28/01/2023
In der reichen Tradition des christlichen Gottesdienstes begegnen uns immer wieder Begriffe, deren genaue Bedeutung nicht jedem sofort klar ist. Zwei dieser zentralen Begriffe sind „Evangelien“ und „Perikopen“. Obwohl sie eng miteinander verbunden sind und oft im selben Kontext erscheinen, bezeichnen sie doch unterschiedliche Aspekte biblischer Texte und ihrer Verwendung in der Liturgie. Ein tiefgreifendes Verständnis dieser Unterscheidung ist nicht nur für Theologen oder Geistliche von Bedeutung, sondern für jeden Gläubigen, der die Struktur und den Sinn des Gottesdienstes umfassender erfassen möchte. Es hilft uns, die Botschaft, die uns Woche für Woche verkündet wird, mit größerer Klarheit und Wertschätzung aufzunehmen.

Dieser Artikel beleuchtet die Definitionen, historischen Entwicklungen und die spezifischen Rollen von Evangelien und Perikopen. Wir werden die Beziehung zwischen ihnen aufschlüsseln, ihre Anwendung in verschiedenen christlichen Konfessionen untersuchen und aufzeigen, warum diese Unterscheidung für das liturgische Leben von entscheidender Bedeutung ist. Begleiten Sie uns auf dieser Entdeckungsreise durch die Welt der biblischen Lesungen.
- Was ist ein Evangelium?
- Was ist eine Perikope?
- Die historische Entwicklung der Perikopen
- Die Rolle von Lektionaren und Messbüchern
- Der Kernunterschied: Evangelium vs. Perikope
- Perikopen in verschiedenen Konfessionen
- Warum werden Perikopen verwendet?
- Häufig gestellte Fragen
- Sind alle Evangelien Perikopen?
- Warum gibt es verschiedene Perikopenordnungen?
- Was bedeutet „lectio continua“ und „lectio selecta“?
- Wird in jedem Gottesdienst eine Perikope gelesen?
- Gibt es Perikopen nur aus dem Neuen Testament?
- Was ist der Unterschied zwischen einem Lektionar und einem Evangelistar?
- Fazit
Was ist ein Evangelium?
Das Wort „Evangelium“ stammt aus dem Griechischen (εὐαγγέλιον, euangelion) und bedeutet wörtlich „gute Nachricht“ oder „frohe Botschaft“. Im christlichen Kontext bezieht es sich primär auf die vier kanonischen Bücher des Neuen Testaments: das Evangelium nach Matthäus, das Evangelium nach Markus, das Evangelium nach Lukas und das Evangelium nach Johannes. Diese vier Bücher sind die primären Quellen für das Leben, die Lehren, die Wunder, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Sie bilden das Fundament des christlichen Glaubens und sind die zentrale Botschaft der Erlösung.
Jedes der vier Evangelien wurde von einem anderen Autor (oder einer Autorengruppe) verfasst und bietet eine einzigartige Perspektive auf die Person und das Wirken Jesu. Obwohl sie viele gemeinsame Erzählungen und Lehren teilen – insbesondere die drei synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas) – haben sie jeweils einen eigenen Schwerpunkt und eine spezifische theologische Ausrichtung. Sie sind nicht nur historische Berichte, sondern theologische Zeugnisse, die die Bedeutung Jesu für die Menschheit interpretieren und verkünden. Die Evangelien sind somit vollständige, eigenständige biblische Bücher, die die Kernbotschaft des Christentums enthalten.
Was ist eine Perikope?
Der Begriff „Perikope“ leitet sich ebenfalls aus dem Griechischen ab (περικοπή, perikopé), was so viel wie „rings umhauenes Stück“ oder „Abschnitt“ bedeutet. Eine Perikope ist demnach ein ausgewählter Abschnitt aus der Bibel, der für die Lesung im Gottesdienst bestimmt ist. Im lateinischen Mittelalter wurden solche Abschnitte auch als „Capitula“ bezeichnet. Im Gegensatz zu einem gesamten biblischen Buch ist eine Perikope ein kürzerer Textausschnitt, der speziell für den liturgischen Gebrauch ausgewählt und oft thematisch auf den jeweiligen Sonntag oder Feiertag des Kirchenjahres abgestimmt ist.
Perikopen können aus jedem Teil der Bibel stammen: aus dem Alten Testament, den Apostelbriefen (Episteln) oder eben aus den Evangelien. Wenn wir im Gottesdienst zum Beispiel hören: „Evangelium des heutigen Sonntags nach Johannes, Kapitel 3, Verse 16 bis 21“, dann handelt es sich bei diesem Textabschnitt um eine Evangelienperikope. Perikopen sind somit die Brücke, die den umfangreichen biblischen Text mit der spezifischen Feier und Thematik des Gottesdienstes verbindet. Sie ermöglichen es der Gemeinde, sich auf einen bestimmten Aspekt der biblischen Botschaft zu konzentrieren, der für den jeweiligen liturgischen Kontext von Bedeutung ist.
Die historische Entwicklung der Perikopen
Die Praxis der Schriftlesung im Gottesdienst ist eine Übernahme aus der jüdischen Synagoge und reicht bis in die früheste Zeit der Kirche zurück. Zunächst war es üblich, den Bibeltext fortlaufend zu lesen (lectio continua). Dies bedeutete, dass man einfach dort fortfuhr, wo man in der vorherigen Versammlung aufgehört hatte, um so ganze biblische Bücher durchzugehen.
Ab dem 5. Jahrhundert, im Zuge der Entwicklung des Kirchenjahres mit seinen festen Festen und Gedenktagen (Advent, Weihnachten, Fastenzeit, Ostern, Pfingsten usw.), setzte sich zunehmend die Praxis der lectio selecta durch – also die Lesung ausgewählter Abschnitte. Diese ausgewählten Abschnitte, die Perikopen, wurden so gewählt, dass sie thematisch zum jeweiligen Kirchenfest oder Sonntag passten. Um diese Auswahl zu standardisieren und die Auffindung der Abschnitte in den vollständigen biblischen Texten zu erleichtern, wurden sogenannte Perikopenverzeichnisse erstellt. Diese Verzeichnisse, die als capitularia oder Liber comitis bekannt waren, listeten die für jeden Gottesdienst vorgesehenen Stellen auf.
Spätestens ab dem 7. Jahrhundert entwickelten sich aus diesen Verzeichnissen eigenständige Bücher, die die zu lesenden Textabschnitte vollständig ausschrieben: die Lektionare. Diese Lektionare ersetzten als Vorlage der Lesung zunehmend die vollständigen biblischen Texte in den Gottesdiensten. Ein vollständiges Lektionar enthielt in der Regel ein Epistolar (eine Sammlung der Episteln) und ein Evangelistar (eine Sammlung der Evangelienperikopen), die auch als separate Bücher existieren konnten. Eine der berühmtesten und kunstvollsten Perikopenbücher ist das Heinrichs II., das seit 2003 zum Weltdokumentenerbe der UNESCO gehört und die hohe Bedeutung dieser Texte in der Geschichte unterstreicht.
Die Entwicklung bis zur Zeit Karls des Großen prägte maßgeblich den Bestand der für alle Sonn- und Festtage im Kirchenjahr der katholischen Kirche vorgeschriebenen Evangelienperikopen und Episteln. Auch nach der Reformation behielten viele Kirchen, wie die lutherische, diese Ordnung bei, wenn auch mit einigen Abänderungen. Andere, wie die reformierte Kirche unter Ulrich Zwingli, entschieden sich für eine freiere Wahl der Predigttexte oder eine Rückkehr zur fortlaufenden Lesung. Diese historische Entwicklung zeigt, wie die Notwendigkeit einer strukturierten und thematisch passenden Bibellesung zur Entstehung der Perikopen führte.
Die Rolle von Lektionaren und Messbüchern
Lektionare sind liturgische Bücher, die die Perikopen in der Reihenfolge des Kirchenjahres enthalten. Sie sind unverzichtbar für die Durchführung des Gottesdienstes, da sie den Geistlichen genau vorgeben, welche biblischen Texte an welchem Tag zu lesen sind. Dies gewährleistet eine einheitliche und systematische Verkündigung des Wortes Gottes über das gesamte Kirchenjahr hinweg.
Ab dem 8. Jahrhundert wurden Lektionare oft mit anderen liturgischen Büchern – wie dem Sakramentar (mit Gebeten für die Eucharistiefeier) und später dem Graduale (mit Gesängen) – zu einem einzigen Band zusammengefasst, dem Missale oder Messbuch. Das Missale wurde im Spätmittelalter zum umfassendsten liturgischen Buch und verdrängte die separaten Lektionare weitgehend. Die Integration der Perikopen in das Messbuch unterstreicht ihre zentrale Rolle im Gottesdienst und ihre untrennbare Verbindung mit der Feier der Eucharistie und der gesamten Liturgie.
Der Kernunterschied: Evangelium vs. Perikope
Um die Beziehung und den Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen vollständig zu verstehen, ist es hilfreich, sie direkt gegenüberzustellen:
| Merkmal | Evangelium | Perikope |
|---|---|---|
| Art des Textes | Ein vollständiges biblisches Buch (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes). | Ein ausgewählter Abschnitt aus der Bibel (kann aus einem Evangelium, den Episteln oder dem Alten Testament stammen). |
| Umfang | Umfasst die gesamte Erzählung des Lebens, der Lehren, des Todes und der Auferstehung Jesu von Anfang bis Ende. | Ein kürzerer, spezifischer Textausschnitt, der oft nur wenige Verse umfasst. |
| Zweck | Primäre Quelle für die Kenntnis Jesu Christi und die theologische Grundlage des christlichen Glaubens. | Für die öffentliche Lesung im Gottesdienst bestimmt; oft thematisch auf den jeweiligen Tag des Kirchenjahres abgestimmt. |
| Herkunft | Originaltext der Heiligen Schrift, ein integraler Bestandteil des biblischen Kanons. | Wird aus dem Originaltext der Bibel ausgewählt oder „herausgeschnitten“. |
| Beziehung | Kann Perikopen enthalten (z.B. die Passionsgeschichte aus Johannes). | Ist ein Teil eines biblischen Buches, das für liturgische Zwecke herausgelöst wurde (z.B. ein Abschnitt aus dem Matthäusevangelium). |
Zusammenfassend lässt sich sagen: Ein Evangelium ist ein ganzes Buch, während eine Perikope ein sorgfältig ausgewählter Auszug ist, der aus einem Evangelium oder einem anderen Teil der Bibel stammen kann. Jede Evangelienperikope ist somit ein Teil eines Evangeliums, aber nicht jedes Evangelium ist eine einzige Perikope.

Perikopen in verschiedenen Konfessionen
Die Verwendung und Ordnung der Perikopen variiert leicht zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen, zeigt aber auch gemeinsame Wurzeln und Ziele:
Perikopen in der römisch-katholischen Kirche
Die katholische Kirche folgt einer detaillierten und umfassenden Leseordnung. Für die Sonntage gibt es einen dreijährlichen Turnus (Lesejahre A, B, C), in dem die wichtigsten Textstellen der Bibel systematisch vorgetragen werden, wobei jedes Jahr einem der synoptischen Evangelisten (Matthäus, Markus, Lukas) gewidmet ist, während das Johannesevangelium in allen drei Jahren zu bestimmten Zeiten, insbesondere in der Osterzeit, gelesen wird. Für die Wochentage gibt es eine eigene Leseordnung, die, abgesehen von den geprägten Zeiten (Advent und Fastenzeit) und manchen Heiligengedenktagen, für die erste Lesung zwei Lesejahre vorsieht, zu denen jeweils dasselbe Evangelium gehört. Dieses System gewährleistet eine breite und tiefe Beschäftigung mit der gesamten Schrift über einen längeren Zeitraum.
Perikopen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
In der EKD sind spätestens seit 1953 sechs Perikopenreihen (meist als I bis VI notiert) in Gebrauch. Jede Reihe gilt für ein Kirchenjahr, das vom 1. Advent bis zum Ewigkeitssonntag dauert. Die Auswahl der Texte folgt dem Prinzip der Konsonanz (des Zusammenklangs), bei dem jedem Sonn- und Feiertag bestimmte Lesungen zugewiesen werden: das Evangelium (immer aus Perikopenreihe I), die Epistel (immer aus Perikopenreihe II), eine Lesung aus dem Alten Testament und der Predigttext (aus der jeweils aktuellen Perikopenreihe). Dies bedeutet, dass in Perikopenreihe I der Evangelientext und der Predigttext identisch sind, während in Perikopenreihe II der Episteltext und der Predigttext übereinstimmen. Nach sechs Jahren beginnt der Zyklus von Neuem. Zum 1. Advent 2018 wurde eine neue Perikopenordnung, die „Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder“, eingeführt, die sich an der früheren Ordnung orientiert, aber weiterentwickelt wurde, um insbesondere den Anteil von Texten aus dem Alten Testament zu erweitern und erstmals Abschnitte aus Psalmen als Predigttexte vorzusehen.
Perikopen in der dänischen Volkskirche
Die Leseordnung der dänischen Volkskirche aus dem Jahr 1992 besteht aus zwei Jahresreihen. An jedem Sonntag werden jeweils drei Lesungen vorgetragen: eine aus dem Alten Testament, eine aus den Apostelbriefen und eine aus den Evangelien. Die Besonderheit hierbei ist, dass diese drei Lesungen inhaltlich aufeinander abgestimmt sind, um eine kohärente Botschaft für den jeweiligen Gottesdienst zu gewährleisten.
Perikopen in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands
Ähnlich der dänischen Praxis besteht die Leseordnung der evangelisch-lutherischen Kirche Finnlands aus dem Jahr 2000 aus drei Jahresreihen. Auch hier werden an jedem Sonntag drei Lesungen (aus dem Alten Testament, den Apostelbriefen und den Evangelien) vorgetragen, die inhaltlich aufeinander abgestimmt sind. Dies unterstreicht den ökumenischen Trend, die biblische Lesung im Gottesdienst durch eine Vielfalt von Texten zu bereichern und zu vertiefen.
Warum werden Perikopen verwendet?
Die Verwendung von Perikopen im Gottesdienst erfüllt mehrere wichtige Funktionen, die über die bloße Bequemlichkeit hinausgehen:
- Strukturierung des Kirchenjahres: Perikopen sind untrennbar mit dem Kirchenjahr verbunden. Sie ermöglichen es der Gemeinde, die Heilsgeschichte – von der Erwartung Christi im Advent über seine Geburt, sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung bis hin zur Ausgießung des Heiligen Geistes und der Zeit nach Pfingsten – systematisch nachzuvollziehen. Jede Perikope ist sorgfältig ausgewählt, um die theologische Botschaft des jeweiligen Sonntags oder Feiertags zu untermauern.
- Thematische Fokussierung: Durch die Auswahl spezifischer Abschnitte kann sich der Gottesdienst auf ein bestimmtes Thema konzentrieren. Dies hilft den Predigern, ihre Botschaft präzise auf den biblischen Text abzustimmen, und den Zuhörern, die Kernbotschaft des Tages besser aufzunehmen und zu verinnerlichen.
- Pädagogischer Wert: Über die Jahre hinweg werden die Gläubigen durch die Perikopen mit einer breiten Palette biblischer Texte vertraut gemacht. Dies dient der biblischen Bildung der Gemeinde und ermöglicht ein umfassendes Verständnis der Schrift, auch wenn nicht die gesamte Bibel fortlaufend gelesen wird.
- Einheitlichkeit und Tradition: Die festgelegten Perikopenordnungen sorgen für eine Einheitlichkeit im Gottesdienst über geografische Grenzen und Zeiten hinweg. Sie verbinden die gegenwärtige Gottesdienstfeier mit einer jahrhundertealten Tradition der biblischen Lesung und Verkündigung.
- Erleichterung für Prediger: Obwohl die freie Predigtwahl in manchen Konfessionen geschätzt wird, bieten Perikopen den Predigern einen klaren Ausgangspunkt und Rahmen für ihre Predigten, was die Vorbereitung erleichtern kann. Sie stellen sicher, dass zentrale biblische Themen und Geschichten regelmäßig behandelt werden.
Häufig gestellte Fragen
Sind alle Evangelien Perikopen?
Nein. Die Evangelien sind vollständige biblische Bücher. Perikopen sind ausgewählte Abschnitte aus diesen Büchern (oder anderen Teilen der Bibel), die für die Lesung im Gottesdienst bestimmt sind. Ein Evangelium ist die Quelle, aus der Evangelienperikopen entnommen werden.
Warum gibt es verschiedene Perikopenordnungen?
Die verschiedenen Perikopenordnungen (z.B. katholisch, EKD, dänisch) spiegeln historische Entwicklungen, theologische Schwerpunkte und liturgische Traditionen der jeweiligen Konfessionen wider. Während alle das Ziel haben, das Wort Gottes im Gottesdienst zu verkünden, unterscheiden sie sich in der Auswahl der Texte, der Zykluslänge und der Gewichtung bestimmter biblischer Bücher oder Themen.
Was bedeutet „lectio continua“ und „lectio selecta“?
Lectio continua (fortlaufende Lesung) bezeichnet die alte Praxis, biblische Texte im Gottesdienst von Anfang bis Ende durchzulesen, ohne Unterbrechung oder Auswahl. Lectio selecta (ausgewählte Lesung) ist die spätere Entwicklung, bei der spezifische, thematisch passende Abschnitte (Perikopen) für den jeweiligen Gottesdienst oder Feiertag ausgewählt werden. Diese Umstellung erfolgte im Zuge der Entwicklung des Kirchenjahres.
Wird in jedem Gottesdienst eine Perikope gelesen?
In den meisten christlichen Gottesdiensten, insbesondere in katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirchen, ist die Lesung von Perikopen ein fester und zentraler Bestandteil der Liturgie. Sie bildet die Grundlage für die Predigt und die weitere liturgische Feier.
Gibt es Perikopen nur aus dem Neuen Testament?
Nein. Obwohl die Evangelienperikopen oft im Vordergrund stehen, umfassen Perikopenordnungen auch Abschnitte aus dem Alten Testament (oft als erste Lesung) und aus den Briefen der Apostel (Episteln, oft als zweite Lesung). Dies gewährleistet, dass die Gemeinde mit der gesamten Bandbreite der biblischen Offenbarung in Kontakt kommt.
Was ist der Unterschied zwischen einem Lektionar und einem Evangelistar?
Ein Lektionar ist ein umfassendes liturgisches Buch, das alle für das Kirchenjahr vorgesehenen Lesungen (Perikopen) enthält, also sowohl die aus dem Alten Testament und den Episteln als auch die aus den Evangelien. Ein Evangelistar ist hingegen ein spezialisiertes Lektionar, das ausschließlich die Evangelienperikopen für das Kirchenjahr enthält. Das Evangelistar ist also ein Teil des vollständigen Lektionars.
Fazit
Die Begriffe „Evangelium“ und „Perikope“ sind Fundamente des christlichen Gottesdienstes und des Verständnisses der Heiligen Schrift. Während die Evangelien die unteilbaren, kanonischen Bücher sind, die das Herz der Botschaft Jesu Christi bilden, sind Perikopen die sorgfältig ausgewählten Abschnitte, die diese Botschaft in einem strukturierten und thematisch relevanten Rahmen in den Gottesdienst tragen. Sie sind das Mittel, durch das die immense Fülle der biblischen Wahrheit in verdaulichen Portionen zugänglich gemacht wird, angepasst an die Rhythmen des Kirchenjahres.
Das Wissen um diese Unterscheidung bereichert das Gottesdiensterlebnis und vertieft das Verständnis für die liturgische Tradition. Es zeigt, wie die Kirche über Jahrhunderte hinweg das Wort Gottes bewahrt, interpretiert und für die Gläubigen lebendig gemacht hat. Die Perikopen sind somit nicht nur alte Texte, sondern lebendige Stimmen, die uns jede Woche aufs Neue einladen, der frohen Botschaft der Evangelien zu lauschen und sie in unserem Leben zu verankern.
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