17/01/2024
Das Gebet ist ein Eckpfeiler des christlichen Glaubens, doch oft fühlen sich Gläubige unsicher, wie sie effektiv beten sollen. Die Frage „Wie bete ich zu meinem Vater?“ ist nicht nur eine theologische, sondern zutiefst persönliche. Die Einsichten, die sich über Jahre hinweg aus der intensiven Auseinandersetzung mit der Bibel, insbesondere mit dem sogenannten „Vaterunser“, und im Austausch mit anderen Gläubigen ergeben haben, sind wahrlich wunderbar. Diese Erkenntnisse, gepaart mit der Lektüre inspirierender Werke wie „Becoming a man of PRAYER“ von B. Beltz, haben viele dazu motiviert, ihr Gebetsleben zu vertiefen und neu zu gestalten. Dieser Artikel wird die wichtigsten Punkte aufzeigen, die entscheidend dazu beitragen können, Ihr Gebetsleben zu erneuern und eine wirksamere Kommunikation mit Gott, Ihrem himmlischen Vater, zu pflegen.

Die Grundlage dieser Betrachtung bildet das „Vaterunser“, eine Unterweisung Jesu über das Beten, die in zwei Evangelien überliefert ist. Diese Anleitung zum Gebet findet sich zum einen in der Bergpredigt, die in Matthäus 6 festgehalten ist, und zum anderen in Lukas 11, wo ein Jünger Jesus gezielt um eine Lehre zum Gebet bat. Die Tatsache, dass Jesus diese Anleitung zweimal gab, unterstreicht ihre immense Bedeutung. Es ist eine Einladung, genau hinzuhören und zu lernen, wie wir uns Gott nähern können.
Es ist bedauerlich, wenn diese tiefgründige Anleitung im Laufe der Zeit missverstanden oder unzureichend vermittelt wurde, oft beeinflusst durch eine zu starke Betonung biblischer Zeiten, die die universelle Anwendbarkeit dieser Wahrheiten überschattete. Auch die Vorstellung, dass es sich um ein vorgeschriebenes Gebet zum Nachbeten handelt, anstatt um ein Muster oder eine Anleitung, hat viele daran gehindert, die volle Tiefe von Jesu Lehre zu erfassen. Doch genau diese Klarheit – dass es sich um eine Unterweisung zur Art und Weise des Betens handelt – kann ein besseres Verständnis dessen ermöglichen, was Jesus seinen Jüngern vermitteln wollte, um sie zu einem erfolgreichen und effektiven Gebetsleben anzuleiten. Möge diese Studie dazu dienen, Sie reichlich von Gott, unserem himmlischen Vater, zu segnen.
- Die biblische Grundlage und die Haltung zum Gebet
- Das Muster des Vaterunsers: Eine strukturierte Anleitung
- Die Komponenten des Gebetsmusters im Detail
- Die Bedeutung der Vergebung im Gebet
- Gottes Schutz und Bewahrung vor Versuchung
- Praktische Anwendung: Das Gebetsnotizbuch
- Häufig gestellte Fragen zum Gebet (FAQ)
- Abschluss und Ermutigung
Die biblische Grundlage und die Haltung zum Gebet
Matthäus 6, ab Vers 5, konzentriert sich auf das Thema Gebet und beleuchtet zunächst die Motive und die innere Einstellung beim Beten. Jesus fragt im Grunde: Warum beten wir? An wen richten wir unser Gebet? Welche Haltung nehmen wir dabei ein? Und worum bitten wir? Aus seinen Worten wird klar, wie wir als seine Jünger beten können und sollen.
In Matthäus 6,5 heißt es: „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.“
Mit dem Satz „Und wenn ihr betet …“ beginnt Jesus seine konkrete Anleitung. Für die Jünger und die Menschen in Israel war das Gebet eine selbstverständliche Praxis. Doch diese Vertrautheit entband sie nicht von der Notwendigkeit einer Anleitung, denn auch sie hatten noch viel zu lernen und konnten von Jesu Weisheit profitieren.
Jesus beginnt damit, zu erläutern, wie man nicht beten soll. Er kritisiert Beter, die an öffentlichen Orten wie Synagogen oder Straßenecken beten, um von anderen gesehen zu werden. Schriftgelehrte und Pharisäer waren bekannt für solches Verhalten. Sie beteten „gern“, doch ihre Motivation war verkehrt. Jesus bezeichnet sie deshalb als „Heuchler“, denn ihr Ziel war es, Menschen zu beeindrucken und Anerkennung zu erlangen. Der „Lohn“, den Jesus erwähnt, war genau diese menschliche Anerkennung – und mehr gab es nicht. Ihre Gebete mögen wohlformuliert und überzeugend vorgetragen worden sein, doch ohne die richtige Herzenshaltung waren sie vergeblich. Solche Gebete sind ein Beispiel dafür, wie man nicht beten soll.
Matthäus 6,6 fährt fort: „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.“
Hier betont Jesus die persönliche Natur des Gebets. „Geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu“ ist eine Metapher für die Intimität der Kommunikation zwischen dem Beter und Gott. Gebet ist eine Angelegenheit, die primär den Beter und Gott betrifft. Unser Gebet richtet sich an Gott als unseren Vater. Wir wenden uns an ihn, die Augen unseres Herzens sind auf ihn gerichtet, und er, der ins Verborgene sieht, wird uns vergelten. Er hört unsere Gebete und versorgt uns mit dem, was wir brauchen.
Jesus fährt fort, indem er erneut erklärt, wie das Gebet nicht sein soll:
Matthäus 6,7 und 8: „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“
Unser Gebet soll kein „Geplapper“ oder ein „viele Worte machen“ sein. „Plappern“ bezieht sich hier auf das gedankenlose, wiederholte Aufsagen gleicher Worte und Sätze, wie es bei einigen heidnischen Gebetspraktiken der Fall war. Ein solches Gebet ist nicht echt, da es die Beteiligung des Herzens vermissen lässt. Lautes oder wiederholtes Plappern ist auch deshalb nicht nötig, weil Gott bereits weiß, was wir brauchen, noch bevor wir ihn bitten. Gott sieht und erforscht unser Herz; er kennt unsere Gedanken, unsere Anliegen, Sorgen und Wünsche, selbst wenn wir sie nicht laut aussprechen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht laut beten dürfen, denn die Bibel bietet viele Beispiele für lautes oder gemeinschaftliches Gebet.
Die Tatsache, dass Gott unsere Bedürfnisse kennt, ist kein Grund, nicht zu beten! Gott ist ein liebender Vater, der es dem Menschen überlässt zu entscheiden, inwieweit er Gottes Hilfe in seinem Leben in Anspruch nehmen möchte. Gott drängt uns seinen Segen nicht auf; vielmehr schüttet er seinen Segen über uns aus, wenn wir ihn darum bitten. Es ist daher notwendig, dass wir zu ihm beten und ihn um das bitten, was wir benötigen.
Das Muster des Vaterunsers: Eine strukturierte Anleitung
Nach diesen einführenden Bemerkungen gibt Jesus seinen Jüngern ein Beispiel für das Gebet. Es ist wichtig zu verstehen, dass dies nicht „DAS GEBET des Herrn“ ist, das auswendig gelernt und einfach nur aufgesagt werden soll. Jesus selbst lehrte bei einer anderen Gelegenheit, wie in Lukas 11 berichtet, ein sehr ähnliches Gebet, das sich im Wortlaut leicht unterscheidet, aber im Aufbau und als Muster die gleichen Elemente enthält.
Matthäus 6,9 beginnt mit: „Darum sollt ihr so beten: …“
Das Wort „so“ (griechisch: houtōs) deutet bereits auf die nachfolgende Unterweisung hin, die aufzeigt, WIE (auf welche Art und Weise, mit welcher Einstellung, nach welchem Muster) man beten soll. Es geht nicht um die genaue Form oder den exakten Wortlaut, da Jesus diesen ja selbst bei anderer Gelegenheit leicht abwandelte.
Die beiden Versionen des Vaterunsers in Matthäus und Lukas bieten zusammen ein umfassendes Gebetsmuster:
| Matthäus 6,9-13 | Lukas 11,2-4 |
|---|---|
| Unser Vater im Himmel! | Vater! |
| Dein Name werde geheiligt. | Dein Name werde geheiligt. |
| Dein Reich komme. | Dein Reich komme. |
| Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. | |
| Unser tägliches Brot gib uns heute. | Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag |
| Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. | und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen, die an uns schuldig werden. |
| Und führe uns nicht in Versuchung, | Und führe uns nicht in Versuchung. |
| sondern erlöse uns von dem Bösen. | |
| Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. |
Aus dieser Gegenüberstellung wird deutlich: Beten kann gelehrt und gelernt werden! Es ist keine besondere Gabe, die nur wenigen Gläubigen vorbehalten ist. Jesus, das größte Beispiel eines Mannes des Gebets, betete selbst, und seine Gebete wurden erhört. Er kannte das Geheimnis des Gebets und teilte es seinen Jüngern mit.
Das siebenfache Muster des Gebets
Verknüpft man die beiden Anleitungen Jesu, ergibt sich ein klares Muster mit insgesamt sieben Teilen, das als Struktur für unser Gebet dienen kann:
- Einleitung: Unser Vater im Himmel. (Mat 6,9)
- Fokus: Dein Name werde geheiligt. (Mat 6,9; Luk 11,2)
- Gottes Eingreifen erbitten: Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. (Mat 6,10; Luk 11,2)
- Für Gottes Versorgung beten: Unser tägliches Brot gib uns heute. (Mat 6,11; Luk 11,3)
- Vergebung erleben: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. (Mat 6,12; Luk 11,4)
- Einen geistlichen Schutz errichten: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. (Mat 6,13; Luk 11,4)
- Abschluss: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. (Mat 6,13)
Dieses Muster ist keine starre Formel, sondern eine Gliederung, die uns hilft, unser Gebet umfassend und zielgerichtet zu gestalten. Der Autor B. Beltz beschreibt die einzelnen Komponenten in seinem Buch „Becoming a man of PRAYER“ sehr treffend und unterstreicht die Wichtigkeit jeder Phase.
Die Komponenten des Gebetsmusters im Detail
Jesu erste Worte in diesem Muster lehren uns, an wen unser Gebet gerichtet sein soll: Wir beten einzig zu unserem Vater im Himmel, zu Gott. Jesus selbst richtete seine Gebete an Gott, und die Bibel modifiziert diese Anweisung nirgends, um zu lehren, zu Jesus oder jemand anderem zu beten. Als Gläubige, die nach Pfingsten leben und wiedergeboren sind, beten wir ebenfalls nur zu Gott, unserem himmlischen Vater, und wir tun dies im Namen Jesu Christi, den wir als unseren Herrn bekannt haben. Die Anrede „Vater“ betont die liebevolle, vertrauensvolle Beziehung, die wir zu Gott haben dürfen.
Weiterhin ist erkennbar, dass wir nicht zuerst um unsere eigenen Anliegen bemüht sein sollten, sondern um die Angelegenheiten Gottes. Bevor das Gebet unsere persönlichen Bedürfnisse anspricht, ist der Blick unserem Gebet zuerst den Dingen zugewandt, die Gott betreffen – „dein Name … dein Reich … dein Wille“! Dies ist ein bedeutsamer Unterschied zu den Gebeten der Heuchler, bei denen sie selbst und die Menschen im Vordergrund standen. Der Beter muss sich bewusst werden, mit wem er es zu tun hat; er tritt in Gottes Gegenwart und wendet sich in Ehrfurcht und Liebe an ihn.
Selbst wenn es um uns geht, steht Gott immer im Vordergrund. Gott, sein Name, sein Wille, seine Herrschaft bestimmen unser Leben. Gebet soll keine Aufzählung unserer Wunschliste sein, die wir unabhängig von Gottes Willen gerne hätten. Wir treten nicht vor Gott hin und verlangen von ihm, das zu tun, was wir uns bereits ohne ihn ausgedacht haben. Auf diese und ähnliche Dinge hatte Jesus seine Jünger in den vorangehenden Teilen seiner Predigt hingewiesen. Er hatte die große Bedeutung von Demut und Sanftmut gegenüber Gott herausgestellt. Ein reines Herz ist notwendig, um Gottes Willen recht zu tun und zu lehren. Ein Wandel in Gerechtigkeit muss weit über dem stehen, was die Pharisäer an den Tag legten. Nicht die äußeren Handlungen sind entscheidend, sondern die diesen Handlungen vorangehenden Gedanken des Herzens.
Unser Motiv zum Beten soll unserer Liebe zu Gott und unserem Wunsch und Verlangen nach ihm und nach Gemeinschaft mit ihm entspringen. Er steht immer im Vordergrund in unserem Gebet, und wir bitten in Einklang mit seinem Willen. Unsere Wünsche und das, worum wir bitten, müssen in Einklang sein mit Gottes Willen – mit dem, was er in seinem Wort verheißen hat. Dies wird auch hier in Jesu Anweisung deutlich, denn für jede Komponente dieses Musters gibt es eine bereits in den Schriften des Alten Testaments verankerte Grundlage!
Gottes Wille ist maßgebend; wir beten, dass sein Wille auf Erden geschehe. Uns geht es darum, Gottes Willen in den Angelegenheiten unseres Lebens verwirklicht zu sehen. Unser Gebet kann nicht „einfach so“, „nachlässig“ oder „nonchalant“ sein. Wir erscheinen nicht wie verwöhnte kleine Kinder vor Gott und verlangen frech irgendetwas, was unsere momentane Habgier stillen soll. Wir dürfen uns nicht wie Toren aufspielen, uns in stolzer Überheblichkeit vor Gott präsentieren und ihm in forderndem Ton zu verstehen geben, was wir gerne hätten. Gott ist kein „Automat“, der auf unseren Befehl hin etwas tun muss! Vielmehr müssen wir in Demut vor ihn treten, ihm Ehre erweisen und gebührenden Respekt entgegenbringen – „seinen Namen heiligen“. Wir kommen im Gebet zu Gott mit einer demütigen und sanftmütigen Einstellung. Wir erkennen an, wer Gott und wer Mensch ist. Wir vergessen nicht, wer der Vater und wer das Kind ist.
Nachdem wir in unserem Gebet zuerst einige Zeit aufgewendet haben, um sozusagen vor Gott hinzutreten, um zu seinem Thron der Gnade zu kommen, uns an ihn als unseren Vater zu wenden, ist dann auch Zeit, unsere Anliegen vor ihm kundwerden zu lassen. „Unser tägliches Brot gib uns heute [Tag für Tag]“ zeigt an, dass es für uns wichtig ist, jeden Tag zu Gott zu gehen. Er sorgt für die Seinen, wobei kein Tag vergeht, an dem er nicht bereit wäre, uns das zu gewähren, was wir benötigen. Wir beten nicht einmal pro Woche, pro Monat oder pro Jahr; nein – es ist notwendig, dass wir täglich beten! In dem Begriff „Brot“ ist all das einbegriffen, was zu unserem physischen Leben notwendig ist. All das wird Gott uns Tag für Tag geben, wenn wir ihn darum bitten und ihm für seine Güte und Gnade danken.
Die Bedeutung der Vergebung im Gebet
Ein überaus wichtiger Aspekt des Betens folgt danach: Aus Gottes Vergebung heraus leben und anderen vergeben. Wir werden nicht erfolgreich und effektiv beten, wenn wir uns nicht immer wieder bewusst werden, dass wir sündigen und uns darin vor Gott schuldig machen und deshalb seiner Vergebung bedürfen. Da Gott uns vergibt, wenn wir zu ihm kommen und Vergebung suchen, können und müssen wir auch anderen gegenüber Vergebung praktizieren und in unserem Leben einander vergeben, wenn einer Klage hat wider einen anderen. Der Punkt des Vergebens wird übrigens direkt im Anschluss nochmals von Jesus aufgegriffen und weiter erläutert, was keinen Zweifel daran lässt, wie wichtig gerade dieser Teil des Gebets ist. Es ist ein Akt der Demut und des Gehorsams, der unsere Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen maßgeblich beeinflusst.
Gottes Schutz und Bewahrung vor Versuchung
Weiterhin folgt dann das Ersuchen um Gottes Schutz, dass er uns vor dem Bösen bewahre, erlöse, errette. Gott selbst führt natürlich niemanden in Versuchung, sodass er jemanden zum Bösen verleiten würde – nein! Die Aussage „führe uns nicht in Versuchung“ ist als Idiom passivisch zu verstehen und bedeutet vielmehr „gestatte nicht [lass nicht zu], dass wir in Versuchung geführt werden“. Dabei geht es eben um Versuchungen zum Bösen; um das Böse in den Versuchungen. Gott mag gestatten, dass wir einer Prüfung unterzogen werden (vgl. Lukas 4,1.2 – Jesus „wurde vom Geist in die Wüste geführt und vierzig Tage lang von dem Teufel versucht“), wobei er jedoch immer dafür Sorge trägt, dass es einen Weg aus der Versuchung heraus gibt (vgl. 1. Korinther 10,13). Mittels des Gebets können wir quasi einen geistlichen Schutzwall errichten, eine Mauer um uns ziehen, sodass wir unter Gottes Schutz vor Feinden geborgen sind. Dieses Gebet ist ein Ausdruck unseres Vertrauens in Gottes Bewahrung und unserer Abhängigkeit von Seiner Stärke.
Zum Abschluss unseres Gebets folgt dann noch eine Bestätigung der Größe Gottes und eine Bezeugung der Größe und Majestät Gottes, der wahrlich über allem und allen steht und alles zu tun vermag und darüber hinaus, was wir beten oder verstehen. Diese Doxologie („Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“) rundet das Gebet ab, indem sie den Fokus wieder auf Gott und seine unermessliche Macht lenkt.
Praktische Anwendung: Das Gebetsnotizbuch
Als sehr hilfreich beim Beten hat sich ein Gebetsnotizbuch erwiesen. Nehmen Sie dazu ein leeres Heft zur Hand (lose Blätter für ein Ringbuch tun es auch) und teilen Sie die Seiten zunächst in zwei Spalten auf. Die linke und etwas breitere Spalte ist die „Themen“-Spalte, die rechte ist gedacht für „Schriftstellen“.
Teilen Sie Ihr Gebetsnotizbuch in die oben erwähnten sieben Bereiche des Vaterunsers auf. Nehmen Sie jeweils eine Seite und tragen Sie über den Spalten als Titel die entsprechende Kategorie ein (z.B., „Dein Name werde geheiligt“ oder „Unser tägliches Brot gib uns heute“). Füllen Sie nach und nach die einzelnen Kategorien mit spezifischen Gebetspunkten. Bemühen Sie sich dabei, auch Schriftstellen anzuführen, die Ihnen als geistliche Grundlage für Ihre Gebetsthemen dienen. Dies hilft nicht nur, Ihre Gebete zu strukturieren, sondern auch, sie tiefer in Gottes Wort zu verankern. Ein solches Notizbuch kann Ihnen helfen, Ihre Gebetsanliegen nicht zu vergessen, Antworten auf Gebete zu verfolgen und eine kontinuierliche Beziehung zu Gott zu pflegen.
Häufig gestellte Fragen zum Gebet (FAQ)
Im Laufe der Zeit treten immer wieder ähnliche Fragen zum Gebet auf. Hier sind einige der häufigsten:
Muss ich das Vaterunser wörtlich beten?
Nein, Jesus lehrte das Vaterunser als ein Muster oder eine Anleitung, nicht als eine starre Formel, die wörtlich wiederholt werden muss. Die leichte Abweichung im Wortlaut zwischen Matthäus und Lukas unterstreicht dies. Es ist eine Struktur, die uns lehrt, welche Elemente in ein umfassendes Gebet gehören und in welcher Reihenfolge wir uns Gott nähern sollten.
Warum sollte ich beten, wenn Gott bereits weiß, was ich brauche?
Obwohl Gott allwissend ist und unsere Bedürfnisse kennt, bevor wir sie äußern, ist das Gebet keine Informationsübertragung, sondern eine Beziehungspflege. Es ist eine Einladung Gottes an uns, aktiv an seinem Wirken in unserem Leben teilzuhaben. Gebet drückt unsere Abhängigkeit, unseren Glauben und unsere Liebe zu ihm aus. Es ist ein Akt der Demut, durch den wir Gott erlauben, in unsere Situationen einzugreifen und seinen Segen zu spenden. Gott „zwingt“ uns keine Segnungen auf, sondern wartet auf unsere Bitte und unsere Zustimmung zu seinem Willen.
Kann ich laut beten oder muss es immer im Stillen sein?
Sie können sowohl laut als auch still beten. Die Anweisung Jesu, ins „Kämmerlein“ zu gehen, betont die Wichtigkeit der persönlichen, intimen Kommunikation mit Gott, frei von menschlicher Anerkennung. Es bedeutet nicht, dass lautes oder öffentliches Gebet falsch ist. Die Bibel zeigt viele Beispiele für lautes Gebet, sowohl von Einzelpersonen als auch in der Gemeinde. Wichtig ist die Herzenshaltung und die Ausrichtung auf Gott, nicht die Lautstärke.
Wie oft sollte ich beten?
Jesus lehrte uns, um „unser tägliches Brot“ zu bitten, was auf die Notwendigkeit des täglichen Gebets hinweist. Es ist eine kontinuierliche Beziehung, die Pflege benötigt. Die Bibel ermutigt uns, „allezeit zu beten“ (1. Thessalonicher 5,17). Das bedeutet nicht, dass wir ununterbrochen Worte sprechen müssen, sondern dass unser Herz eine ständige Haltung der Kommunikation und des Bewusstseins für Gottes Gegenwart haben sollte.
Ist Gebet nur für besondere Gläubige?
Nein, Gebet ist für jeden Gläubigen zugänglich und kann gelernt werden. Die Tatsache, dass die Jünger Jesus baten: „Herr, lehre uns beten“, und er sie unterwies, zeigt, dass Gebet eine Fähigkeit ist, die entwickelt werden kann. Jeder, der eine Beziehung zu Gott durch Jesus Christus hat, kann und sollte beten.
Abschluss und Ermutigung
Möge diese kleine Studie eine Anregung für alle Leser sein, sich intensiver um ihr Gebetsleben zu bemühen und voller Freude verkünden zu können, was in Psalm 100 bereits so treffend ausgedrückt ist:
Psalm 100,1-5:
EIN PSALM ZUM DANKOPFER.
Jauchzet dem HERRN, alle Welt!
Dienet dem HERRN mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!
Erkennet, dass der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen!
Denn der HERR ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.
Ihm gebührt Lob und Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
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