Was ist Ramadan und Wie funktioniert es?

Ramadan: Gebet, Segen & die Nacht der Bestimmung

06/01/2024

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Der Monat Ramadan ist für Muslime weltweit eine Zeit tiefgreifender spiritueller Reflexion, verstärkter Anbetung und unermesslicher Segnungen. Er ist nicht nur eine Zeit des Fastens, sondern auch eine Phase intensiver Hingabe, in der das Gebet eine zentrale Rolle spielt. Das Gebet, als direkte Verbindung zum Schöpfer, wird in diesem heiligen Monat zu einem noch mächtigeren Werkzeug der Annäherung, der Reue und der Bitte um Vergebung. Es ist die vertraute Grundlage des Gläubigen, eine unabdingbare Angewohnheit, die in jeder Lebenslage Trost und Orientierung bietet. Die göttliche Barmherzigkeit manifestiert sich im Ramadan in einem Überfluss, der Gläubigen die Möglichkeit gibt, ihre spirituelle Stellung zu erhöhen und sich ihrem Herrn auf unvergleichliche Weise zu nähern.

Was geschieht am Ende des Ramadan?

Die Bedeutung des Gebets im Ramadan wird durch zahlreiche Überlieferungen und die Praxis des Propheten Muhammad (s.a.s.) unterstrichen. Von den täglichen Pflichtgebeten bis hin zu den speziellen Nachtgebeten und Bittgebeten ist jede Handlung in diesem Monat mit erhöhter Belohnung verbunden. Allah der Allmächtige lädt Seine Diener ein, Ihn jederzeit zu bitten und anzubeten, doch im Ramadan öffnen sich Tore der Gnade und Vergebung in einer Weise, die es zu nutzen gilt. Dies ist eine Zeit, in der das Herz des Gläubigen gereinigt wird und die Seele spirituelle Erfrischung erfährt.

Inhaltsverzeichnis

Laylat al-Qadr: Die Nacht der Bestimmung

Unter all den gesegneten Nächten des Ramadans ragt eine ganz besonders hervor: die Laylat al-Qadr, die Nacht der Bestimmung oder der Macht. Sie wird als die beste Nacht des Monats Ramadan angesehen, ja sogar als besser als tausend Monate. Der Prophet Muhammad (s.a.s.) sagte: „Wer in der Nacht der Bestimmung betet, und es schafft diese zu erlangen, aus Glauben heraus und in Hoffnung auf Allahs Lohn, dessen vergangene Sünden werden vergeben.“ Diese Aussage verdeutlicht die immense Gnade und die Möglichkeit zur Sündenvergebung, die diese eine Nacht birgt.

Die genaue Zeit der Laylat al-Qadr ist nicht explizit festgelegt, um die Gläubigen dazu anzuspornen, in den letzten zehn Nächten des Ramadans verstärkt Anbetung zu leisten. Nach der bevorzugten Ansicht und der Mehrheit der Hadithe ist es jedoch die 27. Nacht des Monats Ramadan. Ein deutliches Zeichen für diese Nacht ist, dass die Sonne am darauffolgenden Morgen weiß und ohne strahlende Strahlen aufgeht. Dies ist eine Nacht, in der die Engel und der Geist (Gabriel) mit der Erlaubnis ihres Herrn herabsteigen, um jede Angelegenheit zu regeln. Die Anbetung in dieser einen Nacht kann die Belohnung von über 83 Jahren Gebet übertreffen, eine Chance, die kein Gläubiger ungenutzt lassen sollte.

Das Tarawih-Gebet (Qiyam al-Layl): Gemeinsames Beten im Ramadan

Das Tarawih-Gebet, auch bekannt als Qiyam al-Layl (Nachtgebet) im Ramadan, ist ein freiwilliges Gebet, das jedoch von großer Tugend ist. Abu Hurairah (r.a.) berichtete, dass der Gesandte Allahs (s.a.s.) zum freiwilligen Gebet in der Nacht im Ramadan anspornte, es aber nicht zur Pflicht machte. Er sagte: „Wer im Ramadan die Nacht im Gebet verbringt, aus Glauben heraus und in Hoffnung auf Allahs Lohn, dessen vergangene Sünden werden vergeben.“ Dies unterstreicht die gewaltige Belohnung für diejenigen, die sich dieser Anbetung widmen.

Das Verrichten des Tarawih-Gebets in der Gemeinschaft ist nicht nur erlaubt, sondern sogar besser als es allein zu tun. Der Prophet (s.a.s.) selbst praktizierte es und legte dessen Vorzug dar. Es ist überliefert, dass der Prophet (s.a.s.) an einigen Nächten mit der Gemeinschaft betete, es aber nicht durchgehend tat, aus Furcht davor, dass es den Gläubigen zur Pflicht gemacht werden könnte, was sie möglicherweise überfordert hätte. Nach seinem Tod und der Vollendung der islamischen Gesetzgebung verschwand diese Sorge, und so belebte Umar ibn al-Khattab (r.a.) die Praxis des gemeinsamen Tarawih-Gebets wieder, was bis heute in Moscheen weltweit praktiziert wird.

Warum ist das Beten im Ramadan so wichtig?
Doch vor allem anderen wird den Muslimen im Ramadan nahegelegt, eine Verbindung zu Gott aufzubauen. Das Beten während des Fastens hat für einen Muslim etwas Besonderes: In dem Moment, in dem der Durst einen überkommt und man zu Gott betet, fühlt man sich völlig schwach und wird sich seiner eigenen Menschlichkeit bewusst.

Ein besonderer Hinweis ist die Aussage des Propheten (s.a.s.): „Wenn der Mann mit dem Imam betet, bis dieser geht, wird ihm das Gebet einer gesamten Nacht angerechnet.“ Dies ermutigt die Gläubigen, das gesamte Tarawih-Gebet mit dem Imam zu verrichten, um die volle Belohnung zu erhalten. Auch Frauen dürfen am Tarawih-Gebet in der Moschee teilnehmen. Es ist sogar erlaubt, dass ein separater Imam für sie eingesetzt wird, um die Ordnung und den Komfort in sehr großen Moscheen zu gewährleisten, wie es authentisch von den Gefährten des Propheten überliefert wurde.

Praktische Aspekte des Tarawih-Gebets

Die Anzahl der Gebetseinheiten (Raka'at) für das Tarawih-Gebet ist flexibel, wobei elf Raka'at die bevorzugte Anzahl sind, um der Praxis des Propheten (s.a.s.) zu folgen. Aischa (r.a.) berichtete, dass der Gesandte Allahs (s.a.s.) weder im Ramadan noch außerhalb davon mehr als elf Raka'at betete, bestehend aus vier, dann vier und schließlich drei (Witr). Es ist jedoch auch erlaubt, weniger Raka'at zu verrichten, sogar nur eine einzige Witr-Gebetseinheit, da der Prophet (s.a.s.) dies ebenfalls praktizierte und erlaubte.

Die Rezitation des Qurans während des Tarawih-Gebets ist ebenfalls variabel. Der Prophet (s.a.s.) legte keine feste Länge fest; er rezitierte sowohl kurze als auch lange Suren. Von 20 Versen (wie in Sure Al-Muzzammil) bis hin zu 50 Versen oder sogar den sieben langen Suren (Al-Baqarah, Aal 'Imran, An-Nisa, Al-Maida, Al-An'am, Al-A'raf und At-Taubah) ist alles überliefert. Wenn man alleine betet, kann man die Rezitation so lange gestalten, wie man möchte, solange es nicht zu einer Übertreibung wird, die die ganze Nacht andauert. Als Imam sollte man jedoch Rücksicht auf die Gemeinde nehmen und das Gebet nicht übermäßig verlängern, da sich unter den Betenden junge, alte, schwache, kranke oder beschäftigte Personen befinden können.

Die Zeit für das Nachtgebet erstreckt sich zwischen dem Nacht- und Morgengebet. Obwohl das Gebet im letzten Teil der Nacht für den Einzelnen oft als besser gilt, besonders wenn man es leicht schafft, ist das Gebet in der Gemeinschaft im ersten Teil der Nacht von größerem Wert, da es einem die Belohnung einer gesamten Nachtgebet einbringt. Dies war auch die Praxis der Prophetengefährten zur Zeit von Umar (r.a.), die das gemeinsame Gebet im ersten Teil der Nacht bevorzugten.

Das Witr-Gebet: Ein Höhepunkt der Nachtgebete

Das Witr-Gebet ist ein Einzahlgebet und stellt den Abschluss der freiwilligen Nachtgebete dar. Es ist eine „Wahrheit“ (haq), was seine Wichtigkeit unterstreicht. Man kann es mit einer, drei oder fünf Gebetseinheiten verrichten. Wenn man es mit drei Raka'at betet, ist es wichtig, es vom Abendgebet (Maghrib) zu unterscheiden. Dies kann auf zwei Arten geschehen:

  • Man spricht den Taslim (Friedensgruß) zwischen den ersten beiden Raka'at (Shaf') und der letzten einzelnen Raka'ah (Witr). Dies gilt als stärker und besser.
  • Man sitzt nicht zwischen den ersten beiden und der letzten Raka'ah (kein Taschahhud zwischen Shaf' und Witr).

In den drei Gebetseinheiten des Witr-Gebets ist es Sunnah, in der ersten Raka'ah die Sure Al-A'la, in der zweiten Al-Kafirun und in der dritten Al-Ikhlas zu rezitieren. Manchmal können in der dritten Raka'ah auch Al-Falaq und An-Nas hinzugefügt werden. Es ist auch überliefert, dass der Prophet (s.a.s.) einmal in der Witr-Gebetseinheit 100 Verse aus der Sure An-Nisa rezitierte, was die Flexibilität in der Rezitation aufzeigt.

Wie feiert man den Ramadan?
Außerdem wird die festliche Beleuchtung, die an Moscheen extra zum Ramadan angebracht wird ("Kandil") eingeschaltet. Für das tägliche morgendliche Mahl ("Sahur"), kurz vor Sonnenaufgang also, werden die Menschen traditionell mit Singen, Trommeln und Rufen geweckt.

Ein wichtiger Bestandteil des Witr-Gebets ist das Qunut-Bittgebet. Dies ist ein Bittgebet, das der Prophet (s.a.s.) seinem Enkel Al-Hasan (r.a.) lehrte: „Allahummah ihdini fiman hadaita, wa 'aafini fiman 'aafait, wa tawallani fiman tawallait, wa barik li fima a'tait, wa qini scharra ma qadait, fa Innaka taqdi wa la yuqda 'Alaik, wa innahu la yadhillu man waalait, wa ya'izzu man 'aadait, tabaarakta Rabbana wa ta'alait, la manja Minka illa Ilaika.“ (O Allah, leite mich unter denen, die Du geleitet hast, verzeih mir mit denen, denen Du verziehen hast, beschütze mich mit denen, die Du beschützt, segne das für mich, was Du (mir) gegeben hast und schütze mich vor dem Übel, das Du über mich verfügt hast. Denn Du urteilst und niemand urteilt über Dich. Niemand wird erniedrigt sein, der Dich als Verbündeten hat und niemand wird ehrwürdig sein, der Dich als Feind hat. Segensreich bist Du, unser Herr, und erhaben. Es gibt keinen Ort der Rettung vor Dir, außer bei Dir.) Man kann auch Segenswünsche für den Propheten (s.a.s.) und andere erlaubte Bittgebete hinzufügen. In der zweiten Hälfte des Ramadans ist es auch üblich, das Qunut-Bittgebet nach der Verbeugung (Ruku') zu sprechen, Ungläubige zu verfluchen und für die Muslime zu bitten, eine Praxis, die von den Imamen zur Zeit von Umar (r.a.) überliefert ist.

Am Ende des Witr-Gebets, vor oder nach dem Taslim, ist es Sunnah zu sagen: „Allahumma inni a'udhu Biridaaka min Sakhatik, wa Bimu'aafaatika min 'Uqubatik, wa a'udhu Bika Minka, la uhsi thana an 'Alaik, Anta kama athnaita 'ala Nafsik.“ (O Allah, ich suche Zuflucht bei Deiner Zufriedenheit vor Deiner Unzufrieden, bei Deiner Vergebung vor Deiner Bestrafung und ich suche Zuflucht bei Dir vor Dir. Ich kann Dich nicht genug lobpreisen, Du bist, wie Du Dich Selbst lobpreist.) Nach dem Taslim des Witr-Gebets sagt man dreimal: „Subhanal Malik Al-Quddus“ (Gepriesen sei Der König, der Heilige), wobei man die Wörter in die Länge zieht und die Stimme beim dritten Mal erhebt.

Es ist auch erlaubt, nach dem Witr-Gebet noch zwei zusätzliche Gebetseinheiten zu verrichten, wenn man dies wünscht. Der Prophet (s.a.s.) selbst tat dies und sagte: „Diese Reise ist mühselig und schwer. Wenn also einer von euch das Witr-Gebet gebetet hat, dann soll er zwei Gebetseinheiten beten. Wenn er aufwacht, dann ist es gut, und wenn nicht, dann wird ihm dies gutgeschrieben.“ Es ist Sunnah, in diesen beiden zusätzlichen Raka'at die Suren Az-Zalzalah und Al-Kafirun zu rezitieren.

Besondere Zeiten für Bittgebete im Ramadan

Der Monat Ramadan ist reich an besonderen Zeiten, in denen das Bittgebet (Du'a) besonders erhört wird. Der Allmächtige ist Seinen Dienern nahe und antwortet ihren Gebeten. Neben der herausragenden Laylat al-Qadr gibt es weitere gesegnete Momente:

  • Die Nächte des Ramadans: In der ersten Nacht des Ramadan werden die Tore des Paradieses geöffnet. Jede Nacht bis zum Morgen lädt ein beauftragter Rufer ein: „Gibt es keinen, der für seine sündhaften Verfehlungen um Vergebung bittet? Niemand, der bereut, damit Allah (c.c.) seine Reue annimmt? Niemand, der in Form von Bittgebeten erfleht, auf dass man ihm antwortet? Keiner, der etwas für sich erwünscht, so dass man es ihm gleich erfüllt?“ Dies ist ein klarer Aufruf zur vermehrten Anbetung und Bitte.
  • Kurz vor dem Fastenbrechen (Iftar): Das Bittgebet eines Fastenden kurz vor dem Fastenbrechen wird nicht abgelehnt. Dies ist eine kostbare Zeit, in der die Herzen der Fastenden demütig und ihre Seelen rein sind, was die Akzeptanz ihrer Bitten erhöht. Der Prophet (s.a.s.) sprach in dieser Zeit oft: „Oh mein Herr, um deiner alles umfassenden Barmherzigkeit Willen, sei gnädig mit mir und vergebe mir.“
  • Die Dämmerungen (Morgen-/Abenddämmerungen): Diese Zeiten sind ebenfalls von großer Bedeutung für Bittgebete und die Reinigung von Sünden.
  • Die Bittgebete bestimmter Personen: Die Gebete eines gerechten Herrschers/Richters, des bis zum Fastenbrechen Fastenden und des Unterdrückten werden nicht zurückgewiesen.

Der Prophet (s.a.s.) hat im Ramadan seine gottesdienstlichen Handlungen und Gebete vermehrt und die Gläubigen dazu angespornt, seinem Beispiel zu folgen. Ein gewissenhafter Gläubiger versucht, in diesem Meer von Gelegenheiten maximal zu profitieren, indem er sich an die Gebete aus dem Koran und der Sunnah hält und sich Allah (c.c.) ein wenig nähern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Hier sind einige häufig gestellte Fragen zum Gebet im Ramadan, basierend auf den bereitgestellten Informationen:

FrageAntwort
Ist das Tarawih-Gebet (Nachtgebet im Ramadan) Pflicht (Fard)?Nein, das Tarawih-Gebet ist ein freiwilliges Gebet (Sunnah), aber es ist sehr empfohlen und mit großer Belohnung verbunden, insbesondere der Vergebung vergangener Sünden.
Wie viele Raka'at (Gebetseinheiten) hat das Tarawih-Gebet?Die bevorzugte Anzahl, die der Praxis des Propheten (s.a.s.) entspricht, sind elf Raka'at, einschließlich des Witr-Gebets. Es ist jedoch auch erlaubt, weniger Raka'at zu verrichten, sogar nur das Witr-Gebet.
Wann ist die Laylat al-Qadr (Nacht der Bestimmung)?Die genaue Nacht ist nicht bekannt, um die Gläubigen anzuspornen, in den letzten zehn Nächten des Ramadans verstärkt Anbetung zu leisten. Die am meisten bevorzugte Ansicht ist jedoch die 27. Nacht des Ramadans.
Was soll ich in der Laylat al-Qadr tun?Man sollte sich in dieser Nacht besonders dem Gebet, dem Koranlesen, Bittgebeten (Du'a) und dem Gedenken Allahs widmen, in der Hoffnung auf Vergebung der Sünden und immense Belohnung.
Dürfen Frauen am Tarawih-Gebet in der Moschee teilnehmen?Ja, Frauen dürfen am Tarawih-Gebet in der Moschee teilnehmen. Es ist sogar überliefert, dass die Gefährten des Propheten (s.a.s.) separate Imame für Frauen einsetzten.
Was ist das Qunut-Gebet und wann spricht man es?Das Qunut-Gebet ist ein Bittgebet, das im Witr-Gebet gesprochen wird. Es kann vor oder nach der Verbeugung (Ruku') gesprochen werden. In der zweiten Hälfte des Ramadans ist es üblich, es nach der Verbeugung zu sprechen.

Der Ramadan ist somit eine umfassende Schule der Spiritualität, die den Gläubigen lehrt, die Verbindung zu Allah zu stärken und jede Gelegenheit zur Anbetung und zum Gedenken zu nutzen. Die gesegneten Nächte und besonderen Zeiten bieten einzigartige Chancen, die eigene Seele zu reinigen, Sünden zu tilgen und sich der göttlichen Barmherzigkeit würdig zu erweisen. Möge Allah unsere Gebete und Bemühungen in diesem heiligen Monat annehmen. Selam & Dua.

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