13/07/2021
Die Osterzeit ist eine besondere Zeit im Kirchenjahr, die von Hoffnung, Neuanfang und der grenzenlosen Liebe Gottes geprägt ist. Für Kindergottesdienste bietet sie eine wunderbare Gelegenheit, biblische Geschichten zu entdecken, die diese zentralen Themen auf zugängliche und interaktive Weise vermitteln. Eine dieser Geschichten, die oft in den Mittelpunkt rückt, ist die faszinierende und tiefgründige Erzählung vom Propheten Jona. Sie ist weit mehr als nur die Geschichte von einem Mann und einem großen Fisch; sie ist eine Lehrerzählung, die von Gottes Barmherzigkeit, der Möglichkeit der Umkehr und der Herausforderung, Gottes Ruf zu folgen, spricht.

In den Kindergottesdiensten wird die Geschichte von Jona nicht nur erzählt, sondern aktiv erlebt und gemeinsam erforscht. Es geht darum, die Botschaft des Alten Testaments lebendig werden zu lassen und sie mit den Erfahrungen und Fragen der Kinder zu verbinden. Dies schafft eine tiefe, persönliche Resonanz, die weit über das reine Zuhören hinausgeht.
Das Buch Jona: Eine Reise durch Flucht und Gnade
Das Buch Jona, eine Lehrerzählung aus dem 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr., ist einzigartig in seiner Botschaft und Struktur. Es ist in zwei parallel aufgebaute Teile gegliedert, die Jonas Flucht und seine spätere widerwillige Erfüllung von Gottes Auftrag beleuchten. Die Geschichte ist reich an Symbolik und lehrt uns viel über Gottes Charakter und die menschliche Natur.
Jonas Flucht und Gottes Verfolgung (Jona 1+2)
Die Erzählung beginnt mit einem klaren Auftrag Gottes an Jona: Er soll nach Ninive gehen, einer der Hauptstädte der Assyrer, und den Menschen dort ihre Bosheit vor Augen führen. Ninive war eine Stadt, deren Bewohner für ihre Grausamkeit bekannt waren, und Israel hatte unter den Eroberungszügen der Assyrer, die 722 v. Chr. zu Deportationen führten, stark gelitten. Doch Jona, vielleicht aus Angst, aus Zweifel am Sinn seines Auftrags oder aus Abneigung gegenüber den verhassten Assyrern, flieht. Er versucht, sich Gottes Ruf und seiner Verantwortung zu entziehen, indem er ein phönizisches Handelsschiff besteigt, um ins weit entfernte Tarschisch zu segeln.
Auf dem Schiff, während ein gewaltiger Sturm tobt, schläft Jona ruhig, anstatt zu beten oder sich zu wehren. Die Seeleute, die um ihr Leben fürchten, werfen Lose und erkennen Jona als Ursache des Unglücks. Jona wehrt sich nicht und lässt sich ins Meer werfen – zur Rettung der Seeleute. Doch hier greift Gott auf wundersame Weise ein: Er schickt einen großen Fisch, um Jona zu retten. Der Tiefpunkt von Jonas Ausstieg wird zu seinem Wendepunkt. Im Bauch des Fisches, in absoluter Isolation und Verzweiflung, bekennt Jona: „Du, Gott, warfst mich in die Tiefe“ (Jona 2,4). Dieses Bekenntnis ist entscheidend, denn es markiert Jonas Rückkehr in eine aktive Beziehung zu seinem Gott. Im Bauch des Fisches betet Jona das sogenannte Jonapsalm (Jona 2,2-10), ein Gebet des Dankes und der Rettung, das seine tiefe Erkenntnis der göttlichen Macht und Barmherzigkeit widerspiegelt.
Ninives Umkehr und Gottes Milde (Jona 3)
Nach drei Tagen und Nächten im Bauch des Fisches wird Jona an Land gespuckt. Gottes barmherziges und rettendes Handeln hat gefruchtet: Jona ergreift die Chance und wird wieder zu einem Mitarbeiter Gottes. Sein Verhalten wandelt sich. Er lässt sich auf den Weg in die große Stadt Ninive bringen, um den Menschen ihre Bosheit vor Augen zu führen. Doch selbst hier fügt er dem Auftrag Gottes (vgl. Jona 1,1) ein Gerichtswort hinzu, das seine Skepsis erahnen lässt: „Noch vierzig Tage und Ninive ist umgestürzt“ (Jona 3,4b).
Doch diese kurze, scheinbar hoffnungslose Ansage hat eine unerwartete Wirkung: Sie führt zu einer tiefgreifenden Umkehr der gesamten Stadt, einschließlich des Königs von Ninive. Die Menschen fasten, legen Bußgewänder an und rufen zu Gott. Der König ordnet ein kollektives Fasten an, nicht nur für Menschen, sondern auch für Haustiere – ein Zeichen der absoluten Entschlossenheit zur Umkehr, denn es geht um Leben und Tod. „Jeder kehre um von seinem bösen Weg und den Gewalttaten seiner Hände!“ (Jona 3,8). Der Umkehr Ninives folgt eine barmherzige Umkehr Gottes. Gottes Mitleid gilt selbst den bösesten Menschen, die sich aufrichtig zuwenden. Diese Botschaft von Gottes umfassender Vergebung ist ein zentrales Element der Osterzeit.
Jonas Zorn und Gottes Lehre (Jona 4)
Man würde erwarten, dass Jona über Gottes Barmherzigkeit und die Rettung Ninives dankbar ist. Doch das Gegenteil ist der Fall. Jona ist nicht dankbar, sondern macht seinem Zorn darüber Luft in einem Gebet (Jona 4,1-3). Er hatte geahnt, dass sein Gott am Ende wieder „erbärmlich nett“ sein würde, wie er es vielleicht empfindet. Mehr noch: Er wünscht sich den Tod, ähnlich wie Mose (4Mos 11,15) oder Elia (1Kön 19,4). Jona schmollt und bleibt außerhalb der Stadt, vielleicht traut er der Umkehr der Niniviten nicht. „Einmal böse, immer böse!“, scheint seine Einstellung zu sein.
Doch Gott bleibt sich treu und versucht, seinen Propheten durch kreative Beauftragungen von Winden, Tieren und Pflanzen in dieselbe Bewegung der Barmherzigkeit zu bringen. Gott lässt zur Freude Jonas einen Schatten spendenden Strauch wachsen. Aber ein von Gott beauftragter Wurm und ein heißer Ostwind zerstören den Strauch. Jonas Mitleid mit diesem Strauch wird zum Gleichnis für Gottes Barmherzigkeit. Gott fragt Jona, ob er das Recht habe, wegen des Strauches so zornig zu sein, und fährt fort, indem er Jonas Mitleid mit einem vergänglichen Gewächs dem eigenen Mitleid Gottes mit der großen Stadt Ninive gegenüberstellt, in der so viele Menschen leben, die „nicht wissen, was rechts oder links ist“ (Jona 4,11). Das Buch endet offen, ohne eine Antwort Jonas. Dies lädt den Leser ein, selbst über die Bedeutung von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit nachzudenken.
Jona in der Kinderkirche: Tiefe erfahren
Die Geschichte von Jona bietet eine Fülle von Ansatzpunkten für den Kindergottesdienst, besonders in der Osterzeit, wo die Themen Neuanfang und Gottes umfassende Liebe im Vordergrund stehen. Die Entfaltung der Geschichte, insbesondere Jona 1+2, kann tiefgreifende Erfahrungen ermöglichen.

Sturmwind, Meer und sicherer Bauch – Jona 1+2 erleben
In einem monatlichen Kindergottesdienst, der ausreichend Zeit für Vertiefung bietet, wird Jona 1+2 besonders intensiv behandelt. Dabei steht der Jonapsalm (Jona 2,2-10) im Mittelpunkt. Die Geschichte wird aus der Perspektive des Propheten Jona erzählt, um den Kindern einen direkten Zugang zu seinen Gefühlen und Erfahrungen zu ermöglichen.
Jonas Bekenntnis: „Du, Gott, hast mich in die Tiefe des Meeres geworfen“ (Jona 2,4) lädt zum Theologisieren ein, sowohl im Vorbereitungskreis als auch direkt mit den Kindern im Gottesdienst. Dies sind einige Impulsfragen, die dabei helfen können, das Gespräch zu vertiefen:
- Mit welchem Gefühl betet Jona diesen Satz? Ist es Wut, Verzweiflung, Kapitulation oder doch ein Funken Vertrauen?
- Welches Bild von Gott leuchtet in dieser Aussage auf? Ist Gott hier der strafende Richter oder der Retter, der selbst in der Tiefe präsent ist?
- Findet sich dieses Handeln Gottes auch in anderen biblischen Erzählungen wieder, wo Gott scheinbar in schwierige Situationen führt, um dann zu retten?
- Gehört dieses Bekenntnis auch zu meinem Gottesbild? Wie empfinde ich, wenn ich das lese?
- Gibt es etwas, was Du an diesem Gottesbild nicht gut findest oder nicht verstehst?
- Möchte jemand von eigenen Erfahrungen erzählen, wo er oder sie sich in einer „Tiefe“ befand und wie Gott dort im Spiel war?
Diese Fragen ermöglichen es den Kindern, eine persönliche Beziehung zur Geschichte aufzubauen und ihre eigenen Vorstellungen von Gott zu reflektieren. Es geht darum zu erkennen, dass Gott selbst in den dunkelsten Momenten anwesend ist und einen Weg zur Rettung bietet.
Die rettende Perspektive des Jona-Psalms miteinander erleben
Um die Botschaft des Jona-Psalms körperlich und emotional erfahrbar zu machen, kann eine einfache, aber wirkungsvolle Übung durchgeführt werden:
Alle Kinder und Erwachsenen stehen im Kreis. Während der erste Teil des Psalms (oder eine vereinfachte Version davon) gelesen wird, geht jede*r Zweite langsam in die Hocke, die Handflächen seitlich neben dem gesenkten Kopf geöffnet – als Symbol für das Versinken in der Tiefe, die Angst und die Verzweiflung. Zum Kehrvers, der von allen gemeinsam gesungen wird, greifen die Stehenden vorsichtig die Hände der Hockenden und ziehen sie sanft hoch, bis alle wieder stehen. Dies symbolisiert Gottes rettendes Eingreifen und das Herausziehen aus der Tiefe. Bei dem nächsten Vers hocken sich nun die, die zuvor gezogen haben, hin und werden beim Kehrvers sanft von den Stehenden hochgezogen. Dies wiederholt sich, bis jeder einmal die Erfahrung des „Versinkens“ und des „Hochgezogenwerdens“ gemacht hat.
Der Kehrvers könnte lauten:
Ich schreie zu dir, Gott, aus der Tiefe, und du hörst mich! Du ziehst mich heraus und stellst mich auf festen Grund.
Diese Übung macht die Botschaft des Psalms, dass Gott uns aus unseren Tiefen befreit und uns auf festen Boden stellt, physisch erlebbar. Es ist eine kraftvolle Metapher für die Auferstehung und den Neuanfang, die in der Osterzeit gefeiert werden.
Häufig gestellte Fragen zur Jona-Geschichte im Kindergottesdienst
Die Geschichte von Jona wirft oft Fragen auf, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Hier sind einige der häufigsten, die im Kindergottesdienst behandelt werden können:
Warum wird die Jona-Geschichte in der Osterzeit erzählt?
Die Jona-Geschichte wird oft in der Osterzeit erzählt, weil sie zentrale Themen wie Tod, Auferstehung, Umkehr und Gottes unendliche Barmherzigkeit aufgreift. Jonas drei Tage und Nächte im Bauch des Fisches werden traditionell als Parallele zu Jesu drei Tagen im Grab gesehen, bevor er aufersteht. Es geht um die Erfahrung des Tiefpunkts und des wundersamen Neubeginns, der durch Gottes Eingreifen möglich wird. Es lehrt uns, dass selbst aus den dunkelsten Momenten neues Leben und Hoffnung entstehen können.
Ist der große Fisch in der Jona-Geschichte wirklich wahr?
Die Geschichte von Jona ist eine Lehrerzählung oder Parabel, deren Hauptzweck es ist, eine theologische Botschaft zu vermitteln, nicht, einen historischen Bericht zu liefern. Ob der Fisch biologisch real war, ist für die Kernbotschaft unerheblich. Es geht darum, dass Gott auf wundersame Weise eingreifen kann, um seine Ziele zu erreichen und seine Diener zu retten. Für Kinder ist es wichtig zu betonen, dass Gott Dinge tun kann, die wir uns nicht vorstellen können, und dass die Geschichte uns wichtige Wahrheiten über ihn lehrt.
Was ist die Hauptbotschaft der Jona-Geschichte für Kinder?
Die Hauptbotschaft für Kinder ist, dass Gott uns liebt, auch wenn wir Fehler machen oder versuchen wegzulaufen. Gott gibt uns immer eine zweite Chance. Außerdem lehrt die Geschichte, dass Gottes Liebe und Barmherzigkeit für alle Menschen gelten, auch für die, die uns vielleicht nicht mögen oder die wir als „böse“ empfinden. Es ist eine Botschaft der Hoffnung und der umfassenden Vergebung.
Wie können Eltern die Jona-Geschichte zu Hause vertiefen?
Eltern können die Jona-Geschichte zu Hause vertiefen, indem sie:
- Gemeinsam die Geschichte lesen und darüber sprechen, was Jona, die Seeleute und die Menschen in Ninive gefühlt haben könnten.
- Fragen stellen wie: „Was hättest du getan, wenn du Jona gewesen wärst?“ oder „Was lernen wir über Gott in dieser Geschichte?“
- Kreative Aktivitäten wie Malen oder Basteln zum Thema Fisch, Sturm oder der Stadt Ninive anbieten.
- Betonen, dass es wichtig ist, auf Gott zu hören und Barmherzigkeit gegenüber anderen zu zeigen.
Gottesdienst gestalten: Ein Gebet der Offenheit
Die Gestaltung eines Kindergottesdienstes erfordert nicht nur die Auswahl geeigneter biblischer Texte, sondern auch eine Atmosphäre, die Offenheit und Empfänglichkeit fördert. Ein Gebet kann dabei helfen, diese Atmosphäre zu schaffen und die Herzen der Kinder für Gottes Botschaft zu öffnen. Ein Beispiel für ein solches Gebet könnte sein:
„Amen. Guter Gott, wir danken dir, dass wir hier zu Hause Gottesdienst feiern können. Du hörst unser Gebet, unsere Bitten und Klagen, unsere Freude und unseren Dank. Sei du auch jetzt hier bei uns. Lass uns etwas Neues von Dir erfahren. Überrasche uns, Gott, mit Deiner Nähe. Amen.“
Dieses Gebet fasst die Essenz des Kindergottesdienstes zusammen: Dankbarkeit, das Vertrauen in Gottes Nähe und die Offenheit für neue Entdeckungen. Es lädt Gott ein, präsent zu sein und die Herzen der Kinder auf unerwartete Weise zu berühren.
Fazit: Die bleibende Botschaft Jonas
Die Geschichte von Jona ist eine zeitlose Erzählung, die in den Kindergottesdiensten der Osterzeit eine besondere Resonanz findet. Sie lehrt uns, dass Gottes Liebe und Barmherzigkeit keine Grenzen kennen, dass Umkehr immer möglich ist und dass Gott uns auch dann nicht aufgibt, wenn wir vor ihm fliehen. Durch interaktive Erzählweisen, tiefgehende Fragen und kreative Übungen können Kinder diese Botschaften nicht nur verstehen, sondern auch persönlich erleben. Sie lernen, dass Gott selbst in den Stürmen des Lebens anwesend ist und uns immer wieder auf festen Boden stellt. Die Offenheit des Endes der Jona-Geschichte lädt uns alle ein, über unsere eigenen Haltungen zu Barmherzigkeit und Vergebung nachzudenken und so die Osterbotschaft des neuen Lebens in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen.
| Charakter/Gruppe | Reaktion auf Gottes Auftrag/Wille | Entwicklung im Verlauf der Geschichte | Lektion für den Leser |
|---|---|---|---|
| Jona | Flucht, Zweifel, Zorn | Von der Flucht zur widerwilligen Ausführung, dann zur Verärgerung über Gottes Milde. | Gott verfolgt uns mit seiner Liebe; unsere Ablehnung ändert nichts an seiner Barmherzigkeit. |
| Die Seeleute | Furcht, Gebet zu ihren Göttern, dann zu Gottes Jona. | Erkennen Gottes Macht, werden zu seiner Rettungswerkzeugen. | Gott kann auch Menschen außerhalb des Bundes gebrauchen und offenbart sich ihnen. |
| Die Niniviten | Bosheit, dann aufrichtige Umkehr auf Jonas kurze Botschaft hin. | Vom sicheren Untergang zur Rettung durch kollektive Buße. | Gottes Barmherzigkeit gilt allen, die umkehren, unabhängig von ihrer Vergangenheit. |
| Gott | Konstanter Wille zur Rettung, Barmherzigkeit, Lehre und Geduld. | Bleibt sich treu in seiner Liebe und seinem Wunsch zur Vergebung, selbst gegenüber Jona. | Gottes Liebe ist unendlich, er gibt niemanden auf und möchte alle zur Umkehr führen. |
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