Wie viele Evangelien gibt es?

Glaube, Gnade & die Wunder Jesu im NT

02/01/2026

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Das Neue Testament ist eine Sammlung von Schriften, die das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi sowie die Anfänge der christlichen Kirche dokumentieren. Es ist ein Buch voller tiefgreifender Botschaften, die seit Jahrtausenden Menschen inspirieren und leiten. Im Zentrum stehen dabei die Evangelien, die uns die wohl bekanntesten Berichte über Jesus liefern. Doch wie viele Evangelien gibt es eigentlich, und welche Rolle spielen die darin beschriebenen Wunder und die zentrale Botschaft von Tod und Auferstehung für unseren Glauben und unser Leben heute?

Die christliche Tradition erkennt vier kanonische Evangelien an: das Matthäus-, Markus-, Lukas- und Johannesevangelium. Jedes dieser Bücher bietet eine einzigartige Perspektive auf Jesus, seine Lehren und seine Taten. Während sie viele gemeinsame Ereignisse schildern, beleuchten sie diese doch aus unterschiedlichen Blickwinkeln und für verschiedene Zielgruppen. Sie sind die Primärquellen für unser Verständnis von Jesu Wirken auf Erden.

Was wollten die Jünger mit den hungrigen Menschenmengen machen?
Die Frau gab nicht auf, sondern folgte dem Herrn und Seinen Jüngern schreiend nach (Mt 15,23). Die Jünger baten ihren Meister, die lästige Ruferin zu entlassen. Einige Zeit vorher hatten sie denselben Wunsch geäußert, als sie nicht wussten, was sie mit den hungrigen Menschenmengen machen sollten (Mt 14,15).
Inhaltsverzeichnis

Die Macht der Wunder und Heilungen: Zeichen des Reiches Gottes

Ein wesentlicher Teil der Darstellung Jesu im Neuen Testament sind seine Wunder und Heilungen. Durch die Heilung von Kranken, das Austreiben von Dämonen, das Speisen der Hungernden und das Stillen eines Sturms zeigt Jesus seine göttliche Macht und seine tiefe Fürsorge für die Menschheit. Diese Taten sind nicht nur „Beweise“ für seine Göttlichkeit, sondern auch ein Hinweis auf das kommende Reich Gottes, in dem Krankheit, Leid und Tod keinen Platz haben. Jesus zeigt damit, dass das Reich Gottes mit ihm bereits begonnen hat – ein Reich, das von Liebe, Heilung und Gerechtigkeit geprägt ist. Die Erzählungen von diesen Wundern sind nicht nur historische Berichte, sondern auch tiefgehende theologische Aussagen über Gottes Gegenwart und Wirken in der Welt.

Sie offenbaren Gottes barmherziges Herz und seine Fähigkeit, das Unmögliche möglich zu machen. Jedes Wunder ist eine Einladung, die Grenzen unseres Verständnisses zu überschreiten und uns dem Göttlichen zu öffnen. Es ist ein Vorgeschmack auf eine Welt, in der Schmerz und Trauer überwunden sind, und eine Erinnerung daran, dass Gottes Macht über alle menschlichen Grenzen hinausgeht.

Das Herz des Glaubens: Tod und Auferstehung Jesu

Das Herz des Neuen Testaments ist die Botschaft vom Kreuz und der Auferstehung Jesu. Sein Tod am Kreuz wird in der christlichen Theologie als das ultimative Opfer verstanden, das die Menschen mit Gott versöhnt. Durch seinen Tod nimmt Jesus die Sünden der Welt auf sich und öffnet allen, die an ihn glauben, den Weg zu Gott. Die Auferstehung wird als Sieg über Tod und Sünde betrachtet und ist das zentrale Ereignis des christlichen Glaubens. Diese Ereignisse werden in den Evangelien ausführlich beschrieben und bilden das Zentrum der christlichen Botschaft: Durch Jesu Opfer und Auferstehung wird neues Leben und Hoffnung für alle Menschen ermöglicht.

Was hat Gott uns mit der Auferstehung Jesu Christi aufgetan? Es kann passieren, es fällt etwas unerwartet und unverhofft in unser Leben ein. Eine schlimme Diagnose durchkreuzt unsere Pläne und bringt unseren bisherigen Alltag durcheinander. Oder der Tod klopft bei einem uns sehr nahestehenden Menschen an und stellt damit alles auf den Kopf. Wir stoßen an unsere Grenzen. Wir leben zwischen Hoffen und Bangen. Wohin dann mit unserem Kummer, unserer Angst und Verzweiflung? Die Auferstehung Jesu Christi hat uns einen weiten Horizont der Hoffnung aufgetan. Was ihm widerfahren ist, als Gott ihn von den Toten auferweckte, dürfen auch wir erwarten. Wenn wir an Jesus Christus glauben, kann uns nichts mehr von Gottes Liebe trennen, auch nicht der Tod.

Dieser Glaube hat mir in meinem Leben Kraft gegeben, an Sterbebetten mir nahestehender, lieber Menschen zu sitzen, ihre Hand zu halten, zu schweigen, zuzuhören, Worte von Jesus, Psalmen oder Gesangbuchverse zu sprechen, zu beten, zu weinen und einfach da zu sein. In diesen schweren Zeiten habe ich besonders die Nähe Jesu und seine Hilfe erfahren. Er hat mich auch durch das Tal der Trauer über den Verlust eines lieben Menschen hindurch zu neuer Freude geführt.

Begegnungen mit Jesus: Glaube in der Not

Der Evangelist Lukas erzählt von zwei Menschen, die sich in ihrer Not an Jesus wenden. Die eine macht es aus Scham ganz unauffällig, still und heimlich. Der andere tritt vor aller Augen und Ohren ganz offensichtlich an Jesus heran. Beide erfahren Hilfe durch Jesus.

Die Frau mit dem Blutfluss

Die Frau leidet seit 12 Jahren unter Blutfluss. Diese Krankheit ist mit Scham besetzt. Sie macht die Frau damals kultisch unrein. Sie kann nicht teilhaben an der gottesdienstlichen Feier. Sie ist ausgeschlossen. Sie ist lebendig, aber schon wie tot. Ihr ganzes Vermögen hat sie für Ärzte ausgegeben. Aber keiner hat sie heilen können. So tritt sie in dem Gedränge vieler Menschen um Jesus ganz heimlich von hinten an ihn heran. Voll Hoffnung auf Heilung berührt sie den Saum seines Gewandes. Sofort hört ihr Blutfluss auf. Jesus fragt, wer ihn berührt hat, weil eine Kraft von ihm ausgegangen ist. Erst jetzt auf die wiederholte, beharrliche Frage von Jesus, tritt die Frau aus der Verborgenheit heraus und bekennt öffentlich ihre Not und die Heilung durch Jesus. Und er sagt ihr zu: „Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!“ Ihr Leben ist heil geworden durch den Glauben an Jesus. Die Beziehung zu Gott und Menschen ist wieder hergestellt.

Jairus und seine Tochter

Jairus, der Synagogenvorsteher, tritt ganz offensichtlich an Jesus heran. Angst und Sorge um seine Tochter treiben ihn. Er ist verzweifelt, denn seine einzige Tochter liegt im Sterben. Sein Schmerz ist groß. Er bittet Jesus, dass er zu ihm in sein Haus komme. Und Jesus macht sich sofort auf den Weg zu ihm. Er hilft allen, der unreinen Frau und dem gesetzestreuen Synagogenvorsteher. Die Unterbrechung des Weges und das Gespräch Jesu mit der Frau stellt Jairus auf eine harte Geduldsprobe. Es geht doch um Leben und Tod seiner Tochter. – Und dann ist es wirklich zu spät. Einer von seinen Leuten kommt und sagt: „Deine Tochter ist gestorben. Bemühe den Meister nicht mehr.“ Es hat keinen Zweck mehr. Es ist aus.

Doch Gottes Möglichkeiten sind nicht am Ende, wo wir nicht weiterwissen, wo wir an unsere Grenzen stoßen. Jesus sagt zu Jairus: „Fürchte dich nicht; glaube nur, so wird sie gesund!“ Als sie zu dem Haus kommen, schreien die Klageweiber schon die Totenklage heraus. Aber Jesus nimmt das Mädchen bei der Hand. Er ruft sie mit seinem Wort: „Kind steh auf!“ zurück ins Leben. Und das Wunder geschieht. Sie atmet wieder! Ihr wird durch Jesus das Leben neu geschenkt. Was für eine Freude! Jesus ist stärker als der Tod. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Jesus ist der Herr über Krankheit und Tod. Die Eltern des Mädchens sind von dem Geschehen so überwältigt, dass Jesus ihnen einen ganz praktischen Hinweis geben muss: „Gebt ihr etwas zu essen!“

Kein Hilferuf bleibt ungehört. Jesus kann auf den Hilferuf aus großer Not, auf Gebete so antworten, dass jemand das Leben neu geschenkt bekommt. Einer wird nach schwerer Krankheit oder nach einem Unfall erstaunlicherweise wieder gesund, total wieder hergestellt. – Jesus kann aber auch so antworten, dass Krankheit oder Beeinträchtigung bleiben. Jemand wird trotz Gebet und Glauben nicht wieder gesund, sondern lernt im Vertrauen auf Jesus mit der Krankheit zu leben und dennoch Lebensfreude auszustrahlen. Gerade dadurch kann er anderen zum Segen zu werden. Da geschieht das Wunder auf diese Weise.

Was hat Gott uns mit der Auferstehung Jesu Christi aufgetan?
Mit der Auferstehung Jesu Christi hat Gott uns diesen weiten Horizont der Hoffnung aufgetan. Was ihm widerfahren ist, als Gott ihn von den Toten auferweckte, dürfen auch wir erwarten. Wenn wir an Jesus Christus glauben, kann uns nichts mehr von Gottes Liebe trennen, auch nicht der Tod.

Jesus kann auch so antworten, dass jemand stirbt, dass sie oder er heimgerufen wird, obwohl viele um Heilung gebetet und Hilfe von ihm erwartet haben. Auf vieles haben wir keine Antwort, warum es so oder so geschieht. Aber wir dürfen gewiss sein: Unser Leben liegt in seiner Hand. Jesus sagt im Johannesevangelium, Kapitel 11: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“

Vergleich der Heilungsgeschichten

MerkmalFrau mit BlutflussJairus' Tochter
PersonAnonym, sozial ausgegrenztJairus, Synagogenvorsteher (angesehen)
ProblemChronische, schambesetzte Krankheit (12 Jahre)Todesgefahr der einzigen Tochter, dann ihr Tod
AnsatzHeimlich, im Gedränge, berührt Jesu GewandÖffentlich, flehentlich, bittet Jesus ins Haus
Jesu ReaktionSpürt Kraftausgang, fragt nach Berührung, spricht sie anGeht sofort mit, unterbrochen, dann handelt er nach der Todesnachricht
KernbotschaftGlaube als Quelle der Heilung und WiederherstellungJesu Macht über Krankheit und Tod, unerschütterlicher Glaube
ErgebnisSofortige Heilung, soziale WiederherstellungAuferweckung vom Tod, neues Leben

Glaube, Demut und unbegrenzte Gnade: Die syro-phönizische Frau

In Galiläa wirkte Jesus viele Wunder. Angesichts dieser Entfaltung göttlicher Gnade hatten die Pharisäer und Schriftgelehrten nichts anderes zu tun, als dem Herrn vorzuhalten, dass Seine Jünger sich vor dem Essen nicht die Hände wuschen (Mt 14,34 – 15,9). Er zeigte daraufhin, dass der Mensch nicht durch äußere Dinge, sondern durch sein eigenes Herz verunreinigt wird. Dieses Herz ist voller Sünde. Gottes Herz jedoch voller Gnade. Das zeigt die Heilung der Tochter der syro-phönizischen Frau auf eindrucksvolle Weise.

Jesus zog sich aus Galiläa zurück und ging in die Gegenden von Tyrus und Sidon. Soweit wir wissen, war der Herr Jesus nie weiter im Norden als bei dieser Gelegenheit. Von dem, was Er dort gewirkt hat, wird uns nur die Heilung dieses einen Mädchens berichtet. Zeigt uns das nicht, dass der Herr Jesus bereit war, allein für dieses Mädchen und ihre Mutter einen weiten Weg auf sich zu nehmen? Wir dürfen uns gerade in schwierigen Situationen daran erinnern, dass der Herr ein liebendes Interesse an jedem Einzelnen hat.

Die Begegnung und die unerwartete Antwort

Dem Heiland wurde auch in dieser Gegend, die zu Phönizien gehörte (was einen Teil von Syrien war), ein Haus geöffnet (Mk 7,24). Er wollte, dass niemand erfahre, dass Er dort sei. Doch schnell machte es die Runde, dass Jesus, den viele kannten (vgl. Mk 3,8), gekommen war. Die Kunde von Ihm drang auch sogleich zu einer namentlich nicht genannten kananäischen Frau, die aus Syro-Phönizien stammte und in der griechischen Sprache und Kultur verwurzelt war. Diese Frau hatte eine junge Tochter, die von einem unreinen Geist gequält wurde (Mk 7,26).

Die Frau ließ ihre Tochter zurück, um Jesus zu begegnen. Als sie Ihn traf, hatte Er das Haus bereits verlassen und war vielleicht schon wieder unterwegs nach Galiläa. Sie fiel ehrfurchtsvoll vor Ihm nieder und schrie verzweifelt: „Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter ist schlimm besessen“ (Mt 15,22). Sie sagte nicht: „Erbarme dich meiner Tochter“ oder „Erbarme dich unser“ (vgl. Mk 9,22). Nein, sie machte die Not ihrer Tochter zu ihrer eigenen und bat deshalb um Erbarmen für sich selbst.

Liegt dir die Sorge um ein Kind – oder um eine andere geliebte Person – bleischwer auf dem Herzen? Ist das Leid anderer dein eigenes geworden? Dann rufe zu dem Herrn, dass Er sich deiner erbarmen möge.

Wie reagierte der Herr auf den Hilferuf der Frau, die zu Seinen Füßen lag? Er antwortete ihr nicht ein einziges Wort (Mt 15,23)! Warum war Er so hart? An ihrem Anliegen kann es nicht gelegen haben, denn der Herr ging umher, wohl tuend und alle heilend, die vom Teufel überwältigt waren. Das Problem war die Anrede „Sohn Davids“. Anderen wurde zwar geholfen, die ihn so ansprachen (vgl. z.B. Mt 9,27; Mt 20,30–31); doch da gab es einen entscheidenden Unterschied: das waren Juden. Und nur die Juden haben eine Verbindung zu dem Sohn Davids, der der König Israels ist. Das hatte diese Frau noch nicht verstanden. Als Kanaaniterin hatte sie kein Anrecht an dem Messias Israels. Höchstens Anrecht auf Gericht. Denn Gott hatte Seinem Volk die Ausrottung der Kanaaniter geboten (5. Mo 20,17). Und wenn der Messias herrschen wird, werden keine Kanaaniter in Gottes Haus sein (Sach 14,21).

Es schien so, als habe Jesus diese Frau abgewiesen. In Wahrheit hatte Er sie unterwiesen. Sie sollte ihren Platz als Heidin verstehen und einnehmen. Wenn der Herr auf unsere Bitten nicht reagiert, dann will er uns wichtige Lektionen erteilen. Eine davon ist, dass wir Ausharren im Gebet lernen (Lk 18,1). Wir wollen darum uns und Ihm keine Ruhe gönnen, bis Er zur Ehre Seines Namens gehandelt hat (vgl. Jes 62,6–7).

Beharrlichkeit im Angesicht der Ablehnung

Die Frau gab nicht auf, sondern folgte dem Herrn und Seinen Jüngern schreiend nach (Mt 15,23). Die Jünger baten ihren Meister, die lästige Ruferin zu entlassen. Einige Zeit vorher hatten sie denselben Wunsch geäußert, als sie nicht wussten, was sie mit den hungrigen Menschenmengen machen sollten (Mt 14,15). Doch Er wollte die Volksmengen nicht entlassen. Weder bei dieser Gelegenheit noch bei einer späteren (Mt 15,32). Und Er wollte auch diese Frau, die an Seine Barmherzigkeit appelliert hatte, nicht entlassen. So jemand schickt der Herr nicht ohne Segen weg. Er konnte aber nicht auf sie eingehen, weil sie Ihm auf einer falschen Grundlage begegnet war. Jesus erklärte Seinen Jüngern, warum Er nicht half, und sagte: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt“ (Mt 15,24).

Die Frau wird diese Worte gehört haben und es war ihr klar, dass sie nicht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel zählte. Aber ließ sie das Wort „verloren“ nicht aufhorchen? Wenn die Schafe des Hauses Israel verloren waren, dann waren sie auf Gnade, auf unverdiente Gunst, angewiesen. Gab es auf dieser Basis nicht auch Hoffnung für eine Verlorene aus den Heiden? Die Frau hatte Hoffnung und darum lief sie an Jesus und Seinen Jüngern vorbei, fiel Ihm erneut zu Füßen und rief: „Herr, hilf mir“ (Mt 15,25). Das „Sohn Davids“ lässt sie weg. Schnell hat sie verstanden!

Demut und der Triumph der Gnade

Nachdem sie Ihn so angeredet hat, spricht der Herr Jesus mit ihr: „Lass zuerst die Kinder gesättigt werden, denn es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und es den Hunden hinzuwerfen“ (Mk 7,27). Was Er mit diesem Gleichnis sagen will, ist klar: Die Kinder sind ein Bild der Israeliten, denen Gottes besonderer Segen gehört. Die Heiden werden durch die Hunde repräsentiert, die keine Anrechte auf das haben, was den Israeliten zusteht. Sie sind Fremdlinge betreffs der Bündnisse und der Verheißung.

Wie viele Evangelien gibt es?
Die vier Evangelien – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – zeichnen ein umfassendes Bild von Jesus. Sie erzählen von seiner Geburt, seinem Dienst, seinen Wundern und schließlich von seinem Tod und seiner Auferstehung. Jedes Evangelium bietet eine eigene Perspektive auf sein Leben:

Es ist nun nicht schön, wenn man den Hunden das Brot gibt, das für die Kinder vorgesehen ist. Hunde und Kinder muss man voneinander unterscheiden. Das erwählte Volk Israel und die anderen Nationen auch. Eine wichtige Lektion für die syro-phönizische Frau! Eine Feinheit, die nur Markus berichtet, wollen wir nicht übersehen. Der Herr sprach davon, dass die Kinder zuerst gesättigt werden sollten. Das bedeutet, dass es später für die Hunde vielleicht etwas geben konnte. Aber dieser Zeitpunkt war noch nicht gekommen, als die kananäische Frau vor Ihm im Staub lag. Die Kinder aßen noch – Gott hatte sein Volk noch nicht beiseite gestellt und sich zu den Nationen gewandt.

Die Frau kam aus einer „falschen“ Nation und sie kam zum falschen Zeitpunkt. Was hatte sie noch zu hoffen? Es ist einfach großartig, wie sie jetzt reagierte. Sie wandte sich nicht im Zorn ab wie Naaman, der meinte, nicht genügend beachtet worden zu sein (2. Kön 5,11). Nein, sie sagt demütig und vertrauensvoll: „Ja, Herr; und doch fressen die Hunde unter dem Tisch von den Brotkrumen der Kinder“ (Mk 7,28).

Sie sagt mit anderen Worten: „Ja, Hunde haben kein Anrecht auf das Brot der Kinder, so wie ich als Heidin keinen Anspruch auf den Segen habe, den der Messias Seinem Volk austeilt. Aber wenn der Hund ein paar heruntergefallene Brotkrumen aufleckt, gewähren ihm das die Leute. Und ich glaube, dass in Deinem Herzen mindestens so viel Gnade ist.“

Die Frau, die die ganze Zeit schon ihre Bedürftigkeit gefühlt hatte, ist durch das Verhalten und die Worte Jesu einen entscheidenden Schritt weiter gekommen: Sie erkannte nun ihre Unwürdigkeit. Willig akzeptierte sie darum auch den wenig schmeichelhaften Vergleich mit einem Hund und trat damit gewissermaßen in die Fußstapfen Mephiboseths (vgl. 2. Sam 9,8). Sie will nichts fordern, nichts beanspruchen. Sie nimmt ihren Platz ein, als jemand, der nur um Gnade betteln kann.

Auch wir wollen in jeder Situation völlig auf die Gnade hoffen (vgl. 1. Pet 1,13). Wenn wir das tun, werden wir nicht leer ausgehen, sondern wie diese Frau reichen Segen empfangen. Wer auf Gnade hofft, bekommt sie auch.

Als der Herr die Worte der Frau hörte, anerkannte Er öffentlich ihren großen Glauben und sicherte ihr zu, dass der Dämon bereits aus ihrer Tochter gefahren sei (Mt 15,27; Mk 7,29).

Interessanterweise sagt die Schrift nur von zwei Personen, dass sie einen großen Glauben hatten. Das sind diese Frau und der Hauptmann von Kapernaum (Mt 8,5–13; Lk 17,1–10). Beide waren Heiden. Beide waren demütig. Beide stützten sich vertrauensvoll auf Seine Gnade. Und beide waren auch mit einem Wort des Herrn zufrieden und baten nicht darum, dass Er persönlich käme, um zu heilen. Sie vertrauten schlicht und kühn auf die Macht Seines gesprochenen Wortes. So manifestiert sich großer Glaube!

Die Frau ging nach Hause. Sicher in freudiger Erwartung und nicht von Zweifeln geplagt, ob alles gut geworden war. Als sie zu Hause ankam, wälzte sich die Tochter auch nicht gequält auf dem Boden, sondern lag geheilt und friedevoll im Bett. Bald würde sie aufstehen und – sicher voller Dankbarkeit – ein ganz anderes Leben führen.

Zusammenfassung der Lektionen

Diese Begebenheit zeigt prägnant, dass Christus ein Diener der Beschneidung war um der Wahrheit Gottes willen, um die Verheißung der Väter zu bestätigen (Röm 15,8). Aber so wie Paulus unmittelbar danach in Römer 15 von der Begnadigung der Nationen spricht (V. 9), so stellt auch unsere Geschichte die unumschränkte Gnade Gottes nachhaltig vor.

Gott hatte Abraham und seinen Nachkommen Verheißungen, die Beschneidung und das Gesetz gegeben. Das alles ließ sich auf eine Nation beschränken. Die Gnade aber kann nicht beschränkt werden. Sie ist in dem Herrn Jesus heilbringend für alle Menschen erschienen. Natürlich war erst nach dem Tod und der Auferstehung Jesu der Zeitpunkt gekommen, den Nationen die Gnade zu verkünden. Aber diese heidnische Frau, die ihre eigene Unwürdigkeit sah, schmeckte im Voraus die Gnade, die wir heute im Vollmaß kennen und genießen dürfen. Ob wir wohl dankbar genug dafür sind, dass Gott sich zu den Nationen gewandt hat?

Beeindrucken kann uns immer wieder der Glaube der syro-phönizischen Frau. Wie beharrlich sie der Glaube machte! Sie ließ sich nicht durch das Schweigen Jesu irritieren, nicht durch die Worte der Jünger und die entsprechende Antwort des Herrn, und auch nicht durch das, was der Meister ihr sagte. Die Frau erinnert in ihrer Zielstrebigkeit an den Patriarchen Jakob, der zu dem Mann sagte, der mit ihm kämpfte: „Ich lasse dich nicht los, es denn, du segnest mich“ (1. Mo 32,29). Wollen wir uns nicht auch so an den Herrn klammen und bitten, dass Er uns Seine Gnade gewährt?

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele Evangelien gibt es?
Es gibt vier kanonische Evangelien im Neuen Testament: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Jedes erzählt die Geschichte Jesu aus einer einzigartigen Perspektive.
Was bedeuten die Wunder und Heilungen Jesu?
Jesu Wunder und Heilungen sind nicht nur Beweise seiner göttlichen Macht, sondern auch Zeichen für das Anbrechen des Reiches Gottes, in dem Leid und Krankheit überwunden werden. Sie zeigen seine Liebe und Fürsorge für die Menschen.
Was hat Gott uns mit der Auferstehung Jesu Christi aufgetan?
Mit der Auferstehung Jesu hat Gott den Menschen die ultimative Hoffnung geschenkt. Sie ist der Sieg über Tod und Sünde und eröffnet allen, die an Jesus glauben, den Weg zu ewigem Leben und einer unzertrennlichen Beziehung zu Gott.
Was wollten die Jünger mit den hungrigen Menschenmengen machen, bevor Jesus sie speiste?
Die Jünger wollten die hungrigen Menschenmengen wegschicken, da sie keine Lösung sahen, sie zu versorgen. Jesus jedoch zeigte seine göttliche Macht und sein Mitgefühl, indem er die Menschen auf wundersame Weise speiste, wie in den Berichten der Brotvermehrung geschildert.
Was können wir aus der Geschichte der syro-phönizischen Frau lernen?
Die Geschichte der syro-phönizischen Frau lehrt uns die Kraft des beharrlichen Glaubens, selbst angesichts scheinbarer Ablehnung. Sie zeigt die Bedeutung von Demut und wie Gottes Gnade alle Grenzen überwindet, um auch jenen zu helfen, die sich selbst als unwürdig erachten.

Aufruf zum Glauben

Beide Geschichten, die der Frau mit dem Blutfluss und die der syro-phönizischen Frau, sind ein Ruf zum Glauben an Jesus Christus. Sein Wort gilt auch heute für Sie und mich in den verschiedenen Situationen: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ In diesem Glauben finden wir Trost, Heilung und die unendliche Gnade Gottes.

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