26/05/2024
Die Kommunion, oft auch als Eucharistie oder Abendmahl bezeichnet, ist ein zentraler Ritus in vielen christlichen Konfessionen. Sie symbolisiert die tiefe Gemeinschaft der Gläubigen mit Jesus Christus und untereinander. Dieses heilige Mahl erinnert an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern und ist für viele ein Höhepunkt des Gottesdienstes, ein Moment der Gnade und der spirituellen Erneuerung. Doch die Interpretation und Praxis der Kommunion variiert erheblich zwischen den verschiedenen christlichen Traditionen, was zu einem reichen Spektrum theologischer Verständnisse und ritueller Formen führt. Von der römisch-katholischen Kirche über die altkatholischen und anglikanischen Gemeinden bis hin zu den evangelischen und lutherischen Kirchen – jede Konfession hat ihre eigene, tief verwurzelte Lehre und Praxis bezüglich dieses Sakraments, die es wert ist, näher beleuchtet zu werden.

- Das römisch-katholische Verständnis der Kommunion
- Altkatholisches und anglikanisches Verständnis der Kommunion
- Das evangelische Verständnis des Abendmahls
- Das lutherische Verständnis des Abendmahls
- Formen des Kommunionempfangs
- Vergleichendes Verständnis der Kommunion
- Häufig gestellte Fragen zur Kommunion
Das römisch-katholische Verständnis der Kommunion
Das römisch-katholische Verständnis der Kommunion ist ein fundamentaler Pfeiler des katholischen Glaubens. Obwohl die spezifischen Details und die tiefgehende Theologie, die diesem Sakrament zugrunde liegen, in den hier vorliegenden Informationen nicht detailliert beschrieben werden, ist es doch von größter Bedeutung für die römisch-katholische Kirche. Die Eucharistie, wie die Kommunion hier genannt wird, wird als das Sakrament der Sakramente betrachtet, in dem Christus selbst in wahrer, realer und substanzieller Weise gegenwärtig ist. Dies ist ein Mysterium, das die Gläubigen dazu einlädt, sich in tiefer Ehrfurcht und Anbetung dem Geheimnis der göttlichen Gegenwart zu nähern.
Altkatholisches und anglikanisches Verständnis der Kommunion
Die altkatholischen und anglikanischen Kirchen teilen ein ähnliches Verständnis der Kommunion und stehen sowohl untereinander als auch miteinander in voller Gemeinschaft, was als „full communion“ bezeichnet wird. Diese Kirchen bekennen die Realpräsenz Christi in den eucharistischen Gaben. Dies bedeutet, dass Christus in Brot und Wein wahrhaft gegenwärtig ist, nicht nur symbolisch. Zugleich betonen sie den Opfercharakter der Eucharistie als reale Vergegenwärtigung des einen Opfers Christi, das er am Kreuz vollbrachte. Es ist keine Wiederholung des Opfers, sondern eine vergegenwärtigende Feier desselben.
Im Gegensatz zur römisch-katholischen Lehre lehnen diese Kirchen die Lehre der Transsubstantiation von Brot und Wein ab. Stattdessen wird das Geheimnis der Wandlung betont, das sich philosophisch-scholastischen Kategorien entziehe. Für sie ist die Verwandlung ein göttliches Wunder, das nicht durch menschliche Begriffe vollständig erfasst werden kann. Demzufolge wird auch die Auffassung abgelehnt, dass das Brot lediglich den Leib und der Wein lediglich das Blut Christi repräsentiere. Vielmehr ist in jedem der beiden Elemente Christus „ganz und ungeteilt“ gegenwärtig, eine Lehre, die als Konkomitanz bekannt ist. Dies hat praktische Auswirkungen: Kinder und Alkoholkranke können das Sakrament vollgültig ausschließlich im Brot empfangen, da Christus auch darin vollständig anwesend ist. In Situationen wie etwa einer schweren Krankheit ist es andererseits auch möglich, dass lediglich die Lippen des Kommunikanten mit Wein benetzt werden.
Voraussetzung für den Empfang der Eucharistie in diesen Kirchen ist die Taufe und der Glaube „an die leibliche Gegenwart des auferstandenen und erhöhten Herrn in den eucharistischen Gestalten“. Einige betrachten die eucharistische Nüchternheit (d. h. kein Frühstück bei morgendlicher Kommunion und drei Stunden Abstinenz vor abendlicher Kommunion) als sinnvoll, sie ist aber nicht vorgeschrieben. Angehörige anderer Kirchen sind zur Teilnahme an der Eucharistie eingeladen, sofern sie getauft sind und den Glauben an die Realpräsenz teilen. In einigen altkatholischen Kirchen, wie der Alt-Katholischen Kirche der Niederlande, und in den meisten anglikanischen Kirchen gilt ferner die Voraussetzung, in der eigenen Ortskirche zur Kommunion zugelassen zu sein, um in einer anderen Ortskirche am Mahl des Herrn teilnehmen zu können.
Das evangelische Verständnis des Abendmahls
Im evangelischen Verständnis wird die Kommunion durchgehend als Abendmahl bezeichnet. Hier werden zwei besonders betonte Entwicklungen während des Abendmahls hervorgehoben. Das eine ist die Hinwendung des Gläubigen von der Sünde, die als Trennung von Gott verstanden wird, hin zur Gemeinschaft mit ihm. Das Abendmahl ist somit ein Akt der Versöhnung und der Wiederherstellung der Beziehung zu Gott.
Das andere ist die Bildung der Gemeinde durch die Kommunion. Vorher waren es viele Teile des Leibes Christi, einzelne Gläubige, doch durch die gemeinschaftliche Kommunion wird die Gemeinde zu einem Leib, einer Einheit, einer tiefen Gemeinschaft. Diese kollektive Erfahrung stärkt die Bande zwischen den Gläubigen und betont die Einheit des Leibes Christi auf Erden. In den unierten Konfessionen wird hiermit die evangelische Gemeinsamkeit zwischen lutherischen und reformierten Konfessionen bezeichnet, die in der Abendmahlsgemeinschaft besteht, einem Ausdruck der theologischen und spirituellen Verbundenheit.
Das lutherische Verständnis des Abendmahls
Für Martin Luther war seine erste Austeilung des heiligen Abendmahls eine überwältigende Erfahrung, die sein theologisches Denken maßgeblich prägte. Im lutherischen Verständnis reicht der Pfarrer den Kommunikanten Christi wahren Leib unter dem Brot und Christi wahres Blut unter dem Wein. Dies ist ein zentraler Punkt der lutherischen Abendmahlslehre: Die Elemente sind nicht nur Symbole, sondern in einer geheimnisvollen Weise mit dem Leib und Blut Christi verbunden.
In der Konsekration, also den Einsetzungsworten Christi, werden Brot und Leib Christi, Wein und Blut zu einer sakramentalen Einheit. Dies bedeutet, dass der Leib Christi „in, mit und unter“ dem Brot und das Blut Christi „in, mit und unter“ dem Wein gegenwärtig sind, ohne dass sich die Substanz von Brot und Wein ändert. Diese Lehre unterscheidet sich sowohl von der Transsubstantiationslehre als auch von einem rein symbolischen Verständnis. Grundsätzlich reicht der ordinierte Geistliche die Hostie, da dies als Zulassung zum heiligen Abendmahl angesehen wird. Der Kelch kann jedoch auch von einem Kommunionhelfer ausgeteilt werden. Die Kommunion in der lutherischen Konfession erfolgt stets unter „beiderlei Gestalt“, also dem Empfang von Christi Leib und Blut.
Der Gläubige, verstanden als derjenige, der glaubt, wirklich Christi Leib und Blut zu empfangen, empfängt nach Martin Luther im Kleinen Katechismus Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit. Im Gegensatz dazu nimmt der Ungläubige, hier verstanden als derjenige, der nicht glaubt, Christi Leib und Blut zu empfangen, das heilige Abendmahl zum Gericht, wie es in 1 Kor 11,27–29 LUT beschrieben wird. Die Gültigkeit des Altarsakramentes hängt weder vom Glauben des Pfarrers noch vom Glauben der Kommunikanten ab. Allein die über den Gaben Brot und Wein durch den ordinierten Pfarrer gesprochenen oder gesungenen Worte Christi bewirken die sakramentale Einheit von Brot und Leib Christi sowie von Wein und Blut Christi. Voraussetzung für die Zulassung ist die Taufe, die Konfirmation und, bei Kommunionswilligen aus anderen Konfessionen, die volle Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft. Zum Empfang der heiligen Gaben knien die Kommunikanten am Altar nieder, was in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) flächendeckend üblich ist und in lutherischen Gemeinden der Landeskirchen vereinzelt noch anzutreffen ist. In der SELK ist in der Regel die Mundkommunion üblich. Durch den Empfang der heiligen Gaben erfahren Lutheraner die Vergebung der Sünden und die Bildung einer tiefen Gemeinschaft mit Jesus Christus selbst sowie unter den Gläubigen.
Formen des Kommunionempfangs
Die Art und Weise, wie die Kommunion empfangen wird, variiert je nach Konfession und sogar innerhalb einzelner Gemeinden. Diese Formen spiegeln oft theologische Überzeugungen und historische Entwicklungen wider:
- Handkommunion: In vielen altkatholischen und anglikanischen Kirchen wird zumeist die Handkommunion praktiziert, oft in der bei Cyrill beschriebenen Weise, bei der die Kommunikanten die Hostie in ihre geöffneten Hände empfangen.
- Mundkommunion: Obwohl in altkatholischen und anglikanischen Kirchen grundsätzlich auch die Mundkommunion möglich ist, ist sie in der Polish National Catholic Church zudem üblich, insbesondere in Verbindung mit der Intinctio. In der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche ist die Mundkommunion die Regel.
- Kelchkommunion: Der Empfang des Blutes Christi erfolgt oft als Kelchkommunion, bei der die Kommunikanten direkt aus dem Kelch trinken.
- Intinctio: Eine weitere Form ist die Intinctio, bei der die Hostie in den Wein getaucht und dann gereicht wird. Diese Methode wird ebenfalls in altkatholischen und anglikanischen Kirchen, sowie in der Polish National Catholic Church praktiziert, oft in Form der Mundkommunion.
- Stehend oder kniend: Der Empfang der Kommunion im Stehen ist weit verbreitet, insbesondere in altkatholischen und anglikanischen Kirchen. In einigen altkatholischen Kirchen (z. B. Alt-Katholische Kirche der Niederlande, Polnisch-Katholische Kirche) und in der anglikanischen „High Church“ wird die Kommunion jedoch in der Regel kniend empfangen. In der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche ist das Knien am Altar ebenfalls flächendeckend üblich.
- Beiderlei Gestalt: In der lutherischen Konfession erfolgt die Kommunion stets unter „beiderlei Gestalt“, das heißt, sowohl der Leib (Brot) als auch das Blut (Wein) Christi werden empfangen.
Vergleichendes Verständnis der Kommunion
Um die Nuancen der verschiedenen Verständnisse besser zu erfassen, bietet die folgende Tabelle eine vergleichende Übersicht der Hauptmerkmale in den besprochenen Konfessionen:
| Merkmal | Altkatholisch/Anglikanisch | Evangelisch | Lutherisch |
|---|---|---|---|
| Bezeichnung | Kommunion / Eucharistie | Abendmahl | Abendmahl |
| Realpräsenz | Ja (Geheimnis der Wandlung, nicht Transsubstantiation) | Fokus auf geistlicher Gegenwart und Gemeinschaft | Ja (Sakramentale Einheit: in, mit und unter den Elementen) |
| Transsubstantiation | Abgelehnt | Nicht Teil der Lehre | Nicht Teil der Lehre |
| Konkomitanz | Ja (Christus ganz in jeder Gestalt) | Nicht explizit hervorgehoben | Impliziert durch "Beiderlei Gestalt", aber nicht so benannt |
| Voraussetzungen | Taufe, Glaube an Realpräsenz (manchmal Zulassung in eigener Kirche) | (Impliziert Taufe) | Taufe, Konfirmation, volle Kirchen-/Abendmahlsgemeinschaft |
| Empfangsformen | Handkommunion, Mundkommunion, Kelch, Intinctio, Stehend/Kniend | Üblicherweise stehend, kann variieren | Mundkommunion (SELK), Kniend (SELK), Beiderlei Gestalt |
| Wirkung / Bedeutung | Gemeinschaft, Vergegenwärtigung des Opfers Christi | Hinwendung zu Gott, Bildung der Gemeinde als ein Leib | Sündenvergebung, Leben, Seligkeit, Gemeinschaft mit Christus und Gläubigen |
Häufig gestellte Fragen zur Kommunion
Die Vielfalt der Verständnisse und Praktiken wirft oft Fragen auf. Hier sind einige der am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Kommunion, basierend auf den diskutierten Konfessionen:
Was ist der Unterschied zwischen Kommunion und Abendmahl?
Der Begriff „Kommunion“ wird häufig in einem breiteren Sinn verwendet und ist besonders in der römisch-katholischen, altkatholischen und anglikanischen Tradition gebräuchlich. Er betont die Gemeinschaft mit Christus und unter den Gläubigen. „Abendmahl“ ist die bevorzugte Bezeichnung in evangelischen und lutherischen Kirchen, die auf das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern verweist und oft die gemeinschaftsbildende und sündenvergebende Dimension hervorhebt. Im Grunde bezeichnen beide Begriffe dasselbe Sakrament, unterscheiden sich aber in konfessionellen Präferenzen und der Betonung bestimmter theologischer Aspekte.
Was bedeutet Realpräsenz im Kontext der Kommunion?
Die Realpräsenz ist die Lehre, dass Jesus Christus in den eucharistischen Gaben von Brot und Wein wahrhaft, wirklich und substanziell gegenwärtig ist. Dies ist ein zentraler Glaubenssatz in der altkatholischen, anglikanischen und lutherischen Tradition. Es bedeutet, dass es sich nicht nur um Symbole handelt, die an Christus erinnern, sondern dass Christus selbst in einer geheimnisvollen Weise gegenwärtig ist und empfangen wird. Das genaue theologische Verständnis dieser Gegenwart variiert jedoch zwischen den Konfessionen, insbesondere in Bezug auf die Transsubstantiation.
Wer darf die Kommunion empfangen?
Die Voraussetzungen für den Kommunionempfang variieren stark zwischen den Konfessionen. In altkatholischen und anglikanischen Kirchen ist die Taufe und der Glaube an die leibliche Gegenwart des Herrn in den eucharistischen Gestalten die Grundvoraussetzung. Manchmal wird zusätzlich verlangt, dass man in der eigenen Ortskirche zur Kommunion zugelassen ist. In lutherischen Kirchen sind Taufe, Konfirmation und bei Angehörigen anderer Konfessionen die volle Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft notwendig. Es ist wichtig, sich vor dem Empfang des Sakraments über die spezifischen Regeln der jeweiligen Kirchengemeinde zu informieren.
Muss man vor der Kommunion nüchtern sein?
Die Praxis der eucharistischen Nüchternheit, also der Verzicht auf Nahrung und Getränke für eine bestimmte Zeit vor dem Kommunionempfang, wird in einigen altkatholischen und anglikanischen Gemeinden als sinnvoll erachtet (z.B. kein Frühstück bei morgendlicher Kommunion oder drei Stunden Abstinenz vor abendlicher Kommunion). Sie ist dort jedoch nicht zwingend vorgeschrieben. Die lutherische und evangelische Tradition legen weniger Wert auf diese äußere Vorschrift, der Fokus liegt hier auf dem inneren Glauben und der Vorbereitung des Herzens.
Ist die Gültigkeit der Kommunion vom Glauben des Pfarrers oder der Kommunikanten abhängig?
Im lutherischen Verständnis ist die Gültigkeit des Altarsakramentes, also der Kommunion, weder vom persönlichen Glauben des Pfarrers noch vom Glauben der Kommunikanten abhängig. Allein die über den Gaben Brot und Wein durch den ordinierten Pfarrer gesprochenen oder gesungenen Worte Christi bewirken die sakramentale Einheit von Brot und Leib Christi sowie von Wein und Blut Christi. Dies betont die objektive Wirksamkeit des Sakraments durch Gottes Wort, unabhängig von der subjektiven Verfassung der Beteiligten. Dennoch ist der Glaube des Empfangenden entscheidend für den segenbringenden Empfang des Sakraments.
Was ist Konkomitanz?
Konkomitanz ist eine theologische Lehre, die besagt, dass in jeder der beiden eucharistischen Gestalten – Brot und Wein – Christus ganz und ungeteilt gegenwärtig ist. Das bedeutet, dass derjenige, der nur das Brot empfängt, nicht nur den Leib, sondern den ganzen Christus empfängt, ebenso wie derjenige, der nur den Wein empfängt, den ganzen Christus empfängt. Diese Lehre ist besonders im altkatholischen und anglikanischen Verständnis relevant und ermöglicht es beispielsweise Kindern oder Alkoholkranken, das Sakrament vollgültig ausschließlich in der Brotsgestalt zu empfangen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kommunion ein facettenreiches Sakrament ist, dessen Bedeutung und Praxis tief in der Geschichte und Theologie der verschiedenen christlichen Konfessionen verwurzelt sind. Obwohl es unterschiedliche Interpretationen gibt, bleibt die Kernbotschaft – die Gemeinschaft mit Christus und untereinander – ein verbindendes Element, das Gläubige weltweit vereint.
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