09/06/2024
Inmitten der lebendigen Metropole Berlin erhebt sich ein Bauwerk von außergewöhnlicher Schönheit und tiefgreifender Bedeutung: die Şehitlik-Moschee. Sie ist weit mehr als nur eine Gebetsstätte; sie ist ein architektonisches Juwel, ein kulturelles Zentrum und ein lebendiger Treffpunkt für die muslimische Gemeinschaft der Stadt. Ihre Geschichte ist eng mit der des historischen Türkischen Friedhofs verbunden, auf dessen Gelände sie majestätisch thront. Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Entdeckungsreise durch die Şehitlik-Moschee, beleuchtet ihre Entstehung, ihre einzigartige Gestaltung und ihre vielfältige Rolle im Berliner Stadtbild.

Die Şehitlik-Moschee, offiziell als Berlin Türk Şehitlik Camii bekannt, befindet sich im Bezirk Neukölln, am Columbiadamm, direkt auf dem historischen Türkischen Friedhof. Ihr Name ist eng mit diesem besonderen Ort verknüpft: „Şehitlik“ leitet sich vom türkischen Wort „Şehit“ (Märtyrer) ab und bedeutet hier „Friedhof“. Dieser Friedhof wurde bereits im Jahr 1866 als Diplomatenfriedhof angelegt, was die lange und tiefe historische Verbindung der türkischen Gemeinde zu diesem Berliner Standort unterstreicht.
- Ein Meisterwerk osmanischer Baukunst in Berlin
- Die Seele der Moschee: Materialien, Kunst und Kalligraphie
- Ein Zentrum des Glaubens und der Begegnung
- Herausforderungen und Widerstandsfähigkeit
- Şehitlik-Moschee: Fakten auf einen Blick
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Şehitlik-Moschee
- F: Wo befindet sich die Şehitlik-Moschee genau?
- F: Wann wurde die Moschee gebaut?
- F: Wie viele Gläubige finden in der Moschee Platz?
- F: Welche Funktion hat die Moschee neben dem Gebet?
- F: Was ist architektonisch an der Şehitlik-Moschee besonders?
- F: Gab es besondere Vorkommnisse rund um die Moschee?
- Fazit
Ein Meisterwerk osmanischer Baukunst in Berlin
Der Bau der Şehitlik-Moschee, initiiert von der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), erstreckte sich von 1999 bis 2005 auf dem Gelände eines Vorgängerbaus. Das beeindruckende Design stammt von dem renommierten Architekten Hilmi Şenalp, der auch Moscheen in Aşgabat (Turkmenistan) und Tokio (Japan) entwarf. Sein Entwurf für die Şehitlik-Moschee ist eine Hommage an die klassische osmanische Architektur des 16. und 17. Jahrhunderts, einer Epoche, die maßgeblich von der Genialität des Architekten Mimar Sinan geprägt wurde. Diese Periode gilt als der Höhepunkt der osmanischen Baukunst, bevor europäische Einflüsse stärker wurden.
Die Moschee wurde in einer achteckigen, kuppeltragenden Pfeiler- und Stützbogen-Form aus einer Stahlbaukonstruktion errichtet, eine moderne Interpretation traditioneller Bauweisen. Der Baukomplex besteht aus mehreren Abschnitten, die unterschiedliche Funktionen erfüllen und sorgfältig geplant wurden, um sowohl religiösen als auch gesellschaftlichen Bedürfnissen gerecht zu werden:
- Erster Bauabschnitt: Das Kulturzentrum. Dieses dreigeschossige Gebäude, das sich unmittelbar neben der Moschee befindet, umfasst eine Fläche von 940 m² und soll am Ende des dritten Bauabschnitts etwa 2805 m² umfassen. Das erste Obergeschoss ist hier halb so groß wie das Erdgeschoss, da ein Teil als Terrasse konzipiert wurde.
- Zweiter Bauabschnitt: Die Moschee selbst. Mit vier Geschossen ist die Moschee das Herzstück des Komplexes. Das Kellergeschoss ist als Mehrzweckhalle konzipiert. Das Erdgeschoss dient derzeit als Gebetsraum und wird zukünftig als Versammlungs- und Ersatzgebetsraum genutzt. Der eigentliche, primäre Gebetsraum befindet sich im ersten Obergeschoss. Auf dem Galeriegeschoss beten in der Regel die Frauen, was die traditionelle Geschlechtertrennung respektiert. Die Minarette erheben sich ebenfalls ab dem ersten Obergeschoss.
- Dritter Bauabschnitt: Das Informations- und Begegnungszentrum. Dieser Bereich, dessen Bau Ende 2006 begann und etwa 505 m² umfasst, wurde teilweise durch das Programm „Soziale Stadt“, Spenden der Şehitlik-Gemeinde und Mittel des türkischen Ministeriums für Zusammenarbeit und Koordination finanziert. Das Kulturhaus wurde am 27. Februar 2015 mit einer Ausstellung eröffnet, die die Geschichte der Muslime in Brandenburg-Preußen beleuchtete.
Die Dimensionen der Moschee sind beeindruckend. Die gesamte Bruttogeschossfläche der Moschee (Keller-, Erd-, 1. Ober- und Galeriegeschoss) beträgt 1.360 m². Der Hauptgebetssaal im ersten Obergeschoss misst 365 m² und bietet Platz für 1500 Gläubige. Die Hauptkuppel hat einen Durchmesser von 12 Metern und leitet ihre Last über acht Halbkuppeln auf die Außenwände und Fundamente weiter. Die lichte Höhe im Inneren der Moschee beträgt beeindruckende 16,32 Meter. Die Minarette, vom ersten Geschoss aus gemessen und ohne Spitze, sind 25,03 Meter lang und erreichen mit ihrer Spitze und dem Halbmond eine Gesamthöhe von 33,56 Metern.
Die Seele der Moschee: Materialien, Kunst und Kalligraphie
Was die Şehitlik-Moschee besonders macht, ist die sorgfältige Auswahl und Verarbeitung ihrer Materialien sowie die meisterhafte Kunst, die ihr Inneres schmückt. Das Hauptaugenmerk der inneren Dekoration lag auf der Harmonie der Mischverwendung von Keramik und Marmor – eine Besonderheit, die in der klassischen osmanischen Periode in dieser Form nicht bekannt war. Dies macht die Şehitlik-Moschee nicht zu einer bloßen Kopie, sondern zu einer neuen Interpretation klassischer Gestaltungsmöglichkeiten.
Der verwendete Marmor wurde von der Marmara-Insel abgebaut und verarbeitet, was seine Authentizität und Qualität unterstreicht. Ein Highlight sind zweifellos die echten İznik-Keramik-Fliesen, die die Wände zieren. Diese werden in der türkischen Stadt İznik in einem aufwendigen Prozess von Hand geformt, gestaltet und gefärbt. Der Boden der Keramik besteht aus Quarzsand, und die Rohplatten werden stundenlang gefärbt, geschliffen, bevor Motive mittels Staubtechnik aufgetragen und bemalt werden. Nach einem ersten Brand bei 600 °C werden die Platten glasiert und bei 900 °C ein weiteres Mal gebacken. Oftmals sind fünf bis sechs Wiederholungen dieses Prozesses notwendig, um die gewünschte Qualität zu erreichen.
Auch die Kalligraphie in der Moschee ist von höchster Kunstfertigkeit. Auf der Hauptkuppel sind traditionell die Verse Ihlas-i Serif zu lesen, ausgeführt mit 23 Karat Goldverzierung. Ungewöhnlich, aber historisch fundiert, ist der dunkelgrüne Hintergrund, während üblicherweise Kobaltblau verwendet wird. Die Hauptfarben der Malerei sind Titaniumoxid (Weiß), Kobaltblau, Eisenoxid (Orange, Rot) und Ocker (Gelb), aus denen durch Mischungen weitere Farbtöne entstanden sind. Die Kalligraphie wurde von Hüseyin Kutlu ausgeführt, einem Schüler des berühmten Necmeddin Okyay. Die Malereien wurden von Semih Irtes vor Ort entworfen und an die spezifischen Flächen angepasst. Viele Künstler und Fachleute aus der Türkei kamen eigens für den Bau und die Gestaltung dieser Moschee nach Berlin, was die Bedeutung dieses Projekts unterstreicht.
Ein weiteres einzigartiges Merkmal an der Fassade der Moschee sind die sogenannten „Vogelpaläste“, die die Rücksichtnahme der damaligen Baukunst auf die Tierwelt widerspiegeln. Im Inneren dienen Muqarnas – eine besondere Art der Ornamentik, deren Entwurf und Ausführung heute bedroht ist – als ästhetische Übergangselemente zwischen den kleinen Kuppeln und den Außenwänden, die die scharfen Zwischenschnitte der Übergänge optisch erleichtern.
Ein Zentrum des Glaubens und der Begegnung
Die Şehitlik-Moschee dient der muslimischen Gemeinschaft Berlins als zentrale Gebetsstätte, insbesondere für Gläubige aus den angrenzenden Ortsteilen Neukölln und Kreuzberg. Die Gebetssprache ist vorwiegend Türkisch, je nach Anlass aber auch Arabisch. Doch die Funktion der Moschee geht weit über das reine Gebet hinaus. Sie ist ein lebendiges Gemeindezentrum, das eine Vielzahl von gesellschaftlichen Aufgaben wahrnimmt.
Eine besonders wichtige Rolle spielt die Moschee bei der Durchführung der meisten Begräbniszeremonien der islamischen Gemeinde Berlins. Nach den Zeremonien werden die Verstorbenen entweder auf einem der Berliner Friedhöfe, die Grabfelder für islamische Bestattungen anbieten, oder in ihre Heimat überführt. Der direkt an der Moschee gelegene Türkische Friedhof sowie die muslimischen Grabfelder des Neuen Garnisonfriedhofs sind bereits ausgelastet, was die hohe Nachfrage und die zentrale Rolle der Moschee in diesem Bereich verdeutlicht.
Die vorhandenen Räumlichkeiten des Kulturzentrums und des Begegnungszentrums ermöglichen es der Moschee, als Treffpunkt, Bildungsstätte und Ort des Dialogs zu fungieren. Hier finden Ausstellungen, Veranstaltungen und soziale Aktivitäten statt, die den Zusammenhalt der Gemeinschaft stärken und den Austausch mit der breiteren Öffentlichkeit fördern.
Herausforderungen und Widerstandsfähigkeit
Die Geschichte der Şehitlik-Moschee ist nicht nur von architektonischem Glanz und spiritueller Bedeutung geprägt, sondern auch von Herausforderungen. Kurz vor der Eröffnung im Jahr 2003 stellte das Bezirksamt Neukölln als Bauaufsichtsbehörde fest, dass die Minarette und die Kuppel die genehmigten Höhen überschritten. Die Minarette waren mit 37,10 Metern deutlich höher als die genehmigten 28,60 Meter, und die Kuppel wich ebenfalls um 4,10 Meter von der Baugenehmigung ab. Dies war aufgrund der unmittelbaren Nähe des Flughafens Tempelhof problematisch. Die Behörde forderte zunächst den Abriss und verhängte ein hohes Bußgeld.

Im Oktober 2003 kam es jedoch zu einer Einigung zwischen der Behörde und dem Bauherrn. Es wurde beschlossen, eine nachträgliche Genehmigung der Baumängel durch einen Nachtrag zur Baugenehmigung zu erteilen, verbunden mit einem Bußgeld in Höhe von 80.000 Euro. Diese Lösung zeigt die Kompromissbereitschaft aller Beteiligten und ermöglichte die Fertigstellung und Nutzung dieses wichtigen Bauwerks.
Eine weitere dunkle Episode waren vier Brandstiftungen, die die Moschee in den Monaten Juni, August und November 2010 heimsuchten, stets an derselben Stelle. Im Januar 2011 wurde ein Tatverdächtiger festgenommen und später zu einer Haftstrafe verurteilt. Diese Vorfälle unterstrichen die Bedeutung der Moschee als Symbol für die muslimische Gemeinschaft in Berlin und die Notwendigkeit ihres Schutzes.
Şehitlik-Moschee: Fakten auf einen Blick
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Standort | Berlin-Neukölln, Columbiadamm, auf dem Türkischen Friedhof |
| Bauzeit | 1999 – 2005 |
| Bauherr | Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) |
| Architekt | Hilmi Şenalp |
| Architekturstil | Klassische osmanische Architektur (16./17. Jh.) |
| Kapazität (Gebetssaal) | 1500 Gläubige |
| Fläche Gebetssaal (1. OG) | 365 m² |
| Gesamte BGF der Moschee | 1360 m² (Keller, EG, 1. OG, Galerie) |
| Höhe Hauptkuppel (außen bis Boden) | 16,5 Meter |
| Gesamthöhe Hauptkuppel (bis Erdoberfläche) | 21,1 Meter |
| Lichte Höhe im Gebetssaal | 16,32 Meter |
| Höhe Minarette (mit Spitze) | 33,56 Meter |
| Besondere Merkmale | İznik-Keramik, Marmor aus Marmara, Vogelpaläste, Muqarnas, 23-Karat-Gold-Kalligraphie |
| Nutzung | Gebetsstätte, Begräbniszeremonien, Kulturzentrum, Gemeindezentrum |
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Şehitlik-Moschee
Im Folgenden beantworten wir einige der am häufigsten gestellten Fragen zur Şehitlik-Moschee, basierend auf den uns vorliegenden Informationen.
F: Wo befindet sich die Şehitlik-Moschee genau?
Die Şehitlik-Moschee befindet sich in Berlin-Neukölln, am Columbiadamm, auf dem historischen Türkischen Friedhof. Sie ist ein markantes Bauwerk in diesem Bezirk.
F: Wann wurde die Moschee gebaut?
Der Bau der Şehitlik-Moschee begann im Jahr 1999 und wurde im Jahr 2005 fertiggestellt. Die Grundsteinlegung erfolgte ebenfalls im Jahr 1999.
F: Wie viele Gläubige finden in der Moschee Platz?
Die Şehitlik-Moschee bietet Platz für bis zu 1500 Gläubige. Der Hauptgebetssaal im ersten Obergeschoss hat eine Fläche von 365 m².
F: Welche Funktion hat die Moschee neben dem Gebet?
Neben ihrer Funktion als Gebetsstätte dient die Şehitlik-Moschee auch als wichtiges kulturelles und soziales Zentrum. Hier finden die meisten Begräbniszeremonien der islamischen Gemeinde Berlins statt, und sie bietet Räumlichkeiten für verschiedene gesellschaftliche Zwecke als Gemeindezentrum.
F: Was ist architektonisch an der Şehitlik-Moschee besonders?
Die Moschee ist ein Beispiel für die klassische osmanische Architektur des 16. und 17. Jahrhunderts. Sie zeichnet sich durch eine achteckige, kuppeltragende Pfeiler- und Stützbogen-Konstruktion aus. Besonders hervorzuheben sind die Mischverwendung von İznik-Keramik und Marmor im Inneren, die kunstvolle Kalligraphie mit 23 Karat Goldverzierung und die einzigartigen Vogelpaläste an der Fassade.
F: Gab es besondere Vorkommnisse rund um die Moschee?
Ja, die Moschee war in der Vergangenheit mit Herausforderungen konfrontiert. Nach ihrer Fertigstellung gab es Unstimmigkeiten bezüglich der Höhe der Minarette und der Kuppel, die die genehmigten Maße überschritten. Dies wurde jedoch durch eine nachträgliche Genehmigung und ein Bußgeld gelöst. Zudem war die Moschee in den Jahren 2010 Ziel von Brandstiftungen, deren Täter später gefasst und verurteilt wurden.
Fazit
Die Şehitlik-Moschee ist ein herausragendes Beispiel für die Bereicherung der Berliner Stadtlandschaft durch kulturelle und religiöse Vielfalt. Sie ist nicht nur ein Ort der Andacht und des Gebets, sondern auch ein architektonisches Kunstwerk, das die Traditionen der osmanischen Baukunst mit moderner Umsetzung verbindet. Ihre Geschichte zeugt von Beständigkeit und der Fähigkeit, Herausforderungen zu überwinden. Als lebendiges Gemeindezentrum und kultureller Treffpunkt spielt die Şehitlik-Moschee eine unverzichtbare Rolle im Leben der muslimischen Gemeinschaft Berlins und ist ein beeindruckendes Zeugnis der interkulturellen Bedeutung religiöser Bauten in einer modernen Welt.
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