22/12/2021
München, eine Stadt mit vielen Gesichtern, verdankt ihren einzigartigen Charakter der Vielfalt ihrer Stadtteile. Jeder Winkel erzählt eine eigene Geschichte, die von Jahrhunderten der Entwicklung, von bäuerlichen Wurzeln bis hin zu modernen urbanen Zentren reicht. Doch abseits der bekannten Metropolen-Fassaden verbergen sich in Stadtteilen wie Ramersdorf, Perlach, Waldperlach und Neuperlach tiefe historische Schichten, die nicht nur von demographischem Wandel und baulicher Expansion zeugen, sondern auch von einem reichen kulturellen und mitunter auch spirituellen Erbe. Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Reise durch die Zeit und enthüllt die Transformation dieser Münchner Quartiere, beleuchtet ihre Besonderheiten und beantwortet die Frage nach ihrer heutigen Bevölkerungszahl.

- Ramersdorf: Vom Wallfahrtsort zum lebendigen Stadtteil
- Perlach: Ein Dorf mit tiefen Wurzeln und Glaubensvielfalt
- Waldperlach: Die grüne Oase im Wandel
- Neuperlach: Die geplante Stadt der Moderne
- Vergleichende Übersicht: Einwohnerzahlen und Meilensteine
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
- Wie viele Einwohner hat Ramersdorf heute?
- Welche besondere religiöse Bedeutung hat Ramersdorf?
- Wann wurde Perlach nach München eingemeindet?
- Gab es in Perlach religiöse Konflikte?
- Was ist die "Perlacher Haid" und welche Rolle spielte sie für Neuperlach?
- Was zeichnet Waldperlach als "Gartenstadt" aus?
- Fazit: Münchner Vielfalt im Wandel der Zeit
Ramersdorf: Vom Wallfahrtsort zum lebendigen Stadtteil
Die Geschichte Ramersdorfs reicht weit zurück. Vermutlich als Siedlung in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts entstanden, findet der Ort seine erste schriftliche Erwähnung in einer Urkunde aus den Jahren 1006 bis 1022. In dieser wird ein Gebietstausch dokumentiert, bei dem Bischof Egilbert von Freising die Kirche von Ramersdorf, damals als "Rumoltesdorf" bekannt, an einen Edlen namens Aripo abtritt. Der Name selbst leitet sich von der Familie der Rumolte ab, die im 8. und 9. Jahrhundert als bedeutende Persönlichkeiten in Freisinger Urkunden erscheinen.
Das spirituelle Herz: Ein bedeutender Wallfahrtsort
Ab dem 14. Jahrhundert entwickelte sich Ramersdorf dank seiner Kirche zu einem überregional bekannten und vielbesuchten Wallfahrtsort. Die heutige Kirche, kurz nach 1400 errichtet und später im Inneren barockisiert, beherbergt Kunstwerke von unschätzbarem Wert aus Gotik und Barock. Besonders hervorzuheben ist das berühmte Gnadenbild "Maria mit dem Kinde", eine farbig gefasste gotische Holzschnitzerei, die bis heute Gläubige und Kunstliebhaber anzieht. Ein weiteres bemerkenswertes Werk ist das Gemälde der 40 Geiseln, die 1632 von den Schweden aus München verschleppt wurden und dieses Bild als Ausdruck ihrer Dankbarkeit für die glückliche Heimkehr stifteten. Obwohl Ramersdorf lange Zeit "nur" eine Filialkirche von Perlach war, überflügelte sie als "reiche Tochter" ihre Mutterkirche in Perlach sehr schnell an Bedeutung und zog unzählige Pilger an, die hier Trost und Andacht suchten.
Demographische Entwicklung und Eingemeindung
Trotz seiner spirituellen Bedeutung blieb Ramersdorf bis weit ins 19. Jahrhundert ein kleines Dorf. Ein Lexikoneintrag von 1832 verzeichnet lediglich 15 Häuser mit 86 Einwohnern. Doch die Zeiten änderten sich: Bis 1855 war die Bevölkerung auf 390 Einwohner angewachsen. Eine eigenständige Gemeinde im modernen Sinne wurde Ramersdorf erst 1818, doch diese Selbständigkeit währte nur kurz. Bereits 1864, und trotz erheblichem Widerstands der Bevölkerung, wurde Ramersdorf nach München eingemeindet. Zu diesem Zeitpunkt zählte der Ort etwa 600 Einwohner. Es dauerte noch viele Jahre, bis sich aus dem einst bäuerlichen Dorf ein städtisches Wohn- und Industrieviertel entwickelte. Im Jahr 1918 lebten in Ramersdorf nur 1.500 Menschen, doch mit der Bebauung an der Rosenheimer Straße begann eine rasante Entwicklung. Es folgten die Siedlung Ramersdorf-Ost und die Mustersiedlung (ab 1934), sodass Ramersdorf im Jahr 1939 bereits rund 8.500 Einwohner hatte. Bemerkenswert ist, dass selbst zu diesem Zeitpunkt noch ein Drittel des Stadtviertels aus Wiesen und Feldern bestand.
Ramersdorf heute: Eine wachsende Gemeinschaft
Wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg setzte in Ramersdorf eine Entwicklung ein, die viele zentrumsnahe Stadtviertel prägte: Beiderseits der vorhandenen Gleisanlagen siedelten sich Industriebetriebe an, und die verbleibenden Freiflächen wurden intensiv mit Wohnungen bebaut. Heute ist Ramersdorf ein dicht besiedelter und lebendiger Stadtteil. Die Antwort auf die Frage "Wie viele Einwohner hat Ramersdorf?" lautet: Zusammen mit dem Gebiet zwischen Balanstraße und der Westgrenze des Stadtbezirks wohnen heute in Ramersdorf circa 34.000 Menschen.
Perlach: Ein Dorf mit tiefen Wurzeln und Glaubensvielfalt
Perlach kann auf eine noch längere Geschichte zurückblicken als Ramersdorf. Schon aus der Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr. finden sich im Neuen Südfriedhof die Reste einer Viereckschanze, einer keltischen Kultstätte. Obwohl es nur Vermutungen sind, liegt nahe, dass die Menschen, die diese Stätte besuchten, bereits in der Gegend von Perlach siedelten. Ein Gräberfeld aus dem 7. Jahrhundert zwischen Ottobrunner Straße, Weddingenstraße und Schmidbauerstraße zeugt von einer frühen, nahegelegenen Siedlung. Der erste schriftliche Beweis für die Existenz Perlachs datiert auf das Jahr 790, als der Priester Icho und sein Neffe, der Diakon Kerolt, dem Bischof von Freising einen Hof schenken, der in "Peraloh" liegt. Dieser Name deutet auf eine Siedlung in einem lichten Lohwald hin, in dem es Bären gab – vermutlich jedoch eher Wildschweine als Braunbären.
Adel, Geistlichkeit und die Perlacher Kirche
Die Grundherren in Perlach waren seit frühester Zeit die Bischöfe von Freising und die Klöster Tegernsee und Schäftlarn. Ab dem 13. Jahrhundert erlangten auch die bayerischen Herzöge die Gerichtshoheit über Perlach. Um 1500 war Perlach ein Dorf mit knapp 70 Anwesen, die sich nachweislich seit dem 14. Jahrhundert auf das Unterdorf (nördlich der Putzbrunner Straße) und das Oberdorf verteilten, wobei die großen Höfe überwiegend im wohl älteren Unterdorf lagen.
Eine Kirche existierte in Perlach schon sehr lange. Die Urkunde, die erstmals Ramersdorf erwähnt (1006-1022), spricht auch von einer Kirche in Perlach. Am Beginn des 18. Jahrhunderts war die alte romanische Kirche in schlechtem baulichen Zustand und nicht mehr zeitgemäß. Daher wurde sie ab 1728 durch den heutigen barocken Neubau ersetzt, der das Ortsbild bis heute prägt.
Hofmarken und die Ankunft der Protestanten
Zwischen 1686 und 1790 wurden vier Anwesen in Perlach zu Edelsitzen, sogenannten Hofmarken, erhoben. Die Hofmarkherren durften über einige "Untertanen" die niedere Gerichtsbarkeit ausüben. Mit den Reformen Mongelas' nach 1800, die Bayern in einen modernen Staat umformten, verschwand dieser anachronistische Spuk auch in Perlach. Die "Schlösser" der Hofmarken waren lediglich bessere Bauernhöfe und hinterließen wenig Spuren im Ortsbild. In dieser Zeit (1818) wurde Perlach auch eine politische Gemeinde im heutigen Sinne.
Ab 1800, verstärkt ab 1815, zogen viele Familien aus der linksrheinischen Pfalz nach Perlach. Dies brachte Unruhe ins Dorf, denn die Pfälzer waren nicht nur tüchtige Landwirte, sondern überwiegend auch Protestanten. Sie weigerten sich, dem katholischen Pfarrer von Perlach althergebrachte Abgaben zu leisten. Noch 1870 stritt Pfarrer Pfanzelt um "Kirchtrachten" und "Brotreichnisse". Doch seine Pfarrkinder hatten sich da schon längst mit den Neubürgern vielfach versippt und verschwägert und störten sich auch nicht daran, dass im Oberdorf seit 1848 eine protestantische Kirche steht, die heute übrigens die älteste in München ist. Diese Entwicklung zeigt die frühzeitige Kirchen- und Glaubensvielfalt in Perlach und die Fähigkeit der Gemeinschaft, sich anzupassen und neue Mitglieder zu integrieren.
Wachstum und Eingemeindung nach München
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann Perlach langsam zu wachsen. Von 739 Einwohnern im Jahr 1871 stieg die Zahl auf 1.043 im Jahr 1890 und erreichte um 1900 bereits 1.740. Als Perlach 1912 erstmals, wenn auch noch vergeblich, die Eingemeindung nach München anstrebte, zählte die Gemeinde bereits circa 2.400 Einwohner, darunter auch schon einige Familien aus den Siedlungen Fasangarten, Michaeliburg und Waldperlach.
Ein düsteres Kapitel der Perlacher Geschichte ereignete sich im Mai 1919, als 12 Perlacher Bürger ohne erkennbaren Anlass von den Banden des Major Lützow verhaftet und ohne Verhandlung oder Urteil erschossen wurden. Obwohl viele von ihnen Arbeiter und SPD-Mitglieder waren, hatten sie nicht an den bewaffneten Auseinandersetzungen teilgenommen. Die Mörder blieben ungestraft. Erst 1930 war es dann so weit: Perlach wurde ein Stadtteil von München.
Perlach nach dem Krieg: Vom Dorf zur Stadt
Gemessen an dem, was anderen Stadtvierteln widerfuhr, überstand Perlach den Zweiten Weltkrieg einigermaßen heil und behielt zunächst noch seinen dörflichen Charakter. Es gab noch viele Bauernhöfe und 77 Gärtnereien, die typisch für die Landwirtschaft in Perlach waren. Doch die Entwicklung zu einem "städtischen" Viertel war unaufhaltsam: 1967 wurden nur noch 19 Höfe bewirtschaftet und es gab 26 Gärtnereien. Heute gibt es in Perlach keinen Bauern mehr, und aus den wenigen verbliebenen Gärtnereien sind moderne "Gartencenter" geworden.
Waldperlach: Die grüne Oase im Wandel
Mitten im Wald, wo sich einst Fuchs und Hase gute Nacht sagten, wurde 1911 ein "Waldheim" für die Vereinigung ehemaliger Angehöriger des kgl. Infanterie-Leibregiments errichtet. Dieses "Leiberheim" entwickelte sich schnell zur Keimzelle von Waldperlach. Nur wenige Meter entfernt, außerhalb der Gemarkung Perlach, wurde der Wald für kleine Wochenendhäuser gerodet. Während im Unterbiberger Teil des Waldes langsam Neubiberg entstand, griff die Bewegung "Zurück zur Natur" auch auf Perlach über.
Von der Kolonie zur offiziellen Siedlung
Obwohl die kleinen Häuser ursprünglich nur am Wochenende und in der Freizeit genutzt werden sollten, dienten sie bald manchen Besitzern auch als fester Wohnsitz. Bereits 1917 wohnten 27 "Kolonisten" ständig im Wald, und 70 bis 80 weitere verbrachten hier ihre Freizeit. Als 1920 die "Freie Interessenten Vereinigung Wald-Perlach" beantragte, der Siedlung den Namen Wald-Perlach zu verleihen, lebten bereits 100 Familien dort. Der Antrag wurde vom Gemeinderat Perlach einstimmig abgelehnt, was auf nicht immer herzliche Beziehungen zwischen Perlach und der Waldsiedlung hindeutet. Doch seit 1928 trägt die Siedlung offiziell den Namen Waldperlach.
Wachstum und die Gefahr des Charakterverlusts
Als Perlach 1930 nach München eingemeindet wurde, zählte man in Waldperlach rund 175 Hausbesitzer und 600 bis 700 Einwohner. Auch nach der Eingemeindung setzte sich die Siedlungstätigkeit fort. Aus der ursprünglichen "Kolonie" im Wald entwickelte sich ein eigenes Stadtviertel mit Geschäften, Kirchen, Kindergärten und vielem mehr. Im Mai 2015 konnte Waldperlach sein 100-jähriges Gründungsjubiläum feiern, das vom damaligen Münchner Oberbürgermeister Christian Ude gewürdigt wurde.
Das Statistische Amt der Landeshauptstadt München wies zum Stichtag 31. Dezember 2017 für Waldperlach 11.225 Einwohner aus. Die Bevölkerung Waldperlachs wächst stetig, was zu reger Bautätigkeit führt. Oft werden die kleinen Einfamilienhäuser abgerissen und durch Mehrfamilienhäuser ersetzt. Die relativ großen Grundstücke und das bestehende Baurecht bergen die Gefahr, dass Waldperlach seinen Charakter als "Gartenstadt" mitten im Wald verliert. Im Ortsabschnitt "Im Gefilde" gab es noch bis etwa 2003 große freie Ackerflächen, auf denen bis 2005 eine Neubausiedlung mit Grün- und Kleingartenzügen entstand, die insbesondere Familien aus verschiedenen Ländern, Kulturkreisen und sozialen Schichten ein angenehmes Wohnumfeld bietet.
Neuperlach: Die geplante Stadt der Moderne
Die Geschichte Neuperlachs beginnt mit einem Mythos: dem der Entscheidungsschlacht zwischen Römern und Bajuwaren auf der Perlacher Haid, wie der erste bayerische Geschichtsschreiber Aventin berichtete. Heute wissen wir, dass diese Schlacht nie stattfand. Die Perlacher Haid hingegen war real – ein Teil der Heidelandschaften rings um München, wenig fruchtbar und deshalb bis in unsere Zeit nur am Rande besiedelt. Als München bald nach dem Zweiten Weltkrieg unaufhaltsam zu wachsen begann, war die Perlacher Haid bereits weitgehend verschwunden, in hunderte Grundstücke zerteilt und in Ackerland umgewandelt.
Die Vision der "Entlastungsstadt"
Dennoch war das Gebiet neben Freiham die letzte große, besiedelbare Fläche in München. Als nach einem Platz für eine "Entlastungsstadt" gesucht wurde, fiel die Entscheidung bald auf Perlach. Nach langen Vorarbeiten rückten 1967 die Bagger, Planierraupen und Betonmischer an. Am 11. Mai 1967 wurde feierlich und mit viel Prominenz der Grundstein gelegt. In rund 25 Jahren wurde eine Stadt für zunächst knapp 60.000 Einwohner aus dem Boden gestampft.
Stadtplanung: Erfolge und Herausforderungen
Beim Bau von Neuperlach gab es zwar einen grundsätzlichen Strukturplan, aber keinen verbindlichen Gestaltungsplan. Dies hatte den Vorteil, dass Neuperlach nicht zu einer Ansammlung immer gleicher Klötze wurde; vielmehr haben die verschiedenen Bauabschnitte durchaus ihr eigenes Gesicht. An Neuperlach lassen sich Erfolge und Torheiten von 25 Jahren städtebaulicher Entwicklung ablesen.
In den Anfangsjahren mussten die Neuperlacher mit vielen Mängeln und Unzulänglichkeiten fertig werden. Mancher Berichterstatter schreibt noch immer die Klagen von damals ab und verbreitet dadurch einen schlechten Eindruck, der längst nicht mehr gerechtfertigt ist. Denn heute hat Neuperlach fast alles, was zu einer mittelgroßen Stadt gehört: Wohnungen und Arbeitsplätze, Schulen und Sportplätze, Kindergärten und Altersheime, Kirchen und Pfarrzentren, Gaststätten und Einkaufsmöglichkeiten. In der früher brettebenen Landschaft gibt es zwei kleine Seen, Rodelhügel und im weitläufigen Ostpark sogar einen richtigen "Aussichtsgipfel". Neuperlach ist ein Stadtteil fast ohne Gartenzäune, dafür mit vielen Grünflächen, Spielwiesen und Spielplätzen. Ein gut durchdachtes Netz von Geh- und Radwegen ermöglicht es, das Viertel oft weitab vom übrigen Verkehr in alle Richtungen zu durchqueren.
Geburtsfehler und die Suche nach einem Zentrum
Man darf die Mängel jedoch nicht verschweigen. Neuperlach krankt an Geburtsfehlern, die kaum noch zu beheben sind. Dazu gehören nicht nur die zum Teil fast gewalttätig großen Wohnblöcke, in denen der Einzelne in der Anonymität der großen Zahl unterzugehen droht. Als man mit dem Bau von Neuperlach begann, plante man die "autogerechte" Stadt. Als die Absurdität dieses Konzepts erkannt wurde, war es für weite Teile Neuperlachs bereits zu spät: Vielfach überdimensioniert führen die Straßen den Verkehr auch noch an den letzten Wohnblock heran, und als "Hauptschlagader" zerteilt eine als Stadtautobahn geplante Straße mit einem gewaltigen Graben den ganzen Stadtteil.
Ein weiterer schwerer Mangel ist, dass Neuperlach nicht von einem Kern aus gewachsen ist, sondern Abschnitt für Abschnitt nebeneinander auf die "grüne Wiese" gesetzt wurde. Für die Gestaltung einer alles zusammenhaltenden Mitte fehlte es letztlich an allem: an Geld, an gestalterischer Fantasie und vielleicht auch an gutem Willen. Das Zentrum von Neuperlach besteht aus einem eindrucksvollen Einkaufszentrum und einem halben Dutzend mächtiger Bürogebäude. Tagsüber ist diese Mitte durchaus von Leben erfüllt, doch nach Geschäftsschluss ist alles öde. Der traurigste Platz im Herzen Neuperlachs ist dann die Asphaltwüste eines Parkplatzes genau an der Stelle, wo Optimisten immer noch auf das versprochene Bürgerhaus warten.
Vergleichende Übersicht: Einwohnerzahlen und Meilensteine
Die Entwicklung der vier Stadtteile lässt sich anhand ihrer historischen Daten und Bevölkerungszahlen gut vergleichen:
| Stadtteil | Erste Erwähnung | Einwohner (ca. 19. Jh.) | Einwohner (ca. frühes 20. Jh.) | Einwohner (ca. 1930er/40er) | Heutige Einwohner (Stichtag) | Eingemeindung nach München | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ramersdorf | 1006-1022 | 86 (1832), 390 (1855) | 1.500 (1918) | 8.500 (1939) | 34.000 (heute) | 1864 | Bedeutender Wallfahrtsort |
| Perlach | 790 | 739 (1871), 1.043 (1890) | 1.740 (1900), 2.400 (1912) | ca. 1930 (Eingemeindung) | (nicht explizit genannt) | 1930 | Älteste prot. Kirche Münchens |
| Waldperlach | 1911 (Leiberheim) | 27 (1917, dauerh.) | 100 Familien (1920) | 600-700 (1930) | 11.225 (31.12.2017) | 1930 (mit Perlach) | Entstand als Gartenstadt |
| Neuperlach | 1967 (Grundsteinlegung) | - | - | - | ca. 60.000 (geplant) | Teil von Perlach | Geplante Entlastungsstadt |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie viele Einwohner hat Ramersdorf heute?
Heute wohnen in Ramersdorf, zusammen mit dem angrenzenden Gebiet zwischen Balanstraße und der Westgrenze des Stadtbezirks, circa 34.000 Menschen.
Welche besondere religiöse Bedeutung hat Ramersdorf?
Ramersdorf entwickelte sich ab dem 14. Jahrhundert zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Seine Kirche beherbergt das berühmte Gnadenbild "Maria mit dem Kinde" und war für lange Zeit die "reiche Tochter" der Perlacher Kirche, die viele Pilger anzog.
Wann wurde Perlach nach München eingemeindet?
Nach zwei vergeblichen Anläufen in den Jahren 1912 und 1920 wurde Perlach schließlich im Jahr 1930 offiziell ein Stadtteil von München.
Gab es in Perlach religiöse Konflikte?
Ja, ab dem 19. Jahrhundert zogen viele protestantische "Pfälzer" nach Perlach. Dies führte zu Konflikten mit dem katholischen Pfarrer bezüglich althergebrachter Abgaben. Trotzdem kam es zu einer Integration der Glaubensgemeinschaften, was sich auch in der Errichtung der ältesten protestantischen Kirche Münchens in Perlach im Jahr 1848 widerspiegelt.
Was ist die "Perlacher Haid" und welche Rolle spielte sie für Neuperlach?
Die Perlacher Haid war eine ehemals wenig fruchtbare Heidelandschaft bei München. Obwohl sie bereits weitgehend in Ackerland umgewandelt war, stellte sie die letzte große, besiedelbare Fläche in München dar. Sie wurde daher als Standort für die "Entlastungsstadt" Neuperlach ausgewählt, um dem wachsenden Wohnbedarf Münchens gerecht zu werden.
Was zeichnet Waldperlach als "Gartenstadt" aus?
Waldperlach entstand aus einer "Zurück zur Natur"-Bewegung mit kleinen Wochenendhäusern im Wald. Der Charakter als "Gartenstadt" ist geprägt von den ursprünglich relativ großen Grundstücken und der naturnahen Lage. Aktuelle Bautätigkeiten, bei denen Einfamilienhäuser durch Mehrfamilienhäuser ersetzt werden, gefährden diesen ursprünglichen Charakter.
Fazit: Münchner Vielfalt im Wandel der Zeit
Die Geschichten von Ramersdorf, Perlach, Waldperlach und Neuperlach sind exemplarisch für die dynamische Entwicklung Münchens. Von mittelalterlichen Siedlungen und bedeutenden Wallfahrtsorten bis hin zu geplanten "Entlastungsstädten" spiegeln diese Stadtteile die tiefgreifenden sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen wider, die die bayerische Landeshauptstadt über Jahrhunderte hinweg geprägt haben. Sie zeigen, wie Traditionen bewahrt und neue Gemeinschaften geformt wurden, und wie das Zusammenspiel von Geschichte, Demographie und Stadtplanung das heutige Gesicht Münchens bestimmt. Jeder dieser Stadtteile, mit seinen einzigartigen Merkmalen und Herausforderungen, trägt auf seine Weise zur lebendigen und vielschichtigen Identität der Metropole bei, ein Erbe, das es zu verstehen und zu bewahren gilt.
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