Welche Bücher gibt es über die keltische Mythologie?

Die Faszination Keltischer Mythologie

08/09/2023

Rating: 4.79 (13549 votes)

Die Welt der keltischen Mythologie ist ein faszinierendes Mosaik aus tiefem Glauben, lebendigen Gottheiten und einer einzigartigen Verbindung zur Natur und den unsichtbaren Reichen. Anders als viele andere antike Kulturen hinterließen die Kelten, deren Stämme sich über weite Teile Europas erstreckten, nur wenige schriftliche Zeugnisse ihrer Mythen und Sagen. Vielmehr wurden diese Geschichten, Gedichte und Gesänge über Generationen hinweg mündlich weitergegeben. Erst durch die Aufzeichnungen irischer Mönche ab dem 7. Jahrhundert, im Zuge der Christianisierung, erhielten wir die ersten schriftlichen Einblicke in ihre reiche Glaubens- und Sagenwelt. Diese schriftlichen Überlieferungen sind von unschätzbarem Wert, da sie uns ein Fenster zu einer Welt öffnen, in der Götter und Menschen, Diesseits und Jenseits auf untrennbare Weise miteinander verwoben waren. Die keltische Mythologie zeichnet sich durch ihre zyklische Erzählweise, die fließenden Übergänge zwischen den Welten und die kraftvolle, wandlungsfähige Natur ihrer Gottheiten aus, was sie zu einem besonders spannenden Forschungsfeld macht.

Was sind die typischen Merkmale der keltischer Mythologie?
Die seltener geradlinige, vielmehr zyklische Erzählweise und das Ineinandergreifen von diesseitigen und jenseitigen Welten sind typische Merkmale keltischer Mythologie. Mythen und Sagen, Gedichte und Gesänge wurden bei den Kelten vor allem mündlich von Generation zu Generation weitergegeben.
Inhaltsverzeichnis

Allgemeines zur keltischen Glaubenswelt

Die Kelten waren ein Volk von tiefer Religiosität, für das Götter und übernatürliche Wesen keine fernen, abstrakten Konzepte waren, sondern lebendige, allgegenwärtige Gestalten, die eine entscheidende Rolle in ihrem täglichen Leben spielten. Ihr Wesen war geprägt von Stärke, Kampfgeist, außerordentlicher Kunstfertigkeit und einer beeindruckenden Wandlungsfähigkeit. Dies spiegelte sich in ihren Mythen wider, die selten geradlinig verliefen, sondern vielmehr zyklisch angelegt waren, oft mit einem Ineinandergreifen von diesseitigen und jenseitigen Welten. Diese untrennbare Verbindung zwischen der materiellen und der spirituellen Dimension ist eines der charakteristischsten Merkmale keltischer Mythologie. Da die keltischen Stämme über ein weites geografisches Gebiet in Europa verteilt waren, entwickelte sich eine bemerkenswerte Vielfalt an lokalen Gottheiten und Traditionen. Man fand über 370 Namen von Göttinnen und Göttern in keltischen Siedlungsgebieten, wobei die meisten nur regionale Bedeutung hatten. Lediglich etwa 20 Namen tauchen in allen Regionen häufiger auf, was die regionale Ausprägung des keltischen Glaubens unterstreicht.

Die Tuatha Dé Danann: Götter und ihre Schätze

Die frühesten schriftlichen Zeugnisse der keltischen Mythologie, die uns durch irische Mönche überliefert wurden, beginnen mit der Saga der Tuatha Dé Danann, dem sagenhaften Volk der Göttin Dana. Es wird erzählt, dass dieses mystische Volk ursprünglich auf den Inseln im hohen Norden der Welt beheimatet war. An einem Montag nach Beltane, dem keltischen Frühlingsfest am 1. Mai, sollen sie in Irland gelandet sein. Um jede Möglichkeit einer Rückkehr abzuschneiden und ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, verbrannten sie am Strand all ihre Schiffe. Der aufsteigende Rauch soll den Himmel drei Tage lang verdunkelt haben, ein dramatisches Zeichen ihrer Ankunft. Mit sich führten die Tuatha Dé Danann nicht nur ihre hochentwickelten Handwerkskünste, technisches Wissen und das Wissen des Druidentums, sondern auch vier überaus mächtige und heilige Gegenstände, die bis heute in vielen magischen Traditionen eine Rolle spielen.

Die vier heiligen Insignien

Diese heiligen keltischen Insignien sind Symbole der Macht und des Wissens und repräsentieren verschiedene Aspekte des göttlichen Wirkens:

  • Das Schwert der Weisheit von Nuada (aus Findias): Ein unfehlbares Schwert, das, einmal gezogen, keinen Schlag verfehlte und stets tödlich war. Es symbolisiert die kriegerische und gleichzeitig weise Führung.
  • Die flammende Lanze von Lug (aus Gorias): Eine Lanze, die immer den Sieg garantierte und deren Anblick allein schon Furcht bei Feinden hervorrief. Sie steht für göttliche Gerechtigkeit und unwiderstehliche Macht.
  • Den Stein von Fál (gäl. Lia Fáil), der irische Königsstein (aus Falias): Dieser Stein brüllte laut auf, wenn der rechtmäßige Hochkönig Irlands ihn berührte. Er ist ein Symbol für Legitimität und göttliche Bestimmung der Herrschaft.
  • Den Kessel des Dagda (aus Murias): Ein Kessel, der stets mit Speisen gefüllt war und so die Fülle und den Überfluss symbolisierte. Er steht für Gastfreundschaft, Nahrung und Regeneration.

Die Tuatha Dé Danann wurden später von anderen Invasoren besiegt. Anstatt zu verschwinden, zogen sie sich der Legende nach in die Feenhügel zurück, die auch als Sidhe bekannt sind, wo sie bis heute leben sollen. Diese Hügel gelten als Tore zur Anderswelt, dem übernatürlichen Reich, das eng mit der menschlichen Welt verbunden ist.

Starke Frauen und Göttinnen

Die keltische Mythologie ist reich an Darstellungen mächtiger Göttinnen, die als starke, selbstbewusste Frauen und Führungspersönlichkeiten auftraten. Dies unterscheidet die keltische Gesellschaft deutlich von der römischen, wo Frauen oft auf die Rolle der Matronin beschränkt waren, die sich um Haushalt und Kinder kümmerte. Keltische Frauen nahmen aktiv am öffentlichen Leben teil, und ihre Göttinnen spiegeln diese Gleichberechtigung wider. Beispiele hierfür sind:

  • Cessair: Eine der ersten mythischen Gestalten, die nach einer Sintflut mit 50 Frauen und drei Männern nach Irland kam, um eine neue Zivilisation zu gründen.
  • Dana: Die Muttergöttin und Namensgeberin der Tuatha Dé Danann, die ihr Volk nach Irland führte.
  • Brigid: Eine vielseitig verehrte Göttin der Poesie, Heilkunst und Schmiedekunst, die auch mit dem Feuer in Verbindung gebracht wird.
  • Ceridwen: Eine walisische Zauberin und Göttin der Transformation, der Weisheit und der Inspiration, oft mit einem Kessel der Poesie und des Wissens assoziiert.
  • Rhiannon: Eine walisische Göttin der Souveränität, Pferde und des Todes, bekannt für ihre Schönheit und Unabhängigkeit.
  • Epona: Eine gallische und britische Pferdegöttin, die oft als Reiterin dargestellt wird und Schutz über Pferde und Reisende bietet.
  • Morrigan: Eine Kriegsgöttin, die oft in Form einer Krähe erscheint und das Schicksal von Schlachten beeinflusst. Sie verkörpert die wilde, unerbittliche Seite des Kampfes und der Transformation.

Diese Göttinnen zeigen die Vielfalt und den Einfluss weiblicher Figuren in der keltischen Mythologie und Gesellschaft.

Heilige Orte und Rituale

Die Kelten waren ein zutiefst naturverbundenes Volk, und dies spiegelte sich in ihren religiösen Praktiken wider. Im Gegensatz zu den Griechen oder Römern errichteten sie nur selten feste Tempel oder stellten Abbilder ihrer Götter her. Ihre heiligen Handlungen führten sie größtenteils im Freien durch, in den natürlichen Heiligtümern, die ihnen die Landschaft bot. Waldlichtungen, majestätische Berggipfel, abgeschiedene Inseln, geheimnisvolle Höhlen und vor allem Quellen und Gewässer dienten ihnen als Orte der Verbindung mit den Göttern. Erst durch den Kontakt mit den Griechen und Römern übernahmen die Kelten die Gewohnheit, Götterfiguren zu schaffen und kleinere Schreine zu errichten.

Nemetons: Die heiligen Haine

Von den heiligen Hainen der Kelten, oft als Nemetons bezeichnet, ist heute nicht mehr viel als die Erinnerung geblieben. Der Begriff „Nemeton“ selbst bedeutet „Heiligtum“. Klassische Berichterstatter schilderten, wie sich die Druiden, die religiösen Führer der Kelten, in diesen Wäldern trafen, um ihre heiligen Riten zu vollziehen. Obwohl keine physischen Strukturen erhalten sind, zeugen Ortsnamen, die von „Nemeton“ abgeleitet sind, von ihrer einstigen Bedeutung. Man findet solche Namen quer durch Europa, von Britannien über Spanien bis zum Balkan. Dies zeigt die weite Verbreitung und die zentrale Rolle dieser Naturheiligtümer im keltischen Glauben.

Heilige Quellen und Gewässer

Die Verehrung von Quellen, Brunnen, Seen und Flüssen ist im keltischen Glauben besser rekonstruierbar als die Baumheiligtümer, obwohl auch hier keine Bauwerke errichtet wurden. Archäologische Funde belegen jedoch eine Unzahl von Votivgaben, die in diesen Gewässern versenkt wurden. Dies reichte von Münzen und kleinen Figürchen bis hin zu Waffen, ganzen Streitwagen und kostbarem Goldschmuck. Die Kelten schrieben dem reinen Quellwasser Heilkräfte zu und versenkten Abbildungen erkrankter Gliedmaßen oder Organe in ihnen, in der Hoffnung auf Genesung. Einige dieser Quellen gelten bis heute als heilkräftig. Zahlreiche Mythen zeugen zudem vom Glauben der Kelten an Hüterinnen der Gewässer – Göttinnen oder Feen, die an den Quellen lebten und Durstigen Kelche mit lebensspendendem Wasser reichten, was den tief verwurzelten Quellenkult verdeutlicht.

Viereckschanzen: Rätselhafte Kultbezirke

Obwohl selten, gab es in vorrömischer Zeit auch einige befestigte Ritualbezirke oder Tempelanlagen, die sogenannten „Viereckschanzen“. Diese finden sich beispielsweise im Dreieck Zürich-Salzburg-Frankfurt. Der Begriff „Viereckschanze“ ist irreführend, da man ursprünglich annahm, es handele sich um Befestigungsanlagen. Tatsächlich sind es jedoch ummauerte Kultbezirke, deren auffälligste Besonderheit tiefe Opferschächte sind, die in einigen von ihnen entdeckt wurden. Diese Schächte deuten auf komplexe rituelle Praktiken und Opferzeremonien hin.

Dolmen und Menhire: Uralte Steine und Mythen

Um die neolithischen Steinsetzungen wie Menhire, Dolmen und Steinkreise ranken sich viele keltische Mythen, beispielsweise über ihre Funktion als Eingänge zur Anderswelt. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Megalithsteine, einschließlich berühmter Stätten wie Stonehenge, nicht von den Kelten errichtet wurden. Sie stammen von Völkern, die lange vor den Kelten das Land besiedelten (Megalithkultur). Dennoch ist es plausibel, dass die einwandernden Keltenstämme die Geheimnisse dieser Bauten von den Ureinwohnern erfuhren und sie für ihre eigenen Zwecke mitnutzten. Es ist anzunehmen, dass alte Völker und neu zugewanderte Keltenstämme eine Zeit lang nebeneinander lebten, sich vermischten und voneinander lernten. Die Überreste dieser uralten Steinzeitkultur sind bis heute Gegenstand zahlreicher Spekulationen.

Der faszinierende Kopfkult

Ein besonders auffälliges, wenn auch aus heutiger Sicht makaberes Merkmal der keltischen Kultur ist der Kopfkult. Archäologische Funde, Berichte klassischer Autoren und mythologische Überlieferungen belegen, dass die Kelten eine besondere Vorliebe für das Abschlagen von Köpfen hegten. Den gefallenen Gegnern wurde der Kopf abgetrennt und mit nach Hause genommen, wo er das Anwesen zierte oder zu einem Trinkgefäß umgearbeitet wurde. Was uns als grausamer Akt erscheinen mag, entsprang jedoch einer tiefen Achtung vor dem Gegner. Die Kelten sahen den Kopf als Sitz der Seele und das Denken als göttliche Eingebung im Gehirn. Der Kopf eines tapferen Gegners wurde geehrt, nicht der Lächerlichkeit preisgegeben. Manche Köpfe wurden sogar mit Zedernöl einbalsamiert oder in Stelen in Tempeln beigesetzt, wie das beeindruckende Beispiel der Kultstätte in Roquepertuse zeigt, wo Schädel in eigens dafür vorgesehenen Nischen ruhten.

Was sind die typischen Merkmale der keltischer Mythologie?
Die seltener geradlinige, vielmehr zyklische Erzählweise und das Ineinandergreifen von diesseitigen und jenseitigen Welten sind typische Merkmale keltischer Mythologie. Mythen und Sagen, Gedichte und Gesänge wurden bei den Kelten vor allem mündlich von Generation zu Generation weitergegeben.

Einflüsse und Überlieferung

Die keltische Mythologie ist, obwohl im Kern indoeuropäisch, im Laufe ihrer Entwicklung stark von anderen Kulturen beeinflusst worden. Diese Wechselwirkungen haben ihre Geschichten und ihr Weltbild erweitert und bereichert.

Fremde Kulturen und ihre Spuren

Direkte Kontakte mit den Etruskern und Skythen, die um das Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. begannen, erweiterten den keltischen Horizont. Diese Einflüsse, die sich über die Alpen und auf die Balkanhalbinsel erstreckten, waren ein wichtiger Auslöser für den Übergang von der Hallstatt- zur La-Tène-Kultur. Obwohl die keltische Mythologie davon beeinflusst wurde, behielt sie ihre spezielle Sichtweise der engen Verbundenheit der materiellen, diesseitigen mit der spirituellen, jenseitigen Welt bei. Eine besonders wichtige wechselseitige Beeinflussung gab es zwischen Kelten und Germanen, die schon in der späten Hallstattzeit begann. Zur Zeit der Römerherrschaft im Rheinland waren Germanen und Kelten bereits seit Jahrhunderten Nachbarn, was sich beispielsweise im Matronenkult zeigt, der sowohl keltische als auch germanische Elemente aufweist. Die genaue Richtung der Beeinflussung ist hierbei oft schwer zu belegen. Die Bildhaftigkeit inselkeltischer Mythen und ihrer nordgermanischen Gegenstücke lässt jedoch auf eine wechselseitige Befruchtung schließen. Geschichten, die sich um Gefolgschaftstreue drehen, wurden nach heutiger Erkenntnis von den Germanen aus dem keltischen Kulturraum übernommen, wie das altgermanische Wort *ambaχtaz ('Diener') vom altkeltischen ambactos ('Bote') belegt.

Die Rolle der mündlichen Überlieferung

Das Fehlen überlieferter Mythen im kontinentalen Celticum macht Deutungsversuche oft schwierig. Im Laufe der mündlichen Überlieferung veränderten sich die Inhalte der Mythen und nahmen zudem Einflüsse spätantiker (römischer) und frühmittelalterlicher (vor allem wikingerzeitlicher und angelsächsischer) Quellen auf. Bei der schriftlichen Niederlegung durch Mönche kamen biblische Überlieferungen oder frühritterliche Traditionen (aus der Matière de Bretagne) vom europäischen Festland hinzu. Daher bieten die inselkeltischen Mythen nicht nur Einblicke in die keltische Glaubenswelt, sondern auch in die früh- und hochmittelalterliche Sagen- und Gedankenwelt der Britischen Inseln.

Die Bedeutung von Tieren und Pflanzen

Tiere und Pflanzen spielten eine zentrale Rolle in der keltischen Mythologie und im Glauben der Kelten, oft als Symbole, heilige Wesen oder Träger magischer Kräfte.

Pflanzen in der Druidenkultur

Nach Plinius dem Älteren war die Eichenmistel die heiligste Pflanze der Druiden, ebenso der Baum, auf dem sie wuchs. Am sechsten Tag nach dem Neumond wurde sie unter Einhaltung strenger Vorschriften geerntet. Ein Priester in weißem Gewand stieg auf den Baum und schnitt die Mistel mit einer goldenen Sichel ab. Da die Eichenmistel in Britannien zu dieser Zeit nicht vorkam, verwendeten die Druiden der Insel wahrscheinlich die Weißbeerige Mistel, die narkotisierende und krampflösende Wirkungen hat. Pollenkörner dieser giftigen Pflanze wurden tatsächlich im Darm der Moorleiche „Lindow-Mann“ gefunden. Schon im Namen des Druiden, der nach Plinius auf das altgriechische Wort für „Eiche“ (drys) zurückzuführen ist, sowie im galatischen Drynemeton („Eichen-Hain“) kommt die Eiche als wichtiges mythisches Symbol vor. Eichenlaub diente als Kopfschmuck bei Opferhandlungen und Zeremonien. Der Genuss von Eicheln durch Druiden sollte angeblich den Blick in die Zukunft ermöglichen.

Der Apfel galt als Zeichen der Anderswelt und soll von dort zu den Menschen gekommen sein. Die mythologische Insel Avalon, ein wichtiger Ort in den Artusmythen, wird von Geoffrey von Monmouth als „Apfelinsel“ bezeichnet (Insula Pomorum), abgeleitet vom kymrischen Wort für Apfel (abal). In einer Legende aus Tara wird erzählt, ein Riese habe fünf Beeren in Irland verstreut, aus denen die fünf heiligen Bäume Irlands entsprangen: die Eibe von Ross, die Eschen von Dathis, Tortu und Uisneach sowie die Eiche von Mugnas. Die Eibe galt in Wales als das langlebigste Geschöpf der Welt, das angeblich 19.683 Jahre alt werden konnte.

Die Seelen der Dinge: Dingbeseelung

Die Vorstellung, dass an sich tote Dinge eine „Seele“ besitzen oder ein Eigenleben führen können, ist in der keltischen Mythologie weit verbreitet und in vielen inselkeltischen Legenden überliefert. Dies zeigt sich deutlich an den „vier Schätzen der Tuatha Dé Danann“, die alle eine vom Besitzer unabhängige Wirkkraft haben. Der Stein von Fál etwa verkündete durch einen lauten Schrei die Rechtmäßigkeit eines irischen Königs. Vergleichbar sind auch die „dreizehn Schätze der Insel Britannien“, zu denen Arthurs Kessel, Schwert, Schild und Schiff gehören. Die beseelte Wunderharfe des Dagda kehrte nach ihrem Raub von selbst zu ihrem Besitzer zurück und setzte feindliche Krieger mit einschläfernden Melodien außer Gefecht, ja erschlug sogar einen. Auch die Steine Bloc und Blugne konnten den richtigen König erkennen, indem sie ihm freiwillig Durchlass gewährten. Bei der Königsprüfung von Conaire Mór wichen die Steine auseinander, der Lia Fáil brüllte seinen Namen, und der Königswagen, der jeden Unrechtmäßigen abwarf, ließ ihn aufsteigen und die Pferde zogen ihn zur Residenz.

Der keltische Kesselkult

Der Kessel spielte eine überaus wichtige Rolle als mythisches Gerät in vielen keltischen und teilweise auch germanischen Sagen. Archäologische Funde von Kesseln als Grabbeigaben im festlandskeltischen Bereich sind häufig, auch wenn die damit verbundenen Mythen nicht immer erschlossen werden konnten. In der frühmittelalterlichen Literatur der Inselkelten ist der Wunderkessel ein wiederkehrendes Motiv. Es werden drei Arten von Wunderkesseln unterschieden: der Kessel des Reichtums und der Fülle, der Kessel als Beutestück aus der Anderswelt und der Kessel der Heilung oder Wiedergeburt. Der „Gute Gott“ Dagda besaß einen Kessel, der unerschöpflich Speisen spendete. Im „Tod Cú Chulainns“ wird der Held gezwungen, aus einem Kessel mit Hundefleisch zu essen, was sein Tabu verletzt. Im Mabinogion gibt es einen Kessel, der gefallene Krieger wiederbeleben kann, und einen, der Pryderi und Rhiannon gefangen hält. Der Wunderkessel, der Gut und Böse unterscheiden kann, ist Ziel eines Raubzuges von König Artus. Auch die Geschichte des Dichters Taliesin, der aus Ceridwens Kessel seine Dichtkunst empfängt, zeugt von der Bedeutung dieses Objekts. All diese Sagen können als literarische Vorläufer der Erzählungen um den Heiligen Gral gesehen werden.

Häufig gestellte Fragen zur Keltischen Mythologie

FrageAntwort
Was ist das Besondere an der keltischen Mythologie?Die keltische Mythologie zeichnet sich durch ihre tiefe Naturverbundenheit, die fließenden Übergänge zwischen Diesseits und Jenseits (der Anderswelt), die zyklische Erzählweise und die lebendige, wandlungsfähige Natur ihrer Götter aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Kulturen gibt es nur wenige schriftliche Zeugnisse aus der Zeit der Kelten selbst, da Geschichten mündlich überliefert wurden.
Wer waren die Tuatha Dé Danann?Die Tuatha Dé Danann waren ein sagenhaftes Volk der Göttin Dana, das der Legende nach in Irland ankam und dort mächtige heilige Gegenstände wie das Schwert des Nuada, die Lanze des Lug, den Stein von Fál und den Kessel des Dagda mitbrachte. Sie brachten auch Wissen und das Druidentum nach Irland, bevor sie sich in die Feenhügel zurückzogen.
Haben die Kelten Tempel gebaut?Die Kelten waren sehr naturverbunden und führten ihre heiligen Handlungen größtenteils im Freien durch, in Waldlichtungen (Nemetons), an Berggipfeln oder heiligen Quellen. Feste Tempel errichteten sie nur selten und erst später, unter dem Einfluss von Griechen und Römern. Es gab aber ummauerte Kultbezirke, sogenannte Viereckschanzen.
Was ist der keltische Kopfkult?Der keltische Kopfkult war eine Praxis, bei der die Kelten den Köpfen ihrer gefallenen Feinde eine besondere Bedeutung zumaßen. Sie sahen den Kopf als Sitz der Seele und des göttlichen Denkens. Daher wurden die Köpfe tapferer Gegner als Zeichen der Ehre gesammelt, teils einbalsamiert oder in Kultstätten aufbewahrt, nicht aus blinder Grausamkeit, sondern aus tiefer Achtung.
Welche Rolle spielten Frauen in der keltischen Religion?Keltische Frauen und Göttinnen waren in der Mythologie und Gesellschaft sehr mächtig und selbstbewusst. Göttinnen wie Dana, Brigid oder Morrigan waren Führungspersönlichkeiten und zeigten, dass Frauen am öffentlichen Leben teilnahmen, im Gegensatz zu den römischen Matronen, die hauptsächlich das Haus hüteten.

Die keltische Mythologie ist ein reiches Erbe, das uns tiefe Einblicke in die Weltanschauung eines alten Volkes gewährt. Ihre Geschichten von Göttern, Helden, magischen Orten und der untrennbaren Verbindung zwischen Mensch und Natur faszinieren bis heute und bieten eine Quelle der Inspiration für moderne Spiritualität und Kunst. Obwohl vieles im Dunkeln bleibt, zeugen die überlieferten Mythen von einer Welt, in der das Wunderbare stets präsent war und die Grenzen zwischen Realität und Übernatürlichem fließend waren.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Die Faszination Keltischer Mythologie kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Religion besuchen.

Go up