20/02/2023
Das Matthäusevangelium, oft einfach als „Matthäus“ bezeichnet, ist das erste der vier kanonischen Evangelien im Neuen Testament der christlichen Bibel und trägt den griechischen Namen euangélion katà Matthaĩon, was „Gute Botschaft gemäß Matthäus“ bedeutet. Es ist ein fundamentales Werk, das den Leser in die Lebensgeschichte Jesu Christi einführt, wobei ein besonderer Fokus auf seiner Rolle als der verheißene Messias und König Israels liegt. Aufgrund seiner vielen Parallelen mit dem Markus- und dem Lukasevangelium wird es zu den Synoptischen Evangelien gezählt, die eine ähnliche Erzählstruktur und einen ähnlichen Inhalt aufweisen.

Während die Frage nach den genauen Unterschieden zwischen dem Matthäusevangelium und dem Markusevangelium häufig gestellt wird, ist es wichtig zu beachten, dass eine detaillierte vergleichende Analyse Informationen über beide Evangelien erfordert. Da uns hier umfangreiche Informationen zum Matthäusevangelium vorliegen, werden wir uns primär auf dessen einzigartige Merkmale konzentrieren. Diese detaillierte Betrachtung des Matthäusevangeliums wird dem Leser ermöglichen, seine Besonderheiten zu erkennen, die es von anderen biblischen Berichten abheben und somit indirekt eine Basis für zukünftige Vergleiche schaffen.
- Der Verfasser: Apostel oder anonymer Schreiber?
- Die Datierung des Matthäusevangeliums
- Der Entstehungsort: Syrien im Fokus
- Besonderheiten des Matthäusevangeliums
- Inhaltsübersicht des Matthäusevangeliums
- Wichtige Stellen und theologische Schwerpunkte
- Jesus Christus – der König Israels
- Jesus Christus und das „Reich der Himmel“
- Jesus Christus und die Versammlung (Gemeinde/Kirche)
- Jesus Christus – die Erfüllung vieler alttestamentlicher Weissagungen
- Jesus Christus – seine fünf großen Reden
- Das Matthäusevangelium im Vergleich zum Markusevangelium
- Häufig gestellte Fragen zum Matthäusevangelium
- Wer ist der Schreiber dieses Evangeliums? Warum hat Gott gerade ihn ausgewählt?
- Unter welchem Blickwinkel wird der Herr Jesus in diesem Evangelium gezeigt?
- Welche „Struktur“ hat dieses Evangelium? Warum muss das so sein?
- Warum bezieht sich Matthäus besonders oft auf das Alte Testament?
- Warum führt gerade er die Versammlung (Gemeinde/Kirche) ein?
Der Verfasser: Apostel oder anonymer Schreiber?
Die altkirchliche Überlieferung, gestützt durch Zeugnisse von Papias, Irenäus, Tertullian, Origenes und Eusebius von Cäsarea, identifiziert den Apostel Matthäus, den ehemaligen Zöllner, als den Verfasser dieses Evangeliums. Es wurde angenommen, dass er sein Evangelium ursprünglich in Aramäisch verfasst und es speziell für gläubige Juden geschrieben hat. Sein hebräischer Name Mattatjahu (kurz Mattatja) ist hier von Bedeutung.
In der modernen Bibelwissenschaft wird die Autorschaft des Apostels Matthäus jedoch oft bezweifelt, insbesondere unter Berufung auf die sogenannte Zweiquellentheorie der synoptischen Evangelien. Diese Theorie legt nahe, dass Matthäus und Lukas Material aus dem Markusevangelium (und einer hypothetischen Logienquelle Q) verwendet haben. Kritiker argumentieren, ein Apostel als Augenzeuge hätte das Material eines Nicht-Apostels wie Markus wohl kaum als Primärquelle genutzt. Zudem wird vermutet, dass Papias' Erwähnung der von Matthäus niedergeschriebenen Logia sich nicht auf das Evangelium selbst, sondern auf die Logienquelle Q bezieht. Es ist wichtig zu betonen, dass die Existenz einer Logienquelle Q oder eines hebräischen Urevangeliums bisher nicht durch Manuskriptfunde nachgewiesen wurde.
Dennoch gibt es Theologen, die auch heute am Apostel Matthäus als Verfasser festhalten. Sie verweisen auf die konsistente altkirchliche Überlieferung und die Tatsache, dass alle überlieferten Handschriften ausnahmslos Matthäus als Autor nennen. Ferner halten sie die These, dass ein anonymer Verfasser sich den Apostelnamen Matthäus ausgesucht hätte, um seiner Schrift Autorität zu verleihen, für wenig plausibel, da die damalige Gemeinde einen anonymen Verfasser wohl kaum anerkannt hätte.
Die Datierung des Matthäusevangeliums
Die Datierung des Matthäusevangeliums ist Gegenstand intensiver religionsgeschichtlicher Diskussionen, da nur wenige eindeutige Hinweise existieren. Die Kirchenväter neigten dazu, Matthäus als das erste Evangelium anzusehen. Die moderne Forschung konzentriert sich auf zwei Kernfragen:
- Konnte Jesus die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. prophezeien, oder konnte der Autor diese Vorhersage erst nach 70 n. Chr. Jesus zuschreiben?
- Konnte Jesus die Entstehung einer Kirche voraussehen?
Die Beantwortung dieser Fragen beeinflusst die Datierung erheblich. Die meisten Theologen datieren das Matthäusevangelium mehrheitlich zwischen 60 und 80 n. Chr., wenn sie die Prophezeiungen und die Erwähnung der Kirche als prä-70 n. Chr. interpretieren. Wenn dies verneint wird, wird es später, zwischen 80 und 100 n. Chr., angesetzt. Im Rahmen der Zweiquellentheorie, die das Markusevangelium auf etwa 70 n. Chr. datiert, müsste Matthäus folglich später entstanden sein. Sollte ein aramäischer Urmatthäus existiert haben, würde dessen Entstehung sogar noch früher, möglicherweise Mitte der fünfziger Jahre, anzusetzen sein, gefolgt von der späteren griechischen Übersetzung. Die frühe Rezeption des Matthäusevangeliums, das bereits im frühen 2. Jahrhundert von Ignatius von Antiochia zitiert wurde und in den Schriften der Kirchenväter häufiger als andere Evangelien erscheint, unterstreicht seine Bedeutung und frühe Verbreitung.
Der Entstehungsort: Syrien im Fokus
Vieles deutet auf Syrien als Entstehungsort des Matthäusevangeliums hin. Hinweise darauf finden sich in den Textstellen 4,24 LUT und 2,23 LUT, die „Nazoräer“ als Selbstbezeichnung der Christen in Syrien erwähnen. Auch die Vokalisation von ῥακά (raká) in 5,22 LUT (Tor; Trottel) deutet auf eine syrische Prägung hin. Die Bekanntheit des Evangeliums sowohl mit Markus als auch mit der Logienquelle Q sowie mit sehr altem Sondergut spricht für eine Region, in der verschiedene Traditionen zusammenflossen. Die Bezeugung durch die Didache und die Präsenz gemischter Gemeinden mit einem starken judenchristlichen Anteil sowie ein erheblicher jüdischer Bevölkerungsanteil stützen diese Annahme. Innerhalb Syriens sind Antiochia oder Damaskus als mögliche Entstehungsorte denkbar.
Besonderheiten des Matthäusevangeliums
Das Matthäusevangelium zeichnet sich durch mehrere einzigartige Merkmale aus, die es von den anderen Evangelien abheben:
- Jesus als Messias der alttestamentlichen Prophetie: Das Alte Testament wird in Matthäus häufiger zitiert als in den anderen Evangelien. Dies dient dazu, Jesus von Nazaret als den verheißenen Messias zu präsentieren, der die Erwartungen und Vorhersagen der hebräischen Schriften erfüllt.
- Zielgruppe Judenchristen: Das Evangelium wendet sich in erster Linie an Judenchristen. Dies zeigt sich in der Verwendung aramäischer Wörter, der Darstellung vieler Diskussionen über das mosaische Gesetz und pharisäische Traditionen sowie in der detaillierten Genealogie Jesu, die bis zu Abraham zurückreicht.
- Eschatologisches Interesse: Matthäus zeigt ein besonderes Interesse an der Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen). Die Reden über die Endzeit sind ausführlicher als im Markusevangelium und enthalten entscheidende eschatologische Aussagen und Gleichnisse.
- Betonung der Lehre Jesu: Während das Markusevangelium mehr Gewicht auf Jesu Handeln legt, betont das Matthäusevangelium die Lehre Jesu. Erzählende Abschnitte sind oft kürzer gehalten, um Raum für die fünf großen Reden Jesu zu schaffen, von denen die Bergpredigt die bekannteste ist.
- Symbolische Darstellung: In der Kunstgeschichte wird der Evangelist Matthäus oft als geflügelter Mensch dargestellt, der einem Engel ähnelt.
Inhaltsübersicht des Matthäusevangeliums
Das Matthäusevangelium ist in 28 Kapitel unterteilt und folgt einer klaren Struktur, die die Entwicklung von Jesu Leben und Lehre nachzeichnet:
- Kindheitsgeschichte (Mt 1–2)
- Beginn des Wirkens Jesu in Galiläa (Mt 3–4)
- 1. Redenteil: Die Bergpredigt (Mt 5–7)
- Heilungen und Wunder Jesu (Mt 8,1–9,34)
- 2. Redenteil: Missionsrede und Aussendung der Jünger (Mt 9,35–10,42)
- Auseinandersetzung mit Johannes dem Täufer, Pharisäern und Schriftgelehrten (Mt 11–12)
- 3. Redenteil: Gleichnisse vom Reich der Himmel (Mt 13)
- Weitere Taten. Rein und unrein (Mt 13,53–17,27)
- 4. Redenteil: Gemeinderede – Weisungen für die Jünger (Mt 18)
- Judäischer Reisebericht (Mt 19–22)
- 5. Redenteil: Weherufe und Endzeitrede (Mt 23–25)
- Passion und Auferstehung Jesu (Mt 26–28)
Wichtige Stellen und theologische Schwerpunkte
Das Matthäusevangelium enthält viele der bekanntesten Passagen des Neuen Testaments, die für die christliche Theologie von großer Bedeutung sind:
Die Weisen aus dem Morgenland (Mt 2,1-12)
Diese Erzählung hebt hervor, wie selbst Heiden die Geburt des neugeborenen Königs der Juden erkennen und ihm huldigen. Sie unterstreicht Jesu universelle Bedeutung und seine königliche Würde von Geburt an.
Die Bergpredigt (Mt 5,1 – 7,29)
Die Bergpredigt ist der erste und vielleicht bekannteste der fünf großen Redenteile Jesu in Matthäus. Sie legt die Grundsätze des Reichs der Himmel dar, die oft als die „Verfassung“ dieses Reiches bezeichnet werden. Hier finden sich die:
- Seligpreisungen (Mt 5,3-12): Sie beschreiben die Eigenschaften der Bürger des Himmelreiches und verheißen ihnen göttlichen Segen.
- Feindesliebe (Mt 5,43-48): Jesus fordert seine Nachfolger auf, ihre Feinde zu lieben und für die zu beten, die sie verfolgen, um vollkommen zu sein wie der himmlische Vater.
- Das Vaterunser (Mt 6,9-13): Ein Mustergebet, das die fundamentalen Aspekte der Beziehung zu Gott und der menschlichen Bedürfnisse umfasst.
Schlüsselvers des Matthäusevangeliums (Mt 6,33)
„Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ Dieser Vers fasst die Prioritäten zusammen, die Jesus seinen Nachfolgern lehrt.
Heilandsruf (Mt 11,28-30)
„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ Eine Einladung Jesu an alle, die unter den Lasten des Lebens leiden, bei ihm Ruhe zu finden.
Weltgericht (Mt 25,31-46)
Diese eindringliche Rede beschreibt das Gericht des Menschensohnes über die Völker, bei dem die Trennung der Gerechten von den Ungerechten anhand ihrer Taten der Barmherzigkeit und Nächstenliebe erfolgt.
Blutruf (Mt 27,25)
„Da rief das ganze Volk: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ Dieser Vers ist historisch und theologisch komplex und wurde oft missbräuchlich zur Rechtfertigung von Antisemitismus verwendet.
Missions- und Taufbefehl (Mt 28,18-20)
„Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ Dies ist der Auftrag Jesu an seine Jünger, das Evangelium weltweit zu verbreiten.
Jesus Christus – der König Israels
Das große Thema des Matthäusevangeliums ist die Darstellung Jesu Christi als der von Gott gegebene Messias für das Volk Israel. Schon der erste Vers „Buch des Geschlechts Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“ macht diesen Anspruch deutlich. Jesus wird hier als der rechtmäßige Erbe Davids, des großen Königs Israels, und als der Sohn Abrahams, in dem sich die Verheißungen Gottes an sein Volk erfüllen, präsentiert. Matthäus, selbst ein Jude und ehemaliger Zöllner, war prädestiniert, ein Buch über den wahren Herrscher Israels zu schreiben. Die dreimal 14 Geschlechterfolgen im Stammbaum Jesu unterstreichen seine königliche Abstammung und die Erfüllung der Prophetie.
Jesus Christus und das „Reich der Himmel“
Einzigartig für das Matthäusevangelium ist die Verwendung des Begriffs „Reich der Himmel“. Während das Alte Testament bereits von Gottes Reich sprach, in dem Er regiert, erklärt Matthäus die geheimnisvolle, gegenwärtige Form dieses Reiches. Da das jüdische Volk Jesus als König ablehnte und ihn kreuzigen ließ, ist der König nun abwesend und regiert vom Himmel aus. Sein Reich hat einen himmlischen Charakter und ist nicht irdisch in der Weise, wie es die Juden erwarteten. Es ist ein Reich, dessen Herrschaft nur von denen akzeptiert wird, die Jesus als Retter und Herrn annehmen.

Jesus Christus und die Versammlung (Gemeinde/Kirche)
Ein weiterer bemerkenswerter Ausdruck, der nur im Matthäusevangelium vorkommt, ist „die Versammlung“ (ekklesia, oft als Gemeinde oder Kirche übersetzt). Jesus kündigt damit an, dass nach seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt eine Gemeinschaft von Menschen auf der Erde existieren würde, die besondere Merkmale und Segnungen erhält. Es geht um alle Gläubigen, die vom Pfingsttag bis zur Wiederkunft des Herrn Jesus ihre Sünden bekennen und ihn als persönlichen Retter annehmen. In Matthäus 16,18 verkündet Jesus, dass er selbst der Eigentümer und das Fundament dieser Versammlung ist, die weder vom Tod noch vom Teufel überwunden werden kann. Matthäus 18,15-20 zeigt zudem die Autorität, die Jesus der örtlichen Versammlung übertragen hat, verbunden mit herrlichen Segnungen und hoher Verantwortung.
Jesus Christus – die Erfüllung vieler alttestamentlicher Weissagungen
Matthäus zeigt nicht nur Neues im Evangelium auf, sondern betont auch, dass viele Stationen und Taten Jesu die Erfüllung längst geschehener Aussagen im Alten Testament sind. Das Evangelium enthält rund 60 Zitate aus dem Alten Testament, und vierzehnmal werden Ereignisse im Leben Jesu direkt als Erfüllung bestimmter Voraussagen gekennzeichnet. Dies unterstreicht eindringlich, dass Jesus der von Gott gesandte Messias ist, der durch die „Tür“ des Alten Testaments zu seinem Volk kommt und nicht nur viele Bilder, Opfer und Andeutungen erfüllt, sondern auch spezifische prophetische Aussagen.
Jesus Christus – seine fünf großen Reden
Ein zentraler Bestandteil des Matthäusevangeliums sind die fünf großen Reden Jesu, die seine Lehre als König und Lehrer betonen. Matthäus hat diese Reden thematisch zusammengeführt, um bestimmte Lehrbotschaften zu vermitteln:
1. Die Bergpredigt (Mt 5,1-7,28)
Diese Rede verkündet die Grundsätze des Reichs der Himmel im Gegensatz zum mosaischen Gesetz. Sie legt den wesentlichen Charakter von Jesu künftiger Regierung dar: Gerechtigkeit. Die Bergpredigt ist reich an moralischen und geistlichen Grundsätzen, die über die jüdische Gesetzgebung hinausgehen, sie aber nicht aufheben, sondern erfüllen und verschärfen. Obwohl sie ursprünglich an Jünger mit jüdischem Hintergrund gerichtet war, sind ihre moralischen Prinzipien für Christen von großer Bedeutung, da Gott das Gute belohnt und das Böse verurteilt.
2. Die Aussendungspredigt (Mt 10,1-11,1)
In dieser Rede sendet Jesus seine zwölf Jünger aus, um in seinem Reich von Ihm zu zeugen. Der Dienst sollte während Jesu irdischem Leben begonnen und bis zur Errichtung des 1000-jährigen Reiches fortgeführt werden. Obwohl einige Anordnungen einen eindeutig jüdischen Charakter tragen und nicht direkt auf das christliche Dienstleben übertragbar sind, können Christen dennoch moralische Prinzipien für ihr eigenes Leben ableiten und verstehen, was der Herr für andere Zeitepochen vorgesehen hat.
3. Die Predigt des „Reiches der Himmel“ (Mt 13,1-53)
Diese Predigt besteht aus sieben oder acht Gleichnissen, die die Entwicklung und den Charakter des Reichs der Himmel nach dem Weggehen des Herrn Jesus beschreiben. Das „Gleichnis vom Sämann“ zeigt die unterschiedlichen Reaktionen auf Gottes Wort. Die Gleichnisse vom „Acker“, „Senfkorn“ und „Sauerteig“ verdeutlichen die äußere Entwicklung des Reiches, einschließlich des Wirkens Satans, der unnatürlichen Ausdehnung und der zunehmenden Sünde innerhalb der Christenheit. Die Gleichnisse vom „Schatz“, der „Perle“ und dem „Netz“ offenbaren den inneren Charakter des Reiches und die Bedeutung Israels und der Versammlung für Gott. Das letzte Gleichnis vom „Neuen und Alten“ zeigt, dass Jesu Lehren sowohl auf alttestamentliche Offenbarungen als auch auf völlig neue Themen wie die Versammlung Gottes aufbauen.
4. Die Predigt über „persönliches und gemeinsames Verhalten“ (Mt 18,1-19,1)
Hier legt Jesus Grundsätze für das Verhalten von Gläubigen fest, sowohl individuell als auch in der Gemeinschaft. Themen sind Demut, die Vermeidung von Anstoß, der Wert jeder Seele, Vergebung und die Segnungen für die Versammlung, wenn Gläubige biblisch miteinander umgehen.
5. Die Predigt über die „Endzeit“ (Mt 24,1-25,46)
In dieser letzten großen Predigt erklärt Jesus seinen Jüngern die Entwicklungen auf der Erde nach seiner Himmelfahrt. Er spricht über das Schicksal Israels (insbesondere des treuen Überrestes), die Zeit der Christenheit (Gleichnisse vom treuen und bösen Knecht, den zehn Jungfrauen, den Talenten) und das Gericht der Nationen bei seiner Wiederkunft als Menschensohn, um sein Reich in Gerechtigkeit zu errichten.
Das Matthäusevangelium im Vergleich zum Markusevangelium
Obwohl uns keine spezifischen Informationen über das Markusevangelium vorliegen, um einen direkten und umfassenden Vergleich durchzuführen, können wir aus den Besonderheiten des Matthäusevangeliums einige implizite Unterschiede ableiten, die in der biblischen Forschung oft hervorgehoben werden:
- Fokus auf Lehre vs. Handlung: Wie bereits erwähnt, legt Matthäus einen starken Akzent auf die Lehren Jesu, zusammengefasst in den fünf großen Reden. Dies steht im Kontrast zur allgemeinen Wahrnehmung des Markusevangeliums, das oft als action-orientierter und kürzer beschrieben wird, mit einem Fokus auf Jesu Taten und Wundern.
- Zielgruppe und Theologie: Matthäus richtet sich primär an Judenchristen und betont Jesu Rolle als der verheißene Messias und König, der die alttestamentlichen Prophetien erfüllt. Dies zeigt sich in der detaillierten Genealogie, den häufigen alttestamentlichen Zitaten und den Diskussionen über das Gesetz. Markusevangelien werden oft als Evangelium für römische Leser angesehen, das weniger Wert auf jüdische Bezüge legt.
- Einzigartige Konzepte: Matthäus ist das einzige Evangelium, das den Begriff „Reich der Himmel“ und die „Versammlung“ (Kirche) explizit erwähnt und deren Bedeutung entfaltet. Diese theologischen Konzepte sind in Markus nicht in gleicher Weise präsent.
- Struktur und Umfang: Matthäus ist das längste Evangelium und bietet eine sehr strukturierte Darstellung, insbesondere durch die thematischen Reden. Markusevangelium ist bekannt für seine Kürze und schnelle Abfolge von Ereignissen.
- Datierung und Quellenabhängigkeit: Die Zweiquellentheorie, die in den Informationen zu Matthäus erwähnt wird, besagt, dass Matthäus das Markusevangelium als Quelle verwendet hat. Dies würde bedeuten, dass Matthäus eine spätere, erweiterte und theologisch tiefergehende Bearbeitung des Materials darstellt, das bereits in Markus vorhanden war. Matthäus fügte demnach Material hinzu (wie die Kindheitsgeschichte und die detaillierteren Reden) und passte die Erzählung an seine theologische Absicht an, Jesus als den jüdischen Messias und König zu präsentieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Matthäusevangelium ein reiches und theologisch tiefgründiges Werk ist, das Jesus als den verheißenen König und Lehrer Israels darstellt, der das Reich der Himmel bringt und die Grundlage für seine Versammlung legt. Es ist ein Evangelium, das die Verbindung zwischen Altem und Neuem Testament stark betont und die Erfüllung göttlicher Prophetie in Jesus Christus aufzeigt.
Häufig gestellte Fragen zum Matthäusevangelium
Wer ist der Schreiber dieses Evangeliums? Warum hat Gott gerade ihn ausgewählt?
Die altkirchliche Überlieferung nennt den Apostel Matthäus, den ehemaligen Zöllner, als Verfasser. Gott wählte ihn wahrscheinlich aus, weil er als Zöllner die Fähigkeit hatte, detaillierte Aufzeichnungen zu führen und präzise zu berichten. Seine jüdische Herkunft war zudem ideal, um Jesus als den verheißenen Messias für das Volk Israel darzustellen und die Verbindung zum Alten Testament herzustellen.
Unter welchem Blickwinkel wird der Herr Jesus in diesem Evangelium gezeigt?
Der Herr Jesus wird im Matthäusevangelium primär als der lang ersehnte König Israels und der verheißene Messias dargestellt. Dies wird durch seine Abstammung vom Hause Davids und Abrahams, seine Autorität in Lehre und Wunder sowie die Betonung des Reichs der Himmel unterstrichen.
Welche „Struktur“ hat dieses Evangelium? Warum muss das so sein?
Das Evangelium ist in 28 Kapitel unterteilt und zeichnet sich durch eine klare Struktur aus, die erzählende Abschnitte mit fünf großen Reden Jesu verbindet. Diese Struktur dient dazu, Jesu Lehre systematisch darzulegen und seine Rolle als Lehrer und König hervorzuheben. Sie ermöglicht es, die Entwicklung seiner Botschaft und die Reaktion auf sie nachzuvollziehen.
Warum bezieht sich Matthäus besonders oft auf das Alte Testament?
Matthäus bezieht sich besonders oft auf das Alte Testament, um zu zeigen, dass Jesus der von Gott gesandte Messias ist, der die alttestamentlichen Prophetien und Verheißungen erfüllt. Dies war besonders wichtig für die judenchristliche Zielgruppe, um ihnen die Kontinuität von Gottes Heilsplan zu verdeutlichen.
Warum führt gerade er die Versammlung (Gemeinde/Kirche) ein?
Matthäus ist das einzige Evangelium, das explizit von der „Versammlung“ (Kirche) spricht. Dies ist bedeutsam, weil es die Gründung einer neuen Gemeinschaft nach Jesu Tod und Auferstehung ankündigt. Es zeigt, dass Gottes Plan über das jüdische Volk hinausgeht und eine neue Gemeinschaft von Gläubigen umfasst, die durch Jesus Christus vereint ist.
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