16/01/2024
Im Herzen jeder Glaubensgemeinschaft liegt die tiefe Sehnsucht nach Gottes Gegenwart. Seit Anbeginn der Zeit haben Menschen Orte gesucht und geschaffen, an denen sie sich diesem Göttlichen nahe fühlen, wo sie das Wort hören und im Gebet antworten können. Die Taborkirche in Wilhelmshagen ist nicht nur ein solches Gebäude, sondern ein lebendiges Zeugnis für den fortwährenden Wandel und die Erneuerung, die eine Gemeinschaft im Glauben durchläuft. Ihre Geschichte ist eine Geschichte der Vision, des Mutes und der unerschütterlichen Hoffnung, die Gottes Einwohnung in dieser Welt sichtbar und erfahrbar macht.

- Die Botschaft des Anfangs: Das Wort wird Fleisch
- Von Vision zur Wirklichkeit: Die Transformation der Taborkirche
- Salomos Gebet und die Bedeutung heiliger Räume
- Der wahre Zweck des Gotteshauses: Hören und Reden
- Der doppelte Raum: Weite und Schutz
- Das Gemeindehaus als Freiraum der Begegnung
- Die Taborkirche: Ein Raum der Erinnerung und Hoffnung
- Häufig gestellte Fragen zur Taborkirche und Gemeinde
Die Botschaft des Anfangs: Das Wort wird Fleisch
Die biblische Botschaft, die am Anfang des Weges der Taborkirche stand, ist zeitlos: „Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Dieses Wort, das nicht bei sich und für sich blieb, suchte sich einen Ort in dieser Welt, um in ihr zu wohnen. Es nahm Gestalt an in Jesus von Nazareth, den wir als den Gesalbten Gottes und als Gleichnis für Gottes Liebe bekennen. Diese „Einwohnung“ Gottes ist der Kern unseres Glaubens und die treibende Kraft hinter dem Bestreben, Räume zu schaffen, in denen diese göttliche Gegenwart spürbar wird.
Die Verantwortlichen der Gemeinde haben sich auf diesen Weg begeben, getragen von der Überzeugung, dass es um Jesu Namen und seine Gestalt ging, als mutig darüber nachgedacht wurde, wie dieser Gemeinde neue Räume eröffnet werden könnten. Was einst eine kühne Vision war, ist heute in Teilen verwirklicht und zeugt von einem lebendigen Glauben, der nicht statisch verharrt, sondern sich den Bedürfnissen der Zeit anpasst und doch seinem Ursprung treu bleibt.
Von Vision zur Wirklichkeit: Die Transformation der Taborkirche
Die jüngste Geschichte der Taborkirche ist eine Erzählung von mutigen Entscheidungen und weitreichenden Veränderungen. Wo einst vier Orte für Gottesdienste dienten, gibt es nun drei. Ein Kirchengebäude wurde in einen Kindergarten umgestaltet, der nun Kindern eine Heimat gibt und damit die christliche Botschaft der Nächstenliebe und Fürsorge auf ganz praktische Weise erfahrbar macht. Parallel dazu wurde ein neues Gemeindehaus errichtet, das heute feierlich seiner Bestimmung übergeben wird. Dies ist ein Tag der Freude und des Innehaltens, um zu erkennen, wie weit der Weg bereits gegangen wurde.
Die Taborkirche selbst ist derzeit eine Baustelle. Dies ist kein Zeichen des Stillstands, sondern vielmehr ein deutliches Signal für weitere Zukunftspläne und Visionen. Es unterstreicht die dynamische Natur des Glaubens und der Gemeinde, die sich ständig weiterentwickelt, um den Menschen von heute einen relevanten und einladenden Ort zu bieten. Die Umgestaltung der physischen Räume spiegelt die spirituelle Transformation wider, die eine Gemeinde fortwährend durchläuft, um ihrer Berufung gerecht zu werden.
Vergleich: Alte vs. Neue Raumstruktur der Gemeinde
Um die Entwicklung der Gemeinde besser zu veranschaulichen, hilft ein Blick auf die Veränderung der genutzten Räumlichkeiten:
| Aspekt | Vor der Umgestaltung | Nach der Umgestaltung (aktuell) |
|---|---|---|
| Anzahl der Gottesdienstorte | Vier Orte | Drei Orte |
| Umfunktionierte Kirchengebäude | Keine | Ein Kirchengebäude zum Kindergarten umgestaltet |
| Neubauten | Keine | Ein neues Gemeindehaus |
| Status der Taborkirche | Regulärer Gottesdienstort | Derzeit eine Baustelle (für zukünftige Pläne) |
| Fokus der Raumnutzung | Primär Gottesdienste | Gottesdienste, Kinderbetreuung, breitgefächerte Gemeinschaftsaktivitäten |
Salomos Gebet und die Bedeutung heiliger Räume
Die Einweihung des neuen Gemeindehauses steht in einer langen Tradition der Weihe von Gotteshäusern. Die Bitte „Lass deine Augen offen stehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein“ entstammt dem Weihegebet König Salomos für den Tempel in Jerusalem, dem zentralen Heiligtum des Volkes Israel. Dieses Gebet, datiert auf das Jahr 952 v. Chr., drückt die tiefe Sehnsucht aus, dass Gott in dem neu erbauten Tempel Wohnung nehmen und seinem Volk nahe sein möge.
Doch Salomo selbst war sich der Begrenztheit menschlicher Bauwerke bewusst. Er fragte sich: „Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es denn dies Haus tun, das ich gebaut habe?“ Dieser Einwand ist bis heute berechtigt. Wir können Gott nicht in ein Haus sperren. Unsere Gebäude sind nicht dazu da, Gott zu fassen, sondern um seine Gegenwart zu erbitten und darauf zu hoffen, dass sein Wort zu Gehör kommt, die Menschen erreicht und verwandelt.
Der Prophet Jeremia mahnte in seiner Tempelrede, dass es nicht genügt, sich auf das bloße Vorhandensein des Tempels zu verlassen. „Bessert euer Leben und euer Tun, so will ich bei euch wohnen an diesem Ort“, sprach er. Es geht um gelebten Glauben, um Gerechtigkeit, um den Schutz der Schwachen und darum, nicht anderen Göttern nachzulaufen. Nur durch ein solches Leben wird Gottes Einwohnung zu einem lebendigen Geschehen.
Der wahre Zweck des Gotteshauses: Hören und Reden
Martin Luther formulierte es bei der Einweihung des ersten evangelischen Kirchenbaus 1544 in Torgau mit unüberwindlicher Klarheit: Christliche Gemeinden errichten besondere Gebäude, „das unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort, und wir widerumb mit jm reden durch Gebet und Lobgesang.“ Der Zweck eines Gotteshauses ist also ein dialogischer: Gott spricht zu uns durch sein Wort, und wir antworten ihm durch Gebet und Lobpreis. Es ist ein Ort, an dem wir den Mut haben, auf Gott zu hören und mit ihm zu reden, unser Leben im Angesicht Gottes zu führen und nicht anderen Ideologien oder Göttern nachzulaufen.
Dafür gibt es Häuser des Gottesdienstes und der Gemeinde, dafür gibt es Kirchen, Gemeindehäuser und Kindergärten. Sie sind physische Manifestationen unseres Glaubens, Orte, an denen die Gemeinschaft zusammenkommt, um Gottes Wort zu hören, sein Lob zu singen und sein Gebot zu befolgen. Es sind Räume, die uns daran erinnern, dass Gott Herr im Hause ist und sein Name in unserer Mitte wohnt – nicht als toter Sachverhalt, sondern als lebendiges Geschehen.
Der doppelte Raum: Weite und Schutz
Als Menschen erfahren wir unseren Lebensraum in einem doppelten Sinne: als Weite und als Grenze. Der „weite Raum“ symbolisiert Freiheit und Befreiung. Im Psalm heißt es: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Das hebräische Wort für Erlösen, JAZAH, bedeutet wörtlich „Raum geben“. Es ist die Einladung, sich zu bewegen, Grenzenlosigkeit zu erfahren und den Blick über den Horizont schweifen zu lassen. Es ist der Raum der Möglichkeiten und der göttlichen Befreiung.
Doch zum Bleiben, Wohnen und Schlafen brauchen wir den begrenzten, umfriedeten Raum, der uns Schutz bietet. Die Grenze definiert den Unterschied zwischen drinnen und draußen, dem Heim und dem Unheimlichen, der Heimat und der Fremde. Als Glieder einer Kirchengemeinde benötigen wir diese umgrenzten Wohn- und Schutzräume. Sie sind Orte der Vertrautheit, stiften Beziehungen, geben uns Heimat und stärken unsere Identität. Ohne Raum kann kein Mensch leben; ausschließende Räume erzeugen Opfer und zeigen, was es bedeutet, wenn Menschen für überflüssig gehalten werden.
Die Geschichte der Einwohnung Gottes im Raum reicht von Israel über die in Christus vereinte Gottesvolk bis hin zur Vision der Fülle Gottes im ungeteilten Freiraum – dort, wo Gerechtigkeit und Frieden sich küssen, wie im Himmel so auf Erden.

Das Gemeindehaus als Freiraum der Begegnung
Ein Gegenbild zu ausschließenden Räumen ist der einladende Raum mit einer offenen Tür. Die christliche Gemeinschaft hat sich im Laufe ihrer Geschichte immer wieder als ein Freiraum für die Hungrigen, Durstigen, Fremden und Kranken erwiesen. Dies liegt daran, dass die in Christus gegründete Gemeinschaft sich als eine Behausung Gottes im Geist versteht. Durch sein Wort wird sie inspiriert und ermutigt, sich an die Seite der aus dem Leben Verdrängten zu stellen.
Das neue Gemeindehaus der Taborkirche ist ein solcher Ort. Das griechische Wort „Synagoge“ bezeichnet einen Ort, an dem die zusammenkommen, die auf Gott vertrauen. Ihr Gemeindehaus kann als ein Freiraum beschrieben werden, in dem sich Menschen gegenseitig wahrnehmen und schätzen lernen. Es soll ein Ort der Einübung in die Gewissheit werden, dass wir uns nur vor Gott verbeugen sollten, sonst vor niemandem auf dieser Welt, aber dass wir uns beugen können für unsere Nächsten, für Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Möge es ein Ort werden, an dem Gottes Wort sich immer wieder als unseres Fußes Leuchte erweist und unsere Herzen erreicht.
Es ist die Hoffnung, dass sich zahlreiche Menschen in diesem Gemeindehaus heimisch fühlen, bei Kaffee und Kuchen Tischgemeinschaft erfahren, miteinander singen und fröhlich feiern. Es soll ein Gesprächsthema in Wilhelmshagen werden und die Neugier derjenigen wecken, die noch nicht dort gewesen sind. Es ist ein Ort der gelebten Gemeinschaft, wo der Glaube nicht nur gedacht, sondern erfahren wird.
Die Taborkirche: Ein Raum der Erinnerung und Hoffnung
Die Einweihung des Gemeindehauses wird nicht zufällig mit einem Gottesdienst im Kirchenraum der Taborkirche begangen. Die Kirche selbst ist weit mehr als nur ein Gebäude; sie ist ein Erinnerungsraum und zugleich ein Hoffnungsraum. Sie ist eine „gebaute Predigt“ und eine „gestaltete Liturgie“. Der Weg in den Kirchenraum ist heilsam und nötig, denn dieser Raum unterbricht das Gewohnte, lässt uns innehalten, gebietet unseren eigenen Worten Einhalt und öffnet uns für das Wort, das uns Wahrheit und Leben bringt.
Wir sind auf den Kirchenraum angewiesen, denn er will uns das Wort erklären. Gleichzeitig gilt, dass das Wort den Kirchenraum als sakralen Raum erkennbar werden lässt. Es ist gut, dass die Taborkirche ihren Platz mitten im Leben von Wilhelmshagen hat und ihr Turm immer wieder über den Horizont der eigenen Lebenswelt hinausweist. Sie ist ein ständiges Zeichen der Transzendenz und der Einladung, über das Alltägliche hinauszublicken.
So wie einst König Salomo Gott anrief und zu ihm betete, so tun wir es auch heute. Die Sphäre Gottes ist unverfügbar, doch seine Treue ermutigt uns im Vertrauen auf sein Geleit. Nach dem Gottesdienst wird die Gemeinde feierlich durch Wilhelmshagen ziehen und das neue Gemeindehaus in Gebrauch nehmen – ein symbolischer Akt, der die Verbindung von Tradition und Erneuerung, von geistlichem Fundament und praktischem Dienst unterstreicht.
Häufig gestellte Fragen zur Taborkirche und Gemeinde
Was bedeutet die 'Einwohnung Gottes'?
Die 'Einwohnung Gottes' beschreibt die theologische Vorstellung, dass Gott nicht fern und unnahbar ist, sondern in unserer Welt und unter den Menschen präsent sein möchte. Dies manifestiert sich biblisch im Wort, das Fleisch wurde (Jesus Christus), und in der Gemeinschaft der Gläubigen. Es bedeutet, dass Gott in den Herzen der Menschen und in der Mitte seiner Gemeinde wohnt, wo sein Wort gehört, sein Lob gesungen und sein Gebot befolgt wird. Es ist keine statische Anwesenheit in einem Gebäude, sondern ein lebendiges Geschehen im Glauben und Handeln.
Warum braucht eine Kirchengemeinde physische Gebäude?
Obwohl Gott nicht an Gebäude gebunden ist, sind physische Räume für eine Kirchengemeinde von großer Bedeutung. Sie dienen als Sammelpunkte für Gottesdienste, Gebete und Gemeinschaftsaktivitäten. Sie bieten Schutz, schaffen Identität und Vertrautheit und sind Orte, an denen Menschen sich sicher fühlen und Beziehungen knüpfen können. Gebäude wie die Taborkirche oder das neue Gemeindehaus sind sichtbare Zeichen des Glaubens in der Gesellschaft und ermöglichen es der Gemeinde, ihre Aufgaben in Lehre, Diakonie und Gemeinschaftspflege wahrzunehmen. Sie sind Orte, an denen das Wort Gottes erklärt und erfahren werden kann.
Was ist der Unterschied zwischen der Taborkirche und dem neuen Gemeindehaus?
Die Taborkirche ist das traditionelle Kirchengebäude, der Ort für Gottesdienste, Gebet und die Verkündigung des Wortes. Sie ist ein Raum der Erinnerung und der Hoffnung, der durch seine Architektur und Atmosphäre zur Besinnung einlädt und die Transzendenz Gottes symbolisiert. Das neue Gemeindehaus hingegen ist als multifunktionaler Freiraum konzipiert, der primär für Gemeinschaftsaktivitäten, Treffen, Feiern und soziale Angebote dient. Es ist ein Ort der Begegnung, des Lernens und der praktischen Nächstenliebe, der die Vielfalt des Gemeindelebens jenseits des reinen Gottesdienstes abbildet.
Was ist die Vision für die Zukunft der Gemeinde?
Die Vision für die Zukunft der Gemeinde, wie sie sich in den Bauprojekten der Taborkirche und des neuen Gemeindehauses zeigt, ist eine der Erneuerung und Anpassung an die Bedürfnisse der Zeit. Es geht darum, neue Räume für Glaube und Gemeinschaft zu eröffnen, die sowohl traditionelle Gottesdienste als auch vielfältige soziale und pädagogische Angebote umfassen. Die Umgestaltung eines Kirchengebäudes in einen Kindergarten und die Errichtung eines neuen Gemeindehauses sind Schritte, um die Gemeinde als lebendigen, einladenden und relevanten Ort im Herzen Wilhelmshagens zu etablieren, an dem Menschen Heimat finden und Gottes Wort ihr Leben prägt.
Der Glaube der Gemeinde wird durch die Gewissheit getragen und geleitet, dass „einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ Diese fundamentale Wahrheit bildet das unerschütterliche Fundament, auf dem die Taborkirche und ihre Gemeinschaft auch in Zukunft aufbauen werden. Mögen die neuen und erneuerten Räume Zeugnis ablegen von einer lebendigen Kirche, die Gott ehrt und den Menschen dient.
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