Was sagt der Koran über das Gebet?

Gott und Iblis: Ein fundamentaler Unterschied

28/02/2022

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In den großen Erzählungen der Weltreligionen gibt es Figuren, die das Göttliche und das Abtrünnige, das Licht und die Schatten repräsentieren. Im Islam stehen sich Gott, auf Arabisch Allah, und Iblis, oft als Satan bekannt, in einem fundamentalen Gegensatz gegenüber. Während Allah der unerschaffene, allmächtige und allwissende Schöpfer des gesamten Universums ist, der alles Leben und alle Existenz ins Dasein rief und dessen Wille absolute Gültigkeit besitzt, ist Iblis ein Geschöpf, das aus Feuer erschaffen wurde und dessen Geschichte von Gehorsamsverweigerung und Rebellion geprägt ist. Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Figuren ist nicht nur theologisch von Belang, sondern auch entscheidend für das Verständnis der menschlichen Rolle und der Prüfungen, denen wir im Leben begegnen.

Was ist der Unterschied zwischen Iblis und Gott?
Vor seinem Fall habe Iblis Gott nur sich selbst zuliebe angebetet, in seiner Verbannung jedoch würden seine Gebete selbstlos und bewiesen damit die Aufrichtigkeit seiner Liebe. Der persisch-irakische Sufi und Dichter al-Hallādsch (857–922) deutet Iblis als den Geliebten Gottes.

Die Erzählung von Iblis beginnt im Himmel, wo er als ein Wesen aus Feuer verweilte. Als Allah die Erschaffung eines Nachfolgers auf Erden ankündigte – Adam, den ersten Menschen – äußerten die Engel Bedenken, doch Gott wusste, was sie nicht wussten. Der entscheidende Moment, der Iblis' Schicksal besiegeln sollte, kam, als Allah den Anwesenden befahl, sich vor Adam niederzuwerfen. Dies war kein Befehl zur Anbetung Adams, sondern eine Demonstration der Autorität Allahs und der Ehre, die Er Adam verliehen hatte. Doch Iblis, erfüllt von Hochmut und der Überzeugung, dass er, aus Feuer erschaffen, dem aus Lehm geformten Adam überlegen sei, weigerte sich standhaft. Diese Weigerung war ein Akt des Ungehorsams gegenüber Allahs direktem Befehl und führte zu seiner Verbannung aus dem Himmel.

Inhaltsverzeichnis

Allah: Der Eine und Einzige Schöpfer

Allah ist im Islam der absolute und einzige Gott, der keinen Partner, keine Eltern und keine Kinder hat. Er ist der Ursprung von allem, was existiert, und die Quelle aller Macht und Weisheit. Seine Attribute umfassen Allmacht, Allwissenheit, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Er ist der Lenker des Universums, der das Schicksal aller Dinge bestimmt und dem allein Anbetung gebührt. Die Erschaffung Adams und der Befehl zur Niederwerfung waren Akte Seiner souveränen Macht und Seiner unbegrenzten Weisheit. Selbst als die Engel Bedenken äußerten bezüglich der Erschaffung eines Nachfolgers auf Erden, der Unheil stiften und Blut vergießen könnte, zeigte Allah Sein überlegenes Wissen und Seinen Plan, der für die Engel verborgen blieb.

Im Gegensatz zu Iblis, der eine Frist erbat, um seine Annahmen über die Unwürdigkeit der Menschen zu beweisen, ist Allah ewig und unveränderlich. Er ist der Geber der Frist und derjenige, der die Macht hat, die Handlungen Seiner Geschöpfe zu lenken oder ihnen die Wahl zu lassen. Er ist nicht von Leidenschaften oder Fehlern betroffen, wie Iblis, sondern verkörpert die vollkommene Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Die gesamte Schöpfung ist auf Ihn angewiesen, während Er niemanden benötigt. Seine Existenz ist absolut und bedingungslos, während Iblis' Existenz von Allahs Schöpfungsakt abhängt und sein Schicksal von seinem Ungehorsam bestimmt wurde.

Iblis: Der Gefallene und Verführer

Nach seiner Weigerung, sich vor Adam niederzuwerfen, wurde Iblis aus dem Himmel verstoßen. Doch er bat Allah um eine Frist bis zum Tag der Auferstehung, um zu beweisen, dass die Menschen unwürdig seien, indem er sie irreführen würde. Allah gewährte ihm diese Frist, was Iblis die Möglichkeit gab, zum Satan zu werden, dem Erzfeind der Menschheit. Von diesem Moment an widmete sich Iblis der Irreführung der Menschen und Dschinn, indem er sie zu bösem und ungerechtem Handeln verleitet. Im Koran wird er als Führer der Ungläubigen (Sure 26:95) erwähnt, der deren Hochmut bestärkt (Sure 34:20).

Interessanterweise gibt es im Islam unterschiedliche Auffassungen über Iblis' ursprüngliche Zugehörigkeit. Der Koran erwähnt ihn als aus Feuer erschaffen und in Sure 18:50 heißt es: „kana min al ginni“ (er war von den Dschinn). Dies hat zu verschiedenen Interpretationen geführt:

Die Kontroverse um Iblis' Zugehörigkeit: Engel oder Dschinn?

Die Frage, ob Iblis ursprünglich ein Engel oder ein Dschinn war, ist unter islamischen Gelehrten seit langem Gegenstand von Debatten. Die entscheidenden Kriterien für diese Zuordnung sind sein Aufenthalt im Himmel, der an die Engel adressierte Befehl zur Niederwerfung, seine Erschaffung aus Feuer und die Erwähnung des Wortes 'Dschinn' in Sure 18:50.

  • Iblis als Engel: Eine Ansicht, die unter anderem auf ʿAbdallāh ibn ʿAbbās zurückgeht, besagt, dass Iblis einer Gruppe von aus Feuer erschaffenen Engeln angehörte, die als Dschinn bezeichnet wurden. Hierbei bezieht sich 'Dschinn' nicht auf die Spezies der Dschinn, die ebenfalls im Koran genannt werden, sondern auf Engel, die im Paradies erschaffen wurden (Dschanna). Während die meisten Engel aus Licht erschaffen wurden, sollen diese speziellen Engel aus dem Feuer des Samums (ein heißer Wind) erschaffen worden sein. Diese Interpretation erlaubt auch die Vorstellung einer möglichen Fehlbarkeit der Engel, die im klassischen Islam verbreitet war, auch wenn viele zeitgenössische Salafisten auf die Unfehlbarkeit der Engel bestehen. At-Tabarī beispielsweise erwähnt in der Diskussion um Iblis' Wesen keine sündlosen Engel.
  • Iblis als Stammvater der Dschinn: Eine andere prominente Ansicht, vertreten von Al-Hasan al-Basrī, argumentiert, dass Iblis niemals ein Engel gewesen sei. Stattdessen sei er der Stammvater der Dschinn, so wie Adam der Stammvater der Menschheit ist. Demnach war Iblis der einzige der Dschinn, der im Himmel erschaffen wurde, und der einzige unter den dort anwesenden Geistwesen, der aus Feuer erschaffen wurde und über einen freien Willen verfügte. Da er zu den anwesenden Geistwesen gehörte, galt der Befehl zur Verneigung auch ihm.
  • Iblis als Engel, der zum Dschinn wurde: Eine weitere Tradition besagt, dass Iblis ein Engel war, der aufgrund seines Verhaltens zu einem Dschinn verwandelt wurde. Da er sich vor niemandem außer Gott verneigen wollte, verweigerte er Gottes Befehl und wurde aus dem Himmel verbannt. Sein Name Iblis, der Enttäuschung oder Verzweiflung bedeutet, soll auf Erden aufgrund seines Falls entstanden sein. Al-Baidāwī begründete diese Ansicht damit, dass Iblis in Sure 2 eindeutig ein Engel sei, während er in Sure 18, zu einem späteren Zeitpunkt, eindeutig zu den Dschinn gehöre. Dies deutet auf eine Transformation hin.

Unabhängig von seiner ursprünglichen Natur ist Iblis die Verkörperung des Ungehorsams und der Arroganz gegenüber Allahs Befehl. Er ist nicht Gott, sondern ein Geschöpf, das sich gegen den göttlichen Willen auflehnte und dessen Schicksal die Verdammnis ist.

Iblis' Rolle als Verführer und Widersacher

Seit seinem Fall ist Iblis der ewige Verführer der Menschheit. Er entsendet seine Armeen von Satanen, um Menschen und Dschinn irrezuleiten. Der Koranexegese zufolge soll Iblis in Sidschdschin, dem Grund der Hölle, angekettet sein, von wo aus er seine üblen Pläne schmiedet. Seine Taktik ist es, Zweifel zu säen, Hochmut zu schüren und Menschen zu sündhaften Handlungen zu verleiten. Die islamische Tradition unterscheidet sich hier von der christlichen Vorstellung des Höllensturzes, bei dem sich Engel gegen Gott erhoben haben. Im Islam wird betont, dass Allah die Engel ihres Dienstes entlassen habe, nachdem diese ihren Zweck nicht länger erfüllen wollten, während Iblis' Fall auf seiner direkten Weigerung eines Befehls beruht.

Islamische Legenden erweitern die Geschichte von Iblis und erzählen von seinem Aufstieg vor der Erschaffung Adams. Demnach regierte er einst die irdische Welt, nachdem er im Auftrag Gottes den König der Dämonen, Al Dschann, gestürzt hatte. Dies steigerte seinen Hochmut, der letztendlich zu seinem eigenen Sturz führte, als er den Befehl zur Niederwerfung vor Adam verweigerte. Die Dämonen, die ihm treu blieben, wurden mit ihm in die Hölle geworfen.

Vergleichstabelle: Gott (Allah) versus Iblis

MerkmalGott (Allah)Iblis (Satan)
NaturEwiger, unerschaffener Schöpfer, allmächtig, allwissend, barmherzig, gerecht.Geschaffen aus Feuer, sterblich, ein Geschöpf.
StellungHöchste Autorität, absoluter Befehlender, der Anbetung Würdige.Einst im Himmel, nun verstoßen; ein Verführer und Widersacher.
UrsprungUnendlich, ohne Anfang und Ende.Erschaffen durch Allahs Willen.
Freier WilleNicht zutreffend, da Er der Wille selbst ist; Seine Befehle sind absolut.Verfügt über freien Willen, der zu seinem Ungehorsam führte.
Beziehung zu AdamErschaffer Adams, befahl die Niederwerfung vor ihm.Verweigerte die Niederwerfung vor Adam aus Hochmut und Neid.
Ziel/AbsichtRechtleitung der Menschheit, Ordnung, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit.Irreführung der Menschheit, Anstiftung zu Sünde und Unheil.
SchicksalEwig, unveränderlich, die Quelle aller Existenz.Verdammt bis zum Tag der Auferstehung, wartet auf die endgültige Bestrafung in der Hölle.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Ist Iblis ein Engel oder ein Dschinn?

Die islamische Theologie bietet hierzu verschiedene Interpretationen. Einige Gelehrte, wie Ibn Abbas, sehen Iblis als einen Engel einer speziellen Gattung, die aus Feuer erschaffen wurde und im Paradies lebte. Andere, wie Al-Hasan al-Basrī, betrachten ihn als den Stammvater der Dschinn, der als einziger seiner Art im Himmel weilte. Eine dritte Ansicht besagt, dass er ein Engel war, der aufgrund seines Ungehorsams zu einem Dschinn transformiert wurde. Unabhängig von seiner ursprünglichen Klassifizierung ist klar, dass er ein Geschöpf Allahs war, das über einen freien Willen verfügte und diesen zur Rebellion nutzte.

Warum verweigerte Iblis die Niederwerfung vor Adam?

Iblis verweigerte die Niederwerfung aus Hochmut und Arroganz. Er betrachtete sich selbst, da er aus Feuer erschaffen war, als dem aus Lehm erschaffenen Adam überlegen. Er konnte nicht akzeptieren, dass Allah ein Geschöpf, das er als minderwertig ansah, über ihn stellte, und lehnte somit einen direkten Befehl Allahs ab. Diese Weigerung war ein Akt des Ungehorsams und nicht eine Frage der Anbetung Adams, sondern der Anerkennung von Allahs Autorität und Weisheit.

Was ist die Rolle von Iblis heute?

Iblis, auch bekannt als Satan (Schaytan), ist der ewige Verführer der Menschheit. Seine Rolle besteht darin, Menschen und Dschinn vom rechten Weg abzubringen, Zweifel zu säen, zu Sünden zu verleiten und Unheil zu stiften. Er tut dies, indem er ihnen schlechte Gedanken einflüstert, ihre Leidenschaften anstachelt und sie zu ungerechtem Handeln bewegt. Er ist der Feind der Gläubigen und arbeitet unermüdlich daran, sie von Allah wegzuführen, bis zum Tag der Auferstehung, an dem seine Frist endet.

Gibt es einen Unterschied zwischen Iblis und Satan?

Im islamischen Kontext werden die Begriffe Iblis und Satan (Schaytan) oft synonym verwendet, aber mit einer Nuance. Iblis ist der Eigenname des Wesens, das sich weigerte, sich vor Adam niederzuwerfen und aus dem Himmel verstoßen wurde. Nach diesem Ereignis wurde er zum Satan, was wörtlich "Widersacher" oder "der Abgewichene" bedeutet. Satan ist somit eine Bezeichnung für seine Funktion und Rolle als Verführer. Iblis ist also der individuelle Satan, aber es gibt auch andere Dschinn und Menschen, die als Satane agieren können, indem sie andere in die Irre führen.

Ist Iblis böse?

Ja, aus islamischer Sicht ist Iblis die Verkörperung des Bösen und der Rebellion gegen den Willen Allahs. Er ist der Anstifter zu allem Unheil und jeder Sünde, die Menschen begehen. Sein Ziel ist es, die Menschheit zu zerstören und sie mit sich in die Hölle zu ziehen. Er ist der Feind des Menschen und seiner Erlösung, und Muslime werden dazu angehalten, sich vor seinen Einflüsterungen zu schützen und Allah um Schutz vor ihm zu bitten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Unterschied zwischen Gott (Allah) und Iblis absolut und unüberbrückbar ist. Allah ist der unendliche, vollkommene Schöpfer, der die absolute Autorität und Macht besitzt. Iblis hingegen ist ein Geschöpf, das sich aus Hochmut und Ungehorsam gegen seinen Schöpfer auflehnte und dadurch zum Verführer der Menschheit wurde. Diese grundlegende Dichotomie prägt das islamische Verständnis von Gut und Böse, Gehorsam und Rebellion und der ewigen Prüfung, der sich der Mensch in diesem Leben stellen muss.

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