09/08/2023
Indonesien, der größte Inselstaat der Welt, ist nicht nur für seine atemberaubenden Landschaften und seine vielfältigen Kulturen bekannt, sondern auch für seine einzigartige und komplexe religiöse Landschaft. Obwohl es das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit ist, zeichnet es sich durch eine bemerkenswerte religiöse Vielfalt und eine staatlich verankerte Toleranz aus. Diese Mischung aus Tradition, Moderne und spiritueller Tiefe prägt das tägliche Leben der Indonesier und bietet einen faszinierenden Einblick in das Zusammenwirken von Glauben und Gesellschaft.

- Der Islam in Indonesien: Eine dominante, doch vielgestaltige Präsenz
- Geschichte der Islamisierung
- Der Islam unter Kolonialherrschaft
- Nach der Unabhängigkeit
- Kulturelle Besonderheiten im Alltag
- Wichtige Islamische Organisationen in Indonesien
- Häufig gestellte Fragen zu Religion und Kultur in Indonesien
Der Islam in Indonesien: Eine dominante, doch vielgestaltige Präsenz
Mit rund 88 % der Bevölkerung, was über 191 Millionen Muslimen entspricht, ist der Islam die dominierende Religion in Indonesien. Dies macht Indonesien zum Staat mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Doch der indonesische Islam ist keineswegs monolithisch; er ist geprägt von regionalen Unterschieden, ethnischen Einflüssen und einer breiten Palette von Strömungen, von traditionell bis liberal, von moderat bis militant.
Kulturelle Integration und einzigartige Bräuche
Die islamische Praxis in Indonesien ist tief in der lokalen Kultur verwurzelt, was zu einzigartigen Festbräuchen führt, die man anderswo kaum findet. Ein Beispiel ist die Badezeremonie Mandi Safar in der Provinz Jambi und auf den Riau-Inseln, die am vorletzten Mittwoch des zweiten islamischen Monats Safar stattfindet. Dabei streuen die Menschen mit Koranversen beschriebene Mangoblätter ins Wasser und nehmen anschließend ein Bad darin. Ähnliche Zeremonien, bekannt als Rebo Wekasan, werden am letzten Safar-Mittwoch in verschiedenen Gegenden Javas abgehalten.
Die drei wichtigsten islamischen Feste – das Opferfest (Iduladha), das Fest des Fastenbrechens (Idulfitri oder Lebaran) und der Prophetengeburtstag (Maulid Nabi Muhammad) – werden auch in Indonesien groß gefeiert. Besonders hervorzuheben ist der Sekaten-Jahrmarkt in Yogyakarta auf Java, der dem Prophetengeburtstag vorausgeht und eine ganze Festwoche mit Umzügen, Musikdarbietungen und Vorträgen von Prophetengeschichten umfasst.
Bildung und religiöse Sozialisierung
Das islamische Hochschulwesen in Indonesien ist stark ausgebaut und gliedert sich in staatliche (PTAIN) und private (PTKIS) Einrichtungen. Hochschulen wie STAIN, IAIN und UIN sind dem Ministerium für Religion unterstellt, unterliegen aber der Aufsicht des Ministeriums für Forschung und Hochschulbildung.
Von zentraler Bedeutung für die religiöse Sozialisierung der muslimischen Jugend ist das Pesantren-System. Diese kostenpflichtigen islamischen Privatschulen werden von einem Kyai, einem religiösen Meister, geleitet. Schüler und Absolventen, bekannt als Santri, leben oft intern und erhalten eine umfassende religiöse Ausbildung, wobei der Staat einen Teil der Finanzierung übernimmt.
Die Rolle der Scharia und die Staatsideologie Pancasila
In 16 Provinzen Indonesiens bildet die Scharia die Grundlage der Rechtsprechung, was sich in Bestrafungsaktionen wie öffentlichem Auspeitschen oder Stockhieben äußern kann, beispielsweise für Spieler oder öffentlich küssende Paare. In Tangerang bei Jakarta wurde das Küssen in der Öffentlichkeit, wenn es länger als fünf Minuten dauert, verboten, und Frauen durften nach 19 Uhr nicht mehr alleine spazieren gehen. Anfang 2006 verschwanden in Jakarta Getränke mit über 5 % Alkohol aus den Supermarktregalen. Die wichtigste islamische Partei ist die Partai Keadilan Sejahtera (PKS), die sich an der ägyptischen Muslimbruderschaft orientiert.
Trotz dieser Entwicklungen ist der Islam in Indonesien nicht de jure Staatsreligion. Die Grundlage bildet vielmehr die 1945 von Präsident Sukarno formulierte Staatsideologie Pancasila. Diese Philosophie zielt auf Ausgleich und Toleranz zwischen den verschiedenen Völkern und Religionen ab und erkennt offiziell sechs Religionen bzw. Konfessionen an: Islam, Protestantismus, Katholizismus, Hinduismus, Buddhismus und Konfuzianismus. Diese Pluralität ist ein zentrales Merkmal der indonesischen Identität.
Prominente Persönlichkeiten und Organisationen
Einer der prominentesten Islam-Prediger im gegenwärtigen Indonesien ist Abdullah Gymnastiar. Daneben existieren verschiedene islamische Organisationen mit unterschiedlichen Ausrichtungen:
- Das „Liberale Islam-Netzwerk“ (Jaringan Islam Liberal) vereint etwa tausend indonesische Intellektuelle und Aktivisten mit liberaler Ausrichtung.
- In den letzten Jahren hat sich in vielen Provinzen der wahhabitische bzw. salafistische Islam verbreitet. Organisationen wie der Majelis Mujahidin Indonesia (MMI) von Abu Bakar Bashir haben eine explizit dschihadistische Orientierung.
- Die beiden größten muslimischen Organisationen sind die traditionalistische Nahdatul Ulama (NU) und die modernistische Muhammadiyah. Die NU ist mit über 30 Millionen Mitgliedern die größte muslimische Organisation der Welt.
- Die Front Pembela Islam (FPI) von Muhammad Rizieq Syihab ist eine militante Organisation, die für die Einführung der Scharia kämpft und gewaltsam gegen Muslime vorgeht, die religiöse Vorschriften übertreten.
- Die Sufi-Orden spielen traditionell eine wichtige Rolle. Der Kombinationsorden Tariqa Qadiriyya wa Naqshbandiyya (TQN) hat mehrere Hunderttausend Anhänger, vor allem unter den städtischen Eliten.
Regionale und konfessionelle Unterschiede
Die Auslegung des Islam variiert stark nach Region und ethnischer Zugehörigkeit. Maduresen, Minangkabau, Achinesen und Makassaren sind als orthodoxe Muslime bekannt, während Javaner und Osing traditionell eine gemäßigte Form des Islam praktizieren. Auf Lombok existiert bei den Wetu Telu eine islamisch-animistische Mischreligion. Auf Java ist die Verehrung der Wali Songo, der neun Heiligen, die den Islam verbreiteten, von großer Bedeutung. Ihre Gräber sind wichtige Wallfahrtsstätten. Auch auf Sumatra und Kalimantan haben sich vorislamische Traditionen erhalten.
Die Muslime Indonesiens gehören mehrheitlich der sunnitischen Richtung an und folgen der schafiitischen Rechtsschule. Es gibt auch etwa 100.000 Schiiten und eine Minderheit von Angehörigen der Ahmadiyya, deren öffentliche Religionsausübung seit 2008 untersagt ist, was zu Übergriffen führte.
Geschichte der Islamisierung
Sumatra
Bereits im 7. Jahrhundert gab es chinesischen Quellen zufolge arabische Händlersiedlungen in Südsumatra. Ende des 9. Jahrhunderts gelangten muslimische Händler aus China über die Malaiische Halbinsel nach Sumatra. Ab dem 12. Jahrhundert kamen Islamgelehrte, die eine intensive Islamisierung Nordsumatras im 13. Jahrhundert betrieben. Ein Grabstein aus dem Jahr 1211 in Aceh ist der früheste Beleg für einen zum Islam konvertierten Herrscher. Das Sultanat von Aceh entwickelte sich im 16. Jahrhundert zu einer wichtigen muslimischen Handelsmacht und einem Zentrum islamischer Gelehrsamkeit. Die Institution des Surau und der Schattārīya-Orden spielten eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Islams.
Java
Der Islam gelangte Anfang des 15. Jahrhunderts durch arabische und persische Muslime nach Java. Um 1475 wurde mit Demak das erste islamische Fürstentum gegründet. Die Vernichtung des hindu-buddhistischen Königreichs Majapahit im Jahr 1527 markierte einen Wendepunkt. Die Walis, „Gottesfreunde“, verbreiteten den Islam über die Küstengebiete hinaus ins Inland. Einer von ihnen, Sunan Gunungjati, gründete 1527 das Sultanat von Banten.
Die Walis integrierten alte religiöse Vorstellungen und kulturelle Traditionen, angereichert mit arabischen Elementen, zur Verbreitung des Glaubens, wie im indonesischen Schattenspiel (Wayang Kulit) zu sehen ist. Ende des 16. Jahrhunderts entstand das Mataram-Reich, das unter Sultan Agung (1613–1646) seinen Höhepunkt erreichte. Ab dem 18. Jahrhundert waren die Pesantren-Schulen entscheidend für die weitere Verbreitung des Islams auf Java.

Die übrigen Inseln
Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte der Islam auch die übrigen indonesischen Inseln. Das Reich Gowa auf Sulawesi konvertierte Anfang des 17. Jahrhunderts zum Islam. Von Sumatra und Java aus gelangten Lombok sowie Ost- und Südostborneo unter islamischen Einfluss. Bali blieb hindu-buddhistisch. Auf den Kleinen Sundainseln und den Molukken dominieren oft christliche Religionen, in Westneuguinea ethnische Religionen und Christentum, wobei der muslimische Anteil durch die Transmigrasi-Politik zunimmt.
Der Islam unter Kolonialherrschaft
Die zunehmende Abhängigkeit der Mataram-Dynastie von der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) führte zu ihrem Niedergang und der Teilung im Jahr 1755 in Surakarta und Yogyakarta. Während Solo die vorislamischen Kejawen-Traditionen pflegte, bemühte sich Yogyakarta stärker um eine Synthese javanischer und islamischer Vorstellungen.
Anfang des 19. Jahrhunderts entstand auf Westsumatra die Padri-Bewegung, beeinflusst von wahhabitischen Ideen aus Mekka. Sie bekämpften matrilineare Traditionen und führten den Kampf gegen die niederländische Kolonialmacht in den Padri-Kriegen bis 1839.
Auf Java kam es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Polarisierung zwischen den Putihan („Weiße“), die einen normativen Islam anstrebten, und den Abangan („Rote“), die ihre synkretistische Form des Islams beibehielten. Anfang des 20. Jahrhunderts beeinflussten ägyptische Reform-Denker wie Muhammad Abduh die Muslime, was zur Spaltung in kaum muda („Gruppe der Jungen“) und kaum tua („Gruppe der Alten“) führte. Zur Abwehr des Wahhabismus gründeten asch'aritisch orientierte Gelehrte 1926 die Nahdatul Ulama (NU), die sich zu einer der größten islamischen Organisationen entwickelte.
Nach der Unabhängigkeit
Der Konflikt um die Jakarta-Charta und der Darul-Islam-Aufstand
Nach der japanischen Besatzung und der Unabhängigkeitserklärung entstand eine Debatte über die Rolle des Islams im neuen Staat. Die Jakarta-Charta vom Juni 1945 sah vor, das fünfte Prinzip der Pancasila – der Glaube an den Einen und Einzigen Gott – um die Verpflichtung zur Einhaltung der Scharia für Muslime zu ergänzen. Dieser Zusatz, bekannt als die „sieben Worte“, wurde jedoch nicht in die Präambel der Verfassung aufgenommen.
Dies führte zur Gründung der Masjumi-Partei, die die Wiedereinsetzung der Jakarta-Charta forderte. Als die Regierung 1948 Westjava an die Niederlande abtrat, kam es zum Darul-Islam-Aufstand unter Sekarmadji Maridjan Kartosuwirjo, der den „Islamischen Staat von Indonesien“ (Negara Islam Indonesia) proklamierte. Dieser Aufstand dauerte bis 1965 und führte zu einem allgemeinen Misstrauen der Regierung gegenüber dem politischen Islam.
Der Aufstieg der Salafiyya und interreligiöse Spannungen
In den 1970er Jahren wurde die Pancasila noch strenger durchgesetzt. Gleichzeitig setzte ein Prozess der Re-Islamisierung ein. Organisationen wie der Indonesische Rat für islamische Da'wa (DDII) und das saudische „Institut für das Studium des Islams und der arabischen Sprache“ (LIPIA) förderten in den 1980er Jahren die wahhabitische Form des Islams. Absolventen, die in Saudi-Arabien studiert und am Krieg in Afghanistan teilgenommen hatten, verbreiteten salafistische Lehren.
Nach Suhartos Rücktritt 1998 erlebte Indonesien ein Aufleben des politischen Islams mit der Gründung von 42 islamischen Parteien, darunter die PKS und die Islamische Verteidigungsfront (FPI).
Leider kam es auch zu interreligiösen und konfessionellen Spannungen. In Westneuguinea gab es Übergriffe auf die christliche Papua-Bevölkerung durch muslimische Siedler und das Militär, die Zehntausende Opfer forderten. In Zentral-Sulawesi und auf den Molukken brachen Konflikte zwischen Christen und Muslimen aus, die in den Molukken bis zu 10.000 Todesopfer forderten. Dschihad-Milizen wie Laskar Jihad und Laskar Mujahidin Indonesia waren beteiligt, obwohl letztere nach dem Bali-Anschlag 2002 aufgelöst wurden, besteht die Dachorganisation MMI weiterhin.
Auseinandersetzungen über die Rolle der Scharia
Islamische Parteien starteten 2000 eine Kampagne zur Wiederaufnahme der „sieben Worte“ der Jakarta-Charta in die Verfassung, was auf Widerstand stieß, insbesondere von den Massenorganisationen Nahdlatul Ulama und Muhammadiyah. Ein Vorschlag für eine religionsneutrale „Medina-Charta“ wurde nach langen Diskussionen ad acta gelegt.
Im Jahr 2006 wurde auf Druck islamischer Gruppierungen ein Anti-Pornographie-Gesetz verabschiedet, das auch traditionelle Kostüme betrifft und auf heftigen Widerstand von Intellektuellen und Frauenrechtsorganisationen stieß.
Kulturelle Besonderheiten im Alltag
Neben den religiösen Aspekten prägen auch spezifische kulturelle Normen den indonesischen Alltag, die oft mit dem harmoniebedürftigen und respektvollen Miteinander in Verbindung stehen:
- Das Gesicht wahren: Indonesier sind sehr harmoniebedürftig und versuchen Konflikte zu vermeiden. Laute Auseinandersetzungen, wie sie Touristen manchmal an der Hotelrezeption führen, werden nicht ernst genommen und führen zum „Gesichtsverlust“ in den Augen der Einheimischen. Ähnlich ist es beim Nein-Sagen: Um das Gesicht nicht zu verlieren, wird ein Indonesier sich davor drücken, direkt „nein“ zu sagen, und stattdessen durch zögerliches Verhalten oder Unwissen auf Ablehnung hinweisen. Dies ist eine Geste der Höflichkeit, die von Europäern oft missverstanden wird.
- Jam karet – „Gummizeit“: Die westliche Zeiteffizienz findet man in Indonesien nicht. Der Ausdruck jam karet, übersetzt „Gummizeit“, verdeutlicht ein grundsätzlich anderes Zeitgefühl. Der gegenwärtige Moment ist wichtiger als das Ziel in der Zukunft, was Geduld zu einer Kardinaltugend macht. Wenn etwas nicht nach Plan läuft, ist Lächeln und geduldiges Problemlösen die Devise.
- Körperkontakt: Sich an den Händen zu halten ist unter Männern mit Männern oder Frauen mit Frauen völlig normal und ein Zeichen enger Freundschaft. Körperkontakt zwischen Mann und Frau in der Öffentlichkeit gilt jedoch als tabu.
- Heiliger Kopf – unreine Füße: Den Kopf eines anderen Menschen zu berühren, selbst bei Partnern oder engen Freunden, ist ein Zeichen von mangelndem Respekt und sollte in der Öffentlichkeit vermieden werden. Vor betenden Menschen sollte stets ein respektvoller Abstand eingehalten werden. Während der Kopf als heilig gilt, werden Füße als unrein angesehen. Daher sollten anderen Leuten niemals die Füße entgegengestreckt werden.
- Essensregeln: Bei Einladungen zum Essen bei einer indonesischen Familie sollte man immer warten, zum Essen aufgefordert zu werden. Es sollte auch nie zu viel auf einmal geschöpft werden, da man aus Höflichkeit immer mindestens eine zweite Portion essen sollte.
Wichtige Islamische Organisationen in Indonesien
| Organisation | Ausrichtung | Mitglieder / Bedeutung |
|---|---|---|
| Nahdatul Ulama (NU) | Traditionalistisch, asch'aritisch | Größte muslimische Organisation weltweit (über 30 Mio. Mitglieder) |
| Muhammadiyah | Modernistisch, asch'aritisch | Eine der größten muslimischen Organisationen, Fokus auf Bildung und soziale Dienste |
| Partai Keadilan Sejahtera (PKS) | Islamistische Partei, ideologisch an Muslimbruderschaft orientiert | Wichtige politische Kraft, kämpft für islamische Werte |
| Front Pembela Islam (FPI) | Militant, kämpft für Scharia-Einführung | Bekannt für gewaltsame Durchsetzung religiöser Vorschriften |
| Majelis Mujahidin Indonesia (MMI) | Dschihadistisch | Dachorganisation, beteiligt an interreligiösen Konflikten |
| Jaringan Islam Liberal | Liberal | Netzwerk indonesischer Intellektueller und Aktivisten |
Häufig gestellte Fragen zu Religion und Kultur in Indonesien
- Wie viele Buddhisten gibt es in Indonesien?
- Die vorliegenden Informationen geben keine genaue Zahl der Buddhisten in Indonesien an. Es wird jedoch explizit erwähnt, dass der Buddhismus eine der sechs vom Staat offiziell anerkannten Religionen unter der Staatsideologie Pancasila ist, was seine Präsenz und Anerkennung im Land unterstreicht.
- Wer ist der prominenteste Islam-Prediger in Indonesien?
- Einer der prominentesten Islam-Prediger im gegenwärtigen Indonesien ist Abdullah Gymnastiar.
- Ist Indonesien ein islamischer Staat?
- Nein, Indonesien ist kein de jure islamischer Staat. Seine Staatsideologie ist die Pancasila, die auf Ausgleich und Toleranz zwischen verschiedenen Religionen abzielt und sechs Religionen offiziell anerkennt.
- Welche Rolle spielt die Scharia in Indonesien?
- Die Scharia bildet in 16 Provinzen Indonesiens die Grundlage der Rechtsprechung, was sich in lokalen Verboten und Bestrafungen äußern kann. Es gibt jedoch eine anhaltende Debatte über ihre Rolle auf nationaler Ebene, und sie ist nicht landesweit als Staatsgesetz verankert.
- Was bedeutet „Jam karet“?
- „Jam karet“ bedeutet wörtlich „Gummizeit“ und beschreibt das flexible Zeitverständnis in Indonesien, das sich von der westlichen Zeiteffizienz unterscheidet. Der gegenwärtige Moment und Geduld sind dabei wichtiger als die strikte Einhaltung von Zeitplänen.
- Gibt es religiöse Konflikte in Indonesien?
- Ja, historisch und auch in jüngerer Zeit gab es in Indonesien interreligiöse und konfessionelle Spannungen. Beispiele sind Konflikte in Westneuguinea, Zentral-Sulawesi und auf den Molukken, die teilweise zu erheblichen Opferzahlen führten.
Indonesiens religiöse Landschaft ist ein lebendiges Mosaik, das von einer tief verwurzelten Spiritualität und dem ständigen Bestreben nach Harmonie geprägt ist. Die Dominanz des Islams, seine vielfältigen Ausprägungen und die staatlich geförderte Koexistenz mit anderen Glaubensrichtungen machen Indonesien zu einem einzigartigen Fallbeispiel für religiöse Vielfalt in der modernen Welt. Trotz Herausforderungen und Spannungen bleibt das Land ein faszinierendes Studienobjekt für das Zusammenspiel von Glauben, Kultur und Gesellschaft.
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