21/02/2022
Das Gebet, im Arabischen „Salāh“ genannt, ist eine der fünf Säulen des Islam und bildet das Herzstück der täglichen Verbindung eines Muslims zu seinem Schöpfer, Allah. Es ist weit mehr als nur eine Reihe von Ritualen; es ist eine bewusste Hingabe, ein Moment der Einkehr und des Gedenkens, der den Gläubigen inmitten des Alltags verankert. Durch das regelmäßige Verrichten des Gebets erfährt man Ruhe, Konzentration und eine tiefe Dankbarkeit für die unzähligen Segnungen im Leben. Dieser Artikel führt Sie durch die wesentlichen Schritte des islamischen Gebets, erklärt die Bedeutung seiner Bestandteile und beleuchtet einige der wichtigsten Suren des Qur'an, die darin rezitiert werden.

Jedes Gebet beginnt lange bevor man die Hände zum Takbīr erhebt. Es beginnt mit dem Ruf, der inneren Bereitschaft und der körperlichen Reinheit. Lassen Sie uns diese Reise der Spiritualität gemeinsam erkunden.
- Der Ruf zum Gebet: Der Adhān
- Reinheit vor dem Gebet: Die Rituelle Waschung (Wudū')
- Der Beginn des Gebets: Takbīr und Subhānaka
- Das Herzstück des Gebets: Sūrat al-Fātiḥa
- Die Gebetsbewegungen: Rukūʿ und Sadschda
- Das Sitzen im Gebet: At-Tahiyyāt
- Segenswünsche für die Propheten: Salawāt
- Der Abschluss des Gebets
- Bedeutung ausgewählter Suren
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Gebet im Islam
- Was ist der Adhān und warum ist er wichtig?
- Warum ist die rituelle Waschung (Wudū') vor dem Gebet notwendig?
- Was bedeutet die Aussage „Allâhu akbar“?
- Kann ich nach der Sūrat al-Fātiḥa jede beliebige Sure rezitieren?
- Warum gibt es im Gebet verschiedene Bewegungen wie Rukūʿ und Sadschda?
- Was sind die „Schutzsuren“ und wann werden sie verwendet?
- Wie kann das Gebet mein Leben verbessern?
Der Ruf zum Gebet: Der Adhān
Wer jemals in einem muslimischen Land war, kennt ihn: den eindringlichen Ruf des Muezzins, der fünfmal täglich von den Minaretten hallt und die Gläubigen zum Gebet in die Moschee ruft. Dieser Ruf, der Adhān, ist ein majestätischer Auftakt zur Andacht und eine Erinnerung an die Größe und Einheit Gottes. Er besteht aus festen Worten, die eine tiefe spirituelle Bedeutung tragen:
| Adhān-Phrase (Arabisch) | Wiederholungen | Deutsche Bedeutung | Spirituelle Botschaft |
|---|---|---|---|
| Allâhu akbar | 4x | Allah ist größer | Alles Weltliche tritt in den Hintergrund; Gott allein ist von größter Bedeutung. |
| Asch-hadu an lâ ilâha illa-llâh | 2x | Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt | Bekräftigung des Monotheismus (Tawhid); Ablehnung aller falschen Götzen oder Prioritäten. |
| Asch-hadu anna Muhammada-r-rasûlu-llâh | 2x | Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Gottes ist | Anerkennung der Prophetenschaft Muhammads und der Göttlichkeit des Qur'an. |
| Hayya 'ala-s-salâh | 2x | Eilt herbei zum Gebet | Aufforderung zur Handlung, zum Verrichten der wichtigsten Pflicht. |
| Hayya 'ala-l-falâh | 2x | Eilt herbei zu (eurem) Heil | Verbindung des Gebets mit dem eigenen Wohl und Erfolg im Diesseits und Jenseits. |
| Allâhu-akbar | 2x | Allah ist größer | Erneute Betonung der Größe Gottes. |
| Lâ ilâha illa-llâh | 1x | Es gibt keinen Gott außer Allah | Abschließende Bestätigung der Einzigartigkeit Gottes. |
| As-salâtu khairum-min-an-naum (nur beim Frühgebet) | 2x | Das Gebet ist besser als der Schlaf | Besondere Ermutigung, die Bequemlichkeit des Schlafes für die spirituelle Pflicht aufzugeben. |
Wenn wir „Allâhu akbar“ sagen, drücken wir aus, dass nichts größer, wichtiger, schöner oder verehrungswürdiger ist als Gott. All unsere Sorgen, Freuden und weltlichen Besitztümer werden winzig klein angesichts Seiner unendlichen Größe. Es ist ein Moment, in dem wir uns auf den Einen konzentrieren, Der uns erschaffen hat und für uns sorgt. Diese Worte erinnern uns daran, dass wir, obwohl wir uns vor Seiner Größe ehrfürchtig fühlen, auch eine unendliche Geborgenheit in Seiner Nähe finden.
Die zweite Zeile bekräftigt den Grundpfeiler des Islam: den Glauben an einen einzigen Gott. Auch wenn Menschen heute keine Götzen aus Stein mehr anbeten, so machen doch viele andere Dinge zu ihren Prioritäten – sei es Karriere, Geld oder materielle Besitztümer. Der tägliche Ausspruch dieser Worte erinnert Muslime daran, dass Allah stets an erster Stelle stehen muss.
Mit der dritten Zeile bezeugen wir die Prophetenschaft Muhammads. Wer davon überzeugt ist, dass Muhammad, Friede und Segen seien auf ihm, den Qur'an auf Geheiß Allahs übermittelt hat, der glaubt auch, dass alles im Qur'an Gottes Wort ist. Und da Gottes Wort für alle Zeiten wahr ist, fällt es uns leicht, seinen Geboten zu folgen und dem Beispiel des Propheten in unserem Alltag zu folgen.
„Eilt herbei zum Gebet“ und „Eilt herbei zu (eurem) Heil“ betonen, dass das Gebet nicht nur Allah zuliebe verrichtet wird – denn Er bedarf keiner Anbetung –, sondern zu unserem eigenen Besten. Es ist eine Quelle des inneren Friedens und der Zufriedenheit, da es uns hilft, unsere Pflicht zu erfüllen und ein gutes Gewissen zu haben.
Die abschließenden Worte des Adhān, „Allâhu akbar“ und „Lâ ilâha illa-llâh“, sind eine letzte, kraftvolle Erinnerung an die Einzigartigkeit und Allmacht Gottes. Und die besondere Ergänzung beim Frühgebet, „Das Gebet ist besser als der Schlaf“, ist ein Trost und eine Motivation für all jene, die sich früh am Morgen aus den Federn erheben müssen, um ihre spirituelle Pflicht zu erfüllen.
Reinheit vor dem Gebet: Die Rituelle Waschung (Wudū')
Bevor wir unser Gebet beginnen können, ist die körperliche Reinheit unerlässlich. Die rituelle Waschung, bekannt als Wudū', ist eine Voraussetzung für die Gültigkeit des Gebets. Sie symbolisiert nicht nur äußere Sauberkeit, sondern auch eine innere Reinigung und Vorbereitung auf die Begegnung mit dem Schöpfer.
Es ist wichtig, sich der Bedeutung der Sauberkeit bewusst zu sein. So wie wir uns für eine wichtige Verabredung sorgfältig vorbereiten, so bereiten wir uns auch für die Begegnung mit Allah vor. Die Waschung ist ein Akt der Absicht (Niyya), der uns auf die bevorstehende Andacht einstimmt.
Schritte des Wudū':
- Absicht fassen: Bevor man beginnt, fasst man die Absicht, den Wudū' für das Gebet zu verrichten. Dies geschieht im Herzen.
- Hände waschen: Die Hände werden dreimal bis zu den Handgelenken gewaschen, wobei darauf geachtet wird, kein Wasser zu verschwenden.
- Mund spülen: Dreimal Wasser in den Mund nehmen und spülen. Man kann dabei mit dem Zeigefinger über die Zähne fahren.
- Nase reinigen: Dreimal Wasser mit der rechten Hand in die Nase ziehen (vorsichtig) und mit der linken Hand ausschneuzen.
- Gesicht waschen: Das gesamte Gesicht wird dreimal gewaschen, vom Haaransatz bis zum Kinn und von Ohr zu Ohr.
- Arme waschen: Zuerst der rechte Arm, dann der linke, jeweils dreimal von den Fingerspitzen bis über die Ellbogen.
- Kopf streichen: Mit feuchten Händen einmal über den Kopf streichen, vom Haaransatz nach hinten und wieder zurück.
- Ohren reinigen: Mit den feuchten Fingern das Innere und Äußere der Ohren reinigen.
- Nacken streichen: Mit den feuchten Fingern über den Nacken streichen.
- Füße waschen: Zuerst der rechte Fuß, dann der linke, jeweils dreimal bis über die Knöchel. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Zehenzwischenräumen.
Durch diese gewissenhafte Waschung ist man nicht nur körperlich, sondern auch mental und spirituell auf das Gebet vorbereitet.
Der Beginn des Gebets: Takbīr und Subhānaka
Nachdem die rituelle Waschung vollzogen ist, stellen wir uns für das Gebet in Richtung der Ka'ba in Mekka auf. Im Herzen fassen wir die Absicht (Niyya), welches Gebet wir nun verrichten möchten (z.B. Morgen-, Mittags- oder Abendgebet). Dann heben wir die Hände an die Ohren und beginnen mit den machtvollen Worten:
Allâhu akbar ("Allah ist größer")
Mit diesen Worten lassen wir alle weltlichen Freuden und Sorgen hinter uns, um uns in voller Andacht ausschließlich dem Einen, Einzigen Gott zuzuwenden. Nach diesem Eröffnungstakbīr legen wir die Hände übereinander und sprechen das „Subhânaka“:
Subhânaka-llahumma wa bi-hamdik
wa tabâraka-smuk
wa ta'âlâ dschadduk
wa lâ ilâha ghairuk
a'ûdhu bi-llâhi mina-sch-schaitâni-r-radschîm
Bedeutung des Subhānaka:
„Lob und Preis sei Dir, mein Gott,
und gesegnet ist Dein Name
und erhaben ist Deine Majestät
und es gibt keinen Gott außer Dir!“
Diese Verse erfüllen unser Herz mit Dankbarkeit und Liebe zu Gott. Sie sind eine Verherrlichung Seiner Eigenschaften, Seines Namens und Seiner Majestät. Wir bekräftigen erneut, dass es keinen Gott außer Ihm gibt. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns stets vor den Nachstellungen des Bösen in Acht nehmen müssen. Daher folgen die wichtigen Worte:
„Ich nehme meine Zuflucht zu Gott vor dem fluchwürdigen Bösen.“
Diese Zufluchtsuche ist ein Schutzschild gegen schlechte Gedanken und Taten. Es geht darum, dass wir, auch wenn wir böse Gedanken nicht gänzlich vermeiden können, doch verhindern, dass sie in uns Wurzeln schlagen und uns zu schlechten Taten verleiten. Es ist ein Akt der bewussten Abwendung vom Übel und der Hinwendung zu Allahs Schutz.
Das Herzstück des Gebets: Sūrat al-Fātiḥa
Nach dem „Subhânaka“ folgt die Rezitation der Sūrat al-Fātiḥa, der ersten Sure des Qur'an und das Herzstück jedes Gebets. Ohne sie ist kein Gebet gültig. Sie wird auch „Die Eröffnende“ genannt, da sie den Qur'an eröffnet und gleichzeitig die Tür zu unserer Kommunikation mit Allah aufstößt.
Bismi-llâhi-r-rahmâni-r-rahîm
al-hamdu li-llâhi rabbi-l-'âlamîn
ar-rahmâni-r-rahîm
mâliki yaumi-d-dîn
iyyâka na'budu wa iyyâka nasta'în
ihdinâ-s-sirâta-l-mustaqîm
sirâta-lladhîna an'amta 'alaihim
ghairi-l-maghdûbi 'alaihim wa lâ-d-dâllîn.
- Âmîn.
Deutsche Bedeutung der Sūrat al-Fātiḥa:
„Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen,
Preis sei Gott, dem Herrn der Welten,
dem sich Erbarmenden, dem Barmherzigen,
dem Herrscher am Tage des Gerichts.
Dir allein dienen wir und Dich allein bitten wir um Beistand.
Führe uns den geraden Weg,
den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, die nicht (Deinem) Zorn verfallen sind und die nicht irregehen.“
Mit diesen wenigen, aber tiefgründigen Worten sprechen wir die Essenz unseres Glaubens aus. Wir beginnen im Namen Gottes, preisen Ihn für Seine Güte und Gnade und erinnern uns daran, dass Er nicht nur Herr über diese sichtbare Welt ist, sondern auch am Jüngsten Tag über unsere Taten richten wird. Wir bekräftigen unsere Überzeugung, nur an einen einzigen Gott zu glauben, Ihm allein zu dienen und Ihn um Hilfe zu bitten. Und schließlich flehen wir Ihn an, uns den rechten Weg zu zeigen, damit wir Sein Wohlgefallen erlangen. Diese Verse sind eine ernste Warnung für jene, die Böses tun, aber auch ein großer Trost für die Gläubigen.
Die Gebetsbewegungen: Rukūʿ und Sadschda
Nach der Rezitation der Sūrat al-Fātiḥa und einer weiteren Sure (dazu gleich mehr) folgen die charakteristischen Bewegungen des Gebets, die die Demut und Hingabe des Betenden ausdrücken und jeweils eine „Rak'ah“ (Gebetseinheit) bilden.
Die Verbeugung (Rukūʿ):
Nachdem man eine weitere Sure rezitiert hat, sagt man erneut „Allâhu akbar“ und verbeugt sich, wobei die Hände auf die Knie gestützt werden. In dieser Haltung spricht man dreimal die Worte:
Subhâna rabbiya-l-'azîm
Bedeutung:
„Preis meinem Herrn, dem Allergrößten.“
Während man sich wieder aufrichtet, sagt man:
Sami'a-llâhu liman hamidah
Rabbanâ laka-l-hamd
Bedeutung:
„Allah erhört den, der Ihn lobpreist.
Oh unser Herr, und Dich preisen wir.“
Die Niederwerfung (Sadschda):
Danach erfolgt die Niederwerfung. Man kniet nieder und sagt dabei wieder „Allâhu akbar“. Die Stirn berührt den Boden. In dieser tiefsten Form der Demut spricht man dreimal:
Subhâna rabbiya-l-a'lâ
Bedeutung:
„Preis meinem Herrn, dem Allerhöchsten.“
Nach der ersten Niederwerfung richtet man sich mit „Allâhu akbar“ sitzend auf, verweilt kurz und geht dann mit einem erneuten „Allâhu akbar“ in die zweite Niederwerfung, wobei man wieder dreimal „Subhâna rabbiya-l-a'lâ“ spricht. Mit einem letzten „Allâhu akbar“ erhebt man sich schließlich wieder in den Stand, um die nächste Rak'ah zu beginnen oder das Gebet fortzusetzen.
Das Sitzen im Gebet: At-Tahiyyāt
Ein Gebet besteht aus mindestens zwei Rak'a. Nach der zweiten Niederwerfung der zweiten Rak'ah (oder der letzten Rak'ah, falls das Gebet mehr als zwei Rak'a hat) bleiben wir sitzen und sprechen das „At-Tahiyyāt“. Dies ist eine wichtige Anrufung, die unsere Hingabe und unseren Gruß an Allah, den Propheten und die rechtschaffenen Diener ausdrückt.
At-tahiyyâtu li-llâhi wa-s-salawâtu wa-t-tayyibât
as-salâmu 'alaika ayyuhâ-n-nabiyy
wa rahmatu-llâhi wa barakâtuh
as-salâmu 'alainâ wa'alâ 'ibâdi-llâhi-s-sâlihîn
asch-hadu an lâ ilâha illâ-llâh
wa asch-hadu anna Muhammadan 'abduhu wa rasûluh
Deutsche Bedeutung des At-Tahiyyāt:
„Unsere besten Gedanken, unsere Gebete und unsere guten Taten sind alle für Gott.
Friede sei mit dir, oh du Prophet, und die Gnade Gottes und Sein Segen.
Friede sei mit uns und mit allen aufrichtigen Dienern Allahs.
Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah
und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Sein Gesandter ist.“
Manche Muslime strecken den rechten Zeigefinger aus, wenn sie die Worte „lâ ilâha illâ-llâh – ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah“ aussprechen. Durch das Heben dieses einen Fingers betonen sie die Einheit Allahs und erinnern sich auf diese Weise ganz besonders an Seinen Tawhid.
Segenswünsche für die Propheten: Salawāt
Nach dem „At-Tahiyyāt“ folgen die „Salawāt“, die Segenswünsche für den Propheten Muhammad und seine Familie. Diese Gebetsform ist eine Erinnerung daran, dass Allahs Weisung für ein gutes und glückliches Leben uns durch die Propheten überbracht wurde. Sie haben uns ein wunderschönes Beispiel gegeben, wie wir leben sollen, damit Allah mit uns zufrieden ist. Aus Liebe und Dankbarkeit zu ihnen bitten wir Allah, dass Er sie segnen möge.
Allahumma salli 'alâ Muhammadin wa 'alâ âli Muhammad
kamâ sallaita 'alâ Ibrâhîma wa 'alâ âli Ibrâhîma
innaka hamîdum madschîd
Allahumma bârik 'alâ Muhammadin wa 'alâ âli Muhammad
kamâ bârakta 'alâ Ibrâhîma wa 'alâ âli Ibrâhima
innaka hamîdum madschîd
Deutsche Bedeutung der Salawāt:
„Oh Allah, segne Muhammad und seine Familie,
so wie Du Abraham und seine Familie gesegnet hast,
wahrlich, Du bist der Gepriesene und Gerühmte.
Oh Allah, schenke Deine Gnade Muhammad und seiner Familie,
so wie Du Abraham und seiner Familie Deine Gnade geschenkt hast,
wahrlich, Du bist der Gepriesene und Gerühmte.“
Wenn wir zu Allah beten, dass Er die Propheten und ihre Familien segnen möge, meinen wir mit Familie die große Schar aller, die ihnen als Verwandte angehörten, an sie glaubten und glauben und ihre Anhänger waren und sind und sein werden. Es ist ein Ausdruck der universellen Gemeinschaft der Gläubigen.
Der Abschluss des Gebets
Nun kommen wir zum Abschluss des Gebets. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Gebet zu beenden. Die am weitesten verbreitete und einfachste Form, die von Millionen Muslimen weltweit gesprochen wird, lautet:
Rabbanâ âtinâ fî-d-dunyâ hasanatan wa fi-l-âkhirati hasanatan wa qinâ 'adhâba-n-nâr
Deutsche Bedeutung:
„Unser Herr, gib uns Gutes in dieser Welt und Gutes im Jenseits und bewahre uns vor der Strafe des Feuers.“
Dies ist ein umfassendes Bittgebet, das das Wohlbefinden in beiden Welten umfasst – im Diesseits und im Jenseits. Wir bitten Allah um Gutes in unserem Leben, um Rechtleitung und Erfolg, und gleichzeitig um Schutz vor den Qualen des Höllenfeuers. Es ist ein Ausdruck unserer Hoffnung auf Seine Barmherzigkeit und Seinen Schutz.
Schließlich wenden wir den Kopf zuerst nach rechts und dann nach links und sprechen jedes Mal die Worte:
As-salâmu 'alaikum wa rahmatu-llâh.
Deutsche Bedeutung:
„Friede sei mit euch und die Gnade Allahs.“
Mit diesem „Salām“ grüßen wir die Muslime in aller Welt – die Engel auf unseren Schultern und die Gläubigen um uns herum – und wünschen ihnen, dass Allah sie gnädig beschützen möge. Es ist ein wunderschöner Abschluss, der die universelle Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit im Islam betont und das Gebet mit einem Gefühl des Friedens und der Gemeinschaft beendet. Wenn wir all diese Worte, die wir im Gebet gelernt haben, aus aufrichtigem Herzen sprechen, tragen wir sehr viel zum Guten auf der Welt bei.
Bedeutung ausgewählter Suren
Neben der Fātiḥa werden im Gebet oft weitere kurze Suren rezitiert. Diese Suren tragen jeweils eigene, tiefe Botschaften und bereichern das Gebet um vielfältige Bedeutungen. Hier sind einige der häufigsten und ihre Erklärungen:
Sūra 108: Al-Kauthar (Die Fülle)
Bismi-llâhi-r-rahmâni-r-rahîm
innâ a'tainâka-l-kauthar
fa-salli li rabbika wa-nhar
inna schâni-aka huwa-l-abtar
Deutsche Bedeutung:
Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Wahrlich, Wir haben dir Fülle (des Guten) gegeben.
Bete darum zu deinem Herrn und opfere.
Fürwahr, es ist dein Feind, von dem keine Spur bleiben soll.
Diese wunderschöne Sure wurde dem Propheten Muhammad in Mekka offenbart, um ihn gegen den Ansturm seiner Feinde mit Kraft und Zuversicht zu versorgen. Mit der „Fülle“ ist sowohl die Gnade Allahs als auch das umfassende Wissen gemeint, das dem Propheten zuteilwurde. Wer so viel Güte und Barmherzigkeit erfahren hat, sollte auch freudig Opfer für seinen Schöpfer bringen, sei es durch Gebet, Almosen oder gute Taten. Die Sure verspricht, dass jene, die den Propheten und seine Botschaft hassten und bekämpften, ohne Nachkommenschaft und ohne Spuren verschwinden werden. So sorgt Allah für Seine Getreuen und wird dies bis zum Jüngsten Tag tun.
Sūra 112: Al-Ikhlāṣ (Die Reinheit des Glaubens)
Bismi-llâhi-r-rahmâni-r-rahîm
qul huwa-llâhu ahad
allâhu-s-samad
lam yalid wa lam yûlad
wa lam yakul-lahû kufuwan ahad
Deutsche Bedeutung:
Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Sprich: „Er ist Allah, der Einzige,
Allah, der Unabhängige (und von allen Angeflehte),
Er zeugt nicht und wurde nicht gezeugt,
Und keiner ist Ihm gleich.“
Diese Sure ist eine der fundamentalsten und wichtigsten Suren im Qur'an, da sie die absolute Einheit und Einzigartigkeit Allahs (Tawhid) auf den Punkt bringt. Wir müssen verstehen, dass Gott so unendlich groß, mächtig und allumfassend ist, dass wir Ihn mit unserem begrenzten menschlichen Verstand nicht vollständig begreifen können. Doch zugleich ist Er uns nah und sorgt für uns. Wenn wir sagen, dass Allah der Einzige ist, so müssen wir tief in uns fühlen, dass es niemanden und nichts auf der Welt gibt, das Ihm in Seiner Würdigkeit der Anbetung gleichkommt. Allah ist vollkommen unabhängig; Er ist der Schöpfer von allem. Während alles andere vergänglich ist, war Allah immer da und wird immer da sein. Er ist der Schöpfer, aber nicht der Vater, und Er wurde nicht gezeugt. Nichts und niemand ist Ihm gleich – Er ist der Höchste, der ewig Gebende, der Einzige.
Sūra 113: Al-Falaq (Die Morgendämmerung)
Bismi-llâhi-r-rahmâni-r-rahîm
qul a'ûdhu bi rabbi-l-falaq
min scharri mâ khalaq
wa min scharri ghâsiqin idhâ waqab
wa min scharri-n-nafâthâti fi-l-'uqad
wa min scharri hâsidin idhâ hasad.
Deutsche Bedeutung:
Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Sprich: „Ich nehme meine Zuflucht beim Herrn der Morgendämmerung,
Vor dem Übel dessen, was Er erschaffen,
Und vor dem Übel der Nacht, wenn sie sich verbreitet,
Und vor dem Übel derer, die auf die Knoten blasen,
Und vor dem Übel des Neiders, wenn er neidisch ist.“
Diese Sure und die folgende (An-Nās) werden oft als „Schutzsuren“ bezeichnet. Sie sind eine mächtige Hilfe, wenn wir Angst vor etwas haben. Ob es die plötzliche Dunkelheit ist, unerklärliche Ereignisse oder der Neid anderer Menschen – in solchen Momenten erinnern uns diese Suren daran, dass Allah mächtiger ist als alles, was existiert. Er ist der Schöpfer von allem, auch der Ursachen des Bösen. Wenn wir bei Allah Zuflucht suchen, wird Er uns sicher helfen, sodass wir uns vor nichts anderem mehr fürchten müssen. Dazu müssen wir fest an Ihn glauben und unser Gebet niemals vergessen.
Sūra 114: An-Nās (Die Menschen)
Bismi-llâhi-r-rahmâni-r-rahîm
qul a'ûdhu bi rabbi-n-nâs
maliki-n-nâs
ilâhi-n-nâs
min scharri-l-waswâsi-l-khannâs
alladhî yuwaswisu fî suduri-n-nâs
mina-l-dschinnati wa-n-nâs.
Deutsche Bedeutung:
Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Sprich: „Ich nehme meine Zuflucht beim Herrn der Menschen,
Beim König der Menschen,
Beim Gott der Menschen,
Vor dem Übel des schleichenden Einflüsterers –
Der da einflüstert in die Herzen der Menschen –
Unter den Dschinn und den Menschen.“
Dies ist die letzte der 114 Suren des Qur'an und komplettiert die „Schutzsuren“. Sie warnt uns vor der Stimme des Bösen, die uns manchmal einflüstern will, was schlecht und schädlich für uns ist. Diese Stimme kann von Dschinn (unsichtbaren Wesen) oder auch von bösen Menschen kommen. Wenn wir diese üble Stimme in uns hören, sollen wir sofort unsere Gedanken Gott zuwenden, um vertrauensvoll zu Ihm zu flüchten. Dann hat der böse Einflüsterer keine Macht mehr über uns. Es ist nicht schlimm, dass wir manchmal abscheuliche Gedanken haben – dieser Gefahr sind wir alle ausgesetzt. Schlimm ist nur, wenn wir unseren Gedanken erlauben, dabei zu verweilen. Wir müssen uns so rasch wie möglich erinnern, dass wir nur auf das Gute hören dürfen, das von Gott kommt. Viele Muslime haben diese kurze Sure auswendig gelernt und rezitieren sie in ihrem täglichen Gebet, um sich vor den Verlockungen des bösen Einflüsterers zu hüten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Gebet im Islam
Was ist der Adhān und warum ist er wichtig?
Der Adhān ist der islamische Gebetsruf, der fünfmal täglich von einem Muezzin gesprochen wird, um die Muslime zum Gebet aufzurufen. Er ist wichtig, weil er nicht nur eine akustische Erinnerung ist, sondern auch eine Zusammenfassung der grundlegenden Glaubensbekenntnisse des Islam enthält und die Gläubigen dazu anspornt, ihre Verbindung zu Allah aufrechtzuerhalten und zum Heil zu eilen.
Warum ist die rituelle Waschung (Wudū') vor dem Gebet notwendig?
Die rituelle Waschung, Wudū', ist eine Voraussetzung für die Gültigkeit des Gebets. Sie dient der körperlichen Reinigung und symbolisiert gleichzeitig eine innere Reinigung und Vorbereitung auf die Begegnung mit Allah. Es ist ein Akt der Wertschätzung und Demut vor dem Schöpfer, ähnlich wie man sich für eine wichtige Verabredung vorbereitet.
Was bedeutet die Aussage „Allâhu akbar“?
„Allâhu akbar“ bedeutet „Allah ist größer“. Diese Worte werden im Gebet und im Adhān häufig wiederholt, um zu betonen, dass Allah der Größte ist und nichts auf der Welt Ihm in Größe, Wichtigkeit oder Verehrung gleichkommt. Es hilft dem Betenden, weltliche Sorgen und Ablenkungen in den Hintergrund zu rücken und sich voll auf Gott zu konzentrieren.
Kann ich nach der Sūrat al-Fātiḥa jede beliebige Sure rezitieren?
Ja, nach der Sūrat al-Fātiḥa kann man eine beliebige andere Sure aus dem Qur'an rezitieren. Es müssen mindestens drei kurze Verse oder ein langer Vers sein. Häufig werden kurze Suren wie Al-Ikhlāṣ, Al-Kauthar, Al-Falaq oder An-Nās gewählt, da sie leicht zu merken sind und tiefe Bedeutungen tragen.
Warum gibt es im Gebet verschiedene Bewegungen wie Rukūʿ und Sadschda?
Die Bewegungen im Gebet, wie das Verbeugen (Rukūʿ) und die Niederwerfung (Sadschda), sind Ausdruck der Demut, Ehrfurcht und Hingabe gegenüber Allah. Sie symbolisieren die Anerkennung Seiner Größe und die eigene Kleinheit und Abhängigkeit von Ihm. Diese körperlichen Handlungen verstärken die spirituelle Konzentration und die Verbindung zum Schöpfer.
Was sind die „Schutzsuren“ und wann werden sie verwendet?
Die „Schutzsuren“ sind Sūra Al-Falaq (113) und Sūra An-Nās (114). Sie werden so genannt, weil sie dazu dienen, Zuflucht bei Allah vor verschiedenen Arten des Bösen zu suchen, wie dem Übel der Schöpfung, der Dunkelheit, Magie, Neid und den Einflüsterungen des Teufels und böser Menschen. Muslime rezitieren sie oft im täglichen Gebet und auch zu anderen Zeiten, um Schutz zu bitten.
Wie kann das Gebet mein Leben verbessern?
Das Gebet verbessert das Leben auf vielfältige Weise. Es stärkt die Verbindung zu Allah, schenkt inneren Frieden und Ruhe, hilft, sich an die eigenen Pflichten zu erinnern und ein gutes Gewissen zu haben. Es dient als Schutz vor schlechten Gedanken und Taten, fördert Dankbarkeit und Demut und verbindet den Einzelnen mit der weltweiten muslimischen Gemeinschaft. Regelmäßiges Gebet ist eine Quelle der Kraft und des Trostes im Alltag.
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