Wie werden die Kandidaten für das Diakonat oder Priesteramt vorgestellt?

Priestertum: Berufung, Weihe und Sendung

03/05/2021

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Die Frage "Was bedeutet Priester sein?" reicht weit über die Vorstellung eines bloßen Amtes oder einer Funktion hinaus. Es ist eine tiefe, transformierende Berufung, die das Leben eines Menschen unwiderruflich prägt und ihn in den Dienst Gottes und seiner Gemeinde stellt. Wie Pater Pio einst sagte: „Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen, als ohne das heilige Messopfer.“ Dieses Zitat unterstreicht die fundamentale Bedeutung des priesterlichen Dienstes, insbesondere der Feier der Eucharistie, für das geistliche Wohl der Welt. Ein Priester zu sein bedeutet, ein Werkzeug in Gottes Händen zu sein, eine Brücke zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen.

Was ist die Priesterweihe?
Da die Priesterweihe nach katholischen Glauben ein Sakrament ist, also ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit Gott, kann sie vom Menschen nicht rückgängig gemacht werden. Mehr Informationen zu Ursprung, Bedeutung und Entwicklung des Weihesakraments finden Sie unter cms.vivat.de/themenwelten.
Inhaltsverzeichnis

Die göttliche Berufung und die Gabe des Heiligen Geistes

Die Entscheidung, Priester zu werden, ist keine Karrierewahl im weltlichen Sinne. Vielmehr ist es eine Antwort auf einen inneren Ruf, eine göttliche Berufung, die das Herz und den Geist eines Mannes ergreift. Die Priesterweihe, ein Sakrament der Kirche, ist der entscheidende Schritt, durch den diese Berufung offiziell bestätigt und mit einer einzigartigen Kraft ausgestattet wird. Wenn jemand geweiht wird, empfängt er nicht nur eine Aufgabe, sondern eine Gabe des Heiligen Geistes. Diese Gabe verleiht ihm eine heilige Vollmacht, die direkt von Christus durch den Bischof verliehen wird. Es ist eine Bevollmächtigung, die über menschliche Fähigkeiten hinausgeht und es dem Priester ermöglicht, im Namen Christi zu handeln, insbesondere bei der Spendung der Sakramente. Diese Sendung ist nicht für ihn allein, sondern für seine Geschwister im Glauben bestimmt, um sie auf ihrem Weg zu Gott zu begleiten und zu führen.

Das Sakrament der Weihe: Ein unauslöschliches Siegel

Der Moment der Priesterweihe ist von tiefster Spiritualität geprägt. Der Bischof ruft dabei die Kraft Gottes auf den Weihekandidaten herab. Das Ergebnis ist eine tiefgreifende und dauerhafte Verwandlung. Die Weihe prägt diesen Menschen mit einem unauslöschlichen Siegel, einem spirituellen Charakter, der ihn nie mehr verlässt. Dieses Siegel ist vergleichbar mit dem bei der Taufe oder Firmung empfangenen und bedeutet, dass die Priesterweihe nicht rückgängig gemacht werden kann. Ein Priester bleibt auf ewig Priester, auch wenn er aus verschiedenen Gründen von seinem Dienst entbunden werden sollte. Dieses Siegel befähigt ihn, die Sakramente gültig zu spenden und das Wort Gottes mit Autorität zu verkünden. Es ist ein Zeichen der besonderen Auserwählung und Hingabe an Christus.

Aufgaben und Sendung eines Priesters

Als Mitarbeiter seines Bischofs übernimmt der Priester eine Vielzahl von verantwortungsvollen Aufgaben, die alle darauf abzielen, das Reich Gottes auf Erden zu fördern und die Gläubigen zu stärken. Die Kernaufgaben umfassen:

  • Verkündigung des Wortes Gottes: Priester sind dazu berufen, die Heilige Schrift auszulegen, zu predigen und die Frohe Botschaft Christi zu verbreiten. Sie sollen die Menschen in ihrem Glauben unterweisen und ermutigen, ein Leben nach den Evangelien zu führen.
  • Spendung der Sakramente: Dies ist eine der zentralsten und heiligsten Aufgaben. Priester spenden die Sakramente, die Christus selbst eingesetzt hat, um den Menschen Gnade zu vermitteln. Dazu gehören die Taufe, die Eucharistie (Messe), die Beichte (Bußsakrament), die Krankensalbung und die Eheschließung (als Zeuge der Kirche).
  • Feier der heiligen Eucharistie: Die Messe ist der Höhepunkt des priesterlichen Dienstes und des gesamten christlichen Lebens. Hier wird das Opfer Christi am Kreuz vergegenwärtigt und die Gläubigen empfangen den Leib und das Blut Christi. Die Fähigkeit, die Eucharistie zu feiern, ist das Herzstück des priesterlichen Amtes.
  • Seelsorge und Begleitung: Priester sind Hirten ihrer Gemeinden. Sie sind Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte der Menschen, spenden Trost, geben Rat und begleiten die Gläubigen in allen Lebenslagen.
  • Leitung der Gemeinde: In Zusammenarbeit mit dem Bischof tragen Priester Verantwortung für die Leitung ihrer Pfarreien, die Organisation des Gemeindelebens und die Förderung der Gemeinschaft.

Ein wesentlicher Aspekt der priesterlichen Sendung ist der Gehorsam. Bei der Priesterweihe verspricht der künftige Priester seinem Bischof und dessen Nachfolgern Gehorsam. Dieses Versprechen ist nicht als blinde Unterwerfung zu verstehen, sondern als Ausdruck der Einheit mit dem Bischof und dem gesamten Klerus, eine Bereitschaft, im Sinne der Kirche zu dienen und die Einheit des Glaubens zu wahren.

Die zentrale Bedeutung der Eucharistie

Die eingangs erwähnte Aussage von Pater Pio unterstreicht die unermessliche Bedeutung der heiligen Messe für das Priestertum und für die Welt. Die Eucharistie ist nicht nur ein Ritual, sondern die Vergegenwärtigung des Opfers Christi. Durch die Worte der Wandlung, die nur ein geweihter Priester sprechen kann, werden Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt. Dies ist das größte Wunder, das sich täglich in den Kirchen ereignet und die Quelle und der Höhepunkt des christlichen Lebens ist. Ohne Priester gäbe es keine Eucharistie, und ohne Eucharistie, so die Lehre der Kirche, würde der Glaube seine zentrale Nahrung und sein tiefstes Geheimnis verlieren. Die Feier der Messe ist der Moment, in dem der Priester am engsten mit Christus, dem Hohenpriester, verbunden ist und seine priesterliche Identität am deutlichsten zum Ausdruck kommt.

Der Priester als Mittler und Hirte

Der Priester steht in einer einzigartigen Position als Mittler zwischen Gott und den Menschen. Er bringt die Gebete und Bitten der Gläubigen vor Gott und vermittelt die Gnade und den Segen Gottes an die Gemeinde. In seiner Rolle als Hirte ist er dazu berufen, seine Herde zu führen, zu schützen und zu nähren. Dies erfordert nicht nur theologische Kenntnisse, sondern auch ein tiefes Verständnis für die menschliche Natur, Empathie, Geduld und vor allem Liebe. Die Priester sind dazu da, die Menschen auf ihrem Weg zur Heiligkeit zu unterstützen, sie zu ermutigen, wenn sie straucheln, und ihnen die Vergebung Gottes zu verkünden.

Herausforderungen und Erfüllung im Priesterleben

Das Priesterleben ist nicht frei von Herausforderungen. Es erfordert ein hohes Maß an Hingabe, Opferbereitschaft und oft auch die Überwindung persönlicher Wünsche zugunsten des Dienstes. Die Ehelosigkeit, das ständige Engagement für die Gemeinde und die Verantwortung für die Seelen können anspruchsvoll sein. Doch trotz dieser Herausforderungen erfahren viele Priester eine tiefe Erfüllung in ihrem Dienst. Die Freude, Menschen auf ihrem Glaubensweg zu begleiten, die Sakramente zu spenden und die Liebe Christi weiterzugeben, ist eine unschätzbare Belohnung. Es ist ein Leben, das, obwohl es Verzicht erfordert, reich an spirituellen Segnungen und bedeutungsvollen Begegnungen ist.

Vergleich: Rollen im kirchlichen Dienst

Um das Priestertum besser zu verstehen, ist es hilfreich, es von anderen wichtigen Rollen innerhalb der katholischen Kirche abzugrenzen:

RolleWeihegradHauptaufgabenMerkmale
PriesterZweiter Grad der Weihe (Presbyterat)Verkündigung des Wortes, Spendung der meisten Sakramente (Taufe, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung, Ehe), Feier der Messe, Leitung von Pfarreien.Empfängt unauslöschliches Siegel, handelt in persona Christi capitis (in der Person Christi, des Hauptes), ist dem Bischof zum Gehorsam verpflichtet.
DiakonErster Grad der Weihe (Diakonat)Verkündigung des Evangeliums, Assistenz bei der Messe, Taufe spenden, Eheschließungen bezeugen, Beerdigungen leiten, karitative Dienste.Empfängt unauslöschliches Siegel, kann verheiratet sein (ständiger Diakon), dient dem Bischof und den Priestern.
BischofDritter Grad der Weihe (Episkopat)Volle Fülle des Weihesakraments, Nachfolger der Apostel, Leitung einer Diözese, Priester- und Diakonenweihe, Spendung der Firmung.Empfängt unauslöschliches Siegel, ist Haupt einer Teilkirche, steht in Einheit mit dem Papst und dem Kollegium der Bischöfe.
Laie/LaienNicht geweihtAlle Getauften außer Klerikern und Ordensleuten. Berufen zur Heiligkeit und zur Evangelisierung in ihrem Lebensumfeld.Teilnahme am allgemeinen Priestertum Christi durch Taufe und Firmung, Zeugnisgeben im Alltag, Übernahme von Diensten in der Gemeinde (z.B. Lektor, Kommunionhelfer).

Häufig gestellte Fragen zum Priestertum (FAQ)

Was bedeutet das "unauslöschliche Siegel" der Priesterweihe?
Es ist ein spiritueller Charakter, der die Seele des Geweihten auf ewig prägt. Es bedeutet, dass die Weihe unwiderruflich ist und einen Menschen für immer zu Christus dem Priester in besonderer Weise zuordnet. Selbst wenn ein Priester von seinen Pflichten entbunden wird, bleibt er im Weihesinne Priester.
Warum ist Gehorsam gegenüber dem Bischof so wichtig?
Der Gehorsam gegenüber dem Bischof ist ein Zeichen der Einheit und der kirchlichen Hierarchie. Er stellt sicher, dass der Priester im Einklang mit der Lehre und den Anweisungen der Kirche handelt und die Einheit des Glaubens gewahrt bleibt. Es ist ein Versprechen, im Geiste der Zusammenarbeit und des Dienstes zu handeln.
Welche Sakramente darf nur ein Priester spenden?
Ein Priester darf die Eucharistie (Messe), die Beichte (Bußsakrament) und die Krankensalbung spenden. Die Taufe und die Ehe können auch von einem Diakon gespendet werden (wobei der Priester bei der Ehe als Zeuge der Kirche fungiert). Die Priesterweihe und die Bischofsweihe kann nur ein Bischof spenden, während die Firmung in der Regel vom Bischof gespendet wird, kann aber unter bestimmten Umständen auch ein Priester tun.
Kann eine Frau Priesterin werden?
Nach der Lehre der katholischen Kirche können nur getaufte Männer gültig die Priesterweihe empfangen. Dies basiert auf der Tradition der Kirche, die die Apostel und damit auch die ersten Priester ausschließlich aus Männern wählte, in Nachahmung des Handelns Christi.
Ist Priestersein ein "Job" oder eine "Berufung"?
Es ist primär eine Berufung. Während es natürlich Aufgaben und Pflichten mit sich bringt, die einem "Job" ähneln mögen, ist die Grundlage eine innere Rufeignung und eine tiefe spirituelle Verbindung zu Christus, die das gesamte Leben des Priesters durchdringt und gestaltet.

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