27/02/2022
Die Frage nach der Beziehung zwischen Gott und den Menschen beschäftigt die Menschheit seit Anbeginn der Zeit. Wie kann der endliche, fehlbare Mensch eine Verbindung zu einem unendlichen, heiligen Gott herstellen? Die Bibel gibt uns eine klare und hoffnungsvolle Antwort: Es gibt einen Mittler. Diese Wahrheit ist nicht nur eine theologische Feinheit, sondern der Kern des christlichen Glaubens und die Grundlage unserer Hoffnung auf Versöhnung und ewiges Leben. Es ist eine Botschaft, die die gesamte menschliche Existenz, unsere Würde und unsere Bestimmung berührt.

Die menschliche Erfahrung ist geprägt von Unvollkommenheit und Fehlern. Wie es in Prediger 7:20 heißt: „Denn es ist kein Mensch so gerecht auf Erden, dass er nur Gutes tue und nicht sündige.“ Diese tiefe Erkenntnis der menschlichen Sündhaftigkeit ist entscheidend, um die Notwendigkeit eines Mittlers zu verstehen. Unsere Unfähigkeit, aus eigener Kraft Gottes Maßstäben gerecht zu werden, schafft eine Kluft, die nur von einer höheren Instanz überbrückt werden kann. Wir sind nicht in der Lage, uns selbst zu erlösen oder die Beziehung zu unserem Schöpfer wiederherzustellen.
Warum braucht der Mensch einen Mittler?
Die Bibel offenbart uns einen Gott, der heilig, gerecht und allmächtig ist. Gleichzeitig zeigt sie uns den Menschen als Geschöpf, das, obwohl nach Gottes Ebenbild geschaffen, durch den Sündenfall von seinem ursprünglichen Zustand der Vollkommenheit abgewichen ist. Diese Abweichung, die Sünde, hat eine Trennung zwischen Gott und Mensch bewirkt. Sünde ist nicht nur eine Verfehlung moralischer Regeln, sondern eine tiefe Entfremdung von Gott selbst, eine Rebellion gegen seine Autorität und seinen Willen. Ohne einen Mittler bliebe diese Trennung unüberwindbar, und der Mensch wäre auf ewig von seinem Schöpfer getrennt.
Die Notwendigkeit eines Mittlers ergibt sich aus der Gerechtigkeit Gottes. Gott kann Sünde nicht einfach ignorieren oder hinwegsehen. Seine Gerechtigkeit fordert Rechenschaft. Gleichzeitig ist Gott ein Gott der Liebe und Gnade, der sich nach einer Beziehung zu seinen Geschöpfen sehnt. Der Mittler ist die Lösung für dieses Dilemma: Er ist die Brücke, die Gottes Gerechtigkeit erfüllt und gleichzeitig seine Liebe zu den Menschen demonstriert. Er muss sowohl die menschliche als auch die göttliche Seite verstehen und repräsentieren können, um beide wieder zusammenzuführen.
Die Einzigartigkeit des Menschen in Gottes Schöpfung
Bevor wir den Mittler betrachten, ist es wichtig, die besondere Stellung des Menschen in Gottes Schöpfung zu verstehen. Der Mensch ist nicht einfach ein weiteres Geschöpf. 1. Mose 1, 26.27 sagt: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei... Und Gott schuf den Menschen, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib.“ Und in 1. Mose 2, 7 lesen wir: „Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“
Diese Passagen zeigen, dass Gott den Menschen in einer einmaligen und intimen Weise geschaffen hat. Er hat nicht nur gesprochen, wie bei den Tieren, sondern „selbst Hand angelegt“ und dem Menschen seinen eigenen Geist eingehaucht. Dies verleiht dem Menschen eine einzigartige Gottesähnlichkeit und eine besondere Beziehung zu seinem Schöpfer. Der Mensch ist eine Person mit „Ich-Bewusstsein“, Denk- und Reflexionsfähigkeit, Moral und einem Verständnis für seine Sterblichkeit – Eigenschaften, die kein Tier besitzt. Diese „Ebenbildlichkeit“ ist die Grundlage der menschlichen Würde. Wer sich an einem Menschen vergreift, vergreift sich am Ebenbild Gottes.
Die menschliche Bestimmung war es, Gottes Wesenseigenschaften wie Liebe, Treue, Gerechtigkeit, Geduld und Güte widerzuspiegeln und in Gemeinschaft mit Gott zu leben. Der Mensch wurde als Herr über Gottes Schöpfung gesetzt, um sie zu kultivieren und zu bewahren (1. Mose 1, 28; 2, 15). Er sollte Gottes Stellvertreter auf Erden sein und Verantwortung vor Gott tragen. Doch diese ursprüngliche Harmonie wurde durch den Sündenfall gestört.
Jesus Christus: Der Eine Mittler
Die zentrale Antwort auf die Frage nach dem Mittler finden wir in 1 Timotheus 2:5: „Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus.“ Dieser Vers ist der Dreh- und Angelpunkt der christlichen Heilslehre. Er benennt klar, wer dieser Mittler ist und warum er diese Rolle ausfüllen kann.
Jesus Christus ist einzigartig, weil er sowohl wahrer Gott als auch wahrer Mensch ist. Als Gott ist er in der Lage, Gottes heiligen Ansprüchen gerecht zu werden und die unendliche Kluft zwischen Gott und Mensch zu überbrücken. Als Mensch ist er in der Lage, sich mit unserer menschlichen Schwachheit, unseren Leiden und Versuchungen zu identifizieren, ohne selbst zu sündigen (Hebräer 4:15). Er versteht die menschliche Verfassung vollkommen.
Die Vermittlung geschieht durch sein Opfer am Kreuz. Durch seinen Tod hat Jesus die Strafe für die Sünden der Menschheit auf sich genommen. Er hat die Gerechtigkeit Gottes befriedigt und gleichzeitig den Weg zur Versöhnung geöffnet. Sein Tod war nicht nur ein tragisches Ereignis, sondern ein stellvertretendes Opfer, das die Beziehung zwischen Gott und Mensch wiederhergestellt hat. Durch seine Auferstehung hat er den Sieg über Sünde und Tod bewiesen und den Weg zum ewigen Leben für alle eröffnet, die an ihn glauben.
Jesus ist der einzige Mittler, weil nur er die notwendigen Voraussetzungen erfüllt. Kein Prophet, kein Engel, kein Heiliger und kein Mensch kann diese Rolle einnehmen, da niemand außer ihm sowohl sündlos göttlich als auch menschlich ist und die Macht hat, die Sünde zu besiegen. Er ist der „neue Adam“, der die Menschheit auf eine neue Grundlage stellt und die verlorene Ebenbildlichkeit Gottes wiederherstellt.
Das christliche Menschenbild im Kontrast
Das christliche Menschenbild, wie es die Bibel offenbart, steht in starkem Kontrast zu vielen anderen philosophischen und ideologischen Ansichten. Es ist entscheidend für unser Verständnis von uns selbst und unserer Beziehung zu Gott.
Das christliche Menschenbild besagt, dass der Mensch von Gott gut geschaffen wurde, aber durch seinen freien Willen gegen Gottes Gebot sündigte (Sündenfall) und dadurch im Herzen grundlegend schlecht und böse wurde. Dieser Hang zur Sünde („Ursünde“ oder „Erbsünde“) ist in jedem Menschen vorhanden, selbst in einem Christen. Das Eingeständnis dieser Wahrheit ist der erste Schritt zur Erlösung. Wer sein sündiges Wesen und seine einzelnen Sünden bekennt, dem vergibt und den erlöst der Herr Christus.
Im Gegensatz dazu stehen folgende Menschenbilder:
| Aspekt | Christliches Menschenbild | Humanistisches/Philosophisches Menschenbild | Ideologisches Menschenbild | Materialistisches Menschenbild |
|---|---|---|---|---|
| Ursprung | Von Gott nach seinem Ebenbild geschaffen, mit Geist und Seele. | Produkt der Evolution, ohne transzendente Bedeutung. | Produkt gesellschaftlicher/historischer Entwicklung. | Zufälliges Produkt biologischer/chemischer Prozesse. |
| Wesen | Geschaffen gut, aber durch Sünde verdorben; besitzt Würde durch Ebenbildlichkeit. | Grundlegend gut, vernunftbegabt, fähig zur Selbstvervollkommnung. | Formbar durch Erziehung und gesellschaftliche Umerziehung. | Bewertet nach Nützlichkeit und wirtschaftlichem Wert (Humankapital). |
| Problematik | Sünde als Trennung von Gott; bedarf der Erlösung durch Christus. | Unwissenheit, mangelnde Vernunft, soziale Missstände. | Feindliche Klassen, Unterdrücker, „Unbelehrbare“. | Ineffizienz, Kostenfaktor, mangelnder Profit. |
| Lösung | Gnade und Erlösung durch Jesus Christus; Erneuerung des Herzens. | Bildung, Aufklärung, soziale Reformen, Vernunft. | Revolution, Umerziehung, Beseitigung von Feinden. | Optimierung, Effizienzsteigerung, Selektion. |
| Ziel | Wiederherstellung der Beziehung zu Gott, ewiges Leben, Heiligkeit. | Autonome, selbstverwirklichte Person in einer harmonischen Gesellschaft. | „Neuer Mensch“ in einer utopischen Gesellschaftsordnung. | Maximierung des Gewinns, materieller Wohlstand. |
Humanisten und Philosophen glauben oft, der Mensch könne durch Vernunft und guten Willen zu einem „neuen, guten Menschen“ werden und so eine nahezu paradiesische Gesellschaft schaffen. Wenn dies nicht gelingt, resignieren sie oder versuchen unverdrossen weiter zu argumentieren.
Ideologen hingegen, wenn sie Widerstände erleben, identifizieren „feindliche Gruppen“ (Klassenfeinde, Volksfeinde), die rücksichtslos bekämpft werden müssen. Die Rechte des Einzelnen treten hinter den Interessen des Kollektivs zurück. Beispiele wie die französische, russische, chinesische und kambodschanische Revolution sowie faschistische Regime zeigen, wie der Weg zum „irdischen Paradies“ in eine „irdische Hölle“ führen kann, wenn menschliche Ideologien absolute Macht erhalten.

Ebenso menschenverachtend ist die sozial-darwinistische Sicht, die nur dem Stärkeren ein Recht in der Gemeinschaft zugesteht und Mitleid als Fortschrittshemmer ablehnt. Das materialistische Denken bewertet den Menschen nach seinem finanziellen Nutzen. All diese Ansichten widersprechen dem biblischen Bild, das jedem Menschen, unabhängig von Nutzen oder Stärke, unschätzbare Würde und Wert vor Gott zuspricht.
Die Bedeutung der Erlösung und Erneuerung
Trotz der Sünde ist dem Menschen das Gewissen geblieben, auch wenn es „gebrochen“ und nicht mehr absolut an Gottes Willen orientiert ist. Es dient als kritischer Spiegel unseres Verhaltens, als Ratgeber und Rufer zur Buße. Gottes Geist spricht mahnend und einladend zu diesem Gewissen. Der Mensch ahnt mit seinem Gewissen etwas vom guten Gott, von Gut und Böse, von seiner Verantwortung und der Notwendigkeit, Rechenschaft abzulegen. Er hat eine Sehnsucht nach einer „heilen Welt“ und eine vage Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod.
All diese Sehnsüchte und Hoffnungen werden in Jesus Christus erfüllt und geschenkt. Durch sein Kreuzesopfer erhalten wir Vergebung unserer Sünden und die Verheißung der Auferstehung ins ewige Leben. Christ-sein bedeutet, unter der Vergebung und Verheißung Jesu Christi zu leben. Er ist der „neue Adam“, der wahre Mensch und zugleich das wahre Bild Gottes. Durch seine Erlösung gewinnen wir die verlorene volle Ebenbildlichkeit wieder zurück – hier auf Erden stückweise, vollkommen dann in der Ewigkeit.
Die Erneuerung, von der 2 Korinther 4:16 spricht – „wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert“ – ist ein fortlaufender Prozess. Sie geschieht durch den Glauben an Christus und das Wirken des Heiligen Geistes in uns. Diese Erneuerung ermöglicht es uns, wieder mehr von Gottes Wesen zu widerspiegeln und in einer tieferen Beziehung zu ihm zu leben, auch wenn die Sünde in dieser Welt noch präsent ist.
Verantwortung und Freiheit des Menschen
Der Mensch trägt als Gottes Stellvertreter auf Erden eine immense Verantwortung für die Schöpfung und für seine Mitmenschen. Im Paradies hatte er einen völlig freien Willen. Nach dem Sündenfall ist diese Freiheit in geistlichen Dingen eingeschränkt; der Mensch ist auf Gottes Gnade angewiesen. In weltlichen Dingen hat er jedoch weiterhin Entscheidungs- und Handlungsfreiheit.
Die Bibel lehrt uns, dass wir nicht fatalistisch sein sollen. Wir sollen uns aus christlicher Verantwortung und Liebe heraus bemühen, gerecht, verantwortungsvoll, verständnisvoll und liebevoll gegenüber unseren Mitmenschen zu sein. Nächstenliebe ist ein zentrales Gebot Christi. Doch wir dürfen uns keiner Illusion hingeben, dass wir uns oder andere grundlegend zu einem völlig anderen Menschentyp verändern könnten, der frei von der Ursünde ist. Wir können die Sünde im Privaten und im Staat eindämmen und das Gute fördern, aber wir können nicht alle Bosheit und Sünde aus der Welt schaffen. Dazu wird Christus wiederkommen.
In der gefallenen Welt sind Ordnungen und Autoritäten notwendig, um den Einzelnen und die Gemeinschaft zu schützen. Dazu gehören Gesetze, Staat, Militär und Polizei. Diese dienen als „Zaun“, der die Menschen voreinander und vor sich selbst schützt. Würden alle Ordnungen aufgelöst, wie es manche Schwärmer oder Anarchisten fordern, würde dies im Chaos und Faustrecht enden, wie Bürgerkriege und Revolutionen deutlich zeigen.
Gegenwärtige politische Strömungen, die versuchen, Menschen zu „neuen Werten“ und „neuen Menschen“ für eine „neue Gesellschaft“ zu erziehen, die sich von christlichen Botschaften und biblischer Ethik distanziert, müssen kritisch hinterfragt werden. Sie zielen auf eine „Transformation der Gesellschaft“ basierend auf einer selbst gegebenen, wandelbaren Humanität. Christen, die sich weiterhin an Gottes Wort orientieren, werden dabei oft ausgegrenzt, da sie diesem neuen Gesellschaftsentwurf im Wege stehen. Doch das christliche Menschenbild bleibt standhaft: Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes, sündig, aber erlösbar durch den einen Mittler, Jesus Christus.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Jesus der einzige Weg zu Gott?
Ja, laut 1 Timotheus 2:5 ist Jesus Christus der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen. Er selbst sagte in Johannes 14:6: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Dies liegt an seiner einzigartigen Stellung als wahrer Gott und wahrer Mensch, der die Sünde der Welt gesühnt hat.
Was bedeutet es, dass der Mensch Gottes Ebenbild ist?
Das bedeutet, dass der Mensch mit bestimmten Eigenschaften ausgestattet wurde, die Gott widerspiegeln, wie Vernunft, Moral, Kreativität, die Fähigkeit zu Beziehungen und zur Gemeinschaft. Es verleiht dem Menschen eine einzigartige Würde und einen Wert, der unabhängig von Leistung oder Nützlichkeit ist. Obwohl dieses Ebenbild durch die Sünde verzerrt wurde, kann es durch die Erlösung in Christus wiederhergestellt werden.
Kann der Mensch aus eigener Kraft gut werden?
Nein. Die Bibel lehrt, dass der Mensch durch den Sündenfall grundlegend verdorben ist und aus eigener Kraft nicht die Gerechtigkeit Gottes erfüllen kann. Prediger 7:20 sagt, dass kein Mensch nur Gutes tut und nicht sündigt. Die Fähigkeit, wieder „gut“ zu werden und eine Beziehung zu Gott zu haben, ist allein ein Geschenk der Gnade Gottes durch Jesus Christus.
Warum ist die Sünde so ein großes Problem?
Sünde ist mehr als nur ein Fehler; sie ist eine Rebellion gegen den heiligen Gott und trennt den Menschen von ihm. Sie verletzt Gottes Charakter und seine Ordnung. Da Gott gerecht ist, kann er Sünde nicht ungestraft lassen. Die Sünde hat weitreichende Konsequenzen für die menschliche Existenz, einschließlich des Todes und der Trennung von Gott.
Wie kann ich die Erlösung durch Jesus Christus erfahren?
Die Erlösung wird durch den Glauben an Jesus Christus empfangen. Dies bedeutet, dass man seine Sünden bekennt, Buße tut (sich von der Sünde abwendet) und Jesus als Herrn und Retter annimmt. Durch den Glauben an sein stellvertretendes Opfer am Kreuz wird man von der Schuld der Sünde befreit und erhält die Verheißung des ewigen Lebens und eine erneuerte Beziehung zu Gott.
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