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Die Rakʿa im Islam: Eine umfassende Übersicht

03/08/2022

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Das islamische Gebet, bekannt als Salāt, ist eine der fünf Säulen des Islam und ein zentraler Akt der Anbetung und Verbindung zu Gott. Innerhalb dieses komplexen Rituals spielt die sogenannte Rakʿa eine entscheidende Rolle. Eine Rakʿa ist eine vollständige Einheit des Gebets, die eine Reihe von vorgeschriebenen Bewegungen und Rezitationen umfasst, darunter das Stehen, die Verbeugung (Rukūʿ), das Aufrichten und die Niederwerfung. Die Anzahl der Rakʿa, die in einem Gebet verrichtet werden, ist nicht immer gleich und birgt eine faszinierende Geschichte von Entwicklung und Auslegung innerhalb der islamischen Jurisprudenz.

Wie viele Verbeugungen gibt es beim Gebet?
Die Anzahl der Verbeugungen während der Gebete ist unterschiedlich; durch die Verletzung dieser Vorschriften, die durch die Sunna bestimmt werden, kann das Gebet sogar für ungültig erklärt werden. [3] Ursprünglich beschränkte man sich beim Gebet auf zwei Rakʿa.
Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet Rukūʿ und Rakʿa?

Der Begriff Rukūʿ stammt aus dem Arabischen (ركوع) und bedeutet wörtlich „Verbeugung“ oder „Verneigung mit dem Oberkörper“. Es ist eine spezifische Körperhaltung, die während des Gebets eingenommen wird und eine tiefe Demut vor Gott symbolisiert. Die Einheit, die diese Verbeugung und die damit verbundenen Handlungen beinhaltet, wird als Rakʿa (ركعة) bezeichnet. Jede Rakʿa ist ein in sich abgeschlossener Zyklus des Gebets, der mehrmals wiederholt wird, um das vollständige Gebet zu bilden.

Die Ausführung des Rukūʿ ist genau festgelegt: Der Betende beugt seinen Oberkörper in eine waagerechte Position, wobei die Handflächen die Knie berühren. Vor der eigentlichen Verbeugung ist es zulässig, die Hände auf die Höhe der Ohren zu heben, doch das Sprechen des Takbīr („Allahu Akbar“ – Gott ist am größten) ist dabei Pflicht. Eine wichtige Vorschrift, die in der Sunna, der Überlieferung des Propheten Mohammed, verankert ist, besagt, dass es verpönt ist, Koranverse während des Rukūʿ zu rezitieren. Ein Bericht, der auf Ali ibn Abi Talib zurückgeht und in den kanonischen Traditionssammlungen überliefert ist, bekräftigt dies: „Der Gesandte Gottes hat es mir untersagt, den Koran während der Verneigung oder der Niederwerfung zu rezitieren.“ Dies unterstreicht die spezifische Funktion jeder Gebetshaltung.

Die Vielfalt der Rakʿa-Anzahlen in Pflichtgebeten

Die Anzahl der Rakʿa ist nicht in allen Gebeten einheitlich und wurde im Laufe der Zeit durch die Sunna des Propheten Mohammed und die Interpretationen der islamischen Rechtsschulen festgelegt. Eine Verletzung dieser Vorschriften kann die Gültigkeit des Gebets beeinträchtigen oder es sogar für ungültig erklären. Ursprünglich beschränkte man sich beim Gebet auf zwei Rakʿa. Diese ursprüngliche Form ist auch heute noch in bestimmten Gebeten erhalten geblieben, während andere Gebete erweitert wurden.

Gebete mit fester Rakʿa-Zahl

Einige Gebete haben ihre ursprüngliche Anzahl von zwei Rakʿa beibehalten:

  • Das Morgengebet (Fadschr): Dies ist das erste tägliche Pflichtgebet und besteht aus zwei Rakʿa.
  • Das Freitagsgebet (Dschumʿa): Obwohl es eine besondere Bedeutung hat und in der Gemeinschaft verrichtet wird (ṣalāt al-ǧamāʿa), besteht es ebenfalls aus zwei Rakʿa.
  • Das Regengebet (Salāt al-Istisqa'): Bei Dürre verrichtet, umfasst es auch zwei Rakʿa.
  • Die Gebete anlässlich der Sonnen- und Mondfinsternis (Salāt al-Kusūf / al-Chusūf): Diese besonderen Gebete bestehen ebenfalls aus zwei Rakʿa.
  • Die Gebete an den islamischen Festtagen (Eid al-Fitr und Eid al-Adha): Das Gebet zum Ende des Fastenmonats Ramadan und zum Opferfest, die ebenfalls in der Gemeinschaft verrichtet werden, bestehen aus zwei Rakʿa.

Die Erweiterung der Rakʿa-Zahlen

Die meisten der fünf täglichen Pflichtgebete wurden im Laufe der Zeit erweitert. Dies stellt eine spätere Entwicklung im islamischen Ritualrecht dar und wird in Form von Hadithen als überlieferte Sunna des Propheten Mohammed in der Rechtslehre erörtert. Die Erweiterungen sind wie folgt:

  • Mittagsgebet (Dhuhr): Ursprünglich zwei, später auf vier Rakʿa erweitert.
  • Nachmittagsgebet (Asr): Ursprünglich zwei, später auf vier Rakʿa erweitert.
  • Nachtgebet (Ischa): Ursprünglich zwei, später auf vier Rakʿa erweitert.
  • Abendgebet (Maghrib): Dieses Gebet ist einzigartig, da es auf drei Rakʿa erweitert wurde.

Sonderfälle: Das Gebet auf Reisen und das Gebet der Angst

Eine besondere Regelung betrifft das Gebet auf Reisen (aṣ-ṣalāt fī ʾs-safar; ṣalāt al-musāfir). Ein allgemein bekannter und von den Rechtsschulen akzeptierter Hadith besagt: „Gott hat das Gebet, als er es anordnete, sowohl für Ansässige als auch für Reisende auf je zwei Rakʿa beschränkt. Das Gebet auf Reisen wurde so belassen, das Gebet für Ansässige dagegen erhöht.“ Dies bedeutet, dass Reisende die Möglichkeit haben, ihre Gebete auf die ursprünglichen zwei Rakʿa zu kürzen, auch wenn sie für Ansässige auf drei oder vier Rakʿa erweitert wurden.

Der Koran selbst legitimiert die Kürzung des Gebets während Reisen, allerdings nur in bestimmten Fällen, die wie folgt beschrieben werden:

„Und wenn ihr im Land (draußen) unterwegs seid, ist es für euch keine Sünde, das Gebet abzukürzen, falls ihr fürchtet, daß diejenigen, die ungläubig sind, euch zu schaffen machen (w. eine Prüfung auferlegen). Die Ungläubigen sind euch (nun einmal) ein ausgemachter Feind.“ (Sure 4, Vers 101, Übersetzung: Rudi Paret)

Dieses Gebet, das in feindlicher Umgebung verrichtet wird, nennt man in der islamischen Jurisprudenz „das Gebet der Angst/Furcht“ (ṣalāt al-ḫauf). Es zeigt die Flexibilität des islamischen Gebetsrituals unter bestimmten Bedingungen, um den Gläubigen das Gebet auch in schwierigen Situationen zu ermöglichen.

Ablauf nach dem Rukūʿ

Nachdem der Betende die Verbeugung (Rukūʿ) vollzogen hat, nimmt er wieder die gerade Körperhaltung an. Dabei erhebt er die Hände und spricht die Worte: „Samiʿa Allahu li-man hamidah“ (Gott erhört denjenigen, der ihn lobt). Dies ist ein Moment der Danksagung und des Lobpreises, bevor die nächste Phase des Gebets, die Niederwerfung (Sudschūd), beginnt.

Umstrittene Rakʿa-Zahlen: Witr und Tarāwīḥ

Nicht alle Gebete haben eine eindeutig festgelegte Anzahl von Rakʿa, die von allen Rechtsschulen gleichermaßen akzeptiert wird. Insbesondere bei bestimmten freiwilligen oder zusätzlichen Gebeten gibt es unterschiedliche Ansichten, die auf widersprüchliche Überlieferungen zurückzuführen sind. Diese Rechtsunsicherheit ist ein interessanter Aspekt der islamischen Jurisprudenz und spiegelt die Vielfalt der Auslegung wider.

Das Witr-Gebet (Ṣalāt al-Witr)

Das Witr-Gebet ist ein Gebet, das nach dem letzten Pflichtgebet (ṣalāt al-ʿischāʾ) und vor dem nächsten Morgengebet während der Nacht verrichtet wird. Sein Stellenwert und die Anzahl der Rakʿa sind umstritten, da dieses Gebet nur außerkoranisch, in widersprüchlichen Traditionen überliefert ist. Die Rechtsschulen, die in dieser Frage auf das Hadithmaterial zurückgreifen, legen die Anzahl der Verneigungen zwischen ein und elf Rakʿa fest. Dies zeigt, dass es hier keine einheitliche Lehrmeinung gibt und Gläubige je nach Rechtsschule oder persönlicher Überzeugung unterschiedliche Anzahlen verrichten können.

Das Tarāwīḥ-Gebet (Ṣalāt at-Tarāwīḥ)

Eine weitere Kontroverse betrifft das Tarāwīḥ-Gebet (Ṣalāt at-Tarāwīḥ), das nur während des Monats Ramadan in der Gemeinschaft in der Moschee verrichtet wird und von Koranrezitationen begleitet ist. Der Name „Tarāwīḥ“ bedeutet wörtlich „Ruhepausen“, da das Gebet durch Pausen (tarwīḥa, Pl. tarāwīḥ) unterbrochen wird. Gemäß überlieferter Sunna soll der Prophet dieses Gebet mit zwanzig Rakʿa verrichtet haben. Doch auch in diesem Fall sind die kontroversen Lehrmeinungen der Rechtsgelehrten bis in die Gegenwart hinein nachweisbar, wobei einige Gelehrte auch acht Rakʿa oder andere Anzahlen als zulässig betrachten.

Übersicht der Rakʿa-Zahlen

Die folgende Tabelle bietet eine schnelle Übersicht über die Rakʿa-Anzahlen der wichtigsten Gebete:

GebetRakʿa (für Ansässige)Besonderheiten / Anmerkungen
Fadschr (Morgengebet)2Erstes tägliches Pflichtgebet.
Dhuhr (Mittagsgebet)4Kann auf Reisen auf 2 gekürzt werden.
Asr (Nachmittagsgebet)4Kann auf Reisen auf 2 gekürzt werden.
Maghrib (Abendgebet)3Einziges Pflichtgebet mit 3 Rakʿa; kann auf Reisen nicht gekürzt werden.
Ischa (Nachtgebet)4Kann auf Reisen auf 2 gekürzt werden.
Dschumʿa (Freitagsgebet)2Wird in der Gemeinschaft verrichtet, ersetzt das Dhuhr-Gebet.
Eid-Gebete (Festgebete)2Wird in der Gemeinschaft verrichtet.
Salāt al-Witr (Witr-Gebet)1 bis 11 (umstritten)Freiwilliges Nachtgebet, Anzahl variiert je nach Rechtsschule.
Salāt at-Tarāwīḥ (Tarāwīḥ-Gebet)8, 12, 20 (umstritten)Nur im Ramadan, in der Gemeinschaft, Anzahl variiert.

Häufig gestellte Fragen zu Rakʿa

Was passiert, wenn ich eine Rakʿa vergesse oder falsch ausführe?

Wenn eine Rakʿa absichtlich ausgelassen oder grundlegend falsch ausgeführt wird, kann dies das gesamte Gebet ungültig machen. Bei unabsichtlichen Fehlern gibt es im Islam oft die Möglichkeit, diese durch bestimmte Ergänzungen am Ende des Gebets zu korrigieren, bekannt als Sudschūd as-Sahw (Niederwerfung der Vergesslichkeit).

Warum gibt es unterschiedliche Meinungen über die Anzahl der Rakʿa bei manchen Gebeten?

Die unterschiedlichen Meinungen ergeben sich hauptsächlich aus der Auslegung und Authentizität verschiedener Hadithe (Überlieferungen des Propheten). Da nicht alle Überlieferungen die gleiche Stärke und Eindeutigkeit besitzen, haben die Gelehrten der verschiedenen Rechtsschulen unterschiedliche Schlussfolgerungen gezogen, insbesondere bei Gebeten, die nicht explizit im Koran mit einer festen Rakʿa-Zahl erwähnt sind.

Kann ich immer das Gebet auf Reisen kürzen?

Die Möglichkeit, das Gebet zu kürzen (Qasr), gilt in der Regel für Gebete mit vier Rakʿa (Dhuhr, Asr, Ischa). Das Morgengebet (2 Rakʿa) und das Abendgebet (3 Rakʿa) können auf Reisen nicht gekürzt werden. Die Gelehrten diskutieren zudem, ab welcher Entfernung eine Reise als solche gilt und ob die Verkürzung eine Pflicht oder eine Erleichterung ist.

Ist das Witr-Gebet Pflicht?

Die meisten sunnitischen Rechtsschulen betrachten das Witr-Gebet als Sunna Mu'akkadah (bestätigte Sunna), also als eine stark empfohlene Praxis, aber nicht als eine obligatorische Pflicht im Sinne der fünf täglichen Gebete. Die hanafitische Rechtsschule betrachtet es jedoch als Wajib (Pflicht), was eine starke Empfehlung mit fast obligatorischem Charakter bedeutet.

Fazit

Die Rakʿa ist das Herzstück des islamischen Gebets und ihre korrekte Ausführung sowie die Kenntnis ihrer Anzahl sind fundamental für jeden Muslim. Die Vielfalt der Rakʿa-Zahlen, von den festen Pflichtgebeten bis zu den umstrittenen zusätzlichen Gebeten wie Witr und Tarāwīḥ, spiegelt die dynamische Entwicklung und die reiche exegetische Tradition des islamischen Rechts wider. Trotz der unterschiedlichen Meinungen in einigen Details bleibt die Bedeutung des Gebets als direkter Draht zu Gott und als Ausdruck tiefer Demut unbestritten. Das Verständnis dieser Nuancen bereichert nicht nur das religiöse Wissen, sondern vertieft auch die persönliche Verbindung zum Glauben.

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