10/04/2026
Wenn wir vom Glaubensbekenntnis sprechen, denken viele sofort an das Apostolische Glaubensbekenntnis, das in vielen Gottesdiensten feierlich gesprochen wird. Doch das christliche Bekenntnis ist weit mehr als eine fest formulierte Liturgie. Es ist ein lebendiger Ausdruck des Glaubens, der sich in vielfältigen Formen manifestiert und tief in der Geschichte des Volkes Gottes verwurzelt ist. Es ist eine Antwort auf Gottes unermessliche Liebe und gleichzeitig ein Zeugnis in der Welt.

Das Bekenntnis zum christlichen Glauben ist kein statisches Konzept, sondern ein dynamischer Prozess, der sowohl individuelle Überzeugungen als auch gemeinschaftliche Traditionen umfasst. Es gründet in der Überzeugung, dass Gott sich dem Menschen zugewandt hat und der Mensch darauf antwortet. Dies ist keine bloße Zustimmung zu einer Lehre, sondern ein umfassender Ausdruck des Vertrauens und der Hingabe. Wie im 1. Petrus 3,15 geschrieben steht: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.“ Dieser Vers unterstreicht die Notwendigkeit und Bereitschaft, den eigenen Glauben zu artikulieren und zu leben.
- Die vielfältigen Dimensionen des Bekenntnisses
- Die dynamische Natur von Bekenntnissen: Wandel und Beständigkeit
- Warum bekennen wir unseren Glauben? Zweck und Bedeutung
- Persönliches Bekenntnis vs. gemeinschaftliches Sprechen
- Die Rolle von Bekenntnissen in der Glaubensvermittlung
- Häufig gestellte Fragen zum christlichen Bekenntnis
- Was ist der Unterschied zwischen einem persönlichen Bekenntnis und einer Bekenntnisurkunde?
- Warum gibt es so viele verschiedene Glaubensbekenntnisse?
- Kann ich ein Glaubensbekenntnis mitsprechen, wenn ich nicht jedem Satz zustimme?
- Ist Bekenntnis nur etwas für die Kirche oder auch für mein persönliches Leben?
Die vielfältigen Dimensionen des Bekenntnisses
Das christliche Bekenntnis hat in seiner Geschichte drei wesentliche Formen angenommen, die sich gegenseitig ergänzen und das Gesamtbild des gelebten Glaubens prägen. Diese Formen reichen von spontanen Äußerungen bis hin zu verbindlichen historischen Dokumenten und spiegeln die Tiefe und Breite des Glaubenslebens wider.
1. Das Bekenntnis als Glaubensaussage: Worte des Herzens
Die erste und vielleicht unmittelbarste Form des Bekenntnisses ist die Glaubensaussage. Hierbei handelt es sich um die verbale oder schriftliche Formulierung dessen, was geglaubt wird. Es ist ein Lobpreis Gottes, ein Verkündigen der Herrschaft Jesu Christi und ein Anrufen des Heiligen Geistes. Diese Form des Bekenntnisses ist tief persönlich und authentisch, da sie das widerspiegelt, was im Herzen geglaubt wird. Schon in der frühen Christenheit gab es eine Fülle solcher mündlichen und schriftlichen Überlieferungen. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist der sogenannte Christushymnus im Philipperbrief (Philipper 2, 5-11), in dem die Göttlichkeit und Erniedrigung Christi in poetischer Form ausgedrückt werden. Solche Hymnen und Kurzformeln dienten nicht nur dem Ausdruck des Glaubens, sondern auch der Unterweisung und der Gemeinschaftsbildung.
2. Das Bekenntnis im Lebensvollzug: Glaube in Aktion
Das Bekenntnis ist nicht nur eine Sache des Sagens, sondern auch des Tuns und Lassens. Es vollzieht sich im Leben als praktische Zustimmung zur Liebe Gottes, als Dienst an seinen Geschöpfen und als Einstimmen in den Glauben anderer Christen. Gleichzeitig beinhaltet es eine „Absage an den Anspruch der vergehenden Welt“. Dies bedeutet, dass der Glaube sich in konkreten Handlungen, Entscheidungen und Haltungen manifestiert, die den Werten des Evangeliums entsprechen. Ob im Alltag eines einzelnen Christen oder im gemeinsamen Leben einer Kirchengemeinde – diese Form des Bekenntnisses ist sichtbar und erfahrbar. Sie zeigt sich in Nächstenliebe, Gerechtigkeitssinn, Vergebung und dem Engagement für eine bessere Welt. Es ist das „Wandeln im Glauben“, das den Worten Taten folgen lässt und die Glaubwürdigkeit des christlichen Zeugnisses prägt.
3. Bekenntnisurkunden: Pfeiler der kirchlichen Einheit
Die dritte Form des Bekenntnisses sind die sogenannten Bekenntnisurkunden. Dies sind fest formulierte Glaubensbekenntnisse, die in einer bestimmten historischen Situation entstanden sind und durch einen kirchlichen Entscheidungsakt oder durch allgemeinen Gebrauch legitimiert wurden. Sie dienen als aktuelle Auslegungen der Heiligen Schrift, bezeugen die Wahrheit des Evangeliums – beispielsweise gegenüber Irrlehren – und besitzen wegweisenden Charakter. Zugleich symbolisieren sie die Einheit des Glaubens für die Gemeinden und Kirchen, in denen sie Gültigkeit haben. Beispiele hierfür sind das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Nicänische Glaubensbekenntnis oder die reformatorischen Bekenntnisschriften wie der Augsburger Bekenntnis. Diese Urkunden sind nicht nur historische Dokumente, sondern lebendige Ausdrucksformen des Glaubens, die Orientierung geben und die Gemeinschaft über Generationen hinweg verbinden.
Ein Vergleich der drei Formen verdeutlicht ihre unterschiedlichen Schwerpunkte und Funktionen:
| Form des Bekenntnisses | Charakteristik | Flexibilität/Dynamik | Beispiele/Ausdruck |
|---|---|---|---|
| Glaubensaussage | Persönlicher, verbaler oder schriftlicher Ausdruck des Glaubens. | Sehr hoch; kann sich im Laufe des Lebens wandeln und erneuern. | Gebete, Lieder, Zeugnisse, Predigten, der Christushymnus (Phil 2,5-11). |
| Lebensvollzug | Praktisches Leben des Glaubens durch Handlungen und Haltungen. | Hoch; manifestiert sich in vielfältigen, alltäglichen Gestalten. | Nächstenliebe, Dienst an Schwachen, Vergebung, Engagement in der Gemeinde. |
| Bekenntnisurkunde | Fest formulierte, kirchlich legitimierte Glaubensdokumente. | Geringer; strebt nach bleibender Geltung und Verbindlichkeit. | Apostolisches Glaubensbekenntnis, Nicänum, Augsburger Bekenntnis. |
Die dynamische Natur von Bekenntnissen: Wandel und Beständigkeit
Während sich das Bekenntnis in Formen der Glaubensaussage und des Lebensvollzuges im Laufe der Geschichte der Kirche immer wieder wandelt und erneuert, drängt das Bekenntnis in Form der Urkunde auf bleibende Geltung und Verbindlichkeit. Es wird zur Bekenntnisschrift, die in einer oder mehreren Kirchen maßgebliche Autorität erlangt. Gleichwohl bleiben auch die urkundlichen Bekenntnisse an ihre besondere geschichtliche Situation gebunden und bedürfen in anderen Situationen der Auslegung und Ergänzung. Die Kirche wird durch sie auch nicht daran gehindert, sondern im Gegenteil dazu herausgefordert, neue verbindliche Bekenntnisse zu formulieren, wenn neue biblische Erkenntnisse oder geschichtliche Situationen dazu nötigen. Dies zeigt sich darin, dass dem Evangelischen Gesangbuch neben den altkirchlichen und reformatorischen Bekenntnissen auch Lehrzeugnisse aus dem 20. Jahrhundert hinzugefügt wurden, um den Glauben in der jeweiligen Zeit relevant zu machen.
Warum bekennen wir unseren Glauben? Zweck und Bedeutung
Das Bekennen des Glaubens ist nicht primär ein intellektuelles Fürwahrhalten oder eine bloße Zustimmung zu einer Lehre. Vielmehr ist es eine tiefgreifende Antwort auf Gottes vielfältiges Handeln an uns. Es ist in erster Linie ein Lobpreis auf Gott vor anderen Menschen. Es richtet sich also sowohl an Gott als auch an die Mitmenschen. Sowohl die persönliche Glaubensaussage als auch das Handeln im Lebensvollzug und das Nachsprechen einer „Glaubensurkunde“ sind Akte des Lobpreises und der Anbetung. Sie sind Ausdruck der Dankbarkeit für Gottes Gnade und Liebe.
Die Glaubensaussage und das Handeln im Lebensvollzug sind dabei besonders persönlich. Sie sollen authentisch das widerspiegeln, was ich im Herzen glaube. Sie sind ein individuelles Zeugnis, das aus der eigenen Glaubenserfahrung schöpft und diese nach außen trägt. Dies schafft eine tiefe Verbindung zwischen dem inneren Glauben und dem äußeren Ausdruck.
Persönliches Bekenntnis vs. gemeinschaftliches Sprechen
Beim Nachsprechen einer Glaubensaussage, wie dem Apostolischen Glaubensbekenntnis in einem Gottesdienst, kann es vorkommen, dass man mit einzelnen Sätzen Schwierigkeiten hat. Dies mag daran liegen, dass man zu einzelnen Sätzen eine andere Meinung hat oder diese Glaubenssätze in einer anderen Zeit mit ganz speziellen theologischen Auseinandersetzungen entstanden sind, die man heute nicht mehr vollständig nachvollziehen kann. Trotzdem kann man diese Sätze in einer Feier mit anderen Christen mitsprechen. Der Grund dafür ist, dass man sich damit in den gemeinsamen Lobpreis aller Christen hineingibt. Es kommt nicht darauf an, dass man einzelne Sätze anders versteht als andere Christen, sondern dass man von Herzen einstimmen will in den gemeinsamen Lobpreis Gottes als Antwort auf sein Handeln an uns.
Darüber hinaus sind diese gemeinsamen Bekenntnisse von großer Bedeutung für die Wiedererkennung unseres Glaubens für Außenstehende, für die Vermittlung des Glaubens im Unterricht (z.B. im Konfirmandenunterricht) und als Ausdruck der Einheit unter Christen. Sie schaffen eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Fundament, das über individuelle Unterschiede hinweg verbindet.
Die Rolle von Bekenntnissen in der Glaubensvermittlung
Die Bedeutung der Glaubensbekenntnisse für die Weitergabe des Glaubens wurde schon von den Reformatoren betont. Martin Luther schreibt in seinem Vorwort zum Großen Katechismus 1529 über die Bedeutung von Glaubensbekenntnissen:
„Deshalb soll man junge Leute die Stücke vollständig auswendig lernen lassen und mit Fleiß darin üben und weiterbringen. Darum ist auch jeder Hausvater verpflichtet, wenigstens einmal in der Woche seine Kinder und sein Gesinde zu fragen und abzuhören, was sie davon wissen oder lernen, und, wenn sie es nicht können, sie mit Ernst dazu anzuhalten. Denn die lieben Väter oder Apostel, wer es auch gewesen ist, haben hier kurz und bündig zusammengestellt, was Lehre, Leben, Weisheit und Willen der Christen ausmacht.“
Luthers Worte unterstreichen die pädagogische Funktion der Bekenntnisse: Sie dienen als Zusammenfassung des christlichen Glaubens und als Lehrmittel, um die nächste Generation im Glauben zu unterweisen und zu festigen. Sie sind ein Kompass, der Orientierung in der komplexen Welt des Glaubens bietet.
Häufig gestellte Fragen zum christlichen Bekenntnis
Was ist der Unterschied zwischen einem persönlichen Bekenntnis und einer Bekenntnisurkunde?
Ein persönliches Bekenntnis ist eine individuelle, oft spontane Äußerung des eigenen Glaubens in Wort und Tat, die sich ständig entwickeln kann. Eine Bekenntnisurkunde hingegen ist ein fest formuliertes, historisch entstandenes und kirchlich anerkanntes Dokument, das eine verbindliche Zusammenfassung des Glaubens für eine Gemeinschaft darstellt und auf Dauer angelegt ist.
Warum gibt es so viele verschiedene Glaubensbekenntnisse?
Die Vielfalt der Glaubensbekenntnisse spiegelt die unterschiedlichen historischen und theologischen Kontexte wider, in denen sie entstanden sind. Sie dienten oft dazu, den Glauben in spezifischen Situationen zu klären, Irrlehren abzuwehren oder die Einheit in einer bestimmten Zeit zu symbolisieren. Jedes Bekenntnis ist eine Antwort auf bestimmte Fragen seiner Zeit.
Kann ich ein Glaubensbekenntnis mitsprechen, wenn ich nicht jedem Satz zustimme?
Ja, das ist möglich und üblich. Das gemeinsame Sprechen eines Bekenntnisses in der Liturgie ist primär ein Akt der Gemeinschaft und des gemeinsamen Lobpreises Gottes. Es drückt die Zugehörigkeit zur größeren Gemeinschaft der Gläubigen aus und die Bereitschaft, sich in ihren gemeinsamen Ausdruck des Glaubens einzufügen, auch wenn einzelne Nuancen persönlich anders verstanden werden mögen.
Ist Bekenntnis nur etwas für die Kirche oder auch für mein persönliches Leben?
Das Bekenntnis ist untrennbar mit beiden verbunden. Es ist sowohl ein öffentlicher Akt der Kirche (durch Urkunden und gemeinsame Liturgie) als auch ein tief persönlicher Ausdruck des Einzelnen (durch Glaubensaussagen und den Lebensvollzug). Dein persönliches Bekenntnis prägt dein Handeln und deine Haltung im Alltag und fließt gleichzeitig in das gemeinsame Bekenntnis der Kirchengemeinschaft ein.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das christliche Bekenntnis ein vielschichtiges Phänomen ist, das weit über das reine Aussprechen von Worten hinausgeht. Es ist eine fortwährende Antwort auf Gottes Liebe, ein dynamisches Zeugnis im Leben und eine verbindende Kraft in der Gemeinschaft der Gläubigen. Es fordert uns heraus, unseren Glauben nicht nur zu denken, sondern ihn zu leben, zu bezeugen und zu feiern – in jeder Form, die Gott uns schenkt.
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