Was ist die Glaubensbotschaft des heiligen Hubertus?

Hubertus: Patron der Schöpfungsbewahrung

06/06/2022

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Wenn der Herbst seine bunten Farben über die Landschaft legt und der Duft von feuchtem Laub in der Luft liegt, dann rückt ein besonderer Tag im Kirchenkalender in den Vordergrund: der 3. November, der Gedenktag des heiligen Hubertus. Er ist weithin bekannt als Schutzpatron der Jäger und Forstleute, doch seine Glaubensbotschaft reicht weit über die Wälder hinaus und spricht uns heute mehr denn je an. Es ist eine Botschaft, die von tiefer Ehrfurcht vor dem Leben und einem achtsamen Umgang mit der gesamten Schöpfung zeugt – ein Thema von brennender Aktualität in unserer Zeit.

Was ist mit dem Hubertus passiert?
Die Hei­li­gen­le­gen­de von Huber­tus von Lüt­tich wird wohl den meis­ten bekannt sein: Der zunächst noch ganz und gar nicht hei­li­ge Huber­tus geht an einem Kar­frei­tag auf die Jagd. Er legt die Arm­brust an auf einen präch­ti­gen Hirsch. Doch das Tier bleibt plötz­lich ste­hen und dreht sich um.
Inhaltsverzeichnis

Wer war der heilige Hubertus? Eine historische und legendäre Annäherung

Der heilige Hubertus, geboren um das Jahr 656, war eine bedeutsame Persönlichkeit seiner Zeit. Als Bischof von Lüttich starb er im Jahr 727. Historisch gesehen bekleidete er in jungen Jahren das Amt eines Pfalzgrafen am Hofe Theoderichs III. in Paris und später am Hof Pippins des Mittleren in Metz. Nach dem Tod seiner Frau zog sich Hubertus als Einsiedler in die Ardennen zurück, wo er als Glaubensbote und Seelsorger wirkte und sich den Namen „Apostel der Ardennen“ verdiente. Um 700 wurde er zum Bischof von Tongern und Maastricht gewählt und verlegte seinen Bischofssitz später nach Lüttich, wo er die erste Bischofskirche baute.

Doch es ist vor allem die fromme Legende, die sein Bild bis heute prägt und seine tiefgreifende Wandlung beschreibt. Als junger Mann war Hubertus ein leidenschaftlicher Jäger. Die Legende erzählt, dass er an einem Karfreitag auf der Jagd einem prächtigen Hirsch begegnete. Als er die Armbrust anlegte, um das Tier zu erlegen, blieb der Hirsch plötzlich stehen und drehte sich um. Zwischen den Stangen seines Geweihs erschien in himmlischem Lichtglanz ein strahlendes Kreuz. Eine Stimme sprach zu ihm: „Hubertus, ich erlöse dich und dennoch verfolgst du mich.“ Dieses göttliche Erlebnis erschütterte Hubertus zutiefst. Er ließ seine Waffe fallen, erkannte im Wild plötzlich ein Geschöpf Gottes und begriff, dass es seine vornehmste Pflicht sei, es zu hegen und zu pflegen. Von diesem Moment an änderte er sein wildes Leben, wurde ein vorbildlicher Waidmann und ein gottgefälliger Priester – und schließlich ein Heiliger.

Die Kernbotschaft des Hubertus: Schöpfungsverantwortung

Die zentrale Glaubensbotschaft, die der heilige Hubertus durch seine Vision und sein daraufhin geändertes Leben vermittelt, ist die der umfassenden Schöpfungsverantwortung. Er erkannte, dass der Mensch nicht über der Schöpfung steht, sondern ein integraler Teil von ihr ist. Diese Erkenntnis, die er in einem Moment der göttlichen Offenbarung im Wald erlangte, ist aktueller denn je. Es geht um Achtsamkeit gegenüber der gesamten Umwelt: den Pflanzen, den Tieren, dem Wasser, der Luft und der Erde. Die Sorge für das Leben auf unserem Planeten, die Erkenntnis, dass natürliche Ressourcen nicht unendlich sind, und die Auswirkungen von Treibhausgasen und Klimaerwärmung sind Themen, die uns heute unmittelbar betreffen.

Die biblische Tradition untermauert diese Botschaft. Der christliche Glaube sieht das Universum seit jeher als Gottes gute Schöpfung. Dem Menschen wurde der Auftrag gegeben, die Welt zu gestalten und die Schöpfung zu bewahren. Psalm 104,24 drückt diese Freude über die gute Schöpfung aus: „Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.“ Hubertus' Vision ist eine eindringliche Mahnung, dass wir als Menschen die Pflicht haben, diese Schöpfung nicht nur zu nutzen, sondern sie vor allem zu schützen und zu pflegen.

Vergleich: Hubertus' Wandlung und heutige Relevanz

Vor der Vision (Alter Hubertus)Nach der Vision (Neuer Hubertus)Relevanz für Heute
Leidenschaftlicher Jäger ohne Rücksicht auf das Wild als Gottes Geschöpf.Erkenntnis des Wildes als Gottes Geschöpf, Pflicht zur Hege und Pflege.Umgang mit natürlichen Ressourcen: Weg von reiner Ausbeutung hin zu nachhaltigem Management und Schutz.
Fokus auf persönliche Vergnügungen und weltliches Leben.Hinwendung zu einem gottgefälligen Leben, Wirken als Seelsorger und Bischof.Aufforderung zur persönlichen Achtsamkeit und Lebensstiländerung im Sinne des Umweltschutzes.
Mögliche Ignoranz gegenüber der umfassenden Schöpfung.Verständnis des Menschen als Teil der Schöpfung, nicht über ihr stehend.Erkennen globaler Umweltprobleme (Klimawandel, Artensterben) und der eigenen Rolle darin.

Praktische Umsetzung der Hubertus-Botschaft im Alltag

Die Erkenntnisse des heiligen Hubertus sind nicht nur theologische oder historische Überlegungen, sondern haben sehr konkrete Auswirkungen auf unser tägliches Leben. Wenn wir uns die aktuellen Herausforderungen wie den Klimawandel, Waldsterben (wie das Beispiel des Borkenkäfers in HessenForst zeigt) oder die Verschmutzung der Meere ansehen, wird deutlich, wie dringend eine Rückbesinnung auf die Schöpfungsverantwortung ist. Auch wenn die eigenen Möglichkeiten im globalen Maßstab gering erscheinen mögen, kann sich niemand vollständig heraushalten.

Es geht darum, einen immer achtsameren Umgang mit der Umwelt einzuüben. Das kann viele Formen annehmen:

  • Bewusster Konsum: Überlegen, auf welche Verpackungen verzichtet werden kann. Eine "Vier-Wochen-Warteliste" für Anschaffungen kann helfen, Impulskäufe zu vermeiden und nur wirklich Notwendiges zu erwerben.
  • Nachhaltige Mobilität: Wege, die sonst mit dem Auto erledigt würden, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.
  • Wiederverwendung und Teilen: Das Konzept des "Umsonstladens", wo Gegenstände des täglichen Lebens kostenlos weitergegeben werden, ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Ressourcen geschont und die Freude am Schenken und Beschenktwerden erlebt werden kann. Was dort geschenkt wird, muss nicht neu produziert werden.
  • Naturverbundenheit: Ein Herbstspaziergang im Wald kann eine wertvolle Alternative zu einem Einkaufsbummel sein und die Freude über die Natur ausdrücken.

All dies sind kleine, aber wichtige Schritte, die im eigenen Alltag und Wirtschaften die Freude über die Schöpfung und die Natur ausdrücken und zur Bewahrung unseres bedrohten Planeten beitragen. Die christlichen Kirchen setzen sich an unterschiedlichen Orten und durch solche kleinen, aber wichtigen Schritte für diese Bewahrung ein.

Hubertus-Traditionen und ihre Bedeutung

Das Gedenken an den heiligen Hubertus hat im Laufe der Jahrhunderte viele Traditionen hervorgebracht, die seine Bedeutung im Volksglauben unterstreichen. Besonders in Belgien und Frankreich, aber auch in Deutschland, wird seiner um den 3. November herum gedacht. Die Jäger und Förster verehren ihn nach wie vor als ihren Schutzpatron.

  • Hubertusmessen: Eine der bekanntesten Traditionen sind die Hubertusmessen. Ursprünglich streng liturgisch in Kirchen abgehalten, wurden sie ab dem 19. Jahrhundert oft ins Freie verlegt und musikalisch von Jagdhörnern begleitet. Die typischen ventillosen Fanfaren und Parforce-Hörner erzeugen dabei einen ganz eigenen, naturverbundenen Klang. Diese Messen sind nicht nur eine Ehrung des Heiligen, sondern auch eine Gelegenheit, die Beziehung zwischen Mensch, Natur und Schöpfung zu reflektieren.
  • Schutz vor Tollwut: Im Volksglauben galt Hubertus auch als Schutzheiliger der Hunde und wurde um Fürbitte gegen Wildtollwut angerufen. In manchen Regionen werden am Hubertustag Brot, Salz und Wasser geweiht, deren Verzehr vor Tollwut schützen soll.
  • Vier heilige Marschälle und Nothelfer: Hubertus zählt zu den vier heiligen Marschällen und wird in manchen Gegenden auch zu den 14 Nothelfern gezählt, was seine weitreichende Verehrung belegt.

Häufig gestellte Fragen zum heiligen Hubertus

Was ist die Glaubensbotschaft des heiligen Hubertus?

Die zentrale Glaubensbotschaft des heiligen Hubertus ist die der Schöpfungsverantwortung. Er erkannte durch eine göttliche Vision, dass der Mensch nicht über der Natur steht, sondern ein Teil von Gottes Schöpfung ist. Seine Botschaft ruft dazu auf, alle Geschöpfe und die gesamte Umwelt – Pflanzen, Tiere, Wasser, Luft und Erde – mit Ehrfurcht und Achtsamkeit zu behandeln, zu hegen und zu pflegen, anstatt sie auszubeuten. Dies beinhaltet die Erkenntnis, dass natürliche Ressourcen begrenzt sind und wir eine Pflicht zum Schutz unseres Planeten haben.

Wer war der heilige Hubertus historisch?

Historisch war Hubertus ein Bischof von Lüttich, geboren um 656 in Toulouse und gestorben 727. Er diente als Pfalzgraf an fränkischen Höfen, wurde nach dem Tod seiner Frau Einsiedler in den Ardennen und später Bischof von Tongern-Maastricht, bevor er seinen Bischofssitz nach Lüttich verlegte. Er gilt als "Apostel der Ardennen" und war eine bedeutende kirchliche Persönlichkeit im 8. Jahrhundert.

Warum ist Hubertus der Schutzpatron der Jäger?

Hubertus wurde zum Schutzpatron der Jäger, weil er der Legende nach während einer Jagd eine göttliche Vision hatte: Ein Hirsch mit einem Kreuz im Geweih erschien ihm. Diese Begegnung führte zu seiner tiefgreifenden Bekehrung. Er wurde von einem rücksichtslosen Jäger zu einem vorbildlichen Waidmann, der das Wild als Geschöpf Gottes achtete und dessen Hege und Pflege als seine vornehmste Pflicht ansah. Dies macht ihn zum idealen Patron für eine Jagd, die in Einklang mit der Natur und ihren Geschöpfen steht.

Was sind Hubertusmessen?

Hubertusmessen sind Gottesdienste, die traditionell am oder um den 3. November, dem Gedenktag des heiligen Hubertus, gefeiert werden. Sie sind besonders bekannt für ihre musikalische Gestaltung durch Jagdhörner und Parforce-Hörner, die einen einzigartigen Naturklang erzeugen. Viele dieser Messen finden heute im Freien statt und dienen dazu, die Verbindung zur Natur und die Schöpfungsverantwortung im Kontext des Glaubens zu feiern und zu reflektieren.

Wofür wird Hubertus noch verehrt?

Neben seiner Rolle als Schutzpatron der Jäger und Forstleute wird Hubertus im Volksglauben auch als Schutzheiliger gegen Tollwut verehrt, insbesondere für Menschen und Tiere. Er zählt zu den vier heiligen Marschällen und wird in manchen Regionen auch zu den 14 Nothelfern gezählt, was seine breite Verehrung und seine zugeschriebene Fähigkeit zur Fürbitte in verschiedenen Nöten unterstreicht.

Fazit: Eine Botschaft für die Zukunft

Der Gedenktag des heiligen Hubertus ist weit mehr als nur eine Tradition für Jäger und Waldarbeiter. Er erinnert uns an eine universelle und zeitlose Botschaft: Wir sind Teil der großartigen Schöpfung Gottes und tragen eine immense Verantwortung für ihren Erhalt. Die Freude am Herbst, an seinen Farben und seiner Fülle, kann uns Mut machen zu neuer Achtsamkeit gegenüber dem Leben. Papst Franziskus fasste diesen Wunsch in einem Gebet am Schluss seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ zusammen, das die Essenz der Hubertus-Botschaft widerspiegelt:

Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind
mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.

Möge die Geschichte des heiligen Hubertus uns alle dazu inspirieren, unser eigenes Handeln zu überdenken und mit größerer Nachhaltigkeit und Ehrfurcht für die uns anvertraute Welt zu leben.

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