Wann wurden die „Unschuldigen Kinder“ verehrt?

Das Fest der Unschuldigen Kinder: Eine Besinnung

11/07/2022

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Die „Unschuldigen Kinder“ wurden erstmals bei Irenäus von Lyon im 2. Jahrhundert nach Christus verehrt. Das Evangelium über den Kindermord in Bethlehem schockiert bis heute, wird aber manchmal belächelt mit dem Hinweis: „Ach ja, heute haben wir alle Namenstag“, – und damit will man zum Ausdruck bringen, was ein Karnevalslied verheißt: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel …“. Doch so einfach sollte man dieses liturgische Fest als Teil des Weihnachtsfestkreises nicht abhaken. Es ist weit mehr als nur ein Gedenktag; es ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Unschuld, Vertrauen, Leid und der bedingungslosen Annahme im Reich Gottes.

Wann wurden die „Unschuldigen Kinder“ verehrt?
Vorbemerkung zum Tag: Wäre es nicht an der Zeit, diesen Tag kirchlicherseits zu einem Protestschrei aufzuwerten, um auf das himmelschreiende Unrecht, das Kinder weltweit ertragen müssen, hinzuweisen? Einleitung Die „Unschuldigen Kinder“ wurden erstmals bei Ireneus von Lyon im 2. Jh. n.Chr. verehrt.

In einer Welt, in der Kinder manchmal als lästig empfunden werden, die persönliche Pläne zur Selbstverwirklichung durchkreuzen – „Jetzt will man hier in der Nachbarschaft einen Kinderspielplatz einrichten und dann mit all dem Lärm!“ – oder in der man sie angesichts düsterer Zukunftsprognosen als „unverantwortlich“ betrachtet, stellt sich die Frage: Sind Kinder nicht gerade Zeichen des Lebens, der Hoffnung und der Zukunft? Für Jesus gehört den Kindern das Reich Gottes. Denn sie verfügen über eine Gabe, die Erwachsene im Laufe des Lebens oft verlieren: Das bedingungslose Vertrauen, die Offenheit, vom anderen alles erwarten zu können, das Sich-Anvertrauen-Können. Das sind Grundvoraussetzungen des christlichen Glaubens und genau das, was die Unschuldigen Kinder symbolisieren.

Inhaltsverzeichnis

Die historischen Wurzeln und theologische Bedeutung

Das Fest der Unschuldigen Kinder, das traditionell am 28. Dezember gefeiert wird, erinnert an den Kindermord von Bethlehem, den König Herodes der Große laut dem Matthäusevangelium (Matthäus 2,16-18) in seiner paranoiden Angst vor einem neuen König der Juden anordnete. Er hoffte, so den neugeborenen Messias zu beseitigen. Diese biblische Erzählung ist von erschütternder Brutalität und wirft Fragen nach dem Leid der Unschuldigen auf. Die Verehrung dieser Kinder als Märtyrer begann früh in der Kirchengeschichte, wie die Erwähnung bei Irenäus von Lyon zeigt. Sie gelten als die ersten Märtyrer Christi, obwohl sie ihn nicht bewusst bezeugen konnten. Ihr Tod ist ein Martyriumin voto – ein Martyrium aus dem Willen Gottes heraus, nicht aus eigenem Entschluss, aber dennoch im Dienst der Erlösung.

Die theologische Bedeutung dieses Festes ist vielschichtig. Es erinnert uns daran, dass der Weg des Glaubens nicht immer leicht ist und dass Leid oft ein Teil des menschlichen Daseins ist, selbst für die Unschuldigsten. Gleichzeitig betont es die besondere Stellung der Kinder im Reich Gottes. Sie sind nicht nur Empfänger der Gnade, sondern selbst Vorbilder für den Glauben. Ihre Reinheit und ihr bedingungsloses Vertrauen sind Eigenschaften, die Erwachsene wiederentdecken sollten, um sich Gott ganz hinzugeben. Das Fest ist somit eine Mahnung, die Verletzlichkeit der Kinder zu schützen und ihre Würde zu achten, aber auch eine Einladung, sich von ihrer unschuldigen Hingabe inspirieren zu lassen.

Kinder in der Bibel: Ein Spiegel des Glaubens

Die biblische Botschaft über Kinder ist durchweg positiv und tiefgründig. Jesus selbst stellte ein Kind in die Mitte seiner Jünger und sagte: „Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Matthäus 18,3). Diese Aussage hebt die Qualitäten hervor, die Kinder besitzen und die für den Eintritt in das Reich Gottes unerlässlich sind: Demut, Offenheit, Vertrauen und die Fähigkeit, sich bedingungslos hinzugeben. Kinder sind in diesem Sinne nicht nur Objekte der Fürsorge, sondern auch Subjekte des Glaubens und Lehrmeister für Erwachsene.

Im Gegensatz zur oft pragmatischen oder gar ablehnenden Haltung der Gesellschaft, die Kinder als Belastung oder Störfaktor wahrnimmt, stellt die christliche Tradition sie als Zeichen der göttlichen Gegenwart und der Zukunft dar. Sie sind ein Geschenk, das Verantwortung mit sich bringt, aber auch unermessliche Freude und die Verheißung neuen Lebens. Die Geschichte der Unschuldigen Kinder, so tragisch sie ist, unterstreicht paradoxerweise genau diese Wertschätzung, indem sie die Unschuld und das Potenzial, das in jedem Kind liegt, in den Mittelpunkt rückt. Ihr Tod ist ein Zeugnis für die Dunkelheit der Welt, aber auch für das Licht, das durch das Kommen Christi in diese Welt gebracht wurde, für das sie unbewusst ihr Leben gaben.

Vergleich: Gesellschaftliche Wahrnehmung vs. Christliche Lehre

Die Diskrepanz zwischen der modernen gesellschaftlichen Wahrnehmung von Kindern und ihrer Bedeutung in der christlichen Lehre ist bemerkenswert. Während in vielen Bereichen Kinder als Kostenfaktor, Lärmquelle oder Einschränkung der persönlichen Freiheit betrachtet werden, sieht die Kirche in ihnen Träger des Reiches Gottes und Vorbilder für den Glauben.

AspektGesellschaftliche Wahrnehmung (oftmals)Christliche Lehre
WertKostenfaktor, Belastung, Lärmquelle, EinschränkungGeschenk Gottes, Träger des Reiches Gottes, Vorbilder im Glauben
RolleZu versorgende Individuen, die Pläne durchkreuzenLehrmeister für Erwachsene, Symbole der Demut und des Vertrauens
ZukunftUnsicherheit, Sorge, Belastung für RessourcenHoffnung, Erneuerung, Fortführung des Lebens und Glaubens
EigenschaftenBedürftigkeit, AbhängigkeitUnschuld, bedingungsloses Vertrauen, Offenheit, Hingabe

Diese Tabelle verdeutlicht, wie das Fest der Unschuldigen Kinder nicht nur an ein historisches Ereignis erinnert, sondern auch eine kritische Reflexion über unsere eigene Haltung gegenüber den Schwächsten in unserer Gesellschaft anregt. Es fordert uns auf, die kindliche Perspektive, die geprägt ist von einem unbedingten Glauben und einer tiefen Abhängigkeit, wiederzuentdecken und uns ihr hinzugeben.

Das Fest im Weihnachtsfestkreis

Das Fest der Unschuldigen Kinder ist eng in den Weihnachtsfestkreis eingebunden. Es folgt kurz nach dem Weihnachtstag und steht in starkem Kontrast zur Freude der Geburt Christi. Dieser Kontrast ist bewusst gewählt und tief symbolisch. Während Weihnachten die Menschwerdung Gottes und die Ankunft des Lichts feiert, erinnert das Fest der Unschuldigen Kinder an die Dunkelheit und das Leid, das diese Welt auch nach der Ankunft des Erlösers prägt. Es zeigt, dass das göttliche Licht nicht sofort alle Schatten vertreibt, sondern dass der Weg der Erlösung oft durch Opfer und Schmerz führt.

Die Platzierung dieses Festes dient auch als eine Art „Vorahnung“ auf das Leiden Christi selbst. Die unschuldigen Kinder sind die ersten, die für Christus sterben, bevor er selbst seinen Leidensweg antritt. Sie sind somit ein frühes Zeugnis für die radikale Liebe und das Opfer, die im Zentrum des christlichen Glaubens stehen. Es ist eine ernste Mahnung inmitten der festlichen Weihnachtszeit, dass das Christentum nicht nur von Jubel und Freude, sondern auch von der Bereitschaft zu Leid und Hingabe geprägt ist.

Häufig gestellte Fragen zum Fest der Unschuldigen Kinder

Wer waren die Unschuldigen Kinder?

Die Unschuldigen Kinder sind die Jungen in Bethlehem, die König Herodes der Große laut dem Matthäusevangelium töten ließ, um den neugeborenen Jesus, den angeblichen „König der Juden“, zu beseitigen. Sie werden als die ersten Märtyrer der Kirche verehrt.

Warum werden die Unschuldigen Kinder verehrt?

Sie werden verehrt, weil sie ihr Leben für Christus ließen, wenn auch unbewusst. Ihr Tod wird als ein „Martyrium in voto“ (aus dem Willen Gottes heraus) angesehen. Sie symbolisieren die Unschuld und die besondere Stellung der Kinder im Reich Gottes und sind ein Zeugnis für das Leid, das in der Welt existiert, aber auch für die Hoffnung, die durch Christus kommt.

Wann wird das Fest der Unschuldigen Kinder gefeiert?

Das Fest der Unschuldigen Kinder wird in der römisch-katholischen Kirche und anderen westlichen christlichen Konfessionen am 28. Dezember gefeiert.

Was bedeutet das Fest heute für uns?

Heute erinnert uns das Fest an die Würde und den Schutz, den Kinder verdienen. Es mahnt uns, uns gegen jede Form von Gewalt und Ungerechtigkeit an Kindern zu stellen. Zugleich lädt es uns ein, die kindlichen Qualitäten wie bedingungsloses Vertrauen, Offenheit und Demut wiederzuentdecken, die für unseren eigenen Glaubensweg unerlässlich sind. Es ist eine Erinnerung daran, dass im Reich Gottes die Schwächsten oft die Stärksten sind und dass wahre Größe in der Hingabe liegt.

Ist der Kindermord von Bethlehem historisch belegt?

Außerhalb des Matthäusevangeliums gibt es keine direkten historischen Belege für den Kindermord von Bethlehem in säkularen Quellen. Historiker diskutieren die Episode kontrovers. Aus theologischer Sicht ist die Erzählung jedoch von großer symbolischer und heilsgeschichtlicher Bedeutung, unabhängig von ihrer historischen Faktenlage im modernen Sinne. Sie verweist auf die Bedrohung, der Jesus von Geburt an ausgesetzt war, und auf das Leid, das die Ankunft des Erlösers begleitete.

Schlussgedanken: Ein Aufruf zur kindlichen Haltung

Das Fest der Unschuldigen Kinder mag auf den ersten Blick dunkel und traurig erscheinen, doch es birgt eine Botschaft von immenser Bedeutung. Es ist ein Aufruf, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen: mit Offenheit, bedingungslosem Vertrauen und einer tiefen Abhängigkeit von einer höheren Macht. In einer Zeit, die oft von Skepsis, Zynismus und Selbstverwirklichung geprägt ist, erinnert uns dieses Fest an die radikale Einfachheit des Glaubens. Es ist die Aufforderung, uns wie Kinder ganz Gott anzuvertrauen, seine Liebe anzunehmen und aus dieser Liebe heraus zu handeln.

Die Unschuldigen Kinder, die ihr Leben für Christus gaben, ohne ihn zu kennen, sind ein ewiges Symbol für die unverdiente Gnade und die Macht der Hingabe. Sie lehren uns, dass selbst im größten Leid Hoffnung besteht und dass das Reich Gottes tatsächlich denen gehört, die ein Herz wie das eines Kindes haben. Möge dieses Fest uns inspirieren, die Kinder in unserer Mitte zu schützen, ihre Unschuld zu bewahren und von ihnen zu lernen, was es wirklich bedeutet, zu glauben.

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