Wer war der Verfasser des Ersten Evangeliums?

Verheißung & Erfüllung: Jesu Rolle in der Bibel

19/08/2021

Rating: 4.98 (2733 votes)

Die Bibel ist ein einzigartiges Buch, das sich durch eine bemerkenswerte Eigenschaft von vielen anderen religiösen Schriften abhebt: Sie enthält zahlreiche Prophezeiungen, die sich über Hunderte, ja sogar Tausende von Jahren erstrecken und mit erstaunlicher Präzision erfüllt wurden. Diese Verheißungen und ihre Erfüllungen sind nicht nur Zeugnisse einer göttlichen Vorsehung, sondern auch der Kern der biblischen Botschaft, insbesondere im Neuen Testament. Sie zeigen, dass Gott einen detaillierten Plan für die Menschheit hat, dessen Höhepunkt in der Person Jesus Christus liegt.

Wie lange dauert die Verheißung und Erfüllung der Bibel?
Verheißung und Erfüllung liegen dabei oft mehrere hundert Jahre auseinander. Weil Gott seine Offenbarung in der Heiligen Schrift über mehr als 1500 Jahre wachsen ließ, haben wir so ein inneres Zeugnis der Glaubwürdigkeit der Bibel. Eine besondere Freude liegt für den Christen darin, die Prophezeiungen auf Jesus Christus anzuschauen.
Inhaltsverzeichnis

Die Zeitspanne biblischer Prophezeiungen: Ein Überblick

Die Zeitspanne zwischen der Verkündigung einer Prophezeiung und ihrer tatsächlichen Erfüllung kann immens sein. Diese langen Zeiträume sind ein starkes Argument für die übernatürliche Natur der biblischen Vorhersagen. Es handelt sich nicht um vage Weissagungen, sondern oft um spezifische Details, die sich erst Jahrhunderte später manifestierten. Die nachfolgende Tabelle bietet einen Einblick in einige dieser Prophezeiungen aus dem Alten Testament und ihre beeindruckende Erfüllung im Neuen Testament, die die Kontinuität und Kohärenz des göttlichen Handelns über die Geschichte hinweg unterstreichen.

Von Jahrtausenden bis zur Gegenwart: Eine Auswahl erfüllter Prophezeiungen

Verheißung in der BibelZeit der VorhersageVerweis im NTInhalt der VorhersageErfüllung der Vorhersage
Daniel 7-96. Jhdt v.Chr.Joh 18,36–37; Lk 21,27; Lk 17,21Daniel sieht, dass Meder und Perser Babylon besiegen. Ihr Aufstieg endet mit einem Herrscher, dessen Reich zerfällt und von einem weiteren Großreich abgelöst wird. Währenddessen entsteht ein völlig neues, ewiges Königreich.Beschreibt die Weltreiche von Babylon, Persien, Griechenland unter Alexander dem Großen und das Römische Reich. Während dieser Zeit bricht das unüberwindliche Reich Gottes mit dem Kommen des Königs Jesus an, das nicht von der Welt ist.
Jes 7,14ca. 722 v.Chr.Mt 1,22f; Mt 17,5; Joh 19,7Als göttliches Zeichen soll eine Jungfrau einen Sohn zur Welt bringen, der „Immanuel“ (Gott ist mit uns) genannt wird.Jesus wird als Sohn der Jungfrau Maria geboren. Er heißt „Jeschua“ (Gott rettet) und wird als Sohn Gottes gesehen.
Micha 5,1-3um 700 v.Chr.Mt 2,5-6Der versprochene Retter soll im kleinen Bethlehem, der Stadt Davids, geboren werden.Jesus Christus kommt ca. 6/7 v.d. Zeitenwende in Bethlehem zur Welt.
Jer 31,15um 600 v.Chr.Mt 2,16-18In der Landschaft um Bethlehem soll tiefe Trauer um getötete Kinder herrschen.Herodes der Große tötet alle Säuglinge bis 2 Jahre, um Jesus zu töten.
Jes 8,23 – 9,1um 700 v.Chr.Mt 4,14Das Gebiet Galiläas, einst Land der Dunkelheit und Angst, wird von Gott gewürdigt, weil von dort der Friedefürst kommt.Jesu Familie wohnte in Nazareth in Galiläa. Jesus lebte und wirkte die meisten Wunder in Kapernaum in Galiläa und Umgebung.
Jes 40,3um 700 v.Chr.Mt 3,3; Mk 1,1-2Dem Auftreten des Messias soll ein Vorläufer als Ankündiger vorangehen.Johannes der Täufer wird ca. ein halbes Jahr vor Jesus geboren und predigt dessen Auftreten.
5Mo 18,15um 1400 v.Chr.Apg 3,22; 7,37Der Retter sollte ein neuer Mose sein, ein prophetischer Führer und Freund Gottes aus dem Volk Israel.Jesus tat solche und größere Wunder als Mose. Er wurde der Retter aus seinem Volk, den das Volk nicht annahm (Joh 1,11). Er allein hat im Schoß des Vaters gesessen (Joh 1,18) und ihn gesehen (Joh 6,46; 8,38), wie es Mose gern wollte.
1Mo 22,16-18um 2000 v.Chr.Joh 4,22; Apg 3,25; Gal 3,8-9Durch Abrahams Nachkommen sollen alle Völker den eigentlichen Segen Gottes erhalten.Jesus, der Retter, stammt aus dem Volk der Juden. Er erwirkte die Rettung durch seinen Tod am Kreuz, und dieser Glaube hat sich weltweit verbreitet und ist zur Hoffnung für alle Völker geworden.
Jes 53um 700 v.Chr.Apg 8,32-35; Mt 8,17; Mk 15,28Der Retter soll ein leidender Knecht Gottes sein, der für die Sünden der Menschen stirbt, aber Herr vieler Nachkommen wird und bei Reichen bestattet wird.Jesus starb 30 n.d. Zeitenwende einen Verbrechertod durch Kreuzigung. Er war unschuldig, wehrte sich nicht und wurde im Grab des wohlhabenden Josef von Arimathäa bestattet.
Jes 53,12um 700 v.Chr.Lk 22,37Der gerechte Knecht Gottes soll als Verbrecher gelten.Jesus starb einen Verbrechertod zwischen zwei Verbrechern.
Jes 53,1ca. 700 v.Chr.Joh 12,38Dem Knecht Gottes wird nicht geglaubt; seine Botschaft verworfen.Obwohl Jesus seine Sendung mit unzweifelhaften Zeichen und Wundern bestätigte, glaubten ihm die Menschen nicht.
Sach 9,9um 500 v.Chr.Mt 21,4-5; Joh 12,14Der Retter soll ein besonderer König sein und als Zeichen seiner Sanftmut auf einem jungen Esel reiten.Jesus zieht in der Woche vor seiner Kreuzigung, die zugleich seine Erhöhung als König ist, auf einem Eselsfüllen reitend ein.
Sach 13,7ca. 500 v.Chr.Mt 26,31 + 56Der Retter wird als der wahre Hirte von seiner Herde verlassen, als er von Gott geschlagen wird.Selbst die Jünger des Zwölferkreises außer Johannes verlassen Jesus.
Ps 22,19um 1000 v.Chr.Mt 27,35; Joh 19,23-24Es sollte um das Gewand des verurteilten Gerechten gewürfelt werden.Die Soldaten am Kreuz wollten den ungenähten Stoff nicht teilen und losten.
2Mo 12,46; Ps 34,21ca. 1450 v.Chr.; ca. 1000 v.Chr.Joh 1,29; Joh 19,36Dem Passahlamm soll kein Knochen zerbrochen werden.Jesus, von Johannes dem Täufer als wahres Passahlamm bezeichnet, werden entgegen der römischen Gewohnheit die Beine bei der Kreuzigung nicht gebrochen.
Sach 12,10ca. 500 v.Chr.Joh 19,37; 20,25Die Einwohner Jerusalems sollen auf einen durchbohrten Gott schauen.Jesus wird ans Kreuz genagelt. Zur Bestätigung seines Todes sticht man ihm mit einer Lanze in die Seite.
Psalm 118,21-23ca. 1000 v.Chr.Mt 21,42; 1Kor 1,18Der Retter und die erwirkte Rettung sollen wie ein Stein, den Bauarbeiter verwerfen, angesehen werden, aber Gott macht ihn zum Eckstein.Selbst Jesu engste Vertraute messen der Kreuzigung anfangs nicht die rettende Bedeutung zu. Aber Gott macht genau das zur wahren Gotteskraft und zum einzigen Weg der Rettung.
Psalm 69,5ca. 1000 v.Chr.Joh 15,25Der Gerechte soll ohne Grund gehasst werden.Trotz Suchens findet man keine Anklage gegen Jesus. Er ist unschuldig.
Jes 29,14um 700 v.Chr.1Kor 1,19Gottes Errettung seines Volkes soll überraschend und wunderbar sein, kein menschlich erdachter Weg.Das Evangelium von der Rettung durch einen Gekreuzigten, der Mensch und wahrer Gott ist, ist voller Weisheit und doch unmöglich menschliche Idee.
2Sam 7,12-16um 980 v.Chr.Mt 22,41Der Retter soll ein Sohn Davids sein und einen ewigen Thron haben.Jesus ist von seiner Abstammung Davids Nachkomme und als Retter der „Sohn Davids“. Seine Herrschaft ist himmlisch und ohne Ende geworden.
Psalm 110,1ca. 1000 v.Chr.Mt 22,44; Phil 2,9-11Der Retter, den David selber als seinen Herrn anerkennt, ist ein ewiger Herrscher, dem sich alle Feinde beugen müssen.Schon während seines irdischen Lebens erkannten die Dämonen Jesus als Herrn. Mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt kann ihm niemand mehr widerstehen. Gott hat ihm die Gerichtshoheit übergeben.
Mt 16,21; 17,22-23; 20,17-19; Mk 8,31; Lk 9,22; Joh 2,19ca. 29/30 n.Chr.(Erfüllung direkt danach)Jesus kündigt die Ablehnung der Hohepriester, seinen gewaltsamen Tod unter Mitwirkung der Römer und seine Auferstehung am dritten Tag an.Genauso wie Jesus es angekündigt hat, traf es ein. Insbesondere waren die Hohepriester und Ältesten die treibende Kraft. Seine Auferstehung geschah am Morgen des dritten Tages nach seinem Sterben.
Psalm 16,8-11ca. 1000 v.Chr.Apg 2,27Der Gesalbte Gottes wird nicht im Tod bleiben und nicht dauerhaft verwesen.Jesus ist am dritten Tag auferstanden. Sein Leib wurde verwandelt und ist ewig im Himmel. Seine Auferstehung wurde zur Verheißung und zum Vorbild für die Auferstehung der Glaubenden.
Joh 14,26; 16,730 n.Chr.(Erfüllung direkt danach)Jesus kündigt das Kommen des Heiligen Geistes als Tröster und Offenbarer an.Am ersten Pfingsten schenkt Gott seinen Geist zum ersten Mal. Danach kommt er bei der Verkündigung der Apostel.
Joel 3,1-59./8. Jhdt. v.Chr.Apg 2,17fIn der letzten Zeit soll ein neues Zeitalter beginnen, geprägt von der Ausgießung des Heiligen Geistes auf alle Glaubenden.An Pfingsten schenkt Gott seiner Gemeinde und den ersten Glaubenden seinen Heiligen Geist. Seitdem wird jedem der Geist geschenkt, der zum Glauben an Jesus als Herrn und Retter findet.
Mt 24,2; Lk 21,5-6.24; Joh 2,19-21ca. 30 n.Chr.(Erfüllung 70 n.Chr.)Jesus kündigt die Zerstörung Jerusalems und des Tempels an. Kein Stein soll auf dem anderen bleiben. Dies deutet auf den neuen Tempel, der er selbst ist und dann die Gemeinde als sein Leib ist.Die Römer zerstören 70 n.Chr. Jerusalem und den Tempel so gründlich, dass alles dem Erdboden gleichgemacht wird. Kritiker behaupten, die Vorhersage sei Jesus erst nach 70 in den Mund gelegt worden, da sie so übereinstimmend ist.
Psalm 2,1-2ca. 1000 v.Chr.Apg 4,23-27Könige und irdische Fürsten leisten Widerstand gegen Gottes Herrschaft. Sie wollen Gott und seinen Christus entmachten, was nicht gelingt.Der Widerstand gegen Christus und sein Evangelium bleibt, ohne dass es einen vernünftigen Grund dafür gibt. Die Glaubenden sind wie Schafe unter Wölfen.

Das Matthäusevangelium: Ein einzigartiges Porträt des Messias

Wenn man das Neue Testament zum ersten Mal liest, fällt auf, dass die Geschichte Jesu nicht nur einmal, sondern viermal erzählt wird: in den Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Dies mag zunächst überraschen, doch es hat einen tiefen Sinn. Während es in den letzten Jahrhunderten Versuche gab, diese Evangelien zu einer einzigen Erzählung zusammenzufassen – wie Tatians „Diatessaron“ im zweiten Jahrhundert –, ist die Antwort für Gläubige ein klares „Nein!“ Der Heilige Geist hat uns vier inspirierte Meisterwerke gegeben, jedes mit einer einzigartigen Perspektive auf Jesus. Jedes Evangelium erzählt eine besondere Geschichte und betont spezifische theologische Themen, die bei einer Zusammenfassung verloren gehen könnten. So verpassen wir die Botschaft des Heiligen Geistes, die uns durch jeden einzelnen Text vermittelt wird.

Matthäus' Zentralthema: Verheißung und Erfüllung

Obwohl das Matthäusevangelium wahrscheinlich nicht das erste geschriebene Evangelium war (diese Ehre gebührt wohl Markus), steht es an erster Stelle in unserem Neuen Testament. Das ist passend, denn es ist das „jüdischste“ der vier Evangelien und am engsten mit dem Alten Testament und den Prophezeiungen über das Kommen des Messias verbunden. Das zentrale Thema von Matthäus ist die Verheißung und Erfüllung: Die Verheißungen Gottes in den hebräischen Schriften, seinem Volk Israel und der ganzen Welt das Heil zu bringen, erfüllen sich mit dem Kommen des Messias Jesus. Die Antwort der Gemeinde auf diese frohe Botschaft sollte sein, in alle Welt zu gehen und die Menschen Jesus, dem Messias, zu Jüngern zu machen (Matthäus 28,18-20).

Der Stammbaum: Die Legitimation Jesu als Messias

Jede Seite des Matthäusevangeliums ist von den Themen der Verheißung und Erfüllung durchdrungen. Das Evangelium beginnt mit den Worten: „Buch des Ursprungs von Jesus Christus, dem Sohn Davids, der ein Nachkomme Abrahams war“, gefolgt von einem detaillierten Stammbaum über 14 Generationen! Während viele moderne Kulturen wenig Interesse an Stammbäumen haben, sahen Matthäus und seine Leser diese Ankündigung als die aufregendste Nachricht aller Zeiten. In diesem Stammbaum wird Jesus als „Sohn Abrahams“ und „Sohn Davids“ vorgestellt, was bedeutet, dass er von zwei der bedeutendsten Gestalten der biblischen Geschichte abstammt.

Gott rief Abraham auf, seine Heimat Ur in Mesopotamien zu verlassen und an einen Ort zu gehen, den er ihm zeigen würde. Gott schloss einen Bund mit Abraham und versprach, aus ihm ein großes Volk (Israel) zu schaffen, ihm das verheißene Land (Kanaan) zu geben und durch seine Nachkommen alle Völker der Erde zu segnen (Genesis 12,1-3). Zwölfhundert Jahre nach Abraham schloss Gott einen Bund mit König David und versprach ihm, dass seine Dynastie für immer bestehen würde und dass einer seiner Nachkommen für immer auf seinem Thron regieren würde (2. Samuel 7,11-16). Diese Prophezeiung des „Messias“ – des gesalbten Königs und Erlösers – wurde von den späteren Propheten aufgegriffen und erweitert (Jesaja 9,1-6; 11,1-16). Indem Matthäus den Stammbaum vorlegt und die Abstammung Jesu bis zu David und Abraham zurückverfolgt, bekräftigt er damit, dass Jesus der Messias und Erlöser der Welt ist, der Mittelpunkt und das Ziel der menschlichen Geschichte.

Die "Erfüllungsformeln": Matthäus' Beweisführung

Neben dem Stammbaum, der die Legitimation Jesu als Messias bestätigt, entwickelt Matthäus sein Thema der Verheißungserfüllung durch eine Reihe von „Erfüllungsformeln“. Dies sind Zitate aus dem Alten Testament, die die Erfüllung der Prophezeiungen durch Jesus belegen. Die Formel, die Matthäus zehnmal verwendet, lautet in etwa so: „Dies geschah, damit erfüllt wird, was der HERR durch den Propheten … geredet hatte.“ Zum Beispiel erfüllt die Geburt Jesu durch eine Jungfrau die Prophezeiung aus Jesaja 7,14 (Matthäus 1,22-23), die Flucht seiner Familie nach Ägypten erfüllt Hosea 11,1 (Matthäus 2,15), sein Dienst in Galiläa erfüllt Jesaja 9,1 (Matthäus 4,14-16) und so weiter.

Zusätzlich zu diesen zehn Erfüllungsformeln zitiert Matthäus ein Dutzend Mal oder öfter die Bibel ohne Formel, aber in einer Weise, die darauf hinweist, dass Jesus sie erfüllt hat. Als König Herodes beispielsweise die Hohepriester und Schriftgelehrten fragt, wo der Messias geboren werden sollte, zitieren sie Micha 5,2+4, um seine Geburt in Bethlehem zu bestätigen. In ähnlicher Weise identifiziert Matthäus Johannes den Täufer als „den, von dem geschrieben steht“, und zitiert dann Maleachi 3,1: „Siehe, ich sende meinen Boten. […] Er wird mir den Weg bahnen.“

Manche Kritiker haben behauptet, dass Matthäus’ Zitate aus dem Alten Testament oft aus dem Zusammenhang gerissen sind und die ursprüngliche Bedeutung des Textes falsch wiedergeben. Zum Beispiel war Hosea 11,1 „aus Ägypten rief ich meinen Sohn“ in seinem ursprünglichen Kontext keine direkte Prophezeiung über den Messias, der nach Ägypten flieht und dann nach Israel zurückkehrt. Tatsächlich war es überhaupt keine Prophezeiung, sondern eher eine Aussage Gottes über seine Befreiung Israels beim Auszug aus Ägypten. Doch eine genauere Lektüre des Matthäusevangeliums bietet eine bessere Lösung.

Typologie: Jesus als das neue Israel und der neue Mose

Die „Erfüllungsmuster“ bei Matthäus bestätigen, dass die gesamte menschliche Geschichte auf ihr Ziel und ihren Höhepunkt in Christus zusteuert. Dies geschieht oft durch Typologie, eine biblische Interpretationsmethode, bei der eine Person, ein Ereignis oder eine Institution im Alten Testament als „Typus“ oder Vorbild für eine spätere, größere „Antitypus“ im Neuen Testament dient.

Jesus als das neue Israel

Hosea 11,1 ist Teil einer größeren Israel-Jesus-Typologie, die Matthäus in seinem Evangelium entwickelt. So wie Gott seinen „Sohn“ Israel aus Ägypten herausgeführt hat, so kommt auch Jesus, der wahre Sohn Gottes, aus Ägypten heraus (Hosea 11,1; Matthäus 2,15). So wie Israel 40 Jahre lang in der Wüste geprüft wurde, wird Jesus 40 Tage lang in der Wüste vom Satan geprüft (Matthäus 4,1-11). Während Israel wiederholt versagte, Gott zu gehorchen, bleibt Jesus treu und gehorsam. Diese Typologie wird dadurch bestätigt, dass die drei alttestamentlichen Stellen, die Jesus als Antwort auf die drei Versuchungen zitiert, alle dem Exodusbericht Israels entnommen sind. (1) Israel vertraute Gott nicht, als es durch Hunger geprüft wurde. Jesus verlässt sich ganz auf Gott und zitiert Deuteronomium 8,3: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ (2) Israel stellte Gott in Meriba auf die Probe. Jesus weigert sich, Gott auf die Probe zu stellen, indem er sich von der Zinne des Tempels stürzt. Stattdessen zitiert er: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ (3) Schließlich wandte sich Israel dem Götzendienst zu und brach das Gebot, Gott allein anzubeten (Deuteronomium 9,12). Jesus weigert sich, den Satan im Tausch gegen die Reiche der Welt anzubeten, und beruft sich auf Deuteronomium 6,13: „Jahwe, deinen Gott, sollst du fürchten, ihm sollst du dienen.“

Eine Jesus-Israel-Typologie zeigt sich bei Matthäus auch in der Darstellung Jesu als „Knecht des HERRN“. Der Begriff „Knecht“ erscheint wiederholt in Jesaja 40-55. Manchmal wird der Knecht mit dem Volk Israel (Jesaja 41,8; 44,1; 44,21; 45,4) identifiziert, manchmal als Einzelperson (Jesaja 42,1; 49,5-7; 50,10; 52,13; 53,11), die dem Volk das Heil bringt. Als Gottes Knecht sollte Israel ein Licht der Offenbarung für die Völker sein und Gottes Herrlichkeit offenbaren (Jesaja 42,6; 49,6). Aber Israel wandte sich sich selbst zu und versagte bei der Erfüllung seiner Berufung. Jesus dagegen bleibt seinem Auftrag treu und erweist sich als der wahre Knecht des HERRN. Matthäus zitiert in seiner Zusammenfassung von Jesu Dienst in Kapitel 12,15-21 Jesaja 42,1-4: „Seht, das ist mein Knecht, den ich erwählte, / den ich liebe und über den ich mich freue. / Ich werde meinen Geist auf ihn legen, […] Und auf ihn werden die Völker hoffen.” In der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt Jesus die Rolle des endzeitlichen Israels.

Wie lange dauert die Verheißung und Erfüllung der Bibel?
Verheißung und Erfüllung liegen dabei oft mehrere hundert Jahre auseinander. Weil Gott seine Offenbarung in der Heiligen Schrift über mehr als 1500 Jahre wachsen ließ, haben wir so ein inneres Zeugnis der Glaubwürdigkeit der Bibel. Eine besondere Freude liegt für den Christen darin, die Prophezeiungen auf Jesus Christus anzuschauen.

Jesus als der neue Mose

Eine weitere Typologie finden wir in Matthäus’ Darstellung von Jesus als neuem Mose. Wie Mose auf den Berg Sinai stieg, um den ersten Bund Israels zu empfangen, der auf Steintafeln geschrieben war, so hält Jesus seine Bergpredigt, um den neuen Bund einzuweihen, der in die Herzen der Menschen geschrieben sein wird (siehe Jeremia 31,31-34). So wie Moses Gesicht leuchtete, als er von seiner Begegnung mit Gott auf dem Berg Sinai herunterkam (Exodus 34,29-33), so leuchtet das Gesicht Jesu bei seiner Verklärung im Glanz der Sonne (Matthäus 17,2). Auch die Struktur des Matthäusevangeliums könnte in diese Richtung weisen. So wie Mose fünf Bücher der Tora (Genesis-Deuteronomium) geschrieben hat, so stellt Matthäus fünf große Reden Jesu vor: Bergpredigt (Kap. 5-7), Beauftragung der Zwölf (Kap. 10), Gleichnisse vom Reich Gottes (Kap. 13), Gemeindeleben und Disziplin (Kap. 18) und die Rede am Ölberg (Kap. 23-25). Jesus ist ein neuer Mose, der den neuen Bund einführt und das am Berg Sinai gegebene Gesetz zu seiner Erfüllung bringt.

Wer war Matthäus und an wen richtete er sich?

Streng genommen sind alle vier Evangelien anonym, das heißt, die Autoren nennen sich selbst nicht. Aus der christlichen Tradition wissen wir jedoch, dass der Verfasser des ersten Evangeliums Matthäus war, ein Zöllner, den Jesus in die Nachfolge berief (Matthäus 9,9-13). Markus und Lukas nennen ihn „Levi“ (Markus 2,13-17; Lukas 5,27-32), was vielleicht darauf hindeutet, dass er ein Levit war. Ansonsten ist wenig über Matthäus bekannt.

Für wen hat Matthäus geschrieben? Während Markus dazu neigt, seinen Lesern jüdische Bräuche zu erklären (Markus 7,2-4, 15,42), was auf ein überwiegend heidnisches Publikum hindeutet, stellt Matthäus sie oft ohne Erklärung vor (zeremonielle Waschungen, Matthäus 15,2; die Tempelsteuer, Matthäus 17,24-27; Gebetsriemen und Quasten, Matthäus 23,5; getünchte Gräber, Matthäus 23,27). Das deutet darauf hin, dass die Zielgruppe von Matthäus überwiegend jüdisch war. Matthäus verwendet auch häufig die Bezeichnung „Himmelreich“ anstelle von „Reich Gottes“. „Himmel“ ist eine gängige jüdische Umschreibung für „Gott“, die aus Ehrfurcht vor dem göttlichen Namen verwendet wird. Während diese Punkte auf eine jüdische Zielgruppe schließen lassen, finden sich bei Matthäus auch einige der schärfsten Anklagen gegen die jüdischen Religionsführer. Was bei Markus beispielsweise eine kurze Warnung vor den Schriftgelehrten ist (Markus 14,38-40), wird bei Matthäus zu einer ausgedehnten Tirade gegen die Gesetzeslehrer und Pharisäer (Matthäus 23,1-38). Jesus geißelt sie als Heuchler, blinde Anführer, Narren, Habgierige, Zügellose, Mörder und sogar als Söhne von Schlangen.

Ist Matthäus also projüdisch oder nicht? Seine starke jüdische Perspektive und seine ebenso starke Polemik gegen die jüdischen Leiter lassen darauf schließen, dass Matthäus’ primäres Publikum eine jüdisch-christliche Gemeinschaft ist, die sich in einem Konflikt und einer Debatte mit der größeren (ungläubigen) jüdischen Gemeinschaft befindet. Beide Seiten, die Gemeinde und die Synagoge, erheben den Anspruch, das wahre Volk Gottes zu sein. Beide beanspruchen die Schriften Israels als ihr Erbe. Für die jüdischen Gegner des Matthäus ist diese junge Bewegung eine Ketzerei, bestehend aus Anhängern eines falschen Messias. Für die Gemeinde des Matthäus hingegen haben sich die Prophezeiungen mit dem Kommen Jesu, des Messias, erfüllt. Die Gemeinde stellt das wahre Volk Gottes dar, das sich aus Juden und Heiden zusammensetzt, die Jesus als den Messias angenommen und seine Botschaft vom Reich Gottes akzeptiert haben. In diesem Zusammenhang dient das Thema der Verheißungserfüllung bei Matthäus als Bestätigung für die Wahrheit der Botschaft des Evangeliums und die Autorität der Boten des Evangeliums.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum gibt es vier Evangelien?

Es gibt vier Evangelien, weil jedes von ihnen eine einzigartige Perspektive auf das Leben, den Dienst, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi bietet. Sie sind nicht als eine einzige, zusammenhängende Erzählung gedacht, sondern als vier individuelle, vom Heiligen Geist inspirierte Porträts, die unterschiedliche theologische Schwerpunkte setzen und verschiedene Zielgruppen ansprechen. Dies ermöglicht ein umfassenderes Verständnis der Person Jesu und seiner Botschaft.

Was ist der Unterschied zwischen Prophezeiung und Typologie?

Prophezeiung bezieht sich auf eine direkte Vorhersage zukünftiger Ereignisse, die sich dann wortwörtlich oder in spezifischen Details erfüllt. Zum Beispiel die Vorhersage, dass Jesus in Bethlehem geboren wird. Typologie hingegen ist eine Interpretationsmethode, bei der eine Person, ein Ereignis oder eine Institution im Alten Testament als ein „Vorbild“ oder „Schatten“ für eine spätere, größere Realität im Neuen Testament dient. Es geht um Muster und Entsprechungen, nicht um direkte Vorhersagen. Ein Beispiel ist Jesus als der „neue Mose“, der einen neuen Bund einführt, ähnlich wie Mose den alten Bund am Sinai empfing.

Warum ist der Stammbaum Jesu so wichtig?

Der Stammbaum Jesu im Matthäusevangelium ist von entscheidender Bedeutung, da er Jesu Legitimität als der verheißene Messias untermauert. Indem er Jesus als Nachkommen Abrahams und Davids darstellt, verbindet Matthäus ihn direkt mit den großen Bundesverheißungen Gottes an diese beiden Schlüsselfiguren der israelitischen Geschichte. Dies beweist, dass Jesus die göttlich vorherbestimmte Person ist, die die Erwartungen und Hoffnungen Israels erfüllt.

Was bedeutet „Himmelreich“ im Matthäusevangelium?

Der Begriff „Himmelreich“ wird im Matthäusevangelium häufig anstelle von „Reich Gottes“ verwendet, das in den anderen Evangelien vorkommt. Dies ist eine jüdische Umschreibung oder ein Euphemismus für „Gott“, der aus Ehrfurcht vor dem direkten Aussprechen des göttlichen Namens verwendet wurde. Es betont die himmlische, von Gott ausgehende Natur dieses Reiches, das mit dem Kommen Jesu auf die Erde gekommen ist und sich durch die Gemeinde ausbreitet.

Die zeitlose Bedeutung der biblischen Verheißungen

Die Untersuchung der biblischen Verheißungen und ihrer Erfüllung, insbesondere durch das Prisma des Matthäusevangeliums, offenbart die erstaunliche Kohärenz und den göttlichen Ursprung der Heiligen Schrift. Sie zeigt, dass Gott ein Gott ist, der seine Versprechen hält, und dass Jesus Christus der Dreh- und Angelpunkt seines gesamten Heilsplans ist. Die lange Dauer zwischen Prophezeiung und Erfüllung ist kein Zeichen der Ungewissheit, sondern ein Beweis für Gottes souveräne Absichten, die sich über Jahrtausende hinweg entfalten. Für Gläubige heute ist dies eine Quelle großer Hoffnung und Bestätigung, dass Gottes Plan sich weiterhin entfaltet und sein Reich unaufhaltsam wächst, bis zu seiner endgültigen Vollendung.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Verheißung & Erfüllung: Jesu Rolle in der Bibel kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Glaube besuchen.

Go up