Was ist das Matterhorn?

Matterhorn: Ikone der Alpen und ewige Herausforderung

29/11/2023

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Das Matterhorn, eine majestätische Pyramide aus Fels und Eis, ragt stolz in den Himmel der Schweizer Alpen und ist unbestreitbar eines der bekanntesten Wahrzeichen der Schweiz und vielleicht sogar der Welt. Seine markante, freistehende Form fasziniert Bergsteiger, Fotografen und Naturliebhaber gleichermaßen. Doch hinter seiner ikonischen Schönheit verbirgt sich eine reiche Geschichte, komplexe geologische Entstehungsprozesse und die Dramen menschlichen Ehrgeizes. Dieser Artikel taucht tief in die Welt des Matterhorns ein und beleuchtet alles von seiner Namensgebung über seine geologischen Besonderheiten bis hin zu den Herausforderungen und Tragödien, die mit seiner Besteigung verbunden sind.

Was ist das Matterhorn?
Das Matterhorn ist ein Karling, und seine charakteristische Form entstand durch Erosion und Gletscherschliff in den Eiszeiten. Das Matterhorn ist Teil der Dent-Blanche -Decke des Unter-Ostalpins, also eines weit nach Westen auf die penninischen Decken der Westalpen aufgeschobenen Trümmerstücks eines ostalpinen Deckgesteins.
Inhaltsverzeichnis

Was ist das Matterhorn wirklich?

Mit einer beeindruckenden Höhe von 4478 Metern über dem Meeresspiegel zählt das Matterhorn zu den höchsten und prominentesten Gipfeln der Alpen. Es ist nicht nur ein Berg, sondern ein Symbol für die Schweizer Bergwelt, das auf unzähligen Postkarten, in Filmen und Werbespots verewigt wurde. Sein Spitzname unter den Einheimischen, "ds Hore" oder "ds Horu" (das Horn), spiegelt die einfache, aber treffende Beschreibung seiner Form wider. Es erhebt sich scheinbar isoliert von anderen Bergketten, was seine visuelle Wirkung noch verstärkt und es zu einem der meistfotografierten Berge der Erde macht.

Oft wird das Matterhorn im gleichen Atemzug mit Zermatt genannt, doch es ist wichtig zu verstehen, dass es sich um zwei unterschiedliche Entitäten handelt. Das Matterhorn ist der Berg selbst, während Zermatt das berühmte Dorf zu seinen Füßen ist, das als Ausgangspunkt für zahlreiche alpine Unternehmungen dient und eng mit der Geschichte des Berges verbunden ist. Zermatt ist der Ort, "zur Matte", was sich auf die Wiese unterhalb des Berges bezieht, aus der sich auch der Name des Matterhorns ableitet: "Matte" (Wiese) + "Horn" (Bergspitze).

Die facettenreiche Geschichte seines Namens

Die Benennung von Berggipfeln erfolgte in den Alpen oft erst spät, während die darunterliegenden Pässe und Almen schon früh Bezeichnungen trugen. Das Matterhorn ist hier keine Ausnahme. Auf einer Karte von Johannes Schalbetter aus dem Jahr 1535 wurde es als mons silvius und Augsttalberg verzeichnet. Sebastian Münsters "Cosmographia" von 1544 nannte den Theodulpass, der das Aostatal mit dem Mattertal verbindet, noch Matterberg. Erst im Jahr 1581 tauchte die Bezeichnung Mont Cervin auf, die heute noch im Französischen gebräuchlich ist.

Anton Lambien prägte 1682 den Namen Matter Dioldin h[orn], um den Gipfel vom gleichnamigen Pass abzugrenzen, der bis weit ins 19. Jahrhundert hinein, beispielsweise auf der Dufourkarte, als Matterjoch bekannt war. Diese Vielfalt an Namen unterstreicht die lange und sich entwickelnde Wahrnehmung dieses beeindruckenden Gipfels durch verschiedene Kulturen und Epochen. Der lokale Zermatter Dialekt bewahrt die einfachste und wohl ursprünglichste Bezeichnung: "ds Hore" oder "ds Horu", was schlicht "das Horn" bedeutet und die Essenz seiner Form einfängt.

Geologische Wunder des Matterhorns

Das Matterhorn ist ein klassisches Beispiel für einen Karling, eine Bergform, die durch intensive glaziale Erosion entsteht. Seine charakteristische, fast perfekt pyramidenförmige Gestalt ist das Ergebnis von Jahrmillionen des Gletscherschliffs und der Verwitterung während der Eiszeiten. Doch seine Geologie ist komplexer, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Das Matterhorn ist Teil der Dent-Blanche-Decke des Unter-Ostalpins. Dies bedeutet, dass es sich um ein weit nach Westen verschobenes Fragment ostalpinen Deckgesteins handelt, das über penninische Decken der Westalpen geschoben wurde. Vereinfacht ausgedrückt besteht das Matterhorn aus zwei unterschiedlichen, schräg übereinanderliegenden Gesteinspaketen:

  • Die untere Gesteinsschicht, die bis zur Höhe der Hörnlihütte reicht, ist penninisch, also westalpin.
  • Das eigentliche "Horn" darüber gehört zur Dent-Blanche-Decke. Der untere Teil bis zur "Schulter" besteht aus der Arolla-Serie (Orthogneisen und Metagabbros), während der oberste Teil zur Valpelline-Serie (hochmetamorphe Paragneise) gehört.

Eine weitere Besonderheit des Matterhorns ist die sogenannte "Matterhorn-Wolke" oder Bannerwolke. Dieses faszinierende meteorologische Phänomen bildet sich auf der windabgewandten Seite (Lee-Seite) des Gipfels und gleicht einer riesigen Fahne, die scheinbar fest am Berg hängt. Die gängigste Erklärung, die Leewirbel-Hypothese, besagt, dass das Matterhorn als Turm die umgebende Gebirgslandschaft überragt und dadurch Leewirbel erzeugt. Diese Wirbel führen feuchte Luft aus dem Tal nach oben, wo sie kondensiert und Wolken bildet. Sobald die Wolke das Gipfelniveau erreicht, wird sie von einem horizontalen Ast des Leewirbels erfasst, was zu ihrer typischen Fahnenform führt.

Die dramatische Erstbesteigung: Triumph und Tragödie

Der 14. Juli 1865 markiert ein Schlüsselereignis in der Geschichte des Alpinismus: die Erstbesteigung des Matterhorns. Diese Expedition war jedoch von einem tragischen Unfall überschattet, der die Bergwelt für immer prägen sollte.

Am Morgen des 13. Juli 1865 brach eine Gruppe von acht Bergsteigern auf, angeführt vom Briten Edward Whymper. Zu seiner Gruppe gehörten Charles Hudson, Lord Francis Douglas, Robert Hadow sowie die Bergführer Michel Croz, Peter Taugwalder Vater und dessen Sohn Peter Taugwalder. Ihr Ziel war der Hörnligrat. Sie übernachteten in einem Zelt auf dem Grat, während Michel Croz und der junge Peter Taugwalder die Route weiter nach oben erkundeten. Die Zeit drängte, denn auf der italienischen Seite bereiteten Jean-Antoine Carell und seine Gefährten ebenfalls eine Besteigung vor.

Am nächsten Tag, dem 14. Juli, um 13:15 Uhr, war es soweit: Das Team erreichte den Gipfel. Es schien eine Besteigung ohne größere Schwierigkeiten gewesen zu sein. Stolz befestigten die Engländer einen Stab mit einem alten Hemd als improvisierte Flagge auf dem Gipfel. Sie konnten die italienische Gruppe weiter unten am Berg erkennen und hatten den Wettlauf gewonnen.

Doch der Abstieg, oft gefährlicher als der Aufstieg, forderte seinen Tribut. Nur 300 Meter unterhalb des Gipfels rutschte Robert Hadow aus und stürzte auf den vordersten Bergführer Michel Croz. Beide fielen die Wand hinunter und rissen Charles Hudson und Lord Francis Douglas, die am selben Seil befestigt waren, mit sich. Der Vater Taugwalder reagierte geistesgegenwärtig und schlang das Seil um einen Felsen, doch das Seil zwischen ihm und Douglas riss. Die vier Bergsteiger stürzten in die Tiefe und kamen auf dem Matterhorngletscher ums Leben. Edward Whymper und die beiden Taugwalders überlebten das Unglück. Whymper wurde zwar als Bezwinger des Matterhorns gefeiert, doch die Tragödie überschattete seinen Triumph und löste eine heftige Debatte über die Sicherheit im Alpinismus aus.

Herausforderungen, Rekorde und tragische Statistiken

Das Matterhorn ist nicht nur ein Symbol, sondern auch eine immense Herausforderung für Alpinisten. Jede Saison versuchen zwischen 2500 und 3000 Bergsteiger, den Gipfel zu erreichen, an Spitzentagen sind es über 100. Etwa 70 % von ihnen wählen die bekannteste und technisch "einfachste" Route über den Hörnligrat (Nordostgrat). Doch auch diese Route erfordert extreme Fitness, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Erfahrung im Felsklettern, oft ohne Steigeisen. Eine Besteigung wird in der Regel als Zweitagestour mit Übernachtung in der Hörnlihütte geplant, wobei der Auf- und Abstieg vom Gipfel jeweils 4 bis 5 Stunden in Anspruch nimmt.

Statistiken zu Besteigungen und Todesfällen

Leider ist das Matterhorn auch berüchtigt für seine hohe Unfallrate. Seit der Erstbesteigung im Jahr 1865 verging kein einziges Jahr ohne tödliches Unglück. Pro Jahr verunglücken durchschnittlich acht bis zehn Menschen tödlich. Insgesamt sind seit der Erstbesteigung über 500 Menschen am Matterhorn ums Leben gekommen, die meisten davon auf der Schweizer Seite. Es ist offiziell der Berg weltweit, an dem die meisten Alpinisten sterben. Schätzungen für den Mont Blanc liegen zwar höher, sind aber nicht offiziell bestätigt.

Was ist der Unterschied zwischen Matterhorn und Zermatt?
Der Name des Matterhorns wird von der Wiese unterhalb des Berges abgeleitet. Die Wiese unterhalb der Gornerschlucht soll gemeint sein, jener Teil auf welchem heute Zermatt (zur Matte) steht. Im Walliserdeutsch heisst Wiese auch Matte. Im Italienischen spricht man vom Monte Cervino oder Cervino und französisch Mont Cervin oder Le Cervin.

Zwischen 1981 und 2011 kamen allein auf der Schweizer Seite 223 Alpinisten ums Leben: 207 durch Absturz, 5 durch Steinschlag, je 3 durch Erfrierung, Sturz ins Seil oder in Folge einer Suchaktion. 21 abgestürzte Alpinisten wurden in diesem Zeitraum noch nicht geborgen und gelten als vermisst. Ein bemerkenswerter Fall war die Identifizierung eines 2005 gefundenen Skifahrers im Jahr 2018 als der 1954 verschollene Franzose Joseph Leonce Le Masne.

Rekorde am Matterhorn

Trotz der Gefahren zieht das Matterhorn auch jene an, die die Grenzen des menschlich Machbaren ausloten wollen. Hier sind einige der bemerkenswertesten Rekorde:

NameDatumRouteLeistungZeit (Aufstieg)Zeit (Auf- & Abstieg)
Bruno Brunod (Italien)17. August 1995Liongrat (Breuil-Cervinia)Schnellster Auf- & Abstieg2 Std. 12 Min.3 Std. 14 Min. 44 Sek.
Kilian Jornet (Spanien)21. August 2013Italienische SeiteSchnellster Auf- & Abstieg1 Std. 53 Min.2 Std. 52 Min. 2 Sek.
Dani Arnold (Schweiz)22. April 2015Matterhorn-NordwandSchnellste Solobegehung (Nordwand)1 Std. 46 Min.N/A
Andreas Steindl (Schweiz)27. August 2018Zermatt Kirchplatz - Hörnligrat - Gipfel - ZermattSchnellster Auf- & Abstieg (ab Zermatt)N/A3 Std. 59 Min. 52 Sek.

Neben den Geschwindigkeitsrekorden gibt es auch beeindruckende Leistungen in Bezug auf die Häufigkeit der Besteigungen. Der Zermatter Bergführer Richard Andenmatten hat das Matterhorn über 850 Mal bestiegen. Eine weitere Legende ist Ulrich Inderbinen, der den Gipfel 371 Mal erreichte, zuletzt im hohen Alter von 89 Jahren.

Ein besonders spektakuläres Ereignis war der Wingsuit-Flug von Géraldine Fasnacht aus Lausanne am 7. Juli 2014, die als erster Mensch vom Gipfel des Matterhorns im Wingsuit absprang – ein wahrhaft atemberaubendes Zeugnis menschlicher Kühnheit.

Die Hörnlihütte: Das Tor zum Gipfel

Die Hörnlihütte, auf 3260 Metern über dem Meeresspiegel gelegen, ist nicht nur eine Schutzhütte, sondern ein integraler Bestandteil der Matterhorn-Besteigung. Sie dient als Ausgangspunkt und Übernachtungsmöglichkeit für die meisten Alpinisten, die den Hörnligrat in Angriff nehmen.

Die erste Unterkunft auf dem Hörnli wurde bereits 1880 mit siebzehn Schlafplätzen errichtet. Im Laufe der Jahre wurde die Hütte mehrfach umgebaut und erweitert, um der steigenden Zahl von Bergsteigern gerecht zu werden. Bis 1982 bot sie Schlafplätze für 170 Alpinisten. Pünktlich zum 150-jährigen Jubiläum der Erstbesteigung im Jahr 2015 wurde die Hörnlihütte umfassend renoviert und modernisiert. Heute verfügt sie über 34 Zimmer und kann bis zu 170 Übernachtungsgäste beherbergen, mit verschiedenen Zimmergrößen (3, 4, 6 oder 8 Betten) sowie Etagen-WCs und -Duschen. Zwei Suiten bieten sogar private Duschen und WCs. Ein Aufenthaltsraum und WLAN gehören ebenfalls zur Ausstattung, um den Aufenthalt der Bergsteiger so angenehm wie möglich zu gestalten.

Die Hörnlihütte ist in der Regel von Juli bis September geöffnet, wenn die Wetterbedingungen für die Besteigung am günstigsten sind. Für Wanderer, die nicht den Gipfel erklimmen möchten, ist die Hütte selbst ein lohnendes Ziel. Sie ist von Schwarzsee aus in etwa zwei Stunden zu Fuß erreichbar und bietet eine spektakuläre Aussicht auf das Matterhorn und die umliegende Bergwelt.

Häufig gestellte Fragen zum Matterhorn

Hier finden Sie Antworten auf einige der am häufigsten gestellten Fragen zum Matterhorn:

Ist das Matterhorn der höchste Berg der Schweiz?

Nein, das Matterhorn ist mit 4478 Metern zwar einer der höchsten Berge der Alpen und der Schweiz, aber nicht der höchste. Der höchste Berg der Schweiz ist die Dufourspitze im Monte Rosa Massiv mit 4634 Metern.

Wie gefährlich ist die Besteigung des Matterhorns?

Die Besteigung des Matterhorns gilt als sehr anspruchsvoll und gefährlich. Die hohe Zahl an Todesfällen (durchschnittlich 8-10 pro Jahr) unterstreicht das Risiko. Steinschlag, Stürze und plötzliche Wetterumschwünge sind ständige Gefahren. Eine gute Vorbereitung, alpine Erfahrung, hervorragende Fitness und idealerweise ein Bergführer sind unerlässlich.

Was ist die "Matterhorn-Wolke"?

Die "Matterhorn-Wolke" ist eine sogenannte Bannerwolke, die sich auf der windabgewandten Seite des Gipfels bildet. Sie entsteht, wenn der Berg feuchte Luftmassen nach oben lenkt, die dort kondensieren und die charakteristische wolkenförmige Fahne bilden.

Wann ist die beste Zeit für eine Matterhorn-Besteigung?

Die beste Zeit für eine Besteigung ist in den Sommermonaten, typischerweise von Juli bis September, wenn die Hörnlihütte geöffnet ist und die Bedingungen am stabilsten sind. Außerhalb dieser Monate sind die Verhältnisse oft zu eisig und gefährlich.

Benötige ich einen Bergführer für die Besteigung?

Für die meisten Alpinisten, insbesondere jene ohne umfassende Erfahrung im alpinen Klettern, ist ein erfahrener Matterhorn-Bergführer dringend empfohlen oder sogar notwendig. Die Route ist komplex, und die Bedingungen können sich schnell ändern. Ein lokaler Bergführer kennt die aktuellen Verhältnisse und die beste Route.

Was ist der Unterschied zwischen Matterhorn und Zermatt?

Das Matterhorn ist der Berg selbst, eine beeindruckende Felsformation in den Alpen. Zermatt hingegen ist das berühmte autofreie Dorf im Mattertal, das am Fuße des Matterhorns liegt und als Ausgangspunkt für Besteigungen, Wanderungen und Skitourismus dient. Zermatt ist der Ort, "zur Matte", also zur Wiese am Fuße des Horns, woraus sich auch der Name des Berges ableitet.

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