19/05/2023
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist mehr als nur eine Reihe von Worten, die im Gottesdienst gesprochen werden; es ist ein kraftvolles Zeugnis des christlichen Glaubens, das über Jahrhunderte hinweg Generationen von Gläubigen verbunden hat. Es dient als gemeinsamer Ausdruck dessen, was Christen glauben, und bietet eine prägnante Zusammenfassung der grundlegenden Lehren des Christentums. Doch wie genau ist dieses Bekenntnis entstanden, was bedeutet es in seiner Tiefe, und wie spiegelt es die unendliche Liebe Gottes wider, die wir in unserem Leben erfahren können? Tauchen wir ein in die Welt dieses alten Textes und seine zeitlose Relevanz.

Was ist das Apostolische Glaubensbekenntnis?
Das Apostolische Glaubensbekenntnis, oft auch einfach als „Credo“ bezeichnet, ist eines der ältesten und am weitesten verbreiteten Glaubensbekenntnisse im Christentum. Sein Name „apostolisch“ deutet darauf hin, dass sein Inhalt auf die Lehren der Apostel zurückgeführt wird, auch wenn es in seiner heutigen Form erst in späteren Jahrhunderten entstanden ist. Es ist kein direkt von den Aposteln geschriebenes Dokument, sondern eine Zusammenfassung der frühen apostolischen Lehre, die sich in den Gemeinden im Laufe der Zeit entwickelte, um den Kern des Glaubens zu bewahren und zu vermitteln. Es wurde verwendet, um Taufbewerbern die grundlegenden Wahrheiten des Glaubens zu lehren und sie in der Gemeinschaft zu verankern. Im Gottesdienst wird es gemeinsam gesprochen, um den kollektiven Glauben der Gemeinde zu bekräftigen und die Einheit im Glauben zu stärken.
Der Wortlaut im Detail: Eine theologische Reise
Das Apostolische Glaubensbekenntnis gliedert sich in drei Hauptteile, die sich auf die drei Personen der Dreifaltigkeit beziehen: Gott den Vater, Jesus Christus den Sohn und den Heiligen Geist. Jeder Satz birgt eine tiefe theologische Bedeutung und ist ein Pfeiler des christlichen Glaubens.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Dieser erste Abschnitt etabliert Gott als den Ursprung aller Dinge, den souveränen Schöpfer des Universums. Er ist der Vater, was eine persönliche und liebende Beziehung zu seiner Schöpfung impliziert. Die Bezeichnung „Allmächtiger“ unterstreicht seine unbegrenzte Macht und Fähigkeit, alles zu tun, was seinem Willen entspricht. Es ist eine grundlegende Aussage über Gottes Souveränität und seine Rolle als Quelle des Lebens und der Existenz.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Dieser längste Teil des Bekenntnisses konzentriert sich auf Jesus Christus, die zentrale Figur des christlichen Glaubens. Jeder Satz fasst ein wesentliches Ereignis in seinem Leben, Tod und seiner Auferstehung zusammen, die die Grundlage der Erlösung bilden:
- Seiner Geburt und Menschwerdung: „empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“ – Dies betont die einzigartige göttliche und menschliche Natur Jesu.
- Seinem Leiden und Tod: „gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben“ – Die historische Realität seines Opfertodes zur Vergebung der Sünden wird hier klar benannt.
- Seiner Auferstehung und Himmelfahrt: „hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel“ – Dies sind die Kernereignisse, die den Sieg über Sünde und Tod bezeugen und die Hoffnung auf ewiges Leben begründen.
- Seiner Herrschaft und Wiederkunft: „er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten“ – Dies betont seine gegenwärtige Autorität und die Erwartung seiner Wiederkunft zur Vollendung der Geschichte.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.
Dieser letzte Teil widmet sich dem Heiligen Geist, der die Kirche belebt und befähigt. Es bekennt den Glauben an die „heilige christliche Kirche“ als die Gemeinschaft der Gläubigen, die durch den Heiligen Geist vereint ist. Die „Gemeinschaft der Heiligen“ betont die Verbundenheit aller Gläubigen, lebend und verstorben. Schließlich werden die Hoffnungen des Christen bekräftigt: die „Vergebung der Sünden“ durch Christi Opfer, die „Auferstehung der Toten“ als zukünftige Realität für alle Gläubigen und das „ewige Leben“ als Gottes ultimatives Geschenk. Das „Amen“ besiegelt die feierliche Bestätigung all dieser Glaubensaussagen.
Warum sprechen wir das Glaubensbekenntnis?
Das gemeinsame Sprechen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses im Gottesdienst hat mehrere Funktionen:
- Bekräftigung des kollektiven Glaubens: Es drückt aus, was die versammelte Gemeinde gemeinsam glaubt und worauf sie sich gründet.
- Historische Kontinuität: Es verbindet die Gläubigen von heute mit denen vergangener Generationen, die denselben Glauben bekannt haben.
- Persönliche Affirmation: Jeder Einzelne bekennt seinen eigenen Glauben öffentlich und bekräftigt seine Zugehörigkeit zur weltweiten Kirche.
- Lehrmittel: Es dient als prägnante Zusammenfassung der wichtigsten Glaubenswahrheiten und ist ein wichtiges Fundament für die theologische Bildung.
Wie wird Gottes Liebe sichtbar und erfahrbar?
Das Glaubensbekenntnis legt die Fakten des Glaubens dar, aber Gottes Liebe ist nicht nur eine theologische Aussage, sondern eine lebendige Erfahrung. Sie wird auf vielfältige Weise sichtbar und erfahrbar:
Die Bibel als Offenbarung Gottes Liebe
Die Bibel ist Gottes Wort und der primäre Maßstab für Glaube, Lehre und Leben. Sie teilt uns Gottes gute Absichten auf verständliche Weise mit. In ihr lesen wir von Gottes bedingungsloser Liebe, die sich durch die gesamte Heilsgeschichte zieht: von der Schöpfung über den Bund mit Israel bis hin zur ultimativen Offenbarung in Jesus Christus. Johannes 3,16, der wohl bekannteste Vers der Bibel, fasst es zusammen: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Die Geschichten von Vergebung, Barmherzigkeit und der unermüdlichen Suche Gottes nach dem Menschen offenbaren seine tiefe Zuneigung.
Liebe in Gemeinschaft und Dienst
Gottes Liebe wird auch durch die Gemeinschaft der Gläubigen erfahrbar. Wenn Menschen einander dienen, sich gegenseitig unterstützen, trösten und vergeben, spiegelt sich Gottes Liebe wider. Die Kirche, wie im Glaubensbekenntnis erwähnt, ist nicht nur eine Institution, sondern eine lebendige Gemeinschaft, in der die Liebe Gottes durch die Taten der Mitglieder sichtbar wird. Diakonie, Nächstenliebe und das Eintreten für Gerechtigkeit sind Ausdrucksformen dieser Liebe, die über bloße Worte hinausgehen.
Persönliche Erfahrung der Liebe Gottes
Jenseits der kollektiven und biblischen Offenbarung ist Gottes Liebe auch eine zutiefst persönliche Erfahrung. Dies kann geschehen durch:
- Gebet: Im Gespräch mit Gott erfahren viele Trost, Führung und das Gefühl seiner Nähe.
- Stille und Kontemplation: Momente der Ruhe ermöglichen es, Gottes Gegenwart zu spüren und seine Liebe in der Natur oder im eigenen Herzen wahrzunehmen.
- Überwindung von Schwierigkeiten: Oft wird Gottes treue Fürsorge und Unterstützung in herausfordernden Zeiten besonders deutlich.
- Inspiration und Führung: Das Gefühl, dass Gott einen leitet oder zu einer bestimmten Handlung ermutigt, kann ein starkes Zeichen seiner Liebe sein.
Es ist diese persönliche Beziehung, die den Glauben lebendig macht und das Bekenntnis nicht nur zu einer Wiederholung alter Worte, sondern zu einer persönlichen Wahrheit werden lässt.

Vergleich: Glaubensbekenntnis und persönlicher Glaube
| Aspekt | Apostolisches Glaubensbekenntnis | Persönliche Glaubenserfahrung |
|---|---|---|
| Form | Standardisierter, festgelegter Text | Individuell, dynamisch, wächst und verändert sich |
| Zweck | Grundlage des gemeinsamen Bekenntnisses, Lehrorientierung | Trost, Führung, Sinnfindung im Alltag |
| Beziehung zu Gott | Gott als Schöpfer, Richter, Erlöser (objektiv) | Gott als Vater, Freund, Helfer (subjektiv, relational) |
| Sichtbarkeit | Öffentlich gesprochen, schriftlich fixiert | In Handlungen, Haltungen, inneren Empfindungen |
| Verbindung | Verbindet mit der weltweiten und historischen Kirche | Verbindet direkt mit Gott und dem eigenen Selbst |
Das Glaubensbekenntnis bietet den Rahmen und die Sprache für den Glauben, während die persönliche Erfahrung diesen Rahmen mit Leben füllt und die abstrakten Wahrheiten konkret macht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist das Apostolische Glaubensbekenntnis das einzige Glaubensbekenntnis im Christentum?
Nein, es gibt andere wichtige Glaubensbekenntnisse, wie das Nicänische Glaubensbekenntnis, das ausführlicher ist und auf die theologischen Debatten des 4. Jahrhunderts reagierte, oder das Athanasische Glaubensbekenntnis. Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist jedoch aufgrund seiner Kürze und seines Alters das am weitesten verbreitete in westlichen Kirchen.
Muss ich jedes Wort des Glaubensbekenntnisses wörtlich nehmen?
Das Glaubensbekenntnis ist eine theologische Zusammenfassung. Während es die wesentlichen Glaubenswahrheiten ausdrückt, interpretieren Menschen die einzelnen Aussagen auf unterschiedliche Weise, oft im Rahmen ihrer jeweiligen kirchlichen Tradition. Der Kern ist das Bekenntnis zu Gott als Schöpfer, Jesus als Erlöser und dem Heiligen Geist als Beistand.
Wie kann ich Gottes Liebe im Alltag spüren?
Gottes Liebe ist oft in den kleinen Dingen des Lebens zu finden: in der Schönheit der Natur, in der Freundlichkeit anderer Menschen, in der inneren Ruhe, die man im Gebet findet, oder in der Kraft, die man unerwartet erhält, um Herausforderungen zu meistern. Achtsamkeit und Dankbarkeit können helfen, diese Zeichen der Liebe bewusster wahrzunehmen.
Ist das Glaubensbekenntnis nur für den Gottesdienst gedacht?
Obwohl es im Gottesdienst eine zentrale Rolle spielt, ist das Glaubensbekenntnis auch eine persönliche Glaubensgrundlage. Viele Christen nutzen es als tägliche Gebetsgrundlage oder als Zusammenfassung dessen, was sie glauben, um ihren Glauben zu reflektieren und zu festigen.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist somit nicht nur ein historisches Dokument, sondern ein lebendiges Bekenntnis, das die Gläubigen weltweit vereint und ihnen hilft, die Tiefe und Weite des christlichen Glaubens zu erfassen. Es erinnert uns an die fundamentalen Wahrheiten und an die unermessliche Liebe Gottes, die sich in Jesus Christus offenbart und durch den Heiligen Geist in unserem Leben erfahrbar wird. Es ist ein Aufruf, diesen Glauben nicht nur zu bekennen, sondern auch zu leben und die Liebe Gottes in die Welt zu tragen.
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