Was sagt das Lukas Evangelium über den Herrn Jesus?

Christkind vs. Weihnachtsmann: Ursprung & Wandel

09/06/2022

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In der festlichen Weihnachtszeit sind das Christkind und der Weihnachtsmann die zentralen Figuren, die die Herzen der Kinder höherschlagen lassen und die sehnlich erwarteten Geschenke überbringen. Doch wer von beiden gehört eigentlich zu welcher Konfession, und wie sind diese lieb gewonnenen Bräuche überhaupt entstanden? Viele werden überrascht sein zu erfahren, dass die Geschichte dieser Gabenbringer weit komplexer und wechselhafter ist, als man gemeinhin annimmt. Was viele heute als selbstverständlich betrachten, ist das Ergebnis jahrhundertelanger kultureller und religiöser Entwicklungen, die eng mit der Reformation und der Gegenreformation verbunden sind.

Was ist der Unterschied zwischen evangelischen und katholischen Weihnachtsmann?
Eine volkskundliche Umfrage von 1932 ergab, dass das ursprünglich evangelische Christkind als Geschenkebringer vorwiegend in katholische Wohnzimmer einkehrte, während der vom ursprünglich katholischen Nikolaus abgeleitete Weihnachtsmann diese Aufgabe in den evangelischen Regionen Deutschlands übernahm.
Inhaltsverzeichnis

Die Ursprünge des Schenkens: Sankt Nikolaus und die Heiligenverehrung

Bevor das Christkind oder der Weihnachtsmann die Szene betraten, war es der Heilige Nikolaus, der die Kinder bescherte. Ursprünglich wurden die Gaben am 6. Dezember, dem Namenstag des Heiligen Bischofs Nikolaus von Myra, verteilt. Dieser Brauch hatte eine klare theologische Bedeutung: Kinder sollten durch die Verehrung des Heiligen an den Glauben herangeführt werden. Im Mittelalter war dies ein tief verwurzeltes und lebendiges Brauchtum, das die Gläubigen fest in die kirchliche Tradition einband. Der Heilige Nikolaus stand für Nächstenliebe und das Geben, Eigenschaften, die in der katholischen Kirche hochgehalten wurden und bis heute in vielen Regionen in Form des Nikolaustages fortbestehen.

Die Figur des Nikolaus war somit nicht nur ein einfacher Geschenkebringer, sondern ein mächtiges Symbol der Heiligenverehrung. Er wurde in Bildern dargestellt, und sein Wirken wurde in Umzügen und Schauspielen gefeiert. Diese Tradition war in der katholischen Welt fest etabliert und diente dazu, den Glauben und die Bedeutung der Heiligen im Leben der Menschen zu verankern. Doch diese etablierte Ordnung sollte bald durch eine theologische Revolution in ihren Grundfesten erschüttert werden.

Martin Luthers Reformation und die Geburt des Christkinds

Mit dem Aufkommen der Reformation im 16. Jahrhundert brach Martin Luther nicht nur mit der römisch-katholischen Kirche, sondern auch explizit mit der Heiligenverehrung. Für Luther war die Anbetung von Heiligen ein Irrweg, der vom alleinigen Fokus auf Christus ablenkte. Doch der Brauch des Schenkens war tief in der Gesellschaft verwurzelt und sollte nicht einfach abgeschafft werden. So entstand die Notwendigkeit einer neuen Figur, die die Gaben bringen konnte, ohne die verpönte Heiligenverehrung zu fördern.

Es wird angenommen, dass Martin Luther den Anstoß für die Erfindung des Christkinds gab, um einen protestantischen Gegenentwurf zum Heiligen Nikolaus zu schaffen. Das Christkind, oft blondgelockt, engelhaft, im weißen Kleid und mit Heiligenschein abgebildet, schlich sich unbemerkt in die Wohnzimmer und versteckte die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Die Bescherung wurde vom 6. Dezember auf den Heiligen Abend, den 24. Dezember, verlegt, um den Fokus stärker auf die Geburt Christi selbst zu legen und die Heiligenverehrung endgültig zu umgehen. Eine Hausrechnung der Eheleute Luther belegt noch Ausgaben für „Niclasgeschenke“, was darauf hindeutet, dass der Übergang ein Prozess war. Doch seit 1531 bescherte Luther in seiner Familie im Namen des „Heiligen Christ“.

Was ist der Unterschied zwischen evangelischen und katholischen Weihnachtsmann?
Eine volkskundliche Umfrage von 1932 ergab, dass das ursprünglich evangelische Christkind als Geschenkebringer vorwiegend in katholische Wohnzimmer einkehrte, während der vom ursprünglich katholischen Nikolaus abgeleitete Weihnachtsmann diese Aufgabe in den evangelischen Regionen Deutschlands übernahm.

Die Volkskundlerin Erika Kohler stellte fest, dass die Verbote der Nikolausbescherung in protestantischen Städten die zunehmende Verdrängung des Heiligen Nikolaus durch das Christkind belegen. Ein Beispiel hierfür ist der Beschluss des Straßburger Magistrats im Jahr 1570, Nikolausumzüge zu verbieten, um den Kindern einzuschärfen, dass nicht der Heilige, sondern das Christkind die Geschenke bringe. Diese Entwicklung war ein gezielter Versuch, die reformatorischen Prinzipien auch im privaten Brauchtum zu verankern.

Interessanterweise ist Luthers Christkind nicht das neugeborene Jesuskind, wie man intuitiv annehmen könnte. Nach dem Ethnologen Bernhard Schmelz hat diese Figur ihren Ursprung in den Engeln oder engelähnlichen Gestalten von Krippenspielen und Weihnachtsumzügen. Diese wurden oft von Mädchen in weißen Gewändern gespielt, wobei die weiße Farbe Reinheit und Unschuld symbolisierte. Dieses „Christkind“ übernahm nach und nach in protestantischen und später auch in katholischen Gebieten den Posten des Geschenkebringers, der die Gaben heimlich in der Nacht bringt, ganz so wie es ursprünglich der Nikolaus getan hatte. Es war, wie die Jenaer Volkskundlerin Sabine Wienker-Piepho sagt, ein „kultureller Prozess“, den Luther angestoßen hatte, aber andere ausgeführt hätten.

Der Aufstieg des Weihnachtsmanns: Eine säkulare Transformation

Während das Christkind zunächst das evangelische Deutschland eroberte, fand eine weitere wichtige Entwicklung statt, die eine neue Figur hervorbrachte: den Weihnachtsmann. Die Metamorphose vom Heiligen Nikolaus zum Weihnachtsmann geschah Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese Figur ist eine Zusammensetzung verschiedener Elemente: die Stiefel, der Sack und die Rute des Knecht Ruprecht, ein langer weißer Bart aus der kindlichen Gottvater-Vorstellung sowie das rote Bischofsornat und die Schenkerfunktion des Nikolaus.

Obwohl der Weihnachtsmann seine Ursprünge im katholischen Nikolaus hat, eroberte er paradoxerweise vor allem die protestantischen Regionen Deutschlands. Eine volkskundliche Umfrage von 1932 zeigte, dass das ursprünglich evangelische Christkind als Geschenkebringer vorwiegend in katholische Wohnzimmer einzog, während der vom ursprünglich katholischen Nikolaus abgeleitete Weihnachtsmann diese Aufgabe in den evangelischen Regionen Deutschlands übernahm. Dies ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Vermischung und den Wandel von Traditionen über Konfessionsgrenzen hinweg.

Der moderne Weihnachtsmann, wie wir ihn heute kennen, wurde maßgeblich durch kommerzielle Darstellungen populär. Der Coca-Cola-Konzern griff 1931 mit seiner Darstellung des Alten mit Rauschebart in dem rot-weißen Kostüm auf eine Zeichnung des US-Grafikers Thomas Nast aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Diese Werbekampagne festigte das Bild des fröhlichen, rotgekleideten Weihnachtsmanns weltweit und machte ihn zu einem universellen Symbol des Konsums und der Weihnachtsfreude, losgelöst von seinen ursprünglichen religiösen Wurzeln. Er ist eine säkularisierte Figur, die sich viel besser medial vermarkten lässt als das Christkind, wie der Regensburger Volkskundler Gunther Hirschfelder feststellt. Das Christkind sei in der Werbeindustrie als „junge Figur, zwischen 14 und 16 Jahren, leicht bekleidet und androgyn bis weiblich“ anzüglich geworden und passe nicht zum „winterlichen“ Weihnachtsbild, da „ein Engel mit Wintermantel nicht geht“.

Was ist das Christkind?
Reinbold: Das Christkind ist eine Erfindung der Reformation. Das begann im 16. Jahrhundert. Nikolaus wurde als "Heiliger" verehrt. Das geht nach evangelischem Verständnis natürlich nicht. Danach sind vielmehr alle Christinnen und Christen "Heilige", so wie es schon in den Briefen des Paulus zu lesen ist. Was tat man also?

Konfessionelle Vermischung und die heutige Realität

Heute sind viele Weihnachtsbräuche überkonfessionell geworden. Das ursprünglich evangelische Christkind findet sich in katholischen Haushalten, und der Weihnachtsmann beschenkt auch evangelische Kinder. Auch Traditionen wie der Adventskranz und der Weihnachtsbaum, die ursprünglich evangelisch waren, sind längst in katholischen Wohnzimmern angekommen. Diese Entwicklung zeigt, wie sich kulturelle Bräuche verselbstständigen und über ihre ursprünglichen religiösen Zuschreibungen hinauswachsen.

Die zunehmende Kommerzialisierung und Säkularisierung der Weihnachtszeit hat jedoch auch dazu geführt, dass christliche Worte und Elemente zunehmend aus dem Weihnachtsgeschäft verdrängt werden. Märkte heißen „Wintermarkt“ statt Weihnachtsmarkt, und der Stern von Bethlehem wird mancherorts zur Schneeflocke. Die Krippe ist auf kommerziellen Weihnachtsmärkten stark auf dem Rückzug. Dies spiegelt eine allgemeine Tendenz wider, Weihnachten von seinen religiösen Wurzeln zu entkoppeln und als ein Fest des Konsums und der allgemeinen Gemütlichkeit zu feiern.

Eine interessante neue Entwicklung ist jedoch die Wiedereinführung des Nikolaustages als Gedenktag in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ab dem ersten Advent 2018. Dies könnte als Versuch gesehen werden, die ursprüngliche Bedeutung des Nikolaus wieder in den evangelischen Kontext zu integrieren und damit eine Brücke zu den historischen Wurzeln des Schenkens zu schlagen.

Vergleich: Christkind vs. Weihnachtsmann

Um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden ikonischen Figuren besser zu verstehen, hilft ein direkter Vergleich:

MerkmalChristkindWeihnachtsmann
UrsprungProtestantischer Gegenentwurf zum Nikolaus (Martin Luther), engelhafte Figur.Ableitung vom Heiligen Nikolaus, vermischt mit Knecht Ruprecht und Gottvater-Vorstellungen.
ErscheinungsbildBlondgelockt, engelhaft, im weißen Kleid, mit Heiligenschein.Rauschebart, rotes Kostüm, Stiefel, Sack, Rute.
Primäre Konfession (ursprünglich)EvangelischKatholisch (als Nikolaus)
GeschenketagHeiligabend (24. Dezember)Heiligabend (24. Dezember), ursprünglich Nikolaustag (6. Dezember)
Heutige VerbreitungVorwiegend in katholischen Wohnzimmern (Süd- und Westdeutschland), aber auch evangelisch.Vorwiegend in protestantischen Regionen (Mittel-, Nord- und Ostdeutschland), aber auch katholisch.
Mediale DarstellungSchwierig zu vermarkten, gilt als „anzüglich“ oder unpassend winterlich.Sehr erfolgreich durch Kommerzialisierung (z.B. Coca-Cola).

Häufig gestellte Fragen

Die Geschichte des Christkinds und des Weihnachtsmanns wirft viele Fragen auf. Hier sind einige der am häufigsten gestellten:

Wer brachte ursprünglich die Weihnachtsgeschenke?

Ursprünglich brachte der Heilige Nikolaus am 6. Dezember die Geschenke. Dieser Brauch war in der katholischen Kirche verbreitet und sollte die Kinder zur Heiligenverehrung anleiten.

Hat Martin Luther das Christkind erfunden?

Martin Luther gilt als der Initiator des Christkinds. Er lehnte die Heiligenverehrung ab und suchte eine Alternative zum Heiligen Nikolaus als Geschenkebringer. Er selbst bescherte in seiner Familie im Namen des „Heiligen Christ“. Die genaue Ausgestaltung und Verbreitung des Christkinds war jedoch ein kultureller Prozess, der von anderen weitergeführt wurde.

Wer wollte sich in Bethlehem eintragen lassen?
Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazareth in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

Ist das Christkind das Jesuskind?

Nein, das Christkind, wie es als Geschenkebringer bekannt ist, ist nicht das neugeborene Jesuskind. Es ist vielmehr eine engelhafte Figur, die ihren Ursprung in den Engeln und engelähnlichen Gestalten der Krippenspiele und Weihnachtsumzüge hat. Es wurde oft von Mädchen in weißen Gewändern dargestellt, die Reinheit und Unschuld symbolisierten.

Hat Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden?

Nein, Coca-Cola hat den Weihnachtsmann nicht erfunden, aber maßgeblich zu seiner heutigen Popularität und seinem ikonischen Aussehen beigetragen. Die rot-weiße Darstellung des Weihnachtsmanns wurde 1931 von Coca-Cola für ihre Werbekampagnen verwendet, basierend auf früheren Zeichnungen des US-Grafikers Thomas Nast aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Weihnachtsmann entstand aus einer Vermischung verschiedener europäischer Traditionen und Figuren, darunter der Heilige Nikolaus und Knecht Ruprecht.

Warum vermischen sich die Traditionen heute so stark?

Die Vermischung der Traditionen ist ein Ergebnis von Säkularisierung, kulturellem Austausch und der Kommerzialisierung des Weihnachtsfests. Ursprünglich konfessionell gebundene Bräuche haben sich im Laufe der Zeit verselbstständigt und sind zu allgemeinen kulturellen Phänomenen geworden. Die Menschen übernehmen Bräuche, die ihnen gefallen, unabhängig von ihrer ursprünglichen religiösen Zugehörigkeit, was zu einer Vielfalt und einem Nebeneinander von Christkind und Weihnachtsmann in vielen Familien führt.

Fazit

Die Geschichte des Christkinds und des Weihnachtsmanns ist eine faszinierende Reise durch die europäische Religions- und Kulturgeschichte. Sie zeigt, wie sich Bräuche wandeln, um neuen theologischen oder gesellschaftlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Von der tief religiösen Verehrung des Heiligen Nikolaus über Luthers reformatorischen Impuls bis hin zur globalen, kommerziellen Figur des Weihnachtsmanns – jede Etappe dieser Entwicklung spiegelt die Sehnsüchte und Überzeugungen der jeweiligen Zeit wider. Trotz ihrer unterschiedlichen Ursprünge und Entwicklungen verkörpern beide Figuren bis heute eine tief menschliche Sehnsucht: die Sehnsucht nach einem himmlischen Wesen, das Gutes will, Licht ins Dunkel bringt und ohne Gegenleistung Freude schenkt. Ob blondgelocktes Christkind oder rotgekleideter Weihnachtsmann, sie alle erfüllen die Rolle des Gabenbringers und sind ein unverzichtbarer Bestandteil der magischen Weihnachtszeit, die weit über konfessionelle Grenzen hinaus Menschen verbindet.

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