Was ist die Nächstenliebe der Heiligen?

Die Fürbitte der Heiligen: Ein Weg zu Gott?

30/06/2023

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In der weiten Landschaft des christlichen Glaubens gibt es viele Praktiken und Überzeugungen, die Außenstehende manchmal verwirren oder zu Missverständnissen führen können. Eine dieser Praktiken ist die Anrufung der Heiligen. Ist es erlaubt, zu den Heiligen zu beten? Lenkt es nicht vom Gebet zu Gott selbst ab oder untergräbt es die einzigartige Rolle Christi als Mittler? Diese Fragen sind nicht nur für Nichtkatholiken von Interesse, sondern auch für Gläubige, die ihr Verständnis vertiefen möchten. Um die Bedeutung und den Wert der Heiligenanrufung wirklich zu erfassen, müssen wir uns den Grundsätzen zuwenden, auf denen diese Praxis basiert, und die tiefen spirituellen Wahrheiten, die sie offenbart.

Warum ist Katharina so wichtig?
Katharina besonders durch ihre Demut aus. Ihr ganzes Leben sprach sie, ihre Ordensoberen ausgenommen, mit niemandem über die Erscheinungen. Die Medaille eroberte schnell die Herzen der Gläubigen und das Volk gab ihr den Beinamen die “Wundertätige”, weil es durch sie von Beginn weg viele Wunder gab.
Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet die Anrufung der Heiligen?

Die Anrufung der Heiligen bedeutet, sich im Gebet an sie zu wenden, nicht um sie als Götter anzubeten, sondern um ihre Fürbitte bei Gott zu erbitten. Es ist ein Akt der Demut und des Vertrauens, bei dem Gläubige erkennen, dass die Heiligen, die bereits in der Herrlichkeit Gottes sind, eine besondere Nähe zu Ihm haben. Sie sind unsere Brüder und Schwestern im Glauben, die den Weg des Lebens erfolgreich beschritten haben und nun in der Lage sind, für uns einzutreten. Es ist vergleichbar damit, einen Freund oder ein Familienmitglied zu bitten, für uns zu beten, jedoch mit dem zusätzlichen Wissen, dass diese Freunde im Himmel bereits die Vollendung erreicht haben und ihre Gebete von besonderem Gewicht sein können.

Die Fundamente des Glaubens an die Fürbitte der Heiligen

Unser Glaube daran, dass die Heiligen für uns bitten, stützt sich auf zwei zentrale Pfeiler der christlichen Lehre:

1. Die Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen

Die Gemeinschaft der Heiligen ist eine grundlegende Lehre der Kirche, die besagt, dass alle Glieder der Kirche – ob auf Erden lebend (die streitende Kirche), im Fegefeuer läuternd (die leidende Kirche) oder bereits in der Herrlichkeit Gottes (die triumphierende Kirche) – durch das eine Band Christi miteinander verbunden sind. Wir sind alle Glieder des einen Leibes Christi. Diese tiefe geistige Einheit ermöglicht es, dass die geistigen Güter des einen Gliedes auch den anderen zugutekommen. So wie wir auf Erden für einander beten und uns gegenseitig unterstützen, so tun dies auch jene, die uns im Tod vorausgegangen sind und nun bei Gott weilen. Die Bibel selbst bezeugt die Kraft des Gebets füreinander: „Betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist“ (Jakobus 5,16). Diese Verbundenheit hört nicht mit dem Tod auf, sondern wird im Gegenteil noch vertieft und vervollkommnet.

2. Die unverlöschliche Nächstenliebe der Heiligen

Die Heiligen zeichneten sich auf Erden durch eine außergewöhnliche Nächstenliebe aus. Viele von ihnen opferten alles, oft sogar ihr Leben, für ihre Mitmenschen und für Gott. Diese Liebe, die sie auf Erden übten, ist mit ihrem Tod keineswegs erloschen. Im Gegenteil, sie haben diese Liebe mit in den Himmel genommen, und da sie nun Gott, die Quelle der Liebe selbst, näher sind, lieben sie uns nur umso mehr. Der Apostel Paulus lehrt uns: „Die Liebe hört niemals auf“ (1. Korinther 13,8). Ihre Liebe zu uns ist nun reiner, vollkommener und uneigennütziger, da sie von allen irdischen Makeln befreit ist. Es ist diese vollkommene Liebe, die sie dazu drängt, weiterhin für uns vor Gott einzutreten.

Dürfen wir die Heiligen um ihre Fürbitte bitten?

Die Frage, ob wir die Heiligen um ihre Fürbitte anrufen dürfen, lässt sich logisch aus den zuvor genannten Punkten ableiten. Wenn es uns gestattet ist, unsere Brüder und Schwestern, die noch auf Erden leben, um ihre Gebete und Hilfe zu bitten – eine Praxis, die sogar Gott selbst Hiob für seine Freunde riet (Hiob 42,8) und die der heilige Paulus empfahl (1. Thessalonicher 5,25) und die selbst von Nichtkatholiken praktiziert wird – warum sollten wir dann nicht die Heiligen, die bereits im Himmel vor dem Angesicht Gottes sind und unsere Brüder und Schwestern in Christus bleiben, um ihre mächtige Fürbitte anrufen dürfen? Es wäre unlogisch anzunehmen, dass der Tod die Bande der Liebe und des Gebets zerschneidet, insbesondere wenn die Gerechten in der Gegenwart Gottes noch mächtiger sind.

Ist die Anrufung der Heiligen ein Widerspruch zum Vertrauen auf Gott oder zum Mittleramt Christi?

Diese Frage ist von entscheidender Bedeutung, da sie oft die größte Sorge im Zusammenhang mit der Heiligenanrufung darstellt. Die Antwort ist ein klares Nein. Die Anrufung der Heiligen widerspricht weder unserem Vertrauen auf Gott noch dem alleinigen Mittleramt Christi.

Nicht gegen das Vertrauen auf Gott

Wir wenden uns an die Heiligen nicht, weil wir uns nicht direkt an Gott wenden wollten oder könnten. Vielmehr erkennen wir uns als Sünder und oft als unwürdig, direkt vor der erhabenen Majestät Gottes zu erscheinen. Daher wenden wir uns an die Heiligen, die Freunde Gottes und unsere verklärten Brüder und Schwestern, damit Er uns durch ihre Fürsprache, die bei Ihm viel vermag (Johannes 9,31; Jakobus 5,16), gnädig sei und seine Wohltaten spende. Es ist wie wenn ein Kind einen seiner Elternteile bittet, ein Anliegen dem anderen Elternteil vorzutragen, weil es sich vielleicht zu schüchtern fühlt oder glaubt, dass die Bitte des anderen Elternteils mehr Gewicht hat. Gott ist der Ursprung allen Guten (Jakobus 1,17), und Ihn rufen wir als den Urheber an. Dies ist eine Handlung der Anbetung. Die Heiligen hingegen rufen wir als Fürsprecher an, die bei Gott für uns und mit uns bitten sollen. Der Unterschied zwischen Anbetung (Gott allein gebührend) und Verehrung/Fürbitte (den Heiligen gebührend) ist hier entscheidend.

Kein Eingriff in das Mittleramt Christi

Ebenso wenig geschieht durch die Fürbitte der Heiligen ein Eingriff in das Mittleramt Christi. Christus ist und bleibt unser alleiniger Mittler, durch den wir Zutritt zum Vater haben (Epheser 2,18). Er ist der einzige Weg, die Wahrheit und das Leben. Die Heiligen aber sind nur Fürsprecher, die erst durch Jesus Christus bei Gott für uns bitten müssen. Ihre Fürbitte ist eine Teilnahme an der einzigen Mittlerschaft Christi, nicht ein Ersatz dafür. Sie leiten ihre Fähigkeit zur Fürbitte von Christus ab. Darum sagen wir auch zu Gott: „Erbarme Dich unser, erhöre uns!“, zu den Heiligen hingegen nur: „Bittet für uns!“ Und wir schließen alle Gebete der Kirche mit den Worten: „Durch Jesum Christum, unsern Herrn!“ Dies unterstreicht klar, dass Christus der zentrale Punkt all unserer Gebete ist und bleibt, auch wenn wir die Heiligen um ihre Fürbitte bitten.

Wissen die Heiligen um unser Gebet?

Die Frage, ob die Heiligen unsere Gebete wahrnehmen können, ist ebenfalls von großer Bedeutung. Die Heilige Schrift gibt uns Hinweise darauf, dass dies der Fall ist. Wir wissen, dass die heiligen Engel sich über die Bekehrung eines Sünders freuen (Lukas 15,10) und das Gebet der Frommen als ein angenehmes Rauchwerk vor das Angesicht Gottes bringen (Offenbarung 8,3). Wenn dies für die Engel gilt, warum sollte dann nicht den Heiligen, die Freunde Gottes und Jesu Christi sind und gleiche Herrlichkeit mit den Engeln genießen (Jakobus 2,23; Johannes 15,14 u. 15), ein Gleiches zugestanden sein? Die Bibel erzählt auch, wie Onias und Jeremias nach ihrem Tod Kenntnis vom betrübten Zustand des jüdischen Volkes hatten und eifrig für dasselbe zu Gott beteten. Gott hat tausend Mittel und Wege, unseren Gebete ihnen kundzutun, sei es durch direkte Offenbarung oder durch ihre Teilhabe an Seiner allumfassenden Erkenntnis. Ihre Verbundenheit mit Gott ermöglicht ihnen eine Einsicht, die über unser irdisches Verständnis hinausgeht.

Wie muss die Anrufung der Heiligen beschaffen sein?

Damit die Anrufung der Heiligen Gott gefällig und uns heilsam ist, muss sie bestimmten Kriterien genügen:

  1. Auf Gottes Ehre hinzielen: Wie jede Form der Verehrung in der Kirche muss auch die Anrufung der Heiligen letztlich auf die Ehre Gottes abzielen. Die Heiligen sind nicht das Ziel unserer Verehrung, sondern ein Mittel, um Gott näherzukommen. Ihre Heiligkeit ist ein Spiegelbild der göttlichen Güte und Gnade.
  2. Durch Jesus Christus geschehen: Jedes Gebet und jede Anrufung muss durch Jesus Christus geschehen, denn er ist der einzige Weg zum Vater. Die Fürbitte der Heiligen ist nur wirksam, weil sie in und durch Christus geschieht.
  3. Nichts Unvernünftiges oder Seelenschädliches enthalten: Wir dürfen durch die Heiligen weder geistige noch leibliche Wohltaten verlangen, die unvernünftig oder unserer Seele schädlich wären. Die Gebete sollten immer im Einklang mit dem Willen Gottes und dem Heil unserer Seele stehen.
  4. Von einem gottesfürchtigen Leben begleitet sein: Die Anrufung der Heiligen sollte von einem Leben begleitet sein, das nach dem Beispiel der Heiligen ausgerichtet ist. Wie könnte ein Sünder, der Gott feindlich gesinnt ist, Erhörung erwarten, solange er in der Sünde verharren will? Das Gebet der Gerechten ist wirksam.
  5. Die Nachahmung ihres Lebens anstreben: Insbesondere sollen wir uns bemühen, nicht bloß die Fürbitte der Heiligen zu erwerben, sondern ihr Leben nachzuahmen. Die Kirche stellt uns Namens-, Landes- und Kirchenpatrone nicht nur als Fürbitter und Beschützer vor, sondern auch als Muster und Vorbilder. Indem wir ihr tugendhaftes Leben nachahmen, machen wir uns ihres Schutzes und ihrer Fürsprache würdig.

Vergleich: Direktes Gebet zu Gott vs. Fürbitte der Heiligen

Um die Nuancen besser zu verstehen, hilft ein Vergleich:

AspektDirektes Gebet zu GottAnrufung der Heiligen
Empfänger der AnbetungGott allein (Vater, Sohn, Heiliger Geist)Keine Anbetung, sondern Verehrung und Bitte um Fürbitte
Rolle GottesUrheber und Spender aller Gnaden und WohltatenEmpfänger der Fürbitte der Heiligen; gewährt Gnaden durch sie
Rolle ChristiEinziger Mittler zwischen Gott und den MenschenDurch Christus handeln die Heiligen als Fürsprecher
Art des GebetsAnbetung, Lobpreis, Danksagung, BitteBitte um Fürbitte, um sie als Vorbilder zu ehren
ZielDirekte Beziehung und Kommunikation mit dem SchöpferUnterstützung im Gebet, Stärkung der Gemeinschaft der Heiligen

Häufig gestellte Fragen zur Anrufung der Heiligen

Ist die Anrufung der Heiligen Götzendienst?

Nein, absolut nicht. Götzendienst bedeutet, ein Geschöpf anstelle des Schöpfers anzubeten. Die Heiligen werden nicht angebetet, sondern verehrt und um ihre Fürbitte gebeten. Die Anbetung (lateinisch: *latria*) gebührt allein Gott. Die Verehrung (lateinisch: *dulia*) ist eine Ehrfurcht, die den Heiligen aufgrund ihrer Nähe zu Gott und ihrer Tugendhaftigkeit entgegengebracht wird. Es ist ein fundamentaler Unterschied.

Muss ich zu Heiligen beten, um von Gott erhört zu werden?

Nein, Sie müssen nicht zu Heiligen beten. Das direkte Gebet zu Gott ist immer wirksam und erwünscht. Die Anrufung der Heiligen ist eine zusätzliche, bereichernde Praxis, die aus der Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen entspringt. Sie ist ein Ausdruck der spirituellen Solidarität innerhalb des Leibes Christi und eine Hilfe, die uns gegeben ist, um uns in unserem Gebet zu stärken.

Welche Heiligen sollte ich anrufen?

Sie können jeden Heiligen anrufen, der Sie inspiriert oder zu dem Sie eine besondere Verbindung spüren. Viele Menschen rufen ihre Namenspatrone, die Patrone ihrer Länder oder Berufe an. Auch die Gottesmutter Maria, die Königin aller Heiligen, hat eine herausragende Stellung in der Fürbitte. Es gibt keine festen Regeln, wen man anruft; wichtig ist die aufrichtige Absicht und der Glaube an die Gemeinschaft der Heiligen.

Was ist der Unterschied zwischen der Fürbitte der Heiligen und dem Gebet zu Gott?

Der Hauptunterschied liegt in der Rolle des Adressaten. Wenn wir zu Gott beten, sprechen wir den Allmächtigen, den Schöpfer und Retter direkt an, bitten Ihn um Gnade und danken Ihm. Wenn wir Heilige anrufen, bitten wir sie, sich ihrerseits an Gott zu wenden und unsere Anliegen vor Ihn zu bringen. Sie sind Fürsprecher, nicht die Quelle der Gnade selbst. Alle Gnade kommt von Gott durch Jesus Christus.

Was, wenn ich mich unwürdig fühle, direkt zu Gott zu beten?

Das Gefühl der Unwürdigkeit ist menschlich und kann sogar ein Zeichen für Demut sein. Gerade in solchen Momenten kann die Anrufung der Heiligen besonders hilfreich sein. Sie, die bereits in der Herrlichkeit Gottes sind und deren Gebete mächtig sind, können uns helfen, unsere Anliegen vor Gott zu bringen, wenn wir uns selbst zu schwach oder unwürdig fühlen. Es ist eine Brücke, die uns hilft, die Distanz zu überwinden, die wir aufgrund unserer Sünden empfinden mögen.

Fazit

Die Anrufung der Heiligen ist eine tief verwurzelte Praxis in der katholischen Tradition, die keineswegs im Widerspruch zum Vertrauen auf Gott oder zum Mittleramt Christi steht. Sie ist vielmehr ein Ausdruck der tiefen Überzeugung von der Gemeinschaft der Heiligen und der fortwährenden Liebe jener, die uns im Glauben vorausgegangen sind. Indem wir die Heiligen um ihre Fürbitte bitten, erkennen wir nicht nur ihre Heiligkeit und ihre Nähe zu Gott an, sondern stärken auch unser eigenes Gebetsleben und unsere Verbindung zur triumphierenden Kirche im Himmel. Es ist ein Zeugnis dafür, dass die Bande der Liebe in Christus auch über den Tod hinaus Bestand haben und dass wir als Glieder des einen Leibes Christi stets füreinander da sind, hier auf Erden und in der ewigen Herrlichkeit.

Die Heiligen sind unsere Freunde, unsere Vorbilder und unsere mächtigen Fürsprecher. Ihre Anrufung ist ein Weg, nicht von Gott wegzuführen, sondern uns Ihm durch die Unterstützung jener näherzubringen, die bereits in Seiner Gegenwart weilen. Mögen wir alle lernen, diese reiche Tradition zu schätzen und sie zu unserem geistlichen Wachstum zu nutzen, immer durch Jesus Christus, unseren Herrn.

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