Was machten die Pharisäer?

Pharisäer & Zöllner: Demut vor Gott finden

31/07/2024

Rating: 3.92 (2396 votes)

Manchmal sind es die unerwarteten Wendungen in Geschichten, die uns am meisten lehren. Eine solche überraschende Begebenheit finden wir in der Bibel, im Lukas-Evangelium, Kapitel 18, Verse 9-14. Es ist die Erzählung zweier Männer, die zum Tempel hinaufgehen, um zu beten. Der eine, ein Pharisäer, ein angesehener religiöser Führer, dessen Anwesenheit im Tempel niemanden überraschen würde. Der andere, ein Zöllner, ein von der Gesellschaft verachteter Sünder, der sein eigenes Volk verraten hat – seine Anwesenheit ist alles andere als erwartet.

Was ist der Unterschied zwischen einer Sünde und einer Verdammnis?
Im Gegenteil: Sie stellen sich über andere Menschen und denken über sich selber wie toll sie eigentlich sind. Für alle Menschen gilt jedoch der gleiche Grundsatz: Alle haben gesündigt und erreichen aus sich nicht den Himmel. Eine einzige Sünde, die jeder Mensch begeht, führt automatisch zur ewigen Verdammnis.

Beide Männer betreten den heiligen Ort mit der Absicht zu beten, doch nur einer von ihnen kehrt mit Frieden im Herzen und als von Gott gerechtfertigt nach Hause zurück. Und hier liegt die erste große Überraschung: Es ist der Zöllner, nicht der fromme Pharisäer. Wie konnte es dazu kommen? Lukas leitet dieses Gleichnis mit einer entscheidenden Bemerkung ein: „Er sagte aber auch zu etlichen, die auf sich selbst vertrauten, dass sie gerecht seien, und die Übrigen verachteten, dieses Gleichnis“ (Lukas 18,9). Dies ist eine Geschichte über die gefährliche Natur des Stolzes und die befreiende Kraft der Demut vor Gott. Eine zentrale Lehre, die Jesus uns hier vermittelt, ist, dass Erniedrigung zur Erhöhung führt.

Der Pharisäer: Ein Spiegel der Selbstgerechtigkeit

Die Pharisäer waren bekannt für ihre öffentliche Frömmigkeit und ihr Streben, religiös zu erscheinen (vgl. Lukas 20,47). Im vorliegenden Gleichnis tritt der Pharisäer selbstbewusst vor Gott. Sein Gebet ist nicht nur eine Unterhaltung mit dem Schöpfer, sondern vielmehr eine Offenbarung seines innersten Wesens und seiner Überzeugungen.

Erstens: Der Pharisäer trägt einen internen Maßstab mit sich herum, den er eifrig auf sich und andere anlegt. Er lebt in einem ständigen Vergleich. Nach einem kurzen Dank an Gott, der mehr wie eine Einleitung zu seiner Selbstdarstellung wirkt, präsentiert er sein Ergebnis: Er ist nicht wie andere Menschen, sondern weit besser. Wenn er sich mit der breiten Masse, insbesondere aber mit dem Zöllner (Lukas 18,11), misst, dann sieht er sich als weit überlegen. Dieses Verhalten ist nicht nur gefährlich, sondern auch erschreckend weit verbreitet. Auch wir ertappen uns oft dabei, wie wir uns mit anderen vergleichen, und vergessen dabei den einzig wahren Maßstab: Gottes absolute Gerechtigkeit, nicht die relative Gerechtigkeit anderer Menschen. Der Pharisäer ist von seinem eigenen Stolz so verblendet, dass er die Wirklichkeit nicht mehr erkennen kann.

Zweitens: Der Pharisäer präsentiert vor Gott einen Lebenslauf seiner religiösen Errungenschaften. Ist Ihnen aufgefallen, wie er mit seinen Leistungen prahlt? „Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme“ (Lukas 18,12). Er brüstet sich mit dem, was er getan hat. Doch Jesus beurteilt dies als Vertrauen auf die eigene Gerechtigkeit. Ist es nicht verblüffend, dass dieser Mann im Gebet vor dem allmächtigen Gott mit sich selbst angibt? Scheint er überhaupt zu wissen, mit wem er da spricht? Er legt Gott seine Taten dar, als ob diese den Herrn beeindrucken könnten. Am Ende scheint es fast so, als würde er mehr mit sich selbst als mit Gott reden. Es ist zutiefst gefährlich, wenn wir uns vor Gott mit unserer Leistung brüsten, anstatt unsere Sünde in Demut zu bekennen. Diese Haltung verschließt uns den Weg zu wahrer Gnade.

Der Zöllner: Ein Beispiel der Demut

Ganz anders ist der Zöllner. Während der Pharisäer mit vollen Händen der Selbstgerechtigkeit vor Gott tritt, sind die Hände des Zöllners leer. Alles an ihm offenbart tiefe Reue und Zerbrochenheit (Lukas 18,13). Aus seiner Haltung und seinem kurzen Gebet spricht eine unmissverständliche Demut. Er bleibt weit entfernt stehen, ein Ausdruck seiner Erkenntnis, dass seine Sünde ihn von einem heiligen Gott trennt. Deshalb wagt er nicht, seinen Blick zum Himmel zu heben. Immer wieder schlägt er sich an die Brust, ein altes Zeichen der Bestürzung und tiefen Trauer über die eigene Verfehlung. Er fleht um Gottes Gnade, weil ihm schmerzlich bewusst ist, dass er ein Sünder ist, der diese Gnade dringend benötigt.

Er unterscheidet sich fundamental vom Pharisäer! Anstatt Gerechtigkeit in sich selbst zu suchen, fleht der Zöllner Gott um Gnade an – er selbst besitzt keine Gerechtigkeit, die er vorweisen könnte. Auch die Art und Weise seines Flehens drückt tiefe Demut aus. Sein Ruf nach Gnade ist ein inständiges Bitten, dass Gottes Zorn in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit abgewendet werde (wörtlich: „Lass Dich besänftigen!“). Wir sehen, wie sich dieser überführte Sünder im Tempel demütigt. Man sieht, wie er sich wieder und wieder voller Verzweiflung gegen die Brust schlägt. Seine Stimme ist heiser vom Schreien um Gnade und sein Kopf ist gesenkt. Er weiß, dass er nichts zu bieten hat außer seine Bedürftigkeit.

Was sagt die Bibel über die Sünden?
In der Bibel steht, dass alle Menschen Sünder sind. Keiner schafft es, immer Gottes Gebote zu halten. Deshalb ist Jesus auf die Erde gekommen, um für dich und deine Sünden zu sterben. Wenn du an ihn glaubst und ihn um Vergebung bittest, dann vergibt er dir auch. Und dann darfst du zu Gott kommen.

Das Urteil Jesu: Demut führt zur Erhöhung

Jesus beendet die Geschichte mit folgenden Worten: „Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, im Gegensatz zu jenem; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lukas 18,14).

Der Pharisäer kam mit Händen voller Selbstgerechtigkeit, der Zöllner kam mit leeren Händen. Aber der Zöllner ging gerechtfertigt nach Hause. Er wurde in Gottes Augen für gerecht erklärt. Niemand, der auf sich selbst vertraut, wird jemals bei Gott Gerechtigkeit finden. Der einzige Weg, um in Gottes Augen vollkommen oder gerechtfertigt zu sein, ist der, auf die Gerechtigkeit eines Anderen zu vertrauen. Derjenige, der dieses Gleichnis erzählte, Jesus selbst, erwarb diese Gerechtigkeit durch sein vollkommenes Leben und seinen Opfertod. Sie wird den Gläubigen zugerechnet, wenn sie sie im Glauben empfangen (Römer 5,1; 2 Korinther 5,21). Es ist demütigend, wenn wir erkennen, dass wir Gott nichts anzubieten haben. Aber es ist eine großartige Gelegenheit zu Freude und Dankbarkeit, wenn wir erkennen, dass wir alles, was wir brauchen, schon in Christus finden. Auf diese Weise werden die Demütigen erhöht.

Was die Bibel über Sünde und Gerechtigkeit sagt

Die Geschichte des Pharisäers und des Zöllners ist eine eindringliche Illustration dessen, was die Bibel über Sünde und Gottes Annahme lehrt. Der Kern der Botschaft lautet: Gott nimmt Sünder an. Der Bibelvers Jakobus 4,10 (Luth) fasst dies treffend zusammen: „Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen.“

Die zwei Männer, so unterschiedlich sie auch waren, hatten dasselbe Ziel: den Tempel, um zu beten. Der Pharisäer, aufrecht und selbstsicher, kannte Gottes Gebote und hielt sie scheinbar genau ein. Er fastete, gab den Zehnten – ein vorbildliches Leben in den Augen der Menschen. Er war bekannt und respektiert. „Er ist ein guter Mensch“, hätte man gesagt. Als er den Zöllner sah, dachte er verächtlich: „Was will der denn hier?“ Sein Gebet war ein Dank dafür, dass er nicht wie „die anderen Leute“ war – nicht wie Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder eben dieser Zöllner. Er war stolz auf seine Leistung und dachte, Gott müsse mit ihm zufrieden sein.

Der Zöllner hingegen war gebeugt, unsicher. Er wusste, dass er nicht zu Gott passte. Er war ein Sünder, hatte betrogen und Gottes Gesetze missachtet. Er traute sich nicht, zum Himmel aufzuschauen. „Passe ich überhaupt zu Gott, so ein Sünder?“, mag er sich gefragt haben. Doch die Antwort der Bibel ist ein klares Ja. Gott will solche Menschen haben. Jeder darf zu ihm kommen, auch du. Niemand von uns hat immer die Wahrheit gesagt, immer den Nächsten geliebt oder immer den Eltern gehorcht. Die Bibel sagt klar, dass „alle Menschen Sünder sind und die Herrlichkeit Gottes ermangeln“ (Römer 3,23). Keiner schafft es, immer Gottes Gebote zu halten. Genau deshalb ist Jesus auf die Erde gekommen, um für unsere Sünden zu sterben. Wenn wir an ihn glauben und ihn um Vergebung bitten, dann vergibt er uns. Aber dazu müssen wir zuerst erkennen, dass wir Sünder sind und Gottes Hilfe und Vergebung brauchen.

Der Pharisäer dachte, er sei gut genug für Gott. Der Zöllner erkannte seine Not und betete einzig: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Mehr sagte er nicht. Er wusste, dass er Gottes Hilfe und Vergebung brauchte, weil er ein Sünder war. Jesus schloss die Geschichte mit der Aussage, dass der Zöllner gerechtfertigt nach Hause ging, nicht der Pharisäer. Warum? Weil der Zöllner seine Sündhaftigkeit erkannte und um Gnade flehte, während der Pharisäer auf seine eigene Gerechtigkeit vertraute und Gott nicht wirklich brauchte.

Du brauchst Gottes Hilfe und Vergebung. Bitte ihn darum und sei nicht so stolz wie der Pharisäer. Erkenne deine Abhängigkeit von Gott und seine Bereitschaft, dir in Jesus Christus zu begegnen.

Was machten die Pharisäer?
Die Pharisäer waren bekannt dafür, in der Öffentlichkeit religiös zu scheinen und zu handeln (Lk 20,47). In diesem Gleichnis geht der Pharisäer zum Gebet in den Tempel. Sein Gebet offenbart einige Dinge über ihn. Erstens: Er trägt einen inneren Maßstab mit sich herum und legt diesen eifrig an sich und andere an, er vergleicht sich ständig.

Vergleich: Pharisäer vs. Zöllner

Um die tiefgreifenden Unterschiede und die daraus resultierenden Lehren dieses Gleichnisses noch klarer zu machen, betrachten wir die beiden Charaktere in einer vergleichenden Übersicht:

MerkmalPharisäerZöllner
Öffentliche WahrnehmungHoch angesehen, fromm, vorbildlichVerachtet, betrügerisch, Sünder
Haltung im GebetAufrecht, selbstbewusst, stolzGebeugt, demütig, wagt nicht aufzublicken
Inhalt des GebetsSelbstlob, Aufzählung von Leistungen, Vergleich mit anderen, VerachtungKurz, flehend, Bekenntnis der Sündhaftigkeit, Bitte um Gnade
Innerer ZustandStolz, selbstgerecht, verblendetZerbrochen, reuevoll, bedürftig
VertrauenAuf eigene Werke und GerechtigkeitAuf Gottes Gnade und Barmherzigkeit
ErgebnisGing nicht gerechtfertigt nach HauseGing gerechtfertigt nach Hause
Jesu UrteilWurde erniedrigtWurde erhöht

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was war ein Pharisäer zur Zeit Jesu?
Pharisäer waren eine der wichtigsten religiösen und politischen Gruppen im Judentum zur Zeit Jesu. Sie waren bekannt für ihre strenge Auslegung des mosaischen Gesetzes und der mündlichen Überlieferungen. Sie legten großen Wert auf die Einhaltung religiöser Rituale und Gebote und genossen hohes Ansehen in der Bevölkerung für ihre Frömmigkeit und ihr Wissen.

Was war ein Zöllner und warum waren sie verachtet?
Ein Zöllner war ein Steuereintreiber für die römische Besatzungsmacht in Judäa. Sie waren verachtet, weil sie mit den Feinden Israels zusammenarbeiteten und oft mehr Steuern eintrieben, als gesetzlich vorgeschrieben war, um sich selbst zu bereichern. Sie galten als Verräter und Sünder, die von der Gesellschaft gemieden wurden.

Warum wurde der Zöllner gerechtfertigt und der Pharisäer nicht?
Der Zöllner wurde gerechtfertigt, weil er seine Sündhaftigkeit vor Gott anerkannte, Demut zeigte und um Gnade flehte. Er vertraute nicht auf seine eigenen Werke, sondern auf Gottes Barmherzigkeit. Der Pharisäer hingegen wurde nicht gerechtfertigt, weil er stolz auf seine eigene (vermeintliche) Gerechtigkeit war und Gott nicht als Heiland, sondern als Zuhörer seiner Errungenschaften sah. Er brauchte in seinen Augen keine Gnade.

Nimmt Gott Sünder an?
Ja, das ist die Kernbotschaft des Gleichnisses und vieler biblischer Texte. Gott ist barmherzig und bereit, Sünder anzunehmen, die ihre Schuld erkennen, bereuen und sich ihm in Demut zuwenden. Der Weg zu Gott ist immer offen für diejenigen, die ihre Sünden bekennen und an die Vergebung durch Jesus Christus glauben.

Was ist der Unterschied zwischen Sünde und Verdammnis?
Sünde ist die Übertretung von Gottes Geboten und das Verfehlen seines vollkommenen Standards. Es ist das, was uns von Gott trennt und uns schuldig macht. Jeder Mensch ist ein Sünder (Römer 3,23). Verdammnis (oder Verurteilung) ist die gerechte Konsequenz und das Urteil über die Sünde. Es ist die ewige Trennung von Gott aufgrund unbereuter Sünde. Der Zöllner wurde von der Verdammnis befreit, weil er seine Sünde bekannte und Gottes Gnade empfing. Der Pharisäer, obwohl er äußerlich fromm war, war innerlich der Verdammnis näher, weil sein Stolz ihn von der notwendigen Buße und dem Empfang der Gnade abhielt. Jesus Christus bietet den Weg an, der von der Sünde reinigt und vor der Verdammnis rettet, indem er die Strafe für unsere Sünden auf sich nahm.

Fazit: Der Weg zur wahren Gerechtigkeit

Die Geschichte vom Pharisäer und Zöllner ist eine zeitlose Erinnerung daran, dass Gottes Maßstäbe sich fundamental von menschlichen Maßstäben unterscheiden. Es geht nicht darum, wie wir uns im Vergleich zu anderen fühlen oder wie viele religiöse Leistungen wir vorweisen können. Es geht um die Haltung unseres Herzens vor Gott. Wahre Gerechtigkeit und Annahme bei Gott finden wir nicht durch unsere eigenen Anstrengungen oder unseren Stolz, sondern allein durch Demut, das ehrliche Bekenntnis unserer Sündhaftigkeit und das Vertrauen auf Gottes unverdiente Gnade, die uns in Jesus Christus angeboten wird. Wenn wir mit leeren Händen vor Gott kommen und unsere völlige Abhängigkeit von seiner Barmherzigkeit eingestehen, dann – und nur dann – werden wir erhöht und in seinen Augen gerechtfertigt.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Pharisäer & Zöllner: Demut vor Gott finden kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Glaube besuchen.

Go up