26/10/2023
Für Tausende junge Menschen in Deutschland markiert die Konfirmation einen entscheidenden Übergang im Leben und im Glauben. Es ist eine Zeit des Feierns, des Nachdenkens und der tiefen Verbundenheit mit der evangelischen Kirche. Nach zwei Jahren, in denen pandemiebedingte Einschränkungen viele Gottesdienste beeinflussten, kehren die Gemeinden nun wieder zu festlichen, uneingeschränkten Feiern zurück. Doch was genau macht die Konfirmation so bedeutsam für die Jugendlichen, ihre Familien und die gesamte Gemeinde? Sie ist nicht nur ein traditionelles Familienfest, sondern eine Segenshandlung, die den Übertritt in das kirchliche Erwachsenenalter symbolisiert und die persönliche Entscheidung für den christlichen Glauben bekräftigt.

- Was ist die Konfirmation eigentlich?
- Die tiefere Bedeutung der Konfirmation
- Der Ablauf des Konfirmationsgottesdienstes
- Die Bedeutung der Konfirmandenarbeit in der Kirche
- Häufig gestellte Fragen zur Konfirmation
- Was ist die Konfirmation im Kern?
- In welchem Alter wird man konfirmiert?
- Wie lange dauert der Konfirmandenunterricht?
- Spielen Geldgeschenke eine Rolle bei der Entscheidung für die Konfirmation?
- Was passiert während des Konfirmationsgottesdienstes?
- Muss ich als Besucher etwas Besonderes beachten?
- Kann man nach der Konfirmation Taufpate werden?
Was ist die Konfirmation eigentlich?
Die Konfirmation ist eine Segenshandlung der evangelischen Kirche, die den Übertritt junger Menschen in das kirchliche Erwachsenenalter markiert. Das Wort „Konfirmation“ leitet sich vom lateinischen „confirmatio“ ab, was „Befestigung“ oder „Bestärkung“ bedeutet. Im Kern geht es darum, dass die jungen evangelischen Christen bewusst „Ja“ zu ihrer Taufe sagen. Während die Taufe oft im Säuglingsalter stattfindet und die Eltern stellvertretend den Glauben bekennen, übernehmen die Konfirmierten nun selbst die Verantwortung für ihren Glauben und ihre Kirchenzugehörigkeit.
Für viele Familien ist die Konfirmation ein großes Fest, das den Entwicklungsschritt vom Kind zum Jugendlichen hervorhebt. Es ist ein wichtiger Anlass nicht nur für die Konfirmanden selbst, sondern auch für Eltern, Geschwister, Großeltern und Paten. Der festliche Gottesdienst, gefolgt von einem gemeinsamen Essen und Beisammensein, prägt diesen Tag als unvergessliches Erlebnis. Pfarrer wie Oliver Ploch aus Bad Godesberg betonen die Bedeutung einer liebevollen Vorbereitung des Gottesdienstes, der „festlich, aber zugewandt und interessant“ sein soll, damit dieser Tag für die Jugendlichen und ihre Angehörigen zu einer bleibenden Erinnerung wird.
Die tiefere Bedeutung der Konfirmation
Über das Familienfest hinaus hat die Konfirmation eine tiefgreifende religiöse und persönliche Bedeutung. Sie ist ein öffentliches Bekenntnisakt zum christlichen Glauben und zur evangelischen Kirche. Mit der Konfirmation werden die Jugendlichen als vollwertige Mitglieder in die Gemeinde aufgenommen und erhalten bestimmte Rechte und Pflichten, die ihre neue Mündigkeit im Glauben unterstreichen. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, selbst Taufpaten zu werden. In einigen Landeskirchen dürfen Konfirmierte sogar an der Presbyterwahl teilnehmen, was ihre aktive Rolle in der Gemeindeleitung ermöglicht.
Die Konfirmation ist somit nicht nur ein Abschluss, sondern ein Neubeginn. Sie symbolisiert das bewusste Eintreten in eine lebendige Gemeinschaft des Glaubens und die Bereitschaft, den eigenen Glaubensweg eigenverantwortlich fortzusetzen und zu gestalten. Es ist ein Moment, in dem der Segen Gottes den Jugendlichen für ihren weiteren Lebensweg zugesprochen wird, begleitet von einem individuellen Bibelspruch, der sie durchs Leben begleiten soll.
Wer lässt sich konfirmieren und wie bereitet man sich vor?
In der Regel lassen sich evangelische Mädchen und Jungen im Alter von 13 oder 14 Jahren konfirmieren. Die Zahlen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zeigen, dass ein großer Teil der evangelisch getauften Jugendlichen diesen Schritt geht. Im Jahr 2020 wurden laut Statistik 156.078 junge Menschen konfirmiert, was weit über zwei Drittel aller evangelisch getauften Jugendlichen ausmacht. Diese hohe Beteiligung unterstreicht die anhaltende Relevanz der Konfirmation in unserer Gesellschaft.
Der Konfirmation geht ein ein- oder zweijähriger Konfirmandenunterricht voraus. Dieser Unterricht ist weit mehr als nur Religionskunde; er ist eine intensive Zeit der Auseinandersetzung mit den Glaubensgrundlagen. Die Jugendlichen lernen die Bedeutung von Taufe und Abendmahl kennen, beschäftigen sich mit zentralen Texten der Bibel, und vertiefen ihr Wissen über wichtige Gebete und Bekenntnisse wie das Vaterunser, die Zehn Gebote und das Glaubensbekenntnis. Es ist eine Phase der Reflexion, des Austauschs und des gemeinsamen Erlebens, die es den Konfirmanden ermöglicht, ihren eigenen Standpunkt im Glauben zu finden und zu festigen.
Ist es nur wegen der Geldgeschenke? – Ein Faktencheck
Es ist ein häufiger Vorwurf, dass sich junge Menschen hauptsächlich wegen der zu erwartenden Geldgeschenke für die Konfirmation entscheiden. Birgit Sendler-Koschel, Leiterin der Bildungsabteilung im EKD-Kirchenamt, kennt diesen Vorwurf gut, verweist aber auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Eine noch unveröffentlichte Konfi-Studie zeigt, dass die Entscheidung für die Konfirmation heute bewusst getroffen wird. Während materielle Geschenke sicherlich eine Rolle spielen können, ist der Wunsch nach einem festlichen Übergangsritus, die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft und die persönliche Auseinandersetzung mit Glaubensfragen oft die treibende Kraft. Die Konfirmation bietet einen Rahmen für diese wichtigen Lebensfragen und die Anerkennung des Erwachsenwerdens.
Der Ablauf des Konfirmationsgottesdienstes
Der Konfirmationsgottesdienst ist der Höhepunkt der Konfirmandenzeit und wird mit großer Sorgfalt vorbereitet, um ihn zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen. Im Zentrum des Gottesdienstes steht die feierliche Einsegnung der Konfirmanden. Diese persönliche Segnung, oft verbunden mit der Handauflegung durch den Pfarrer oder die Pfarrerin, und der Zuspruch eines individuellen Bibel-Spruches sind von Anfang an feste Bestandteile der Konfirmation gewesen. Vor der Segnung bekennen die Konfirmanden gemeinsam ihren Glauben und bekräftigen ihr „Ja“ zu einem Leben als mündiger Christ.
In vielen Gemeinden wird das Abendmahl, das zur Konfirmation dazugehört, bereits am Abend vor dem eigentlichen Konfirmationsgottesdienst gefeiert. Dies hat den Vorteil, dass der Hauptgottesdienst am Sonntag verkürzt werden kann, meist auf etwa 1,5 Stunden. Dies macht den Gottesdienst auch für jüngere Gäste und Angehörige, die nicht regelmäßig die Kirche besuchen, zugänglicher und weniger ermüdend, ohne an Tiefe zu verlieren.
Wichtige Hinweise für Gottesdienstbesucher
Als Gottesdienstbesucher sind Sie Teil der Gemeinde, und die Gemeinde ist kein Publikum. Es ist eine gemeinsame Feier des Glaubens und des Übergangs. Viele Gemeinden engagieren einen professionellen Fotografen, der während des Gottesdienstes Fotos macht, um diesen besonderen Tag festzuhalten. Es ist daher unnötig und wird nicht gerne gesehen, eigene Fotos mit dem Smartphone aufzunehmen. Dies hilft, die Atmosphäre der Andacht und des Respekts zu bewahren und Ablenkungen zu vermeiden.
Pfarrer Ploch berichtet, dass auch Angehörige, die sonst selten oder nie zur Kirche gehen, bereit sind, sich auf das Geschehen im Gottesdienst einzulassen. Oft sind sie positiv überrascht, dass etwas Existenzielles geschieht und der Gottesdienst weit weniger langweilig ist, als sie erwartet hatten. Die festliche Stimmung, die Musik, die Predigt und die persönliche Einsegnung der Jugendlichen schaffen eine besondere Atmosphäre, die viele Besucher berührt.

Die Bedeutung der Konfirmandenarbeit in der Kirche
Die Konfirmandenarbeit ist ein zentrales Element der evangelischen Jugendarbeit und ein wichtiges Aushängeschild für jede Gemeinde. Sie bietet einen geschützten Raum, in dem junge Menschen Fragen zu Gott und der Welt stellen, sich mit Gleichaltrigen austauschen und ihre eigene Spiritualität entdecken können. Die Handreichung der westfälischen Kirche zur Konfirmandenarbeit betont deren inklusiven Charakter: Alle evangelischen Jugendlichen einer Altersgruppe verbringen eine gemeinsame Zeit miteinander, unabhängig von ihrem Vorwissen oder ihrer bisherigen Kirchenbindung. Dabei setzen sie sich mit den Grundlagen ihres Glaubens auseinander, lernen die Gemeinde kennen und erfahren Gemeinschaft.
Die Konfirmandenzeit ist somit nicht nur Vorbereitung auf den Konfirmationsgottesdienst, sondern eine prägende Phase der Persönlichkeitsentwicklung und Glaubensbildung. Sie trägt dazu bei, dass Jugendliche eine bewusste Entscheidung für ihren Glauben treffen können und sich als Teil der weltweiten christlichen Gemeinschaft verstehen.
Vergleich: Rechte und Pflichten vor und nach der Konfirmation
Die Konfirmation markiert einen deutlichen Übergang im Leben eines jungen evangelischen Christen. Hier eine Übersicht über einige Aspekte:
| Aspekt | Vor der Konfirmation | Nach der Konfirmation |
|---|---|---|
| Kirchenzugehörigkeit | Getauftes Kind, Glauben wird von Eltern vertreten. | Mündiges, selbstverantwortliches Mitglied der Kirchengemeinde. |
| Teilnahme am Abendmahl | In vielen Landeskirchen erst nach der Konfirmation (Ausnahmen für getaufte Kinder möglich). | Uneingeschränkte Teilnahme am Heiligen Abendmahl. |
| Patenamt | Nicht möglich. | Kann Taufpate werden (Voraussetzung: Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche). |
| Wahlrecht in der Gemeinde | Kein aktives oder passives Wahlrecht. | In einigen Landeskirchen: Aktives Wahlrecht (Presbyterwahl) ab 16 Jahren. |
| Freiwilliges Engagement | Möglich, oft unter Aufsicht Erwachsener. | Verstärkte Möglichkeit zur selbstständigen Mitarbeit in der Gemeinde (z.B. Jugendleiter). |
Häufig gestellte Fragen zur Konfirmation
Was ist die Konfirmation im Kern?
Die Konfirmation ist eine Segenshandlung der evangelischen Kirche, die den Übertritt junger Menschen in das kirchliche Erwachsenenalter symbolisiert. Sie ist ein öffentliches Bekenntnis zum eigenen Glauben und zur Kirchenzugehörigkeit.
In welchem Alter wird man konfirmiert?
Evangelische Mädchen und Jungen werden in der Regel im Alter von 13 oder 14 Jahren konfirmiert, meist nach ein- oder zweijährigem Konfirmandenunterricht.
Wie lange dauert der Konfirmandenunterricht?
Der Konfirmandenunterricht dauert je nach Gemeinde und Landeskirche ein bis zwei Jahre. In dieser Zeit lernen die Jugendlichen die Grundlagen des christlichen Glaubens kennen.
Spielen Geldgeschenke eine Rolle bei der Entscheidung für die Konfirmation?
Obwohl Geldgeschenke zur Konfirmation üblich sind, zeigen Studien, dass die Entscheidung für die Konfirmation heute bewusst getroffen wird und persönliche sowie religiöse Motivationen im Vordergrund stehen.
Was passiert während des Konfirmationsgottesdienstes?
Im Zentrum des Gottesdienstes steht die Einsegnung der Konfirmanden mit einem persönlichen Bibelspruch. Zuvor bekennen die Jugendlichen ihren Glauben. Oft wird das Abendmahl bereits am Vorabend gefeiert.
Muss ich als Besucher etwas Besonderes beachten?
Als Besucher sind Sie Teil der feiernden Gemeinde. Es wird empfohlen, während des Gottesdienstes keine eigenen Fotos mit dem Smartphone zu machen, da oft ein professioneller Fotograf engagiert ist.
Kann man nach der Konfirmation Taufpate werden?
Ja, nach der Konfirmation und der damit verbundenen Mündigkeit im Glauben können evangelische Christen das Amt des Taufpaten übernehmen.
Die Konfirmation ist somit ein vielschichtiges Ereignis: Sie ist ein tief spiritueller Moment der Segnung und des Bekenntnisses, ein wichtiger familiärer Meilenstein und ein Fest der Gemeinschaft. Sie stärkt die Jugendlichen in ihrem Glauben und bereitet sie darauf vor, als mündige Christen aktiv am Gemeindeleben teilzuhaben. In einer sich schnell wandelnden Welt bietet die Konfirmation einen Ankerpunkt der Besinnung und der Zugehörigkeit, der die Bedeutung von Glauben und Gemeinschaft für das eigene Leben unterstreicht.
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