Was sagt die Bibel über die Familie von Josef?

Papst Franziskus über den heiligen Josef

17/06/2022

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In einer Welt, die von Unsicherheit und globalen Herausforderungen geprägt ist, hat Papst Franziskus mit seinem Apostolischen Schreiben „Patris corde“ ein Licht auf eine Gestalt geworfen, die oft im Schatten steht, aber dennoch eine zentrale Rolle in der Heilsgeschichte spielt: den heiligen Josef. Das Schreiben, veröffentlicht am 8. Dezember 2020 – dem 150. Jahrestag der Erklärung Josefs zum Schutzpatron der gesamten katholischen Kirche durch den seligen Papst Pius IX. – ruft nicht nur ein besonderes Jahr des heiligen Josefs aus, sondern bietet auch eine tiefgehende Reflexion über die Bedeutung dieses Mannes für unsere heutige Zeit. Insbesondere vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie hebt Franziskus Josef als Vorbild für all jene „gewöhnlichen Menschen“ hervor, die im Verborgenen Großes leisten und Hoffnung säen. Er ist, so der Papst, „dieser unauffällige Mann, dieser Mensch der täglichen, diskreten und verborgenen Gegenwart“. Doch wie genau beschreibt Papst Franziskus diesen einzigartigen Heiligen und welche Botschaften sendet er uns durch seine Betrachtung?

Inhaltsverzeichnis

Ein Mann der diskreten Präsenz: Josef als Vorbild in Krisenzeiten

Der Papst betont, dass die Covid-19-Pandemie die immense Bedeutung der „gewöhnlichen Menschen“ in den Vordergrund gerückt hat – jener, die abseits des Rampenlichts geduldig ihren Beitrag leisten und durch ihr Mitverantwortungsgefühl Hoffnung verbreiten. Diese Beschreibung trifft auf den heiligen Josef in besonderer Weise zu. Franziskus nennt ihn einen „unauffälligen Mann“, dessen Präsenz „täglich, diskret und verborgen“ ist. Gerade diese unscheinbare, aber verlässliche Präsenz macht ihn zu einem idealen Vorbild in Zeiten der Krise. Er war kein König, kein Prophet, kein Gelehrter, sondern ein einfacher Zimmermann, der seine Berufung im Dienst an seiner Familie erfüllte. Seine Stärke lag nicht im großen Auftritt, sondern in der treuen Erfüllung seiner Pflichten, im Vertrauen auf Gott und in seiner Fähigkeit, Widrigkeiten mit kreativem Mut zu begegnen. So wird Josef zum Sinnbild für all jene, die im Stillen wirken, sei es im Gesundheitswesen, in der Pflege, in der Familie oder in anderen wichtigen Bereichen, die das Fundament unserer Gesellschaft bilden. Seine „unvergleichliche Hauptrolle“ in der Heilsgeschichte spielt er gerade durch diese Haltung der Demut und des Dienens.

Wie beschreibt Papst Franziskus den heiligen Josef?
Papst Franziskus beschreibt den heiligen Josef in seinem Apostolischen Schreiben „Patris corde“ als geliebten Vater, zärtlichen Vater, gehorsamen und gastfreundlichen Vater, einen Vater des kreativen Muts, einen Arbeiter, der immer im Schatten steht.

Die sieben Facetten der Vaterschaft Josefs

Papst Franziskus destilliert in „Patris corde“ sieben zentrale Attribute, die die Vaterschaft des heiligen Josef charakterisieren. Diese Beschreibungen sind nicht nur theologische Reflexionen, sondern auch praktische Anleitungen für unser eigenes Leben und unsere Beziehungen:

  1. Geliebter Vater: Josef wird von den Christen seit jeher geliebt, weil er seine menschliche Berufung zur familiären Liebe in eine übermenschliche Hingabe verwandelte, die dem Messias diente.
  2. Zärtlicher Vater: In Josef sah Jesus die Sanftmut Gottes. Er lehrt uns, unsere Schwächen anzunehmen, denn Gott verurteilt nicht, sondern empfängt, umarmt, unterstützt und vergibt.
  3. Gehorsamer Vater: Mit seinem „Fiat“ – seinem Ja zu Gottes Plan – rettete Josef Maria und Jesus. Er lehrt seinen Sohn, den Willen des Vaters zu tun und trägt so zum großen Mysterium der Erlösung bei.
  4. Gastfreundlicher Vater: Josef nahm Maria bedingungslos an, eine Haltung, die in einer Welt voller Gewalt gegen Frauen von großer Bedeutung ist. Er vertraute auf den Herrn und nahm auch Ereignisse an, die er nicht verstand, was uns lehrt, andere anzunehmen, wie sie sind, besonders die Schwachen.
  5. Vater des kreativen Mutes: Josef verwandelte Probleme in Chancen, indem er stets auf die göttliche Vorsehung vertraute. Er handelte entschlossen, um seine Familie zu schützen, wie es viele Familien, insbesondere Migranten, heute tun müssen.
  6. Arbeitender Vater: Als Zimmermann lehrte Josef Jesus den Wert und die Würde der Arbeit. Der Papst betont, dass Arbeit eine „dringende soziale Frage“ ist und zur Teilnahme am Erlösungswerk wird.
  7. Vater im Schatten: Josef stellte sich nie selbst in den Mittelpunkt. Er verstand es, zur Seite zu treten und Maria und Jesus zur Mitte seines Lebens zu machen. Sein Glück gründete sich auf Selbsthingabe, nicht auf Selbstaufopferung.

Diese sieben Punkte zeigen die Vielfalt und Tiefe von Josefs Vaterschaft auf, die ihn zu einem zeitlosen Vorbild machen.

Josef als Beschützer und Vorbild der Annahme

Die Rolle Josefs als bedingungsloser Beschützer ist ein zentrales Element in der päpstlichen Betrachtung. Er nahm Maria an, „ohne irgendwelche Vorbedingungen“, eine Geste, die Franziskus als besonders bedeutsam in unserer heutigen Welt hervorhebt, „in der die psychische, verbale und physische Gewalt gegenüber der Frau offenkundig ist.“ Diese bedingungslose Annahme zeugt von einem tiefen Vertrauen in Gottes Plan und einer Haltung der Empathie und des Respekts. Josef übernahm eine tragende Rolle, die aus der Stärke des Heiligen Geistes entsprang. Durch ihn, so der Papst, ruft uns Gott zu: „Fürchtet euch nicht!“ Der Glaube gibt jedem Ereignis, ob glücklich oder traurig, einen Sinn.

Als „Hüter“ Jesu und Marias ist es nur folgerichtig, dass der heilige Josef auch der Schutzpatron der gesamten Kirche ist. Die Mütterlichkeit der Kirche und der Leib Christi – jeder Bedürftige – finden in ihm einen Beschützer. Von Josef können wir lernen, „die Kirche und die Armen zu lieben“, denn er kümmerte sich um das Kind, das ihm anvertraut war, so wie wir uns um die Schwächsten in unserer Gesellschaft kümmern sollen. Seine Fürsorge erstreckte sich auch auf die konkreten Probleme seiner Familie, was ihn zu einem Fürsprecher für alle Familien, insbesondere für Migranten, macht, die oft ähnliche Herausforderungen meistern müssen.

Die Würde der Arbeit und Josefs Beispiel

Ein weiterer Schwerpunkt des Schreibens ist Josefs Rolle als ehrlicher Zimmermann. Er lehrt uns „welch ein Wert, welch eine Würde und welch eine Freude es bedeutet, das Brot zu essen, das die Frucht eigener Arbeit ist“. Papst Franziskus nutzt dieses Beispiel, um einen eindringlichen Appell für die Arbeit zu lancieren, die er als „dringende soziale Frage“ bezeichnet, selbst in wohlhabenden Ländern. Angesichts der Zunahme der Arbeitslosigkeit, insbesondere aufgrund der Covid-19-Pandemie, fordert der Papst dazu auf, den Wert, die Bedeutung und die Notwendigkeit der Arbeit neu zu entdecken. Er betont, dass Arbeit Würde verleiht, zur Teilhabe am Erlösungswerk wird und die Möglichkeit bietet, eigene Fähigkeiten zu entwickeln und in den Dienst der Gesellschaft zu stellen. Franziskus wünscht sich eine „neue ‚Normalität‘, in der niemand ausgeschlossen ist“, und ruft dazu auf, dass „kein junger Mensch, keine Person, keine Familie ohne Arbeit!“ ist. Josefs fleißige Hände und sein Engagement für seine Familie sind ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Arbeit nicht nur zum Lebensunterhalt dient, sondern auch zur persönlichen Entfaltung und zum Wohl der Gemeinschaft beiträgt.

Vaterschaft neu verstehen: Nicht besitzergreifend, sondern selbstlos

„Als Vater wird man nicht geboren, Vater wird man“, bekräftigt der Papst. Dies geschieht nicht allein durch die Zeugung eines Kindes, sondern durch die verantwortungsvolle Sorge um es. In einer Gesellschaft, in der Kinder oft „vaterlos“ erscheinen, fehlen Väter, die ihre Kinder an die Realität des Lebens heranführen, ohne sie festhalten oder besitzen zu wollen. Josef ist hier ein leuchtendes Beispiel. Sein Beiname „keusch“ drückt eine Haltung aus, die das Gegenteil von „besitzergreifend“ ist. Er liebte in außerordentlicher Freiheit. Er stellte sich nie selbst in den Mittelpunkt, sondern trat zur Seite, um Maria und Jesus zur Mitte seines Lebens zu machen. Dieses Glück der Selbsthingabe, nicht der Selbstaufopferung, macht ihn zum idealen Vorbild „in einer Welt, die Väter braucht, Despoten aber ablehnt“. Josef lehrt uns, Autorität nicht mit Autoritarismus zu verwechseln, Dienst nicht mit Unterwürfigkeit, Stärke nicht mit Zerstörung. Seine Vaterschaft ist ein Modell der selbstlosen Liebe, die das Kind in die Freiheit entlässt und ihm hilft, eigene Entscheidungen zu treffen.

Das persönliche Gebet des Papstes zum heiligen Josef

In „Patris corde“ teilt Papst Franziskus eine zutiefst persönliche Gewohnheit: Seit über vierzig Jahren betet er täglich nach den Laudes ein Gebet zum heiligen Josef. Dieses Gebet, das aus einem französischen Andachtsbuch des 19. Jahrhunderts stammt, drückt nicht nur Verehrung und Vertrauen aus, sondern fordert Josef auch auf herausfordernde Weise auf, zu helfen. Es lautet:

„Heiliger Josef, glorreicher Patriarch, der du das Unmögliche möglich machen kannst, komm mir in meiner Not und Bedrängnis zu Hilfe. Gewähre in den ernsten und schwierigen Anliegen, die ich dir anvertraue, deinen Schutz, sodass alles ein glückliches Ende nimmt. Mein geliebter Vater, ich setze mein ganzes Vertrauen in dich. Niemand soll sagen können, er habe dich vergeblich angerufen, und da du bei Jesus und Maria alles erwirken kannst, lass mich erfahren, dass deine Güte ebenso groß ist wie deine Macht. Amen.“

Dieses Gebet offenbart die tiefe persönliche Bindung des Papstes an den heiligen Josef und unterstreicht die Überzeugung, dass Josef ein mächtiger Fürsprecher bei Gott ist, besonders in scheinbar unmöglichen Situationen.

Das Jahr des heiligen Josefs: Ablässe und spirituelle Möglichkeiten

Zur Feier des 150-jährigen Jubiläums der Erklärung Josefs zum Schutzpatron der Weltkirche hat Papst Franziskus ein besonderes Jahr des heiligen Josefs ausgerufen, das vom 8. Dezember 2020 bis zum 8. Dezember 2021 dauerte. Verbunden damit war die Gewährung „besonderer Ablässe“, die Gläubigen die Möglichkeit boten, durch bestimmte Gebete, Werke der Frömmigkeit oder Taten der Nächstenliebe einen Ablass zu erhalten. Dies zielte darauf ab, die Verehrung des heiligen Josefs zu fördern und die Gläubigen zu ermutigen, sein Beispiel in ihrem Leben nachzuahmen. Es war eine Einladung, tiefer in die Spiritualität des heiligen Josefs einzutauchen und seine Tugenden, wie Demut, Gehorsam, Fleiß und Hingabe, im eigenen Alltag zu leben.

Vergleich: Traditionelle Sicht vs. Franziskus's Betonung

AspektTraditionelle SichtweiseBetonung durch Papst Franziskus
Rolle JosefsStiller, rechtschaffener Pflegevater Jesu."Unvergleichliche Hauptrolle" in der Heilsgeschichte, Protagonist.
VaterschaftBiologisch nicht der Vater, aber rechtlicher Vormund.Aktive, konkrete, verantwortungsvolle Vaterschaft; "Vater wird man".
Vorbild für...Männer, Arbeiter, Familienväter.Alle "gewöhnlichen Menschen", Migranten, die Kirche, die Armen, Väter im Allgemeinen (besonders in der heutigen Gesellschaft).
CharakteristikGehorsam, Gerechtigkeit, Keuschheit.Geliebt, zärtlich, gehorsam, gastfreundlich, kreativ mutig, arbeitend, im Schatten stehend, nicht besitzergreifend.
AktualitätHistorische Figur, Heiliger.Besonders relevant in Krisenzeiten (Pandemie), bei sozialer Ungleichheit (Arbeit), Gewalt gegen Frauen.

Häufig gestellte Fragen zum heiligen Josef und "Patris corde"

Was ist "Patris corde"?
"Patris corde" (Mit väterlichem Herzen) ist ein Apostolisches Schreiben von Papst Franziskus, das er am 8. Dezember 2020 veröffentlichte. Es widmet sich dem heiligen Josef anlässlich des 150. Jahrestages seiner Erklärung zum Schutzpatron der Weltkirche und ruft ein spezielles Josef-Jahr aus.
Warum ist der heilige Josef ein Vorbild in der Corona-Pandemie?
Papst Franziskus sieht Josef als Vorbild für die "gewöhnlichen Menschen", die im Verborgenen Großes leisten und durch ihre Geduld und ihr Verantwortungsbewusstsein Hoffnung verbreiten. Seine diskrete, tägliche und verborgene Präsenz spiegelt die unsichtbare, aber essentielle Arbeit vieler Menschen während der Pandemie wider.
Was bedeutet es, dass Josef ein "Vater im Schatten" ist?
Es bedeutet, dass Josef sich nie selbst in den Mittelpunkt stellte. Er trat bewusst zur Seite, um Maria und Jesus die zentrale Rolle in seinem Leben einzuräumen. Sein Glück basierte auf der Selbsthingabe und nicht auf dem Wunsch, zu besitzen oder zu kontrollieren.
Warum betont der Papst die Würde der Arbeit so stark?
Als Zimmermann lehrte Josef Jesus den Wert der Arbeit. Papst Franziskus nutzt dies, um auf die "dringende soziale Frage" der Arbeit in unserer Zeit aufmerksam zu machen, insbesondere angesichts der Arbeitslosigkeit durch die Pandemie. Er ruft dazu auf, Arbeit als Quelle der Würde und der Teilhabe am Erlösungswerk neu zu entdecken.
Wie beschreibt Papst Franziskus die Vaterschaft im Allgemeinen?
Der Papst betont, dass man "Vater wird, nicht geboren wird". Vaterschaft ist demnach nicht nur biologischer Natur, sondern entsteht durch die verantwortungsvolle Sorge und die Fähigkeit, Kinder in die Freiheit zu entlassen, ohne sie festzuhalten oder zu besitzen. Josef ist hier das Idealbild eines Vaters.

Die Betrachtung des heiligen Josefs durch Papst Franziskus in „Patris corde“ ist weit mehr als eine historische Würdigung. Sie ist eine tiefgründige Einladung, die Tugenden dieses „Mannes der täglichen, diskreten und verborgenen Gegenwart“ für unser eigenes Leben neu zu entdecken. Josef, der geliebte, zärtliche, gehorsame, gastfreundliche, mutige und arbeitende Vater im Schatten, bietet uns ein zeitloses Vorbild für Demut, Dienstbereitschaft, Vertrauen und selbstlose Liebe. Er lehrt uns, dass wahre Stärke oft im Verborgenen liegt, dass Annahme bedingungslos sein sollte und dass die Würde der Arbeit eine zentrale Säule einer gerechten Gesellschaft ist. In einer Welt, die nach Orientierung sucht, weist uns der heilige Josef den Weg zu einer Vaterschaft, die nicht beherrscht, sondern befreit, und zu einem Leben, das sich der Vorsehung Gottes anvertraut. Seine Botschaft ist eine Botschaft der Hoffnung und des Mutes für alle Zeiten.

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