28/03/2022
In den Annalen der christlichen Geschichte nimmt die Aussendung der zwölf Jünger durch Jesus einen zentralen Platz ein. Es war ein entscheidender Moment, der nicht nur die unmittelbare Verbreitung seiner Botschaft sicherstellte, sondern auch das Fundament für die zukünftige Mission seiner Nachfolger legte. Jesus berief diese kleine Gruppe von Männern, formte sie und stattete sie mit einer Autorität und Kraft aus, die weit über das Gewöhnliche hinausging. Diese Sendung war kein zufälliges Ereignis, sondern ein präzise geplanter Schritt im göttlichen Heilsplan, der das nahende Himmelreich manifestieren sollte.

Die Bibel berichtet, wie Jesus seine zwölf Jünger zu sich rief. Dies war kein passiver Akt des Zuhörens, sondern eine aktive Berufung zu einer spezifischen Aufgabe. Er gab ihnen nicht nur Anweisungen, sondern auch die Kraft, diese auszuführen. Diese Kraft war keine menschliche Fähigkeit oder rhetorische Geschicklichkeit; sie war eine göttliche Bevollmächtigung, die es ihnen ermöglichte, übernatürliche Taten zu vollbringen. Es war die Autorität, Dämonen auszutreiben und jede Art von Krankheit und Gebrechen zu heilen. Dies unterstreicht die Einzigartigkeit ihrer Mission: Sie waren nicht nur Boten, sondern auch Werkzeuge göttlicher Macht, die das Reich Gottes sichtbar machten.
Die Dringlichkeit der Verkündigung: Das Himmelreich ist nahe!
Der Kern ihrer Botschaft war klar und unmissverständlich: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!“ Diese Worte sind von immenser theologischer Bedeutung. Das „Himmelreich“ oder „Reich Gottes“ ist das zentrale Thema von Jesu Lehre. Es beschreibt die Herrschaft Gottes, die mit dem Kommen Jesu auf Erden begonnen hat und sich in seinem Leben, seinen Lehren und seinen Wundern manifestiert. Das „Nahesein“ des Reiches bedeutet, dass Gottes souveräne Herrschaft nicht mehr eine ferne Hoffnung ist, sondern eine gegenwärtige Realität, die durch Jesu Person und Wirken greifbar wird. Die Jünger wurden beauftragt, diese frohe Botschaft zu verbreiten, die Menschen zur Umkehr aufzufordern und sie auf die neue Ära vorzubereiten, die mit Jesus angebrochen war.
Die Verkündigung war nicht nur verbaler Natur. Sie wurde begleitet von Taten, die die Wahrheit der Botschaft bezeugten. Jesus wies seine Jünger an, konkrete Zeichen der Herrschaft Gottes zu vollbringen:
- Kranke heilen: Dies war ein zentraler Aspekt von Jesu eigenem Dienst. Krankheit wurde oft als Folge von Sünde oder als Zeichen der Herrschaft des Bösen verstanden. Die Heilung der Kranken war somit eine Demonstration der Überwindung des Bösen und der Wiederherstellung von Gottes Ordnung.
- Tote aufwecken: Obwohl dies in der Bibel nur wenige Male von Jesus selbst vollbracht wird, war die Anweisung an die Jünger, dies zu tun, eine kühne Demonstration der ultimativen Macht über den Tod, die nur Gott gehört. Es war ein Vorgriff auf Jesu eigene Auferstehung und die Hoffnung auf das ewige Leben.
- Aussätzige reinigen: Aussatz war nicht nur eine physische Krankheit, sondern führte auch zu sozialer und religiöser Ausgrenzung. Die Reinigung der Aussätzigen war ein Akt der Wiedereingliederung und der Wiederherstellung der Würde, der die umfassende Heilung des Reiches Gottes widerspiegelte.
- Dämonen austreiben: Dies war ein direkter Angriff auf die Mächte der Finsternis. Die Austreibung von Dämonen zeigte die Überlegenheit Gottes über das Böse und befreite Menschen von geistlicher Unterdrückung.
Diese Wunder waren keine Selbstzweck, sondern untrennbare Bestandteile der Verkündigung des Himmelreiches. Sie waren sichtbare Beweise dafür, dass Gottes Herrschaft nicht nur eine theologische Idee war, sondern eine lebendige, transformative Kraft, die in die Welt eindrang.
Das Prinzip des Gebens: Umsonst empfangen, umsonst geben
Ein weiteres fundamentales Prinzip, das Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg gab, war das der bedingungslosen Großzügigkeit: „Umsonst habt ihr alles empfangen, umsonst gebt es weiter!“ Diese Anweisung ist ein Eckpfeiler der christlichen Ethik und des Dienstes. Die Jünger hatten die Kraft zur Heilung und zur Verkündigung des Reiches Gottes nicht durch eigene Anstrengung oder Verdienst erworben. Es war ein Geschenk, eine Gnade von Gott. Dementsprechend sollten sie diese Gaben auch nicht zum persönlichen Vorteil nutzen oder dafür Bezahlung verlangen. Die Botschaft und die Wunder sollten frei zugänglich sein, ein Ausdruck der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit, die nicht käuflich ist.
Dieses Prinzip der „kostenlosen Weitergabe“ hatte auch praktische Auswirkungen auf ihre Missionsreise. Jesus instruierte sie, keine Gold-, Silber- oder Kupfermünzen in ihren Gürteln mitzunehmen, keine Reisetasche, keine zwei Hemden, keine Sandalen und keinen Wanderstab. Sie sollten sich ganz auf die Gastfreundschaft der Menschen verlassen und darauf vertrauen, dass Gott für ihre Bedürfnisse sorgen würde. Dies förderte nicht nur ihre Abhängigkeit von Gott, sondern auch ihre Demut und die Reinheit ihrer Motive. Es sollte deutlich werden, dass sie nicht aus materiellen Gründen unterwegs waren, sondern aus tiefster Überzeugung und im Gehorsam gegenüber ihrem Herrn.
Vergleich: Die Mission der Zwölf vs. die Mission der Siebzig
Obwohl sich unser Fokus auf die zwölf Jünger richtet, ist es aufschlussreich, ihre Mission mit der späteren Aussendung von siebzig oder zweiundsiebzig weiteren Jüngern zu vergleichen, die ebenfalls von Jesus ausgesandt wurden (Lukas 10:1-12). Beide Missionen teilen viele Gemeinsamkeiten, aber es gibt auch feine Unterschiede, die die Bedeutung der Zwölf hervorheben.
| Merkmal | Aussendung der Zwölf Jünger | Aussendung der Siebzig Jünger |
|---|---|---|
| Anzahl | Zwölf (symbolisiert die 12 Stämme Israels, eine fundamentale Gruppe) | Siebzig/Zweiundsiebzig (symbolisiert möglicherweise die Völker der Welt nach Genesis 10 oder eine umfassendere Evangelisierung) |
| Empfangene Kraft | Kraft über unreine Geister, jede Krankheit und jedes Gebrechen (Matthäus 10:1) | Kraft, Schlangen und Skorpione zu treten und über alle Gewalt des Feindes (Lukas 10:19) |
| Botschaft | „Das Himmelreich ist nahe!“ | „Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen!“ |
| Reiseanweisungen | Sehr spezifisch (kein Geld, keine Tasche, keine zwei Hemden, etc.) | Ähnlich, aber etwas weniger detailliert in Bezug auf Kleidung und Ausrüstung |
| Fokus | Vorrangig auf die verlorenen Schafe des Hauses Israel | Weiterer Fokus, Vorbereitung für die spätere weltweite Mission |
| Bedeutung | Grundsteinlegung der Apostel, die nach Jesu Tod und Auferstehung die Kirche leiten würden | Vorbereitung für eine breitere Ausweitung des Evangeliums und die Beteiligung vieler an der Mission |
Die zwölf Jünger waren die Apostel im engsten Sinne, die von Jesus selbst berufen und ausgebildet wurden, um die Führung der entstehenden Kirche zu übernehmen. Ihre Mission war die erste und grundlegende Phase der Verbreitung des Evangeliums, die die Autorität und Legitimität der Bewegung Jesu unterstrich.
Herausforderungen und Widerstände
Jesus war sich bewusst, dass die Mission seiner Jünger nicht ohne Schwierigkeiten sein würde. Er warnte sie vor Ablehnung und Verfolgung. Sie würden wie „Schafe mitten unter die Wölfe“ gesandt. Dies sollte sie darauf vorbereiten, dass die Verkündigung des Himmelreiches nicht immer auf offene Ohren stoßen würde. Ablehnung war ein Teil des Weges, aber sie sollten dennoch standhaft bleiben und die Botschaft verkünden. Wenn sie in einer Stadt nicht aufgenommen würden, sollten sie den Staub von ihren Füßen schütteln – ein Zeichen dafür, dass die Verantwortung nun bei der ablehnenden Stadt lag.
Diese Warnungen waren nicht dazu gedacht, die Jünger zu entmutigen, sondern sie zu stärken und ihnen die Realität der geistlichen Schlacht zu verdeutlichen, in der sie sich befanden. Ihre Macht war nicht ihre eigene, und ihre Sicherheit lag in der Treue dessen, der sie gesandt hatte.
Die bleibende Relevanz der Aussendung
Die Aussendung der zwölf Jünger ist nicht nur eine historische Episode; sie hat eine tiefgreifende und bleibende Relevanz für die Kirche und jeden Gläubigen heute. Die Prinzipien, die Jesus damals lehrte, sind zeitlos und bilden die Grundlage für jede christliche Mission:
- Die Notwendigkeit der göttlichen Kraft: Ohne die Bevollmächtigung durch den Heiligen Geist kann keine wahre Verkündigung oder Heilung geschehen. Der Dienst ist eine übernatürliche Aufgabe, die übernatürliche Hilfe erfordert.
- Die zentrale Botschaft des Reiches Gottes: Das Himmelreich ist immer noch nahe. Die Kirche ist aufgerufen, diese Botschaft der Hoffnung, der Umkehr und der Herrschaft Gottes in Wort und Tat zu verkünden.
- Der Auftrag zur ganzheitlichen Heilung: Die Mission umfasst nicht nur die geistliche, sondern auch die physische und soziale Dimension. Christen sind aufgerufen, sich um die Kranken, die Ausgegrenzten und die Unterdrückten zu kümmern.
- Das Prinzip der bedingungslosen Großzügigkeit: Die Gaben und Fähigkeiten, die wir von Gott erhalten haben, sollen nicht zum Eigennutz, sondern zum Dienst an anderen eingesetzt werden, frei und ohne Erwartung einer Gegenleistung.
- Die Bereitschaft zur Konfrontation mit Widerstand: Das Evangelium wird nicht immer willkommen sein. Gläubige müssen darauf vorbereitet sein, Ablehnung und sogar Verfolgung zu erfahren, aber sie sollen dabei standhaft bleiben.
Die Aussendung der Zwölf war der Beginn einer Bewegung, die die Welt verändern sollte. Es war ein Zeugnis dafür, dass Gott seine Boten ausrüstet und befähigt, sein Reich sichtbar zu machen.
Häufig gestellte Fragen zur Aussendung der Jünger
Wer waren die zwölf Jünger, die Jesus aussandte?
Die zwölf Jünger, die Jesus aussandte, waren die von ihm persönlich ausgewählten Männer, die er zu seinen engsten Begleitern und späteren Aposteln machte. Ihre Namen sind Simon (Petrus), Andreas, Jakobus (Sohn des Zebedäus), Johannes, Philippus, Bartholomäus, Thomas, Matthäus, Jakobus (Sohn des Alphäus), Thaddäus (oder Judas, Sohn des Jakobus), Simon der Zelot und Judas Iskariot.
Was bedeutet „Das Himmelreich ist nahe“?
„Das Himmelreich ist nahe“ bedeutet, dass Gottes souveräne Herrschaft und sein Plan der Erlösung durch Jesus Christus in die Welt gekommen sind und nun greifbar sind. Es ist eine Einladung zur Umkehr und zum Glauben, da Gottes Reich nicht mehr eine ferne Zukunftsvision, sondern eine gegenwärtige Realität ist, die sich in Jesu Person und Wirken manifestiert.
Warum sollten die Jünger Kranke heilen und Dämonen austreiben?
Die Heilung von Kranken und die Austreibung von Dämonen waren konkrete Zeichen und Beweise dafür, dass das Reich Gottes tatsächlich anwesend war und die Mächte des Bösen und der Krankheit überwand. Diese Wunder waren untrennbare Bestandteile der Verkündigung des Evangeliums und zeigten die umfassende, transformative Kraft Gottes.
Was bedeutet der Satz „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt“?
Dieser Satz betont, dass die Jünger ihre Fähigkeit zur Heilung und Verkündigung nicht durch eigene Leistung oder Verdienst erworben hatten, sondern als freies Geschenk Gottes. Dementsprechend sollten sie diese Gaben auch nicht zum persönlichen Vorteil nutzen oder Bezahlung dafür verlangen, sondern sie ebenso frei und bedingungslos an andere weitergeben. Es ist ein Aufruf zur Demut, Großzügigkeit und zur Reinheit der Motive im Dienst.
Ist die Mission der zwölf Jünger heute noch relevant?
Ja, die Prinzipien der Aussendung der zwölf Jünger sind heute noch von zentraler Relevanz. Die Kirche ist weiterhin beauftragt, das Evangelium des Reiches Gottes zu verkünden, sich um die Notleidenden zu kümmern und die Welt mit der göttlichen Kraft zu transformieren. Das Prinzip des „umsonst Gebens“ bleibt eine Leitlinie für christlichen Dienst und Philanthropie.
Die Aussendung der zwölf Jünger war ein monumentaler Schritt in der Entfaltung des Reiches Gottes auf Erden. Jesus rüstete seine Boten aus, nicht nur mit Worten, sondern mit wahren Wundern, die die Ankunft seiner Herrschaft bezeugten. Ihre Aufgabe war es, die Botschaft der Hoffnung und der Heilung zu verbreiten, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Dieses Vermächtnis lebt in der christlichen Kirche fort und ruft weiterhin Gläubige dazu auf, die Botschaft des Himmelreiches mit Mut, Demut und göttlicher Kraft in die Welt zu tragen.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Die Sendung der Zwölf: Jesu Auftrag an seine Jünger kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Glaube besuchen.
