Welche rituellen Gebete gibt es im Islam?

Die rituellen Gebete im Islam: Ein Leitfaden

06/03/2022

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Das Gebet (Salat) ist eine der fünf Säulen des Islam und bildet das Herzstück der muslimischen Gottesverehrung. Es ist eine direkte Verbindung zwischen dem Anbetenden und Allah, ein Moment der Einkehr, des Dankes und der Bitte um Führung. Fünfmal am Tag wenden sich Muslime in rituellen Gebeten der Kaaba in Mekka zu und erfüllen damit eine göttliche Pflicht. Diese Gebete, obwohl strukturiert und festgelegt, sind weit mehr als nur eine Abfolge von Bewegungen und Worten; sie sind eine Quelle inneren Friedens, Disziplin und spiritueller Erneuerung. Das Verständnis der einzelnen Gebete und ihrer Verrichtung ist essenziell für jeden Muslim, der seine spirituelle Praxis vertiefen möchte. In diesem umfassenden Leitfaden werden wir die verschiedenen rituellen Gebete im Islam detailliert beleuchten, ihre Abläufe erklären und wichtige Aspekte hervorheben, die für die korrekte und sinnvolle Verrichtung unerlässlich sind.

Wie kann ich arabisch beten?
Es gibt bestimmte Schritte und Bewegungen, die während des Gebets befolgt werden, darunter Stehen, Verbeugen, Niederwerfen und Sitzen. Sagen Sie die Gebete auf Arabisch auf. Es ist zwar nicht notwendig, Arabisch fließend zu sprechen, um zu beten, aber es ist wichtig, die richtige Aussprache und die Bedeutung der Worte zu lernen.
Inhaltsverzeichnis

Die fünf täglichen Pflichtgebete (Salat al-Fard)

Die täglichen Pflichtgebete, bekannt als Fard-Gebete, sind für jeden erwachsenen und geistig gesunden Muslim verpflichtend. Jedes dieser Gebete hat eine festgelegte Anzahl von Gebetseinheiten (Rak'at) und spezifische Zeiten, zu denen sie verrichtet werden müssen. Die Verrichtung folgt einem bestimmten Ablauf, der Rezitationen aus dem Qurân, Stehen, Verbeugen und Niederwerfen umfasst.

Das Mittagsgebet (Salâ Ad-Dhuhr)

Das Mittagsgebet besteht aus insgesamt vier Sunna-, gefolgt von vier Fard- und zwei weiteren Sunna-Gebetseinheiten. Die Verrichtung des Fard-Gebets gestaltet sich wie folgt:

  • Die ersten beiden Gebetseinheiten: Diese werden in derselben Weise verrichtet wie im Morgengebet. Die Fâtiha (die Eröffnungs-Sure des Qurân) und eine zusätzliche Textstelle aus dem Qurân werden mit nicht vernehmbarer Stimme rezitiert. Die Vorbeuge- (Rukū') und Niederwerfungshaltungen (Sujud) werden in der üblichen Weise verrichtet.
  • Nach der zweiten Gebetseinheit: Wenn der Anbetende nach der zweiten Gebetseinheit den Taschahhud (eine Gebetsformel) spricht, hört er nach Beendigung dessen ersten Teils auf und nimmt wieder die Stehhaltung ein.
  • Die dritte Gebetseinheit: In der dritten Gebetseinheit rezitiert man dann nur die Fâtiha, ohne eine zusätzliche Textstelle aus dem Qurân. Die Rezitation erfolgt ebenfalls mit nicht vernehmbarer Stimme.
  • Die vierte Gebetseinheit: Nach Beendigung der dritten Gebetseinheit stellt man sich zur vierten Gebetseinheit auf und rezitiert, wie in der dritten, nur die Fâtiha.
  • Abschluss des Fard-Gebets: Nach dem Vorbeugen und Niederwerfen nimmt man die „Dschulûs“-Haltung (Sitzhaltung) ein und rezitiert beide Teile des Taschahhud. Dann spricht man den Friedensgruß (Salām) nach rechts und nach links, womit das Gebet beendet ist.

Die beiden Sunna-Gebetseinheiten, die dem Fard-Gebet folgen, werden wie das Morgengebet verrichtet, allerdings ebenfalls mit nicht vernehmbarer Stimme.

Das Nachmittagsgebet (Salâ Al-Asr)

Das Nachmittagsgebet setzt sich aus vier Sunna-Gebetseinheiten zusammen, gefolgt von vier weiteren Fard-Gebetseinheiten. Diese werden in derselben Weise wie das Mittagsgebet verrichtet, das heißt, der detaillierte Ablauf der vier Fard-Einheiten ist identisch. Auch hier erfolgen alle Rezitationen im Fard-Gebet mit nicht vernehmbarer Stimme. Die Sunna-Gebete vor dem Fard-Gebet sind freiwillig, aber empfohlen.

Das Abendgebet (Salâ Al-Maghrib)

Das Abendgebet ist das kürzeste der täglichen Pflichtgebete und besteht aus drei Fard-Gebetseinheiten, gefolgt von zwei Sunna-Gebetseinheiten. Hier gibt es eine Besonderheit bei der Rezitation:

  • In den beiden ersten Fard-Gebetseinheiten darf man entweder mit nicht vernehmbarer oder mit vernehmbarer Stimme rezitieren. Oft wird hier vernehmbar rezitiert, insbesondere im Gemeinschaftsgebet.
  • In der dritten Gebetseinheit sollte man jedoch mit nicht vernehmbarer Stimme rezitieren, und es wird wie im Mittagsgebet nur die Fâtiha rezitiert.

Das Abendgebet wird im Großen und Ganzen in derselben Weise verrichtet wie das Mittags- oder das Nachmittagsgebet, außer dass hier die vierte Gebetseinheit weggelassen wird. Das abschließende Sitzen mit dem Taschahhud und dem Sprechen der Friedensgrüße erfolgt nach dem Rezitieren der Fâtiha, dem Vorbeugen und dem Niederwerfen der dritten Gebetseinheit. Die beiden Sunna-Gebetseinheiten, die dem Fard-Gebet folgen, werden in derselben Weise verrichtet wie beim Morgengebet.

Das Nachtgebet (Salâ Al-Ischâ)

Das Nachtgebet ist das letzte tägliche Pflichtgebet und besteht aus vier Fard-, zwei Sunna- und drei Witr-Gebetseinheiten. Die Witr-Gebetseinheiten sind in ihrer Gewichtigkeit stärker als Sunna und schwächer als Fard.

  • Fard-Gebetseinheiten: Die beiden ersten der vier Fard-Gebetseinheiten können entweder mit nicht vernehmbarer oder mit vernehmbarer Stimme verrichtet werden. Ansonsten wird es in derselben Weise verrichtet wie das Mittags- oder das Nachmittagsgebet, also mit dem Taschahhud nach der zweiten Einheit und nur Fâtiha in der dritten und vierten Einheit.
  • Sunna-Gebetseinheiten: Die beiden Sunna-Gebetseinheiten werden genauso verrichtet wie beim Morgengebet.

Das Witr-Gebet: Eine besondere Gebetseinheit

Das Witr-Gebet ist ein optionales, aber stark empfohlenes Gebet, das nach dem Nachtgebet verrichtet wird. Es hat eine besondere Stellung im Islam.

Was die drei Witr-Gebetseinheiten betrifft, so werden diese grundsätzlich genauso wie das Abendgebet verrichtet, allerdings mit zwei wichtigen Ausnahmen:

  1. Zusätzliche Rezitation in der dritten Einheit: In der dritten Gebetseinheit folgt der Fâtiha eine zusätzliche Textstelle aus dem Qurân. Dies unterscheidet sich von der dritten Einheit des Maghrib-Gebets, wo nur die Fâtiha rezitiert wird.
  2. Das Qunût-Bittgebet: Während sich der Anbetende nach dem Vorbeugen (Rukū') und vor der Niederwerfung (Sujud) in der Stehhaltung befindet, sagt er ein spezielles Bittgebet, das als Qunût bekannt ist. Dieses Bittgebet lautet:

„Allâhumma innâ nasta'înuk, wa nastahdîk, wa nastaghfiruk, wa natûbu ilaik, wa nu`minu bik, wa natawakkalu 'alaik, wa nuthnî 'alaika-l-khaira kullah. Naschkuruk, wa lâ nakfuruk, wa nachla'u wa natruku man yafdschuruk. Allâhumma iyyâka na'bud, wa laka nusallî wa laka nasdschud, wa ilaika nas'â wa nahfid. Nardschu rahmatak, wa nachschâ 'adhâbak; innâ 'adhâbaka bi-l-kuffâri mulhaq. Wa salli-llâhummâ 'ala Muhammadin wa 'ala âlihi wa sahbihi wa sallim.“

Die Bedeutung dieses tiefgründigen Bittgebets ist:

„O Allâh, Dich allein flehen wir um Hilfe, Rechtleitung und Vergebung an, und Dir wenden wir uns reumütig zu. Wir glauben an Dich, verlassen uns auf Dich und lobpreisen Dich mit allem Guten. Wir danken Dir und verweigern Dir nicht den Glauben, und entfernen uns und lassen von jenen ab, die Dir ungehorsam sind.
O Allâh, Dir allein dienen wir, zu Dir beten wir und vor Dir werfen wir uns nieder. Und zu Dir eilen wir und Dir dienen wir. Wir erhoffen Deine Barmherzigkeit und fürchten Deine Strafe. Wahrhaftig! Deine Strafe wird die Glaubensverweigerer ereilen. O Allâh! Halte Muhammad sowie dessen Familie und Gefährten in Ehren und schenke ihnen Wohlergehen!“

Wenn man diesen Qunût nicht auswendig weiß, genügt es, etwas Ähnliches zu rezitieren, bis man es beherrscht. Es ist wichtig zu beachten, dass hinsichtlich des Wortlauts und der Zeiten des Qunût unter den verschiedenen Rechtsschulen kleinere Interpretationsunterschiede bestehen können. Einige schreiben es mit leichten Unterschieden auch im Morgengebet vor. Allerdings ist es zulässig, irgendeiner authentischen Rechtsschule zu folgen.

Sunna-Gebete: Freiwillige Andacht

Neben den Pflichtgebeten gibt es eine Reihe von Sunna-Gebeten, die freiwillig sind, aber vom Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) empfohlen wurden und zusätzliche Belohnung versprechen. Alle Sunna-Gebete müssen prinzipiell einzeln verrichtet werden, sprich nicht in der Gemeinschaft. Es gibt jedoch einige bemerkenswerte Ausnahmen von dieser Regel:

  • Îd-Gebete (Festgebete): Diese werden an den beiden großen islamischen Festen (Îd al-Fitr und Îd al-Adha) in der Gemeinschaft verrichtet.
  • Tarâwîh-Gebete: Dies sind spezielle Nachtgebete, die im Monat Ramadân nach dem Nachtgebet verrichtet werden und oft in der Gemeinschaft in der Moschee gebetet werden.
  • Witr-Gebete im Ramadân: Obwohl das Witr-Gebet normalerweise individuell verrichtet wird, ist es im Monat Ramadân üblich, es nach dem Tarâwîh-Gebet in der Gemeinschaft zu beten.

Wichtige Aspekte des Gebets

Nachholen verpasster Gebete

Für jemanden, der Fard-Gebete verpasst hat, sind die Sunna-Gebete nicht erforderlich. Stattdessen sollte er das Verpasste nachholen und nur die Pflichthandlungen (Fard) verrichten. Die Verrichtung von Sunna-Gebeten ist zudem nicht erforderlich, wenn die Zeit der dazugehörigen Fard-Gebete bereits abgelaufen ist. Wenn jemand also ein Gebet verpasst und dieses nachholen möchte, muss er nur das Fard-Gebet verrichten, um seine Pflicht zu erfüllen.

Die Sprache des Gebets

Falls ein Anbetender nicht das gesamte Gebet auf Arabisch sagen kann, sollte er einfach „Subhâna-llâh“, „Al-Hamdu li-llâh“ und „Allâhu akbar“ sagen. Dies bedeutet: „Preis sei Gott“, „der Lobpreis gebührt Gott“ und „Gott ist größer!“. Dies darf er tun, bis er lernt, die Gebete in arabischer Sprache zu rezitieren. Es ist entscheidend zu verstehen, dass die Gebete auf Arabisch rezitiert werden müssen. Allah offenbarte Seine Botschaft in arabischer Sprache, was bedeutet, dass Seine Botschaft (Worte) einzig in ihrer ursprünglichen Form gelesen werden darf, vor allem, wenn man bedenkt, dass es für arabische Worte nicht immer exakte Äquivalente in anderen Sprachen gibt. Nicht-Arabisch-Sprechende können prinzipiell Qurân-Übersetzungen in ihnen verständlichen Sprachen lesen, um die Bedeutung zu erfassen, da von den Gläubigen verlangt wird, sich in ihren Gebeten zu konzentrieren und die rezitierten Wörter zu verstehen oder zumindest deren Bedeutung zu erschließen. Die Rezitation selbst muss jedoch im Original sein.

Das Gemeinschaftsgebet (Dschamâ'a)

Es ist optimal, das Fard-Gebet in der von einem Imam geleiteten Gemeinschaft (Dschamâ'a) zu verrichten. Das Gemeinschaftsgebet wird am besten in der Moschee verrichtet, da dies die Belohnung erheblich steigert und die Einheit der Muslime stärkt. Es darf jedoch auch an anderen Orten verrichtet werden, solange die Bedingungen für das Gebet erfüllt sind. Denjenigen, die vor der Iqâma (dem zweiten Gebetsruf, der unmittelbar vor dem Beginn des Fard-Gebets gesprochen wird) zum Fard-Gebet in der Moschee eintreffen, wird empfohlen, ein Sunna-Gebet zu verrichten, das aus zwei Gebetseinheiten besteht und „Tahiyyat Al-Masdschid“ genannt wird, was „Moschee-Begrüßung“ bedeutet. Dieses Gebet ist eine Geste des Respekts und der Dankbarkeit gegenüber Allah für die Möglichkeit, Sein Haus zu betreten.

Zusammenfassung der Gebetseinheiten

Um einen schnellen Überblick über die Anzahl der Gebetseinheiten zu geben, hier eine vergleichende Tabelle:

GebetSunna (vor Fard)Fard (Pflicht)Sunna (nach Fard)Besondere Einheiten
Morgengebet (Fadschr)220-
Mittagsgebet (Dhuhr)442-
Nachmittagsgebet (Asr)440-
Abendgebet (Maghrib)032-
Nachtgebet (Ischâ)0423 Witr

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich alle Gebete auf Arabisch verrichten, auch wenn ich kein Arabisch spreche?

Ja, die rituellen Gebete müssen prinzipiell auf Arabisch verrichtet werden, da dies die Sprache der Offenbarung des Qurâns ist. Wenn Sie jedoch noch nicht in der Lage sind, die arabischen Texte zu rezitieren, dürfen Sie anfangs stattdessen „Subhâna-llâh“, „Al-Hamdu li-llâh“ und „Allâhu akbar“ sagen. Es wird jedoch dringend empfohlen, die arabischen Gebetstexte so schnell wie möglich zu lernen, um die Gebete vollständig verrichten zu können. Übersetzungen sind zum Verständnis der Bedeutung gedacht, nicht zur Rezitation im Gebet.

Sind Sunna-Gebete verpflichtend?

Nein, Sunna-Gebete sind freiwillig und nicht verpflichtend (Fard). Sie sind jedoch stark empfohlen (Sunnah Mu'akkadah) und bringen zusätzliche Belohnung und Segen. Sie dienen dazu, die spirituelle Verbindung zu Allah zu vertiefen und eventuelle Mängel in den Fard-Gebeten auszugleichen.

Was soll ich tun, wenn ich ein Fard-Gebet verpasst habe?

Wenn Sie ein Fard-Gebet verpasst haben, sollten Sie es so bald wie möglich nachholen (Qada'). Beim Nachholen müssen Sie nur die Fard-Einheiten des verpassten Gebets verrichten. Die dazugehörigen Sunna-Gebete müssen nicht nachgeholt werden, es sei denn, die Zeit für das Fard-Gebet ist noch nicht abgelaufen.

Was ist der Qunût im Witr-Gebet?

Der Qunût ist ein spezielles Bittgebet, das im Witr-Gebet gesprochen wird, üblicherweise in der dritten Gebetseinheit nach dem Aufstehen vom Vorbeugen (Rukū') und vor der Niederwerfung (Sujud). Es ist ein Bittgebet um Hilfe, Rechtleitung, Vergebung und Segen. Der genaue Wortlaut kann je nach islamischer Rechtsschule variieren, aber die Essenz bleibt gleich. Wenn man das Bittgebet nicht auswendig kennt, kann man ein ähnliches Bittgebet sprechen, bis man es gelernt hat.

Ist es besser, in der Moschee oder zu Hause zu beten?

Es ist optimal und sehr zu empfehlen, die Fard-Gebete in der Gemeinschaft (Dschamâ'a) in der Moschee zu verrichten. Dies bringt eine höhere Belohnung und stärkt die Einheit der muslimischen Gemeinschaft. Wenn es jedoch nicht möglich ist, die Moschee zu besuchen, ist das Gebet zu Hause oder an jedem anderen sauberen Ort, der die Gebetsbedingungen erfüllt, ebenfalls gültig.

Die rituellen Gebete im Islam sind eine tägliche Erinnerung an die Präsenz Allahs und eine Gelegenheit, Demut, Dankbarkeit und Hingabe auszudrücken. Durch das Verständnis und die korrekte Verrichtung dieser Gebete können Muslime ihre spirituelle Reise bereichern und eine tiefere Verbindung zu ihrem Schöpfer aufbauen.

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