Wie berechnet man den tatsächlichen Sonnenuntergang?

Sunniten & Schiiten: Die großen Islam-Konfessionen

30/08/2022

Rating: 4.32 (4313 votes)

Der Islam, eine der größten Weltreligionen, ist vielfältig und reich an Traditionen. Innerhalb dieser globalen Glaubensgemeinschaft existieren jedoch zwei Hauptströmungen, die sich in ihrer Geschichte, Theologie und Praxis deutlich voneinander abgrenzen: die Sunniten und die Schiiten. Obwohl sie eine gemeinsame Grundlage teilen, die im Glauben an Allah und den Propheten Mohammed verankert ist, haben sich ihre Wege aufgrund einer grundlegenden Meinungsverschiedenheit über die Nachfolge des Propheten getrennt. Diese Spaltung, die sich über Jahrhunderte hinweg vertieft hat, prägt bis heute die religiöse und politische Landschaft vieler Regionen weltweit.

Wie viele Schiiten gibt es in Deutschland?
Geschätzte 15 Prozent der Muslime weltweit sind Schiiten. Sie sind hauptsächlich im Iran, Irak, Libanon, in Afghanistan, aber auch in Bahrain und als kleine Minderheit etwa in Saudi-Arabien beheimatet. In Deutschland leben rund 305000 Schiiten, die meisten davon aus dem Iran und der Türkei, aber auch etwa 80000 aus Afghanistan.

Die Sunniten stellen mit über 80% die überwiegende Mehrheit der Muslime dar, während die Schiiten etwa 10-15% ausmachen. Trotz dieser zahlenmäßigen Disparität ist das Verständnis der Unterschiede zwischen diesen beiden Konfessionen entscheidend, um die Dynamik und die oft komplexen Konflikte in der muslimischen Welt zu erfassen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursprünge dieser Spaltung, die Kernunterschiede in Glaubensfragen und Praktiken sowie ihre geografische Verteilung und die Rolle, die sie in modernen Machtkämpfen spielen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Sunniten und Schiiten?

Die Trennung zwischen Sunniten und Schiiten geht auf die Zeit unmittelbar nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 n. Chr. zurück. Die zentrale Frage, die zu dieser Spaltung führte, war die nach der rechtmäßigen Führung der muslimischen Gemeinschaft, dem sogenannten Kalifat.

Die Schiiten (Schia)

Der Begriff „Schiiten“ leitet sich vom arabischen Ausdruck schīʿat ʿAlī ab, was wörtlich „Partei Alis“ bedeutet. Die Anhänger dieser Strömung waren der Ansicht, dass die Führung der muslimischen Gemeinschaft ausschließlich in den Händen eines Nachkommen des Propheten Mohammed liegen sollte. Ihre Wahl fiel auf Alī ibn Abī Tālib, den Schwiegersohn und Neffen des Propheten. Für die Schiiten kann ein Kalif (Stellvertreter) oder Imam (religiöses Oberhaupt) nur jemand sein, der in direkter Blutlinie zu Ali steht. Sie sehen in dieser direkten Abstammung eine göttliche Legitimation für die Führung.

Die Sunniten (Sunna)

„Sunnitentum“ leitet sich vom arabischen Wort Sunna ab, das „Brauch“, „überlieferte Norm“ oder „Tradition“ bedeutet. Im Gegensatz zu den Schiiten vertraten die Sunniten die Auffassung, dass jeder fromme und fähige Muslim als Führer der Gemeinschaft (Kalif) infrage kommen könne. Nach dem Tod des Propheten Mohammed sprachen sie sich für Abū Bakr aus, den Schwiegervater des Propheten. Er wurde der erste Kalif des Islams und regierte von 632 bis 634 n. Chr. Die Sunniten legen großen Wert auf die Traditionen und Praktiken des Propheten und seiner Gefährten, die in der Sunna überliefert sind.

Der historische Bruch: Die Nachfolge des Propheten Mohammed

Die anfängliche Meinungsverschiedenheit über die Nachfolge des Propheten Mohammed entwickelte sich zu einem tiefgreifenden Bruch in der islamischen Gemeinschaft. Während die Sunniten die Wahl Abū Bakrs zum ersten Kalifen als rechtmäßig ansahen, lehnten die Schiiten dies ab. Aus ihrer Sicht war Abū Bakr ein unrechtmäßiger Usurpator, da er keine Blutsverwandtschaft zum Propheten hatte. Stattdessen beanspruchten sie die Führung für Ali, der sowohl Schwiegersohn als auch Neffe des Propheten war und somit die Blutlinie fortführte.

Abū Bakr wurde tatsächlich zum ersten Kalifen ernannt. Ihm folgten zwei weitere Kalifen, bevor Ali im Jahr 656 n. Chr. endlich die Führung übernahm. Doch seine Regentschaft dauerte nur fünf Jahre; er wurde 661 n. Chr. in Kufa (Irak) bei einem Attentat ermordet. Das Schiitentum betrachtet die ersten drei Kalifen vor Ali als illegitime Machthaber.

Die Tragödie um Ali setzte sich mit seinen Söhnen fort. Husain und Hasan, die Enkel des Propheten, wurden ebenfalls die Regentschaft verweigert. Der endgültige und blutige Bruch zwischen den beiden Strömungen ereignete sich spätestens im Jahr 680 n. Chr. bei der Schlacht von Kerbela im heutigen Irak. Dort standen sich Husain, der jüngere Sohn Alis und Enkel des Propheten, und die Umayyaden-Armee unter der Führung von Yazid I. gegenüber. Husain wurde am 10. Oktober 680 getötet. Dieses Ereignis ist für die Schiiten von immenser Bedeutung, da sie damit endgültig die Hoffnung verloren, einen direkten Nachfahren des Propheten als Imam oder Kalifen einzusetzen. Die Schlacht von Kerbela wird im schiitischen Islam als ein Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Unterdrückten und Unterdrückern, interpretiert und prägt bis heute die schiitische Identität.

Gemeinsamkeiten: Die Fundamente des Glaubens

Trotz der tiefen historischen und theologischen Unterschiede teilen Sunniten und Schiiten viele grundlegende Aspekte des Islams. Sie sind sich einig über:

  • Die göttliche Herkunft des Korans, der als die wörtliche Offenbarung Gottes an den Propheten Mohammed gilt.
  • Den Glauben an Allah als den einzigen Gott.
  • Das Gebet in Richtung Mekka.
  • Die Anerkennung der Fünf Säulen des Islams, die für jeden Gläubigen verpflichtend sind:
    • Schahāda: Das islamische Glaubensbekenntnis („Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet.“)
    • Salāt: Das fünfmalige tägliche Pflichtgebet.
    • Zakāt: Die Almosenabgabe zur Unterstützung der Bedürftigen.
    • Saum: Das Fasten während des Monats Ramadan.
    • Haddsch: Die Pilgerfahrt nach Mekka, die jeder Muslim, der dazu in der Lage ist, einmal im Leben unternehmen sollte.

Diese gemeinsamen Säulen bilden das Fundament des islamischen Glaubens für beide Konfessionen und unterstreichen ihre gemeinsame Zugehörigkeit zur Umma, der weltweiten muslimischen Gemeinschaft.

Die tiefgreifenden Unterschiede

Abgesehen von der Frage der Nachfolge des Propheten haben sich im Laufe der Jahrhunderte weitere Unterschiede in Brauchtum, Auslegung religiöser Vorschriften und der Anerkennung religiöser Autoritäten entwickelt.

Das Verständnis des Martyriums

Die Schlacht von Kerbela hat sich tief in das schiitische Geschichtsbewusstsein eingebrannt und die schiitische Identität nachhaltig geprägt. Der ungleiche Kampf zwischen Husain und der Umayyaden-Armee wurde heroisch aufgearbeitet. Husain und seine Gefährten wurden zu Märtyrern erklärt, deren Opferbereitschaft das schiitische Glaubensbild bis heute prägt. Das Konzept des Martyriums ist im Schiitentum wesentlich ausgeprägter als im Sunnitentum.

Dieser aussichtslose Kampf gegen einen übermächtigen Feind schuf auch eine Grundlage für das Dschihad-Verständnis im schiitischen Islam, das oft als Widerstand gegen Unterdrückung interpretiert wird. Historische und moderne Bezüge zur Schlacht von Kerbela finden sich beispielsweise im Kampf der libanesischen Hisbollah oder der Palästinenser gegen Israel. Auch die Iranische Revolution von 1979, bei der Ayatollah Khomeini den Schah Mohammad Reza Pahlavi stürzte, wurde mit Verweisen auf Kerbela und den Kampf Husains gegen Yazid I. emotionalisiert.

Wie kann ich arabisch beten?
Es gibt bestimmte Schritte und Bewegungen, die während des Gebets befolgt werden, darunter Stehen, Verbeugen, Niederwerfen und Sitzen. Sagen Sie die Gebete auf Arabisch auf. Es ist zwar nicht notwendig, Arabisch fließend zu sprechen, um zu beten, aber es ist wichtig, die richtige Aussprache und die Bedeutung der Worte zu lernen.

Die Rolle und Anzahl der Imame

Der Begriff Imam hat für Sunniten und Schiiten unterschiedliche Bedeutungen. Bei den Sunniten ist der Imam ein religiöses Oberhaupt, das Gebete leitet und als Gelehrter fungiert; der Kalif ist der politische und religiöse Führer der Umma. Imam und Kalifat sind zwar nicht identisch, aber der Kalif wird als Bewahrer der Religion und Organisator weltlicher Angelegenheiten gesehen.

Im Schiitentum ist der Imam eine weit höhere Autorität. Er ist nicht nur ein religiöser Führer, sondern ein unfehlbarer, von Gott auserwählter Nachfolger des Propheten mit göttlichem Wissen und spiritueller Autorität. Die verschiedenen schiitischen Strömungen unterscheiden sich primär in der Anzahl der von ihnen anerkannten Imame:

  • Die Zwölfer-Schiiten (die größte schiitische Gruppe mit ca. 80%) glauben an insgesamt zwölf Imame, die alle direkte Nachkommen des Propheten sind. Der erste Imam ist Alī ibn Abī Tālib. Der zwölfte und letzte Imam, Muhammad al-Mahdī, lebt im Verborgenen und wird in der Endzeit als Erlöser (Messias) zurückerwartet.
  • Andere Strömungen wie die Ismailiten oder Zaiditen erkennen eine andere Anzahl von Imame an oder haben andere Vorstellungen über den zwölften Imam.

Die zwölf Imame der Zwölfer-Schia sind:

  1. Alī ibn Abī Tālib (gest. 661)
  2. al-Hasan ibn ʿAlī (gest. 670)
  3. al-Husain ibn ʿAlī (gest. 680)
  4. Alī ibn Husain Zain al-ʿĀbidīn (gest. 713)
  5. Muhammad al-Bāqir (gest. 732 od. 736)
  6. Dschaʿfar as-Sādiq (gest. 765)
  7. Mūsā al-Kāzim (gest. 799)
  8. Alī ar-Ridā (gest. 818)
  9. Muhammad al-Dschawād (gest. 835)
  10. Alī al-Hādī (gest. 868)
  11. Hasan al-ʿAskarī (gest. 874)
  12. Muhammad al-Mahdī (verborgen)

Die Anerkennung der Ahl al-Bait

Die „Ahl al-Bait“ (arab. „Leute des Hauses“) bezeichnet die Familie des Propheten Mohammed. Für die Schiiten ist die Zugehörigkeit zur Ahl al-Bait eine Voraussetzung für die Führung der muslimischen Gemeinschaft. Sie zählen dazu Alī ibn Abī Tālib, seine Frau Fatima (Tochter des Propheten) und ihre beiden Söhne Hasan und Husain.

Die Sunniten definieren den Personenkreis der Ahl al-Bait breiter und schließen neben den genannten Personen auch alle Gattinnen des Propheten ein. Zu verschiedenen Zeiten wurde dieser Personenkreis bei den Sunniten auch noch weiter ausgedehnt.

Die Bedeutung des Aschura-Tages

Der Aschura-Tag ist ein Gedenktag, dessen Bedeutung für Sunniten und Schiiten stark variiert:

  • Für die Schiiten ist der Aschura-Tag ein zentraler Trauertag, der an die Schlacht von Kerbela im Jahr 680 n. Chr. und den Märtyrertod Husains erinnert. Dieser Tag ist von tiefer Trauer, Prozessionen und manchmal blutigen Selbstgeißelungen geprägt, die das Leiden der Schiiten symbolisieren. Einige Schiiten verfluchen an diesem Tag auch die ersten drei Kalifen, die sie als unrechtmäßige Herrscher vor Ali ansehen. Fasten wird an diesem Tag nicht empfohlen, da es ein Trauertag ist.
  • Für die Sunniten ist der Aschura-Tag primär ein empfohlener Fastentag. Es wird überliefert, dass der Prophet Mohammed an diesem Tag fastete, da er in vorislamischer Zeit auch von Juden und Arabern als Fastentag begangen wurde. Nachdem der Ramadan als Pflichtfasten eingeführt wurde, ist das Fasten am Aschura-Tag für Sunniten lediglich eine freiwillige, aber verdienstvolle Handlung. Es ist kein Tag der Trauer in dem Sinne, wie er von den Schiiten begangen wird.

Die Lehre vom Mahdi

Die Vorstellung vom Mahdi, dem „Rechtgeleiteten“, unterscheidet sich ebenfalls erheblich:

  • Für einen Großteil der Schiiten, insbesondere der Zwölfer-Schia, ist der Mahdi der zwölfte Imam, Muhammad al-Mahdī. Er wurde geboren, lebt aber seit dem Jahr 941 n. Chr. im Verborgenen (die „Große Abwesenheit“, al-ġaiba al-kubrā). Seine Rückkehr in der Endzeit wird erwartet, um der Welt Gerechtigkeit zu bringen und die muslimische Gemeinschaft zu führen. Der Klerus, der die Muslime in seiner Abwesenheit regiert, wird lediglich als Stellvertreter des Mahdi angesehen. Die iranische Verfassung von 1979 erwähnt den zwölften Imam als rechtmäßiges Staatsoberhaupt.
  • In der sunnitischen Weltanschauung gibt es keine explizite Rechtsvorschrift, die den Glauben an den Mahdi vorschreibt. Es ist jedem Sunniten selbst überlassen, ob er an einen Messias-ähnlichen Mahdi glaubt oder nicht. Sunnitische Forschungen diskutieren Endzeit-Szenarien, die den Mahdi einschließen oder ausschließen können. Grundsätzlich glauben Sunniten nicht, dass der Mahdi bereits geboren wurde und im Verborgenen lebt.

Geografische Verbreitung: Wo Sunniten und Schiiten leben

Die geografische Verteilung von Sunniten und Schiiten spiegelt die historische Entwicklung und die demografischen Gegebenheiten wider. Während Sunniten die überwältigende Mehrheit in den meisten muslimischen Ländern bilden, gibt es einige Regionen, in denen Schiiten die Mehrheit stellen oder eine signifikante Minderheit sind.

Sunniten sind die dominierende Strömung in der arabischen Welt (außer Irak, Bahrain, Libanon), im deutschsprachigen Raum, der Türkei und allgemein in Europa. Auch in den meisten afrikanischen Ländern, in China, Zentralasien sowie Süd- und Südostasien bilden Sunniten die Mehrheit.

Schiiten stellen eine Mehrheit im Iran (ca. 90-95% der Muslime), Aserbaidschan (80-85%), Irak (64-69%) und Bahrain (70-75%). Signifikante schiitische Minderheiten gibt es unter anderem im Libanon (ca. 40%), Jemen (ca. 30-35%), Kuwait (ca. 30-40%) und Saudi-Arabien (ca. 10-15%). In Pakistan sind etwa 10-15% der Muslime Schiiten.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Verteilung in ausgewählten Ländern:

LandAnteil Muslime (2020)Anteil SunnitenAnteil Schiiten
Afghanistan99,9 %85-89 %10-15 %
Aserbaidschan96,2 %15-20 %80-85 %
Bahrain80,6 %25-30 %70-75 %
Deutschland6,3 %74,1 %7,1 %
Irak97,4 %29-34 %64-69 %
Iran98,5 %5-10 %90-95 %
Jemen99,2 %65 %35 %
Kuwait82,8 %60-70 %30-40 %
Libanon59,8 %50 %50 %
Pakistan96,5 %80-85 %10-15 %
Saudi-Arabien90,4 %85-90 %10-15 %
Syrien94,2 %80 %5-20 %
Türkei98,4 %82 %16 %

Radikalismus und Machtkämpfe: Eine komplexe Beziehung

Die Spannungen und Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten, die oft als „Glaubenskriege“ bezeichnet werden, beruhen nach Ansicht von Religionsforschern weniger auf fundamentalen theologischen Differenzen als vielmehr auf Gebietsansprüchen, Machtverhältnissen und politischen Interessen. Die Geschichte ist reich an Beispielen für solche Auseinandersetzungen:

  • Die schiitische Fatimiden-Dynastie in Nordafrika rief im 10. Jahrhundert ein Gegenkalifat zum sunnitischen Abbasiden-Kalifat aus und versuchte, dessen Herrschaft zu destabilisieren.
  • Die Safawiden-Dynastie (1501–1722) in Persien zwang die sunnitische Bevölkerung, zur Zwölfer-Schia zu konvertieren, und etablierte den Schiismus als Staatsreligion.
  • Im 20. Jahrhundert setzte sich diese Dynamik fort. Der Iran, unter der Führung des schiitischen Ayatollah Khomeini nach der Islamischen Revolution von 1979, versteht sich heute als Schutzmacht aller Schiiten und unterstützt schiitische Gruppen wie die Hisbollah im Libanon oder die Huthi-Rebellen im Jemen.
  • Im Irak regierte Saddam Hussein, ein Sunnit, zwischen 1979 und 2003 diktatorisch und und unterdrückte die schiitische Mehrheit brutal. Während des Ersten Golfkriegs (Iran-Irak-Krieg 1980-88) erhielt er Kredite von sunnitischen Golfstaaten, die die schiitische Regierung im Iran kritisch sahen. Berichten zufolge ließ Hussein Tausende schiitische Muslime verhaften, foltern oder hinrichten, die der Unterstützung der Islamischen Revolution verdächtigt wurden.
  • Saudi-Arabien, das die zwei heiligsten Stätten des Islam (Mekka und Medina) beherbergt, sieht sich als Schutzmacht der Sunniten und versucht, den Einfluss des Irans und des Schiismus zurückzudrängen. Die konservative Strömung der Wahhabiten übt dort großen Einfluss aus.
  • Radikale sunnitische Gruppierungen wie Al-Kaida oder der Islamische Staat (IS) lehnen Schiiten generell ab und betrachten sie als Ungläubige oder Abtrünnige, was zu extrem brutaler Gewalt gegen schiitische Gemeinden führt.

Diese Beispiele zeigen, dass die Rivalität zwischen Sunniten und Schiiten oft von politischen und geostrategischen Interessen befeuert wird, die religiöse Unterschiede als Legitimationsgrundlage nutzen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum gibt es so viele Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten?

Obwohl die theologische Spaltung im Islam ihren Ursprung in der Frage der Nachfolge des Propheten Mohammed hat, werden viele der heutigen Konflikte durch politische, wirtschaftliche und geostrategische Interessen befeuert. Machtkämpfe um regionale Hegemonie, Ressourcen und Einflussbereiche nutzen die religiöse Identität oft als Mobilisierungsgrundlage, auch wenn die eigentlichen Ursachen weltlicher Natur sind.

Gibt es auch friedliche Koexistenz zwischen Sunniten und Schiiten?

Ja, in vielen Ländern und Gemeinschaften leben Sunniten und Schiiten friedlich nebeneinander, heiraten untereinander und praktizieren ihren Glauben ohne Konflikte. Die Spannungen sind oft auf spezifische Regionen oder politische Kontexte beschränkt und spiegeln nicht das tägliche Leben der Mehrheit der Muslime wider.

Sind Sufis, Ismailiten oder Ahmadiyya auch Sunniten oder Schiiten?

Nein, Sufis sind eine mystische Strömung, die sowohl im Sunnitentum als auch im Schiitentum existiert und sich auf die spirituelle Dimension des Islams konzentriert. Ismailiten sind eine Untergruppe des Schiitentums, die sich von der Zwölfer-Schia durch die Anerkennung einer anderen Imam-Linie unterscheidet. Die Ahmadiyya ist eine eigene religiöse Bewegung, die im 19. Jahrhundert in Indien entstand und von vielen Sunniten und Schiiten nicht als Teil des Islams anerkannt wird.

Fazit

Die Trennung zwischen Sunniten und Schiiten ist eine der prägendsten Dynamiken im Islam. Ursprünglich aus einem Konflikt um die Nachfolge des Propheten Mohammed entstanden, haben sich über die Jahrhunderte hinweg unterschiedliche theologische Interpretationen, Rituale und Rechtschulen entwickelt. Während sie in den fundamentalen Säulen des Islams übereinstimmen, unterscheiden sie sich in zentralen Aspekten wie der Bedeutung des Imams, der Wertschätzung des Martyriums und der Auffassung vom Mahdi. Das Verständnis dieser Unterschiede ist entscheidend, um die komplexe Realität der muslimischen Welt und die oft machtpolitisch motivierten Konflikte in verschiedenen Regionen zu entschlüsseln. Trotz aller Differenzen bleiben Sunniten und Schiiten Teil der einen großen islamischen Familie, auch wenn ihre Pfade sich historisch getrennt haben.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Sunniten & Schiiten: Die großen Islam-Konfessionen kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Religion besuchen.

Go up