07/03/2022
Die Besorgnis über den sogenannten „bösen Blick“ oder "Ayn" ist in vielen Kulturen tief verwurzelt und findet auch im Islam Anerkennung. Es ist verständlich, sich Sorgen zu machen, besonders wenn man das Gefühl hat, dass die eigenen Segnungen Neid hervorrufen könnten. Der Islam bietet klare Leitlinien und wirksame Methoden, um sich vor dieser Art von Schaden zu schützen und gegebenenfalls Heilung zu finden. Dieser Artikel beleuchtet die islamische Perspektive auf den bösen Blick, erklärt, wie man sich davor schützen kann und welche Behandlungen im Einklang mit der Sunnah des Propheten Muhammad (Friede und Segen Allahs seien auf ihm) stehen.

Es ist ein Segen von Allah, mit attraktiven Eigenschaften gesegnet zu sein, und es ist nur natürlich, dass man diese Segnungen genießen möchte, ohne dass sie zu einer Quelle von Unruhe im eigenen Leben werden. Die islamische Lehre bietet hierfür nicht nur spirituellen Schutz, sondern auch praktische Anweisungen, die das persönliche Wohlbefinden und den Seelenfrieden fördern. Wichtig ist dabei, sich stets auf Allah zu verlassen und die von Ihm offenbarten Wege zu beschreiten.
Der Hijaab: Ein umfassender Schutz im Islam
Ihre Frage bezüglich des Schutzes, ohne das Gesicht zu verhüllen, berührt einen zentralen Aspekt der islamischen Lehre: den Hijaab. Es ist von größter Bedeutung zu wissen, dass der Hijaab eine obligatorische Vorschrift im Islam ist, die von Allah selbst im Qur'an festgelegt wurde. Allah sagt im Qur'an (Bedeutungsauslegung): „O ihr, die ihr glaubt! Tretet vollkommen in den Islam ein (indem ihr alle Regeln und Vorschriften der islamischen Religion befolgt) und folgt nicht den Fußstapfen des Shaytaan (Satan). Wahrlich, er ist für euch ein schlichter Feind.“ (Al-Baqarah 2:208).
Ibn Kathir, ein renommierter islamischer Gelehrter, erklärte dazu: „Allah befiehlt Seinen gläubigen Sklaven, sich an alle Regeln und Gesetze des Islam zu halten, alle Gebote zu befolgen und alle Verbote zu beachten.“ Dies bedeutet, dass ein Muslim oder eine Muslima keine Vorschriften nach Belieben auswählen oder ignorieren kann. Die vollständige Hingabe an Allah erfordert die Einhaltung aller Seiner Gebote.
Für gläubige Frauen bedeutet dies, ihren Schmuck und ihre Schönheit nicht den Nicht-Mahram (Männern, die keine direkten Verwandten sind und die man heiraten könnte) zu zeigen, außer dem, was offensichtlich ist. Allah sagt (Deutung der Bedeutung): „... und ihren Schmuck nicht zu zeigen, außer dem, was offensichtlich ist (wie beide Augen, um den Weg zu sehen, oder äußere Handflächen oder ein Auge oder Kleidung wie Schleier, Handschuhe, Kopfbedeckung, Schürze), und ihre Schleier über die ganze Juyoobihinna zu ziehen (d.h. ihre Körper, Gesichter, Hälse und Brüste) zu verhüllen und ihren Schmuck nicht zu enthüllen außer für ihre Ehemänner oder ihre Väter oder die Väter ihrer Ehemänner oder ihre Söhne oder die Söhne ihrer Ehemänner oder ihre Brüder oder die Söhne ihrer Brüder oder die Söhne ihrer Schwestern oder ihre (muslimischen) Frauen (d.h. ihre Schwestern im Islam) oder die (weiblichen) Sklaven, die ihre rechte Hand besitzt, oder alte männliche Diener, denen es an Kraft mangelt, oder kleine Kinder, die keinen Sinn für das weibliche Geschlecht haben. Und sie sollen nicht mit den Füßen aufstampfen, um das zu enthüllen, was sie von ihrer Zierde verbergen. Und ihr alle bittet Allaah um Vergebung für euch, o ihr Gläubigen, damit ihr erfolgreich seid“ (Al-Noor 24:31).
Das Befolgen von Allahs Gebot, den Hijaab zu tragen, dient nicht nur der Einhaltung einer religiösen Pflicht, sondern ist auch ein Schutz für die Frau selbst. Es schützt sie vor unerwünschter Aufmerksamkeit und potenziell schädlichem Neid. Die Einhaltung dieser Vorschrift bewahrt Sie, so Allah will, vor dem bösen Blick im Diesseits und vor Allahs Strafe im Jenseits. Es ist ein Akt des Gehorsams, der tiefe Weisheit und Schutz birgt.
Die Gefahr von Amuletten und Talismanen
Ihre Frage nach dem Tragen von Koranschriften oder Halsketten und Anhängern in Form eines Auges oder einer Hand ist sehr wichtig. Im Islam ist das Tragen solcher Gegenstände als Schutz vor dem bösen Blick streng verboten und wird als Schirk (Götzendienst oder Beigesellung) betrachtet. Dies bedeutet, dass man eine Macht oder einen Schutz jemand anderem als Allah zuschreibt, was eine der größten Sünden im Islam ist.
Imaam Ahmad überlieferte in seinem Musnad von Uqbah ibn Aamir (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass der Prophet (Friede und Segen Allahs seien auf ihm) sagte: „Wer ein Amulett trägt, möge Allah sein Bedürfnis nicht erfüllen, und wer Muscheln [zum Schutz vor dem bösen Blick] trägt, möge Allah ihn nicht beschützen.“ In einem anderen Bericht heißt es, dass eine Gruppe zum Gesandten Allahs kam, und er nahm die Bay’ah (Treue) von neun von ihnen an, aber nicht von einem. Als sie fragten, warum, sagte er: „Er trägt ein Amulett.“ Dann nahm er es in die Hand, zerbrach es, und der Prophet akzeptierte seine Bay’ah. Er sagte auch: „Wer auch immer ein Amulett trägt, ist des Schirk schuldig.“
Dies schließt auch das Tragen von Koranschriften in Form von Amuletten oder auf Schmuck ein, da dies dem Geiste des Islam widerspricht. Die Kraft des Qur'ans liegt in seiner Rezitation, seinem Verständnis und der Anwendung seiner Lehren, nicht in seiner physischen Form als Schmuckstück. Das Anbringen von Augen- oder Handformen, die in einigen Kulturen als Schutzsymbole gelten, ist ebenfalls nicht erlaubt, da sie auf vorislamischen oder nicht-islamischen Überzeugungen beruhen und vom Konzept des reinen Monotheismus (Tauhid) abweichen, das besagt, dass nur Allah Schutz gewähren kann.
Der wahre Schutz kommt allein von Allah, und das Vertrauen in Amulette oder Talismane ist ein Zeichen mangelnden Vertrauens in Seine Allmacht und Seinen Schutz.
Spirituelle Schutzmaßnahmen aus dem Islam
Der beste Schutz vor dem bösen Blick und Hasad (zerstörerischem Neid) liegt in der Nähe zu Allah, im ständigen Gedenken an Ihn (Dhikr) und im Lesen des Qur'ans. Eine Person, die ihr Leben nach islamischen Prinzipien ausrichtet und Allah aufrichtig dient, ist weniger anfällig für diese Übel. Der Prophet Muhammad (Friede und Segen Allahs seien auf ihm) pflegte stets Zuflucht bei Allah zu suchen, und er lehrte uns die mächtigsten Mittel dazu.
Die Kraft des Qur'ans
Das Lesen des Buches Allahs ist das größte Mittel, das dem Muslim zur Verfügung steht, um Zuflucht zu suchen. Insbesondere die folgenden Suren und Verse sind von großer Bedeutung:
- Al-Mi'wadhatayn: Dies sind die letzten beiden Suren des Qur'ans, Al-Falaq (Sure 113) und An-Naas (Sure 114). Sie sind spezifische Bittgebete um Schutz vor dem Übel der Schöpfung und vor dem Übel der Menschen und Dschinn. Der Prophet pflegte diese Suren häufig zu rezitieren, besonders vor dem Schlafengehen.
- Sure Al-Faatihah: Die Eröffnungssure des Qur'ans, die auch als „Mutter des Qur'ans“ bekannt ist. Sie enthält eine Bitte um Rechtleitung und Schutz.
- Ayat Al-Kursiy: Der Thronvers (Sure Al-Baqarah 2:255) ist einer der mächtigsten Verse im Qur'an. Er beschreibt Allahs Majestät und Allmacht. Das Rezitieren dieses Verses nach den Pflichtgebeten und vor dem Schlafengehen bietet umfassenden Schutz.
Prophetische Bittgebete (Du'aa)
Neben der Qur'an-Rezitation gibt es spezifische Du'aas, die vom Propheten (Friede und Segen Allahs seien auf ihm) überliefert wurden und die als Schutz dienen:
- „A’oodhu bi kalimaat Allaah al-taammaati min sharri maa khalaq.“ (Ich suche Zuflucht bei den vollkommenen Worten Allahs vor dem Übel dessen, was Er geschaffen hat.) Dieser Du'aa sollte morgens, abends und bei Angst oder Unbehagen rezitiert werden.
- „A’oodhu bi kalimaat Allaah al-taammah min kulli shaytaanin wa haammah wa min kulli ‚aynin laammah.“ (Ich suche Zuflucht bei den vollkommenen Worten Allahs, vor jedem Teufel und jedem giftigen Reptil und vor jedem bösen Auge.) Diesen Du'aa pflegte der Prophet (Friede und Segen Allahs seien auf ihm) für seine Enkel Hasan und Husayn zu rezitieren, und er erwähnte, dass auch Ibraaheem (Abraham) ihn für seine Söhne Ismaa’eel und Ishaaq verwendete. Der Begriff „laammah“ bezieht sich hier auf jede Krankheit oder jeden Schaden, der durch den bösen Blick entstehen kann, einschließlich Wahnsinn oder geistiger Störung.
- „Bismillaahi arqeeka min kulli shay’in yu’dheeka, min sharri kulli nafsin aw ‚aynin haasid Allaahu yashfeek, bismillaahi arqeek.“ (Im Namen Allahs führe ich Ruqyah für dich durch, von allem, was dir schadet, von dem Übel jeder Seele oder des neidischen Auges möge Allah dich heilen, im Namen Allahs führe ich Ruqyah für dich durch.) Dieser Du'aa wurde von Jibreel (Gabriel) rezitiert, als er den Propheten (Friede und Segen Allahs seien auf ihm) besuchte, als dieser krank war. Er kann von der betroffenen Person selbst oder von einer anderen Person, die Ruqyah durchführt, rezitiert werden.
Das regelmäßige Rezitieren der morgendlichen und abendlichen Adhkaar (Erinnerungen an Allah) sowie der Adhkaar vor dem Schlafengehen ist von immenser Bedeutung. Diese Gebete bilden eine spirituelle Festung um den Muslim herum und schützen ihn mit Allahs Erlaubnis vor dem bösen Blick und anderen Schäden. Es erfordert Disziplin und Beständigkeit, aber die Belohnung und der Schutz sind unermesslich.
Ruqyah: Die islamische Heilmethode
Neben den präventiven Maßnahmen ist die Ruqyah eine der effektivsten Behandlungen, wenn eine Person bereits vom bösen Blick betroffen ist. Ruqyah ist eine Form der Heilung durch das Rezitieren von Versen aus dem Qur'an und authentischen Bittgebeten des Propheten (Friede und Segen Allahs seien auf ihm). Der Gesandte Allahs erlaubte und wies die Menschen an, Ruqyah zum Schutz vor dem bösen Blick zu verwenden.
Aisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtete: „Der Gesandte Allahs (Friede und Segen Allahs seien auf ihm) befahl mir, oder er befahl (den Menschen), Ruqyah zu benutzen, um mit dem bösen Blick umzugehen.“ (Überliefert von Al-Bukhari). Dies unterstreicht die Legitimität und Wichtigkeit von Ruqyah als Behandlungsmethode im Islam.
Anwendung der Ruqyah
Die Ruqyah kann von der betroffenen Person selbst durchgeführt werden oder von einer anderen Person. Es ist wichtig, dass die Person, die Ruqyah durchführt, aufrichtig gläubig ist und nur Allah um Heilung bittet, ohne dabei auf verbotene Praktiken oder Amulette zurückzugreifen. Die Rezitation sollte mit aufrichtiger Absicht und vollem Vertrauen in Allahs Heilkraft erfolgen.
Spezifische Behandlung, wenn der Verursacher bekannt ist
Eine einzigartige Methode, die im Islam zur Behandlung des bösen Blicks empfohlen wird, wenn die Person, die den Blick geworfen hat, bekannt ist, ist folgende: Aisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtete: „Dem Mann, der den bösen Blick warf, wurde befohlen, Wudu‘ zu machen, und dann wusch sich der Betroffene mit (dem Wasser).“ (Überliefert von Abu Dawud). Der Verursacher des bösen Blicks sollte Wudu (rituelle Waschung) durchführen, und das Wasser, das dabei von seinem Körper abfließt, sollte von der betroffenen Person verwendet werden, um sich damit zu waschen. Dies ist eine spezifische Anweisung, die die einzigartige Natur des bösen Blicks und seine Behandlung im Islam verdeutlicht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Bedeutet ein besseres Praktizieren des Islam, dass der böse Blick verschwindet?
Es ist ein großer Segen und ein Zeichen für Allahs Barmherzigkeit, dass Sie nun den Islam besser praktizieren. Dies stärkt zweifellos Ihre spirituelle Immunität und macht Sie widerstandsfähiger gegenüber Übeln wie dem bösen Blick. Wenn Sie bereits vom bösen Blick betroffen waren und sich nun Allah stärker zuwenden, kann dies in der Tat dazu führen, dass die Auswirkungen des bösen Blicks nachlassen oder verschwinden, da Ihre Verbindung zu Allah, dem ultimativen Beschützer, gestärkt wird. Es ist jedoch nicht garantiert, dass er vollständig verschwindet, ohne dass man die spezifischen Schutz- und Heilmittel anwendet, die der Islam bietet. Das regelmäßige Praktizieren der empfohlenen Dhikr und Du'aas ist entscheidend.
Muss der Koran über mich gelesen werden, damit der böse Blick verschwindet?
Das Rezitieren des Qur'ans (Ruqyah) über sich selbst oder durch eine andere Person ist eine der effektivsten und von der Sunnah bestätigten Methoden zur Behandlung des bösen Blicks. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie betroffen sind, ist es sehr empfehlenswert, die oben genannten Qur'an-Verse und Du'aas regelmäßig selbst zu rezitieren oder eine vertrauenswürdige, praktizierende Person zu bitten, Ruqyah für Sie durchzuführen. Es ist ein direktes Mittel zur Heilung und zur Suche nach Zuflucht bei Allah.
Wie kann ich mich davor schützen, dass es mir wieder passiert?
Der beste Schutz ist ein umfassender Ansatz, der die folgenden Punkte umfasst:
- Hingabe an Allah: Befolgen Sie alle islamischen Vorschriften, einschließlich des Hijaab, da dies ein fundamentaler Schutz ist.
- Regelmäßiger Dhikr: Halten Sie an den täglichen morgendlichen und abendlichen Adhkaar fest, sowie an den Gebeten vor dem Schlafengehen und beim Verlassen des Hauses.
- Qur'an-Rezitation: Lesen Sie regelmäßig Al-Mi'wadhatayn, Ayat Al-Kursiy und Sure Al-Faatihah.
- Vertrauen in Allah: Vermeiden Sie jegliche Form von Amuletten oder Talismanen, da sie dem Monotheismus widersprechen und keinen Schutz bieten.
- Bescheidenheit: Obwohl Allah Ihnen attraktive Eigenschaften verliehen hat, ist es ratsam, Bescheidenheit zu wahren und nicht unnötig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, um potenziellen Neid zu minimieren.
- Bittgebete: Suchen Sie stets Zuflucht bei Allah durch die erwähnten prophetischen Du'aas.
Diese Maßnahmen bilden zusammen eine starke spirituelle Festung, die Sie mit Allahs Erlaubnis vor dem bösen Blick und anderen Übeln schützen wird.
Fazit
Der böse Blick ist eine Realität, die im Islam anerkannt wird, aber Allah hat uns auch die Mittel gegeben, um uns davor zu schützen und davon geheilt zu werden. Der Schlüssel liegt in der aufrichtigen Hingabe an Allah, der Einhaltung Seiner Gebote – wie dem Hijaab – und der konsequenten Anwendung der prophetischen Schutz- und Heilmittel. Vermeiden Sie alles, was dem reinen Monotheismus widerspricht, wie Amulette oder Glücksbringer. Vertrauen Sie allein auf Allah, denn Er ist der beste Beschützer und der einzige, der wahren Schutz und Heilung gewähren kann. Möge Allah uns alle vor dem Übel des bösen Blicks und des Neides schützen. Amin.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Der böse Blick: Schutz und Heilung im Islam kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Religion besuchen.
