Was muss ich beachten wenn ich beten?

Dein Wille geschehe: Mensch und Gottes Plan

23/03/2022

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Die dritte Bitte des Vaterunsers, „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“, ist uns vertraut. Doch bei genauerer Betrachtung offenbart sie eine faszinierende Tiefe und wirft Fragen auf, die weit über die bloße Rezitation hinausgehen. Scheint diese Bitte nicht zu implizieren, dass Gottes Wille derzeit auf Erden nicht geschieht? Wenn er geschähe, wozu dann die Bitte? Und wenn er nicht geschieht, was geschieht dann stattdessen? Geschieht der Wille des Menschen, oder gar etwas Böses? Diese Gedanken können verwirrend sein, denn die biblische Lehre ist eindeutig: Gottes Wille bestimmt unser Dasein. Sprichwörter 19,21 sagt: „In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des Herrn.“ Und Sprichwörter 16,9 ergänzt: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.“ Es scheint, als könnten wir Gottes Willen gar nicht entkommen. Warum also die Bitte?

Die Antwort liegt möglicherweise nicht darin, das Weltgeschehen zu ändern, sondern unsere eigene Einstellung dazu. Diese Bitte ist keine Aufforderung an Gott, seinen Willen endlich durchzusetzen, sondern eine tiefgreifende Erklärung unserer Bereitschaft, unseren eigenen Willen täglich dem göttlichen Willen unterzuordnen. Es geht darum, dass Gottes Wille bei uns offene Türen findet, dass wir ein bereitwilliges Herz haben, in dem Einverständnis herrscht. Wir suchen den Konsens mit Gott und ergeben uns in seinen Willen, anstatt zu hadern. Die Bitte dient dazu, jeden Konflikt und jede Konkurrenz zwischen unserem Willen und dem Gottes von vornherein zu verhindern. Und wer sich selbst kennt, weiß, wie schwer und doch wie nötig dies ist. Denn von Natur aus sind wir Menschen mit Gott keineswegs immer einig. Gottes Handeln gibt uns oft Rätsel auf, und eine pauschale Zustimmung fällt uns schwer. Wir hätten oft ganz andere Vorstellungen, wie die Welt sein sollte.

Wie schreibt man eine gute Gebete?
Wir danken dir für alle Lebensmittel, für jede gute Gabe. Wir danken dir für die Menschen, die für uns sorgen. Wir danken dir für die Menschen, die uns helfen. Lass uns an diese Menschen heute den- ken. Darum bitten wir dich. Amen. Tischgebete
Inhaltsverzeichnis

Die vier Kategorien des göttlichen Willens und unsere Reaktion

Unsere Zustimmung zum Willen Gottes hängt oft stark davon ab, worum es geht. Wir können den göttlichen Willen in verschiedene Kategorien einteilen, die uns helfen, unsere eigene Haltung dazu zu verstehen:

1. Gottes gütiger und segnender Wille

Dies ist der Teil des göttlichen Willens, der ein direkter Ausdruck seiner Güte ist. Wenn Gott uns als Freund des Lebens segnet, uns gedeihen lässt, uns liebt und nährt, uns Zeit, Kraft und Chancen schenkt, dann haben wir natürlich nichts dagegen. Solange sich Gottes Wille mit unseren eigenen Wünschen deckt, sagen wir freudig: „Dein Wille geschehe!“ Um solche Gunst zu bitten, kostet uns wenig – es fällt uns leicht, das Gute zu bejahen, das uns unmittelbar zugutekommt.

2. Gottes gerechter und richtender Wille

Eine zweite Kategorie umfasst Gottes strenge und harte Maßnahmen, die er ergreift, weil seinen guten Absichten böse Absichten entgegenstehen. Gott bejaht seine Schöpfung, aber er verneint das Böse, das sie von innen heraus zerstört. Er wendet seinen Willen gegen alles, was mit seiner guten Intention unvereinbar ist. Hier fällt es uns schon schwerer zuzustimmen, denn als Sünder haben wir selbst Anteil am Bösen. Gottes gerechter Wille und seine Strafe erscheinen uns dann bedenklich und bedrohlich, weil sie uns betreffen könnten.

3. Gottes erzieherischer und mittelbarer Wille

In diese Kategorie fällt alles, was Gott nur insofern will, als es mittelbar seiner eigentlichen Absicht dient und nützlich erscheint. Es ist wie bei einem kranken Menschen, der nicht die Operation selbst will, sondern die Gesundheit, und die Operation nur um der Gesundung willen in Kauf nimmt. Um uns seelisch reifen zu lassen, uns Mitgefühl und Demut zu lehren, mutet Gott uns Mühen, Leiden und Enttäuschungen zu. Er setzt uns Grenzen, verweigert die Erfüllung törichter Wünsche und erspart uns nicht, aus Schaden klug zu werden. Doch die gute Absicht dahinter wird selten erkannt. Stattdessen protestieren wir, sind beleidigt und zeigen für Gottes Maßnahmen oft so wenig Einsicht wie ein Kleinkind in der Trotzphase.

4. Gottes unergründlicher Wille

Die vierte Kategorie ist für uns Menschen am schwierigsten zu verstehen und zu akzeptieren. Dazu zählt alles, was Gott will, ohne dass wir Menschen dafür einen Grund angeben oder erraten könnten. Hierzu gehört auch entsetzliches Unheil, das sich jeder „Erklärung“ entzieht, weil es anscheinend zu gar nichts gut ist und daher unverstanden bleibt. Auch das Furchtbare ist Teil des göttlichen Willens, insofern es nicht ohne die Zulassung des Allmächtigen geschehen könnte. Doch haben wir größte Probleme, dieses Abgründige und seinen (in Gott) vor uns verborgenen Sinn zu akzeptieren.

Das Dilemma des Menschen: Selektive Zustimmung

So ergibt sich von selbst, wie der Mensch gewöhnlich zum Willen Gottes steht: Dem Schönen, das sowieso in unserem Interesse liegt, stimmen wir natürlich zu. Und soweit Gottes Gericht unsere Feinde trifft, haben wir auch nichts dagegen. Wo wir den Nutzen einer Sache einsehen, ist sie vor unserer Vernunft legitimiert – und wir lassen es uns gefallen. Aber spätestens bei dem, was uns unbegreiflich bleibt, fordern wir Gott zur Rechenschaft. Und wo sein Wille unserem eigenen zuwiderläuft, beginnt das Wehgeschrei. Da hadern wir dann mit dem Willen Gottes, statt uns hineinzugeben. Und in vieles fügen wir uns nur notgedrungen – mit innerem Vorbehalt und heimlichem Groll. So bejaht der Mensch vom Willen Gottes meist nur so viel, wie ihm selbst einleuchtet. Und gegen den Rest murrt er.

Aber steht uns das zu? Wie selbstverständlich messen wir Gottes Pläne am Maßstab unserer eigenen Einsicht und prüfen seinen Ratschluss am Maßstab des menschlich-kurzen Verstandes! Doch das ist kein wahrer Glaube und kein echtes Vertrauen, wenn wir die Entscheidungen eines anderen nur so weit billigen, wie wir kontrollierend und nachvollziehend zu demselben Ergebnis gelangen. Nein – solches Vertrauen verdient seinen Namen nicht. Darum muss uns klar sein: Wenn wir im Vaterunser bitten „Dein Wille geschehe“, können wir das nicht an die Bedingung knüpfen, dass Gott uns seinen Willen vorher erklären müsste. Denn Gott hat auch dort Recht, wo er unsere Pläne durchkreuzt und wo seine Motive unseren Verstand überfordern. Als Kinder eines derart überlegenen Vaters können wir seinen Willen nicht auseinanderpflücken in das, was uns passt, und das, was uns nicht passt. Sondern wir können seinen Willen nur im Paket akzeptieren und ihm unbesehen unsere Einwilligung geben. Sofern unser Gebet aus tiefem Vertrauen kommt, wird es bedingungslos sein, so dass wir ohne heimlichen Vorbehalt und ohne Einschränkung sagen „Dein Wille geschehe“! Er geschehe in dem, was wir davon kennen und verstehen, und er geschehe im Übrigen ganz genauso! Er geschehe in dem, was uns lieb und recht ist, und er geschehe auch da, wo es uns gegen den Strich geht. Er geschehe aber jederzeit mit unserem vollen Einverständnis, denn wie Martin Luther sagte: „Wenn nicht geschehen wird, was wir wollen, so wird geschehen, was besser ist.“

Gottes „eigenes Werk“ (Opus Proprium) und sein „fremdes Werk“ (Opus Alienum)

Die unterschiedlichen Weisen göttlichen Wollens dürfen uns nicht verleiten, nur einen Teil davon zu bejahen. Wir können uns dem Willen Gottes nur im Ganzen ergeben und ihm als Paket zustimmen. Wir dürfen uns da nicht die Rosinen herauspicken! Doch geht aus dem Gesagten auch hervor, dass Gott einiges, was er will, auf unmittelbare, und anderes, nur auf mittelbare Weise will. Er will manches nur, weil es die Umstände erfordern. Die theologische Tradition unterscheidet darum Gottes „eigenes Werk“ (opus proprium) von Gottes „fremdem Werk“ (opus alienum), wobei er das „fremde Werk“ stets nur um des „eigenen Werkes“ willen tut.

AspektOpus Proprium (Eigenes Werk)Opus Alienum (Fremdes Werk)
Gottes AbsichtFreudige, ungestörte Gemeinschaft mit Geschöpfen; Segen, Liebe, Vergebung, Leben.Strenge, Erziehung, Richten, Verdammen, Zwang.
UrsprungUnmittelbar aus Gottes Herz, Ausdruck seiner gütigen Natur.Bedingt durch den Einbruch des Bösen und die Sünde des Menschen.
Gottes GefühlAm liebsten, eine Herzensangelegenheit.Nur wenn und weil es nötig ist, mit „blutendem Herzen“.
ZielHarmonie, Frieden, Gedeihen.Schutz des Guten vor dem Bösen, Wiederherstellung der Ordnung.

Was Gott eigentlich will, ist in freudiger und ungestörter Gemeinschaft mit seinen Geschöpfen zu stehen. Dieser Wille kommt unmittelbar aus seinem Herzen! Dass er aber auch unerbittliche Strenge an den Tag legen und mit Härte erziehen, dass er richten und auch verdammen muss – das ist durch den Einbruch des Bösen bedingt und ist Gott nicht in derselben Weise eine „Herzensangelegenheit“ wie seine gnädige Zuwendung zum Geschöpf. Denn Gott segnet lieber, als dass er flucht. Er vergibt lieber, als zu strafen. Und er macht lieber lebendig, als zu töten. Nun tut er ganz sicher auch das Letztere – da mache man sich bloß keine Illusionen! Aber er tut es nur, wenn und weil es nötig ist, um das Gute vor dem Bösen zu bewahren. So muss denn Gott hart sein, um unserer Trägheit willen, und muss streng sein, um unserer Sünde willen. Er muss unserem Widerstand widerstehen – und bleibt darin meist unverstanden, weil unser Horizont so eng ist. Gott führt die Trotzigen auf schmerzhafte Weise, weil sie ihm nicht williger zu folgen verstehen. Er muss manchmal laut werden, weil wir seine leisen Worte ignorieren. Und er stellt uns ein Bein, wenn wir geradewegs in unser Verderben laufen. Gott nimmt in Kauf, wenn wir ihn dafür hassen! Und je wilder wir zappeln, um uns loszureißen, desto härter muss seine Hand uns anfassen. Aber diese Härte ist nicht das, was Gott eigentlich will. Sie ist nur das, wozu unsere Sünde ihn zwingt.

Wie im Himmel, so auf Erden: Die Sehnsucht nach Harmonie

Viel lieber wäre es Gott, wenn sein Wille bei uns „auf Erden“ so geschähe, wie er „im Himmel“ geschieht. Und in diesem Wunsch dürfen wir uns mit Gott zusammenschließen. Denn im Himmel geht es verständiger und harmonischer zu. Die Engel stehen dort mit Gott in ungestörter Gemeinschaft und in vollem Konsens! Sie wollen samt und sonders, was Gott will, und hassen, was er hasst. Sie tun ganz ungezwungen, was Gottes Weisheit plant. Und keiner von ihnen schmiedet Pläne, die mit Gottes Plänen konkurrieren könnten. Was sonst sollten sich Engel auch zum Ziel setzen, als in Ewigkeit mit Gott vollkommen einig zu sein? Eben das ist ja ihr wahres Glück und ihre vollkommene Freiheit, so sehr mit Gott einig zu sein, dass der eigene Wille den Willen Gottes in keiner Weise mehr als Einschränkung erfährt! Wo das so ist, weil man mit Gott übereinstimmt, fehlt alle Bosheit. Und wo das Böse fehlt, muss Gottes „eigenes Werk“ auch von keinem „fremden Werk“ begleitet werden. Da muss Gott nicht strafen und nicht erziehen, muss weder richten noch verdammen. Und das ist ihm selbst so am liebsten, wie es auch uns am liebsten sein sollte.

Wir bitten also sehr bewusst: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“ Und das ist keine Kritik an dem, was Gott auf Erden tut. Wir akzeptieren ja seinen Willen als Gesamtpaket – einschließlich all dessen, was wir nicht verstehen! Aber eine Kritik an uns selbst und eine Sehnsucht ist in der Bitte durchaus enthalten. Denn unsere irdische Weise, Gott immer nur unwillig und mit geteiltem Herzen zu folgen und seinem Willen nur unter schmerzhaften Reibungen zu gehorchen, ist höchstens die zweitbeste Weise, mit ihm Gemeinschaft zu haben. Lieber wäre es ihm, wenn der Mensch seinem Wort ganz ungezwungen folgte, wenn er in Gott einen Freund fände und das Gute auch nicht um eines Lohnes willen, sondern aus Begeisterung für das Gute täte. Das könnte so viel schöner sein! Und nur weil wir diesen Weg nicht gehen, muss Gott zum Schutz alles Guten uns Sündern hart entgegentreten. Es wäre ihm lieber, es gäbe da keinen Widerstand, den er brechen muss. Wenn er aber da ist, wird er es tun. Es wäre ihm lieber, es gäbe kein Unrecht. Wenn es aber Unrecht gibt, so soll auch die Strafe nicht ausbleiben. Es wäre Gott lieber, die Menschen ließen ab von Hass und Neid und Gier. Wenn sie aber nicht davon lassen wollen, sollen sie auch sehen und fühlen, was sie damit anrichten.

Häufig gestellte Fragen zum Willen Gottes

1. Kann der Mensch Gottes Willen überhaupt entkommen?

Die biblische Lehre besagt, dass Gottes Ratschluss immer zustande kommt, unabhängig von den Plänen der Menschen. Man kann Gottes souveränem Willen nicht entkommen, da er das gesamte Dasein bestimmt. Die Bitte „Dein Wille geschehe“ ist daher weniger eine Frage der Möglichkeit, Gottes Willen zu umgehen, als vielmehr eine Frage unserer inneren Haltung und Bereitschaft, uns ihm freiwillig und mit Überzeugung zu unterwerfen.

2. Warum gibt es Leid und Übel in der Welt, wenn Gott gut ist und seinen Willen hat?

Leid und Übel sind oft Ausdruck von Gottes „fremdem Werk“ (opus alienum), das eine Reaktion auf die menschliche Sünde und den Widerstand gegen Gottes guten Willen ist. Gott will das Böse nicht um seiner selbst willen, aber er lässt es zu oder nutzt es als Mittel, um Gutes zu bewirken – sei es zur Erziehung, zur Bestrafung oder zum Schutz seiner Schöpfung. Dies ist oft Teil seines unergründlichen Willens, dessen vollen Sinn wir nicht immer verstehen können.

3. Bedeutet die Bitte „Dein Wille geschehe“, dass mein eigener Wille keine Rolle spielt?

Ganz im Gegenteil. Die Bitte ist eine bewusste Entscheidung, den eigenen Willen dem göttlichen Willen unterzuordnen. Es ist ein Akt des Vertrauens und der Hingabe, der besagt, dass man bereit ist, Gottes Wege zu gehen, auch wenn sie nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen. Es geht nicht darum, den eigenen Willen auszulöschen, sondern ihn in Harmonie mit Gottes Willen zu bringen, wie es die Engel im Himmel tun.

4. Was bedeutet es, Gottes Willen „im Paket“ zu akzeptieren?

Es bedeutet, nicht nur die angenehmen oder verständlichen Aspekte von Gottes Willen zu bejahen, sondern auch die schwierigen, schmerzhaften oder unerklärlichen. Es ist eine bedingungslose Zustimmung, die anerkennt, dass Gott in allem, was er tut, gerecht und gut ist, auch wenn es unserem menschlichen Verstand nicht immer einleuchtet oder unseren Wünschen zuwiderläuft. Es ist die Haltung des tiefen Vertrauens, dass Gottes Weg stets der bessere ist.

Fazit

Schauen wir mit Schrecken in die Zeitung und in die Welt um uns herum, so steht außer Frage, dass da überall Gottes Wille geschieht! Aber es ist eben zumeist nicht Gottes eigentlicher Wille und Herzenswunsch (sein opus proprium), sondern es ist nur Gottes Wille „zweiter Ordnung“ (sein opus alienum), der bedingt ist durch unsere eigene Verkehrtheit. Dieser Wille ist so gerecht, wie es gerecht ist, dass Gott jedem widersteht, der ihn herausfordert! Ja, wo wir es absolut nicht anders haben wollen, lässt er uns auch an unserer Bosheit zugrunde gehen! Doch Gott tut das nicht etwa gern, sondern nur mit blutendem Herzen. Und viel lieber wäre es ihm, wenn sein Wille auch auf Erden so geschähe, wie er jetzt schon im Himmel geschieht. Dort muss Gott das Gute nicht erst schmerzhaft durchsetzen. Sondern dort wollen die Engel von vornherein das Gleiche, was Gott will. Die Engel sündigen nicht, sie zanken nicht, sie spielen sich nicht auf – und leben darum in Frieden. Sie wollen von ganzem Herzen das Gute, so wie Gott selbst es will. Sie leben in der Freude derer, die sich mit Gott einig wissen und eben darum nichts und niemanden fürchten müssen. Dass es aber bei uns auf Erden und bei jedem Einzelnen auch bald so zugehen möge, wie jetzt schon dort im Himmel – das ist der Sinn jener Bitte im Vaterunser. Wir bitten nicht „Dein Wille geschehe“, weil Gott vorläufig nur den Himmel regierte. Nein! Gottes Wille geschieht auch auf der Erde. Doch bitten wir, dass Gottes Wille auch hier auf Erden in der milden und heilvollen Weise geschehen möge, wie er derzeit im Himmel geschieht. Denn noch zwingt die menschliche Bosheit unseren Gott, gegen seinen eigentlichen Willen hart zu sein. Noch sträubt sich die Erde und beugt sich der Hand ihres Schöpfers nur unter unwilligem Knirschen und unter großen Schmerzen. Wenn aber Gottes Reich anbricht, wird da zwischen Himmel und Erde kein Unterschied mehr sein. Denn dann werden alle Geschöpfe ihren Eigenwillen in Gottes Willen aufgehen lassen, und es wird Friede einkehren, weil nichts mehr ist, das nicht sein sollte. Dass wir aber alle miteinander diesen Moment erleben, wo das Gebet Christi dann in Gottes Reich seine volle Erhörung findet – das schenke uns der barmherzige Gott.

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