Wie viele Gebote gibt es im Judentum?

Das Herz des Judentums: Liturgie, Kalender & Feste

24/06/2022

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Das Judentum ist eine Religion, die tief in ihren Riten und Gebräuchen verwurzelt ist, welche sowohl innerhalb als auch außerhalb der Synagoge eine zentrale Rolle spielen. Diese Praktiken dienen als mächtige Bewahrer des religiösen Bewusstseins und stärken die jüdische Gemeinschaft. Der regelmäßige Besuch wöchentlicher Gottesdienste, das gemeinsame Feiern der zahlreichen Feiertage, die strikte Einhaltung diverser Tora-Gebote, die Weitergabe der hebräischen Sprache und die Berufung auf eine eigene Zeitrechnung – all diese Elemente haben dem Judentum über Jahrhunderte hinweg, trotz der weltweiten Verstreuung seiner Mitglieder, eine bemerkenswerte Einheitlichkeit und Überlebenskraft verliehen. Es ist diese Beständigkeit in der Tradition, die dem jüdischen Volk selbst nach 2000 Jahren in der Diaspora einen unverbrüchlichen Zusammenhalt ermöglicht.

Was ist das wichtigste Gebet des Judentums?
Die Juden haben durch ihren Bund mit Gott seine Gebote zu erfüllen - wie streng, das sehen viele als Auslegungssache. „Schma Israel“ (Höre Israel) lautet das wichtigste Gebet des Judentums, das zugleich Züge eines Glaubensbekenntnisses trägt. Ein allgemein gültiges und verbindliches Bekenntnis ist dem Judentum allerdings fremd.
Inhaltsverzeichnis

Der jüdische liturgische Kalender: Ein Zyklus nach Mond und Sonne

Das liturgische Jahr im Judentum folgt einem einzigartigen Zyklus, der durch den lunisolaren Kalender festgeschrieben ist. Im Gegensatz zur weit verbreiteten gregorianischen Zeitrechnung orientiert sich dieser Kalender sowohl am Verlauf des Mondes als auch an dem der Sonne. Das jüdische Jahr beginnt traditionell mit dem Monat Tischri, der in unseren westlichen Kalender in den September oder Oktober fällt. Es folgen zwölf Mondmonate von jeweils 29 bis 30 Tagen. Ein jüdischer Tag beginnt mit Sonnenuntergang, und die neue Woche startet am Ende des Schabbats, also am Samstagabend.

Die mondorientierte Zeitrechnung des jüdischen Kalenders unterscheidet sich vom gebräuchlichen Sonnenkalender um etwa elf Tage pro Jahr. Um jedoch sicherzustellen, dass die wichtigen Fest- und Feiertage stets in die richtigen Jahreszeiten fallen und somit ihren landwirtschaftlichen oder historischen Bezug nicht verlieren, wird nach festen Regeln ungefähr alle drei Jahre ein dreizehnter Monat, ein sogenannter Schaltmonat, zwischengeschaltet. Diese Anpassung gewährleistet die Harmonie zwischen den religiösen Vorschriften und den natürlichen Jahreszeiten.

Die Synagoge: Herz des gemeinschaftlichen Gebets

Das Zentrum und der Ausgangspunkt der jüdischen Liturgie ist die Verlesung der Tora, der fünf Bücher Mose. Die Tora ist in 54 Abschnitte, sogenannte Paraschot, eingeteilt. Immer am letzten Tag der Woche, dem Schabbat, wird ein Gottesdienst abgehalten, in dem fortlaufend je ein Wochenabschnitt vorgelesen wird. So ist das feierliche Begehen des Schabbats ein unverzichtbarer Bestandteil der jüdischen Liturgie.

Würdenträger und Ehrenämter im Gottesdienst

Für einen feierlichen und geregelten Ablauf des Gottesdienstes sorgen die von der Gemeinde gewählten Würdenträger. Der Rabbiner ist dabei der zentrale Ansprechpartner in religiösen Fragen und fungiert als Seelsorger seiner Gemeindemitglieder. Die Aufgabe des Vorbeters hingegen teilen sich der Kore, der Vorleser, und der Chazan, der Vorsänger oder Kantor. In einigen Gemeinden kann dieses Amt auch von einer einzigen Person besetzt werden.

  • Der Kore: Er hat die verantwortungsvolle Aufgabe, den wöchentlichen Abschnitt aus der Torarolle vorzutragen. Dies setzt eine extrem gute Kenntnis des Textes voraus, da die Torarolle bis heute ohne Vokale und Satzzeichen notiert wird. Zugleich muss der Kore ein ausgezeichnetes musikalisches Gedächtnis besitzen, denn der Heilige Text wird in einem genau festgelegten Singsang und Rhythmus rezitiert.
  • Der Chazan: Für bestimmte Abschnitte der Tora bestehen feste, eingängige Melodien, für deren Darbietung der Chazan zuständig ist. Neben einem sehr guten musikalischen Empfinden und einer angenehmen Singstimme muss der Chazan auch eine gewisse Ausdauer mitbringen, da die Gottesdienste in der Regel lang sind und der Vortrag im Stehen abgehalten wird. Eine durchgängig hohe Konzentration ist entscheidend, denn nur bei fehlerfreier Rezitation des Heiligen Textes gilt der Gottesdienst als angemessen begangen.

An hohen Feiertagen kommen außerdem die Cohanim – hebräisch Plural für Priester – zum Einsatz. Dabei meint die Bezeichnung „Priester“ nicht einen Prediger im christlichen Verständnis. Ein Cohen gilt als direkter Nachfahre der Leviten, der biblischen Hohepriester im Heiligen Tempel von Jerusalem. Daraus leitet sich auch sein privilegierter Status in der Synagoge ab. Gemäß dem vierten Buch Mose obliegt es den Cohanim, Gottes Segen über die Kinder Israel zu sprechen. Dieser Aaronitische Segen oder auch Priestersegen wird während des Hauptgebetes über die Gemeinde gesprochen, wobei Kore und Cohen gemeinsam beten:

Es segne dich der Ewige und behüte dich; der Ewige lasse dir leuchten sein Anglitz und sei dir gnädig; der Ewige wende sein Anglitz dir zu und gebe dir Frieden!

(Numeri 6:24-26)

Neben den Aufgaben der offiziellen Würdenträger gibt es noch eine Reihe von Ehrenämtern oder auch Mizwot, die von jedem Gemeindemitglied ausgeführt werden können. Mizwot beinhalten meist kleinere Aufgaben im Rahmen des Gottesdienstes, wie beispielsweise das Öffnen und Schließen der Türen des Toraschreins, das Tragen der Torarolle zum Lesepult, das Entrollen und Halten, das Schmücken und Rückführen der Tora nach Gebrauch. Dies ermöglicht es jedem Gläubigen, sich aktiv am Gottesdienst zu beteiligen und Teil des Geschehens zu sein.

Der Schabbat: Der wöchentliche Höhepunkt

Der wichtigste Gottesdienst im Wochenverlauf findet am Schabbat, dem jüdischen Ruhetag, statt. Der Schabbat beginnt am Freitag bei Abenddämmerung mit einer rituellen Andacht im Kreise der Familie. Zum Hauptgottesdienst am Samstagmorgen versammeln sich die Gläubigen in der Synagoge. Gemeinsam wird das „Schma Jisrael“ – das Bekenntnis zu dem einzigen Gott und zur Einhaltung seiner Gebote – und die Amida – das Achtzehnbittengebet – gebetet. Sie finden sich neben weiteren Gebeten und Segenssprüchen im jüdischen Gebetbuch, dem Siddur.

Der bedeutsamste Teil des Gottesdienstes ist jedoch die Rezitation des neuen Wochenabschnittes aus der Tora. Zu diesem Anlass wird die wertvolle Torarolle aus dem Toraschrein, einem kunstvoll gestalteten Schrank an der Ostwand der Synagoge, genommen und feierlich zur Bima, dem Lesepult in der Mitte des Hauses, getragen. Dort wird sie vom Kore, dem Chazan und einem Rabbiner in Empfang genommen. Jedes Mitglied der Gemeinde kann nun „zur Tora aufgerufen werden“ (Alija, was wörtlich „Aufstieg“ bedeutet), das heißt, den vorgeschriebenen Lobspruch vor und nach der Lesung rezitieren. Den Kerntext liest jedoch der Kore selbst, wobei er für alle sichtbar mit einem Zeigestab, der Jad (hebr. Hand), die entsprechenden Zeilen in der Torarolle entlangfährt. Der Chazan singt dabei einzelne Gebete, Psalmen und Hymnen. Die Anwesenden folgen dem Vortrag in ihren gedruckten Bibeln oder Gebetbüchern.

Was ist die innere Dialektik des jüdischen Gebets?
Da beide, sehr unterschiedlichen Ansichten das jüdische Gebet prägen, zeichnet es sich durch eine innere Dialektik aus. Es beinhaltet verschiedene Eigenschaften, die sich grundlegend voneinander unterscheiden, sich gegenseitig scheinbar widersprechen, wenn nicht gar gegenseitig ausschliessen.

Während des Aus- und Einhebens der Tora berühren die Gläubigen die Torarolle oft mit ihrem Tallit (Gebetsschal) als Zeichen der Ehrerbietung. Nach dem Ende der Lesung wird die Rolle wieder feierlich „angezogen“ und in einer kleinen Prozession zurück zum Toraschrein gebracht, begleitet von Gebeten und Gesängen. In orthodoxen Synagogen gibt es keine Instrumente während des Gottesdienstes.

Ein kurzer Vortrag oder eine Auslegung des Rabbiners gehört ebenfalls zum Gottesdienst. Nach den Hauptgebeten wird oft der Kiddusch gefeiert, eine Segenshandlung über Wein und Brot, die ihren Ursprung darin hat, dass Menschen ohne Familie eine Mahlzeit und Gemeinschaft geboten werden sollte. Der Gottesdienst wird mit weiteren Gebeten und Gesängen beendet, wobei das Kaddisch, ein Gebet zur Heiligung Gottes Namens, insgesamt etwa fünf Mal gebetet wird.

Ein Zyklus des Gedenkens und der Freude: Die jüdischen Feste

Neben dem Schabbat beinhaltet das liturgische Jahr des Judentums eine Vielzahl weiterer Fest- und Feiertage, die tief in Geschichte, Glaube und Gemeinschaft verwurzelt sind.

  • Rosch ha-Schana (Neujahrsfest): Der jüdische Festzyklus beginnt im Monat Tischri (September/Oktober) mit Rosch ha-Schana, dem Neujahrsfest. Im Gegensatz zur christlichen Tradition steht der Anfang eines neuen Jahres im Judentum im Zeichen des Gedenkens und der Sühne. Die zehntägige Bußezeit wird traditionell durch das Schofar, ein Instrument aus dem Horn eines Widders, eingeblasen. Mit dem Verspeisen eines in Honig getauchten Apfels bitten die Gläubigen symbolisch um ein mildes und heilsames Jahr. Auch der Toten wird mit einem Gang zum Friedhof gedacht. Viele Juden legen zu Neujahrsbeginn sogenannte Halbfastentage ein, das heißt, sie nehmen bis zum Mittag nichts zu sich.
  • Jom Kippur (Versöhnungstag): Die Bußezeit endet, zehn Tage nach Rosch ha-Schana, mit Jom Kippur, dem „Versöhnungstag“. Er gilt als der höchste und heiligste Feiertag im Judentum. An Jom Kippur halten sich strenggläubige Juden an ein striktes Fastengebot und widmen sich ausschließlich dem Gebet. Mancherorts wird an diesem Tag in Gedenken an die eigene Sterblichkeit weiße Kleidung getragen. Der Tag endet mit dem gemeinsamen Glaubensbekenntnis in der Synagoge und einem abschließenden Blasen des Schofar.
  • Sukkot (Laubhüttenfest): Auf die zehn Bußetage folgt im gleichen Monat Sukkot, das neuntägige Laubhüttenfest. Es ist ein Fest der Freude und Lebenskraft, das Erntedank- und Gedenkfeier vereint. Mit der ganzen Familie wird eine Hütte aus Naturmaterialien erbaut, die für eine Woche Wohnstätte sein soll. Damit wird an die Lebensbedingungen der Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten erinnert. Zum Zeichen ihrer Dankbarkeit für die Gaben Gottes bindet die Familie aus vier Pflanzenarten einen Lulaw, einen Strauch, der neben der Hütte steht und in den folgenden sieben Tagen mit in die Synagoge genommen wird.
  • Simchat Tora (Tag der Gesetzesfreude): Sukkot endet mit einem besonderen Fest, Simchat Tora, dem „Tag der Gesetzesfreude“. Im Gottesdienst wird der letzte Wochenabschnitt der Tora gelesen und die Gesetzesrolle wieder von vorn abgerollt. Ausgelassene Feierlichkeiten begleiten diesen besonderen Tag, die Kinder bekommen Süßigkeiten. In einigen Gemeinden wird die Torarolle tanzend und singend mehrmals rund um das Lesepult getragen.
  • Chanukka (Lichterfest): Etwa in die christliche Weihnachtszeit fällt Chanukka, das „Lichterfest“. Der Grund für diesen Feiertag liegt über 2000 Jahre zurück: mit der Wiedereinweihung des zweiten Jerusalemer Tempels 164 vor unserer Zeitrechnung erkämpfte sich das jüdische Volk Autonomie gegenüber der hellenistischen Vorherrschaft. Der Tempel, das höchste Heiligtum der Juden, war unter dem Syrerkönig Antiochus IV. Epiphanes zur heidnischen Kultstätte geworden. Als die jüdische Rebellenarmee Jerusalem zurückeroberte, entzündete sie im Tempel erneut das ewige Licht als Symbol für Gottes Gegenwart. Der Sage nach brannte dieses Licht acht ganze Tage lang, obwohl das Lampenöl nur für einen Tag gereicht hätte. In Erinnerung an dieses Wunder wird mit jedem Abend des Chanukka-Festes ein weiteres Licht am Chanukka-Leuchter entzündet – bis alle acht Lichter brennen. Chanukka mit seinem traditionellen Essen, den Geschichten, Spielen und Geschenken ist ein Fest der Familie.
  • TubiSchevat (Neujahrsfest der Bäume): Ein eher kleiner Feiertag ist TubiSchevat, das Neujahrsfest der Bäume, das im Januar/Februar gefeiert wird. Das Fest geht zurück auf einen Ausspruch der Mischna, einer Sammlung religionsgesetzlicher Überlieferungen. In der jüdischen Welt ist es zur Tradition geworden, diesen Tag im Freien zu verbringen, Bäume zu pflanzen und möglichst viele unterschiedliche Obstsorten zu essen, vorzugsweise von Früchten, die in Israel wachsen.
  • Purim (Fest der Lose): Ausgelassen gefeiert wird wieder zu Purim, dem „Fest der Lose“ im jüdischen Monat Adar (Februar/März). Eine biblische Parabel vom Sieg des Glaubens über die Raserei des Judenhasses bildet den Ausgangspunkt für dieses Fest: wie es im Buch Ester geschrieben steht, beabsichtigte der persische Großwesir Haman, alle Juden des Reiches zu töten, und bestimmte via Los das Datum der Ausrottung – den 14. Adar. Königin Ester jedoch rettete mit Klugheit und Standhaftigkeit ihr Volk, Haman endete am Galgen. Alljährlich an Purim lebt die Geschichte um die Errettung der persischen Juden wieder auf. Viel Essen und Wein, fantasievolle Umzüge, Kostümierungen, Theaterspiele und fröhlicher Lärm machen es zu einem der buntesten Feste im jüdischen Jahr.
  • Pessach (Fest der ungesäuerten Brote): Auch Pessach, das im Monat Nissan (März/April) liegt, hat seinen Ursprung in der biblischen Geschichte. Es wird auch das „Fest der ungesäuerten Brote“ genannt und erinnert an die Befreiung der Israeliten aus ägyptischer Sklaverei. Nachdem Gott zehn Plagen über die Ägypter gesandt hatte, um sein Volk zu erretten, verließen die Hebräer überstürzt ihre Häuser und begaben sich auf die Flucht in die Wüste. Es blieb ihnen nicht einmal Zeit, das Brot für die Reise gären zu lassen. Aus dieser Geschichte entwickelte sich der Brauch, über Pessach Mazzen, Fladenbrote aus Mehl, Wasser und Salz zuzubereiten und statt des Brotes zu essen. Traditionell steht zu Pessach auch ein sehr gründlicher Hausputz an: kein einziger Krümel gesäuerten Brotes darf sich mehr in der Wohnung finden, mit einer Kerze wird rituell jede Ecke des Hauses nach vergessenen Teigwaren durchsucht. Am ersten Abend des Pessach, dem Sederabend, versammelt sich die Familie nach dem Gang in die Synagoge um einen reichhaltig gedeckten Tisch. Es finden sich allerlei symbolträchtige Gerichte darauf, die vor ihrer Verspeisung benannt und gesegnet werden. Die rituelle Rückbesinnung auf die gemeinsame Geschichte soll Zusammenhalt und Gemeinschaft unter den Gläubigen stärken.
  • Schavuot (Wochenfest): Fünfzig Tage nach Pessach, im Monat Siwan (Mai/Juni) wird Schavuot gefeiert. Das „Wochenfest“ hat einen weltlichen wie einen religiösen Ursprung. Als Erntedankfest feiert es das Einholen der Weizenernte in Israel. Gleichzeitig ist es aber auch ein Festtag zu Ehren der Offenbarung der Tora am Berg Sinai. Das 2. Buch Mose beschreibt, wie Mose aus Enttäuschung über den Götzendienst seines Volkes am Goldenen Kalb die erste Tafel mit den Zehn Geboten zerschmetterte. In Sühne beteten die Hebräer fünfzig Tagen lang. Zum Lohn sandte ihnen Gott eine zweite Gesetzestafel. Deren feierliche Verlesung bildet noch heute an Schavuot den Mittelpunkt des Gottesdienstes. Viele Gläubige bleiben zudem die ganze Nacht auf, um gemeinsam zu beten und die Tora zu studieren.

Wichtige jüdische Feiertage im Überblick

FeiertagBedeutungJüdischer Monat (Gregorian)
Rosch ha-SchanaJüdisches Neujahr, Beginn der BußzeitTischri (Sep/Okt)
Jom KippurHöchster Feiertag, Versöhnungstag, FastenTischri (Sep/Okt)
SukkotLaubhüttenfest, Erntedank und Gedenken an ExodusTischri (Sep/Okt)
Simchat ToraFreude über die Tora, Abschluss des jährlichen LesungszyklusTischri (Sep/Okt)
ChanukkaLichterfest, Wiedereinweihung des TempelsKislew (Nov/Dez)
PurimFest der Lose, Rettung der persischen JudenAdar (Feb/Mär)
PessachFest der ungesäuerten Brote, Auszug aus ÄgyptenNissan (Mär/Apr)
SchavuotWochenfest, Offenbarung der Tora am Sinai, ErntedankSiwan (Mai/Jun)

Häufigkeit und Arten jüdischer Gottesdienste

Die Häufigkeit und Art der Gottesdienste im Judentum variieren, doch gibt es feste Strukturen, die den religiösen Alltag prägen.

  • Wöchentliche Gottesdienste: Der wichtigste und am häufigsten besuchte Gottesdienst findet wöchentlich am Schabbat statt, beginnend am Freitagabend und fortgesetzt am Samstagmorgen. Diese Schabbatgottesdienste beinhalten Eingangsgebete, Lobpreis Gottes mit Gebeten und Psalmen, stille Gebete wie die Amida und Schlussgebete. Teile dieser Gebete werden gesungen, und in orthodoxen Synagogen kommen dabei keine Instrumente zum Einsatz.
  • Alltägliche Gebetszeiten: Gläubige Jüdinnen und Juden gehen auch an Werktagen zu bestimmten Gebetszeiten in die Synagoge, um Gottesdienst zu feiern, wenn auch kürzer als am Schabbat. Streng genommen gilt jedes Gebet, selbst das Birkat haMason (das Gebet nach der Mahlzeit), als Gottesdienst, denn das Gebet wird als „Dienst des Herzens“ verstanden.
  • Feiertagsgottesdienste: An den zahlreichen jüdischen Feiertagen gibt es spezielle Gottesdienste, die sich durch die Einfügung feiertagsspezifischer Gebete und Lesungen von den wöchentlichen oder täglichen Gottesdiensten unterscheiden.

Im Gottesdienst wird auch für Kranke gebetet und für Heilung und Bewahrung gedankt. Jeder, der ein Anliegen oder eine Danksagung hat, kann sich melden, sodass die Gebete sehr persönlich werden können.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist das höchste Heiligtum der Juden?
Historisch gesehen war der Tempel in Jerusalem, insbesondere der Zweite Tempel, der im Jahr 70 n. Chr. zerstört wurde, das höchste Heiligtum der Juden. Er war das Zentrum des Kultes und der Gottesverehrung. Obwohl der Tempel heute nicht mehr existiert, bleibt er ein zentrales Symbol in der jüdischen Tradition und Hoffnung. In der heutigen Praxis sind die Tora-Rolle selbst und die Synagoge als Ort der Zusammenkunft und des Gebets die wichtigsten physischen Heiligtümer.
Wie oft wird ein Gottesdienst gebetet?
Ein formeller Gottesdienst wird wöchentlich am Schabbat gefeiert (Freitagabend und Samstagmorgen). Zusätzlich gibt es an allen jüdischen Feiertagen spezielle Gottesdienste. Strenggläubige Jüdinnen und Juden beten darüber hinaus dreimal täglich (morgens, nachmittags und abends), oft in der Synagoge, sofern ein Minjan (Quorum von zehn erwachsenen Männern) vorhanden ist. Jedes Gebet wird jedoch als „Dienst des Herzens“ verstanden.
Was ist die Tora?
Die Tora, auch bekannt als die fünf Bücher Mose (Pentateuch), ist der zentrale und heiligste Text des Judentums. Sie enthält die grundlegenden Gesetze, Gebote und Erzählungen, die die Grundlage des jüdischen Glaubens und Lebens bilden. Sie wird in 54 Wochenabschnitte (Paraschot) unterteilt, die jährlich im Rahmen des Schabbat-Gottesdienstes gelesen werden.
Was ist der Schabbat?
Der Schabbat ist der wöchentliche Ruhetag im Judentum, der von Freitagabend bei Sonnenuntergang bis Samstagabend nach Einbruch der Dunkelheit dauert. Er ist ein Tag, der der Ruhe, dem Gebet, dem Studium der Tora und der Familie gewidmet ist. Während des Schabbats sind bestimmte Formen der Arbeit und kreativen Tätigkeit untersagt, um sich ganz auf spirituelle und gemeinschaftliche Aspekte zu konzentrieren.
Warum ist der jüdische Kalender anders?
Der jüdische Kalender ist ein lunisolarer Kalender, der sich sowohl am Mondzyklus für die Monate als auch am Sonnenzyklus für die Jahre orientiert. Dies ist anders als der rein solare gregorianische Kalender. Die Anpassung durch Schaltmonate (etwa alle drei Jahre) stellt sicher, dass die jüdischen Feste, die oft an landwirtschaftliche Zyklen gebunden sind, stets in die richtige Jahreszeit fallen, obwohl die Monate nach dem Mond berechnet werden.

Die Liturgie des Judentums ist stark ritualisiert und von teils Jahrtausende alten Traditionen geprägt. Die jährliche Wiederkehr der Erinnerungsfeste, der sich wiederholende Zyklus der Toralesung, das gemeinsame Gebet im genau gleichen Wortlaut wie vor 2000 Jahren – dies alles schafft einen Rahmen der Beständigkeit, der für das Überleben des Judentums notwendig ist. In keiner anderen Religion lebten und leben die Mitglieder so weit verstreut und unter so unterschiedlichen kulturellen Einflüssen. Die Kenntnis der jüdischen Liturgie verspricht dem gläubigen Juden Gemeinschaft und Sicherheit, unabhängig davon, an welchem Ort dieser Welt der jüdische Gottesdienst praktiziert wird. Auf diesem Phänomen fußt der Zusammenhalt des jüdischen Volkes auch nach 2000 Jahren der Diaspora.

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