06/05/2022
Als Menschen fällt es uns oft schwer, die wahre Natur und Tiefe der Liebe Gottes vollständig zu erfassen. Unsere menschlichen Erfahrungen mit Liebe sind oft an Bedingungen geknüpft, an Gegenseitigkeit oder an die Liebenswürdigkeit des Geliebten. Doch die biblische Offenbarung der Liebe Gottes sprengt diese Grenzen und offenbart eine Dimension, die unser Vorstellungsvermögen übersteigt. Es ist unsere Aufgabe als Christen, diese unermessliche Liebe nicht nur intellektuell zu verstehen, sondern sie in unserem Herzen zu verinnerlichen und in unserem Leben widerzuspiegeln. Wie gut gelingt uns das in unserem Alltag?
Der Apostel Johannes versichert uns in seinen Schriften, dass „Gott die Liebe ist“ (1. Johannes 4,8). Diese Aussage ist nicht nur eine Beschreibung einer Eigenschaft Gottes, sondern eine Definition seines Wesens. Die Liebe Gottes zu uns ist unendlich tiefer, als wir uns vorstellen können. Sie geht weit über das hinaus, was wir im Griechischen als „Agape“ kennen, obwohl dieses Wort oft im Zusammenhang mit göttlicher Liebe verwendet wird. Ein zentrales Merkmal dieser Liebe ist, dass sie eine bewusste Entscheidung ist, einen Menschen zu lieben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Sie setzt keinerlei Gegenseitigkeit voraus, sondern ist von Natur aus gebend und selbstlos.

- Gottes Liebe als roter Faden der Bibel
- Agape: Mehr als nur ein religiöser Begriff
- Andere griechische Wörter für Liebe
- Liebe im Alten Testament: Ahaw und Chesed
- Göttliche Liebe: Mehr als nur Vokabeln
- Ein „neues Gebot“ als Merkmal eines Jüngers
- Die Liebe Gottes in uns verinnerlichen
- Häufig gestellte Fragen zur Liebe Gottes
Gottes Liebe als roter Faden der Bibel
Das Motiv der Liebe zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Bibel, vom Alten bis zum Neuen Testament. Es ist das Fundament, auf dem Gottes Beziehung zu den Menschen aufgebaut ist und das die Grundlage für alle seine Gebote bildet. Die beiden höchsten Gebote, die Jesus selbst als die wichtigsten identifizierte, drehen sich um die Liebe:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“ (Matthäus 22,37-40).
Diese Gebote unterstreichen die untrennbare Verbindung zwischen der Liebe zu Gott und der Liebe zu unseren Mitmenschen. Wer Gott liebt, wird auch seine Schöpfung lieben. Und wer seine Mitmenschen liebt, spiegelt damit eine Facette der göttlichen Liebe wider. Da „wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe“ (1. Johannes 4,8), ist es von größter Bedeutung, dass wir in unseren Gedanken, Worten und Taten die Liebe Gottes nicht nur verstehen und lehren, sondern auch aktiv umsetzen.
Agape: Mehr als nur ein religiöser Begriff
Im Deutschen hat das Wort „Liebe“ viele Bedeutungen und Schattierungen, von romantischer Zuneigung bis hin zu platonischer Freundschaft. Göttliche Liebe hingegen ist eine besondere Art von Liebe, die alle anderen Arten überragt und durch ihre Reinheit und Beständigkeit gekennzeichnet ist. Aus diesem Grund hat sich in manchen Glaubensgemeinschaften das griechische Wort Agape etabliert, um diese spezifische Form der Liebe zu bezeichnen. Es ist sogar Teil des Namens einiger Glaubensgemeinschaften geworden.
Agape ist ein Hauptwort, und das entsprechende Zeitwort ist agapao (lieben). Allerdings ist im Laufe der Zeit ein Missverständnis entstanden: Viele nehmen an, dass Agape *ausschließlich* die göttliche Liebe bezeichnet. Das Duden Fremdwörterbuch definiert Agape zwar als „die sich in Christus zeigende Liebe Gottes zu den Menschen“, aber auch als „abendliches Mahl der frühchristlichen Gemeinde“. Die zweite Definition findet sich in dieser Form jedoch nicht in der Bibel.
Die Annahme, dass Agape und agapao sich nur auf göttliche Liebe beziehen, ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Tatsächlich werden diese Begriffe selbst im Neuen Testament für eine Vielzahl von Lieben verwendet, die nicht ausschließlich göttlicher Natur sind. Hier sind einige Beispiele, die zeigen, dass Agape und agapao die gewöhnlichsten und allgemeinsten Wörter in der griechischen Sprache für „Liebe“ und „lieben“ waren, als das Neue Testament geschrieben wurde:
- Lukas 6,32: „Denn auch die Sünder lieben [agapao] ihre Freunde.“
- Johannes 3,19: „[Die] Menschen liebten [agapao] die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.“
- Johannes 12,43: „Denn sie hatten lieber [agapao] Ehre bei den Menschen als Ehre bei Gott.“
- 2. Timotheus 4,10: „Denn Demas hat mich verlassen und diese Welt liebgewonnen [agapao].“
- 2. Petrus 2,15: „Sie verlassen den richtigen Weg . . . und folgen dem Weg Bileams . . . der den Lohn der Ungerechtigkeit liebte [agapao].“
- 1. Johannes 2,15: „Habt nicht lieb [agapao] die Welt noch was in der Welt ist.“
Diese Beispiele zeigen deutlich, dass Agape nicht nur für die Liebe Gottes, sondern auch für menschliche Liebe, sogar für negative Formen der Zuneigung (Liebe zur Finsternis, Liebe zur Welt) verwendet wurde. Dies unterstreicht, dass die Tiefe und Einzigartigkeit der göttlichen Liebe nicht allein in der Wahl eines bestimmten griechischen Wortes liegt, sondern in ihrem Charakter und ihren Auswirkungen.
Andere griechische Wörter für Liebe
Neben Agape/agapao gibt es im Neuen Testament ein weiteres wichtiges Begriffspaar für Liebe/lieben: philos (Liebe) und phileo (lieben). Während Agape im Neuen Testament 116 Mal vorkommt, erscheint philos 29 Mal. Die Verben agapao (137 Mal) und phileo (25 Mal) werden ebenfalls verwendet.
Das Wortpaar philos/phileo findet sich auch in vielen deutschen Wörtern griechischer Herkunft, was seine Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch unterstreicht:
- Philosophie: Liebe zur Weisheit (sophia)
- Philanthropie: Liebe zum Menschen (anthropos)
- Philologie: Liebe zum Wort (logos)
- Philharmonie: Liebe zur Fügung (harmonia)
Interessanterweise werden zwei weitere altgriechische Wörter, die als „Liebe“ übersetzt werden können – eros (leidenschaftliche, oft sexuelle Liebe) und storgos (natürliche Zuneigung, besonders innerhalb der Familie) – im Neuen Testament überhaupt nicht verwendet. Dies ist bezeichnend und deutet darauf hin, dass die biblische Darstellung der Liebe sich bewusst von rein weltlichen oder instinktiven Formen abgrenzt.
Agapao und Phileo als Synonyme
Ein Vergleich verschiedener Bibelstellen im Neuen Testament zeigt, dass agape/agapao und philos/phileo oft mit der gleichen Bedeutung verwendet werden, was ihre synonyme Natur in vielen Kontexten unterstreicht:
- Johannes 21,7: „Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte [agapao] ...“
- Johannes 20,2: „Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte [phileo] ...“ (Beide Verse beziehen sich auf Johannes, den Lieblingsjünger Jesu.)
- Hebräer 12,6: „Denn wen der Herr lieb hat [agapao], den züchtigt er.“
- Offenbarung 3,19: „Welche ich lieb habe [phileo], die weise ich zurecht und züchtige ich.“
Auch wenn es keine starre Trennung gibt, so hat agape/agapao manchmal die Nebenbedeutung, dass keine Gegenleistung erwartet wird, was ein Schlüssel zum Verständnis der göttlichen Liebe ist. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist Johannes 3,16:
„Denn also hat Gott die Welt geliebt [agapao], dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
Gott liebte die gesamte Menschheit, obwohl sie nicht liebenswürdig war und ohne die Gewissheit, dass sie ihn im Gegenzug lieben würden. Dies wird in Römer 5,6-8 noch deutlicher ausgeführt:
„Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. Gott aber erweist seine Liebe [Agape] zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“
Diese unbedingte Liebe, die sich opfert, ohne Verdienst oder Gegenleistung zu fordern, ist das Herzstück der göttlichen Agape.
Vergleich der griechischen Begriffe für Liebe
| Griechischer Begriff | Übersetzung | Bedeutung / Kontext im NT |
|---|---|---|
| Agape (Hauptwort) | Liebe | Allgemeinstes Wort für Liebe; oft für Gottes Liebe zu den Menschen verwendet, aber auch für menschliche Liebe (sogar negative Formen). Kennzeichnet oft eine Liebe, die keine Gegenleistung erwartet. |
| Agapao (Zeitwort) | lieben | Entsprechendes Verb zu Agape. |
| Philos (Hauptwort) | Liebe, Freundschaft | Bezieht sich oft auf freundschaftliche Liebe, Zuneigung. |
| Phileo (Zeitwort) | lieben, mögen | Entsprechendes Verb zu Philos; kann auch göttliche Liebe ausdrücken (z.B. Gottes Liebe zum Sohn). |
| Eros | leidenschaftliche, romantische Liebe | Nicht im Neuen Testament verwendet. |
| Storgos | natürliche Zuneigung (Familie) | Nicht im Neuen Testament verwendet. |
Liebe im Alten Testament: Ahaw und Chesed
Viele Stellen im Neuen Testament, die von Liebe sprechen, zitieren oder beziehen sich auf das Alte Testament, wo der Begriff Liebe ebenfalls eine zentrale Rolle spielt. Das häufigste Zeitwort für „lieben“ im Hebräischen des Alten Testaments ist ahaw, das mit seinen verwandten Formen etwa 250 Mal vorkommt. Es wird für vielfältige Formen der Liebe verwendet, von familiärer Zuneigung bis hin zur Liebe zu Gott und zum Nächsten. Die beiden höchsten Gebote sind klassische Beispiele für die Verwendung von ahaw:
- „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben [ahaw] von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft“ (5. Mose 6,5).
- „Du sollst deinen Nächsten lieben [ahaw] wie dich selbst; ich bin der Herr“ (3. Mose 19,18).
Ein weiteres sehr wichtiges Hauptwort im Alten Testament ist chesed, das 248 Mal vorkommt. Chesed bezeichnet eine unverbrüchliche, treue Liebe, die von Mitgefühl, Barmherzigkeit und Loyalität geprägt ist. Es ist eine Liebe, die sich in Taten der Treue und des Bundes erweist. Am häufigsten wird chesed verwendet, um die Liebe Gottes zu seinem Volk zu bezeichnen, aber es wird auch für seine Liebe zu allen Menschen benutzt, wie zum Beispiel in Psalm 36 (Güte) und Psalm 103 (Güte, Gnade). Chesed ist die Liebe, die auch dann Bestand hat, wenn wir untreu sind, und die stets auf Wiederherstellung und Vergebung abzielt. Sie ist ein tiefes Fundament der Beziehung Gottes zu seiner Schöpfung.
Göttliche Liebe: Mehr als nur Vokabeln
Um die Gesinnung und die Auswirkungen göttlicher Liebe wirklich zu verstehen, reicht es nicht aus, einzelne griechische oder hebräische Vokabeln zu studieren. Vielmehr müssen wir uns in der gesamten Bibel auskennen, denn sie ist die umfassende Offenbarung dieser Liebe. Die ausführlichste und wohl bekannteste Erklärung göttlicher Liebe finden wir im 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes. Dieses eine Kapitel offenbart mehr über göttliche Liebe als die Beschäftigung mit der Bedeutung eines einzelnen Wortes je könnte. Es beschreibt die Eigenschaften der Liebe (langmütig, freundlich, nicht neidisch, nicht prahlend, nicht aufgeblasen, nicht unanständig, sucht nicht das Ihre, lässt sich nicht erbittern, rechnet das Böse nicht an, freut sich nicht über Ungerechtigkeit, freut sich aber an der Wahrheit; erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles) und hebt hervor, dass sie niemals aufhört. So zu tun, als könnte die Liebe Gottes in der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke zusammengefasst werden, ist in gewisser Weise eine Beleidigung Gottes und eine Verniedlichung seiner unermesslichen Liebe.
Es ist bedauerlich, dass manche versuchen, göttliche Liebe von der Einhaltung der Zehn Gebote zu trennen. Doch gerade durch unseren Gehorsam drücken wir unsere Liebe und Treue zu Gott aus. Jesus selbst sagte: „Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe“ (Johannes 15,10). Für Gott ist Liebe nicht nur ein Gefühl, sondern vor allem eine Handlungsweise. Wie wir mit Gott und unseren Mitmenschen umgehen, was wir tatsächlich tun – darauf kommt es Gott an. Die biblische Liebe ist aktiv, sie ist eine Entscheidung, die sich in Taten manifestiert. Weil das griechische Wortpaar agape/agapao nichts über Gehorsam aussagt, können wir davon ausgehen, dass es nicht auf göttliche Liebe beschränkt ist, sondern der Kontext und die Anwendung entscheiden, ob es sich um die höchste Form der Liebe handelt.
Ein „neues Gebot“ als Merkmal eines Jüngers
Johannes, der „Apostel der Liebe“, hat für uns die wichtigsten Aussagen Jesu zur Liebe aufgezeichnet. Eine dieser Aussagen ist besonders prägnant und wegweisend:
„Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt“ (Johannes 13,34).
Wenn das Alte Testament uns schon zur Liebe anhielt, was soll dann an diesem Liebesgebot neu sein? Das „Neue“ an Jesu Gebot liegt nicht darin, dass Liebe gefordert wird, sondern in der Qualität und dem Maßstab dieser Liebe. Die Liebe, die Jesus forderte und selbst vorlebte, war auf einem noch nie dagewesenen Niveau. Diese Liebe war selbstlos, vorbehaltlos und sich aufopfernd. Sie war nicht nur ein Gefühl, sondern eine radikale Entscheidung, die bis zum Tod am Kreuz ging.
Jesus betonte die Bedeutung dieser Liebe als Erkennungszeichen seiner wahren Nachfolger:
„Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Johannes 13,35).
Das überzeugendste Merkmal der wahren Nachfolger Jesu ist die christliche Liebe, welche sie zueinander haben. Und wie sieht diese christliche Liebe aus?
„Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ (Johannes 15,12-13; vgl. dazu 1. Johannes 3,16-18).
Der Apostel Petrus legt ebenfalls Wert auf eine besondere Liebe unter den Jüngern Christi:
„Habt ihr eure Seelen gereinigt im Gehorsam der Wahrheit zu ungefärbter Bruderliebe [philadelphia], so habt euch untereinander beständig lieb [agapao] aus reinem Herzen“ (1. Petrus 1,22).
Diese göttliche Liebe rächt sich nicht und drückt sich sogar gegenüber Feinden aus (Matthäus 5,43-48). Sie ist eine transformative Kraft, die uns befähigt, über unsere natürlichen Grenzen hinauszugehen.
Die Liebe Gottes in uns verinnerlichen
Als physische Menschen können wir die Fülle der Liebe Gottes vielleicht nie ganz erfassen, aber es ist unsere freudige Pflicht, danach zu streben. Es ist ebenfalls unsere freudige Pflicht, diese Liebe zu verinnerlichen und eine ähnliche Liebe in unserem Verhältnis zu Gott und unseren Mitmenschen zum Ausdruck zu bringen. Dies bedeutet, dass wir nicht nur über Liebe sprechen, sondern sie leben, sie in unseren Beziehungen praktizieren und sie als Grundlage für unser Handeln nehmen.
Der vielleicht stärkste Lobpreis auf die Liebe Gottes und die Berufung, sie zu erfahren, findet sich in Epheser 3,16-19:
„Ich bitte ihn, dass Christus durch den Glauben in euch lebt und ihr fest in seiner Liebe wurzelt und auf sie gegründet seid. Ich bitte ihn, dass ihr zusammen mit der ganzen Gemeinschaft der Glaubenden begreifen lernt, wie unermesslich reich euch Gott beschenkt. Ihr sollt die Liebe erkennen, die Christus zu uns hat und die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr immer umfassender Anteil bekommen an der ganzen Fülle des Lebens mit Gott.“
Dieses Gebet fasst die Essenz zusammen: Es geht darum, in Gottes Liebe verwurzelt und gegründet zu sein, sie mit anderen zu erfassen und ihre überragende Natur zu erkennen. Nur so können wir wirklich am vollen Leben mit Gott teilhaben und seine Liebe in einer Welt widerspiegeln, die sie so dringend braucht.
Häufig gestellte Fragen zur Liebe Gottes
Ist Agape nur göttliche Liebe?
Nein, entgegen einer weit verbreiteten Annahme ist das griechische Wort Agape nicht ausschließlich für die göttliche Liebe reserviert. Im Neuen Testament wird es auch für menschliche Liebe, Zuneigung zu Freunden, sogar für die Liebe zur Finsternis oder zur Welt verwendet. Agape war ein allgemeines Wort für „Liebe“ in der griechischen Sprache. Die Besonderheit der göttlichen Liebe, die oft mit Agape beschrieben wird, liegt nicht allein im Wort selbst, sondern im Kontext und der Art und Weise, wie diese Liebe von Gott ausgeht: Sie ist selbstlos, bedingungslos und erwartet keine Gegenleistung.
Was ist der Unterschied zwischen Agape und Phileo?
Agape und Phileo sind beides griechische Wörter, die mit „Liebe“ übersetzt werden können, aber sie haben unterschiedliche Nuancen. Agape (und das Verb agapao) ist oft die umfassendere, bedingungslosere Liebe, die sich opfert und keine Gegenleistung erwartet. Sie kann sich auf Gott, den Nächsten oder sogar auf negative Dinge beziehen. Phileo (und das Substantiv philos) hingegen beschreibt eher eine freundschaftliche Zuneigung, Zuneigung zwischen Freunden oder Familienmitgliedern, und eine Liebe, die auf Gegenseitigkeit beruhen kann. Obwohl es Überschneidungen gibt und die Begriffe manchmal synonym verwendet werden, betont Agape oft die Wahl und das Handeln aus Prinzip, während Phileo mehr die Gefühle und die persönliche Zuneigung hervorhebt. Im Kontext der göttlichen Liebe wird jedoch sowohl Agape als auch Phileo verwendet, um die Liebe Gottes zu beschreiben.
Wie drückt sich Gottes Liebe aus?
Gottes Liebe drückt sich auf vielfältige Weise aus, ist aber am deutlichsten in seinen Taten und in seinem Wesen sichtbar. Sie zeigt sich in der Schöpfung, in seiner Fürsorge für die Menschen, in seinem Bund mit Israel und vor allem in der Sendung seines Sohnes Jesus Christus als Opfer für die Sünden der Menschheit (Johannes 3,16). Gottes Liebe ist handlungsbezogen: Er hat uns geliebt, als wir noch Sünder waren (Römer 5,8). Sie ist unverbrüchlich (chesed im AT), barmherzig und geduldig. Sie ist auch eine fordernde Liebe, die uns zur Heiligkeit und zur Liebe zu unseren Mitmenschen aufruft. Sie ist nicht nur ein Gefühl, sondern eine Entscheidung und ein Lebensstil.
Was bedeutet „chesed“ im Alten Testament?
Chesed ist ein zentraler hebräischer Begriff im Alten Testament, der oft mit „Gnade“, „Barmherzigkeit“, „Güte“ oder „treue Liebe“ übersetzt wird. Er beschreibt eine Liebe, die sich durch Loyalität, Verpflichtung und Bundestreue auszeichnet. Es ist eine Liebe, die auch in schwierigen Zeiten Bestand hat und sich in Taten der Barmherzigkeit und des Mitgefühls zeigt. Chesed ist die unverbrüchliche Liebe Gottes zu seinem Volk, die sich in seiner Treue zu seinen Verheißungen und seinem fortwährenden Erbarmen manifestiert, selbst wenn sein Volk untreu ist. Es ist eine aktive, beziehungsorientierte Liebe, die nicht aufhört.
Wie kann ich Gottes Liebe verstehen und leben?
Um Gottes Liebe zu verstehen und zu leben, ist es wichtig, sie zunächst als eine biblische Wahrheit anzunehmen, die über unser menschliches Vorstellungsvermögen hinausgeht. Lesen und studieren Sie die Bibel, insbesondere die Evangelien und die Briefe des Apostels Johannes, um Gottes Charakter und seine Taten der Liebe kennenzulernen. Verinnerlichen Sie, dass Gottes Liebe bedingungslos ist und sich in Jesus Christus am deutlichsten offenbart hat. Leben Sie diese Liebe, indem Sie seine Gebote halten, Ihren Nächsten lieben wie sich selbst und auch Ihre Feinde lieben. Praktizieren Sie Vergebung, Barmherzigkeit und Selbstlosigkeit in Ihrem Alltag. Bitten Sie Gott im Gebet, Ihnen seinen Heiligen Geist zu geben, der die Liebe in Ihrem Herzen ausgießt (Römer 5,5), damit Sie in dieser Liebe verwurzelt und gegründet sind und sie in Ihren Beziehungen widerspiegeln können.
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