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Enttäuschungen – und wie der Herr heilt

02/07/2022

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Das Leben ist voller unvorhergesehener Wendungen, und nur wenige Erfahrungen sind so schmerzhaft und entmutigend wie die Enttäuschung. Ob es sich um zerbrochene Hoffnungen auf eine Person, ein Ereignis oder gar um das Scheitern eigener Erwartungen handelt – die Folgen sind oft Niedergeschlagenheit, Zweifel und manchmal sogar ein Abdriften in Resignation. Besonders für Gläubige stellt sich die Frage: Was sagt die Bibel über diese tiefgreifenden Erfahrungen, und wie können wir wahre Heilung finden, wenn unsere Erwartungen zunichtegemacht werden?

Inhaltsverzeichnis

Die Wurzel der Enttäuschung: Falsche Erwartungen

In Zeiten geistlicher Erweckung, wenn der Geist Gottes offensichtlich wirkt, mag der Weg eines Gläubigen von Freude und Begeisterung geprägt sein. Man wird vom Strom einer geistlichen Bewegung mitgerissen, und die Gemeinschaft mit anderen Glaubensgeschwistern stärkt und ermutigt. Doch was geschieht, wenn diese Zeiten des Aufschwungs abebben, wenn die Macht des Bösen wieder schmerzlich spürbar wird und auf die Flut des Erfolgs die Ebbe der Enttäuschung folgt? Oft setzt dann eine Phase der Mutlosigkeit ein, die umso schwerer wiegt, je größer der vorangegangene Erfolg und die darauf gestützten falschen Erwartungen waren.

Was sagt der Bibel über die Enttäuschung?
In Lukas 24,13-25 wird uns eine bewegende Geschichte mitgeteilt, die die inneren Erfahrungen zweier solcher Menschen illustriert und die Ursachen ihrer Enttäuschung offenbart. Aber der Heilige Geist zeigt uns auch das Heilmittel dagegen. Wir wollen einige Lektionen aus ihrer Geschichte durchnehmen.

Diese Dynamik ist ein typisches Kennzeichen unserer Zeit. Wir fragen uns: Wo sind die großen Missionserfolge? Wo finden wir noch örtliche Versammlungen, die zahlenmäßig wachsen? Liegt die Ursache für diesen scheinbaren Niedergang nicht oft darin, dass wir unsere Glaubensbeziehung zu Christus vernachlässigt haben? Eine solche Vernachlässigung kann das Tor für unbiblische Lehren und eine ausgeprägte Weltlichkeit öffnen, die viele ernste Christen enttäuscht und entmutigt zurücklässt.

Wir leben in einer besonderen Heilszeit, in der der Heilige Geist auf der Erde wohnt. Diese Epoche folgte auf die Zeit, in der der Sohn Gottes persönlich unter den Menschen lebte. Jene wenigen Jahre waren gefüllt mit den denkwürdigsten Ereignissen der Weltgeschichte und weckten in den Herzen vieler gläubiger Juden lebhafte Erwartungen an den verheißenen Messias. Sie träumten von einer Befreiung vom römischen Joch, einer umfassenden nationalen Erweckung und der prachtvollen Herrlichkeit eines Reiches unter Davids Sohn. Doch dann starb Er am Kreuz – und die anfängliche Euphorie wich der tiefsten Enttäuschung.

Das ergreifende Beispiel der Emmaus-Jünger

Eine der bewegendsten Geschichten, die uns die inneren Erfahrungen solcher enttäuschter Menschen vor Augen führt und zugleich das göttliche Heilmittel offenbart, finden wir in Lukas 24,13-25. Zwei Jünger waren auf dem Weg nach Emmaus, sechzig Stadien von Jerusalem entfernt – dem damaligen Zentrum des göttlichen Wirkens. Sie entfernten sich von diesem Ort, weil sie tief entmutigt und zutiefst enttäuscht waren.

Ihre Erwartungen an den Messias waren immens. Sie hatten sich vorgestellt, dass Jesus Israel vom römischen Joch befreien, eine nationale Erweckung herbeiführen und ein glorreiches Reich unter seiner Herrschaft errichten würde. „Wir aber hofften“, sagten sie, „dass er der sei, der Israel erlösen solle“ (V. 21). Drei Jahre lang hatten sie seinen Anspruch auf den Königsthron unterstützt. Doch diese „Vision“ war abrupt zerstört worden. Statt den Kaiser zu stürzen und den Thron Davids einzunehmen, war Jesus von kaiserlichen Soldaten ans Kreuz genagelt worden. Das Volk hatte sogar gerufen: „Wir haben keinen König als nur den Kaiser“ (Joh 19,15). Tieftraurig und unfähig, diesen plötzlichen und dramatischen „Absturz“ ihres Messias zu erklären, waren die beiden im Begriff, ihre Jüngerschaft abzulegen und nach Hause zurückzukehren.

Das Eingreifen des Herrn und die Offenbarung der Wahrheit

Während sie sich unterhielten und ihre Sorgen austauschten, näherte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Doch ihre Augen wurden gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. Seine erste Frage war einfach: „Was sind das für Reden, die ihr im Gehen miteinander wechselt?“ Und sie blieben niedergeschlagen stehen. Kleopas antwortete daraufhin: „Bist du der Einzige, der in Jerusalem weilt und nicht erfahren hat, was in ihr geschehen ist in diesen Tagen?“ (V. 15-19). Jesus wollte, dass sie ihr Problem in Worte fassten und es Ihm anvertrauten.

Nachdem sie Ihm ihr Herz ausgeschüttet hatten, offenbart Er die eigentliche Wurzel ihrer Betrübnis: „O ihr Unverständigen und trägen Herzens, an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn selbst betraf“ (V. 25-27).

Hier werden zwei entscheidende Tatsachen deutlich:

  1. Enttäuschungen bei Gläubigen entstehen meist durch falsche Erwartungen, die nicht auf dem vollständigen Wort Gottes basieren. Die Schrift sagte nichts davon, dass Christus „einfach so“ sein Volk erretten würde, ohne vorheriges Leiden.
  2. Ungerechtfertigte Erwartungen werden oft gehegt, weil nur ein Teil der Schrift berücksichtigt wird, statt „alles, was die Propheten geredet haben.“ Es gab zweifellos Stellen, die einen Messias in Macht und Herrlichkeit voraussagten, der Israel von jedem Joch befreien würde. Aber es gab eben auch andere, die von einem erniedrigten Messias sprachen – einem, der von den Menschen verachtet und abgelehnt sein würde und den Gott wegen der Sünden seines Volkes zerschlagen würde (Jes 53,3.10). Diese Stellen übersahen sie. Sie waren so stark auf die Prophezeiungen über seine Herrlichkeit fokussiert, dass ihnen die Voraussagen seiner Leiden eher mysteriös und undeutlich erschienen. Sie meinten, sie ignorieren zu dürfen, da sie scheinbar von keinem besonderen Interesse waren. Folglich kam es ihnen nicht in den Sinn, dass der Christus zuerst „dies leiden“ und dann „in seine Herrlichkeit eingehen“ würde.

Typische Enttäuschungen in unserer Zeit

Fast zwei Jahrtausende sind vergangen, seit Kleopas und sein Begleiter ihren sorgenvollen Weg gingen. Doch die Grundzüge ihrer Geschichte werden immer noch von einer Vielzahl enttäuschter Christen nacherlebt. Die Muster der Enttäuschung sind erstaunlich konstant, auch wenn sich die konkreten Umstände geändert haben.

Die Enttäuschung über die eigene Unvollkommenheit

Ein Beispiel ist der Gläubige, der nach seiner Bekehrung nach völliger Vollkommenheit strebte. Er glaubte, dass die Sünde in ihm vollständig ausgelöscht werde. Doch mit der Zeit musste er zu seinem großen Kummer entdecken, dass die Sünde noch immer in ihm lebte und wirkte. Diese Erkenntnis kann zu tiefer Entmutigung führen, zu einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Frage, ob man überhaupt gerettet ist. Die Bibel lehrt uns zwar, dass wir von der Herrschaft der Sünde befreit sind („Die Sünde wird nicht über euch herrschen“, Röm 6,14), doch sie macht auch deutlich, dass die Gegenwart der Sünde in uns bis zur Verherrlichung bestehen bleibt („Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst“, 1. Joh 1,8). Selbst der Apostel Paulus, der in den dritten Himmel entrückt wurde, brauchte einen Dorn für das Fleisch, um nicht überheblich zu werden. Wenn wir diesen Unterschied nicht beachten, führt dies unweigerlich zu Enttäuschung und einem „Schiffbruch im Glauben“ (1. Tim 1,19).

Die Enttäuschung über den ausbleibenden Missionserfolg

Ein anderer ernsthafter christlicher Arbeiter, der sich mit großem Eifer in der Mission betätigte, glaubte fest an das baldige Kommen des Tausendjährigen Reiches. Der Gedanke, dass das Evangelium dann triumphieren und von einem Sieg zum nächsten schreiten würde, erfüllte ihn mit Begeisterung. Doch die Erkenntnis, dass die Zahl der sich neu zum Christentum bekennenden Menschen nicht mit dem Anstieg der Weltbevölkerung Schritt hält und die Triumphe des Evangeliums in heidnischen Ländern oft durch Rationalismus und Ritualismus in den Heimatländern des Christentums überschattet werden, kann zutiefst desillusionierend wirken. Solche Gläubige verlieren oft den Mut, das Evangelium weiterhin zu verbreiten.

Zweifellos sind die prophetischen Schriften voller Vorhersagen über eine wunderbare Segenszeit für diese Erde, das sogenannte „Tausendjährige Reich“, in dem Christus seine Herrschaft über alle Nationen ausüben wird. Gewaltige geistliche Bewegungen werden stattfinden, und Gerechtigkeit und Frieden werden weltweit gedeihen. Doch die Bibel lehrt uns auch, dass zunächst das Gericht kommen muss („Wenn deine Gerichte die Erde treffen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit“, Jes 26,9). Und für die heutige Zeit gilt, dass Gott sich ein Volk für seinen Namen aus den Nationen herausnimmt (Apg 15,14) – ein Prozess, der oft im Verborgenen und unter Widerstand stattfindet, nicht immer in spektakulären Massenbekehrungen.

Die Enttäuschung über die zerbrochene Einheit der Kirche

Ein drittes Beispiel ist jemand, der sich einer religiösen Bewegung anschloss, in der Hoffnung, eine wirkliche Befreiung in der Christenheit auszulösen und die „Musterkirche“ gefunden zu haben, errichtet auf den Grundlagen der Apostel und der Urgemeinde. Die Erwartung war, dass diese Bewegung zu einem Zentrum werden würde, das alle Christen zusammenbringt. Doch die Realität zeigt oft Verwirrung, Scheitern bei Versuchen, christliche Einheit und Ordnung darzustellen, und eine innere Fäulnis oder Korruption, die äußere Einheit auf Kosten der Reinheit praktiziert. Die rosigen Erwartungen, die anfangs so lebendig waren, werden rücksichtslos zunichtegemacht, was zu tiefer Traurigkeit und Depression führt.

Was soll man den vielen Christen sagen, die angesichts ihres eigenen Versagens oder des Versagens ihrer Glaubensgenossen in Bezug auf den gemeinsamen Dienst oder die praktische Gemeinschaft enttäuscht und verzweifelt sind? Welcher ernsthafte Jünger des Herrn Jesus ist nicht umgeben von den Trümmern von „Denominationen“, „Gruppierungen“ oder anderen kirchlichen Vereinigungen, ganz gleich, ob sie ursprünglich im Einklang mit biblischen Grundsätzen gegründet wurden oder nicht? In manchen Fällen hat der sichtbare Zerfall nichts als Bruchstücke hervorgebracht; in anderen wurde äußere Einheit auf Kosten der Reinheit praktiziert. Im Innern greifen Fäulnis und Korruption um sich. All diese Enttäuschungen resultieren oft aus einer ähnlichen Fehleinschätzung wie bei den Emmaus-Jüngern: Die eigene „Vision“ oder Bewegung rückt in den Vordergrund, während Christus selbst in den Hintergrund gedrängt wird. Wie Kleopas, der sagte: „Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle“, können wir unbewusst unser eigenes „Israel“ errichten, dessen Erfolg uns wichtiger ist als alles andere.

Das Heilmittel: Drei Säulen biblischer Heilung

Gott sei Dank gibt es ein klares Heilmittel für Enttäuschungen, das uns im Bericht der Emmaus-Jünger deutlich aufgezeigt wird. Es besteht aus drei wesentlichen, miteinander verbundenen Punkten:

1. Die Ganzheit der Heiligen Schrift beachten

Dies ist von grundlegender Bedeutung und wird in Lukas 24 nicht weniger als dreimal betont: „alles […], was die Propheten geredet haben“, „von allen Propheten anfangend“ und „in allen Schriften“ (V. 25-27). Wir lernen daraus, dass wir beim Lesen der Schrift nicht in den Fehler verfallen dürfen, bestimmte Passagen zu bevorzugen und dafür andere teilweise oder völlig zu ignorieren. Enttäuschung entsteht oft, wenn wir uns nur auf die Teile der Bibel konzentrieren, die unsere aktuellen Wünsche oder Hoffnungen bestätigen, und die Passagen ausblenden, die von Leiden, Prüfungen oder Gottes übergeordneten Plänen sprechen, die nicht sofort unseren Vorstellungen entsprechen.

Auch müssen wir uns davor hüten, bei der Interpretation der Schrift in irgendeiner Weise voreingenommen zu sein, „indem ihr dies zuerst wisst, dass keine Weissagung der Schrift von eigener Auslegung ist“ (2. Pet 1,20). Eine Schriftstelle darf also nicht isoliert ausgelegt werden, sondern muss stets in Beziehung zur Gesamtheit der biblischen Lehre beleuchtet werden. Die genaue Bedeutung einer kleinen Figur in der Ecke eines großartigen Gemäldes von einem berühmten Meister kann man auch nur dann bestimmen, wenn man den zentralen Gedanken des Bildes und das Bild selbst als Ganzes kennt. Nur die ganze Schrift gibt uns ein vollständiges und ausgewogenes Bild von Gottes Wahrheit.

2. Christus als Thema und Mittelpunkt der ganzen Schrift

Jesus erklärte den beiden Jüngern in allen Schriften „das, was ihn selbst betraf“ (V. 27). Man beachte: nicht was Israel betraf, sondern was Ihn betraf! Welche Offenbarungen wurden ihren erstaunten Herzen auf dem Rest dieses Weges eröffnet! Kein Wunder, dass ihr Herz in ihnen brannte (V. 32). So war letztlich doch nicht alles vorbei, auch wenn Israels Erlösung in undefinierte Ferne gerückt zu sein schien. Die Erkenntnis, dass Christus als Mittelpunkt aller Ratschlüsse Gottes steht, ist befreiend. Es ist nicht unsere Bewegung, unser Erfolg oder unsere Vision, die zählt, sondern Er.

Im Verlauf dieser wunderbaren Auslegung der ganzen Schrift hat der Herr sicher auch Jesaja 49,5.6 berücksichtigt: „Israel ist nicht gesammelt worden; aber ich bin geehrt in den Augen des HERRN, und mein Gott ist meine Stärke geworden -, ja, er spricht: Es ist zu gering, dass du mein Knecht seist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten von Israel zurückzubringen. Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um meine Rettung zu sein bis an das Ende der Erde.“ Das Motto einer jeden Abhandlung über diese Schriftstelle muss notwendigerweise sein: „Nicht Israel, sondern Christus ist der Mittelpunkt“.

3. Der auferstandene Christus, im Glauben erkannt als der vereinende Mittelpunkt seines Volkes

Die Geschichte der beiden Emmaus-Jünger erreicht ihren Höhepunkt, als sie zu Hause ankommen. Sie bitten den Fremden, bei ihnen einzukehren. Doch als der eingeladene Gast beim Abendessen plötzlich den Platz des Gastgebers einnimmt und das Brot bricht, werden ihre Augen aufgetan und sie erkennen Ihn. Direkt danach wird Er vor ihnen unsichtbar (V. 30.31). Sie hatten den Messias, wie sie Ihn zuvor dem Fleisch nach gekannt hatten, verloren. Aber jetzt konnten sie einen ersten flüchtigen Blick des Erkennens auf Ihn als den auferstandene Christus werfen – und dieser Blick veränderte sie völlig. Zwar hatten sie vorher unter seiner Anleitung gesehen, dass Er selbst das Thema der ganzen Schrift ist. Aber selbst, als sie Ihm zuhörten und dadurch ihr Herz in ihnen brannte, sahen sie Ihn nur mit ihren natürlichen Augen. Sie erkannten Ihn nicht. Aber „an dem Brechen des Brotes“ erkannten sie Ihn nun im Glauben (V. 35) – und Er wurde vor ihnen unsichtbar. Was für ein Tausch!

An diesem Punkt wurde ihre Enttäuschung in Freude verwandelt. Statt dass alles vorbei war, war nun alles sicher. Ihr Weinen im Dunkel der Nacht war vorüber und ihre Seelen tauchten in das Licht des Auferstandenen. Ihre Sonne war nicht hinter Sturmwolken untergegangen, um – wie sie gedacht hatten – nie wieder hervorzutreten. Er hatte um ihretwillen eine kurze, aber schreckliche Finsternis erlitten und war nun aus dem Schatten des Todes hervorgetreten, um nie wieder in diesen Schatten einzutreten. Durch diese Entdeckung wurden sie verändert. Nachdem ihre Enttäuschung geheilt war, hielt es sie nicht länger an diesem falschen Platz. „Sie standen zu derselben Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Und sie fanden die Elf und die, die mit ihnen waren, versammelt … Und sie erzählten, was auf dem Weg geschehen war und wie er von ihnen erkannt worden war an dem Brechen des Brotes. Während sie aber dies redeten, trat er selbst in ihre Mitte“ (V. 33.35.36).

Die Ruhe und Freude, die in diesem Moment ihre Herzen erfüllten, kann jeder enttäuschte Gläubige auch heute erlangen – aber nur auf eben diese Weise. Christus, und Christus allein, ist das Ziel der Gedanken Gottes. Demzufolge ist es nicht sein Ziel, dass sich die Gläubigen in Selbstzufriedenheit mit der ihnen verliehenen eigenen Heiligkeit beschäftigen, sondern dass sie im Bewusstsein ihrer eigenen Schwachheit zufrieden in Christus sind. Gottes Ziel in der Welt sind nicht bloß dem Menschen dienende „Bekehrungsbewegungen“, sondern die Erwählung eines Volkes für Christus. Gott befasst sich heute nicht mit der Errichtung einer kirchlichen Einheit – denn diese ist nach außen hin ein für alle Mal zusammengebrochen –, sondern damit, Christus zu erhöhen. Er soll der vereinende Punkt in dem Glauben und der Liebe seines Volkes sein, damit Er eine klare Realität für sie wird und unter ihnen groß gemacht wird, sei es im Leben oder im Tod. Wenn dies geschieht, wird auch ein großes Maß an Einheit – nämlich die Einheit des Geistes – erreicht werden, wenn auch in aller Schwachheit und Unvollkommenheit.

Tabelle: Enttäuschung verstehen – Biblische Perspektive

Um die unterschiedlichen Blickwinkel besser zu veranschaulichen, hier eine Gegenüberstellung von typischen Enttäuschungsursachen und der korrigierenden biblischen Wahrheit:

EnttäuschungsgrundFalsche oder unvollständige ErwartungDie biblische Wahrheit
Eigene Unvollkommenheit (Sünde)Glaube an völlige Sündlosigkeit nach der Bekehrung.Befreiung von der Herrschaft der Sünde, aber die Präsenz der Sünde bleibt bis zur Verherrlichung (Röm 6,14; 1. Joh 1,8). Der Kampf ist Teil des Glaubensweges.
Ausbleibender MissionserfolgErwartung eines globalen, triumphierenden Evangeliums in dieser Zeit.Gott nimmt sich ein Volk für seinen Namen aus den Nationen heraus (Apg 15,14). Das volle Reich kommt nach dem Gericht.
Zerfall der KircheneinheitHoffnung auf eine sichtbare, perfekte "Musterkirche" auf Erden, die alle vereint.Äußere Einheit ist zerbrochen. Gottes Ziel ist die Erhöhung Christi als den vereinenden Punkt des Glaubens und der Liebe seines Volkes, was zur Einheit des Geistes führt.
Politische/Nationale ErlösungDer Messias wird ein irdisches Königreich errichten und politische Freiheit bringen.Christus musste leiden und in seine Herrlichkeit eingehen (Lk 24,26). Seine Herrschaft ist zuerst geistlich, dann erst irdisch in Vollendung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum lässt Gott Enttäuschungen zu?

Enttäuschungen sind oft ein schmerzhaftes, aber notwendiges Mittel, um uns von falschen Erwartungen und einem Fokus auf irdische oder menschliche Dinge abzubringen. Sie können uns lehren, unsere Hoffnung allein auf Gott und Sein Wort zu setzen und uns zu einer tieferen Erkenntnis Christi zu führen. Wie bei den Emmaus-Jüngern können sie der Weg zur Offenbarung tieferer Wahrheiten sein.

Wie kann ich meine Erwartungen biblisch fundieren?

Indem Sie die ganze Schrift studieren und nicht nur ausgewählte Passagen. Achten Sie darauf, wie die Bibel über Gottes Pläne, die Natur des Menschen und die Rolle Christi spricht. Verstehen Sie, dass Christus als Mittelpunkt der gesamten biblischen Botschaft ist und dass Gottes Wege oft nicht unseren menschlichen Vorstellungen entsprechen.

Was tun, wenn ich mich von Gott enttäuscht fühle?

Es ist wichtig, diese Gefühle nicht zu verdrängen, sondern sie im Gebet vor Gott zu bringen. Suchen Sie die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen, die Sie ermutigen und Ihnen helfen können, die Schrift neu zu beleuchten. Konzentrieren Sie sich bewusst auf den auferstandene Christus und Seine Souveränität, auch wenn die Umstände schwierig sind. Vertrauen Sie darauf, dass Er Ihre Augen öffnen kann, wie Er es bei den Emmaus-Jüngern tat.

Kann Enttäuschung im Glauben auch positiv sein?

Ja, absolut. Obwohl schmerzhaft, kann Enttäuschung ein Katalysator für geistliches Wachstum sein. Sie zwingt uns, unsere Annahmen zu hinterfragen und eine festere Grundlage in Christus und Seinem Wort zu finden. Sie kann uns demütig machen und uns lehren, unsere Abhängigkeit von Gott zu erkennen, anstatt auf eigene Stärke oder menschliche Bewegungen zu vertrauen. Eine geheilte Enttäuschung führt zu tieferer Freude und Gewissheit.

Wie hilft mir die Bibel konkret bei Enttäuschung?

Die Bibel hilft, indem sie unsere Perspektive korrigiert. Sie zeigt uns, dass Gottes Pläne größer sind als unsere eigenen und dass Leiden oft dem Eintritt in Herrlichkeit vorausgeht. Sie offenbart Christus als Mittelpunkt aller Dinge und den auferstandene Christus als unsere lebendige Hoffnung. Durch das Lesen und Meditieren über die gesamte Schrift können wir lernen, unsere Hoffnungen auf eine unerschütterliche Grundlage zu stellen und Frieden in den schwierigsten Zeiten zu finden.

Fazit und Ausblick

Die Erfahrung der Enttäuschung ist unvermeidlich in dieser gefallenen Welt. Doch die biblische Botschaft bietet uns nicht nur Trost, sondern auch einen klaren Weg zur Heilung und zu einer unerschütterlichen Hoffnung. Der Schlüssel liegt darin, unsere Erwartungen stets und mit Bedacht auf die ganze Schrift zu gründen und damit zufrieden zu sein, dass Christus, seine Herrlichkeit, sein Ruhm, seine Interessen und vor allem der Vorzug, Ihn zu kennen, unser wunderbares Teil ist! Wenn wir Ihn als den glorreichen Mittelpunkt aller Ratschlüsse Gottes und als den auferstandenen und lebendigen Herrn unseres Glaubens erkennen, werden wir auch in den schwierigsten Umständen mit Zuversicht und Freude unseren Weg gehen. Unsere Enttäuschungen können dann zu Sprungbrettern werden, die uns zu einer tieferen, festeren und wahrhaft biblischen Hoffnung führen, bis das strahlende Ziel erreicht ist.

Mögen wir alle diese Lektionen aus der Geschichte der Emmaus-Jünger lernen und durch die Kraft des Heiligen Geistes unsere Augen auf den Herrn Jesus Christus richten, der allein unser Herz heilen und mit wahrer Freude erfüllen kann.

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