von Dmytro Bortnianskyj komponierte Choralstrophe „Ich bete an die Macht der Liebe“. Die beteiligten Schützen halten dabei den Helm mit der linken Hand vor die Brust; anwesende Soldaten in Uniform nehmen formlos ihre Kopfbedeckung ab.
    • Abschluss des Gebetsteils: Nach „Helm – auf!“ der Spielleute folgt das Abschlagen nach dem Gebet und der Ruf nach dem Gebet durch das Musikkorps, der musikalisch an die Retraite anknüpft.
    • Nationalhymne: Nach den Kommandos „Das Gewehr – über“ und „Achtung – präsentiert das – Gewehr!“ (der Kommandierende grüßt!) spielt das Musikkorps die deutsche Nationalhymne. Bei Anwesenheit hoher ausländischer Gäste wird auch deren Nationalhymne gespielt.
  4. Abmeldung und Ausmarsch: Der Kommandierende meldet den Großen Zapfenstreich ab: „Majestät, ich melde den Großer Zapfenstreich ab!“. Nach weiteren Kommandos wie „Augen gerade – aus!“, „das Gewehr – über“, „Gewehr – ab!“ und „Rührt euch!“ ist der Große Zapfenstreich beendet, und die Formation marschiert zu den Klängen des Preußischen Zapfenstreichmarsches aus.

Militärische Kommandos und deren Ausführung

Die Präzision der Kommandos ist ein zentraler Bestandteil des Großen Zapfenstreiches und des militärischen Formaldienstes im Allgemeinen. Sie werden vom Kommandierenden Offizier im „Stillgestanden“ erteilt und verlangen eine exakte Ausführung.

Grundlegende Kommandos

  • „Schützen! (oder Schützen-Regiment, Ehrenformation usw.) – Stillgestanden!“ – Die Formation nimmt eine starre, aufrechte Haltung ein.
  • „Richt Euch!“ – Die Blickrichtung geht zum Kompanie- oder Gruppen-Offizier, und die Einheit richtet sich durch kleine, kurze Schritte zum Offizier aus.
  • „Augen – gerade – aus!“ – Der Blick wird wieder nach vorne gerichtet.
  • „Rührt euch!“ – Die Soldaten dürfen eine entspanntere Haltung einnehmen, die aber immer noch diszipliniert ist.

Kommandos mit dem Gewehr/Degen

Der Begriff „Gewehr“ umfasst im militärischen Kontext auch Degen, Säbel, Armbrust und sogar Musikinstrumente.

  • „Das Gewehr – über!“ – Die rechte Hand greift zum Griff des Degens (oder Gewehrs). Bei „über“ wird der Degen gezogen und mit herunterhängendem Arm an die rechte Schulter angelegt. Dieses Kommando führt immer zum Übernehmen des Gewehrs.
  • „Gewehr – ab!“ – Dieses Kommando führt immer zum Ablegen des Gewehrs oder Zurückstecken des Degens.
  • „Achtung – präsentiert das – Gewehr!“ – Bei „Präsentiert das Gewehr“ wird der Degen am nicht ganz ausgestreckten Arm nach vorne/unten geführt, die Spitze bleibt ca. 20 cm über dem Boden (Preußisch: rechter Arm bleibt gerade herunterhängen, Degen zeigt ca. waagerecht nach vorne).

Marsch- und Bewegungskommandos

  • „Rechts (Links) um!“ – Drehung um 90 Grad nach rechts oder links.
  • „Im Gleichschritt – Marsch!“ – Das Trommelcorps „lockt“, die Einheit bleibt stehen. Beim Einsetzen der Blasmusik wird marschiert, immer beginnend mit dem linken Fuß (Paukenschlag).
  • „Abteilung – Halt!“ – Das Kommando „Halt!“ wird beim Niedersetzen des rechten Fußes gegeben. Der Schütze macht nach „Halt!“ noch einen Schritt, zieht den rechten Fuß heran und steht still.

Kommandos bei Meldungen und Paraden

  • „Zur Meldung (an Seine Majestät, General usw.) – Augen Rechts!“ (oder „Die Augen – Links!“) – Der Kopf wird zur genannten Seite gedreht. Bei „Die Augen“ folgt immer „Links“.
  • Meldung: „Majestät (Herr General) ich Melde: Schützen-Regiment (Kompanie, Gruppe usw.) mit ....... Schützen angetreten!“ Der Kommandierende Offizier grüßt dabei durch Anlegen der rechten Hand an die rechte Schläfe.
  • Bei Fahnen- und/oder Musikparade: Grundsätzlich wird kein Degen gezogen oder präsentiert und nicht im „Stechschritt“ marschiert.
  • Marschordnung bei Parade: Kommandierender Offizier, Generalstab, alle Trommelcorps, alle Musikcorps, alle Standarten, alle Fahnen. Alle Tambour-Majore marschieren gemeinsam vor den Trommelcorps.
  • „Musik-Parade (Fahnen-Parade) – Marsch!“ – Die Trommelcorps locken dreimal, danach wird abmarschiert. Die Einheit marschiert vorbei, und die Offiziere grüßen mit „Augen Rechts!“ oder „Die Augen Links!“ je nach Vorbeimarschrichtung.

Richtiges Grüßen und Degenhaltung

Beim Grüßen wird die rechte Hand an die rechte Kopfbedeckung/Schläfe gelegt, die Finger liegen aneinander, der Daumen ist angelegt, der Handrücken zeigt nach oben, und Unterarm und Hand bilden eine Gerade, der Ellenbogen ist etwa auf Schulterhöhe.

Wer hat den Großen Zapfenstreich erfunden?
Der Ursprung des "Großen Zapfenstreiches" wird durch W. Wieprecht in Preußen begründet. Die erste Aufführung fand am 12.05.1838 zum Besuch und zu Ehren von Zar Nikolaus I statt. Der "Große Zapfenstreich" besteht aus einer vorangehenden Serenade, die Werke großer Meister und besondere Lieblingsmelodien des mit dem Zapfenstreich zu Ehrenden enthält.

Die Haltung des Degens ist ebenfalls streng geregelt:

  • Im Stand: In der Scheide nach unten.
  • Bei „Gewehr über“ / „Marsch“: Scheide nach unten, Degen an die rechte Schulter.
  • Kavallerie beim „Marsch“: Degen mit Scheide nach vorne.
  • Bei der „Parade“ / „Präsentieren“: Scheide nach unten, Degen bei herabhängendem Arm an die rechte Hosennaht. Degenrücken nach oben, Spitze ca. 30 cm vom Boden.

Der Paradeschritt ist ein gestrecktes Bein, Fußspitze nach vorne, Höhe ca. 30 cm. Der Blick des Offiziers (Gruppenführers) schwenkt nach rechts zu den Ehrengästen, während die rechte Reihe geradeaus blickt und alle anderen nach rechts.

Beim Zapfenstreich nehmen bei „Helm ab“ alle ihre Kopfbedeckung ab, ausgenommen Kommandierender Offizier, General, König und Minister, wenn sie Uniformträger sind – diese grüßen. Bei der Nationalhymne grüßen dieselben Personen.

Elemente und Anlässe des Großen Zapfenstreiches

Der Große Zapfenstreich ist das protokollarisch höchstrangige militärische Zeremoniell der Bundeswehr und gilt als höchste Auszeichnung, die die deutschen Streitkräfte einer Zivilperson zuteilwerden lassen können.

Die Ausführung obliegt mindestens einem Musikkorps mit angeschlossenem Spielmannszug, zwei Zügen Begleitkommando unter Gewehr und einer Begleitformation aus Fackelträgern. Häufig wird die Zapfenstreich-Formation vom Wachbataillon gestellt, das für seinen hohen Ausbildungsstand im Formaldienst bekannt ist.

Anlässe für einen Großen Zapfenstreich sind vielfältig:

  • Ehrung von Persönlichkeiten: Grundsätzlichen Anspruch auf eine Verabschiedung durch einen Großen Zapfenstreich haben der Bundespräsident, der Bundeskanzler und der Bundesverteidigungsminister. Auch Militärs im Range eines Generals oder Generalleutnants (bzw. Admirals oder Vizeadmirals) steht ein Zapfenstreich bei ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst zu.
  • Öffentliche Gelöbnisse: Gelegentlich wird der Zapfenstreich bei öffentlichen Gelöbnissen abgehalten.
  • Verbandsjubiläen: Bei runden Jubiläen von militärischen Verbänden.
  • Abschluss großer Manöver: Zum feierlichen Abschluss umfangreicher Übungen.

Die Gesamtdauer beträgt etwa 20 Minuten.

Kontroversen und Kritik

Obwohl der Große Zapfenstreich ein fester Bestandteil der deutschen Tradition ist, gab und gibt es immer wieder Forderungen, ihn abzuschaffen oder zu modifizieren. Antimilitaristische und pazifistische Gruppen haben sich in der Vergangenheit gegen diese Zeremonie ausgesprochen. Kritiker weisen oft auf die formale Fortführung preußischer Militärtradition hin, die als antiquiert, überholt und martialisch empfunden wird.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Rolle des Zeremoniells im NS-Regime, das es für seine Zwecke instrumentalisierte. Auch die religiösen Riten im Zapfenstreich wurden kritisiert, da sie als unvereinbar mit dem religiösen Neutralitätsgebot des Grundgesetzes angesehen werden. Forderungen nach einer moderneren und zeitgemäßeren Form der Inszenierung werden häufig geäußert, wobei das Thema selbst und der Anlass der Feierlichkeit nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden.

Trotz dieser Kritikpunkte verteidigen Befürworter den Großen Zapfenstreich als wichtiges Symbol einer demokratischen Armee, das Tradition und Werte wie Disziplin, Zusammenhalt und Ehrung widerspiegelt. Die Bundeswehr betont, dass der Zapfenstreich in seiner heutigen Form ein Ausdruck der gelebten Traditionspflege ist, die sich kritisch mit der Geschichte auseinandersetzt und die Werte des Grundgesetzes respektiert.

Vergleichende Tabelle: Kommandos und ihre Bedeutung

KommandoBedeutung / AusführungAnwendung im Zapfenstreich
Stillgestanden!Starre, aufrechte Haltung einnehmen.Beginn und wichtige Übergänge des Zeremoniells.
Richt Euch!Blick zum Offizier, Ausrichtung der Linie.Nach dem Stillgestanden, zur Formationskorrektur.
Augen gerade – aus!Blick wieder nach vorne richten.Standardblickrichtung nach Meldungen oder Gruß.
Das Gewehr – über!Gewehr/Degen ziehen und an rechte Schulter legen.Vor dem Präsentieren, beim Auf-/Abmarsch.
Achtung – präsentiert das – Gewehr!Gewehr/Degen in Präsentierhaltung.Vor der Nationalhymne, bei Meldungen.
Helm ab – zum Gebet!Kopfbedeckung abnehmen (außer bestimmte Offiziere).Einleitung des Gebetsteils.
Helm – auf!Kopfbedeckung wieder aufsetzen.Abschluss des Gebetsteils.
Im Gleichschritt – Marsch!Beginn des Marschierens im Gleichschritt.Auf- und Abmarsch der Formation.
Abteilung – Halt!Anhalten der Formation.Am Ende des Marsches.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Großen Zapfenstreich

Was ist das Zapfenstreichsignal?

Das ursprüngliche Zapfenstreichsignal war ein militärischer Befehl, der durch Schlagen auf den Zapfen eines Fasses signalisierte, dass die Soldaten in ihre Unterkünfte zurückkehren und keine Getränke mehr ausgeschenkt werden durften. Es war das Zeichen für das Ende des Tagesdienstes im Feldlager. Im Großen Zapfenstreich wird dies durch das „Locken zum Großen Zapfenstreich“ durch den Spielmannszug symbolisch aufgegriffen.

Was ist der zeremonielle Ablauf des Großen Zapfenstreiches?
Der zeremonielle Ablauf des Großen Zapfenstreiches hat sich also lange vor der Zeit der unsäglichen Geschehnisse im 20. Jahrhundert - auf die in diesem Zusammenhang von Kritikern gewisser Gruppen und Parteien immer wieder abgehoben wird - entwickelt und hat alle erhaltenswerte Berechtigung.

Wann fand die erste Aufführung des Großen Zapfenstreiches in seiner heutigen Form statt?

Die erste Aufführung des Großen Zapfenstreiches in seiner von Wilhelm Wieprecht zusammengestellten Form fand am 12. Mai 1838 in Berlin zu Ehren des russischen Zaren Nikolaus I. statt.

Wer hat Anspruch auf einen Großen Zapfenstreich?

Grundsätzlichen Anspruch auf eine Verabschiedung durch einen Großen Zapfenstreich haben der Bundespräsident, der Bundeskanzler und der Bundesverteidigungsminister. Auch Militärs im Range eines Generals oder Generalleutnants (bzw. Admirals oder Vizeadmirals) steht ein Zapfenstreich bei ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst zu. Gelegentlich wird er auch bei besonderen Anlässen wie öffentlichen Gelöbnissen oder Verbandsjubiläen aufgeführt.

Warum ist das Gebet ein Teil des Großen Zapfenstreiches?

Die Sitte, Gelegenheit zum Gebet zu geben, ist eine der zwei Hauptüberlieferungen, die sich im Zeremoniell erhalten haben. Sie wurde 1813 von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen hinzugefügt. Das musikalische Gebet mit dem Choral „Ich bete an die Macht der Liebe“ bietet einen Moment der Besinnung und symbolisiert eine überkonfessionelle Gelegenheit zur Andacht.

Was bedeuten die drei Posten der Retraite?

Die Retraite mit ihren drei Posten ist ein Traditionselement der berittenen Truppen. Die drei Posten unterscheiden sich durch eine zunehmende Getragenheit und Melancholie im Vortrag. Sie rufen symbolisch nacheinander die Versprengten und die Verwundeten nach der Schlacht zurück. Die dritte und letzte Post ist ein musikalischer Gruß an die Toten, die nicht mehr zurückkehren, und verleiht dem Zeremoniell eine tiefe emotionale Dimension.

Können zivile Musikkapellen den Großen Zapfenstreich aufführen?

Ja, der Große Zapfenstreich wird in Deutschland auch von zivilen Musikkapellen, Spielmannszügen und Vereinsorchestern zu besonderen Anlässen wie z.B. Feuerwehr-Jubiläen, Stadt- oder Schützenfesten aufgeführt. Allerdings ist es den Musikkorps der Bundeswehr untersagt, Bestandteile des eigentlichen Großen Zapfenstreiches bei anderen Gelegenheiten aufzuführen, um seinen besonderen Rang zu betonen.

Welche Kritik wird am Großen Zapfenstreich geübt?

Kritiker bemängeln oft die formale Fortführung preußischer Militärtradition als antiquiert und martialisch. Es gab auch Debatten über die Rolle des Zeremoniells im NS-Regime und die Vereinbarkeit der religiösen Riten mit dem Neutralitätsgebot des Grundgesetzes. Trotz dieser Kritik wird er von vielen als wichtiges Symbol einer demokratischen Armee verteidigt.

Fazit

Der Große Zapfenstreich ist ein faszinierendes und vielschichtiges Militärzeremoniell, das tiefe historische Wurzeln in sich trägt und bis heute eine bedeutende Rolle in der deutschen Kultur spielt. Er ist ein lebendiges Denkmal preußischer Militärtradition, das sich über die Jahrhunderte weiterentwickelt hat, um den sich wandelnden Werten und Anforderungen einer modernen Gesellschaft gerecht zu werden. Die präzisen Kommandos, die symbolträchtige Musik und die Momente der Besinnung machen ihn zu einem einzigartigen Ausdruck von Ehre, Respekt und Kontinuität.

Trotz der gelegentlich aufkommenden Debatten über seine Form und Bedeutung bleibt der Große Zapfenstreich ein beeindruckendes Spektakel, das die Geschichte und die Werte der deutschen Streitkräfte auf eindringliche Weise darstellt. Er ist ein Zeugnis dafür, wie Traditionen bewahrt und gleichzeitig in einen modernen Kontext eingebettet werden können, um eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Der Große Zapfenstreich: Zeremoniell & Bedeutung kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Religion besuchen.

Go up