19/09/2022
Im Herzen der neutestamentlichen Erzählungen finden sich oft Figuren, die uns durch ihre Menschlichkeit und ihre Beziehung zu Jesus Christus besonders nahekommen. Zwei dieser bemerkenswerten Persönlichkeiten sind Marta und Maria, die Schwestern des Lazarus aus Betanien. Ihr Zuhause, ein kleines Dorf nahe Jerusalem, wurde zu einem Ort der Gastfreundschaft und des Rückzugs für Jesus und seine Jünger. Ihre Geschichten sind nicht nur Zeugnisse tiefer Freundschaft und Glauben, sondern bieten auch zeitlose Lektionen über die Vielfalt des Dienens und des Verstehens im christlichen Leben. Betrachten wir die Facetten dieser einzigartigen Schwestern und die tiefen Botschaften, die ihre Begegnungen mit Jesus für uns bereithalten.

- Wer waren Marta und Maria von Betanien?
- Das Wunder der Auferweckung des Lazarus
- Die Salbung in Betanien: Ein Akt der Liebe
- Marta und Maria: Unterschiedliche Wege, ein Ziel
- Maria und Maria Magdalena – Eine Klärung
- Der Unterschied zwischen „einer Schwester“ und „einer Maria“ – Die Mutter Jesu und ihre „Geschwister“
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer waren Marta und Maria von Betanien?
Marta und Maria waren, zusammen mit ihrem Bruder Lazarus, enge Freunde Jesu. Obwohl sie nicht wie die Jünger mit ihm umherzogen, unterstützten sie ihn und seine Begleiter stets durch ihre herzliche Gastfreundschaft. Ihr Haus in Betanien war ein Ort, an dem Jesus Ruhe finden und sich erfrischen konnte. Die Evangelien zeichnen ein lebendiges Bild dieser beiden Schwestern, deren Persönlichkeiten auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen.
Der Evangelist Lukas berichtet von einem denkwürdigen Besuch Jesu in ihrem Haus. Marta, die ältere Schwester, scheint eine überaus gewissenhafte und fürsorgliche Gastgeberin gewesen zu sein. Lukas 10, Vers 40, beschreibt, wie sie sich „viel zu schaffen“ machte, um Jesus und seinen Begleitern angemessen zu dienen. Ihre Priorität lag eindeutig darin, eine perfekte Umgebung zu schaffen und für das leibliche Wohl zu sorgen. Sie verkörperte den aktiven Dienst, die praktische Zuwendung, die in vielen Kulturen als Ausdruck von Respekt und Liebe gilt.
Maria hingegen wählte eine andere Herangehensweise. Während Marta in der Küche und im Haushalt beschäftigt war, setzte sich Maria „dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu“ (Lukas 10, 39). Für sie stand das geistige Wohl, die direkte Begegnung mit Jesus und das Aufnehmen seiner Lehren im Vordergrund. Sie war fasziniert von seinen Worten und zog es vor, in stiller Andacht zuzuhören, anstatt sich um weltliche Aufgaben zu kümmern.
Marta konnte Marias Verhalten offenbar nur schwer nachvollziehen. Ihre Sorge und Mühe führten zu einer Beschwerde an Jesus: „Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll!“ (Lukas 10, 40). Es war ein Ruf nach Gerechtigkeit, ein Ausdruck ihrer Überforderung und vielleicht auch ein wenig Unverständnis für Marias scheinbare Untätigkeit. Doch Jesu Antwort überraschte Marta und liefert uns eine zentrale Lehre über Prioritäten im Glauben:
„Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“ (Lukas 10, 41 f.)
Dieser liebevolle Tadel Jesu war keine Abwertung von Martas Dienst, sondern eine sanfte Erinnerung daran, dass im Leben mit Gott das Zuhören und die Hinwendung zum Wort Gottes eine übergeordnete Bedeutung haben können. Es geht nicht darum, den Dienst zu verachten, sondern die Priorität auf das Wesentliche zu legen. Bibelforscher sehen in den beiden Schwestern beispielhafte Charaktere für unterschiedliche Weisen, sich Jesus und seinen Lehren zuzuwenden. Es gibt jene, die sich aktiv in der Gemeinde engagieren und dienen, und andere, die sich lieber still und nachdenklich mit dem Glauben auseinandersetzen. Wie Paulus in Römer 12, 4 ff. feststellte, sind es gerade solche unterschiedlichen Charaktere und Gaben, die das gemeinsame Glaubensleben unendlich bereichern.
Das Wunder der Auferweckung des Lazarus
Die vielleicht bekannteste und dramatischste Begegnung zwischen Jesus und den Schwestern ereignete sich im Zusammenhang mit dem Tod ihres Bruders Lazarus, wie im Johannesevangelium (Kapitel 11) berichtet wird. Lazarus erkrankte schwer, und Marta und Maria schickten Boten zu Jesus mit der Bitte um Hilfe. Doch seltsamerweise zögerte Jesus, zu kommen. Er erklärte seinen Jüngern: „Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde“ (Johannes 11, 4). Erst zwei Tage später machte er sich auf den Weg nach Betanien, wohlwissend, dass Lazarus bereits gestorben war.
Als Jesus und die Jünger in Betanien eintrafen, war Lazarus bereits vier Tage tot und begraben. Tiefe Trauer lag über dem Haus von Marta und Maria, die von vielen Verwandten und Bekannten umgeben waren. Wieder war es Marta, die zuerst die Initiative ergriff. Sie eilte Jesus entgegen, noch bevor er das Dorf erreichte, und klagte: „Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben“ (Johannes 11, 21). Doch trotz ihres Schmerzes offenbarte sie einen tiefen Glauben, als Jesus ihr versprach, dass Lazarus auferstehen werde. Auf seine Frage, ob sie dies glaube, antwortete sie mit einem der eindringlichsten Glaubensbekenntnisse des Neuen Testaments:
„Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.“ (Johannes 11, 27)
Diese Aussage unterstreicht nicht nur Martas feste Überzeugung, sondern auch ihre theologische Einsicht. Kurz darauf traf auch Maria mit den Trauergästen ein. Als Jesus ihre tiefe Trauer sah, „ergrimmte er im Geist und wurde sehr betrübt“ (Johannes 11, 33) und weinte selbst. Gemeinsam begaben sie sich zum Grab, einer Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.
Jesus forderte die Umstehenden auf, den Stein wegzunehmen. Marta, immer noch praktisch denkend und vielleicht von Zweifeln geplagt, warf ein: „Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen“ (Johannes 11, 39). Doch Jesus erinnerte sie an seine Worte: „Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?“ (Johannes 11, 40). Der Stein wurde entfernt, und Jesus rief mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ (Johannes 11, 43).
Was dann geschah, war ein unfassbares Wunder: „Der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch.“ (Johannes 11, 44). Lazarus wurde von den Tüchern befreit, und Marta und Maria hatten ihren Bruder lebendig wieder zurück. Dieses Ereignis war nicht nur eine persönliche Freude für die Schwestern, sondern eine mächtige Demonstration der Macht Jesu über Leben und Tod und eine Bestärkung des Glaubens vieler Anwesender.

Die Salbung in Betanien: Ein Akt der Liebe
Das Johannesevangelium berichtet von einer weiteren wichtigen Begegnung Jesu mit den Schwestern kurz vor seinem Tod. Wieder waren Jesus und seine Jünger zu Gast in Betanien, und wie gewohnt kümmerte sich Marta fürsorglich um die Bewirtung. Doch diesmal war es Maria, die im Mittelpunkt stand und einen Akt von außergewöhnlicher Liebe und Hingabe vollbrachte.
Maria nahm ein Pfund sehr kostbaren, reinen Nardenöls und goss es über Jesu Füße. Dann trocknete sie seine Füße mit ihrem Haar. Der Duft des Öls erfüllte das ganze Haus (Johannes 12, 3). Dieser Akt war für viele, insbesondere für Judas Iskariot, eine unbegreifliche Verschwendung. Judas beschwerte sich, dass das Öl für dreihundert Denare hätte verkauft und das Geld den Armen gegeben werden können. Doch das Evangelium deutet an, dass Judas dies nicht aus Sorge um die Armen sagte, sondern weil er ein Dieb war und die Kasse verwaltete.
Jesus jedoch verteidigte Maria und erklärte die tiefere Bedeutung ihrer Handlung: „Lass sie in Frieden! Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit.“ (Johannes 12, 7 f.). Er verstand Marias Salbung als einen prophetischen Akt der Vorbereitung auf sein bevorstehendes Begräbnis. Es war ein Ausdruck bedingungsloser Liebe und Verehrung, der über das Praktische hinausging und eine tiefe spirituelle Dimension hatte. Diese Szene unterstreicht einmal mehr, dass Jesus nicht nur den Dienst, sondern auch die kontemplative, liebevolle Hingabe schätzte.
Marta und Maria: Unterschiedliche Wege, ein Ziel
Die Geschichten von Marta und Maria lehren uns eine wichtige Lektion über die Vielfalt des Glaubens und des Dienstes. Es gibt keine „richtigere“ Art, Jesus nachzufolgen. Beide Schwestern, mit ihren unterschiedlichen Temperamenten und Prioritäten, waren Jesus gleichermaßen wichtig und wurden von ihm geliebt. Martas praktischer Dienst und Marias kontemplatives Zuhören sind zwei Seiten derselben Medaille des Glaubens.
Jesus tadelt Marta nicht für ihren Dienst an sich, sondern für ihre Sorge und Mühe, die sie vom Wesentlichen ablenkten. Er ermutigt sie, wie uns alle, die Balance zwischen Tun und Sein zu finden, zwischen dem Engagement in der Welt und der stillen Hinwendung zu Gott. Die Geschichte der zwei ungleichen Schwestern zeigt, dass die Nachfolge Jesu Raum für unterschiedliche Persönlichkeiten und Gaben bietet. Es geht darum, sich selbst und andere nicht zu verbiegen, sondern anzuerkennen, was für jeden Einzelnen wesentlich und stimmig ist, um seinen Glauben auszudrücken und zu leben.
Maria und Maria Magdalena – Eine Klärung
Aufgrund der im Neuen Testament erwähnten verschiedenen Marias kommt es häufig zu Verwechslungen. Besonders die Szene der Salbung durch eine Frau führte zu Missverständnissen. Der Evangelist Lukas berichtet, dass eine namenlose Sünderin Jesus die Füße salbte (Lukas 7, 37-50). Da Maria Magdalena schon früh und zu Unrecht mit dieser Sünderin identifiziert wurde, wurde auch Martas Schwester Maria oft fälschlicherweise mit Maria Magdalena verwechselt.
Es ist wichtig festzuhalten, dass:
- Maria von Betanien die Schwester von Marta und Lazarus ist, die Jesus die Füße mit kostbarem Öl salbte (Johannes 12).
- Maria Magdalena eine Jüngerin Jesu war, die von sieben Dämonen befreit wurde und eine der ersten Zeuginnen der Auferstehung war (Lukas 8, 2; Johannes 20, 1-18).
- Die namenlose Sünderin, die Jesus in Lukas 7 salbte, ist eine eigenständige Figur und sollte weder mit Maria von Betanien noch mit Maria Magdalena gleichgesetzt werden, auch wenn die Handlungen des Salbens Ähnlichkeiten aufweisen.
Die biblischen Texte unterscheiden klar zwischen diesen Frauen, auch wenn populäre Traditionen und spätere Interpretationen sie manchmal miteinander verschmolzen haben.
Der Unterschied zwischen „einer Schwester“ und „einer Maria“ – Die Mutter Jesu und ihre „Geschwister“
Eine weitere häufige Quelle der Verwirrung betrifft die Identität und die Verwandtschaft der Mutter Jesu, Maria, und die Erwähnungen von Jesu „Brüdern und Schwestern“ in den Evangelien. Die kirchliche Überlieferung, die auf die Apostel zurückgeht, hat Maria stets als „Aeiparthenos“ (griechisch für „immerwährende Jungfrau“) bezeugt. Dies bedeutet, dass Maria Jesus nicht nur ohne Zutun eines Mannes empfing, sondern auch später Jungfrau blieb. Diese Überzeugung wird durch mehrere biblische und theologische Argumente gestützt:
1. Der „Erstgeborene“ Jesu
Im Evangelium nach Lukas (Kap. 2,6) wird Jesus als „der Erstgeborene“ Marias bezeichnet. Dies könnte auf den ersten Blick den Eindruck erwecken, Maria habe weitere Kinder gehabt. Doch der Ausdruck „Erstgeborener“ ist im Alten Testament eine rechtliche Bezeichnung für den Sohn, dem keine männlichen Geschwister vorangehen (vgl. Exodus 12,29; 34,19). Er impliziert nicht zwingend, dass dem Erstgeborenen weitere Kinder folgten. Eine hebräische Inschrift bestätigt dies: Eine Mutter starb bei der Geburt ihres „Erstgeborenen“, was zeigt, dass der Begriff auch dann verwendet wurde, wenn keine weiteren Kinder folgten.
2. Das Wort „bis“ im Matthäus-Evangelium
Matthäus 1,25 sagt: „Er [Josef] erkannte sie [Maria] aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar.“ Auch hier könnte man annehmen, Josef habe sich nur bis zu Jesu Geburt enthalten und danach seine Ehe mit Maria vollzogen. Doch das im griechischen Originaltext verwendete Wort „heos“ (bis) bezieht sich lediglich auf das, was bis zum angegebenen Zeitpunkt der Fall war (Marias Jungfräulichkeit). Es impliziert keine Änderung der Situation danach. Ein Beispiel aus Johannes 9,18 verdeutlicht dies: Die Pharisäer glaubten nicht an die Wunderheilung des Blindgeborenen, „bis (heos) sie die Eltern dessen riefen, der sehend geworden war“. Die Pharisäer änderten ihre Meinung auch nach der Befragung der Eltern nicht; ihr Unglaube blieb bestehen.

3. Jesu „Brüder und Schwestern“
Die Evangelien erwähnen an mehreren Stellen „Brüder und Schwestern“ Jesu (Markus 3,32; 6,3; Matthäus 12,46 ff.). Sogar Namen wie Jakobus, Joses, Judas und Simon (Markus 6,3) werden genannt, wobei Jakobus später als „Jakobus, der Bruder des Herrn“ (Galater 1,19) bekannt wurde. Doch auch diese Stellen zwingen nicht zu der Annahme, dass Maria weitere leibliche Kinder hatte.
- Semitischer Sprachgebrauch: Im Hebräischen und Aramäischen, den Sprachen, die Jesus und seine Jünger sprachen, wurden alle Verwandten, unabhängig vom genauen Grad der Verwandtschaft, mit dem Wort für „Brüder“ bezeichnet. Ein spezifischer Ausdruck für „Cousin“ oder andere Verwandtschaftsgrade existierte nicht oder war unüblich. So werden Abraham und Lot im Buch Genesis als „Brüder“ bezeichnet, obwohl sie Onkel und Neffe waren (Genesis 13,8).
- Griechische Verwendung von „adelphos“: Obwohl die Evangelien auf Griechisch verfasst sind, spiegeln sie oft den semitischen Sprachgebrauch wider. Das griechische Wort „adelphos“ (Bruder) hat eine sehr weite Bedeutung, die von „Blutsbruder“ über „Stiefbruder“, „Schwager“ und „Vetter“ bis hin zu „Onkel“, „Nachbar“ oder sogar „Jünger“ reichen kann. Ein Beispiel dafür ist Herodes, der Herodias, die Frau seines „Bruders“ Philippus, heiratete (Markus 6,17), obwohl bekannt ist, dass sie Halbbrüder waren.
- „Die Schwester seiner Mutter“: Johannes 19,25 berichtet, dass unter Jesu Kreuz „seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas“ standen. Die beiden Marias waren sicherlich verwandt, aber keine Schwestern im modernen Sinne, da Schwestern normalerweise nicht den gleichen Namen tragen. Dies deutet darauf hin, dass „Schwester“ hier im Sinne einer Verwandten gebraucht wird.
Die apostolische Überlieferung der Kirche, die als verbindliche Richtschnur des Glaubens gilt, hat stets daran festgehalten, dass Jesus Marias einziger Sohn war und die Begriffe „Brüder“ und „Schwestern“ im Neuen Testament im Sinne von „Verwandten“ zu verstehen sind. Dies entspricht der weiten Bedeutung des griechischen Ausdrucks und der semitischen Kultur.
Vergleichstabelle der Marias und Schwestern
Um die verschiedenen Personen besser zu unterscheiden, hier eine kleine Übersicht:
| Person | Beziehung zu Jesus | Bekannte Merkmale / Rolle | Biblische Referenz |
|---|---|---|---|
| Marta von Betanien | Freundin Jesu, Schwester des Lazarus | Die Aktive, fürsorgliche Gastgeberin; besorgt um den Dienst; glaubt an Jesu Macht über den Tod. | Lukas 10, Johannes 11, Johannes 12 |
| Maria von Betanien | Freundin Jesu, Schwester des Lazarus | Die Zuhörende, Kontemplative; wählt das „gute Teil“; salbt Jesu Füße. | Lukas 10, Johannes 11, Johannes 12 |
| Maria (Mutter Jesu) | Mutter Jesu | Jungfrau, empfing Jesus durch den Heiligen Geist; begleitete Jesus bis zum Kreuz. | Matthäus 1-2, Lukas 1-2, Johannes 2, Johannes 19 |
| Maria Magdalena | Jüngerin Jesu | Von Dämonen befreit; eine der ersten Zeuginnen der Auferstehung. | Lukas 8, Johannes 20 |
| Jakobus, Joses, Judas, Simon | „Brüder“ Jesu | Verwandte Jesu (Cousins oder andere nahe Verwandte); Jakobus wurde Leiter der Jerusalemer Kirche. | Markus 6, Galater 1 |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Waren Marta und Maria leibliche Schwestern?
Ja, laut Johannesevangelium waren Marta und Maria leibliche Schwestern des Lazarus aus Betanien. Sie lebten gemeinsam in einem Haus und bildeten eine Familie, die Jesus sehr nahestand.
Warum tadelte Jesus Marta?
Jesus tadelte Marta nicht im Sinne einer Bestrafung, sondern gab ihr einen liebevollen Hinweis. Er korrigierte ihre Prioritäten, indem er betonte, dass Marias Wahl, ihm zuzuhören, das „gute Teil“ sei, das ihr nicht genommen werden sollte. Es war eine Ermahnung, sich nicht zu sehr von Sorgen und praktischen Aufgaben ablenken zu lassen, sondern die Hinwendung zum Wort Gottes als das Wesentliche zu erkennen.
War Maria, die Schwester des Lazarus, identisch mit Maria Magdalena?
Nein, Maria, die Schwester des Lazarus, und Maria Magdalena sind zwei unterschiedliche Personen im Neuen Testament. Obwohl beide Frauen eine wichtige Rolle im Leben Jesu spielten, werden sie in den Evangelien klar voneinander unterschieden. Maria von Betanien ist bekannt für ihre Gastfreundschaft und die Salbung Jesu, während Maria Magdalena als eine von Jesus geheilte Jüngerin und erste Zeugin der Auferstehung bekannt ist.
Hatte Jesus leibliche Geschwister?
Die traditionelle Lehre der Kirche besagt, dass Jesus Marias einziger leiblicher Sohn war und Maria immerwährend Jungfrau blieb. Die in den Evangelien erwähnten „Brüder und Schwestern“ Jesu werden theologisch und sprachwissenschaftlich als Verwandte (wie Cousins oder andere nahe Verwandte) interpretiert, basierend auf dem weiten Bedeutungsfeld des hebräischen und griechischen Wortes für „Bruder“ in der Antike.
Was können wir von Marta und Maria lernen?
Von Marta und Maria können wir lernen, dass es verschiedene, gleichermaßen gültige Wege gibt, den Glauben zu leben. Martas Beispiel lehrt uns die Wichtigkeit des Dienens und der praktischen Nächstenliebe. Marias Beispiel betont die Notwendigkeit der Kontemplation, des Zuhörens und der Priorisierung der Beziehung zu Gott. Die Geschichte des Lazarus lehrt uns zudem die immense Kraft des Glaubens an Jesu Macht über den Tod. Letztlich geht es darum, eine Balance zu finden und die Vielfalt der Gaben und Persönlichkeiten im Glaubensleben anzuerkennen und zu schätzen.
Die Geschichten von Marta und Maria sind weit mehr als nur biblische Anekdoten. Sie sind tiefe Reflexionen über die Natur des Glaubens, des Dienens und der menschlichen Beziehung zu Gott. Sie zeigen uns, dass Jesus sowohl den aktiven Dienst als auch die stille Hingabe schätzte und dass er Raum für alle Arten von Persönlichkeiten in seiner Nachfolge hat. Ihr Vermächtnis erinnert uns daran, dass es im Leben nicht nur um das Tun geht, sondern auch um das Sein, um das Zuhören und das Empfangen. Und die Klärung der verschiedenen Marias und der „Geschwister“ Jesu hilft uns, die biblischen Texte mit größerer Präzision und theologischem Verständnis zu lesen. Mögen ihre Geschichten uns weiterhin inspirieren, unseren eigenen Weg des Glaubens mit Mut, Liebe und einer offenen Haltung zu gehen.
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