Wie können Kinder das Evangelium verinnerlichen?

Das Thomasevangelium: Ein Einblick in die Weisheit

20/10/2024

Rating: 4.92 (9277 votes)

Die Frage 'Was ist das Evangelium?' führt uns oft direkt zu den vier bekannten Schriften des Neuen Testaments: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Doch die Frühzeit des Christentums war reich an vielfältigen Überlieferungen und Schriften, von denen viele nicht in den Kanon aufgenommen wurden. Eine dieser faszinierenden und oft missverstandenen Schriften ist das sogenannte Thomasevangelium. Es bietet einen einzigartigen Blick auf die Lehren Jesu, der sich grundlegend von den kanonischen Evangelien unterscheidet und doch erstaunliche Parallelen aufweist. Es ist eine Sammlung von 114 Sprüchen und Weisheiten, die Jesus zugeschrieben werden, und lädt uns ein, die Botschaft Christi aus einer anderen, oft tieferen Perspektive zu betrachten.

Was ist das Evangelium?
Es ist streng genommen kein Evangelium, sondern eine apokryphe ***) Sammlung von Aussprüchen Jesu in 114 Versen. Dieser Text war auch von spirituellen Christen in Ägypten und anderswo anerkannt. Es gab eine Fassung, die von einigen frühen kirchlichen Autoren als "häretisch", d.h. als "Irrlehre" betrachtet wurde.
Inhaltsverzeichnis

Was ist das Evangelium überhaupt?

Im Kern bedeutet 'Evangelium' (griechisch euangelion) 'Gute Nachricht' oder 'Frohbotschaft'. Ursprünglich bezog sich dieser Begriff auf die Verkündigung des Heils durch Jesus Christus. Die kanonischen Evangelien erzählen die Geschichte Jesu – seine Geburt, sein Leben, seine Lehren, seine Wunder, seinen Tod und seine Auferstehung. Sie sind narrative Werke, die eine theologische Botschaft vermitteln und als Fundament des christlichen Glaubens dienen. Sie wurden von der frühen Kirche als inspiriert und maßgeblich anerkannt und bilden den Kern des Neuen Testaments. Sie alle präsentieren Jesus als den Messias, den Sohn Gottes, und betonen die Bedeutung seines Opfertodes und seiner Auferstehung für die Erlösung der Menschheit. Diese Schriften sind die Grundlage für die theologische Auslegung und die kirchliche Praxis in den meisten christlichen Konfessionen weltweit.

Das Thomasevangelium: Ein Blick in die Tiefe

Anders als die bekannten Evangelien ist das Thomasevangelium streng genommen kein Evangelium im narrativen Sinne. Es erzählt keine fortlaufende Lebensgeschichte Jesu und enthält keine Wunderberichte. Stattdessen ist es eine apokryphe Sammlung von 114 einzelnen Aussprüchen Jesu, die oft mit der Einleitung 'Jesus sprach' beginnen. Entdeckt wurde diese Schrift 1945 zusammen mit anderen Texten in Nag Hammadi, Ägypten, und hat seitdem die theologische und historische Forschung maßgeblich beeinflusst. Diese Sammlung, die in koptischer Sprache verfasst ist, bietet eine einzigartige Perspektive auf die Weisheitslehre Jesu, die oft rätselhaft und tiefgründig ist. Es fordert den Leser heraus, über die oberflächliche Bedeutung hinauszublicken und eine tiefere, spirituelle Wahrheit zu erkennen, die über das rein Historische oder Dogmatische hinausgeht. Die Sprüche sind oft kurz und prägnant, was ihre meditative Wirkung verstärkt.

Historischer Kontext und die Frage der Authentizität

Die Frage, ob das Thomasevangelium tatsächlich auf Thomas, den Jünger Jesu – und in manchen Überlieferungen sogar als dessen Halbbruder bezeichnet – zurückgeht, ist Gegenstand intensiver Debatten unter Gelehrten. Unabhängig von seiner direkten Autorschaft ist der Text jedoch zweifellos alt und spiegelt wichtige Strömungen des frühen Christentums wider. Es gab frühe kirchliche Autoren, die eine Fassung dieses Textes als 'häretisch' oder 'Irrlehre' betrachteten. Dies ist jedoch im Kontext der sich formierenden Kirche zu sehen, in der unterschiedliche theologische Ansichten um Anerkennung rangen. Die Abgrenzung von 'rechtgläubig' und 'häretisch' war in der frühen Kirche ein komplexer und oft umstrittener Prozess. Schon die Jünger selbst stritten sich öfter, und ihre jeweiligen Aufträge waren unabhängig voneinander. Eine Ablehnung in der frühen Kirche ist daher allein kein abschließendes Urteil über die Echtheit oder den Wert einer Schrift. Das Thomasevangelium weist so viele Parallelen zu den kanonischen Schriften auf, dass es schwer ist, es einfach abzulehnen. In einigen Fällen, wie bei Spruch 82, könnte es sogar die ursprünglichere Fassung eines biblischen Zitats enthalten und bestimmte biblische Aussagen transparenter machen. Dies unterstreicht die Bedeutung des Thomasevangeliums nicht als Ersatz, sondern als eine faszinierende Ergänzung zu unserem Verständnis der Lehren Jesu und der Vielfalt des frühen Christentums.

Parallelen zur Bibel und tiefere Einsichten

Trotz seiner oft als rätselhaft empfundenen Form finden sich im Thomasevangelium zahlreiche Aussprüche, die erstaunliche Parallelen zu den kanonischen Evangelien und anderen neutestamentlichen Schriften aufweisen. Zum Beispiel der Spruch: 'Jesus sagte: Wer die Welt erkannt hat, hat einen Leichnam (bzw. Leib; 56, 80) erkannt.' Auf den ersten Blick mag dies 'gnostisch' klingen, da die Gnosis oft die Materie abwertet und das Wissen über das Körperliche betont. Doch bei genauerer Betrachtung und im Kontext des zweiten Halbsatzes 'aber wer den Leib gefunden hat, dessen ist die Welt nicht würdig' (80) wird deutlich, dass hier eine tiefere, biblisch fundierte Wahrheit angesprochen wird. Paulus spricht ebenfalls vom Verweslichen und Unverweslichen, vom irdischen und himmlischen Leib (1 Kor 15). Das Thomasevangelium ist nicht klar einer 'gnostischen' Lehre zuzuordnen; selbst die klassische Forschung musste dies zugeben. Es präsentiert Jesus als den im Fleisch offenbarten Christus, den Auferstandenen von den Toten, was eine zentrale christliche Glaubenswahrheit ist. Die Aussagen Jesu im Thomasevangelium sind oft zugespitzt und sollen die Menschen dazu bringen, ihre gewohnten Denkmuster zu verlassen und eine tiefere Ebene des Verstehens jenseits des reinen Intellekts zu erreichen. Sie sind nicht nur für den Verstand, sondern für das gesamte Sein bestimmt.

Die 'Koan'-Methode Jesu im Thomasevangelium

Diese zugespitzten, oft paradox anmutenden Aussagen Jesu im Thomasevangelium haben eine bemerkenswerte methodische Parallele zu den 'Koans' im Zen-Buddhismus. Ein Koan ist eine scheinbar widersprüchliche Frage oder Aussage, die nicht logisch gelöst werden kann. Sie dient dazu, den Geist über die Grenzen des rationalen Denkens hinaus zu führen und eine plötzliche Einsicht (Satori) zu ermöglichen. Ähnlich fordern die Sprüche Jesu im Thomasevangelium den Leser auf, über sie zu meditieren und nachzusinnen, bis eine tiefere Wahrheit oder ein erweitertes Verständnis jenseits des bloßen Intellekts erreicht wird. Sie sind keine intellektuellen Rätsel, sondern spirituelle Schlüssel, die das Herz und den Geist öffnen sollen. Sie sollen nicht nur verstanden, sondern erfahren werden, um eine Transformation im Denken und Sein zu bewirken. Diese Methode zielt darauf ab, den Menschen aus seiner mentalen Komfortzone zu reißen und ihn zu einer intuitiven Erkenntnis zu führen, die über das rationale Begreifen hinausgeht. Dies macht das Thomasevangelium zu einer Quelle der Kontemplation und nicht nur der Information, die uns zu einer direkteren, persönlicheren Begegnung mit der Weisheit Jesu einlädt.

Die Thomastradition und ihre Unabhängigkeit

Das Netzwerk, das Schriften wie das Thomasevangelium sammelte und überlieferte, war oft keine zentral organisierte Kirche oder Sekte. Dies erinnert an die vielen unabhängigen Überlieferungen, die mit der Thomastradition verbunden sind. Zu dieser Tradition gehören beispielsweise auch die 'Thomasakten' und verschiedene Überlieferungen der 'Thomaschristen' in Indien. Diese Gemeinschaften, die ihre Gründung auf den Apostel Thomas zurückführen, haben oft eine bemerkenswerte Unabhängigkeit von zentralen kirchlichen Hierarchien bewahrt. Das in den indischen Malankara-Kirchen überlieferte 'Thomas-Statut' sah vor, dass die Ältesten der örtlichen Familien und die lokalen Priester eine Gemeinde unabhängig leiten, also ohne zentrale Kirchenleitung. Dies zeigt, dass die Vielfalt der christlichen Überlieferung von Anfang an ein Merkmal war und dass nicht jede Schrift oder Tradition, die nicht in den Kanon aufgenommen wurde, automatisch als 'falsch' oder 'wertlos' zu betrachten ist. Vielmehr können solche Schriften wertvolle Einblicke in die Breite des frühen christlichen Denkens bieten. Es ist jedoch auch wichtig zu betonen, dass nicht jeder Satz im Thomasevangelium als absolut authentisch oder verbindlich angesehen werden muss, da spätere redaktionelle Bearbeitungen wahrscheinlich sind. Die Existenz dieser unabhängigen Traditionen beleuchtet die dezentrale Natur und die Pluralität der christlichen Bewegung in ihren Anfängen.

Was ist das „Thomas-Evangelium“?
Das „Thomas-Evangelium“ beinhaltet 114 Verse und scheint überwiegend Regeln für das Leben im Allgemeinen zu beinhalten. Es wird eine Parallele gezogen, von einigen Deutern des Evangeliums, dass die Bergpredigt auf der einen Seite Regeln für das „äußere“ Leben berge, während das „Thomas-Evangelium“ diese für das „innere“ Leben darstelle.

Wer ist der Bürge oder Verfasser eines Evangeliums?

Die Frage nach dem Bürgen oder Verfasser eines Evangeliums ist von entscheidender Bedeutung für seine Autorität und Akzeptanz innerhalb einer Glaubensgemeinschaft. Im Falle der kanonischen Evangelien werden sie traditionell den Aposteln Matthäus und Johannes sowie den Begleitern der Apostel, Markus (Begleiter des Petrus) und Lukas (Begleiter des Paulus), zugeschrieben. Diese Zuschreibungen verliehen den Schriften Gewicht und Glaubwürdigkeit innerhalb der frühen Kirche, da sie eine direkte oder indirekte Verbindung zur Autorität Jesu über seine engsten Vertrauten herstellten. Für das Thomasevangelium gibt es die frühe Überlieferung, die Thomas selbst als Verfasser oder Bürgen ansieht. Bereits im 3. Jahrhundert erwähnte Hippolyt von Rom ein 'Evangelium nach Thomas' und zitierte daraus. Dies deutet darauf hin, dass die Schrift schon sehr früh bekannt war und einem Apostel zugeschrieben wurde, was ihr eine gewisse Autorität verlieh, selbst wenn sie später nicht in den offiziellen Kanon aufgenommen wurde. Die Zuschreibung an Thomas mag darauf hindeuten, dass der Text zumindest in seinen Kernstücken auf eine apostolische Quelle zurückgeführt wurde, oder dass er in Kreisen entstand, die sich stark auf die Lehren des Thomas beriefen. Diese apostolische Verbindung war entscheidend für die Bewertung einer Schrift in der frühen Kirche, auch wenn die letztendliche Kanonisierung von weiteren Faktoren abhing.

Vergleich: Kanonische Evangelien vs. Thomasevangelium

MerkmalKanonische Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes)Thomasevangelium
FormNarrative Erzählungen von Jesu Leben, Taten und Lehren; enthalten Wunder, Gleichnisse, Passion und Auferstehung.Sammlung von 114 unabhängigen Sprüchen und Weisheiten Jesu; keine narrative Struktur, sondern eine Aneinanderreihung von Sprüchen.
FokusBetonung von Jesu Rolle als Messias, Sündervergebung durch seinen Tod, Auferstehung und das Reich Gottes als zukünftige Realität.Betonung von Jesu Weisheitslehre, Selbsterkenntnis, dem 'Licht' im Menschen und dem 'Reich Gottes' als innerer, gegenwärtiger Zustand.
Autorschaft (trad.)Apostel (Matthäus, Johannes) oder deren Begleiter (Markus, Lukas), was ihnen hohe Autorität verlieh.Zugeschrieben dem Apostel Thomas; tatsächliche Autorschaft und Redaktion sind umstritten, aber die Tradition ist alt.
KanonstatusTeil des biblischen Kanons (Neues Testament), anerkannt von den meisten christlichen Konfessionen als inspirierte Schrift.Apokryphe Schrift, nicht Teil des biblischen Kanons; von einigen frühen Kirchen als häretisch betrachtet, von anderen geschätzt.
EntstehungszeitZwischen ca. 60 n. Chr. und 100 n. Chr., basierend auf mündlichen und schriftlichen Quellen.Wahrscheinlich Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. oder frühes 2. Jahrhundert n. Chr., mit älteren mündlichen Traditionen.

Häufig gestellte Fragen zum Thomasevangelium

Ist das Thomasevangelium Teil der Bibel?

Nein, das Thomasevangelium ist eine sogenannte apokryphe Schrift. Das bedeutet, es wurde nicht in den Kanon der biblischen Schriften aufgenommen, der um 400 n. Chr. von den Kirchenvätern festgelegt wurde. Es unterscheidet sich in Form und Inhalt von den vier kanonischen Evangelien und wird daher nicht als Teil des offiziellen Neuen Testaments betrachtet.

Warum wurde es nicht in den Kanon aufgenommen?

Die Gründe sind vielfältig. Eine Rolle spielten theologische Differenzen, die manchmal als 'häretisch' (Irrlehre) angesehen wurden, und die Frage der apostolischen Autorität. Die frühen Kirchenväter wählten Schriften aus, die am besten mit der sich entwickelnden Lehre und den Bedürfnissen der Gemeinschaft übereinstimmten. Die einzigartige Form als Sprüchesammlung und einige seiner Aussagen passten möglicherweise nicht in das theologische Gesamtbild, das die Kirche zu etablieren suchte, insbesondere im Hinblick auf die Betonung von Jesu Opfertod und Auferstehung als zentrales Heilsereignis. Es wurde jedoch nicht überall als häretisch abgelehnt; in einigen spirituellen Kreisen, besonders in Ägypten, war es durchaus anerkannt.

Ist es eine gnostische Schrift?

Obwohl es manchmal in Verbindung mit gnostischen Texten gefunden wurde (wie in Nag Hammadi), ist die Klassifizierung des Thomasevangeliums als rein gnostisch umstritten und wird von der klassischen Forschung oft abgelehnt. Es enthält Elemente, die sich mit gnostischem Gedankengut überschneiden könnten (z.B. Betonung der Erkenntnis), aber es fehlen zentrale gnostische Merkmale wie ein böser Schöpfergott oder eine komplexe Mythologie. Stattdessen präsentiert es Jesus als den im Fleisch offenbarten Christus und den Auferstandenen, was nicht typisch gnostisch ist. Viele seiner Sprüche haben starke Parallelen zu den biblischen Evangelien und weisen auf eine breitere christliche Weisheitstradition hin.

Was ist das Besondere an seinen Aussagen?

Das Besondere liegt in seiner Form als reine Sprüchesammlung und dem oft paradoxen Charakter vieler Aussagen. Diese Sprüche fordern den Leser auf, über die wörtliche Bedeutung hinauszugehen und eine tiefere, intuitive Einsicht zu entwickeln. Sie betonen oft die innere Suche, die Erkenntnis des Selbst und die Gegenwart des Reiches Gottes im Hier und Jetzt, anstatt nur als zukünftiges Ereignis. Sie sind weniger historisch-narrativ als vielmehr spirituell-lehrhaft und laden zur persönlichen Kontemplation ein, um verborgene Wahrheiten zu entschlüsseln.

Wer war Thomas, der Verfasser?

Das Evangelium wird dem Apostel Thomas zugeschrieben, einem der zwölf Jünger Jesu. In einigen Überlieferungen wird er auch als 'Didymus' (der Zwilling) oder sogar als Halbbruder Jesu bezeichnet. Während die direkte Autorschaft des Apostels Thomas von modernen Gelehrten oft angezweifelt wird, deutet die Zuschreibung darauf hin, dass die Schrift entweder auf alte Traditionen zurückgeht, die mit Thomas verbunden sind, oder dass sie in Kreisen entstand, die ihn als wichtige Autoritätsperson ansahen. Thomas ist in der Bibel bekannt für seinen Zweifel, aber auch für seinen tiefen Glauben ('Mein Herr und mein Gott'). Die Thomastradition, die sich bis nach Indien erstreckt, zeugt von seiner weitreichenden Bedeutung im frühen Christentum und seiner Rolle als Gründerfigur für die dortigen christlichen Gemeinschaften.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Das Thomasevangelium: Ein Einblick in die Weisheit kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Religion besuchen.

Go up