Welche rituellen Gebete gibt es im Islam?

Das Gebet lernen: Ein Leitfaden für Anfänger

11/07/2026

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Guten Morgen, lieber Bruder, liebe Schwester, es ist eine wunderbare Absicht, das Gebet verrichten zu wollen. Möge der Herr Ihnen Segen und Erfolg in Ihren Vorhaben schenken. Bevor wir in die Details eintauchen, nehmen Sie sich einen Moment Zeit und entspannen Sie sich. Das Erlernen des Gebets ist eine Reise, kein Wettrennen. Selbst der Prophet – Friede und Segen auf ihm – musste das Gebet einst lernen. Es gibt absolut keinen Grund, sich zu schämen, wenn man etwas Neues lernen möchte. Wahre Scham sollte man empfinden, wenn man nichts lernen will oder sich Wissen verschließt. Das Gebet ist eine persönliche Verbindung, die einzig zwischen Ihnen und Gott besteht, nicht zwischen Ihnen und anderen Menschen. Diese Erkenntnis kann viele anfängliche Ängste nehmen und Ihnen helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Was bedeutet das Wort beten?
beten Vb. ‘sich in innerer Sammlung an Gott wenden, zu Gott sprechen’. Mit Einführung des Christentums wird für den bei den Germanen unbekannten Begriff des Betens ein von ahd. beta, asächs. beda, mnl. bede ‘Bitte’ (besonders ‘Bitte an Gott’), germ. *bedō abgeleitetes Verb ahd. betōn ‘beten’ (8.

Gerade in der heutigen Zeit, in der der Umgang miteinander oft rauer geworden ist, mag der Gedanke, eine Moschee zu besuchen, manchen abschrecken. Doch das Gebet ist eine Handlung, die durch Wiederholung und Erfahrung verinnerlicht wird. Es ist weniger eine intellektuelle Übung als vielmehr eine praktische Verrichtung, eine Performanz, die sich mit der Zeit verselbstständigt. Wir neigen heutzutage dazu, viele Dinge zu überrationalisieren, aber das Gebet ist eine körperliche und geistige Handlung, die am besten durch Tun gelernt wird.

Die ersten Schritte zum Gebet: Entspannung und Verständnis

Der erste und vielleicht wichtigste Schritt beim Erlernen des Gebets ist, sich von unnötigem Druck zu befreien. Viele Anfänger fühlen sich überwältigt von der scheinbaren Komplexität oder der Notwendigkeit, arabische Texte auswendig zu lernen. Doch wie bereits erwähnt, ist das Gebet ein Prozess. Scham ist zwar ein Teil des Glaubens (Din), aber es gibt auch eine falsche Scham, die Sie davon abhalten könnte, etwas Wichtiges zu lernen oder die Moschee zu besuchen. Überwinden Sie diese falsche Scham; sie ist ein Hindernis auf Ihrem Weg zu Gott.

Das Gebet ist eine der fünf Säulen des Islam und stellt die direkteste Form der Kommunikation mit dem Schöpfer dar. Es ist eine Zeit der Besinnung, des Dankes, der Bitte und der spirituellen Reinigung. Wenn Sie sich dieser grundlegenden Bedeutung bewusst sind, wird das Erlernen der praktischen Schritte zu einer freudigen Aufgabe und nicht zu einer lästigen Pflicht. Denken Sie daran: Jeder große Gelehrte, jeder fromme Muslim hat einmal klein angefangen und das Gebet Schritt für Schritt gelernt.

Der Wert des Gemeinschaftsgebets und der Moschee

Eine hervorragende Möglichkeit, das Gebet zu lernen, ist der Besuch einer Moschee, insbesondere zu den Gebetszeiten. Auch wenn die zwischenmenschlichen Beziehungen manchmal herausfordernd sein können, ist die Moschee ein Ort der Anbetung und des Lernens. Gerade das Gemeinschaftsgebet (Salat al-Jama'ah) bietet für Anfänger enorme Vorteile, insbesondere nach der Hanafitischen Rechtsschule, die in vielen Teilen der Welt verbreitet ist.

Nach dieser Rechtschule müssen Sie das Gebet im Gemeinschaftsgebet nicht selbst mitsprechen, sondern sollten still dem Gebet des Gebetsleitenden (Imam) folgen. Das bedeutet, Sie müssen keine Suren auswendig können, um am Gemeinschaftsgebet teilnehmen zu können! Dies nimmt einen enormen Druck von den Schultern der Anfänger. Sie können die Bewegungen beobachten, die Atmosphäre aufsaugen und sich auf die Bedeutung der Handlung konzentrieren, ohne sich um die korrekte Rezitation sorgen zu müssen. Dies ist ein entscheidender Punkt, der oft missverstanden wird und viele vom Gebet abhält.

Das gemeinsame Beten stärkt zudem das Gefühl der Gemeinschaft und der Einheit unter Muslimen. Es ist eine praktische Demonstration der brüderlichen und schwesterlichen Verbundenheit, die der Islam lehrt. Selbst wenn Sie nur die Bewegungen nachahmen, ist Ihre Anwesenheit im Gemeinschaftsgebet ein Akt der Anbetung und des Lernens, der von Gott belohnt wird.

Praktische Methoden zum Erlernen des Gebets

Wie bereits erwähnt, ist das Gebet eine Handlung, die durch Wiederholung verinnerlicht wird. Sie müssen nicht alles auf einmal beherrschen. Hier sind einige praktische Ansätze, die vielen Geschwistern geholfen haben:

  • Wiederholung ist der Schlüssel: Verrichten Sie das Gebet zu den festgelegten Zeiten. Auch wenn Sie anfangs nur die Bewegungen und einige wenige Worte kennen, wird sich durch die ständige Wiederholung das Gebet verselbstständigen. Ihr Körper und Ihr Geist werden sich an die Abfolge gewöhnen, und mit der Zeit werden Sie die arabischen Worte und ihre Bedeutung lernen.
  • Die Muttersprache als Brücke: Nach der Hanafitischen Rechtsschule ist es völlig in Ordnung, die Gebete so lange in der Muttersprache zu vollziehen, bis man den arabischen Wortlaut innehat. Dies ist eine große Erleichterung für Anfänger. Sie sollten sich jedoch bemühen, das Nötigste im Arabischen zu lernen, da der Wissenserwerb eine lebenslange Pflicht des Gläubigen darstellt. Beginnen Sie mit der Bedeutung der Worte, die Sie sprechen, auch wenn Sie sie (noch) nicht auf Arabisch rezitieren.
  • Der 'Zettel-Trick': Viele Geschwister, die ich kennenlernte, lernten ihr Gebet, indem sie die deutsche Umschrift des arabischen Wortlauts auf einen Zettel schrieben und von diesem ablasen, während sie beteten. Dies ist eine absolut akzeptable Methode, um sich die Suren und Gebetsformeln einzuprägen. Legen Sie den Zettel einfach vor sich auf den Gebetsteppich oder halten Sie ihn in der Hand, solange dies Ihre Konzentration nicht zu stark stört. Mit der Zeit werden Sie ihn immer seltener brauchen, bis Sie alles auswendig können.

Die Struktur des Gebets: Bausteine einer spirituellen Handlung

Das Gebet besteht aus einer Reihe von Einheiten, die als Rakat (Plural: Rakat) bezeichnet werden. Jedes Gebet hat eine bestimmte Anzahl von Rakat (z.B. zwei für das Morgengebet, vier für das Mittagsgebet). Ein vollständiges Gebet ist, wenn Sie die Fatiha (Die Eröffnende Sure des Korans) sowie zwei weitere Suren (z.B. Sure An-Nas und Sure Al-Ikhlas) im Stehen rezitieren. Es ist aber auch durchaus möglich, eine längere Sure auf die zwei Rakat des Gebets zu unterteilen. So können Sie beispielsweise Sure Al-Buruj bis zur Hälfte rezitieren, während Sie in der ersten Raka stehen, und den zweiten Teil in der zweiten Raka vervollständigen, natürlich nach der Rezitation der Sure Al-Fatiha in jeder Raka.

Die Pflicht des Rezitierens:

Nach der Hanafitischen Rechtsschule ist es Wajib (eine Pflicht, deren Unterlassung das Gebet unvollständig macht und durch die Niederwerfung des Vergessens, Sajdat as-Sahw, korrigiert werden muss), die Fatiha in den ersten zwei Rakat zu rezitieren, sowie drei kleine Verse oder eine kurze Sure. Dies gilt jedoch nicht bei dem Gebet hinter einem Imam! Die Rezitation hinter einem Imam gilt als Makruh (verpönt, ungerne gesehen) in der hanafitischen Rechtsmeinung (Fiqh al-Muyassar, An-Nadawi). Sie sehen also, dass es gerade eine gute Sache ist, hinter einem Imam zu beten, wenn man noch nicht so vertraut mit dem Gebet ist, da Sie sich hier voll auf das Lernen der Bewegungen und die Konzentration auf Gott einlassen können, ohne die Last der Rezitation.

Es sei Ihnen jedoch gesagt, dass es auch andere Rechtsmeinungen bezüglich dieses Themas gibt! Ein Teil der Gelehrten sieht das Gebet auch als vollständig an, wenn ausschließlich die Sure Al-Fatiha rezitiert wurde. Dies zeigt die Vielfalt innerhalb der islamischen Jurisprudenz und unterstreicht die Wichtigkeit, sich an eine Rechtsschule zu halten oder einen vertrauenswürdigen Lehrer zu Rate zu ziehen.

Ein Raka im Überblick: Die grundlegenden Bewegungen

PhaseBeschreibungRezitatiom/Haltung
Qiyam (Stehen)Aufrecht stehen, Hände heben, Takbir (Allahu Akbar) sprechen.Sure Al-Fatiha + weitere Sure/Verse.
Ruku (Verbeugung)Mit geradem Rücken verbeugen, Hände auf den Knien.Subhana Rabbiyal Azim (3x).
I'tidal (Aufrichten)Vom Ruku aufrichten.Sami'allahu liman hamidah, Rabbana wa lakal hamd.
Sujud (Niederwerfung)Erste Niederwerfung: Stirn, Nase, Hände, Knie, Füße berühren den Boden.Subhana Rabbiyal A'la (3x).
Julus (Sitzen)Kurzes Sitzen zwischen den Niederwerfungen.Kurze Dua (Bitte) oder Stille.
Sujud (Niederwerfung)Zweite Niederwerfung, wie die erste.Subhana Rabbiyal A'la (3x).

Wichtige Begriffe der islamischen Rechtsschule

Um das Verständnis des Gebets und der islamischen Jurisprudenz zu vertiefen, ist es hilfreich, einige grundlegende Begriffe zu kennen:

  • Fard: Dies ist eine obligatorische Handlung, eine Säule des Islam oder des Gebets. Eine Unterlassung einer Fard-Handlung macht das Gebet ungültig. Beispiele hierfür sind die Rezitation der Fatiha (nach einigen Schulen) oder die Verbeugung (Ruku).
  • Wajib: Wie oben beschrieben, ist dies eine Pflicht, die nahe an Fard ist, aber deren Unterlassung das Gebet nicht sofort ungültig macht, sondern eine Korrektur durch die Niederwerfung des Vergessens (Sajdat as-Sahw) erfordert. Die Rezitation einer zusätzlichen Sure nach der Fatiha in den ersten zwei Rakat ist ein Beispiel für Wajib in der Hanafitischen Rechtsschule.
  • Sunnah: Dies sind Handlungen, die der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) regelmäßig verrichtete und die als wünschenswert gelten, aber nicht obligatorisch sind. Das Verrichten von Sunnah-Gebeten vor oder nach den Pflichtgebeten ist ein Beispiel.
  • Makruh: Eine Handlung, die als verpönt oder unerwünscht gilt, aber nicht verboten (Haram) ist. Das Rezitieren hinter dem Imam im Gemeinschaftsgebet ist ein Beispiel für Makruh in der hanafitischen Rechtsschule.
  • Halal: Erlaubt, zulässig.
  • Haram: Verboten, unzulässig.

Das Verständnis dieser Begriffe hilft Ihnen, die Nuancen der islamischen Lehre besser zu erfassen und Ihr Gebet bewusster zu gestalten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Gebet

Gerade als Anfänger tauchen viele Fragen auf. Hier sind einige der häufigsten:

  • Muss ich alle Suren auswendig können, um zu beten?
    Nein, absolut nicht! Für Anfänger genügt es, die Sure Al-Fatiha und ein oder zwei kurze Suren zu kennen. Im Gemeinschaftsgebet müssen Sie nach der Hanafitischen Rechtsschule überhaupt keine Suren auswendig können, da Sie dem Imam still folgen.
  • Kann ich das Gebet in meiner Muttersprache lernen und beten?
    Ja, nach der Hanafitischen Rechtsschule ist es völlig in Ordnung, die Gebete so lange in der Muttersprache zu vollziehen, bis man den arabischen Wortlaut innehat. Dies ist eine große Erleichterung für Anfänger. Es wird jedoch empfohlen, sich zu bemühen, die arabischen Originaltexte zu lernen, da dies eine lebenslange Pflicht des Gläubigen ist.
  • Was ist, wenn ich einen Fehler mache oder etwas vergesse?
    Keine Sorge! Wenn Sie eine Wajib-Handlung vergessen oder einen Fehler machen, der eine Korrektur erfordert, können Sie dies durch die "Niederwerfung des Vergessens" (Sajdat as-Sahw) ausgleichen. Dies sind zwei zusätzliche Niederwerfungen, die am Ende des Gebets nach dem Taslim (dem Gruß nach rechts und links) verrichtet werden. Gott ist barmherzig und weiß um Ihre Bemühungen.
  • Wie oft muss ich beten?
    Muslime sind verpflichtet, fünf Gebete pro Tag zu verrichten: das Morgengebet (Fajr), das Mittagsgebet (Dhuhr), das Nachmittagsgebet (Asr), das Abendgebet (Maghrib) und das Nachtgebet (Isha). Die Gebetszeiten variieren je nach Jahreszeit und geografischem Standort.
  • Was ist die "Niederwerfung des Vergessens" (Sajdat as-Sahw)?
    Sajdat as-Sahw ist eine Korrekturmaßnahme für bestimmte Fehler oder Vergesslichkeiten im Gebet. Wenn Sie beispielsweise eine Wajib-Handlung vergessen oder unsicher sind, wie viele Rakat Sie gebetet haben, können Sie nach dem abschließenden Gruß (Taslim) noch zwei zusätzliche Niederwerfungen verrichten, um das Gebet zu vervollständigen. Dies ist ein Zeichen der Barmherzigkeit Allahs, der uns die Möglichkeit gibt, unsere Fehler auszugleichen.

Die spirituelle Dimension des Gebets und der Weg zur Vertiefung

Das Erlernen der mechanischen Abläufe des Gebets ist nur der erste Schritt. Die wahre Schönheit des Gebets liegt in seiner spirituellen Dimension – der Verbindung zu Ihrem Schöpfer. Während Sie die Bewegungen und Rezitationen verinnerlichen, versuchen Sie, über die Bedeutung der Worte nachzudenken, die Sie sprechen. Fühlen Sie die Demut in der Verbeugung und Niederwerfung, die Dankbarkeit, wenn Sie Allah preisen, und die Hoffnung, wenn Sie Ihn um Hilfe bitten.

Geduld und Beständigkeit sind Ihre besten Begleiter auf dieser Reise. Es wird Tage geben, an denen das Gebet leichtfällt, und Tage, an denen es eine Herausforderung darstellt. Bleiben Sie standhaft. Jede Anstrengung, die Sie unternehmen, um sich Allah zu nähern, wird belohnt.

Abschließend sei Ihnen eine wichtige Sache gesagt: Das Internet eignet sich nicht immer optimal, um umfassendes religiöses Wissen zu erwerben. Es kann ein guter erster Anlaufpunkt sein, aber für tiefgehendes Verständnis und persönliche Anleitung suchen Sie sich lieber einen vertrauenswürdigen Lehrer, einen qualifizierten Imam oder besuchen Sie Kurse an Universitäten oder anderen Bildungseinrichtungen. Ein Lehrer kann Ihre Fragen direkt beantworten, Ihre Rezitation korrigieren und Ihnen eine persönliche Perspektive bieten, die kein Artikel bieten kann.

Möge Allah Ihre Bemühungen segnen und Sie auf Ihrem Weg leiten.

Und Allah weiß es am besten.

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