Wie oft treffen sich Muslime in Mekka?

Die Fünf Säulen des Islam: Glaube & Praxis

24/05/2021

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Der Islam, eine der größten Weltreligionen, ruht auf einem Fundament von fünf zentralen Säulen, die das Leben eines jeden Muslims prägen. Diese Säulen sind nicht bloße Rituale, sondern tiefgreifende Akte des Glaubens, der Hingabe und der Gemeinschaft, die eine direkte Verbindung zum Schöpfer herstellen und das soziale Gefüge stärken. Sie bilden den Rahmen für die spirituelle Reise und die tägliche Praxis der Muslime weltweit und definieren ihre Identität und ihre Beziehung zu Allah. Das Verständnis dieser Säulen ist der Schlüssel zum Verständnis des Islam selbst und seiner Bedeutung für seine Anhänger.

Wie lange dauert ein Gebet im Islam?
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Dauer eines Gebets im Islam je nach Art des Gebets, individueller Praxis und persönlicher Hingabe variieren kann. Von 10 bis 20 Minuten für die Pflichtgebete bis hin zu längeren Zeiten für zusätzliche Gebete ist das Gebet eine wichtige traditionelle Praxis für Muslime auf der ganzen Welt.
Inhaltsverzeichnis

Das Glaubensbekenntnis (Shahada): Die erste Säule des Islam

Die erste und grundlegendste Säule des Islam ist die Shahada, das Glaubensbekenntnis. Sie ist eine einfache, doch tiefgreifende Erklärung des Monotheismus und der Prophetenschaft Muhammads. Die Formel lautet: „Aschhadu an la ilaha illa-lah wa aschhadu anna muhammadan rasulu-lah.“ Dies bedeutet übersetzt: „Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter.“

Dieses Bekenntnis muss nicht nur ausgesprochen, sondern vor allem mit voller Überzeugung im Herzen getragen werden. Es ist der Eintritt in den Islam und die ständige Bestätigung der Zugehörigkeit. Es ist nicht nur eine einmalige Erklärung, sondern ein fester und wiederkehrender Bestandteil jedes rituellen Gebetes, wodurch die zentrale Botschaft des Islam immer wieder verinnerlicht wird. Die Shahada ist somit der Grundstein, auf dem alle weiteren Säulen aufbauen und symbolisiert die absolute Hingabe an den einen Gott und die Anerkennung Seines letzten Gesandten.

Das Rituelle Gebet (Salat): Verbindung zu Allah

Die zweite Säule ist das tägliche Gebet, bekannt als Salat. Muslime beten fünfmal am Tag zu festgelegten Zeiten, um ihre Verbindung zu Allah aufrechtzuerhalten und Dankbarkeit auszudrücken. Diese Gebetszeiten sind präzise festgelegt und strukturieren den Tag eines Muslims:

  • In der Morgendämmerung vor Sonnenaufgang (Fajr)
  • Nach dem Höchststand der Sonne (Dhuhr)
  • Zwischen Mittag und Abend (Asr)
  • Zwischen Sonnenuntergang und Dämmerung (Maghrib)
  • In der Dunkelheit vor der Morgendämmerung (Ischa)

Es ist wichtig zu beachten, dass während des Sonnenaufgangs, des Sonnenuntergangs und wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hat, nicht gebetet werden darf. Dies sind Momente, in denen die Sonne als Gottheit verehrt werden könnte, was im Islam strikt untersagt ist, da die Anbetung ausschließlich Allah gilt. In Ausnahmefällen, beispielsweise auf Reisen, dürfen Muslime zwei Gebete zusammenlegen, sodass das Gebet nur dreimal täglich verrichtet werden muss, um die Erleichterung im Glauben zu zeigen.

Jedes Gebet dauert nur wenige Minuten, ist aber von großer Bedeutung. Es wird stets in Richtung der Kaaba in Mekka verrichtet, dem zentralen Heiligtum des Islam. Das Gebet ist eine körperliche und geistige Übung, die bestimmte Bewegungen umfasst: sich verbeugen (Ruku), stehen (Qiyam), sitzen (Julus) und sich niederwerfen (Sujud). Diese Bewegungen symbolisieren Demut und Hingabe vor Allah.

Bevor das Gebet verrichtet wird, ist eine rituelle Reinigung, die Wudu, obligatorisch. Dabei werden bestimmte Körperteile wie das Gesicht, die Hände bis zu den Ellbogen und die Füße bis zu den Knöcheln gewaschen. Diese Reinigung ist nicht nur eine körperliche Säuberung, sondern auch eine geistige Vorbereitung auf die Begegnung mit dem Göttlichen. Viele Muslime nutzen auch einen Gebetskranz, den Tasbih, um die Anzahl ihrer Lobpreisungen und Bittgebete nach dem Pflichtgebet zu zählen und sich so weiter im Gedenken an Allah zu vertiefen.

Gebetszeiten im Überblick

GebetsnameZeitpunktBedeutung
FajrMorgendämmerung vor SonnenaufgangBeginn des Tages, Erwachen
DhuhrNach dem Höchststand der Sonne (Mittag)Mitte des Tages, Pause
AsrZwischen Mittag und AbendSpäter Nachmittag
MaghribZwischen Sonnenuntergang und DämmerungAbend, nach der Arbeit
IschaIn der Dunkelheit vor der MorgendämmerungNacht, vor dem Schlafengehen

Das Fasten im Ramadan (Sawm): Innere Einkehr und Besinnung

Die dritte Säule des Islam ist das Fasten im Monat Ramadan, bekannt als Sawm. Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Kalenders, der sich nach dem Mond richtet und daher jedes Jahr zehn oder elf Tage kürzer ist als der Sonnenkalender. Dies führt dazu, dass der Ramadan jedes Jahr zu einer anderen Zeit im gregorianischen Kalender stattfindet, wodurch Muslime in verschiedenen Jahreszeiten die Erfahrung des Fastens machen.

Für Muslime hat der Ramadan eine besonders tiefe Bedeutung: In diesem gesegneten Monat wurde der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt. Daher wird dieser Zeitraum als ein Monat der inneren Einkehr, der Besinnung und der spirituellen Reinigung verstanden. Von Tagesanbruch, sobald man einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden kann, bis Sonnenuntergang ist es strengstens verboten zu essen, zu trinken, zu rauchen oder Geschlechtsverkehr zu haben. Diese Enthaltsamkeit dient nicht nur der Disziplinierung des Körpers, sondern auch der Stärkung des Geistes und der Empathie für Bedürftige.

Traditionell ist die Dattel meist das erste Nahrungsmittel, das nach Sonnenuntergang zum Fastenbrechen (Iftar) verzehrt wird, da sie schnell Energie liefert und als prophetische Tradition gilt. Obwohl das Fasten eine Pflicht ist, gibt es Ausnahmen: Kranke Menschen, stillende Frauen und Reisende sind vom Fasten befreit, sollten es jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nachholen, wenn ihre Umstände es erlauben. Auch kleine Kinder fasten in der Regel nicht. Am Ende des Ramadans wird das Zuckerfest (Eid al-Fitr) gefeiert, eines der zwei wichtigsten Feste im Islam, das die Freude über das erfolgreiche Fasten und die Gemeinschaft zelebriert.

Die Pflichtabgabe (Zakat): Soziale Gerechtigkeit und Reinigung

Die vierte Säule des Islam ist die Zakat, die Pflichtabgabe an Bedürftige. Es handelt sich um eine soziale Pflichtabgabe, die die Umverteilung von Reichtum fördert und die soziale Sicherheit innerhalb der muslimischen Gemeinschaft stärkt. Muslime, die nicht selbst hoch verschuldet sind oder unter dem Existenzminimum leben, sollen in der Regel 2,5 Prozent ihres „ruhenden Netto-Kapitalvermögens“ spenden. Als ruhendes Vermögen gelten unter anderem Bargeld, Schmuck und Mieterträge. Ein Muslim muss mindestens ein Mondjahr lang im Besitz dieses Vermögens gewesen sein, damit die Zakat-Pflicht darauf greift.

Die Höhe der Zakat kann je nach Art der Besitztümer variieren. Bei Bodenschätzen, Tieren oder landwirtschaftlichen Produkten ergeben sich unterschiedliche Berechnungen. Die Zakat-Pflicht tritt allerdings erst ein, wenn ein bestimmter Mindestwert, der sogenannte Nisab, erreicht ist. Zum Beispiel liegt der Nisab bei Schafen und Ziegen bei vierzig Stück Vieh. Wer also mehr als 40 Ziegen besitzt und Muslim ist, ist dazu angehalten, an die Armen zu spenden.

Die soziale Pflichtabgabe soll in erster Linie an arme Menschen gehen, kann aber auch zur Förderung des Islam oder für andere gemeinnützige Zwecke verwendet werden. Die Zakat fördert nicht nur die soziale Sicherheit, sondern stärkt auch das Gemeinschaftsgefühl zwischen den Menschen. Sie ist ein wichtiger Bestandteil jeder islamischen Gesellschaft, da sie jedem Menschen die Lebensgrundlage sichert, ohne dass sich der Empfänger jemandem verpflichtet fühlen muss. Gleichzeitig wird die Spende als eine Art Reinigung des eigenen Vermögens und der eigenen Seele angesehen, die den Gläubigen von Habgier befreit und seine Dankbarkeit gegenüber Allah zum Ausdruck bringt.

Die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch): Eine Reise des Lebens

Die fünfte und letzte Säule des Islam ist die Pilgerfahrt nach Mekka, bekannt als Hadsch. Jeder Muslim sollte diese Reise einmal in seinem Leben unternehmen, sofern er körperlich und finanziell dazu in der Lage ist. Die Hadsch ist eine der größten jährlichen Versammlungen der Welt und findet jedes Jahr im zwölften Monat des islamischen Kalenders statt.

Zu dieser Zeit treffen sich bis zu drei Millionen Muslime in Mekka, Saudi-Arabien, um gemeinsam die Kaaba zu umrunden. Die Kaaba ist ein würfelförmiges Gebäude im Zentrum der Großen Moschee in Mekka und gilt als das wichtigste Heiligtum des Islam. Muslime glauben, dass dies ein Rest des ursprünglichen Tempels ist, den Gott dem Propheten Abraham und seinem Sohn Ismael befahl zu bauen. Die siebenmalige Umrundung der Kaaba ist ein zentraler Ritus der Pilgerfahrt und symbolisiert die Einheit und den Gehorsam gegenüber Allah.

Während der Pilgerfahrt tragen die Männer besonders einfache, ungenähte weiße Kleidung, den sogenannten Ihram. Diese Kleidung dient dazu, soziale Unterschiede nicht zu zeigen und zu betonen, dass alle Pilger vor Gott gleich sind – unabhängig von ihrem Status oder Reichtum. Die Pilgerfahrt ist eine zutiefst spirituelle und transformative Erfahrung, die den Gläubigen näher zu Gott bringt und sein Bewusstsein für die Einheit der muslimischen Ummah (Gemeinschaft) stärkt.

Für Muslime, die die Hadsch erfolgreich absolviert haben, ist der Ehrentitel „Hadschi“ (für Männer) oder „Hadschiyya“ (für Frauen) eine Anerkennung ihrer spirituellen Leistung. Das Ende der Pilgerfahrt wird im großen Stil gefeiert und markiert das wichtigste Fest im Islam, das Opferfest (Eid al-Adha), das ebenfalls die Bereitschaft zur Hingabe und zum Opfer feiert.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu den Säulen des Islam

Hier finden Sie Antworten auf einige der am häufigsten gestellten Fragen zu den grundlegenden Praktiken des Islam:

Wie oft beten Muslime am Tag?

Muslime beten fünfmal am Tag. Die Gebetszeiten sind in der Morgendämmerung vor Sonnenaufgang, nach dem Höchststand der Sonne, zwischen Mittag und Abend, zwischen Sonnenuntergang und Dämmerung sowie in der Dunkelheit vor der Morgendämmerung. Während des Sonnenaufgangs und Sonnenuntergangs sowie wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht, wird nicht gebetet.

Warum fasten Muslime im Ramadan?

Muslime fasten im Monat Ramadan, weil in diesem Monat der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt wurde. Es ist ein Monat der inneren Einkehr, der Besinnung und der spirituellen Reinigung, der die Disziplin fördert und die Empathie für Bedürftige stärkt.

Wer ist von der Zakat befreit?

Die Zakat-Pflicht betrifft Muslime, die nicht hoch verschuldet sind oder unter dem Existenzminimum leben und deren Vermögen einen bestimmten Mindestwert (Nisab) erreicht und für mindestens ein Mondjahr in ihrem Besitz war. Personen, die diese Kriterien nicht erfüllen, sind von der Zakat befreit oder können sogar Empfänger sein.

Wann findet die Pilgerfahrt nach Mekka statt?

Die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch) findet jedes Jahr im zwölften Monat des islamischen Kalenders statt. Dieser Kalender richtet sich nach dem Mond, daher verschiebt sich der Termin im Sonnenkalender jedes Jahr.

Was ist die Kaaba?

Die Kaaba ist ein würfelförmiges Gebäude im Zentrum der Großen Moschee in Mekka und das wichtigste Heiligtum des Islam. Muslime glauben, dass dies ein Rest des ursprünglichen Tempels ist, den Gott dem Propheten Abraham und seinem Sohn Ismael befahl zu bauen.

Zusammenfassung der Fünf Säulen

SäuleName (Arabisch)Beschreibung
1.ShahadaDas Glaubensbekenntnis an den einen Gott Allah und die Prophetenschaft Muhammads.
2.SalatDie fünf täglichen rituellen Gebete in Richtung Mekka.
3.SawmDas Fasten im Monat Ramadan von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang.
4.ZakatDie jährliche Pflichtabgabe eines Teils des Vermögens an Bedürftige.
5.HadschDie Pilgerfahrt nach Mekka, die einmal im Leben unternommen werden sollte, wenn möglich.

Die Fünf Säulen des Islam sind weit mehr als nur eine Liste von Pflichten; sie sind der lebendige Ausdruck eines tiefen Glaubens und einer starken Gemeinschaft. Sie bieten den Muslimen einen klaren Weg zur Anbetung und zur persönlichen Entwicklung, während sie gleichzeitig die Bindung an ihre Glaubensgeschwister weltweit stärken. Durch die konsequente Praxis dieser Säulen finden Muslime spirituelle Erfüllung, soziale Gerechtigkeit und eine unerschütterliche Verbindung zu ihrem Schöpfer. Sie sind das Herzstück des islamischen Lebens und bilden das Rückgrat einer globalen Gemeinschaft, die sich in ihrem Glauben vereint.

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