Warum feiern wir den Geburtstag Marias?

Mariä Geburt: Das Fest der Hoffnung

20/01/2026

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Der 8. September ist für viele Christen weltweit ein besonderer Tag, ein Fest, das seit Jahrhunderten mit tiefer Andacht und Freude begangen wird: Mariä Geburt. Doch in unserer schnelllebigen Zeit mag sich manch einer fragen: Warum feiern wir eigentlich den Geburtstag Mariens? Was macht dieses Ereignis so bedeutsam, dass es neben der Geburt Jesu und Johannes des Täufers als eines der wenigen Geburtsfeste im Kirchenjahr herausragt? Es ist die Feier eines Anfangs, der die Welt für immer veränderte, die Ankunft jener Frau, die das Tor zur Erlösung öffnen sollte. Ihre Geburt ist nicht nur ein historisches Ereignis, sondern ein tiefes theologisches Statement über Gottes Plan und seine unendliche Gnade, ein strahlendes Zeichen der Hoffnung in einer Welt, die lange in der Finsternis der Sünde lag.

Warum feiern wir den Geburtstag Marias?
Heute feiern wir den Geburtstag Marias, der Mutter Jesu Christi, unseres Erlösers. Wir wollen Gott loben und preisen für ihre Geburt und für ihr Leben, das sie ganz in den Dienst der Erlösung gestellt hat. Und wir bitten Gott um sein Erbarmen, damit auch wir zur Heilsgeschichte beitragen.
Inhaltsverzeichnis

Die Morgenröte der Erlösung: Marias einzigartiger Platz

Die Geburt Mariens wird oft als die Morgenröte der Erlösung bezeichnet. Bevor Maria in die Welt kam, war die Menschheit, so lehrt die Überlieferung, tief in der Finsternis der Sünde begraben. Die Ankunft Mariens, rein und unbefleckt von ihrer Empfängnis an, war wie der erste Lichtstrahl, der das Ende der langen Nacht ankündigte. Die Heilige Schrift fragt treffend: "Wer ist die, die da hervorkommt wie die aufsteigende Morgenröte?" Diese Metapher ist zutiefst bedeutungsvoll. So wie die Morgenröte den Sonnenaufgang vorwegnimmt, war Maria die Vorbotin der "Sonne der Gerechtigkeit" – Jesus Christus. Durch sie sollte der Heiland in die Welt kommen, um uns durch seinen Tod das ewige Leben zu schenken. Die heilige Kirche ruft daher voller Freude aus: "Deine Geburt, o heilige Jungfrau und Gottesgebärerin, hat der ganzen Welt Freude verkündigt: denn aus dir ist die Sonne der Gerechtigkeit geboren, die uns das ewige Leben gebracht hat." Marias Geburt ist somit nicht nur die eines gewöhnlichen Kindes, sondern die eines Kindes, das dazu auserwählt war, das Heilmittel gegen unsere Übel, unseren Trost und unser Heil zu sein.

Gott hatte diese heilige Jungfrau dazu bestimmt, die Mutter des ewigen Wortes zu werden. Aus diesem Grund wurde sie vom ersten Augenblick ihrer Unbefleckten Empfängnis an mit einer Fülle von Gnaden ausgestattet, die ihre Heiligkeit die aller Heiligen und Engel zusammen übertraf. Ihre Würde als Mutter Gottes erforderte eine Gnadenfülle von höchster Art. Sie war die Auserwählte, die Geliebte, die Freude Gottes selbst. Diese außergewöhnliche Reinheit und Gnadenfülle ist ein zentraler Grund, warum ihre Geburt so einzigartig ist und als Fest gefeiert wird.

Die historische Entwicklung eines besonderen Festtages

Es ist nicht üblich in der Kirche, den irdischen Geburtstag zu feiern. Neben dem Geburtstag des Gottessohnes, Jesus Christus, sind nur zwei Ausnahmen bekannt: die Geburt Mariens und die Geburt Johannes des Täufers. Diese Ausnahmen sind jedoch tief begründet. Maria war vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an ohne jeden Makel der Erbsünde, und Johannes der Täufer wurde bereits im Mutterschoß von der Erbsünde befreit. Diese einzigartige Gnadenstellung hebt ihre Geburten hervor.

Das Fest Mariä Geburt hat eine lange und reiche Geschichte. Bereits im 8. Jahrhundert wird es im Orient als besonderer Festtag erwähnt. Im Abendland setzte sich die Feierlichkeit ein Jahrhundert später durch. Doch erst um die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert breitete es sich über die gesamte Kirche aus. Eine interessante Episode in der Geschichte des Festes ist die Einführung der Oktav, einer achttägigen Feier, die im 13. Jahrhundert damit verbunden wurde. Als die Kardinäle in Rom versammelt waren, um den Nachfolger Gregors IX. zu wählen, gelobten sie die Auszeichnung des Festes Mariä Geburt mit einer Oktav, falls die schwierigen Umstände – verursacht durch die Forderungen Friedrichs II. und die Unzufriedenheit des Volkes – glücklich überwunden würden. Dies geschah, und obwohl der neugewählte Papst Cölestin IV. nur kurz regierte, erfüllte sein Nachfolger, Innozenz IV., dieses Gelöbnis. Diese historische Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung und Verehrung Mariens im Laufe der Jahrhunderte und die tiefe Überzeugung der Kirche von der Wichtigkeit dieses Ereignisses.

Maria als Mittlerin und unsere himmlische Mutter

Da Maria zur Mutter unseres Heilands bestimmt war, wollte Gott auch, dass sie eine Mittlerin zwischen Gott und uns Sündern wird. Der heilige Thomas von Aquin bemerkte, dass Maria so viele Gnaden empfing, wie ausgereicht hätten, um alle Menschen selig zu machen. Der heilige Bernhard von Clairvaux nannte Maria treffend eine "volle Wasserleitung", an deren Fülle wir alle teilhaben können. Diese Vorstellung betont Marias Rolle als Kanal der göttlichen Gnade und als unsere Fürsprecherin bei Gott.

Wir feiern den Geburtstag unserer himmlischen Mutter, die zugleich die Mutter aller Menschen ist. Es ist ein Akt der Wertschätzung und Dankbarkeit. In vielen Kulturen ist es Brauch, an einem Geburtstag Kerzen anzuzünden, als Zeichen der Freude und des Wunsches nach Licht und Segen. Im spirituellen Sinne können wir dies auch für Maria tun. Jedes Gebet zur Mutter Gottes ist wie eine Kerze, die wir ihr zu Ehren anzünden. Ob es das "Gegrüßet seist du, Maria", das "Gedenke, o gütigste Mutter Maria", das "Unter deinen Schutz und Schirm" oder das "Sei gegrüßt, o Königin" ist – jedes dieser Gebete ist eine symbolische Kerze, die wir für sie entzünden. Besonders am Fest Mariä Geburt sind wir aufgerufen, viele solcher "Kerzen" brennen zu lassen, unsere Hingabe und Liebe durch Gebet auszudrücken.

Die Geschichte von Thomas von Kempen, einem eifrigen Mutter-Gottes-Verehrer aus seiner Kindheit, illustriert die Bedeutung der beständigen Andacht. Als er in seinen Gebeten nachlässig wurde, träumte er, wie die Mutter Gottes die Jungen, die sie verehrten, liebevoll umarmte, ihn aber mit ernster Miene vorüberging, weil er nicht mehr an sie dachte. Dieser Traum weckte ihn auf und er kehrte zu seiner eifrigen Verehrung zurück, die er sein Leben lang beibehielt. Diese Erzählung mahnt uns, unsere Gebete nicht nur zahlreich, sondern auch mit Andacht zu verrichten, damit unsere "Kerzen" hell und klar glühen und nicht rußen oder flackern. Maria ist unsere Königin und Mutter, und sie vergisst niemanden, der sich ihr mit Vertrauen nähert.

Die Freude der Schöpfung: Ein Meisterwerk Gottes

Menschen feiern gerne die Fertigstellung eines Werkes ihrer Hände – sei es eine Maschine, ein Schiff oder ein Kunstwerk. Dies ist ein Ausdruck der Freude am Schaffen, ein Anteilhaben am Tun des Schöpfergottes. Gott selbst ruhte am siebten Tag nach der Schöpfung, schaute sich alles liebevoll an und fand, dass es gut geworden sei. Diese Freude Gottes spiegelt sich in unserer eigenen Freude wider, wenn wir etwas Wertvolles ins Leben rufen.

Wie reagierte Anna auf den Jubel des göttlichen Geistes?
Als Anna ihre Stunde nahen fühlte, war sie mit dem Jubel des göttlichen Geistes erfüllt. Zugleich mit ihr geriet das Kindlein Maria in Verzückung, in der es auch auf die Welt kam, damit sie den natürlichen Hergang der Geburt nicht empfände.

Doch es gibt kein Werk, in dem der Mensch inniger an der Wirksamkeit des lebenschaffenden Gottes Anteil nähme, als wenn er Leben zeugend tätig ist. Die unsagbare Freude, die Eltern beim Anblick ihres neugeborenen Kindes empfinden, ist ein Echo dieser göttlichen Schöpfungsfreude. Jesus selbst drückte dies aus: "Hat die Frau aber das Kind geboren, so gedenkt sie nicht mehr der Not, aus Freude darüber, dass Mensch zur Welt gekommen ist."

Wenn wir also die Geburt Mariens feiern, feiern wir ein einzigartiges Werk der Schöpferhand Gottes. Es ist, nächst der hochheiligen Menschheit unseres Herrn, des Schöpfers feinstes und wohlgelungenstes Werk. Wenn je außer der Geburt Christi Veranlassung bestanden hat, eines Menschen Geburtstag feierlich zu begehen, dann bei der Geburt der seligen Jungfrau. Es war ein Geburtstag, dessen Freude durch keinen Schatten getrübt war. Ein Menschenkind trat ins Dasein, dessen Seele schon im Glanz der Gotteskindschaft erstrahlte, dessen Antlitz von der Liebe Gottes widerstrahlte, die es umfangen hatte. Und welch heilige Aufgabe erwartete sie? Mutter Christi, Mutter des Erlösers, Gottesgebärerin zu werden! Und nicht nur das: Sie sollte auch am Werk ihres Sohnes, der Menschheitserlösung, teilhaben und so unsere Mutter werden. Wahrlich Gründe genug, um eines solchen Menschenkindes Geburtstag ganz festlich zu begehen.

Die mystische Geburt Mariens: Ein Blick hinter den Schleier

Obwohl das Evangelium keine Details über die Geburt Mariens liefert, berichten Überlieferungen und Visionen frommer Personen, wie Maria von Agreda, von tiefen mystischen Ereignissen. Diese Berichte geben uns einen Einblick in die außergewöhnliche Natur ihrer Ankunft in der Welt.

Die heilige Anna, Marias Mutter, war während ihrer Schwangerschaft von unermesslicher Freude erfüllt. Doch die göttliche Vorsehung hatte auch Prüfungen vorgesehen. Der böse Geist, der aus dem Himmel verbannt worden war, spürte die Anwesenheit einer großen Kraft, die von Anna ausging, ohne den wahren Wert des Schatzes in ihrem Schoß zu erkennen. Er versuchte, Anna durch Zweifel, Schrecken und Beleidigungen heimzusuchen, um ihre glückliche Niederkunft zu verhindern. Er stiftete Frauen aus Annas Bekanntschaft zum Spott an und versuchte sogar, Angriffe gegen die Person und das Leben der heiligen Jungfrau zu schmieden. Doch Anna widerstand diesen Anfechtungen mit Gebet, Geduld, Sanftmut und Liebe, unterstützt von den Schutzengeln ihrer heiligen Tochter. Ihre Standhaftigkeit führte sogar zur Reue und Besserung ihrer Feindinnen.

Am 8. September, neun Monate nachdem ihre Seele in ihren Leib eingegossen wurde, erblickte Maria das Licht der Welt. Als Anna ihre Stunde nahen fühlte, war sie mit dem Jubel des göttlichen Geistes erfüllt. Zugleich geriet das Kindlein Maria in Verzückung, in der es auch auf die Welt kam, um die natürlichen Beschwerden der Geburt nicht zu empfinden. Sie wurde rein, schön und voll Gnaden geboren, ein Zeichen dafür, dass sie frei von den Gesetzen und der Schuld der Erbsünde in die Welt kam. Obwohl sie mit der Wesenheit anderer Kinder Adams ausgestattet war, war ihre Geburt ein wahres Wunder, ein göttlicher Morgenstern, der in der Nacht um Mitternacht aufging und die Dunkelheit des alten Gesetzes von den ersten Lichtstrahlen des anbrechenden Zeitalters der Gnade trennte.

Obwohl Maria in Windeln gewickelt und wie ein hilfloses neugeborenes Geschöpf behandelt wurde, übertraf sie in Weisheit schon Engel und Menschen. Anna pflegte ihr Kind selbst, ohne die Hilfe anderer, da sie von den üblichen Geburtsbeschwerden verschont geblieben war. Mit großer Inbrunst und Tränen opferte sie die kleine Maria dem Allerhöchsten dar, dankte Gott für dieses unverdiente Geschenk und bat um Führung bei der Erziehung dieser einzigartigen Tochter. Der Herr antwortete Anna innerlich, sie solle Maria äußerlich wie ihre Tochter behandeln, aber im Herzen die gebührende Ehrerbietung bewahren und ihre Pflichten als Mutter erfüllen. Die Schutzengel Marias und unzählige andere Engel verehrten das Kind auf Annas Armen, unterhielten es mit himmlischer Musik, und Maria selbst sah ihre tausend Schutzengel zum ersten Mal in leiblicher Gestalt. Diese glückselige Geburt war ein Quell unermesslicher Freude für die Allerheiligste Dreifaltigkeit, ein Jubel der Engel, eine Erquickung der Sünder, eine Freude der Gerechten und ein Trost für die Heiligen in der Vorhölle. Maria, die kostbare und reiche Perle, die in der groben Muschel dieser Welt erschien, übertraf in den Augen Gottes und seines Hofes alles andere, was nicht Gott ist. Ihre Geburt erleuchtete die Erde und brachte Freude unter den Menschen, denn sie war die Wiederbringerin, die die Leere füllen sollte, die die erste Sünde hinterlassen hatte.

Häufig gestellte Fragen zu Mariä Geburt

Um das Verständnis dieses besonderen Festes zu vertiefen, beantworten wir hier einige häufig gestellte Fragen:

FrageAntwort
Wann wird Mariä Geburt gefeiert?Mariä Geburt wird jährlich am 8. September gefeiert. Dies ist traditionell neun Monate nach dem Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens am 8. Dezember.
Warum ist Mariä Geburt eine Ausnahme im Kirchenjahr?Die Kirche feiert nur die Geburten von Jesus, Maria und Johannes dem Täufer. Maria ist die einzige Person (außer Jesus selbst), die von ihrer Empfängnis an ohne Erbsünde war (Unbefleckte Empfängnis). Johannes der Täufer wurde im Mutterleib von der Erbsünde befreit. Diese einzigartige Gnadenstellung macht ihre Geburten besonders feierwürdig.
Gibt es biblische Berichte über Marias Geburt?Nein, die Bibel erwähnt Marias Geburt nicht direkt. Die Überlieferungen stammen aus apokryphen Schriften wie dem Protoevangelium des Jakobus und werden durch theologische Reflexionen und mystische Schauungen ergänzt.
Was bedeutet es, dass Maria die "Morgenröte der Erlösung" ist?Dies ist eine Metapher, die Marias Rolle als Vorbotin und Vorbereitung auf die Ankunft Jesu Christi, der "Sonne der Gerechtigkeit", beschreibt. Ihre Geburt markiert den Beginn der endgültigen Phase des göttlichen Heilsplans.
Wie kann ich Mariä Geburt feiern?Das Fest kann durch Teilnahme an der Heiligen Messe, durch Gebet (insbesondere Marianische Gebete wie den Rosenkranz), durch Betrachtung der Rolle Mariens im Heilsplan und durch Akte der Nächstenliebe gefeiert werden. Jedes Gebet ist eine "Kerze", die wir ihr zu Ehren anzünden.

Schlussfolgerung: Eine Feier der Gnade und Hoffnung

Das Fest Mariä Geburt ist weit mehr als nur die Erinnerung an den Geburtstag einer historischen Persönlichkeit. Es ist eine tiefgründige Feier der göttlichen Gnade, die in Maria so reichlich floss. Es ist die Anerkennung ihrer einzigartigen Stellung im Heilsplan Gottes als diejenige, die die Welt auf die Ankunft des Erlösers vorbereitete. Maria ist nicht nur die Mutter Jesu, sondern durch ihren Dienst am Heil auch unsere himmlische Mutter, eine mächtige Fürsprecherin und eine Quelle des Trostes.

Indem wir Mariä Geburt feiern, drücken wir unsere Dankbarkeit für Gottes unermessliche Liebe aus, die uns durch Maria entgegenkommt. Wir feiern die Hoffnung, die sie als "Morgenröte" der Erlösung in die Welt brachte, und die Gewissheit, dass Gott seine Verheißungen erfüllt. Möge dieses Fest uns alle dazu inspirieren, unsere Herzen für die Gnade zu öffnen und wie Maria dem Ruf Gottes mit einem vertrauensvollen "Fiat" zu begegnen. Es ist eine Feier, die uns daran erinnert, dass selbst in den dunkelsten Zeiten das Licht der Hoffnung immer wieder neu geboren wird.

So lasst uns weiterhin dieses kostbare Fest ehren, die "Kerzen" unserer Gebete für unsere himmlische Mutter brennen lassen und uns ihrer mächtigen Fürsprache anvertrauen. Maria, du liebliches Kindlein, du Röslein, du Lilie, du Edelstein – wir grüßen dich alle und bitten dich, uns den Frieden zu bringen und uns die Pforte zum Hochzeitsmahl zu öffnen. Amen.

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