Wie viele Mönche gibt es in Marienau?

Kartause Marienau: Leben in tiefer Stille

23/06/2024

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In einer Welt, die immer lauter und schneller wird, existieren Orte der tiefen Ruhe und des bewussten Rückzugs. Einer dieser besonderen Orte ist die Kartause Marienau, das einzige Kartäuserkloster in Deutschland. Dieser Orden, bekannt als einer der strengsten in der katholischen Kirche, pflegt eine Lebensweise, die von Schweigen, Einsamkeit und ununterbrochenem Gebet geprägt ist. Kürzlich gewährte Pater Moses Maria Thiel OCart, der Prior der Kartause, einen seltenen Einblick in das verborgene Leben hinter den Klostermauern und betonte die zentrale Bedeutung der Stille für die Mönche.

Wie viele Mönche gibt es in Marienau?
Derzeit seien 21 Mönche in Marienau, erzählte Pater Moses Maria Thiel OCart. „Davon sind acht Patres, zwei Novizen für die Patres, elf Brüder.“ Es gebe unter den Mönchen „noch einen 80-jährigen Bruder, der in die Kartause Hain, Düsseldorf, eingetreten ist“.

Die Kartause Marienau, gelegen in Marienau, einem Teilort von Bad Wurzach im Landkreis Ravensburg in Oberschwaben, ist ein einzigartiges spirituelles Zentrum im deutschsprachigen Raum. Ihr Wahlspruch, "Stat crux dum volvitur orbis" (Das Kreuz steht still, während die Welt sich dreht), ziert den 1962 gelegten Grundstein und fasst die Essenz ihres kontemplativen Daseins zusammen. Seit 1964 führen die Kartäuser hier ein Leben in Gebet und Kontemplation, strikt getrennt von der Welt, um sich ganz der inneren Einkehr zu widmen.

Inhaltsverzeichnis

Die Gemeinschaft von Marienau: Zahlen und Zusammensetzung

Derzeit leben 21 Mönche in der Kartause Marienau. Pater Moses Maria Thiel OCart gab eine genaue Aufschlüsselung der Gemeinschaft: Acht der Mönche sind Patres, also Priestermönche. Für die Ausbildung zum Pater gibt es zudem zwei Novizen. Die größte Gruppe bilden elf Brüder, die sich um die praktischen Belange des Klosters kümmern. Eine Besonderheit ist ein über 80-jähriger Bruder, der ursprünglich in die Kartause Hain in Düsseldorf eingetreten war, bevor der Konvent nach Marienau umzog.

Die Gründung der Kartause Marienau vor 60 Jahren, im Jahr 1964, war eine direkte Konsequenz der modernen Entwicklung: Das frühere Kloster, die Kartause Maria Hain in Düsseldorf, musste aufgrund des Ausbaus des Düsseldorfer Flughafens und der damit einhergehenden Beeinträchtigung der Stille aufgegeben werden. Dies unterstreicht die fundamentale Bedeutung von Ruhe und Abgeschiedenheit für den Kartäuserorden.

Ein neuer Prior für Marienau: Wiederherstellung der Normalität

Nach einer längeren Phase ohne einen Prior – das Kloster hatte seit 2017 keinen mehr – wurde im Mai 2024 eine wichtige Veränderung vollzogen. Pater Moses Maria Thiel wurde am 17. Mai 2024 zum neuen Prior der Kartause Marienau gewählt. Er war bereits seit 2019 als Rektor tätig gewesen. Die Notwendigkeit dieser Wahl ergab sich aus internen Fehlentscheidungen des vorherigen Priors, der über 20 Jahre im Amt war und dessen Entscheidungen aufgearbeitet werden mussten. Das Generalkapitel des Ordens beschloss im Mai, dass Marienau wieder einen Prior wählen dürfe, was die Rückkehr zu einem normalen Klosterleben signalisiert.

Das Leben der Kartäuser: Ein strenger Tagesablauf

Das Leben der Kartäuser ist durch eine bemerkenswerte Strenge und Disziplin gekennzeichnet, die sich im gesamten Tagesablauf widerspiegelt. Der Tag beginnt bereits um Mitternacht mit der Matutin, dem ersten Stundengebet der Nacht. Darauf folgen im Laufe des Tages weitere Gebetszeiten, intensives Studium und körperliche Handarbeit. Anders als die Benediktiner, die ein stärker gemeinschaftliches Leben führen, leben Kartäuser in ihren eigenen kleinen Häuschen, die als Zellen bezeichnet werden. Diese individuellen Einsiedeleien sind durch einen Kreuzgang miteinander verbunden, der sowohl die Möglichkeit zur individuellen Klausur als auch zum gemeinsamen Gang bietet.

Was ist die Marienau?
Die Marienau ist ein besonderer Ort, an dem wir als „Christen in der Welt“ sehr dankbar sind. Wir fühlen uns verbunden mit den dort lebenden Brüdern und Patres, die uns durch ihr Ordenscharisma bereichern und bestärken. Wie alle Kartausen kann die Marienau nicht besichtigt werden.

Trotz der Betonung der Einsamkeit gibt es auch gemeinschaftliche Aktivitäten. Dazu gehören bestimmte Gebetszeiten, die gemeinsam in der Kirche verrichtet werden, sowie ein wöchentlicher Spaziergang. Dieser Spaziergang ist eine seltene Gelegenheit für die Mönche, sich auszutauschen und zu reden – eine Ausnahme vom sonst strengen Schweigegebot.

Ernährung und Verzicht

Auch die Essgewohnheiten der Kartäuser sind Ausdruck ihres asketischen Lebensstils. Pater Moses erklärte, dass die Mönche vollständig auf Fleisch verzichten. Zu bestimmten Zeiten, insbesondere von Mitte September bis Ostern, wird auch auf Milch und Käse verzichtet. In dieser Periode nehmen die Mönche am Abend nur Brot und Getränke zu sich, während die Küche nur eine einzige Hauptmahlzeit ausgibt. Von Ostern bis Mitte September hingegen essen sie zweimal täglich. Der heutzutage populäre Verzicht auf Fleisch ermöglicht eine vielfältige Auswahl an Speisen, die auch den Bedürfnissen der Kartäuser entsprechen.

Herausforderungen in der Nachwuchsgewinnung

Wie viele andere Klöster in der heutigen Zeit steht auch die Kartause Marienau vor der Herausforderung, ausreichend Nachwuchs zu finden. Obwohl Pater Moses betonte, dass der Konvent "noch ganz gut aufgestellt" sei, sind fünf der Mönche bereits über 80 Jahre alt, was die Notwendigkeit junger Eintritte verdeutlicht. Es gebe zwar "durchaus reges Interesse" an der Kartause, doch die extrem strenge und spezielle Lebensweise führt dazu, dass nur wenige Kandidaten tatsächlich eintreten. Die Kartäuser selbst sind bei der Aufnahme von Anwärtern äußerst sorgfältig und vorsichtig, da ihr Leben psychische und physische Gesundheit sowie eine gewisse Reife erfordert. Angesichts der heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse zeigt sich der Orden jedoch dankbar für jeden Eintritt.

Die Architektur der Kartause Marienau: Armut und Einfachheit

Die Kartause Marienau ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein architektonisches Zeugnis des Ordensideals von Armut und Einfachheit. Entworfen wurde die Anlage in den Jahren 1961 bis 1964 von den Architekten Emil Steffann und Gisberth Hülsmann. Der Bau erfolgte von 1962 bis 1964. Es handelt sich um eine sogenannte Doppel-Kartause, was bedeutet, dass die Anlage für zweimal zwölf Einsiedeleien ausgelegt ist, im Gegensatz zu einfacheren oder dreifachen Kartausen, die historisch ebenfalls existierten.

Die Gesamtanlage, die unter Federführung von Pater Marianus Marck vom Orden selbst konzipiert wurde, gliedert sich in fünf funktionale Bereiche:

  1. Den zentralen kleinen Kreuzgang
  2. Den großen Kreuzgang
  3. Den Brüderbau
  4. Die Werkstätten (inklusive Bauernhaus)
  5. Das Pforten- und Gästehaus

Die Gebäude am großen Kreuzgang sind eingeschossig, während die übrigen Bauteile der Kartause zweigeschossig ausgeführt sind. Die Bauweise ist von einfachster Handwerkskunst geprägt: geputztes Ziegelmauerwerk, Holzbalkendecken und rote Biberschwanz-Deckung auf den Dächern. Die Außenwände sind schlicht gelb gestrichen. Die gesamte Anlage ist von einer zweieinhalb Meter hohen und insgesamt 1250 Meter langen Klausurmauer umgeben, die nur durch drei Tore passierbar ist. Diese Mauer umschließt auch die Gebäude eines ehemaligen Hofes, Gewächshäuser und eine Kläranlage, was die Selbstversorgung und Abgeschiedenheit unterstreicht.

Zentrum der Anlage: Kirche und Kreuzgänge

Mittelpunkt der etwa zehn Hektar großen Klosteranlage ist die Kirche mit ihrem schlichten, hölzernen Dachreiter. Im Inneren ist die Kirche bewusst einfach, weiß und schmucklos gehalten, um nicht von der Kontemplation abzulenken. An die Kirche schließt sich der kleine Kreuzgang mit handwerklichen Kreuzgratgewölben an. Um diesen Kreuzgang gruppieren sich die Gemeinschaftsräume des Klosters: der Kapitelsaal, das Refektorium (Speisesaal) und die Bibliothek.

Was waren die Leitgedanken beim Entwurf der Kartause?
Leitgedanken beim Entwurf der Kartause waren, dem Ordensideal entsprechend, Armut und Einfachheit. [3] Es handelt sich bei dem Kloster Marienau um eine sogenannte Doppel-Kartause, d. h., dass zweimal zwölf Einsiedeleien angelegt sind. Es gibt historisch auch einfache und Tripel-Kartausen.

Vom kleinen Kreuzgang aus gelangt man zum großen Kreuzgang, dem charakteristischen Element jeder Kartause. Um diesen großen Kreuzgang sind die Einsiedeleien der Patres angelegt. In der Kartause Marienau ist der lange Flügel des großen Kreuzgangs 148 Meter lang und beherbergt 9 von insgesamt 24 Zellen (Einsiedeleien), während der kurze Flügel 101 Meter lang ist. Jede dieser Zellen ist ein kleines, eigenständiges Haus mit einem Garten, in dem der Mönch sein Leben in Einsamkeit und Gebet verbringt.

Der Friedhof und der Brüderbau

In der Mitte der Klosteranlage befindet sich auch der Friedhof, ein Ort der tiefen Bescheidenheit. Traditionell werden Kartäuser ohne Sarg, liegend auf einem Holzbrett und in ihrem Habit beerdigt. Als Grabmal dient ein einfaches Holzkreuz ohne Namen, was die Gleichheit aller Mönche im Tod betont. An der Stirnseite des Friedhofs steht ein weiteres großes Holzkreuz, unter das die Gebeine der Verstorbenen der ehemaligen Kartause Maria Hain übertragen wurden, ein Zeichen der Kontinuität über die Standorte hinweg.

Über eine Holzbrücke ist der zweistöckige Brüderbau vom kleinen Kreuzgang aus zu erreichen. Dieser Bau misst etwa 80 mal 50 Meter und beherbergt die Zellen der Brüder im Obergeschoss (etwa 15 Zellen). Im Untergeschoss befinden sich die Arbeitsräume der Brüder. Der Brüderbau verfügt zudem über eine eigene Brüderkapelle. Um den Brüderbau herum sind freistehende Werkstatt- und Lagergebäude für Metall- und Holzarbeiten sowie für den Gartenbau angeordnet.

Pforte und Gästehaus

Die Pforte und das Gästehaus sind als Teil der Klausurmauer angelegt. Hier befinden sich die Räume zur Unterbringung von Gästen. Für Familienangehörige der Mönche, die zu Besuch kommen, ist ein eigener Bereich mit eigenem Garten und einer Kapelle, der sogenannten "Damenkapelle", eingerichtet. Dies ermöglicht es den Mönchen, den Kontakt zu ihren Familien zu pflegen, ohne die strenge Klausur des Hauptklosters zu unterbrechen.

Zugang zur Kartause: Eine Welt für sich

Gemäß ihrer Berufung zum einsamen Leben erlauben die Klausurvorschriften der Kartäuser keinen Zugang für die Öffentlichkeit. Die Kartause Marienau ist nicht zu besichtigen. Die Mönche leben in einer Welt, die bewusst von der Außenwelt abgeschirmt ist, um ihre spirituelle Reise ungestört fortsetzen zu können. Ein seltener Einblick in das Klosterleben wurde 1983 durch einen Bericht des Südwestfunks Baden-Baden gewährt.

Häufig gestellte Fragen zur Kartause Marienau

Hier finden Sie Antworten auf einige der häufigsten Fragen zur Kartause Marienau und dem Leben der Kartäuser:

  • Wie viele Mönche leben derzeit in der Kartause Marienau?
    Aktuell leben 21 Mönche in der Kartause Marienau: 8 Patres, 2 Novizen für die Patres und 11 Brüder. Einer der Brüder ist über 80 Jahre alt und stammt noch aus der Kartause Hain in Düsseldorf.
  • Was ist das Besondere am Kartäuserorden?
    Der Kartäuserorden gilt als der wohl strengste Orden der katholischen Kirche. Sein Leben ist durch extreme Stille, Einsamkeit in individuellen Zellen (Einsiedeleien) und einen asketischen Tagesablauf mit viel Gebet, Studium und Handarbeit gekennzeichnet. Gemeinschaftliche Aktivitäten sind selten und streng geregelt.
  • Darf man die Kartause Marienau besuchen?
    Nein, die Kartause Marienau ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Klausurvorschriften des Ordens sehen keinen Zugang für Besucher vor, um das kontemplative Leben der Mönche zu schützen.
  • Warum wurde die Kartause Marienau gegründet?
    Die Kartause Marienau wurde 1964 gegründet, weil das vorherige Kloster des Ordens, die Kartause Maria Hain in Düsseldorf, aufgrund des Ausbaus des Düsseldorfer Flughafens und der damit verbundenen Lärmbelästigung keinen Ort der notwendigen Stille mehr bieten konnte.
  • Was bedeutet der Begriff "Doppel-Kartause"?
    Eine "Doppel-Kartause" ist eine Klosteranlage, die für zweimal zwölf Einsiedeleien (Zellen) ausgelegt ist. Historisch gab es auch einfache (zwölf Zellen) oder Tripel-Kartausen (dreimal zwölf Zellen). Marienau ist als Doppel-Kartause konzipiert.
  • Wie sieht der Tagesablauf eines Kartäusers aus?
    Der Tag beginnt gegen Mitternacht mit der Matutin. Es folgen weitere Gebetszeiten, intensives Studium und Handarbeit. Die meiste Zeit verbringen die Mönche in ihren individuellen Zellen. Es gibt nur wenige gemeinschaftliche Aktivitäten, wie bestimmte Gebetszeiten und einen wöchentlichen Spaziergang, bei dem auch gesprochen werden darf.

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