09/10/2021
Die Weihnachtsgeschichte ist weit mehr als nur eine Erzählung; sie ist das Herzstück des christlichen Glaubens und eine Botschaft der Hoffnung und des Friedens, die seit über zwei Jahrtausenden die Menschheit bewegt. Doch wie genau wird diese wundersame Geburt in der Bibel geschildert? Viele kennen die Bilder von der Krippe, den Hirten und den Engeln, aber nur wenige wissen, dass die biblischen Berichte über die Geburt Jesu Christi aus zwei unterschiedlichen Quellen stammen: den Evangelien nach Lukas und nach Matthäus. Diese beiden Evangelisten bieten uns komplementäre Perspektiven auf die Ereignisse, die die Welt für immer veränderten.

- Die Evangelisten der Weihnachtsgeschichte: Wer berichtet?
- Lukas' Evangelium: Die bekannte Erzählung im Detail
- Matthäus' Evangelium: Die Weisen aus dem Morgenland
- Ein Vergleich der Erzählungen: Lukas vs. Matthäus
- Die Botschaft der Weihnachtsgeschichte: Mehr als nur eine Erzählung
- Häufig gestellte Fragen zur Weihnachtsgeschichte in der Bibel
- Warum gibt es zwei verschiedene Weihnachtsgeschichten in der Bibel?
- Sind die Erzählungen von Lukas und Matthäus widersprüchlich?
- Haben die Hirten und die Weisen Jesus zur gleichen Zeit besucht?
- Wie lange dauert die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel?
- Was ist die bekannteste Stelle aus dem Evangelium nach Lukas?
Die Evangelisten der Weihnachtsgeschichte: Wer berichtet?
Es mag überraschend sein, aber nur zwei der vier Evangelisten des Neuen Testaments berichten ausführlich über die Geburt Jesu. Dies sind Lukas und Matthäus. Markus beginnt sein Evangelium mit der Taufe Jesu als Erwachsenem, und Johannes konzentriert sich in seinem Prolog auf die ewige Existenz Jesu als Wort Gottes, bevor er Mensch wurde. Die Erzählungen von Lukas und Matthäus sind daher unsere primären Fenster in die Ereigniswelt der ersten Weihnacht.
Das Evangelium nach Lukas ist weithin bekannt für seine detaillierte und poetische Schilderung der Geburt Jesu. Es ist die Version, die oft in Krippenspielen dargestellt und an Heiligabend in Gottesdiensten vorgelesen wird. Lukas legt den Fokus auf die Reise von Maria und Josef nach Bethlehem, die Volkszählung, die Geburt im Stall und den Besuch der Hirten. Sein Bericht ist reich an menschlichen Details und göttlicher Offenbarung an die einfachen Leute.
Das Evangelium nach Matthäus hingegen bietet eine andere, aber ebenso wichtige Perspektive. Während Lukas die Umstände der Geburt und die Reaktionen der Hirten hervorhebt, konzentriert sich Matthäus auf die königliche Abstammung Jesu, Josefs Rolle und insbesondere auf den Besuch der Weisen aus dem Morgenland. Matthäus verknüpft die Geburt Jesu stark mit alttestamentlichen Prophezeiungen und betont Jesu Rolle als der verheißene König der Juden.
Lukas' Evangelium: Die bekannte Erzählung im Detail
Die bekannteste und detaillierteste Version der Weihnachtsgeschichte findet sich im Evangelium nach Lukas, speziell in Kapitel 2, Verse 1-21. Diese Passage ist tief in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingegraben und bildet die Grundlage für viele unserer traditionellen Weihnachtsbräuche und -bilder.
Lukas beginnt seine Erzählung mit einem historischen Kontext, indem er die Volkszählung unter Kaiser Augustus und den Landpfleger Quirinius erwähnt. Dies verleiht der Geschichte eine Verankerung in der realen Welt und erklärt, warum Josef und die schwangere Maria von Nazareth nach Bethlehem reisen mussten, der Stadt Davids, aus dessen Geschlecht Josef stammte:
„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die ward schwanger.“ (Lukas 2,1-5)
In Bethlehem angekommen, findet das Paar keine Unterkunft in der Herberge, was die Demut der Geburt Jesu unterstreicht. Maria gebiert ihren erstgeborenen Sohn und legt ihn in eine Futterkrippe:
„Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ (Lukas 2,6-7)
Dieser Mangel an Raum und die einfache Geburt in einem Stall sind zentrale Symbole der Weihnachtsgeschichte, die die Bescheidenheit und Zugänglichkeit des neugeborenen Königs betonen.

Die Verkündigung der Geburt geschieht nicht vor Königen oder Priestern, sondern vor einfachen Hirten, die in der Nacht ihre Herden bewachen. Dies ist ein starkes Zeichen dafür, dass die Botschaft der Erlösung für alle Menschen bestimmt ist, unabhängig von ihrem sozialen Status:
„Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des HERRN Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HERRN leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids.“ (Lukas 2,8-11)
Die Engel verkünden die frohe Botschaft und singen ein Loblied, das bis heute in der Liturgie und in Weihnachtsliedern nachklingt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“ (Lukas 2,14). Die Hirten eilen daraufhin nach Bethlehem, um das Kind zu sehen, und finden Maria, Josef und das Kind in der Krippe. Sie erzählen, was ihnen gesagt wurde, und alle, die es hören, staunen.
Maria selbst bewahrt all diese Worte und erwägt sie in ihrem Herzen – ein Hinweis auf die tiefere Bedeutung und das Geheimnis, das sie umgibt. Die Hirten kehren zurück, Gott preisend und lobend für alles, was sie gehört und gesehen haben.
Matthäus' Evangelium: Die Weisen aus dem Morgenland
Während Lukas die Hirten in den Mittelpunkt rückt, ist es Matthäus, der uns die Geschichte der Weisen aus dem Morgenland (oft als „Heilige Drei Könige“ bekannt) überliefert. Diese Erzählung findet sich in Matthäus Kapitel 2 und verleiht der Weihnachtsgeschichte eine zusätzliche Dimension, indem sie die universelle Anerkennung Jesu als König betont.
Matthäus beginnt seinen Bericht über die Kindheit Jesu mit der Genealogie, die Jesu Abstammung von Abraham und David betont, und der Ankündigung der Geburt an Josef. Der Besuch der Weisen aus dem Osten ist ein zentrales Element, das exklusiv bei Matthäus zu finden ist:
„Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.“ (Matthäus 2,1-2)
Diese Weisen, die einem Stern folgen, um den neugeborenen König der Juden zu finden, repräsentieren möglicherweise Gelehrte oder Astrologen aus dem Osten, die die Zeichen der Zeit deuten konnten. Ihr Erscheinen in Jerusalem löst Unruhe bei König Herodes aus, der sich bedroht fühlt. Die Weisen werden schließlich nach Bethlehem geleitet, wo sie das Kind finden:
„Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und stehen blieb über dem Ort, wo das Kindlein war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.“ (Matthäus 2,9-11)
Die Gaben von Gold, Weihrauch und Myrrhe sind symbolträchtig: Gold für einen König, Weihrauch für einen Gott und Myrrhe als Vorahnung seines Opfertodes. Der Besuch der Weisen unterstreicht Jesu Herrschaft und seine Bedeutung für die ganze Welt, nicht nur für das jüdische Volk.
Ein Vergleich der Erzählungen: Lukas vs. Matthäus
Obwohl beide Evangelien von der Geburt Jesu in Bethlehem berichten, unterscheiden sie sich in ihren Details und Schwerpunkten. Diese Unterschiede sind nicht als Widersprüche zu verstehen, sondern als komplementäre Perspektiven, die das Gesamtbild bereichern.

| Merkmal | Evangelium nach Lukas | Evangelium nach Matthäus |
|---|---|---|
| Hauptfiguren bei der Geburt | Maria, Josef, Hirten, Engel | Maria, Josef, Weise aus dem Morgenland |
| Anlass der Reise nach Bethlehem | Volkszählung unter Kaiser Augustus | Geburt Jesu in Bethlehem (Wohnort Nazareth) |
| Empfänger der Geburtsbotschaft | Hirten auf dem Feld | Josef im Traum, Weise aus dem Morgenland |
| Besondere Besucher | Engel, Hirten | Weise, die einem Stern folgen |
| Einzigartige Elemente | Verkündigung an Maria, Reise nach Bethlehem, Geburt in der Krippe, Engelschor, Hirtenbesuch, Marias Herz | Traum Josefs, Besuch der Weisen, Stern, Herodes, Flucht nach Ägypten, Kindermord von Bethlehem |
| Schwerpunkt | Universalität, Demut, Freude, Hirten als Zeugen | Königtum, Erfüllung von Prophezeiungen, Jesu Abstammung, Bedrohung durch Herodes |
Die Erzählungen ergänzen sich wunderbar. Lukas betont die Menschlichkeit Jesu und seine Zugänglichkeit für die einfachen Leute, während Matthäus seine königliche Würde und seine Bedeutung für die ganze Welt hervorhebt. Zusammen geben sie uns ein vollständigeres Bild der Ereignisse rund um die Geburt des Messias.
Die Botschaft der Weihnachtsgeschichte: Mehr als nur eine Erzählung
Unabhängig davon, welche Version man bevorzugt oder welche Details man besonders schätzt, die Kernbotschaft der Weihnachtsgeschichte bleibt die gleiche: Die Geburt Jesu Christi ist ein göttliches Wunder, das Hoffnung, Frieden und Erlösung in die Welt gebracht hat. Es ist die Geschichte eines Gottes, der aus Liebe zu den Menschen in die Welt kam, um bei ihnen zu sein und sie zu erlösen.
Die Bescheidenheit der Geburt in einer Krippe, umgeben von Tieren und einfachen Hirten, kontrastiert scharf mit der universellen Bedeutung des Ereignisses. Es zeigt, dass Gottes Liebe und Gnade nicht an Reichtum oder Status gebunden sind, sondern für alle zugänglich sind. Die himmlischen Engel, die den Hirten die frohe Botschaft verkünden, symbolisieren die himmlische Freude über dieses Ereignis und die Verbindung zwischen Himmel und Erde.
Die Weisen aus dem Morgenland, die weite Wege zurücklegen, um den neugeborenen König anzubeten, stehen für die Erkenntnis und Anbetung Jesu durch alle Völker. Ihre Gaben sind nicht nur materielle Geschenke, sondern symbolische Akte der Huldigung und Anerkennung Seiner göttlichen Natur und Seines zukünftigen Opfers.
Die Weihnachtsgeschichte ist somit eine Geschichte der Inkarnation, der Demut, der Freude, des Friedens und der universellen Erlösung. Sie lädt jeden ein, die Bedeutung dieses Ereignisses für das eigene Leben zu überdenken und die Hoffnung, die von Bethlehem ausging, zu empfangen.

Häufig gestellte Fragen zur Weihnachtsgeschichte in der Bibel
Warum gibt es zwei verschiedene Weihnachtsgeschichten in der Bibel?
Die Evangelisten Lukas und Matthäus schrieben für unterschiedliche Zielgruppen und mit unterschiedlichen theologischen Schwerpunkten. Lukas, der als Arzt und Historiker gilt, legte Wert auf eine detaillierte, chronologische Erzählung und betonte die Universalität von Jesu Botschaft, besonders für die Armen und Ausgestoßenen. Matthäus hingegen schrieb für eine jüdische Leserschaft und konzentrierte sich darauf, wie Jesus die alttestamentlichen Prophezeiungen erfüllte und als Messias und König der Juden kam. Die beiden Berichte ergänzen sich und bieten ein reicheres, vielschichtigeres Bild der Geburt Jesu.
Sind die Erzählungen von Lukas und Matthäus widersprüchlich?
Nein, die Evangelien sind nicht widersprüchlich, sondern komplementär. Sie erzählen von denselben grundlegenden Fakten – der Geburt Jesu in Bethlehem von der Jungfrau Maria, seiner Abstammung von David – fügen jedoch unterschiedliche Details hinzu. Lukas konzentriert sich auf die Ereignisse vor und während der Geburt, während Matthäus die Zeit danach und die Anerkennung Jesu durch die Weisen hervorhebt. Es ist üblich, dass verschiedene Augenzeugen eines Ereignisses unterschiedliche Aspekte betonen, je nach ihrer Perspektive und ihrem Zweck.
Haben die Hirten und die Weisen Jesus zur gleichen Zeit besucht?
Die biblischen Texte legen nahe, dass die Besuche zu unterschiedlichen Zeiten stattfanden. Lukas berichtet, dass die Hirten Jesus in der Geburtsnacht in der Krippe besuchten. Matthäus hingegen beschreibt, dass die Weisen, nachdem sie einem Stern gefolgt waren, das Kind in einem „Haus“ fanden, was auf eine spätere Zeit hindeutet, möglicherweise als Jesus schon einige Monate oder sogar bis zu zwei Jahre alt war, bevor sie ankamen. Die Tradition, die Hirten und Weisen zusammen in einer Krippe darzustellen, ist eine künstlerische Zusammenführung der beiden Geschichten, um das gesamte Weihnachtsgeschehen in einem Bild zu vereinen, entspricht aber nicht der biblischen Chronologie.
Wie lange dauert die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel?
Die reine Lesezeit der Passagen aus Lukas 2,1-21 und Matthäus 2,1-12 beträgt nur wenige Minuten. Die Erzählung selbst umfasst die Ereignisse rund um die Geburt Jesu, die sich über einen relativ kurzen Zeitraum erstrecken – von der Reise nach Bethlehem bis zum Besuch der ersten Zeugen. Wenn man jedoch die gesamte biblische Geschichte von der Ankündigung an Maria und Josef bis zur Flucht nach Ägypten betrachtet, spannt sich die Kindheitsgeschichte über einige Jahre. In der heutigen Medienwelt finden sich viele Adaptionen, wie z.B. Videos mit klassischer Musik (von Komponisten wie Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy), die die gesamte Erzählung in etwa 15-20 Minuten zusammenfassen.
Was ist die bekannteste Stelle aus dem Evangelium nach Lukas?
Die bekannteste und am häufigsten zitierte Stelle aus dem Evangelium nach Lukas in Bezug auf die Weihnachtsgeschichte ist zweifellos Lukas 2,1-20 (manchmal auch bis 2,21). Diese Passage wird traditionell in der Christmette am 24. Dezember vorgelesen und enthält die zentralen Elemente der Weihnachtsgeschichte: die Volkszählung, die Geburt in der Krippe, die Verkündigung an die Hirten durch die Engel und deren Besuch in Bethlehem. Es ist der Kern der Weihnachtsbotschaft, die von Freude, Frieden und der Ankunft des Erlösers spricht.
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