27/08/2022
Die Suche nach dem Verständnis religiöser Texte ist so alt wie die Religion selbst. Im Zentrum dieser Bemühungen steht oft das einzelne Wort – seine Bedeutung, seine Häufigkeit und sein Kontext. Hier kommt die Konkordanz ins Spiel, ein unschätzbares Werkzeug, das den Weg für ein tiefgreifendes Bibelstudium ebnet. Sie ist im Wesentlichen ein alphabetisches Verzeichnis aller Wörter, die in einem bestimmten Text vorkommen, zusammen mit ihren Fundstellen. Für Bibelforscher, Theologen und Gläubige gleichermaßen ist sie der Schlüssel zur Entschlüsselung von Mustern, zur Klärung von Bedeutungen und zur Vertiefung des Verständnisses der göttlichen Offenbarung.

Die Frage, wer die Konkordanz des Neuen Testaments erstellt hat, führt uns auf eine spannende Reise durch Jahrhunderte der Gelehrsamkeit und des unermüdlichen Engagements. Es ist keine einzelne Person, die als alleiniger Schöpfer genannt werden kann, sondern vielmehr eine Reihe von Gelehrten, die auf den Fundamenten ihrer Vorgänger aufbauten und das Konzept ständig verfeinerten. Um die Entwicklung der neutestamentlichen Konkordanzen vollständig zu würdigen, müssen wir jedoch auch einen Blick auf die Entstehung ähnlicher Werkzeuge für andere biblische Texttraditionen werfen, da diese oft die Methoden und Ansätze für das Neue Testament beeinflussten.
Die Bedeutung einer Konkordanz für das Bibelstudium
Bevor wir uns den historischen Persönlichkeiten zuwenden, ist es wichtig zu verstehen, warum Konkordanzen überhaupt so entscheidend sind. In religiösen Texten wie der Bibel hat jedes Wort Gewicht. Ein Wort kann in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Nuancen annehmen oder eine theologische Bedeutung tragen, die über seine wörtliche Übersetzung hinausgeht. Eine Konkordanz ermöglicht es einem Leser, jedes Vorkommen eines bestimmten Wortes zu finden und so seine Verwendung im gesamten Korpus zu studieren. Dies ist unerlässlich für:
- Wortstudien: Um die volle Bedeutung eines griechischen oder hebräischen Wortes zu erfassen.
- Theologische Forschung: Um zu verfolgen, wie bestimmte Konzepte oder Doktrinen über verschiedene Bücher oder Autoren hinweg entwickelt werden.
- Predigtvorbereitung: Um relevante Verse schnell zu finden und den Kontext für die Auslegung zu verstehen.
- Übersetzungsvergleiche: Um zu sehen, wie verschiedene Übersetzungen mit bestimmten Wörtern umgehen.
Ohne Konkordanzen wäre das systematische Studium der biblischen Sprache und Theologie, wie wir es heute kennen, kaum denkbar. Sie sind die unverzichtbaren Wegweiser im riesigen Labyrinth der biblischen Texte.
Die Ursprünge der biblischen Konkordanzen
Die Idee, Wörter in einem Text zu katalogisieren, ist nicht neu. Schon in der Antike gab es Ansätze, wichtige Begriffe in philosophischen oder literarischen Werken zu ordnen. Im Kontext der Bibel begann die Entwicklung der Konkordanzen jedoch mit spezifischen Bedürfnissen und für unterschiedliche Textversionen. Es ist eine Geschichte, die von der lateinischen Vulgata über den hebräischen Masoretischen Text bis hin zu den griechischen Übersetzungen des Alten und Neuen Testaments reicht.
Konkordanzen zur lateinischen Vulgata
Die erste bekannte Konkordanz der Bibel überhaupt wurde für die lateinische Vulgata erstellt. Dieses monumentale Werk wird dem Dominikanermönch Hugo von St. Cher (ca. 1200–1263) zugeschrieben, der im 13. Jahrhundert lebte. Seine „Concordantiae morales“ oder „Concordantiae Sancti Iacobi“ (benannt nach dem Dominikanerkloster Saint-Jacques in Paris, wo er Prior war) war ein bahnbrechendes Unterfangen. Es listete nicht nur die Wörter auf, sondern gab auch kurze Zitate des jeweiligen Verses an, was die Nutzung erheblich erleichterte. Dieses Werk war ein Meilenstein für die biblische Exegese im Mittelalter und legte den Grundstein für alle späteren Konkordanzen, indem es die Methodik und den Wert eines solchen Werkzeugs demonstrierte.
Konkordanzen zum hebräischen Alten Testament
Für den hebräischen Text des Alten Testaments war die Erstellung einer Konkordanz eine besondere Herausforderung, da die Sprache agglutinierend ist und viele Wörter aus Wurzeln mit Präfixen und Suffixen gebildet werden. Eine der bedeutendsten frühen hebräischen Konkordanzen ist die von Isaac Nathan ben Kalonymus aus Arles, die 1437 fertiggestellt wurde. Ein späteres, aber weitaus umfassenderes Werk ist die „Veteris Testamenti Concordantiae Hebraicae atque Chaldaicae“ von Salomon Mandelkern (1846–1902), die erstmals 1896 erschien. Mandelkerns Konkordanz war ein epochales Werk, das nicht nur jedes hebräische und chaldäische Wort des Alten Testaments auflistete, sondern auch deren grammatikalische Formen, Wurzeln und Bedeutungen darlegte. Sie ist bis heute ein Standardwerk für das Studium des hebräischen Alten Testaments.
Pioniere der griechischen Konkordanzen: Septuaginta und Altes Testament
Die griechische Bibeltradition umfasst sowohl die Septuaginta (LXX), die griechische Übersetzung des Alten Testaments, als auch das griechische Neue Testament. Die Erstellung von Konkordanzen für diese Texte war entscheidend, um das Wort Gottes in seiner ursprünglichen griechischen Form zu erforschen.
Es wird berichtet, dass eine Konkordanz zum griechischen Text der Septuaginta und des Neuen Testaments bereits Ende des 13. Jahrhunderts in Rom existiert haben soll. Leider hat sich von diesem frühen Text nichts erhalten, was eine direkte Überprüfung seiner Natur oder seines Umfangs unmöglich macht. Dies unterstreicht die Herausforderungen der Überlieferung und des Erhalts alter Schriften.
Die erste uns erhaltene und publizierte Konkordanz der Septuaginta wurde 1607 von dem Augsburger Gelehrten Conrad Kircher († 1622) in Frankfurt herausgegeben. Dieses Werk, das auch hebräische Wortentsprechungen enthielt, war ein bemerkenswerter Fortschritt für die griechische Bibelforschung. Eine zweite, überarbeitete Ausgabe erschien 1622 in Wittenberg. Kirchers Arbeit war ein fundamentales Werkzeug und ein Beweis für die wachsende Bedeutung des griechischen Textes in der protestantischen Gelehrsamkeit jener Zeit.
In einer polemischen Auseinandersetzung mit Kirchers Werk veröffentlichte 1718 in Amsterdam der Niederländer Abraham van der Trommen, bekannt als „Trommius“ († 1719), eine eigene Konkordanz der Septuaginta. Trommius' Konkordanz war besonders bemerkenswert, da sie auch die Versionen von Aquila, Symmachus und Theodotion aus der Hexapla des Origenes einbezog. Dies war ein entscheidender Schritt, da es den Forschern ermöglichte, die verschiedenen griechischen Übersetzungsansätze des Alten Testaments zu vergleichen und so ein tieferes Verständnis der Textgeschichte zu gewinnen. Trommius' Werk stützte sich auf Vorarbeiten des angesehenen Dominikaners Bernard de Montfaucon († 1741), was die kontinuierliche Natur der Gelehrsamkeit und die Bedeutung der Zusammenarbeit unter den Forschern unterstreicht.
Diese älteren Arbeiten wurden jedoch Ende des 19. Jahrhunderts durch ein bahnbrechendes Werk abgelöst: die große Oxforder Konkordanz von Edwin Hatch und Henry Redpath. Zwischen 1892 und 1897 veröffentlicht, war diese Konkordanz ein monumentales Unterfangen. Sie umfasste nicht nur die Septuaginta und die Versionen der Hexapla, sondern auch die alttestamentlichen Apokryphen. Darüber hinaus führte sie hebräische Entsprechungen an, was die Brücke zwischen dem griechischen und dem hebräischen Text schlug. 1900 wurde das Werk noch um ein Supplement zu den Eigennamen ergänzt, was seine Vollständigkeit weiter erhöhte. Die Konkordanz von Hatch und Redpath gilt bis heute als das Standardwerk für das Studium der Septuaginta und des griechischen Alten Testaments und ist ein Zeugnis für die akribische Arbeit und den Weitblick ihrer Verfasser.
Die Entwicklung der Konkordanzen zum griechischen Neuen Testament
Die Konkordanzen zum griechischen Neuen Testament sind von besonderem Interesse, da sie den direkten Zugang zu den Originalworten der Evangelien, Briefe und der Offenbarung ermöglichen. Während die oben genannten Septuaginta-Konkordanzen indirekt auch für das Alte Testament in griechischer Form relevant sind, bedurfte es spezifischer Werke für das Neue Testament.
Die erste umfassende Konkordanz zum griechischen Neuen Testament wurde von Erasmus Schmid (1560–1637) erstellt und 1638 posthum veröffentlicht. Schmids „Novum Testamentum Graecum: Concordantiae“ war ein epochales Werk, das jedes Wort des griechischen Neuen Testaments auflistete, zusammen mit seinem Kontext und den Referenzen. Dieses Werk war von unschätzbarem Wert für die reformatorische Theologie und die nachfolgende Gelehrsamkeit, da es den Zugang zum Urtext erheblich erleichterte. Schmid legte den Grundstein für das systematische Wortstudium des Neuen Testaments und ermöglichte es Gelehrten, die Nuancen und Feinheiten der ursprünglichen Sprache zu erforschen.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden Schmids Werk überarbeitet und durch neuere, noch umfassendere Konkordanzen ergänzt. Die Entwicklung der Textkritik des Neuen Testaments, die zu immer genaueren Ausgaben des griechischen Textes führte, machte auch aktualisierte Konkordanzen notwendig. Ein herausragendes Beispiel für das 20. Jahrhundert ist die „A Greek-English Lexicon of the New Testament and Other Early Christian Literature“ von Walter Bauer, William F. Arndt, F. Wilbur Gingrich und Frederick W. Danker (bekannt als BDAG), die zwar ein Lexikon ist, aber in ihrer umfassenden Erfassung der neutestamentlichen Wortverwendungen viele Funktionen einer Konkordanz erfüllt und oft in Verbindung mit diesen genutzt wird.
Für das reine Konkordanzwesen sind auch die Arbeiten, die auf kritischen Textausgaben wie dem Nestle-Aland basieren, von großer Bedeutung. Diese Konkordanzen spiegeln den aktuellen Stand der Textforschung wider und bieten die präzisesten Verweise auf die meistakzeptierten griechischen Textformen des Neuen Testaments. Die kontinuierliche Arbeit an diesen Werken zeigt, dass die Erforschung der biblischen Texte ein fortlaufender Prozess ist, der immer wieder neue Werkzeuge und Verfeinerungen erfordert.
Wie eine Konkordanz funktioniert und wem sie dient
Eine Konkordanz ist weit mehr als nur eine alphabetische Wortliste. Sie ist ein System, das es ermöglicht, jedes Vorkommen eines Wortes in einem Textkorpus zu lokalisieren. Typischerweise enthält ein Eintrag:
- Das gesuchte Wort (Lemma).
- Eine kurze Passage oder den gesamten Vers, in dem das Wort vorkommt.
- Die genaue Referenz (Buch, Kapitel, Vers).
- Manchmal auch zusätzliche Informationen wie die hebräische/griechische Wurzelnummer (z. B. Strongs Konkordanz) oder grammatikalische Angaben.
Diese Struktur ermöglicht es dem Nutzer, den Kontext jedes Vorkommens zu analysieren, was für die Interpretation von entscheidender Bedeutung ist. Man kann beispielsweise sehen, ob ein Wort im positiven oder negativen Sinne verwendet wird, ob es in bestimmten theologischen Passagen häufiger vorkommt oder ob es sich um eine einzigartige Verwendung handelt.
Konkordanzen dienen einer breiten Palette von Nutzern: Theologiestudenten, Pastoren, Priestern, Rabbinern, Laien, die sich intensiv mit der Bibel auseinandersetzen, Übersetzern und Wissenschaftlern. Sie sind ein unverzichtbares Werkzeug für jeden, der die Originalsprachen der Bibel studieren oder einfach nur ein tieferes Verständnis der Texte in seiner Muttersprache erlangen möchte.
Vergleich wichtiger Konkordanzen
Um die Entwicklung und Vielfalt der Konkordanzen zu verdeutlichen, hier ein kurzer Vergleich einiger Schlüsselwerke, die wir besprochen haben:
| Konkordanz | Autor(en) | Erscheinungsjahr | Abgedeckter Text | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Concordantiae Sancti Iacobi | Hugo von St. Cher | ca. 1230-1240 | Lateinische Vulgata | Erste bekannte Konkordanz überhaupt; kurze Zitate |
| Konkordanz der Septuaginta | Conrad Kircher | 1607 | Septuaginta | Erste erhaltene Septuaginta-Konkordanz; mit hebräischen Entsprechungen |
| Septuaginta Konkordanz | Abraham van der Trommen | 1718 | Septuaginta | Inklusive Hexapla-Versionen (Aquila, Symmachus, Theodotion) |
| Novum Testamentum Graecum: Concordantiae | Erasmus Schmid | 1638 (posthum) | Griechisches Neues Testament | Erste umfassende NT-Konkordanz |
| A Concordance to the Septuagint | Edwin Hatch & Henry Redpath | 1892-1897 | Septuaginta, Apokryphen, Hexapla-Versionen | Standardwerk für die Septuaginta; hebräische Entsprechungen |
| Veteris Testamenti Concordantiae Hebraicae | Salomon Mandelkern | 1896 | Hebräisches Altes Testament | Umfassendstes Standardwerk für das Hebräische AT; grammatikalische Angaben |
Moderne Bibelkonkordanzen in deutscher Sprache
Die Tradition der Konkordanzen setzt sich bis heute fort, auch in deutscher Sprache. Moderne Konkordanzen berücksichtigen die neuesten Erkenntnisse der Textkritik und sind oft an spezifische Bibelübersetzungen gebunden (z.B. zur Elberfelder, Lutherbibel, Einheitsübersetzung). Dies ist wichtig, da die Wortwahl in verschiedenen Übersetzungen variieren kann und eine Konkordanz nur für die Version nützlich ist, für die sie erstellt wurde. Oft sind diese modernen Konkordanzen auch mit zusätzlichen Funktionen wie Verweisen auf die Originalsprache (Strong-Nummern) oder kurzem Lexikon versehen.
Darüber hinaus hat das digitale Zeitalter die Nutzung von Konkordanzen revolutioniert. Bibellese-Software und Online-Ressourcen bieten oft integrierte Konkordanzfunktionen, die eine sofortige Suche nach Wörtern in verschiedenen Übersetzungen und Originalsprachen ermöglichen. Dies beschleunigt den Forschungsprozess immens und macht das Studium der Bibel zugänglicher als je zuvor. Dennoch behalten gedruckte Konkordanzen ihren Wert als sorgfältig kuratierte Referenzwerke, die eine tiefe Auseinandersetzung mit dem Text fördern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist eine Konkordanz?
Eine Konkordanz ist ein alphabetisches Verzeichnis aller wichtigen Wörter, die in einem bestimmten Text oder einem Textkorpus vorkommen, zusammen mit ihren Fundstellen und oft auch einem kurzen Kontextzitat. Für die Bibel ist sie ein unverzichtbares Werkzeug, um die Häufigkeit, den Kontext und die Bedeutung von Wörtern zu studieren.
Warum ist eine Konkordanz für das Bibelstudium wichtig?
Sie ermöglicht es, die Verwendung eines Wortes im gesamten biblischen Text zu verfolgen, theologische Konzepte zu erforschen, die Nuancen der Originalsprachen zu verstehen und die Bibel tiefgründiger zu interpretieren. Sie ist ein Schlüssel zum Wortstudium und zur theologischen Forschung.
Gibt es auch digitale Konkordanzen?
Ja, in der heutigen Zeit sind digitale Konkordanzen weit verbreitet. Viele Bibellese-Softwareprogramme und Online-Ressourcen bieten integrierte Konkordanzfunktionen, die eine schnelle Suche und Analyse von Wörtern in verschiedenen Übersetzungen und Originalsprachen ermöglichen.
Wer nutzt Konkordanzen?
Konkordanzen werden von einer Vielzahl von Personen genutzt, darunter Theologiestudenten, Pastoren, Priester, Rabbiner, Bibelübersetzer, Wissenschaftler und jeder Laie, der ein tieferes Verständnis der biblischen Texte in ihren Originalsprachen oder spezifischen Übersetzungen erlangen möchte.
Was ist der Unterschied zwischen einer Konkordanz und einem Lexikon?
Eine Konkordanz listet alle Vorkommen eines Wortes im Kontext auf, um seine Verwendung zu zeigen. Ein Lexikon (oder Wörterbuch) hingegen bietet Definitionen, grammatikalische Informationen und etymologische Erklärungen zu Wörtern. Beide Werkzeuge ergänzen sich im Bibelstudium: Die Konkordanz zeigt, wo und wie ein Wort verwendet wird, während das Lexikon seine Bedeutung erklärt.
Die Erstellung von Konkordanzen ist ein Beweis für die unermüdliche Hingabe von Gelehrten, die den Zugang zur Heiligen Schrift erleichtern und vertiefen wollten. Von den frühen Manuskripten bis zu den modernen digitalen Datenbanken hat sich die Form zwar geändert, aber die grundlegende Funktion und der unschätzbare Wert dieser Werkzeuge bleiben bestehen. Sie sind die stillen Helden des Bibelstudiums, die es uns ermöglichen, die Worte des Alten und Neuen Testaments mit größerer Klarheit und Einsicht zu erfassen und so unser Verständnis des Glaubens zu bereichern.
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