07/09/2021
Eine plötzliche und unvorstellbare Katastrophe hat Marokko in tiefe Trauer gestürzt. Ein schweres Erdbeben, das stärkste, das jemals in der Nation gemessen wurde, hat unzählige Leben gefordert und weite Teile des Landes in Schutt und Asche gelegt. Die Bilder der Zerstörung, die sich vom Atlas-Gebirge bis in die historische Altstadt von Marrakesch ziehen, sind erschütternd und zeugen von einem Moment tiefster Verzweiflung. Doch inmitten des Schmerzes zeigt sich auch eine bemerkenswerte Welle der Solidarität – sowohl innerhalb Marokkos als auch aus der internationalen Gemeinschaft, insbesondere aus der Welt des Fußballs.

Die Erde begann in den späten Abendstunden des 8. September 2023 zu beben. Was folgte, war eine Nacht des Schreckens und der Ungewissheit für Millionen von Menschen. Das Epizentrum des Bebens lag etwa 72 Kilometer südwestlich der pulsierenden Metropole Marrakesch, in einer eher dünn besiedelten Region des Atlas-Gebirges. Doch die Erschütterungen waren so gewaltig, dass sie weitreichende Zerstörung verursachten und auch in großen Städten zu spüren waren. Mit einer Stärke, die je nach Messung zwischen 6,8 und 6,9 lag, übertraf dieses Ereignis alle bisher in Marokko registrierten Erdbeben. Seismologen wie Frederik Tilmann vom Deutschen Geoforschungszentrum bestätigten die außergewöhnliche Intensität dieses Naturereignisses.
Der Fußball im Angesicht der Katastrophe: Ein Zeichen des Zusammenhalts
Die Welt des Sports, die sonst von Jubel und Wettkampf geprägt ist, verstummte angesichts der Tragödie. Der nationale Fußballverband Marokkos (FRMF) reagierte umgehend und sagte das geplante Qualifikationsspiel zum Afrika-Cup gegen Liberia in Agadir ab. Eine Entscheidung, die nicht nur die unmittelbare Betroffenheit der Nation widerspiegelte, sondern auch die Priorität auf die Rettung von Menschenleben und die Unterstützung der Betroffenen legte. Ob ein für Dienstag angesetztes Freundschaftsspiel gegen Burkina Faso stattfinden kann, blieb zunächst ungewiss – ein kleines Detail angesichts der weitreichenden Konsequenzen des Bebens.
Doch der Fußball zeigte sich nicht nur in der Absage von Spielen. Er wurde zu einem Kanal für Solidarität und Nächstenliebe. Nationalspieler wie Achraf Hakimi von Paris Saint-Germain, ein ehemaliger BVB-Profi, nutzten ihre Reichweite in den sozialen Medien, um zum Handeln aufzurufen. „Wir erleben einen schwierigen Moment für unsere Landsleute. Es ist Zeit, sich gegenseitig zu helfen, um so viele Leben wie möglich zu retten“, schrieb Hakimi auf Instagram und drückte sein tiefstes Beileid aus. Auch Noussair Mazraoui vom FC Bayern München, der für die anstehenden Spiele ins Nationalteam berufen worden war, bat eindringlich: „Betet für Marokko.“
Die marokkanische Nationalmannschaft selbst ging mit gutem Beispiel voran. Die Spieler spendeten Blut und riefen die gesamte Bevölkerung dazu auf, es ihnen gleichzutun. „Blut zu spenden, ist die Verantwortung eines jeden, um so vielen Menschen wie möglich das Leben zu retten. Eure Hilfe ist unverzichtbar“, hieß es in einem bewegenden Instagram-Beitrag. Diese Geste unterstrich die tiefe Verbundenheit der Sportler mit ihrem Land und zeigte, dass in Momenten der Krise der Sport weit über das Spielfeld hinausgeht.
Globale Anteilnahme und Schweigeminuten
Die erschütternden Nachrichten aus Marokko riefen weltweit Anteilnahme hervor. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) kündigte als Zeichen der Trauer und des Respekts eine Schweigeminute für die Opfer an. Diese sollen ab dem darauffolgenden Sonntag bis zum 21. September in allen Länderspielen und in den Klubwettbewerben abgehalten werden. Das bedeutet, dass auch bei wichtigen Begegnungen wie dem Spiel zwischen Deutschland und Frankreich sowie bei den ersten Gruppenspielen im Europapokal der Opfer gedacht wird. Auch der spanische Fußballverband RFEF ordnete Trauerminuten in der 2. Liga und in der ersten spanischen Liga (La Liga) an, sobald der Spielbetrieb nach der Länderspielpause wieder aufgenommen wird. Diese globalen Gesten unterstreichen die universelle Sprache des Leidens und der Empathie, die über Grenzen und Kulturen hinweg verbindet.
Marokkos Traum von der FIFA WM 2030: Eine doppelte Herausforderung
Inmitten dieser nationalen Tragödie verfolgt Marokko weiterhin einen großen Traum: die gemeinsame Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer im Jahr 2030. Zusammen mit Spanien und Portugal treibt Marokko eine gemeinsame Bewerbung voran, die als favorisiert gilt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sie auf die Unterstützung vieler Stimmen aus Europa und Afrika zählen kann. Die Hauptkonkurrenz bildet eine gemeinsame Bewerbung aus Südamerika, bestehend aus Uruguay, Argentinien, Chile und Paraguay.
Die Abstimmung über die Vergabe der WM 2030 ist für das dritte Quartal 2024 im FIFA-Kongress geplant. Dabei werden die 211 Verbände, abzüglich der an den Bewerbungen beteiligten, ihre Stimme abgeben. Marokko hegt seit vielen Jahren den Wunsch, eine Weltmeisterschaft auszurichten. In der Vergangenheit scheiterte das Land jedoch wiederholt mit seinen Bewerbungen, unter anderem für die Turniere von 1994, 1998, 2006 und 2010 unter dem alten Vergabeverfahren des früheren FIFA-Exekutivkomitees. Auch beim neuen Verfahren unterlag Marokko mit seiner Bewerbung für die WM 2026 den gemeinsamen Gastgebern USA, Mexiko und Kanada.

Der jüngste Erfolg bei der WM 2022 in Katar, wo Marokko als erste afrikanische Mannschaft überhaupt das Halbfinale erreichte und erst dort gegen den späteren Finalisten Frankreich ausschied, hatte dem Land und seiner Fußballnation weltweit Respekt und Bewunderung eingebracht. Dieser historische Erfolg nährte die Hoffnung und den Glauben an eine erfolgreiche Bewerbung für 2030. Die aktuelle Katastrophe stellt das Land nun vor eine doppelte Herausforderung: den Wiederaufbau und das Festhalten an diesem großen Traum. Es wird erwartet, dass die Widerstandsfähigkeit und der Zusammenhalt der marokkanischen Gesellschaft in dieser schwierigen Zeit auch die internationale Wahrnehmung ihrer Bewerbung prägen werden.
Tabelle: Marokkos WM-Bewerbungen im Überblick
| Jahr der WM | Bewerbungspartner | Ergebnis | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| 1994 | Allein | Gescheitert | Altes Vergabeverfahren |
| 1998 | Allein | Gescheitert | Altes Vergabeverfahren |
| 2006 | Allein | Gescheitert | Altes Vergabeverfahren |
| 2010 | Allein | Gescheitert | Altes Vergabeverfahren |
| 2026 | Allein | Gescheitert | Unterlag USA, Mexiko, Kanada |
| 2030 | Spanien, Portugal | Favorisiert | Aktuelle, gemeinsame Bewerbung |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum wurden Fußballspiele in Marokko abgesagt?
Die Spiele wurden aufgrund des verheerenden Erdbebens und der damit verbundenen nationalen Trauer und Notlage abgesagt. Der Fokus liegt auf der Unterstützung der Rettungs- und Hilfsmaßnahmen sowie der nationalen Einheit in dieser schwierigen Zeit.
Wie stark war das Erdbeben in Marokko?
Das Erdbeben hatte eine Stärke von 6,8 bis 6,9 und war das stärkste, das jemals in Marokko gemessen wurde. Sein Epizentrum lag südwestlich von Marrakesch im Atlas-Gebirge.
Ist Marokkos WM 2030 Bewerbung gefährdet?
Direkt gefährdet ist die Bewerbung durch das Erdbeben nicht. Die gemeinsame Bewerbung mit Spanien und Portugal gilt weiterhin als favorisiert. Die Katastrophe unterstreicht jedoch die Resilienz und den Zusammenhalt der Nation, was sich positiv auf die Wahrnehmung der Bewerbung auswirken könnte, da es die Fähigkeit des Landes zeigt, auch in schwierigen Zeiten Stärke zu beweisen.
Wie kann man den Opfern des Erdbebens helfen?
Die marokkanische Nationalmannschaft hat zur Blutspende aufgerufen. Generell können Hilfsorganisationen und internationale Katastrophenhilfen, die vor Ort tätig sind, durch Spenden unterstützt werden. Es ist wichtig, sich über seriöse Kanäle zu informieren, um sicherzustellen, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird.
Fazit: Ein Land im Wiederaufbau und mit ungebrochenem Geist
Das Erdbeben in Marokko hat tiefe Wunden hinterlassen, die Zeit und immense Anstrengungen erfordern werden, um zu heilen. Doch inmitten des Schmerzes und der Zerstörung offenbart sich die bemerkenswerte Stärke und der unerschütterliche Geist des marokkanischen Volkes. Die schnelle Reaktion der Fußballgemeinschaft, die Welle der Solidarität und die Entschlossenheit, den Traum von der Weltmeisterschaft 2030 weiterzuverfolgen, sind Zeugnisse dieser Widerstandsfähigkeit. Marokko steht vor einem langen Weg des Wiederaufbaus, aber die Einheit und der Optimismus, die in diesen dunklen Stunden gezeigt werden, sind ein Lichtblick und ein Versprechen für eine bessere Zukunft. Die Welt schaut zu, betet für Marokko und unterstützt das Land auf seinem Weg zurück in die Normalität und zu neuen Erfolgen.
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