Was ist der Unterschied zwischen einem Gesetz und einem Evangelium?

Wer ist beauftragt, das Evangelium zu verkünden?

19/09/2022

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Die Frage, wer das Evangelium verkünden soll, ist so alt wie der christliche Glaube selbst und doch aktueller denn je. Das Evangelium, die Kernbotschaft des Christentums, ist das Fundament, auf dem unser Glaube ruht. Es ist die Botschaft, die unser Leben verändern kann und uns dazu befähigt, in einer tiefen Beziehung zu Gott zu leben. Für jeden, der sich als Christ bezeichnet, sollte diese Botschaft nicht nur bekannt sein, sondern auch das Zentrum seines Lebens bilden. Die Theorie besagt, dass Christen nicht nur nach dieser Botschaft leben, sondern auch den Drang verspüren, sie anderen mitzuteilen. Doch die Praxis sieht oft anders aus. Viele Christen tun sich schwer damit, das Evangelium klar und überzeugend zu erklären oder gar spontan mit Fremden darüber zu sprechen. Warum ist das so, und wer genau ist für diese immense Aufgabe der Verkündigung verantwortlich?

Das Herzstück der Botschaft: Was ist das Evangelium?

Vor einiger Zeit wurde ich von einem Freund gefragt, ob ich ihm das Evangelium erklären könnte. Ich begann begeistert zu erzählen, betonte die Punkte, die mir persönlich am wichtigsten erschienen, während andere Aspekte nur kurz erwähnt wurden oder ganz fehlten. Diese Erfahrung wirft eine entscheidende Frage auf: Was genau ist der Kern des Evangeliums? Was würden Sie jemandem erzählen, der noch nie etwas von Gott oder der Bibel gehört hat? Im Laufe meines eigenen Glaubensweges, seit meiner Bekehrung mit 17 Jahren, haben sich für mich immer wieder verschiedene Punkte als „das Wichtigste“ der christlichen Botschaft herauskristallisiert. Ist es das Leben in Fülle, das Jesus uns bringen möchte? Ist es die tiefgreifende Wahrheit, dass Jesus der König über alles ist? Oder ist es die unbeschreibliche Freude an Gott selbst? Oder vielleicht doch ein ganz anderer, zentraler Inhalt?

Die Botschaft, die wir verkündigen, trägt den Namen Evangelium, was übersetzt „gute Nachricht“ bedeutet. Doch was ist nun diese gute Nachricht in unserer Verkündigung? Die Antwort ist klar und unmissverständlich: Jesus Christus hat durch seinen Tod am Kreuz die Strafe für unsere Schuld bezahlt. Dies ist die eigentliche gute Nachricht. Es ist das unumstößliche Herz der christlichen Verkündigung. Ohne dieses zentrale Opfer gäbe es keine Vergebung, keine Erlösung und keine Möglichkeit der Versöhnung mit einem heiligen Gott. Dieser Punkt ist nicht verhandelbar und bildet die absolute Grundlage unseres Glaubens.

Wie heißt der Verkünder des Evangeliums von Jesus Christus?
An diesem Tag wird aus dem Schriftgelehrten, der mit jüdischem Namen auch Saulus heißt, ein Verkünder des Evangeliums von Jesus Christus in nahezu der gesamten damals bekannten Welt. Aus der jungen Kirche wird eine Weltkirche, die bald im gesamten Römischen Reich und darüber hinaus vertreten ist. Jesus Christus war gestorben und auferstanden.

Allerdings ist diese Botschaft für viele Menschen im heutigen Deutschland keine „gute Nachricht“ mehr. Wie kann etwas gut sein, wenn Gott Sünden vergibt, wenn man gar nicht an die Existenz Gottes glaubt oder nicht davon überzeugt ist, überhaupt Schuld vor ihm zu haben? Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, das Evangelium im größeren Kontext der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen zu verstehen. Nur wenn man den „roten Faden“ der biblischen Geschichte – von der Schöpfung über den Sündenfall bis hin zu Gottes Rettungsplan – nachvollzieht, wird das Evangelium zu einer wirklich guten Nachricht. Dieses umfassende Verständnis ist die Voraussetzung dafür, dass die Kernbotschaft von Jesu Kreuzestod ihre volle Bedeutung entfalten kann. Wenn Menschen das Evangelium im Glauben und in der Buße annehmen, hat dies weitreichende Folgen für ihr Leben. Dazu gehören das Wirken des Heiligen Geistes, das Leben in christlicher Gemeinschaft, eine neue Ausrichtung des Lebens und vieles mehr.

Das Evangelium zu erklären, kann auf vielfältige Weise geschehen. Schon im Neuen Testament finden sich unterschiedliche Darstellungen und Ansatzpunkte, wie die gute Nachricht den Menschen nahegebracht wurde. Jesus selbst forderte den reichen Jüngling auf, seinen Reichtum zu verkaufen (Mk 10,17-27), während er einen anderen dazu aufforderte, seine Familie zurückzulassen (Lk 9,61-62). Dies zeigt, dass das Evangelium das Leben der Menschen an verschiedenen Stellen berührt und spezifische Herausforderungen mit sich bringen kann, je nach individueller Situation und innerer Haltung.

Das Evangelium leben: Eine tiefgreifende Transformation

Das Evangelium ist nicht nur eine Botschaft zum Hören und Glauben, sondern eine transformative Kraft, die unser gesamtes Leben verändert. Diese Veränderung wird in ihrer Vollendung erst sichtbar, wenn Jesus wiederkommt, doch schon heute sind wir aufgerufen, unser Leben nach dieser rettenden Botschaft Gottes auszurichten. Drei Aspekte sind hierbei besonders entscheidend:

  • Gehorsam gegenüber den Anweisungen Gottes: Die Bibel ist das Wort Gottes, jenes Gottes, der für uns am Kreuz gestorben ist, damit unsere Sünden vergeben werden und wir wieder unter seiner guten Herrschaft leben können. Für viele wichtige Lebensbereiche gibt uns die Bibel klare Anweisungen. Beispiele hierfür sind: „Du sollst nicht töten“, „Du sollst nicht ehebrechen“, „Seid vollkommen“, oder „Das ist Gottes Wille: eure Heiligung“. Unser Leben am rettenden Evangelium auszurichten, bedeutet demnach, uns nach den Geboten des rettenden Gottes zu richten. Es ist ein Ausdruck unserer Liebe und Dankbarkeit für das, was er für uns getan hat.
  • Jesu Beispiel folgen: Jesus lebte und starb für uns, und so sollen auch wir ein aufopferndes Leben führen. Er hat uns all unsere Schuld vergeben, darum sollen auch wir anderen Menschen vergeben. Er war uns gnädig und barmherzig, darum sollen auch wir gnädig und barmherzig mit unserem Nächsten sein. Er liebt uns, darum sollen auch wir unseren Nächsten lieben. In unzähligen Situationen war Jesus unser Vorbild. Wir müssen von Jesus eine grundsätzliche „Evangeliums-Mentalität“ lernen – eine Haltung, die von Liebe, Opferbereitschaft und Hingabe geprägt ist.
  • Das Zentrum des Evangeliums vor Augen behalten: Es ist unerlässlich, sich Jesu Werk am Kreuz immer wieder vor Augen zu halten und darüber nachzudenken. Die Tatsache, dass Jesus für uns am Kreuz gestorben ist und uns unsere Schuld vergibt, ist die Mitte des Evangeliums. Wir müssen lernen, unser Leben nicht an den Grenzen dessen auszurichten, was erlaubt ist, sondern vom Evangelium her. Vom Zentrum aus. Je besser wir die gute Botschaft verstehen, desto eher können wir unser Leben danach ausrichten. Doch es geschieht nicht automatisch. Man kann viel wissen und doch anders leben. Die wahre Transformation kommt aus dem Herzen, das vom Evangelium berührt und verändert wurde.

Die Verkündigung des Evangeliums: Eine universelle Berufung

Wie tief wir das Evangelium verstanden haben und wie sehr wir unser Leben danach ausrichten, wird auch daran sichtbar, inwiefern wir darüber sprechen. Je mehr wir das Evangelium verinnerlichen, desto stärker drängt es uns, es anderen Menschen weiterzuerzählen. Obwohl ich selbst lange Zeit Schwierigkeiten hatte, das Evangelium auf den Punkt zu bringen, und es mir oft schwerfällt, mein Leben konsequent danach auszurichten, bleibt meine größte Herausforderung doch die Verkündigung des Evangeliums. Wenn ich mich unter meinen Mitchristen umsehe, habe ich den Eindruck, dass ich mit dieser Herausforderung nicht allein bin.

Es gibt wahrscheinlich viele Gründe, warum es uns so schwerfällt, unseren Freunden und erst recht völlig fremden Menschen von Jesus zu erzählen. Doch einen Grund, es nicht zu tun, haben wir deshalb nicht. Wir müssen es einfach tun. Diese Aussage kann nicht oft genug wiederholt werden: Wir müssen es einfach tun! Meiner Meinung nach brauchen wir nicht primär neue Konzepte, ausgeklügelte Internetseiten oder große Konferenzen. Vielmehr müssen wir lernen, den Menschen, die uns tagtäglich begegnen, das Evangelium zu erklären. Wir müssen Menschen vom Evangelium erzählen. Dies wurde mir auf erschreckende Weise klar, als ich einen Mann kennenlernte, der es einfach tat. Er erzählte der Verkäuferin im Laden von Jesus. Er erzählte den Menschen in der S-Bahn von Jesus. Egal wo oder warum er sich irgendwo befand, er sprach mit den Menschen über Jesus. Dies war für mich ein Augenöffner und eine tiefgreifende Inspiration.

Ich habe den Eindruck, dass wir in Deutschland eine neue christliche Kultur brauchen. Eine Kultur, die sich nicht nur auf große Events und teure Gebäude konzentriert, um Menschen das Evangelium hören zu lassen, sondern die die einfachen, natürlichen Wege wiederentdeckt. Die Menschen, die wir so dringend erreichen wollen, laufen uns jeden Tag vor der Nase herum. Oft sprechen wir Fremde nicht auf das Evangelium an, weil wir sie nicht kennen. Unsere Freunde und Bekannten sprechen wir nicht darauf an, weil wir sie zu gut kennen. Doch bilden wir uns nicht ein, dass es zu irgendeiner Zeit oder an irgendeinem Ort leicht war, diese Botschaft zu verkündigen. Die Geschichte der Kirche zeigt das Gegenteil. Viele Christen denken, sie seien nicht der Typ, der den Menschen einfach so das Evangelium erzählt, aber das ist eine Lüge. Jeder Christ ist beauftragt, Menschen das Evangelium zu verkünden. Manche sind dazu begabter als andere, aber beauftragt sind wir alle. Es ist eine göttliche Anweisung, ein Auftrag, der uns allen gegeben wurde, als Jesus sagte: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.“ (Markus 16,15).

Vergleich: Traditionelle vs. persönliche Verkündigung

AspektTraditionelle/Event-basierte VerkündigungPersönliche/Alltags-Verkündigung
AnsatzGroße Events, Konferenzen, Evangelisationskampagnen, MedienprojekteAlltägliche Begegnungen, Gespräche mit Freunden, Familie, Kollegen, Fremden
RessourcenHoher finanzieller Aufwand, große Organisationen, spezifisches PersonalGeringer finanzieller Aufwand, persönliche Zeit und Bereitschaft, jeder Christ
ZielgruppeBreite Masse, oft anonym; Menschen, die aktiv zu Events kommenIndividuelle Personen, oft in bekannten Kreisen; Menschen im direkten Umfeld
HerausforderungenGeringe Nachhaltigkeit, Distanz zur Zielgruppe, hohe Hürde für BesucherÜberwindung eigener Ängste, Unsicherheit bei der Gesprächsführung, Ablehnung
PotenzialViele erreichen, Aufmerksamkeit generieren, Gemeinschaftserlebnisse schaffenTiefe Beziehungen aufbauen, authentische Zeugnisse, individuelle Bedürfnisse ansprechen
VerantwortungOft spezialisierte Evangelisten oder TeamsJeder einzelne Gläubige ist in der Verantwortung

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F: Was ist das Evangelium kurz gefasst?
A: Das Evangelium ist die „gute Nachricht“, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, durch seinen Tod am Kreuz die Strafe für unsere Sünden bezahlt hat und durch seine Auferstehung jedem, der an ihn glaubt, ewiges Leben und Vergebung schenkt.

F: Warum fällt es vielen Christen schwer, das Evangelium zu verkünden?
A: Es gibt verschiedene Gründe: Angst vor Ablehnung, Unsicherheit über den Inhalt des Evangeliums, das Gefühl, nicht „der Typ“ dafür zu sein, mangelndes Training oder die Annahme, dass es die Aufgabe von Pastoren oder spezialisierten Evangelisten sei.

F: Muss wirklich jeder Christ das Evangelium verkünden?
A: Ja, die Bibel lehrt, dass jeder Gläubige den Auftrag hat, Zeuge für Jesus zu sein. Während die Gaben zur Verkündigung unterschiedlich sein mögen, ist der Grundauftrag universell. Es geht nicht darum, ein professioneller Prediger zu sein, sondern darum, die Hoffnung, die man selbst gefunden hat, mit anderen zu teilen.

F: Wie kann ich lernen, das Evangelium effektiver zu verkünden?
A: Beginnen Sie mit dem Gebet um Weisheit und Mut. Studieren Sie das Evangelium selbst gründlich, damit Sie es klar erklären können. Suchen Sie nach natürlichen Gesprächsanlässen und lernen Sie, zuzuhören und die Bedürfnisse anderer zu verstehen. Beobachten Sie andere Christen, die das Evangelium verkünden, und bitten Sie um Anleitung und Mentoring. Übung macht den Meister.

F: Was sind die Folgen, wenn jemand das Evangelium annimmt?
A: Wenn jemand das Evangelium im Glauben und in der Buße annimmt, erfährt er Sündenvergebung, eine neue Geburt durch den Heiligen Geist, wird Teil der weltweiten christlichen Gemeinschaft (der Kirche) und sein Leben beginnt, sich nach den Prinzipien Gottes auszurichten. Es ist der Beginn einer lebenslangen Beziehung zu Gott.

Die Verkündigung des Evangeliums ist keine Option, sondern eine Berufung für jeden Nachfolger Jesu. Es ist ein Privileg, diese lebensverändernde Botschaft mit einer Welt zu teilen, die sie dringend braucht. Mögen wir alle den Mut und die Weisheit finden, unseren Auftrag treu zu erfüllen, nicht nur durch große Taten, sondern vor allem im Alltag, in den kleinen, persönlichen Begegnungen, in denen das Herz des Evangeliums am stärksten strahlen kann.

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