02/10/2022
Die Frage nach dem Himmel und seiner Bedeutung beschäftigt die Menschheit seit jeher. Ist er ein physischer Ort, ein spiritueller Zustand oder beides? Und wie verhält sich die biblische Lehre über den Himmel zu unserem alltäglichen Verhalten, insbesondere wenn es um Versprechen und Eide geht? Die Heilige Schrift bietet hierzu erstaunlich klare und tiefgründige Antworten, die unser Verständnis von Gottes Souveränität und unserer eigenen Integrität herausfordern.

Ein zentraler Vers, der uns tiefe Einblicke gewährt, ist Matthäus 5,34, wo Jesus Christus selbst spricht. Dieser Vers, oft im Kontext der Bergpredigt zitiert, bildet die Grundlage für unser Verständnis des Himmels als Gottes Thron und der daraus resultierenden Haltung gegenüber Schwüren. Lassen Sie uns diesen Vers und seine weitreichenden Implikationen genauer betrachten.
Der Himmel als Gottes Thron: Eine Offenbarung Göttlicher Autorität
Matthäus 5,34 sagt in vielen Übersetzungen sinngemäß: „Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron.“ Diese Aussage ist von immenser Bedeutung. Sie offenbart nicht nur, dass der Himmel ein realer Ort ist, sondern auch seine primäre Funktion: Er ist der Herrschersitz des allmächtigen Gottes. Was bedeutet das genau?
Wenn der Himmel Gottes Thron ist, dann ist er der Ort seiner absoluten Souveränität und Herrschaft. Es ist der Mittelpunkt seiner Macht, seiner Autorität und seiner Gegenwart. Von diesem Thron aus regiert Gott über das gesamte Universum, über alle sichtbaren und unsichtbaren Reiche. Dies impliziert:
- Göttliche Gegenwart: Der Himmel ist der Ort, an dem Gott in seiner vollen Herrlichkeit und Majestät gegenwärtig ist. Es ist der Ort, wo seine Gegenwart am intensivsten erlebt wird.
- Absolute Autorität: Ein Thron symbolisiert Herrschaft. Wenn der Himmel Gottes Thron ist, bedeutet das, dass Gott die höchste Autorität besitzt. Nichts geschieht ohne sein Wissen oder seine Zustimmung.
- Kontrolle über alles: Der Himmel ist nicht nur ein Ort, sondern auch ein Symbol für Gottes umfassende Kontrolle über die Schöpfung. Er ist der Schöpfer, der Erhalter und der Richter über alles.
- Heiligkeit und Erhabenheit: Der Thron Gottes ist ein Ort unantastbarer Heiligkeit. Er ist erhaben über alles Irdische und Menschliche.
Diese Vorstellung des Himmels als Gottes Thron findet sich auch an anderen Stellen in der Bibel wieder. In Jesaja 66,1 heißt es: „So spricht der HERR: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße.“ Und in Apostelgeschichte 7,49 zitiert Stephanus diesen Vers, um zu betonen, dass Gott nicht auf menschliche Tempel beschränkt ist, sondern das Universum sein Reich ist. Diese Bilder unterstreichen die Unermesslichkeit und Erhabenheit Gottes und seines Reiches.
Das Verbot des Schwörens: Ein Aufruf zu Radikaler Ehrlichkeit
Direkt im Anschluss an die Aussage über den Himmel als Gottes Thron folgt Jesu Anweisung, überhaupt nicht zu schwören. Dies war eine revolutionäre Lehre in einer Zeit, in der Eide und Schwüre ein fester Bestandteil des Rechts- und Soziallebens waren. Warum verbietet Jesus das Schwören?
Im jüdischen Gesetz gab es verschiedene Arten von Eiden, die je nach dem, worauf man schwor (Gott, den Tempel, den Altar, den Himmel, die Erde), als bindend oder nicht bindend angesehen wurden. Jesus geht über diese Unterscheidungen hinaus und fordert eine radikale Ehrlichkeit, die keine Eide benötigt.
Die Gründe für Jesu Verbot sind vielfältig und tiefgreifend:
- Ehrlichkeit aus Prinzip: Jesus fordert uns auf, so ehrlich zu sein, dass unser einfaches „Ja“ ein „Ja“ und unser „Nein“ ein „Nein“ ist (Matthäus 5,37). Das bedeutet, dass unsere Worte immer der Wahrheit entsprechen sollen, ohne dass wir sie durch einen Eid bekräftigen müssen. Ein Eid impliziert, dass unsere normalen Worte nicht ausreichen, um Vertrauen zu schaffen.
- Gottes Souveränität respektieren: Wenn wir bei etwas schwören, das nicht uns gehört oder das wir nicht kontrollieren können – wie der Himmel, die Erde oder unser eigenes Haupt –, maßen wir uns eine Autorität an, die uns nicht zusteht. Jesus macht deutlich: „...denn er [der Himmel] ist Gottes Thron.“ Wir haben keine Kontrolle über den Himmel, die Erde oder gar die Farbe unserer Haare. Nur Gott hat diese Kontrolle. Ihn als Bürgen für unsere Worte anzurufen, wenn wir nicht die absolute Kontrolle über die Wahrheit oder die Erfüllung unseres Eides haben, ist respektlos gegenüber seiner Allmacht.
- Vermeidung von Sünde: Das Schwören kann leicht zur Sünde führen. Ein falscher Eid ist eine schwere Sünde, aber auch ein leichtfertiger Eid, der nicht eingehalten wird, ist problematisch. Jesus möchte, dass seine Nachfolger solche Fallstricke vermeiden, indem sie einfach immer die Wahrheit sagen.
- Integrität des Charakters: Das Verbot des Schwörens ist ein Aufruf zu einem Leben von unerschütterlicher Integrität. Ein Christ sollte so leben, dass seine Worte ohne zusätzliche Bekräftigung absolut glaubwürdig sind. Dies baut Vertrauen auf und ehrt Gott.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Jesus hier nicht das Ablegen eines Zeugeneides vor Gericht verbietet, wie er selbst vor dem Hohen Rat Zeugnis ablegte. Es geht vielmehr um den leichtfertigen oder unnötigen Gebrauch von Schwüren im Alltag, um die Glaubwürdigkeit der eigenen Aussage zu untermauern, wenn die einfache Wahrheit genügen sollte.
Vergleich verschiedener Bibelübersetzungen von Matthäus 5,34
Die Nuancen der Sprache können das Verständnis eines Verses vertiefen. Hier ein Vergleich der bereitgestellten Übersetzungen von Matthäus 5,34:
| Übersetzung | Matthäus 5,34 | Besonderheit/Nuance |
|---|---|---|
| Hoffnung für alle | Doch ich sage euch: Schwört überhaupt nicht! Schwört weder beim Himmel – denn er ist Gottes Thron – | Direkt und prägnant, verwendet Bindestrich für Erklärung. |
| Neue Genfer Übersetzung | Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, | Klar und deutlich, Betonung auf dem allgemeinen Verbot. |
| Einheitsübersetzung 2016 | Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, | Ähnlich der NGÜ, klassische Formulierung. |
| Neue evangelistische Übersetzung | Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, | Sehr ähnlich den obigen, konzentriert auf die Anweisung. |
| Menge Bibel | Ich dagegen sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, | „Ich dagegen“ betont Jesu Kontrast zu früheren Praktiken/Lehren. |
| Das Buch | Ich sage euch deutlich: Schwört einfach überhaupt nicht! Ruft nicht den Himmel an. Denn er ist nicht weniger und nicht mehr als der Thron Gottes. | Umgangssprachlicher, betont die Einfachheit des Verbots und die Identität des Himmels. |
| VOLXBIBEL | Ich meine dagegen: Du sollst generell überhaupt nichts hoch und heilig versprechen und nicht auf etwas schwören! Auch nicht, wenn du dich dabei auf den Himmel berufst, denn der Himmel gehört Gott und von dort aus regiert er über das ganze Universum. | Sehr ausführlich und modern, erklärt den Grund klar und verständlich. |
| Lutherbibel 2017 | Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl; | Verwendet „Stuhl“ statt „Thron“, was eine ältere, aber bedeutungsgleiche Formulierung ist. |
| Elberfelder Bibel 2006 | Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl; | Ebenfalls „Stuhl“, bekannt für ihre wörtliche Wiedergabe. |
| Gute Nachricht Bibel 2018 | Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht! Weder beim Himmel, denn er ist der Thron Gottes, | Klar und verständlich, Punkt am Ende des Satzes. |
Interessant ist die durchgehende Betonung des Verbots des Schwörens und die konsistente Begründung: der Himmel ist Gottes Thron/Stuhl. Die VOLXBIBEL und „Das Buch“ erweitern die Erklärung, um die Bedeutung für den modernen Leser noch verständlicher zu machen, während ältere Übersetzungen wie Luther und Elberfelder „Stuhl“ verwenden, was im historischen Kontext „Thron“ bedeutet.
Praktische Implikationen für das Leben als Gläubiger
Die Lehre Jesu über den Himmel als Gottes Thron und das Verbot des Schwörens hat tiefgreifende Auswirkungen auf unser tägliches Leben und unsere Spiritualität:
- Ehrfurcht vor Gott: Das Wissen, dass der Himmel Gottes Thron ist, sollte uns mit tiefer Ehrfurcht vor seiner Majestät und Macht erfüllen. Es erinnert uns daran, dass Gott nicht nur fern, sondern auch präsent und aktiv im Universum ist.
- Integrität in der Kommunikation: Die Aufforderung, nicht zu schwören, ist ein Plädoyer für unbedingte Wahrhaftigkeit. Es bedeutet, dass unsere Worte Gewicht haben sollen, einfach weil sie unsere Worte sind – und wir als Kinder Gottes immer die Wahrheit sprechen sollten. Dies stärkt unser Zeugnis in der Welt.
- Vertrauen auf Gottes Kontrolle: Da der Himmel Gottes Thron ist, können wir darauf vertrauen, dass Gott die Kontrolle hat, selbst wenn die Dinge auf der Erde chaotisch erscheinen. Dieses Vertrauen gibt uns Frieden und Sicherheit.
- Vermeidung von Heuchelei: Das Schwören, um Glaubwürdigkeit vorzutäuschen, ist eine Form der Heuchelei. Jesus ruft uns zu einer inneren Aufrichtigkeit auf, die sich in jedem Wort und jeder Tat widerspiegelt.
Die Botschaft ist klar: Ein Leben, das Gott ehrt, ist ein Leben, das von Wahrhaftigkeit geprägt ist. Wir müssen nicht bei etwas Höherem schwören, um unsere Worte zu bekräftigen, denn die Autorität unserer Worte sollte aus unserem Charakter und der Wahrheit selbst kommen, die ihren Ursprung in Gott hat.

Häufig gestellte Fragen zu Himmel und Gelübden
Ist es Sünde, „Ich schwöre“ zu sagen?
Jesus lehrt, dass wir überhaupt nicht schwören sollen. Dies zielt auf den leichten, unnötigen oder missbräuchlichen Gebrauch von Eiden im Alltag ab. Es geht darum, dass unser einfaches „Ja“ und „Nein“ ausreicht und dass wir nicht versuchen sollten, unsere Worte durch das Anrufen Gottes oder des Himmels zu verstärken. Ein gelegentliches „Ich schwöre“ im umgangssprachlichen Sinne ist vielleicht nicht die schwerwiegendste Sünde, aber es widerspricht dem Geist der Lehre Jesu, der absolute Wahrhaftigkeit ohne zusätzliche Bekräftigung fordert. Die Absicht zählt: Dient es dazu, die Wahrheit zu betonen oder Vertrauen zu schaffen, wo es nicht vorhanden sein sollte?
Dürfen Christen überhaupt keine Versprechen machen?
Doch, Christen dürfen und sollen Versprechen machen und diese auch halten. Jesu Lehre richtet sich nicht gegen das Prinzip des Versprechens oder der Zusage, sondern gegen den Eid als Mittel der Bekräftigung. Der Unterschied liegt darin, dass ein Versprechen eine Verpflichtung ist, die man aus eigenem Antrieb eingeht, während ein Eid oft eine Anrufung einer höheren Macht ist, um die eigene Glaubwürdigkeit zu garantieren. Jesus fordert uns auf, so vertrauenswürdig zu sein, dass unsere einfachen Zusagen ausreichen.
Was bedeutet es, dass der Himmel „Gottes Thron“ ist?
Dass der Himmel Gottes Thron ist, bedeutet, dass er der Ort seiner Herrschaft, Macht und Autorität ist. Es ist der zentrale Punkt, von dem aus Gott das gesamte Universum regiert. Es symbolisiert seine Souveränität, seine Allmacht und seine unbegrenzte Kontrolle über alles, was existiert. Es ist auch ein Ort seiner unbegrenzten Heiligkeit und Herrlichkeit, wo seine Gegenwart vollkommen offenbart ist.
Gibt es Ausnahmen für Eide, z.B. vor Gericht?
Die Auslegung dieses Verses ist komplex. Viele Theologen und christliche Traditionen argumentieren, dass Jesus sich hier auf den leichtfertigen Gebrauch von Eiden im Alltag bezog, nicht aber auf rechtlich bindende Eide vor Gericht oder bei offiziellen Anlässen, wo die Wahrheitspflicht durch einen Eid bekräftigt wird. Jesus selbst antwortete auf die Frage des Hohenpriesters, ob er der Christus sei, mit „Du hast es gesagt“ (Matthäus 26,63-64), was als eine Art eidesstattliche Erklärung verstanden werden kann. Paulus schwor ebenfalls (Römer 1,9). Der Kern von Jesu Lehre ist die Vermeidung von Heuchelei und die Förderung einer tief verwurzelten Ehrlichkeit in allem, was wir sagen, damit ein Eid im Grunde überflüssig wird.
Wie können wir sicherstellen, dass unsere Worte glaubwürdig sind?
Die Glaubwürdigkeit unserer Worte ergibt sich aus der Integrität unseres Charakters. Indem wir stets die Wahrheit sprechen, unsere Versprechen halten und unser Handeln mit unseren Worten in Einklang bringen, bauen wir Vertrauen auf. Ein Leben, das von Liebe, Demut und der Furcht Gottes geprägt ist, wird automatisch dazu führen, dass unsere einfachen Worte Gewicht haben und wir keine Eide benötigen, um unsere Aufrichtigkeit zu beweisen. Es ist ein Ruf zu einem Leben, das von innen heraus authentisch ist, in Anlehnung an den Charakter Gottes selbst.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die biblische Lehre über den Himmel als Gottes Thron und das Verbot des Schwörens eng miteinander verbunden sind. Sie rufen uns zu einer tiefen Ehrfurcht vor Gott und zu einem Leben von unerschütterlicher Wahrheit und Integrität auf. Mögen unsere Worte immer ein Spiegelbild der Wahrheit sein, sodass unser einfaches „Ja“ ein klares „Ja“ und unser „Nein“ ein deutliches „Nein“ ist – zur Ehre dessen, dessen Thron der Himmel ist.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Himmel & Gelübde: Was die Bibel lehrt kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Glaube besuchen.
