Wie entstand die Heilwirkung des Atems?

Die Heilkraft des Atems: Eine Reise durch Zeit und Seele

23/05/2024

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Der Atem. Er ist so allgegenwärtig und doch so oft unbemerkt. Wir atmen ein, wir atmen aus, Sekunde für Sekunde, Tag für Tag. Doch weit über die bloße Sauerstoffversorgung hinaus birgt der Atem eine tiefgreifende, heilende Kraft, die seit Jahrtausenden von Kulturen und Religionen weltweit erkannt und genutzt wird. Er ist nicht nur ein physiologischer Vorgang, sondern ein Tor zu unserem innersten Wesen, zu unserer Seele und zu einer tiefen Verbindung mit dem Göttlichen. Wie die alten Weisheiten und moderne Erkenntnisse zeigen, kann der bewusste Umgang mit dem Atem unser Leben fundamental verändern und heilen.

Wie entstand die Heilwirkung des Atems?
Auch im alten Ägypten und in Griechenland nutzten die Menschen die leiblich-geistige Heilwirkung des Atems schon vor mindestens 4000 Jahren. Ägyptische Grabinschriften berichten von der wundersamen „Heilkunst mit dem Atem“, die jenen mit „dem Messer“ oder mit „Pflanzensaft“ überlegen sei. Für die Ägypter der „Königsweg“ zur Heilung.

Die Erkenntnis, dass der Atem mehr ist als nur Luftaustausch, ist keineswegs neu. Schon vor über 4000 Jahren wurde seine heilende Wirkung in den Hochkulturen des Altertums geschätzt und praktiziert. Im alten Ägypten beispielsweise berichteten Grabinschriften von der „Heilkunst mit dem Atem“, die als überlegen gegenüber den Methoden mit dem Messer oder Pflanzensaft galt. Für die Ägypter war dies der „Königsweg“ zur Heilung – ein Hinweis auf die immense Bedeutung, die dem Atem in ihrer Medizin und Spiritualität beigemessen wurde. Es war eine Kunst, die den ganzen Menschen, Körper und Geist, umfasste.

Ähnlich verhielt es sich im antiken Griechenland, wo in den sogenannten Pneuma-Schulen spezielles Wissen über richtiges Atmen und Atemtechniken weitergegeben wurde. Dieses geheime Wissen war vornehmlich jungen, besonnenen Männern vorbehalten, um ihre geistige und körperliche Entwicklung sowie Reifung zu fördern. Der Begriff Pneuma, der hier eine zentrale Rolle spielte, umfasste dabei nicht nur die Bedeutung von Luft, sondern auch von Seele und Geist zugleich. Dies unterstreicht die holistische Sichtweise, die den Atem als Bindeglied zwischen physischer Existenz und transzendenter Wirklichkeit verstand.

Inhaltsverzeichnis

Der Atem als göttliches Lebensprinzip in den Weltreligionen

Die spirituelle Dimension des Atems zieht sich wie ein roter Faden durch die großen Weltreligionen und philosophischen Traditionen. Überall wird der Atem als Ausdruck des Göttlichen, als Quelle des Lebens und als Medium der Verbindung zum Transzendenten verstanden. Die Bibel, der Koran, hinduistische Schriften und buddhistische Lehren – sie alle weisen auf die lebendig machende und heilige Wirkung des Atems hin.

Im Christentum beginnt die Geschichte des Atems bereits in der Schöpfungsgeschichte des ersten Buches Mose, wo Gott dem aus Erde geformten Adam den „Lebensodem“ einhaucht. Der evangelische Theologe Gerhard-Marcel Martin erklärt, dass der Atem nicht nur eine lebenweckende Kraft ist, sondern auch ein Synonym für den beseelten Menschen, erfüllt vom Heiligen Geist, der sich ausbreiten und in andere eindringen kann. Ein weiteres eindrucksvolles Beispiel findet sich im Johannesevangelium, wo Jesus seine Jünger anhaucht und spricht: „Empfangt Heiligen Geist.“ Dies verdeutlicht die Weitergabe von Leben in Leiblichkeit und Geistigkeit, die untrennbar miteinander verbunden sind.

Auch andere Religionen kennen den Atem als heilige Lebenskraft:

Religion/TraditionBegriff für Atem/LebenskraftBedeutung/Zusammenhang
JudentumRuach Eloim„Gotteswind“ oder „Geist Gottes“, die schöpferische und lebensspendende Kraft.
IslamNaf (Nafas)Naf steht für Seele und Geist, sprachverwandt mit Nafas (Atem). Der Atem als Ausdruck der Seele.
HinduismusAtman oder PranaAtman ist die individuelle Seele, das Selbst; Prana ist die universelle Lebensenergie. Mit Atemübungen (Pranayama) soll der Geistkörper vom materiellen Körper „herausgefiltert“ werden, um höhere Bewusstseinszustände zu erreichen.
BuddhismusQiEin Begriff aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), der reine göttliche Lebensenergie bedeutet. Ein freier Fluss des Qi fördert Wohlbefinden und beugt Krankheiten vor.
Altes Ägypten– (nicht spezifisch genannt)„Heilkunst mit dem Atem“ als „Königsweg zur Heilung“, überlegen anderen Methoden.
Antikes GriechenlandPneumaLuft, Seele und Geist zugleich; zentral für körperliche und geistige Entwicklung.

Im Hinduismus beispielsweise beschreiben Verse aus dem Atharvaveda die Verehrung des Atems: „Dem Atem sei Verehrung, in dessen Macht dies All steht, der als Herr des Alls wurde, auf den alles gestützt ist.“ Im Buddhismus zeigen über 2500 Jahre alte Tuschezeichnungen chinesische Mönche bei atemgymnastischen Übungen, die nicht nur der Gesunderhaltung dienen, sondern auch eine Kommunikation mit den kosmischen Kräften ermöglichen. Buddha selbst lehrte: „So du zerstreut bist, lerne auf den Atem achten.“

Atempausen für die Seele im modernen Alltag

Trotz dieser tiefen historischen und religiösen Wurzeln ist die bewusste Arbeit mit dem Atem im modernen Alltag oft in Vergessenheit geraten. Dabei bieten spezielle Atemseminare und -schulungen eine wertvolle Möglichkeit, diese alte Weisheit neu zu entdecken. Das Kloster Gerleve ist ein Ort, an dem Menschen diese Erfahrung machen können. Hier findet unter der Leitung der Bewegungs- und Atemlehrerin Marie-Teres Smid ein besonderer Kurs statt, der den Atem in den Mittelpunkt stellt. Leiter Andreas Geilmann betont, dass das Haus Ludgerirast, das vor 20 Jahren mit Zen-Meditation und Atemübungen begann, eine „Oase“ sein möchte, in der Menschen frei atmen können – sowohl in Bezug auf die Luftqualität als auch auf ihr Inneres. Das Ausatmen wird hier als Akt der Erleichterung und Befreiung erfahren.

Eine persönliche und tiefgreifende Erfahrung mit der Kraft des Atmens machte auch der Schweizer Pfarrer und Theologe Pierre Stutz. Nach einem körperlichen und seelischen Zusammenbruch, einem Burnout mit 38 Jahren, entdeckte er die heilende Wirkung des bewussten Atems. „Was ich mir mit sehr viel Willenskraft aufgebaut habe, wie ein Kartenhaus zusammengebrochen“, erzählt er. Erst da merkte er, dass er nur bis zum Brustraum geatmet hatte, ohne jemals tief in den Bauch zu atmen. Seine Erfahrung lehrt, dass selbst tief verankerte spirituelle Texte wie die Pfingstsequenz „Atme in uns, Heiliger Geist“ oft nicht mit der konkreten körperlichen Erfahrung des Atems in Verbindung gebracht werden. Heute hält Pierre Stutz europaweit Vorträge über „Atempausen für die Seele“ und schreibt Bücher darüber.

Auch im hektischen Arbeitsalltag, wie im Altenheim, kann die bewusste Nutzung des Atems Wunder wirken. Wenn Bewohner unruhig sind oder Angst haben, hilft es ihnen, die Hand bewusst auf die Brust zu legen und den eigenen Atem zu spüren. „Wenn ich mich auf meinen Körper konzentriere und auf den Atem, komme ich dann auch unweigerlich zu meinem seelisch-geistigen Innenleben. Und das, was mich beschäftigt, belastet, wird wichtiger“, so die Erkenntnis. Diese einfachen Praktiken zeigen, wie zugänglich und wirksam die Atemarbeit im Alltag sein kann.

Medizinische und psychologische Perspektiven auf den Atem

Die heilende Wirkung des Atems ist nicht nur eine spirituelle oder philosophische Angelegenheit, sondern lässt sich auch medizinisch und psychologisch nachweisen. Der Arzt und Atemlehrer Volkmar Glaser wies bereits ab den 1940er-Jahren in zahlreichen Untersuchungen auf den neurophysiologischen Zusammenhang zwischen Atem und der seelisch-geistigen Befindlichkeit einerseits und der Nerven-, Muskel- und Gefäßspannung andererseits hin. Eine Erkenntnis, die von der Schulmedizin bedauerlicherweise immer noch weitgehend ignoriert wird. Glaser sah Atemlehrer, die er als Pneopäden bezeichnete, nicht als Kämpfer gegen Krankheit, sondern als Wegbereiter zur Gesundheit. Er ordnete seine Erkenntnisse klar dem Bereich der Gesundheitsvorsorge und -fürsorge zu.

Regina Hömberg, eine Atemtherapeutin, die Glaser persönlich kannte, bestätigt dessen Ansätze: „Glaser ging ganz stark davon aus, dass die Selbstregulierung, also die Tonusregulierung, vorrangig durch den Atem induziert, dann gut funktioniert, wenn ich in einem guten Kontakt zur Welt bin. Vorrangig natürlich zu anderen Menschen, aber auch zur dinglichen Welt.“ Dies unterstreicht die Bedeutung des Atems als Brücke zwischen dem Individuum und seiner Umwelt.

Der Internist und emeritierte Hochschulprofessor Wolfram Schüffel machte ähnliche Beobachtungen als junger Stationsarzt. Er bemerkte, wie ängstlich Patienten, besonders im Nachtdienst, auf ihren Atem achteten. Er erkannte, dass bei vielen Störungen – sei es Asthma, Herzinfarkt, Krebs, funktionelle Herzstörungen, Bauchschmerzen oder Schwindel – die genaue Klärung, wie ein Mensch atmet, ihm helfen kann, zu sich selbst zu finden. Schüffel ist fasziniert von der therapeutischen Kraft des Atmens auf Leib und Seele und lädt regelmäßig Ärzte und Theologen zu Gesprächskreisen ein, um sich über den Atem als Heilmittel und zentrale Säule der Gesundheitsvorsorge auszutauschen.

Martin Grabe, Vorsitzender der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, bedauert, dass der Atem in der heutigen Psychotherapie und Psychosomatik oft eine untergeordnete Rolle spielt. Obwohl er essentiell für Entspannungstechniken und in Krisensituationen ist, sei er „ein bisschen aus dem Blick geraten“. Dabei wurde bereits 1962 auf einer Jahrestagung der Gesellschaft Arzt und Seelsorger betont, dass seelische Reifung und Wandlung nicht nur über die rein geistige Seite, sondern auch und gerade über das Körperempfinden mithilfe des Atmens erzielt werden kann.

Atem und Spiritualität in der christlichen Praxis

Auch in der klösterlichen Praxis des Christentums ist der Atemvorgang, das bewusste Ein- und Wiederausatmen und die Atempause, ein höchst spiritueller Moment. Die Mystikerin Hildegard von Bingen fasste es prägnant zusammen: „Mein Atem ist mein Gebet!“ Der Mitbegründer der Gesellschaft Jesu, Ignacio von Loyola, empfahl, Gebetstexte nur „atmend“ zu beten. Gerhard-Marcel Martin erklärt dazu: „Gerade in der mönchischen Praxis, aber auch allgemein in der spirituellen Praxis: Atemtechniken. Manifest ganz stark zum Beispiel im Herzensgebet. Da ist das Ein- und Ausatmen verbunden mit 'Herr Jesus Christus erbarme dich mein'.“ Loyola schlug sogar vor, beim Vater Unser nach jedem Wort einmal ein- und auszuatmen, um eine Verlangsamung und Verlebendigung des Textes zu erreichen, eine körperliche Realisierung des Gebets.

Ein weiteres Beispiel sind die byzantinisch-orthodoxen Berg-Athos-Mönche im 14. Jahrhundert, die beim Beten des Herzens- oder Jesus-Gebets gezielt Atemtechniken als Teil ihrer hesychastischen Lehre anwandten. Diese besondere Form spiritueller Praxis zielte darauf ab, völligen Seelenfrieden zu erlangen und göttliche Gnade erlebbar zu machen. Atemtherapeutin Regina Hömberg meint, dass der Atem „die Verbindung ist von innen nach außen. Vom Stofflichen ins Nicht Stoffliche. Er wirkt in die Transzendenz.“ Sie betont auch die unglaubliche Wirkkraft des Atems im Singen, was die gemeinsame Tradition des Singens in den meisten Religionen erklärt. Medizinisch nachweisbar harmonisiert Singen den Atemfluss und entspannt den ganzen Körper. Insbesondere der Laut „OM“ oder das gesummte „M“ regen durch die Vibration des Stimmapparats das Herz-Kreislauf-System an, lösen muskuläre Verspannungen, öffnen die Luftwege, vermindern Stresshormone und fördern das allgemeine Wohlbefinden.

Die Herausforderung des „Sich-Atmen-Lassens“

Obwohl der Atem ein zutiefst passiver Vorgang ist, der vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird und keiner willentlichen Kontrolle unterliegen muss oder soll, haben viele Menschen das „Sich-Atmen-Lassen“ verlernt. Atemtherapeuten weisen darauf hin, dass ein „gesundes Atmen“ ein Loslassen bedeutet – ein Atem, der ganz von selbst kommt und wieder geht, ein ständiges Werden und Vergehen. Doch gerade das natürliche Atmen fällt vielen Zeitgenossen immer schwerer. Sie kontrollieren ihren Atem bewusst und sind zu sehr im Einatmen, im „Konsumieren“ des Atems, verhaftet, wie Atempädagogen und Theologen wie Gerhard Eberts feststellen.

Gerhard Eberts, Pfarrer an der Katholischen Hochschulgemeinde in Augsburg, lernte dies in Verbindung mit der orthodoxen Kirche kennen: „Die sagen: 'Ihr westlichen, Katholiken Protestanten, Ihr seid aufs Einatmen ausgerichtet, Ihr wollt immer haben, immer noch mehr, auch in Eurem Gottesdienst. Wir sind mehr die Kirche des Ausatmens.'“ Wenn man dies übt, so Eberts, wird das Gebet nicht zu einem Fordern, sondern zu einem Vertrauen. Ein hektischer, unnatürlicher und willentlicher Atemrhythmus schadet nicht nur dem Wohlbefinden, sondern kann krank machen. Ist der Kontakt zu sich und anderen gestört, verändert sich auch der Atem und damit körperliche Prozesse.

Atem als Weg zur Selbstverantwortung und Verbindung

Die mit dem Atmen verbundene spirituelle Dimension kann auch als Weg bezeichnet werden, mit jedem Atemzug sich der Verantwortung für sich und andere bewusst zu werden. Während das Einatmen das Aufnehmen der Welt in sich symbolisiert – denn Gott hat mit seinem Atem dem Menschen nicht nur Leben, sondern auch „Sein Wort“ und seine Welt eingehaucht – steht das Ausatmen für das Abgeben, Sich-Hingeben für und in dieser Welt, damit Neues entstehen kann. Wolfram Schüffel betont: „Die Theologie hätte eine große Chance, nähme sie die Arbeit mit dem Körper wahr. An den Stellen hab ich immer wieder beobachtet, wo sie den Körper ganz fest in ihr Arbeitsprogramm einbezieht, wird dieser zum Leib, was wir als holistisch arbeitende, psychosomatisch arbeitende Ärzte ansteuern.“

Goethes berühmtes Gedicht fasst die Dualität des Atems und des Lebens zusammen: „Im Atemholen sind zweierlei Gnaden: Die Luft einzuziehen, sich ihrer entladen; Jenes bedrängt, dieses erfrischt; So wunderbar ist das Leben gemischt. Du danke Gott, wenn er dich presst, Und dank ihm, wenn er dich wieder entlässt.“ Was hier metaphorisch klingt – der den ganzen Körper durchfließende Atem und die damit einhergehende unmittelbar erfahrbare innige Verbindung zur Schöpfung – gehört für andere in den Bereich der Esoterik. Es ist wichtig, die genuine spirituelle Dimension von pseudoreligiösen Strömungen zu unterscheiden, wie sie Anfang des 20. Jahrhunderts, beispielsweise durch die Mazdaznan-Bewegung, entstanden. Karoline von Steinäcker, die die Geschichte der Atemkultur erforscht hat, weist darauf hin, dass diese Bewegungen oft Allmachtsphantasien weckten und Menschen in eine esoterische Ecke drängten. Das bewusste Atmen ist jedoch keine exklusive Lehre, sondern ein universelles Prinzip der Lebendigkeit.

Gerhard-Marcel Martin resümiert: „Der ganze Atem ist ja von Kindesbeinen an ein autonomes Zentrum und da Bewusstsein reinzubringen ist gerade in unserer Spätzivilisation ein absolut notwendiger Schritt. Atem wirklich, von der Grunddimension her, ohne jetzt fromm zu werden, ein Hin und Her ist. Ein Kommen und Gehen, ein Nehmen und Geben. Ich mache viel mit meinem Körper, Körperübungen, aber das Stimmen des 'Instruments' geht nur über den Atem.“ Die Wiederentdeckung des Atems ist somit eine Rückbesinnung auf ein fundamentales Lebensprinzip, das uns hilft, in einer komplexen Welt wieder zu uns selbst zu finden und unsere Gesundheit auf allen Ebenen zu fördern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Heilkraft des Atems

Was ist die Heilkraft des Atems?

Die Heilkraft des Atems bezieht sich auf die vielfältigen positiven Auswirkungen, die bewusste Atemtechniken auf körperliches, seelisches und geistiges Wohlbefinden haben können. Dies reicht von der Reduzierung von Stress und Angst über die Verbesserung körperlicher Funktionen bis hin zur Förderung tiefer spiritueller Erfahrungen und Selbstfindung.

Wie kann ich meinen Atem bewusst nutzen?

Bewusstes Atmen beginnt mit der Achtsamkeit für den eigenen Atemfluss. Dies kann durch einfache Übungen geschehen, wie das bewusste Spüren des Atems im Bauchraum, das Verlangsamen des Ein- und Ausatmens oder das Einlegen kurzer Atempause. Seminare und Kurse, wie sie in Klöstern oder von Atemlehrern angeboten werden, können Anleitung und tiefere Techniken vermitteln.

Ist Atemtherapie wissenschaftlich anerkannt?

Die medizinische Forschung erkennt zunehmend die positiven Effekte von Atemübungen an, insbesondere im Bereich der Stressreduktion, bei Angststörungen, Schlafproblemen und bestimmten körperlichen Beschwerden. Während spezielle Atemtherapien noch nicht flächendeckend in der Schulmedizin verankert sind, zeigen Studien den neurophysiologischen Zusammenhang zwischen Atem, Psyche und Körperfunktionen deutlich auf.

Welche Rolle spielt der Atem in verschiedenen Religionen?

In vielen Religionen wird der Atem als göttliches Lebensprinzip verstanden. Im Christentum ist er der „Lebensodem“ Gottes und der „Heilige Geist“. Im Judentum ist es „Ruach Eloim“, der Gotteswind. Im Hinduismus „Prana“ oder „Atman“, die universelle Lebensenergie. Im Buddhismus und der TCM ist es „Qi“, die reine Lebensenergie. Überall dient der Atem als Medium zur Verbindung mit dem Transzendenten und zur Förderung von innerem Frieden und Gesundheit.

Was bedeutet „Sich-Atmen-Lassen“?

„Sich-Atmen-Lassen“ ist ein Konzept, das die passive, autonome Natur des Atmens betont. Es bedeutet, den Atem nicht willentlich zu kontrollieren oder zu „konsumieren“, sondern ihn frei und natürlich fließen zu lassen. Dies ist ein Zeichen für inneres Loslassen und Vertrauen, das im modernen, oft überkontrollierten Alltag vielen Menschen schwerfällt, aber für ein gesundes Atemmuster essenziell ist.

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